ARD verharmlost Kriminalität als Kunstprojekt: VoteBuddy und DeTaxBuddy

DeTaxBuddy vermittelt reichen Deutschen einen Fluchtweg vor dem Staat. Das Projekt verbindet Menschen, die hohe Steuern zahlen wollen, mit Menschen, die aus Armut keine Steuern zahlen müssen weltweit. Ziel ist es, deutschen Millionären ihre ultrahohe Steuerlast zu erleichtern und armen Menschen ein kleines Einkommen zu verschaffen. Das Projekt, das über eine gut gemachte Seite im Internet den Eindruck von Authentizität vermittelt, ist ein Fake. Die Künstlergruppe Blemblem steckt hinter dem Hoax und will damit auf die hohe Steuerbelastung von Millionären in Deutschland aufmerksam machen.

Was wüsste Patrick Gensing von der ARD wohl über dieses Projekt zu berichten, wenn es tatsächlich durchgeführt worden wäre. Käme ein Aktivist von Blemblem zu Wort, um das Anliegen, deutsche Millionäre vor dem Fiskus zu schützen, zu erklären? Würde sich Gensing über die linksradikale Seite von Attac! echauffieren, die die Seite für bare Münze genommen hat und gegen die organisierte Steuerhinterziehung zu Felde zieht? Würde Gensing über den Grünen Experten für Drainage Sven Giegold schreiben, dass er ein linker Publizist sei, der sich in einem Blog darüber geärgert hat, dass der Finanzminister nichts tue, um Steueroasen trockenzulegen und Steuerschlupflöcher zu stopfen?

Anyone’s guess!

Fakt ist, dass der angebliche Faktenfinder Gensing, im Zusammenhang mit VoteBuddy, jener Seite, die den Austausch von Wahlstimmen von denen, die nicht wählen wollen, zu denen, die nicht wählen dürfen, propagiert hat,  zum Anlass nimmt, um darauf hinzuweisen, dass diese Aktion von einem „rechtsradikalen Blog“ mit einen Text versehen wurde, dass der “rechte Publizist David Berger” gefragt habe, was Heiko Maas gegen VoteBuddy unternehme und dass er ansonsten einen irrsinnigen Tweet ausgegraben hat, um zu zeigen, dass nur Dumme und Rechte sich über VoteBuddy aufregen.

Obwohl die Grenze des guten Geschmacks bereits hier schon weit außer Sicht geraten ist, legt Gensing noch nach. Einer Aktivistin von Peng! einem angeblichen Künstlerkollektiv wird die Möglichkeit gegeben, den Unsinn mit dem Tausch von Wahlstimmen als Projekt eines „Künstlerkollektivs“ zu verharmlosen, das darauf aufmerksam machen wollte, dass „in Deutschland Millionen Migranten kein Wahlrecht hätten“. Der Faktenfinder „Gensing“ versäumt es an dieser Stelle, darauf hinzuweisen, dass viele dieser Millionen Migranten über ein Wahlrecht z.B. in der Türkei verfügen. Aber zwei Variablen in Zusammenhang zu bringen, das ist nicht unbedingt die Stärke von Faktenfinder Gensing. Er macht sich lieber zum Transporteur von politischem Blödsinn wie der völkerrechtswidrigen Forderung, dass alle Migranten, die ein Jahr in Deutschland leben, in nationalen Wahlen ein Wahlrecht haben sollten und zupft ansonsten das Lied vom Opfer, denn: Oh Schreck, das Künstlerkollektiv habe sich mit Hass konfrontiert gesehen. Beleidigungen und Morddrohungen hätten das Künstlerkollektiv erreicht. Angesichts der Tatsache, dass die Fake-Seite von VoteBuddy über ein ebensolches Fake-Impressum verfügt hat, fragt man sich doch, wie die entsprechenden Morddrohungen und Beleidigungen zum Künstlerkollektiv gelangt sind und wie die entsprechenden Droher es geschafft haben, Personen zu bedrohen, die in aller Anonymität verharrt sind?

Aber kein Blödsinn ist groß genug, als dass ihn Gensing nicht als Faktum verkaufen würde. Darüber vergisst er, dass die strafrechtliche Seite dieser  Aktion, die man nur dann als „Kunstprojekt“ ansehen kann, wenn man bereit ist, Künstlern generell zu attestieren, dass sie nicht alle Tassen im Schrank haben, nicht so einfach vom Tisch zu wischen ist, wie es „Sara Conti von Peng!“ nicht etwa von Blemblem, meint.

Das Wahlrecht ist ein personalisiertes Recht. Es kann nur persönlich ausgeübt werden, und zwar von Personen, die das 18. Lebensjahr erreicht haben. Es ist also nicht übertragbar. Die Übertragung eines Stimmrechts auf eine andere Person ist vielmehr ein Akt der Wahlfälschung nach § 107a des Strafgesetzbuches:

(1) Wer unbefugt wählt oder sonst ein unrichtiges Ergebnis einer Wahl herbeiführt oder das Ergebnis verfälscht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer das Ergebnis einer Wahl unrichtig verkündet oder verkünden läßt.

Nun haben die , die „Peng!“ sind, nach eigenen Angaben angeblich keine Stimmen vermittelt. So dass sie denken, sie seien aus dem Schneider. Nun, um sie wieder in den Schneider zu holen, zitieren wir Absatz 3 von § 107a StGB:

(3) Der Versuch ist strafbar.

Wir plädieren dafür, die Frage, wann ein Versuch vorliegt, auf Grundlage des Wettbewerbsrechts zu beantworten. Dort wird ein Versuch regelmäßig dann angenommen, wenn ein Angebot nach seiner Art und Gestaltung gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen könnte. Dasselbe gilt für das Rechtsberatungsgesetz. Wenn ein Angebot gegen das Verbot der Rechtsberatung durch Nicht-Juristen verstößt, spielt es keine Rolle, ob jemals ein entsprechender Akt, eine entsprechende Rechtsberatung stattgefunden hat, es reicht, dass sie hätte stattfinden können. Dass es vielleicht möglich gewesen wäre, reicht aus, um entsprechend belangt zu werden. Es wäre mit der Seite „VoteBuddy“ möglich gewesen, Wahlfälschung zu betreiben. Die Betreiber sind dafür haftbar zu machen.

Und vielleicht gelingt es im gleichen Atemzug, Patrick Gensing loszuwerden. Es ist einfach nicht erträglich, wie offen manche Redakteure ihr politische Anbindung vor sich hertragen. Wenn Journalisten nicht mehr in der Lage sind, zwischen ihrer politischen Orientierung und einer Berichterstattung zu unterscheiden, dann muss man sie aus den Organen, die der Berichterstattung dienen, entfernen.

Noch ein Wort zu der Kategorie „Faktenfinder“, die die ARD eingeführt hat.
Dass man bei der ARD der Ansicht ist, man müsse bestimmte Beiträge als Beiträge zum Finden von Fakten kennzeichnen, ist insofern irritierend als der Beruf des Journalisten, die journalistische Tätigkeit als solche das Finden von Fakten umfasst. Dass dies bei der ARD explizit gekennzeichnet werden muss, führt zu dem Schluss, dass nicht als Faktenfinder gekennzeichnete Beiträge keine Fakten enthalten, woraus man wieder schließen müsste, dass die ARD keine Journalisten oder nur wenige Journalisten beschäftigt, sondern vornehmlich politische Aktivisten, die ihre nicht vorhandenen journalistischen Fähigkeiten täglich aufs Neue zur Schau stellen, in Print, in Fernsehen und wahrscheinlich sogar im Radio.

Deutsche Welle: Journalisten sind Killer

Berlin, 1. September 2017.
Deutsche Welle.
Themen: Wissen und Umwelt
Psychologie.

Journalisten sind Killer – Journalism kills!
Wir zitieren aus dem Beitrag der Deutschen Welle:

“Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Wir Journalisten haben mit unserer Berichterstattung die Macht, über das Leben von Menschen zu entscheiden. Genauer: Unsere Beiträge können töten. Und zwar dann, wenn es sich um Berichte über Terroranschläge handelt, mit Aufmacher auf der Titelseite“.

Wir wissen nicht, mit welchem Journalisten der Deutschen Welle hier seine Phantasie durchgegangen ist, aber wir wissen: Dieses Ausmaß an selbstzugeschriebener Grandeur, an Realitätsverlust und an Projektion eigener Wünsche und Begierden, ist erschreckend und nicht normal. Insofern wäre der Artikel besser in der Kategorie „Psychiatrie“ anstelle von „Psychologie“ aufgehoben.

Die Erkenntnis, dass Journalisten mit ihren Beiträgen zu Killern werden (können) und die Hoffnung, dass man in Zukunft Terroranschläge verschweigen kann, sie werden von einem Beitrag ausgelöst, den Michael Jetter gerade im Journal of Public Economics veröffentlicht hat: „The effect of media attention on terrorism“. In diesem Beitrag kommt Jetter zu der Einschätzung, dass „media coverage may encourage further terrorist attacks“ (46). Dieses Ergebnis basiert auf der Analyse von 43 Jahren terroristischer Aktivität in 201 Ländern der Erde.

Das Ergebnis ist offenkundig der Stoff, aus dem die Träume von so manchem Redaktionshocker bei der Deutschen Welle sind. Aber ist es auch fundiert? Im Gegensatz zum Träumer der Deutschen Welle haben wir uns die Daten und die Methode angesehen, die Jetter zu seinem Ergebnis führen.

Terroranschläge werden höchst akribisch in der Global Terrorism Database (GTD) gesammelt. Jetter benutzt diese Daten. Seine Fragestellung zielt auf die Anschläge, die in Folge eines Anschlages verübt werden. Die GTB zeigt, dass in der Woche direkt nach einem Anschlag im Durchschnitt weitere 5,01 Anschläge verübt werden. Ob diese Nachfolgeanschläge in geographischer Nähe, in ideologischer Näher oder in irgendeinem anderen Zusammenhang mit dem Ausgangsanschlag stehen, das zeigt die GTD nicht und Jetter untersucht es auch nicht.

Um einen Zusammenhang zwischen der Medienberichterstattung und Terroranschlägen untersuchen zu können, benötigt man auch Daten zur Medienberichterstattung. Jetter entnimmt die Daten, mit denen er internationale Aufmerksamkeit für Terroranschläge operationalisieren will, der Publikationsdatenbank der New York Times. Er berücksichtigt also nur Beiträge, die in der New York Times erschienen sind und begründet dies damit, dass die New York Times von 4imn an erster Stelle gerankt wird, und zwar mit Blick auf die weltweite Leserschaft (unter der sich hoffentlich auch des Englischen mächtige Terroristen befinden, aber dazu kommen wir noch), außerdem, so Jetter, hätten auch andere Forscher die New York Times benutzt, um Medieneinflüsse zu messen.

Eine mehr als lahme Begründung, schon weil man damit, dass es andere bereits vorher gemacht haben, vom Mord bis zum Abendessen im Dorchester in London alles begründen kann.

Wie dem auch sei. Jetter benutzt die Berichterstattung der New York Times, um die Intensität der internationalen Berichterstattung über Terroranschläge zu operationalisieren und die Daten der GTD, in denen die Terroranschläge von 1970 bis 2012 aufgeschlüsselt sind. Und dann berechnet er eine Regression, um den Einfluss von Ersterem auf Letzteres herauszufinden. Und?

Nichts.
Keine Korrelation.
Die Intensität der Berichterstattung in der New York Times hat keinen Effekt auf die Häufigkeit von Terroranschlägen, die dem Terroranschlag, über den berichtet wird, nachfolgen.

Bad Luck.
Was tun?
Nun, hat sich Jetter gedacht, es könnte doch sein, dass da beide, also die Anzahl der Anschläge nach einer Berichterstattung und die Intensität der Berichterstattung über einen Anschlag, da sie endogene Variablen sind, mit einander so konfundiert sind, dass nichts herauskommt, wenn man eine Regression rechnet. Deshalb rechnet Jetter mit der Berichterstattung über Naturkatastrophen in den USA.

Diese Berichterstattung, so seine Überlegung, wenn sie gleichzeitig erfolgt, wird die Intensität der Berichterstattung über Terroranschläge reduzieren, so dass dann, wenn trotz Berichterstattung über Katastrophen in den USA dennoch eine erhöhte Berichterstattung über Terrorismus vorhanden ist und daraus ein Effekt auf die Nachfolgeanschläge ausgeht, er als Forscher davon ausgehen könne, dass es einen Effekt der Berichterstattung auf die Anschläge, die dem Anschlag, über den berichtet wird, nachfolgen, gebe. Potzblitz, der Effekt stellt sich ein. Und weil sich dieser Effekt einstellt, deshalb kommt Jetter zu dem Schluss, dass die Intensität der Medienberichterstattung sich auf die Häufigkeit von Nachfolgeanschlägen auswirkt.

Welche Phantasien dies bei einem Redakteur der Deutschen Welle ausgelöst hat, das wissen wir bereits.

Kommen wir daher zur Kritik:
Eine Anzahl von Terrorismusforschern ist der Ansicht, dass Terrorismus eine Kommunikationsstrategie ist. Nicht die Opfer sind das Ziel von Terrorismus, vielmehr wollen Terroristen eine Message transportieren, sie wollen eine Regierung unter Druck setzen oder sie wollen eine Verunsicherung der Öffentlichkeit herbeiführen, um eine Regierung zu bestimmten Handlungen zu zwingen. Insofern macht es Sinn anzunehmen, dass Terroristen darauf aus sind, in der New York Times und der London Times Schlagzeilen zu machen.

Damit endet der Sinn bereits, denn: Aus dieser Annahme lässt sich zum einen Ableiten, dass Terroristen über erfolgte Berichterstattung zufrieden sind und Nachfolge-Anschläge aus Zufriedenheit entstehen oder man kann ableiten, dass Terroristen über eine NICHT erfolgte Berichterstattung oder eine zu geringe Berichterstattung erbost sind und nachfolgende Anschläge die Reaktion darauf sind.

Damit ist die Studie von Jetter bereits zerstört, denn er ist nicht einmal auf die Idee gekommen, danach zu prüfen, ob sein ursprüngliches Ergebnis, das keinen Zusammenhang zwischen Intensität der Berichterstattung und Häufigkeit von Nachfolgeanschlägen zeigte auf den zuletzt genannten Effekt zurückzuführen ist. Er hat also etwas finden wollen.

Zudem gibt es bei Zeitreihen, die irgendwo anfangen, das Problem, die Richtung des Zusammenhangs zu bestimmen. Einerseits können Terroranschläge eine Reaktion auf Berichterstattung sein, andererseits ist Berichterstattung über Terroranschläge immer eine Reaktion auf erfolgte Terroranschläge. Die Terroranschläge können aber vollkommen unabhängig voneinander sein. In der Tat legt der Datensatz von Jetter, der den Zeitraum von 1970 bis 2012 umfasst und in dem somit Anschläge der IRA und der RAF, neben denen von FARC, ISIL und Al-Kaida oder von Timothy McVeigh enthalten sind, den Schluss nahe, dass hier ein Ergebnis herbei gerechnet wurde, das keiner näheren Betrachtung standhält, weil man selbst die Idee, dass Terrorismus eine Kommunikationsstrategie darstellt, weit dehnen muss, um einen Zusammenhang zwischen der Berichterstattung über das Oklahoma Bombing am 19. April 1995 und dem Abschuss einer Regierungsmaschine durch die Tamil Tigers in Sri Lanka am 22. April 1995 oder dem Bombenanschlag vom 7. Juni in Ankara herzustellen.

Kurz: Die Ereignisse, die Jetter in der Datenbank alle als homogene Ereignisse behandelt, zeichnen sich dadurch aus, dass sie alles andere als homogen sind. Deshalb muss er annehmen, dass kolumbianische Terroristen oder Terroristen in Sri Lanka oder in den USA alle durch die Berichterstattung der New York Times motiviert wurden. Eine Annahme, die sehr weit hergeholt, ja fast lächerlich ist.

Aber nichts ist so lächerlich, als dass die Lächerlichkeit nicht von denen, die bei der Deutschen Welle ausgerechnet die Kategorie „Wissen“ bestücken wollen, übertroffen werden könnte:

“Es gibt erste Untersuchungen, die darauf schließen lassen, dass auch Terroranschläge imitiert werden. Wenn in den Medien also intensiv über Terroranschläge oder auch Amokläufe berichtet wird, führt das zu weiteren Anschlägen”, sagt Till. Wie beim Suizid auch, können Medienberichte für bereits radikalisierte, aber bisher ambivalente Menschen der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.“

Der zitierte Till, heißt mit vollem Namen Benedikt Till und soll Psychologe an der Medizinischen Universität in Wien sein. Wiener haben es auch nicht leicht.

Wir haben somit einen Bogen von einem Anschlag in, sagen wir London am 7. Juli 2005, über die Berichterstattung in der New York Times zu einem Anschlag am 12. Juli in Natanya in Israel geschlagen. Letzterer ist nach Ansicht der sorry: Spinner bei der Deutschen Welle eine Imitation von ersterem, denn, wie wir alle wissen, gibt es eine Vielzahl von Terroristen, die mit Rucksäcken voller Sprengstoff unterwegs sind und nur darauf warten, dass sie in der New York Times von einem Anschlag lesen, der sich wo auch immer, mit welcher Motivation, welcher Zielsetzung und welchem Erfolg auch immer ereignet hat, um sich selbst und möglichst viele andere in die Luft zu sprengen. Oder, um den Irrsinn auf die Spitze zu treiben: Hätten die Medien nicht über den Anschlag auf das Federal Building in Oklahoma berichtet, dann hätten die Tamil Tigers kein Flugzeug abgeschossen und einen Monat später kein Massaker unter der Zivilbevölkerung angerichtet, die IRA hätte ihre Waffen schon vor 2000 abgegeben, al-Kaida hätte sich aufgelöst und Osama bin Laden könnte heute noch leben.

Die schöne neue Welt der Deutschen Welle. Es geht das Gerücht, dass Menschen mit Intelligenz begabte Wesen sein sollen. Wir haben begründete und ernsthafte Zweifel, dass diese Aussage in dieser Allgemeinheit zutrifft.

Jetter, Michael (2017). The Effect of Media Attention on Terrorism. Journal of Public Economics 153(1): 32-48.

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Qualitätspresse? Anbiederungspresse! Presse der Ahnungslosen! Untertanenpresse!

Der Begriff der Qualitätspresse taucht in der Regel im Zusammenhang mit FakeNews auf. Bei der Qualitätspresse, so heißt es, da sei man vor FakeNews sicher. Bei der Qualitätspresse, so wird gesagt, da gebe es ein Impressum und ausgebildete Journalisten. Beides gewährleiste Qualität. Bei der Qualitätspresse, da stehe der Versuch, objektiver Berichterstattung an erster Stelle… Und so weiter.

Das Ziel besteht natürlich darin, Qualitätspresse als eine Art „Gütesiegel“ zu vergeben, das die Konsumenten von vermeintlicher Qualitätspresse dazu veranlasst, weniger kritisch oder gar nicht kritisch dem gegenüber zu stehen, was ihnen von dieser Qualitätspresse aufgetischt wird. Ein anderes Ziel, z.B. Konsumenten als zu eigenständigen Gedanken und unabhängigem Urteil fähige Menschen zu akzeptieren, kann sich mit dem Begriff der „Qualitätspresse“ nicht verbinden, denn Menschen, die sich eigenständige Gedanken machen und ein unabhängiges Urteil bilden, tun dies unabhängig von der Behauptung, das, was sie gerade lesen, wäre ein Ergebnis von „Qualitätsjournalismus“.

Kurz: Wer den Begriff der Qualitätspresse oder des Qualitätsjournalismus benutzt, will in der Regel manipulieren, zeigt damit, das er auch nicht weiß, warum das, was er so bezeichnet, Qualität sein soll, hat also keine stützenden Argumente für seine Qualitätsbehauptung und zudem begeht er den logischen Fehler der voreiligen Verallgemeinerung und den des argumentum ad auctoritatem.

Gestern haben wir von einem Versuch aus dem Hause DIW berichtet, ein neues Pay Gap auf keinerlei vorhandener empirischer Basis in die Welt zu reden. Die Junk-Studie, die die Grundlage der Behauptung bildet, dass homosexuelle Männer schlechter bezahlt werden als heterosexuelle Männer, haben wir hier besprochen. Jeder, der auch nur ein wenig Ahnung von empirischer Sozialforschung hat, muss beim Lesen der Junk-Studie sofort merken, dass die Datenbasis keinerlei allgemeine Aussagen, wie sie ein Sexuality Pay Gap darstellt, zulässt. Und wer noch etwas mehr als wenig Ahnung hat, muss schnell merken, dass die Autoren aktiv versuchen, die Leser über die Anzahl der Schwulen, auf die sie ihre Behauptung gründen, zu täuschen.

Tatsächlich wäre diese Junk-Studie in jedem anderen Land der Gegenstand heftiger Kritik in Medien und von Kollegen, wäre die Junk Studie in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschienen, sie wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückgezogen worden. Aber: In Deutschland gehen die Uhren anders. Hier verbreitet ein öffentlich finanziertes Institut wie das DIW munter Studien, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind und baut aktiv an einem neuen Mythos: Dem, dass homosexuelle Männer schlechter bezahlt werden als heterosexuelle Männer und vor allem soll suggeriert werden, sie würden schlechter bezahlt, WEIL sie homosexuell seien.

Kurz: Das DIW verbreitet Lügen, Lügen, die von der angeblichen Qualitätspresse nur zu willig aufgenommen werden.

Wir muten unseren Lesern nun einen repräsentativen Ausschnitt (jedes deutsche Printmedium hatte dieselbe Chance, in unserer Auswahl zu landen) der Realität deutscher Qualitätspresse zu.

Das Handelsblatt:

Quelle: https://giphy.com

„Schwule verdienen weniger Geld: Einen „Pay Gap“ gibt es nicht nur beim Thema Geschlecht…. Schwule ]verdienen] sogar 2,64 Euro weniger.”

Deutschlandfunk

„Schwule Männer verdienen weniger als heterosexuelle: Homosexuelle Männer werden in Deutschland schlechter bezahlt als heterosexuelle. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung beträgt die Differenz beim realen Stundenlohn etwa zwei Euro.“

Berliner Kurier

„Sexuality Pay Gap“ Schwule verdienen weniger, Lesben mehr als Heteros. Berlin Schwule Männer bekommen auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Schnitt einen geringeren Stundenlohn als heterosexuelle. Die Differenz beim realen Brutto-Stundenlohn betrage rund 2,14 Euro, heißt es in einer Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Donnerstag in Berlin vorstellt.”

Die ZEIT (wie immer mit dem dümmsten Titel:)

„Homosexuelle Männer werden beim Gehalt benachteiligt:
Ökonomen haben in einer Studie einen sogenannten Sexuality-Pay-Gap identifiziert: Schwule verdienen in Deutschland demnach weniger pro Stunde als heterosexuelle Männer.“

Die Welt

“Schwule Männer verdienen weniger als Heteros. Weniger Geld für die gleiche Leistung – das betrifft offenbar nicht nur Frauen, sondern auch schwule Männer. Sie entscheiden sich bei der Berufswahl zudem weit häufiger als Heteros für ganz bestimmte Branchen.”

Neues Deutschland

Quelle: https://giphy.com

“Schwule bekommen schmaleren Lohn:
Schwule erhalten im Mittel einen Stundenlohn von 16,40 Euro brutto, während ihre heterosexuellen Kollegen auf rund 18 Euro kommen, heißt es in der Studie, die DIW-Ökonomen am Donnerstag vorstellten. Berücksichtigt man, dass Schwule häufig eine höhere Schulbildung haben, dann beläuft sich die Differenz sogar auf über zwei Euro. Das DIW spricht deswegen von einem »Sexuality Pay Gap«, analog zum »Gender Pay Gap«, der Lohnkluft zwischen Frauen und Männern.”

Der Spiegel

“Schwule verdienen weniger als Heteros
Frauen verdienen weniger als Männer. So weit, so bekannt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet nun vor: Auch homosexuelle Männer werden benachteiligt.”

Der Tagesspiegel

“Weniger Gehalt trotz besserer Bildung: Von wegen konsumfreudig und hedonistisch – Lesben, Schwule und Bisexuelle verdienen in Deutschland deutlich weniger Geld als Heterosexuelle. Das hat ein Wissenschaftlerteam des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW in Berlin herausgefunden.”

FAZ

“Schwule haben geringeren Stundenlohn
Homosexuelle Männer verdienen laut einer neuen Studie schlechter als Heteros. Im Durchschnitt ist ihr Stundenlohn 2,14 Euro niedriger.”

Augsburger Allgemeine

“Studie: Homosexuelle Männer verdienen weniger als Heterosexuelle. Der Stundenlohn unterscheidet sich einer Studie zufolge brutto um etwa zwei Euro: Welche Rolle spielt die sexuelle Orientierung bei der Bezahlung?”

Und so weiter.

So entstehen Mythen.

So verbreiten sich FakeNews.
Es beginnt mit einer Pressemeldung eines Instituts, das am Tropf der Steuerzahler hängt und sich regelmäßig als politisch korrektes Institut bei Politikern andient. Darin wird behauptet, es gäbe ein Pay Gap zwischen homosexuellen Männern und heterosexuellen Männern.
Dass die Grundlage dieser Behauptung keine derartige Verallgemeinerung zulässt, dass in der angeblichen Studien die Fallzahl, auf der das behauptete Pay Gap basiert, absichtlich verheimlicht wird, das steht natürlich nicht in der Pressemeldung. Um dies auf einen Blick zu sehen, müsste man in die Studie schauen. Aber das macht natürlich keiner der angeblichen Qualitätsjournalisten. Ob bei Spiegel, ZEIT, FAZ, Welt oder Augsburger Allgemeine beschäftigt, sie kupfern nur das ab, was in der Pressemeldung des DIW verkündet wird.

Sie machen sich zum Mittäter bei der Verbreitung von FakeNews.

Warum kommt keiner der angeblichen Qualitätsjournalisten auf die Idee, die Aussagen in der Pressemeldung zu prüfen? Warum interpretieren die angeblichen Qualitätsjournalisten ihren Beruf dahingehend, Sprachrohr für institutionelle Pressemelder zu sein?

Quelle: https://giphy.com

Drei Antworten:
Die vermeintlichen Qualitätsjournalisten sind keine Qualitätsjournalisten, sondern ahnungslose Dilettanten, die verbreiten, was man ihnen auftischt, weil sie über keinerlei Urteilsvermögen verfügen, das es ihnen ermöglichen würde, zu beurteilen, was man ihnen auftischt.

Die vermeintlichen Qualitätsjournalisten sind autoritäre Persönlichkeiten, die nie auf die Idee kommen würden, die Pressemeldung einer Institution zu kritisieren, die sie – weil sie von Ministerien finanziert wird – der Obrigkeit zuordnen. Eher machen sie sich in die Hosen, als dass ihnen der Gedanke, man könne den Inhalt von Pressemeldungen prüfen, schlimmer noch: Der Beruf „Journalist“ verlange, dass man den Inhalt von Pressemeldungen prüft, um sich nicht zum Helfershelfer bei der Verbreitung von Mythen, Lügen und Falschmeldungen zu machen, in den Kopf käme.

Die vermeintlichen Qualitätsjournalisten sind Opportunisten, die jede Gelegenheit nutzen, um ihre Anpassung an den Mainstream und das, was als politisch-korrekt gilt, deutlich zu machen. Am liebsten signalisieren sie durch Meldungen, mit denen man sich nicht nur bei der Lobby der gesellschaftlichen Gruppen andienen kann, die gerade In sind, ihre Fähigkeit, zum Kriechen und produzieren sich im gleichen Moment, dadurch, dass sie auf eine vermeintliche Diskriminierung hinweisen, als ein Social Justice Warrior, der im Gegensatz zu Don Quichotte nicht einmal eine Windmühle benötigt, um seine Lanze der Gerechtigkeit gegen seine Einbildung zum Einsatz zu bringen.

Diese Schreiber von der traurigen Gestalt kann man kaum als Qualitätsjournalisten bezeichnen. Man kann sie entweder nur bemitleiden, weil sie das willige Werkzeug in der Hand geübter Manipulateure sind oder verachten, weil ihre Loyalität nicht mit bei ihren Lesern liegt, sondern bei denen, die sie als ihre Obrigkeit ansehen.

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FAZ-Journalismus: Deavouieren als Schreibzweck – Von Arne Hoffmann und seinen Neidern

Qualitative Sozialforschung hat auch ihre guten Seiten. Einmal davon abgesehen, dass viele qualitative Sozialforscher den Inhalt vor lauter Worten nicht mehr sehen, wenn sie vor den vielen Seiten, auf denen transkribierte Interviews zu lesen sind, sitzen, hat genau diese Notlage einige von ihnen dazu geführt, sich Methoden auszudenken, um dem Kern des Gesagten auf die Spur zu kommen. Die wohl wichtigsten Methoden gehen auf Ralf Bohnsack, Philip Mayring, Barney Glaser und Anselm Strauss zurück. Sie tragen so spröde Namen wie „Dokumentenanalyse“ oder „qualitative Inhaltsanalyse“ oder so vielversprechende, die qualitative Sozialforschung fast schon zur Utopie weiterentwickeln, wie Grounded Theory.

Der Kern aller qualitativer Methoden besteht darin, zentrale Textstellen ausfindig zu machen, die es erlauben, auf die Motivation, die Überzeugung, die Einstellung, die Wertvorstellung uvm. dessen, der gerade interviewt wurde oder dessen, von dem man einen Text als qualitatives Material vorliegen hat, zu schließen.

Nehmen wir z.B. den Text von Sebastian Eder, „It’s a woman’s world“ in der FAZ vom 28. August, in dem es im weitesten Sinne um Arne Hoffmann geht. Dieser Text weist eine Vielzahl von Besonderheiten auf, die es erlauben, die Intention, Motivation und die Überzeugung von Sebastian Eder herauszuarbeiten; Letztlich so viel, dass der Text mehr über Sebastian Eder aussagt, als über Arne Hoffmann, der eigentlich Gegenstand des Textes ist.

Die zentrale Textstelle im mehrere Seiten umfassenden Elaborat von Eder findet sich im ersten Drittel. Sie lautet wie folgt:

„Es wäre insgesamt recht einfach, sich über Arne Hoffmann lustig zu machen: Er ist 48, lebt aber noch mit seinem Vater in seinem Elternhaus in einem 500-Seelen-Dorf im Taunus. Er hat keine Freundin, schreibt aber Sex-Ratgeber. Er liebt Fantasy-Geschichten und entspricht auch optisch dem Klischee eines Nerds, der sich vor allem hinter seinem Bildschirm stark fühlt – und er kämpft eben gegen die Unterdrückung der Männer, die doch immer noch fast überall in der Gesellschaft das Sagen haben.“

Hier spricht Eder direkt zu seinen Lesern. Hier zeigt er, welche Vorstellung einer gesellschaftlichen Normalität er hat, welche Überzeugung über das richtige soziale Leben ihn leitet. Hier zeigt er, dass er ein Spießer ist, dessen Ziel darin besteht, Arne Hoffmann aufgrund seines abweichenden Lebensstils zu diskreditieren. Insofern ist diese Textpassage ein Ankerbeispiel im Sinne Philip Mayrings, das wir der Kategorie „intolerante Sicht auf die Welt“ zuordnen. Die Textpassage basiert auf den folgenden Prämissen:

Wenn jemand 48 Jahre alt ist und auf dem Land bei seinem Vater lebt, wenn er keine Freundin hat, ABER Sex-Ratgeber schreibt, dann ist dieser jemand lächerlich.

Damit die Vorstellung von „Unnormalität“ für Sebastian Eder beschrieben, die Abweichung von dem, was Eder für gesellschaftlichen Standard hält. Dass Eder zudem denkt, Abweichungen von diesem gesellschaftlichen Standard seien lächerllich, zeigt, dass er intolerant anderen Lebensentwürfen gegenüber ist und entsprechend nicht in die pluralistische Moderne passt.

Besonders interessant ist seine Ansicht, dass das Schreiben von Sex-Ratgebern notwendig eine Freundin voraussetze. In Zeiten, in denen die Objektivierung von Frauen so gerne beklagt wird und die Normalität von Homosexualität so gerne betont wird, ist es erstaunlich, dass diese Ansicht, die mit der Normalität von Homosexualität nicht kompatibel ist nicht zu einem Aufschrei der üblichen Verdächtigen geführt hat. Vielleicht sind sie ja der Methoden der qualitativen Sozialforschung nicht mächtig.

Zudem ist die zitierte Stelle aussagekräftig im Hinblick auf die Motivation und die Intention, die hinter der Entscheidung Eders, einen Beitrag über Arne Hoffmann zu veröffentlichen, stehen: Die Intention besteht darin, Arne Hoffmann zu diskreditieren, die Motivation hinter derartigen Tätigkeiten wird gemeinhin als Hass oder Neid benannt.

Zunächst zur Intention:

Der Nerd hinter dem Bildschirm in Verbindung mit dem lächerlichen Lebensstil, den Eder Hoffmann zuschreibt, soll dazu dienen, dessen Kampf gegen „die Unterdrückung von Männern“ zu diskreditieren und Hoffmann lächerlich zu machen als gesellschaftliche Abnormalität, die ihre Unfähigkeit, das, was Eder für eine normale Beziehung hält, aufzubauen, dadurch kompensiert, dass sie sich hinter einem Bildschirm verschanzt, um für eine lächerliche Sache zu kämpfen, denn natürlich sind Männer in Deutschland nicht benachteiligt, werden sie nicht unterdrückt, so das Vorurteil Eders.

Die zweite Ebene der Lächerlichkeit, die Eder in seinem Beitrag nutzen will, zielt auf den Gegenstand der Arbeit von Hoffmann. Ist der Mann lächerlich gemacht, ist auch was er tut nichts anderes als lächerlich, fühlt er sich doch „hinter seinem Bildschirm stark“. Diese Behauptung ist jedoch ein zweischneidiges Schwert, denn sie trifft auch Sebastian Eder, der im Schutze seines Bildschirms verbal über einen Menschen herfällt, der nicht gegenwärtig ist und ihm entsprechend auch keine Faust ins Gesicht schlagen kann, um sein Missfallen kund zu tun. Auch Eder ist, gemäß seiner eigenen Logik, ein Nerd, der sich „hinter seinem Bildschirm stark fühlt“.

Im Gegensatz zu Arne Hoffmann ist Eder aber ein böswilliger Nerd, einer, dessen einziger Lebenssinn darin zu bestehen scheint, zu versuchen, andere zu diffamieren, sie schlecht zu schreiben und sich nebenbei bei dem anzudienen, was er für die herrschende Ideologie hält: Den Feminismus. Dass er dadurch Hoffmann, der die Unterdrückung von Männern bekämpft Recht gibt, scheint Eder nicht einmal aufzufallen. Das wiederum ist kein Wunder, denn Eder geht es in erster Linie darum, Hoffmann zu diskreditieren. Wir haben einmal die Ankerbeispiele im Text Eders zusammengetragen, die diese Intention, mit der der Text über Arne Hoffmann geschrieben wurde, belegen:

  • Arne Hoffmann wird von „Frauen oft etwas schräg angeschaut“.
  • Er gelte als „Vordenker der deutschen Männerrechtsbewegung“ (er „gilt“, nicht: er ist!).
  • Die Bücher Hoffmanns, in denen er Männerrechte thematisiert, seien schwer zu finden, man müsse sich durch einen Berg von Büchern mit Titeln wie „Sex für Fortgeschrittene“ oder „Onanieren für Profis“ hindurcharbeiten.
  • Hoffmann schieße „meilenweit über das Ziel hinaus“.
  • Hoffmann hat keinen (richtigen) Verleger für sein Buch „Sind Frauen die besseren Menschen“ gefunden. Nur ein Berliner Szeneverlag habe das Buch drucken wollen.
  • Hoffmann hat in der Mehrheitsgesellschaft nicht Fuß fassen können, weshalb er sich „eine Nische suchen“ musste.
  • Er „begann als klassischer Troll“.
  • Er wurde in Foren aktiv, „in denen sich wütende Männer austoben“.
  • Er äußert sich auf rechten Plattformen.
  • Er gibt dem Kopp-Verlag Interviews und schreibt für eigentümlich frei.

Die Meldung, die Eder seinen Lesern vermitteln will, ist ziemlich eindeutig: Hoffmann ist eine gescheiterte Existenz, die in der Gesellschaft nicht Fuß fassen kann, er führt einen aussichtslosen Kampf zu einem unsinnigen Thema und er ist ein rechter, ein rechter Männerrechtler, der im Internet andere trollt.

Diese Rolle des Trolls wird Hoffmann von Eder attestiert, nachdem Eder darauf hingewiesen hat, dass „[g]erade Feministinnen … sich im Internet nicht nur mit den Annäherungsversuchen wildfremder Männer herumschlagen [müssen] – sie werden oft auch massiv angefeindet und bedroht“.

Es wäre einfach, sich über die Welt, wie sie sich für Sebastian Eder darstellt, lustig zu machen, wäre er nicht eine so traurige Existenz, die einem Mitleid abringt. Dessen ungeachtet müssen die Grundpfeiler von Eders Welt hier offengelegt werden:

Es ist lauter, wenn ein Journalist, dem ein Verlag aufgrund welcher Überlegungen auch immer, eine Kolumne eingerichtet hat, diese nutzt, um Menschen zu desavouieren, die einen Lebensstil führen, den dieser Journalist nicht gut findet, gegen den er ansonsten aber nichts vorzubringen weiß. Denn Argumente gegen die Männerrechtsbewegung und die Relevanz dessen, was Hoffmann tut, finden sich im Text keine.

Weil er nichts gegen den anderen Lebensstil vorzubringen weiß, arbeitet Eder mit Anspielungen und Unterstellungen, mit der Waffe des feigen Journalisten, den „Anführungszeichen“, die es dem Autor ermöglichen, seine Diffamierung als Zitat auszugeben.
Eder konstruiert für Arne Hoffmann einen Rahmen des gesellschaftlichen Außenseiters, des deprivierten Nerds, der seine Deprivation in Sex-Ratgebern und im Kampf in der Sicherheit des Bildschirms gegen die guten Feministen richtet, die doch über jede Kritik erhaben sind.

Argumentationen Hoffmanns, die dessen Position stützen, ja nachvollziehbar machen würden, werden kurzerhand mit „“ vom Tisch gewischt und einem „Fachbuch“ zugeschrieben, von dem die „“ zeigen, dass Eder insinuieren will, es handle sich gar nicht um ein Fachbuch.

Wie gesagt, der Text von Eder sagt mehr über Eder selbst aus als über Arne Hoffmann, noch deutlicher wird dies, wenn man sich nach der Motivation fragt, die Eder haben könnte, eine einseitige, diffamierende und auf Desavouieren ausgerichtete Darstellung eines Menschen zu geben, dem doch angeblich „kaum jemand“ „zuhören will“? Warum also beschäftigt sich Eder so prominent und so ausführlich mit der angeblichen  Nischengestalt Hoffmann.

Drei Möglichkeiten:
Er wird dafür bezahlt, Hoffmann zu desavouieren, z.B. weil sich Hoffmann bei Amazon einen Namen damit gemacht hat, das, was man bei Genderisten in Anführungszeichen gesetzt vielleicht ein Buch nennen könnte, zu rezensieren und argumentativ zu zerlegen.

Hoffmann ist für ihn ein Symbol, ein Symbol für etwas, das ihm, also Eder, Angst macht, für einen Mann, der eine Überzeugung lebt und nicht täglich gezwungen ist, sich an den Zeitgeist anzupassen und bei seinen „Oberen“ anzubiedern.

Oder das Motiv ist schlicht Neid, Neid auf die Freiheit, die ein Nerd hinter seinem Bildschirm auf dem Land, der mit seinem Vater lebt, in seinem Leben hat, er, der nicht Kinder von A nach B kutschieren muss, wohl keine finanziellen Verpflichtungen hat, die sein Leben determinieren, keinen Anpassungsdruck an gesellschaftliche Vorgaben, sich einzuordnen, zu haben scheint, jemand, der anders ist, sich die Freiheit nimmt, anders zu sein, kurz das, was man eine Persönlichkeit nennt.

Ist Eder also der Softie, der vor lauter Verständnis und Anpassung an den Feminismus vergessen hat, was es bedeutet, ein Mann zu sein oder ist er der Typ verhinderter Mann, der vor lauter Feigheit nicht den Mut findet, aus dem gesellschaftlichen Käfig, in den er sich hat einsperren lassen, auszubrechen und deshalb allen, die nicht so anpassungsfähig wie er waren, ihr Rückgrat neidet?

Wir wissen es nicht.
Auch die qualitative Sozialforschung hat ihre Grenzen.

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Nach Brexit: Deutscher Ansturm auf britische Staatsbürgerschaft

Vor einigen Monaten waren die deutschen Zeitungen voll von Meldungen darüber, dass der Brexit dazu führe, dass Briten Deutsche werden wollen. Geschrieben in der Regel mit dem Duktus, da seht ihr, ihr Briten, was ihr vom Brexit habt, Euch laufen die Bürger davon, erfindet z.B. der MDR einen „Brexit-Effekt“, der darin besteht, dass seit dem Brexit, 10 Briten in Dresden eine deutsche Staatsangehörigkeit beantragt haben. In Chemnitz und Leipzig, so heißt es im gleichen Bericht, sei der Andrang von Briten auf die deutsche Staatsbürgerschaft fast genau so hoch.

„Nach dem Austritt aus der Europäischen Union wollen Briten unbedingt Deutsche werden“, so weiß man bei der WELT und berichtet von 60 Briten in Berlin, 280 in Hamburg und 140 in Frankfurt am Main, die die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt haben.

Beim RBB wollen immer mehr Briten Deutsche werden, von 45 auf 175 führt der sprunghafte Anstieg der entsprechenden Anträge in Berlin dieses Mal. Natürlich wollen die Antragsteller nur deshalb Deutsche werden, weil sie Teil der EU bleiben wollen. Der RBB weiß das.

Bei der ARD weiß man noch mehr

„Der geplante Ausstieg der Briten aus der EU macht sich auch bei den Einbürgerungen bemerkbar: Im vergangenen Jahr haben sich so viele Briten wie nie zuvor für einen deutschen Pass entschieden. 2865 Briten ließen sich einbürgern, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das seien 2243 mehr als im Jahr zuvor, als sich lediglich 622 Briten einbürgern ließen.“

Wie sehen: Der Brexit hat zur Folge, dass Briten, die in der EU bleiben wollen, Deutsche werden wollen. Das haben die Briten nun davon. Ihnen laufen die EU-liebenden Bürger davon.

Nehmt Sie.

Ein beliebtes Mittel der Manipulation besteht darin, Daten nur zur Hälfte auszuweisen, um auf diese Weise eine Kausalität vortäuschen zu können, die es gar nicht gibt. Denn: Wenn der Brexit ausschließlich für das Vereinigte Königreich mit Nachteilen verbunden ist, ganz so wie er in den deutschen Medien dargestellt wird. Wenn wegen des Brexit Großbritannien nur Nachteile hat und dem Land die Bürger, die es können, davon laufen, dann dürfte es keine Bewegung in die andere Richtung geben, denn der furchtbare Brexit und das Land der Brexitiere, Großbritannien, sie sind natürlich für niemanden, für gar niemanden interessant oder gar das Ziel ihrer Auswanderung aus Deutschland.

Und doch:

Das Britische Home Office berichtet, dass die Zahl der Anträge auf eine britische Staatsangehörigkeit, die von EU-Bürgern gestellt werden, seit dem Brexit sprunghaft gestiegen sei. 28.502 Anträge hat man beim Home Office von Juli 2016 bis Juli 2017 gezählt. Von Juli 2015 bis Juli 2016 waren es nur 12.631 EU-Bürger, die Briten werden wollten.

Besonders explodiert ist die Zahl der Deutschen, die die deutsche durch die britische Staatsangehörigkeit ersetzen wollen: 2.338 Anträge von Deutschen sind im Zeitraum von Juli 2016 bis Juli 2017 bei Her Majesty‘s Visa and Immigration eingegangen, 193,4% mehr als von Juli 2015 bis Juli 2016 als 1.209 Anträge eingingen. Man sieht, der Brexit hat zur Folge, dass Deutschland die Bürger davonlaufen, in Richtung der freiheitlichen Insel.

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