Noch ein Amoklauf: Öffentlich-rechtliches Ganselmeiern zum Waffenrecht

Eine kleine Entfremdung des Textes, den Martin Ganslmeier in der ARD unter der Überschrift „Einsicht gleich null“ zum Amoklauf in Florida verbrochen hat:

„Diese Bilder habe ich in den vergangenen Jahren zu oft gesehen: schreiende Schüler, weinende Eltern, schockierte Bürgermeister, die nicht glauben können, dass solch ein Massaker in ihrer Gemeinde passieren konnte. Doch – es kann überall in Europa passieren.

Am Tag danach die immer gleichen Rituale: Es sei ein Einzelfall gewesen. Es gebe keine hundertprozentige Sicherheit vor Terrorismus. Man dürfe sich in seiner Freiheit nicht von Terroristen einschüchtern lassen.
Usw.“

Stellen Sie sich vor, ein solcher Kommentar, der z.B. die Fahrt von Anis Amri durch den Weihnachtsmarkt in Berlin zum Gegenstand hat, wäre überschrieben mit:

„Die Regierung trägt eine Mitschuld am Attentat in Berlin. Denn jeden Tag sterben Bürger durch Waffengewalt und statt Gesetze zu verschärfen, werden sie gelockert.“

Unvorstellbar?

Richtig.

Unvorstellbar!

Öffentliche Schreiber und Kommentierer wie Martin Ganslmeier kämen nie auf die Idee, das Verbot von z.B. Kleintransportern zu fordern, weil Terroristen Kleintransporter durch Fußgängerzonen fahren und als Mordwerkzeug benutzen. Sie kämen auch nicht auf die Idee, ein Verbot von Messern zu fordern, weil fast täglich irgendwo in der Republik ein Messer im Körper eines Opfers aufgefunden wird. Schreiber wie Ganslmeier finden mehr Spaß und Gefallen daran, sich über die USA seit Trump aufzuregen und deren Waffengesetze anzuprangern.

Obwohl die Waffengesetze der USA schon lange vor Trump bestanden haben, tatsächlich schon seit 1791 als im Second Amendment das Recht jedes US-Bürgers, eine Waffe zu tragen, festgeschrieben wurde:

“A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed.”

Dieses Recht ist weitgehend unangetastet, wird aber von einer Reihe von Gesetzen eingeschränkt, wobei Federal Laws mehr oder weniger einen Rahmen vorgeben, der von den Bundesstaaten völlig unterschiedlich gefüllt oder auch ignoriert wird. So hat Kalifornien ein eher restriktives Waffengesetz im Vergleich zu Florida, das ein eher großzügiges Waffenrecht hat.

Regelmäßig dann, wenn wieder ein Irrer einen Amoklauf z.B. durch Schulen vorgenommen hat, treten diejenigen auf den Plan, die denken, man könne Irre von irrem Verhalten abhalten, wenn man generell den Zugang zu Waffen verbietet. Wäre die Welt so einfach, dann bräuchte man keine Polizei und keine Kriminalstatistik mehr, denn die Verkündung eines gesetzlichen Verbots würde alle Bürger daran hindern, Straftaten zu begehen.

Regelmäßig dann, wenn in den USA Tote zu beklagen sind, melden sich Journalisten wie Ganslmeier mit ihren Weisheiten zu Wort, dass in den USA so furchtbar viele Waffen in privater Hand seien und deshalb so viel Morde geschehen. Tatsächlich ist die Anzahl der Morde in den USA dann, wenn man die weite Verbreitung der Waffen 101 auf 100 Einwohner mit einrechnet, geringer als in der Schweiz. Dort kommen 25 Waffen auf 100 Einwohner aber 12,3 Tote pro Waffe und Einwohner, während es in den USA 9,4 Tote pro Waffe und Einwohner sind. Wenn man, anders als Ganslmeier, das tut, was man normalerweise tut, um Daten zu bewerten, sie nämlich in einen Rahmen zu stellen, dann kommt ganz plötzlich ein anders Bild heraus.

Nehmen wir die Morde pro 100.000 Einwohner. 3,6 davon gibt es in den USA. Die ARD berichtet minutiös, wenn es genug auf einmal sind.

Die ARD berichtet nicht und Ganslmeier ereifert sich nicht über Tote in Venezuela. 39 Menschen pro 100.000 Einwohner werden dort jährlich erschossen.

Die ARD berichtet nicht und Ganslmeier ereifert sich nicht über Tote in Jamaika. 31 Menschen beißen dort jährlich ins Gras weil sie sich am falschen Ende einer Schusswaffe finden.

Die ARD berichtet nicht und Ganslmeier ereifert sich nicht über Tote in Honduras. 67 Menschen pro 100.000 Einwohner sterben dort jedes Jahr an den Folgen einer Schussverletzung, die ihnen Dritte beigebracht haben.

Die Erregung Ganslmeiers, sie hätte so viele Ziele:

In Swaziland werden 37 Menschen auf 100.000 Einwohner pro Jahr mit einer Schußwaffe ermordet, in Guatemala 30, in El Salvador 26, in Kolumbien 24, in Panama 14, auf den Philippinen 9, in Südafrika 8, in Costa Rica 6 … Es gibt so viele Regierungen, die Ganslmeier täglich in die Verantwortung nehmen könnte, weil in ihrem Land Menschen mit Schußwaffen umgebracht werden.

Aber Ganslmeier schweigt. Er interessiert sich nicht für Tote in Honduras, Guatemala, Venezuela, Jamaika, Kolumbien, El Salvador, Südafrika … Nein, der Thrill des Ganslmeier, er stammt aus Amokläufen in den USA. Das dortige Waffengesetz, beileibe nicht so liberal wie das Schweizer Waffengesetz oder das Tschechische Waffengesetz oder das Polnische Waffengesetz oder das Norwegische Waffengesetz, oder das Kanadische Waffengesetz, nein, das US-Amerikanische Waffengesetz, es ist Ganslmeier seine ganze Aufregung wert.

Wieder hat es Schüler getroffen, wieder muss er das lesen, wieder muss er das kommentieren, wieder darf er sich aufregen, wieder kann er sich als moralisch überlegen inszenieren, wieder hat er keinerlei Argument, keinerlei Daten, keinerlei Information, wieder langweilt er seine Leser mit moralischem Geschwätz, wieder erweist er sich als guter Untertan, wieder will er 321 Millionen US-Amerikanern Waffenbesitz verbieten, weil ein Irrer Amok gelaufen ist, und wieder meint er allen Ernstes, man könne Irre davon abhalten, Straftaten zu begehen, wenn man ihnen den Zugang zu Waffen erschwert.

Wenn er das wirklich glaubt, muss er, ob der terroristischen Gefahr, fordern, das LKWs und Kleintransporter verboten werden. Irgend etwas sagt uns, dass Ganslmeier zu viel Narretei neigt, aber vor dieser doch zurückschreckt. Nun muss er nur noch den Transfer schaffen und das Nichtverbot von Kleintransportern auf die Waffen in den USA übertragen. Aber dazu fehlt im vermutlich die Einsicht… denn seine Einsicht ist gleich null.

Daten: Gunpolicy.org

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Public Enemy: Der Informationskrieg und Anonymousnews.ru

Wir haben eine neue These: Die deutsche Variante von Demokratie ist keine politische Ordnung, sondern eine Inszenierung. Es geht darum, Dinge, die nicht sind oder kaum sind oder von denen niemand etwas weiß, glaubhaft zu machen, so als wären sie relevant und ein Schauspiel zu inszenieren, das von den tatsächlichen Verhältnissen eines Landes ablenkt, in dem z.B. alte Menschen nach Jahrzehnten der Arbeit in Armut leben, Flüchtlinge zu edlen Wilden, die zur Rettung des Abendlands geeilt sind, stilisiert und damit missbraucht werden und eine virtuelle Realität geschaffen wird, in der das Reden über die Dinge, das Handeln ersetzt hat.

Einen guten Eindruck von den Versuchen, eine Realität herbeizureden, erhält man im RSS-Feed des Deutschen Bundestages, in dem die parlamentarischen Anfragen zusammengetragen werden. Ginge man nach diesen Anfragen, in denen regelmäßig die rechtsextremen Straftaten, die rechtsextremen Musikveranstaltungen, die antisemitischen Straftaten usw. erfragt werden, man müsste zu dem Eindruck gelangen, in Deutschland sei es an der Tagesordnung, dass Heil-Hitler-Lieder vor einem Millionenpublikum gesungen, Ausländer von einem rechten Mob durch die Straßen getrieben, deren Geschäfte mit einem A für Ausländer markiert werden usw. Aber das ist natürlich nicht so. Es geht vielmehr darum, einen Schein zu erwecken. Politik und Parteien richten sich nicht auf die Gestaltung der Wirklichkeit, sondern auf die Inszenierung einer Wirklichkeit, die sie sich die entsprechenden Akteure wohl wünschen.

Das neueste Beispiel politischer Inszenierung findet sich in einer Anfrage der LINKE und der Antwort der Bundesregierung auf diese Anfrage. Die Anfrage gehört in den Komplex, wir inszenieren eine Welt der sozialen Medien, in der es vor allem Fake News gibt, die sozialen Medien von Rechtsextremisten unterwandert sind, diese Rechtsextremisten von Russland finanziert werden, um die deutsche Demokratie zu zerstören (als gäbe es da etwas zu zerstören). Der Kampf gegen die sozialen Medien, den die meisten Politiker und die politische Linke führen, ist dadurch motiviert, dass die Gatekeeper-Funktion, die in Mainstream-Medien so gut funktionierte, dass Meldungen die dem, was als politisch korrekt gilt, widersprechen, keine Chance hatten in die Nachrichten von öffentlich-rechtlichen oder anderen Mainstream-Medien zu gelangen, obsolet geworden ist. Der Ausschluss der politischen Opposition zur Politischen Korrektheit war nahezu vollständig und gelungen, bis es die neuen Medien, das Internet gab. Seither haben die Gatekeeper ihren Zweck verloren, denn jeder kann sich im Internet über das informieren, was ihm z.B. öffentlich-rechtliche Medien vorenthalten wollen.

Deshalb gibt es die Hatespeech-Kampagne, die dafür sorgen soll, den Informationsmarkt „Internet“ zu diskreditieren und die Ängstlichen unter den Bürgern wieder in die Arme der öffentlich-rechtlichen Medien zu treiben, auf dass sie nur noch mit den Informationen versorgt werden, die man dort für richtig und genehm hält.

Was sich derzeit abspielt, ist ein Krieg um Informationshoheit, Informationszugang und darum, wer bestimmt, was die korrekte Inszenierung der Wirklichkeit ist. Ist Deutschland ein Land, in dem rechtsextreme Konzerte an der Tagesordnung sind, in dem Rechtsextreme von morgens bis abends marschieren und zur Mittagszeit Döner überfallen? Oder ist Deutschland ein Land, in dem Rechtsextremismus kaum eine wahrnehmbare Rolle spielt, weshalb man ihn schaffen, kreieren, empor reden und anhand von Einzelfällen aufbauschen muss?

Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil anhand der Antwort der Bundesregierung zu einer Anfrage der LINKE, die das Portal „Anonymousnews.ru“ zum Gegenstand hat, eine Webseite, auf der es einen bunten Strauß von Informationen gibt, zu denen man sich, so wie bei öffentlich-rechtlichen Medien auch, ein eigenes Urteil bilden muss, was ihren Wahrheitsgehalt angeht. Da wir alle mündige Bürger sind, die in deutschen Schulen zu solchen erzogen wurden, sollte das überhaupt kein Problem sein – oder?

Dennoch gibt es diese Anfrage der LINKEN zu EINER einzigen Internetseite und zu deren Betreiber, dem fast schon in linken Kreisen legendären „Mario R.“ [Mario Rönsch], der sich als Mario R durch viele einzelne Beiträge zieht, die sich mit den fast ebenso legendären Seiten „Migrantenschreck“ und „Anonymous Kollektiv“ (auf Facebook) verbinden. Falls Sie von beiden Seiten noch nie etwas gehört haben bzw. schon einmal etwas gehört haben, die Seiten dann aber wieder vergessen haben, dann geht es Ihnen wie uns.

Und wie wir, so machen sie sich natürlich auch dadurch schuldig, dass sie den großen linken Traum nicht leben, den Traum totaler Kontrolle im linken Paradies, in dem es keinen Widerspruch, keine Hetze, keine falschen Informationen, keine Interessen, die gegeneinander laufen gibt und in dem alle Ringelreihen tanzen bis sie nicht mehr können, um dann unterm Füllhorn ihre Bedürfnisse nach Nahrung zu erfüllen.

Wir, für unseren Teil, sind gerne kein Bestandteil dieser linken Dystopie, in der es keine Lebewesen mehr gibt, sondern nur noch Zombies, in der nur noch politisch-korrekte Inhalte verbreitet werden und jeder die Wahrheit sagt, jenes Land der linken Erzengel, in dem Milch und Honig fließt, es ist uns zuwider: Wir halten es lieber mit der Realität, in der man sich nach wie vor selbst ein Urteil bilden muss und dazu eines nicht braucht, Politiker, die als paternalistische Zensoren unterwegs sind und löschen wollen, was sie denken, dass wir, obwohl die meisten von uns mehr IQ haben dürften als die entsprechenden Politiker, nicht lesen sollen.

Anonymousnews.ru ist eine solche Seite, die die LINKE gerne aus dem Internet streichen würde, denn die Tagesschau hat berichtet, dass die Seite „gezielt und anonym von Russland aus“ Fake News verbreite, in denen „insbesondere Linke, … Migranten und Muslime“ im Fokus stünden.

Merke: Was die Tagesschau berichtet, muss stimmen, auch dann, wenn es nicht mit der Realität übereinstimmt. Es geht um die Inszenierung, nicht um die Wahrheit.

Dass die Inszenierung der Tagesschau, die die LINKE so gerne teilt, nicht die Inszenierung ist, die die Bundesregierung teilt, wird in der Antwort zur kleinen Anfragen deutlich. Dort wird die Internetseite www.anonymousnews.ru als eine Seite bezeichnet, auf der „Beiträge veröffentlicht“ werden, die „sich in erster Linie gegen Muslime, Flüchtlinge und Vertreter der Bundesregierung richten. Zudem werden auf dieser Webseite zahlreiche Falschmeldungen (Fake News) gestreut.“

Damit gibt es nicht viel, außer der Ausrichtung, was die Internetseite von der, der Tagesschau trennt. Bei der Tagesschau werden Beiträge veröffentlich, die sich in erster Linie nicht gegen Muslime, Flüchtlinge und Vertreter der Bundesregierung richten. Zudem werden bei der Tagesschau auch zahlreiche Falschmeldungen gestreut, wie man leicht nachvollziehen kann, wenn man die zahlreichen Artikel auf ScienceFiles liest, in denen Fehler, Falschmeldungen, tendenziöse Berichterstattung, Auslassungen, Suggestionen oder schlicht die Beleidigung von nehmen wir Donald Trump als Ersatz für eine Nachricht thematisiert wurde.

Aus dem Medienprojekt von Rechtsextremen, das nur Fake News verbreitet, das die LINKE in ihrem Antrag inszenieren wollte, ist schon in der ersten Antwort der Bundesregierung eine Seite geworden, die auch Fake News verbreitet, neben Beiträgen, die sich gegen Muslime, Flüchtlinge und Vertreter der Bundesregierung richten.

Drei Fragen weiter geht es um die Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz zur politischen Einflussnahme, Ausrichtung und zu den Inhalten der Internetseite „anonymousnews.ru“.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz meint nach Angabe der Bundesregierung, dass auf anonymousnews.ru „regelmäßig islam-, asyl-, und regierungsKRITISCHE Beiträge sowie Beiträge mit russlandfreundlicher Berichterstattung veröffentlicht“ werden.

Das nennt man im Englischen „a clean bill of health”. Offensichtlich hat man beim Bundesamt für Verfassungsschutz nichts an der Internetseite auszusetzen, es sei denn kritische Berichterstattung zu den genannten Themen soll generell untersagt und als Hetze bezeichnet und eine russlandfreundliche Berichterstattung an sich als verfassungsfeindlich inszeniert werden, was wohl schwierig zu argumentieren sein wird.

Man sieht hier ein Trichtermodell der Inszenierung. Je näher das, was inszeniert wurde, der Realität kommt, umso weniger bleibt davon übrig.

  • Die Tagesschau inszeniert anonymousnews.ru als Seite die Fake News und nichts anderes verbreitet.
  • Die LINKE inszeniert die Seite als eine, die zudem ein „rechtsextremistisches Medienprojekt“ sein soll.
  • Die Bundesregierung sieht auf dieser Seite neben Beiträgen, die sich gegen Muslime, Flüchtlinge und Vertreter der Bundesregierung richten, auch Falschmeldungen.
  • Das Bundesamt für Verfassungsschutz, das seine Urteile auf belegbare Fakten und nicht auf Erfundenes, das die eigene Inszenierung stützt, basieren muss, sieht islam-, asyl- und regierungskritische sowie russlandfreundliche Beiträge und keine Falschmeldungen.

Von der Inszenierung ist nicht mehr viel übrig.

Aber das Beispiel macht deutlich, dass es in Deutschland derzeit einen Krieg um Informationen gibt, dessen Ziel darin besteht, den freien Zugang zu Informationsangeboten zu verhindern und die Möglichkeiten, über kontrollierte Zugänge zu Informationen, nicht nur das, was als Information angeboten wird, sondern auch das, was die Bevölkerung als Information wahrnimmt, zu beherrschen.

Das, was deutsche Demokratie sein soll, ist eine Inszenierung, in der es darum geht, den eigenen politischen Vorteil durch Kontrolle von Information zu erreichen und Bürger daran zu hindern, sich unabhängige Urteile zu bilden, wie man es nur kann, wenn man auch unabhängige Messungen zur Verfügung hat, also z.B: vergleichen kann, was auf unterschiedlichen Internetseiten zum selben Gegenstand geschrieben wird.

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Für ein besseres Programm: Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten abschaffen

Die Bereitstellung von Rundfunkangeboten wird in Deutschland und in anderen Ländern als öffentlicher Service angesehen, als Leistung, für die Bürger zu bezahlen haben, während sie von öffentlichen Institutionen bereitgestellt wird. Was dabei herauskommt, das weiß in Deutschland jeder. Und ob außer den Richtern beim Bundesverfassungsgericht noch jemand der Ansicht ist, öffentlich-rechtliche Sender seien wegen eines Kultur- oder Bildungsauftrags unverzichtbar, ist eigentlich keine Frage.

Betrachten wir die Frage der Bereitstellung von Rundfunkangeboten doch einmal aus der Perspektive der Konsumenten. Wie kann man sicherstellen, dass das Programm, das angeboten wird, nicht den Interessen von Parteien, Publizisten und anderen, die sich berufen fühlen, ihre Vorlieben anderen aufzuwingen, entspricht, sondern den Erwartungen der Konsumenten?

Die Antwort auf diese Frage ist recht einfach.

Ein Rundfunkprogramm, das öffentlich finanziert ist, aber für Konsumenten keinerlei Möglichkeit vorsieht, ihre Programmvorlieben durchzusetzen, wird über kurz oder lang zu einem Programm, das die Interessen derer widerspiegelt, die die Programme erstellen oder Einfluss auf die Programmerstellung nehmen können, also in erster Linie derjenigen, die in Programmräten oder bei Sendern in Positionen sitzen, die ihnen Einfluss auf die Programmgestaltung einräumen. Die Wünsche der Konsumenten, das, was Konsumenten sehen wollen, sie werden nur selten mit dem, was gesendet wird, übereinstimmen. Die Vielfalt der Kundenwünsche wird sich in der Monotonie des geplanten Fernsehens nicht erkennen lassen.

Ein Rundfunkprogramm, das über Werbung finanziert wird, wird auch ein partikulares Programm sein, das die Vielfalt von Kundenwünschen nicht annähernd repräsentiert. Sender, die sich über Werbung finanzieren, haben ein Interesse daran, möglichst viele Konsumenten zu erreichen. Sie werden entsprechend auf Masse und weniger auf Klasse setzen.

Was bleibt ist ein Vorschlag, den Ronald Coase schon 1961 gemacht hat: Abonnement-Rundfunk (Subscription oder Pay-Per-View). Konsumenten abonnieren die Programme, die ihren Vorlieben entsprechen, vielleicht auch die Sender, die ein Programmangebot haben, das ihnen gefällt. Auf diese Weise wird der Preismechanismus, der in Märkten dafür sorgt, dass nichts produziert wird, das niemand kaufen will, auf Rundfunkanstalten übertragen und auf diese Weise der Benutzung öffentlich-rechtlicher Anstalten für ungewollte Indoktrination dann ein Ende gesetzt, wenn diese Indoktrination nicht nachgefragt wird.

Wenn die Konsumenten von Rundfunkangeboten selbst darüber entscheiden können, für welches Angebot sie bezahlen wollen und für welches nicht, ist gewährleistet, dass sich eine breite Spanne von Angeboten etabliert, denn nicht jeder will Fußballübertragungen sehen und nicht jeder ist an modernen politisch-korrekten Spielfilmen interessiert. Mit der Einführung von Abonnements als Finanzierungsquelle für Rundfunkanstalten erhalten Konsumenten Macht über das Programmangebot. Ihre Wünsche entscheiden über Erfolg oder Misserfolg eines Rundfunkangebots – nicht mehr die Spleens von Politikern oder die persönlichen Vorlieben von Programmverantwortlichen.

Rundfunkgebühren, die derzeit für ein Programm entrichtet werden müssen, auf das Konsumenten einerseits obwohl sie dafür bezahlen keinen Einfluss haben, das sie andererseits häufiger nicht sehen als das sie es sehen wollen, entfallen im Modell von Coase, schon weil Rundfunkprogramme nur dann zu öffentlichen Dienstleistungen erklärt und vom Staat einvernahmt werden können, wenn der Staat und die ihn tragenden Interessengruppen sich davon einen Gewinn versprechen, eine Möglichkeit, die Meinungsbildung von Bürgern zu manipulieren, eine Gelegenheit, Parteisoldaten auf Kosten von Steuerzahlern durchzufüttern, eine Option, um Bürger mit bestimmten Informationen zu füttern und von anderen Informationen abzuschneiden – ein Machtmittel zur Unterdrückung der Bürger also. Und natürlich will in einer Demokratie niemand die Bürger unterdrücken oder gar unmündig halten.

Deshalb kann es nur einen Schluss geben: Die Abschaffung der Rundfunkgebühren und die Einführung eines Abonnement-Systems als Finanzierungsquelle für Rundfunksender.

Für alle, die der Beitrag von Ronald Coase interessiert:

Coase, Ronald E. (1966). The Economics of Broadcasting and Government Policy. American Economic Review 56(1/2): 440-447.

Coase, Ronald E. (1961). Why Not Use the Price System in the Broadcasting Industry? Freeman 11(July): 52-57.

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Das Elend, das Journalismus sein soll

Es ist nur ein paar Jahre her, da ging eine angebliche Studie durch die Medien, in der eine Male Idiot Theory entwickelt worden war. Die Göttinger Studie, in der rundherum alle Ossis zu rechtsextremen Fremdenfeinden erklärt wurden, sie hat die Runde durch alle Medien gemacht. Die neue Studie von Pfeiffer und seinen Orgelpfeifen, in der versucht wird, Gewaltkriminalität zu relativieren, sie macht die Runde durch die Medien. Die Liste des Unsinns, der es als Studie in deutsche Medien schafft, sie ist lang, sehr lang. Medien verkünden den Insektengenozid, sie wissen, dass die Kinderarmut endemisch ist, sie berichten von der schrecklichen Unterdrückung von Frauen, wie sie in ministerialen Studien zum Gender Pay Gap angeblich ihren Niederschlag findet.

Das Elend, das sich Journalist nennt, es ist in deutschen Medien, die ja mehrheitlich von Sympathisanten linker Parteien bevölkert werden, besonders häufig. Vermutlich erklären die politischen Sympathien, dass Journalisten Studien aufsitzen, die man schon mit einem einzigen Blick als Junk erkennen kann. Die Male Idiot Theory, die im British Medical Journal dargelegt wurde, war ein Scherz. Es ist nicht der erste wissenschaftliche Scherz mit Folgen [Ein anderer Scherz, der für bare Münze genommen wurde, hat den Irrsinn der Internetsucht begründet]. Deutsche Medien nahmen den Scherz für bare Münze, weil es unter deutschen Journalisten schick ist, männerfeindlich zu sein. In gleicher Weise springen linke Journalisten ohne auch nur einen Gedanken zu verschwenden, auf angebliche Studien, die ihr Weltbild zu bestätigen scheinen.

Die Ossis sind alle rechtsextreme Fremdenfeinde. Das wird gekauft, auch wenn ein Blick in die Studie ausgereicht hätte, um festzustellen, dass man von drei Orten in Sachsen nicht auf Ostdeutschland schließen kann, oder es nur kann, wenn man weder wissenschaftliche Lauterkeit noch menschliche Intelligenz hat.

Ein Blick in die Studie, die einen vermeintlichen Insektozid für Deutschland gefunden haben will, hätte gereicht um festzustellen, dass die Insekten nur an wenigen Orten in Nordrhein-Westfalen und auch dort nur dann, wenn man bereit ist, eine Vielzahl von Annahmen zu machen, die man als Wissenschaftler eigentlich nicht macht, nicht in ihrer Zahl, sondern in ihrer Biomasse seltener werden.

Bei der neuesten Studien-Sau, die durch die Medien-Dörfer getrieben wird, der Anstieg bei der Gewaltdelinquenz in Niedersachsen, der in weitem Umfang auf Flüchtlinge zurückgeht, muss man nicht einmal viel Verstand haben, um zu erkennen, dass die meisten Behauptungen keine Argumente, sondern Blödsinn sind.

Wenn zum Beispiel behauptet wird, Flüchtlinge würden kriminell, weil sie keine Bleibeperspektive haben, dann sollte doch dem ein oder anderen Journalisten die Frage einfallen, warum nur wenige derer, die keine Bleibeperspektive haben, kriminell werden und nicht alle. Wenn behauptet wird, dass Flüchtlinge häufiger als Gewalttäter angezeigt werden als Deutsche, dann sollte sich doch in dem ein oder anderen Journalistengehirn die Frage formulieren, woher die drei Pfeiffenr vom Kriminologischen Forschungsinstitut in Niedersachsen das wissen wollen. Möglicherweise führt dieser Gedanke dazu, die Studie, nicht die Pressemeldung, in die Hand zu nehmen und die entsprechende Seite aufzuschlagen und dort zu lesen, dass Pfeiffer, Baier und Kliem der Ansicht sind, man können von Aussagen die Schüler zu bestimmten Fragen, die ihr Anzeigeverhalten betreffen (können), machen, eben einmal auf das Anzeigeverhalten der Bevölkerung schließen. Von der Identifikation dieses unlauteren Vorgehens zur Erkenntnis, dass hier versucht wird, Journalisten einen Bären aufzubinden, ist es dann nicht mehr weit, so dass wir guten Mutes sind, dass der ein oder andere Journalist zu dieser Erkenntnis fähig wäre.

Aber die Realität ist eine andere.

Journalisten verbreiten Junk Studies, weil deren Ergebnisse ihren politischen Einstellungen entsprechen.
Weil ihnen die Ergebnisse in den Kram passen, prüfen Sie die Ergebnisse nicht.
Man muss zudem annehmen, dass die meisten Journalisten, die sich in Redaktionsstuben verweilen, gar nicht in der Lage wären, eine Junk Studie von einer wissenschaftlichen Untersuchung zu unterscheiden, ein Schluss, der durch die breite und ernstgemeinte Zustimmung, die gerade die Male Idiot Theory in deutschen Medien gefunden hat, nahe gelegt wird.

Man kann es sich also aussuchen, ob das Elend, das Journalist sein will, zu ideologisch, zu dumm oder zu faul ist, seine Arbeit zu machen. Fest steht indes, dass Journalisten ihre Arbeit nicht machen. Journalismus ist nämlich eine kritische Tätigkeit. Das schließt die fraglose Übernahme von Pressemeldungen aus, setzt vielmehr die Prüfung der darin gemachten Behauptungen vor Veröffentlichung voraus. Deshalb ist Journalismus auch eine Tätigkeit, die ein Mindestmaß an Intelligenz und Fähigkeit, an Kompetenz und Wissen über das Gebiet, auf dem man sich tummelt, voraussetzt. Schließlich ist Journalismus keine Tätigkeit für Parteiaktivisten, die Inhalte ihrer ideologischen Provenienz verbreiten, während sie Inhalte, die ihren Stereotypen und Vorurteilen widersprechen, unterdrücken.

Kurz: ein guter Journalist verfügt über ein Mindestmaß an Bildung. Er ist kritisch und prüft, was er veröffentlicht. Er recherchiert und veröffentlicht nichts, was er nicht beurteilen kann. Ein guter Journalist biedert sich nicht bei Politikern an. Er bewahrt seine Unabhängigkeit.

Und weil dem so ist, sieht man dann, wenn man den Blick auf deutsche Medien richtet, zumeist nur eines: Journalistisches Elend.

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Weser Kurier: Islamischer Staat trifft ideologischen Eifer und Unbildung

Beim Weser Kurier spricht man nicht mehr vom Islamischen Staat, weil der Islamische Staat kein Staat sei und nicht religiös motiviert, so die Begründung. 

“Der WESER-KURIER verwendet den Begriff “Islamischer Staat” nicht, weil diese Terrorgruppe weder religiös motiviert noch ein Staat ist. Wir sprechen wie ihre Gegner von Daesch.”

Deshalb sprechen die Weser Kuriere nur noch von Daesch, was die falsche Eindeutschung von DAESH ist.

DAESH wiederum ist eine Abkürzung für 

al-Dawla al-Islamiya fi al-Iraq wa al-Sham.

Die näheste Übersetzung davon lautet:

DAESH = Der islamische Staat im Irak und in Syrien.

Der Weser Kurier hat also den Begriff “Islamischer Staat”, der der Gazette zu religiöse und zu staatlich ist, durch die Abkürzung DAESCH ersetzt, die eine falsche Eindeutschung von DAESH darstellt, das wiederum für “Islamischer Staat im Irak und in Syrien” steht.

Die Bremer Kurier-Narren haben also den Begriff, den sie nicht mögen, durch die Abkürzung des arabischen Originals des Begriffs, den sie nicht mögen, ersetzt. Das ist eine reife Leistung, die man nur dann erbringen kann, wenn man viel ideologische Überzeugung, viel erzieherischen Eifer, aber überhaupt keine Ahnung davon hat, worüber man spricht.

Uns scheint, in Bremen ist eine besondere Klasse der linken Minder-Intelligentia zu finden, eine, bei der sich die eigenen Heilsüberzeugungen mit erheblichen Wissenslücken verbinden. Allein die Behauptung, DAESH (ISIL, ISIS, IS), eine Organisation, die das Kalifat einführen will, sei nicht religiös motiviert, ist kompletter Umsinn.

Oder wie wir in der Pfalz sagen: Des bassiert, wänn jeder Hansdolle maent, mitredde zu könne.

Für des Englischen Unkundige, besonders in der Bildungs-Wüste Bremen: DAESCH hat mit Trash nichts zu tun

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