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Klarstellung für die Idioten in Redaktionen: Die Male Idiot Theory gibt es nicht

Wir wollen uns vorab bei unseren Lesern bedanken, die so emsig die Gleichschaltung der deutschen Presselandschaft belegt haben, deren Gleichschaltung im Hinblick auf das völlige Fehlen von Urteilsvermögen, deren Gleichschaltung im Hinblick auf eine voyeuristische Geilheit, die sie verzückt in die Hände klatschen lässt, wenn sie denken, sie könnten etwas gegen Männer als Ganzes sagen, dass Männer Idioten sind, im vorliegenden Fall und deren Gleichschaltung im Hinblick darauf, dass sie alle keine eigenständigen Zeitungen sind, sondern Ableger von dpa.

Und jetzt und für alle unmissverständlich, damit es auch das letzte trübe Licht im hintersten Winkel eines Redaktionsraums versteht:

Der Beitrag von Ben Alexander Daniel Lendrem, Dennis William Lendrem, Andy Gray und John Dudley Isaacs mit dem Titel „The Darwin Awards: Sex Differences in Idiotic Behaviour“, der in der Dezember-Ausgabe des British Medical Journals veröffentlicht wurde, ist:

Wir wissen nicht, wie wir es noch ausdrücken sollen.

Die „Male Idiot Theory“ wird also einem Kartoonband, einem Kartoonisten, der für seine Satire bekannt ist, zugeschrieben. Es gibt die Male Idiot Theory nicht. Aber man muss darüber nachdenken, ob man nicht eine Editorial Staff Idiot Theory als Konsequenz aus den Veröffentlichungen der letzten beiden Tage entwickeln muss.

„According to “male idiot theory” (MIT) many of the differences in risk seeking behaviour, emergency department admissions, and mortality may be explained by the observation that men are idiots and idiots do stupid things.“

Spätestens hier sollte einem mit normalem Verstand begabten Leser auffallen, dass man eine Behauptung, nämlich z.B. die Unterschiede in riskantem Verhalten, nicht mit einer Bewertung „idiots“ begründen kann, die man wiederum mit sich selbst definiert (idiotic things). Dass dies den so hellen Redakteuren in den Redaktionsräumen deutscher Zeitungen nicht aufgefallen ist, sollte Verleger eigentlich dazu veranlassen, den intellektuellen Notstand auszurufen.

Und es mag sein, dass es für deutsche Redakteure normal ist, von Idioten und idiotisch zu sprechen und ganze Bevölkerungsgruppen unterschiedslos über einen Kamm zu scheren und zu beleidigen. Es sei Ihnen jedoch gesagt, es ist weder in der normalen Welt noch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen normal, denn es gibt Standards – außerhalb von Redaktionsräumen – Standards von Moral, Anstand und Wissenschaftlichkeit, die ein derart unterirdisches Niveau verbieten – außerhalb von Redaktionsräumen versteht sich.

Ehrlich gesagt, wissen wir nicht, wie es überhaupt passieren konnte, dass ein so offensichtlicher Scherz, wie der Beitrag von Lendrem et al. als solcher nicht erkannt werden konnte. Die einzige Erklärung, die uns dazu einfällt, rekurriert auf niedere Instinkte und verbindet diesen Rekurs mit der Ethnomethodologie. Betrachtet man den Text von Lendrem et al. nämlich als Erschütterungsexperiment, mit dessen Hilfe es möglich ist, tiefsitzende kulturelle Resentiments an die Oberfläche zu befördern, dann kann man feststellen:

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