Mainstream-Journalisten nicht AfD-Anhänger lassen sich am einfachsten irreführen

In den letzten Monaten ist es unter Journalisten immer beliebter geworden, über angebliche Studien zu berichten, bevor diese veröffentlicht werden. Die entsprechenden Studien, die man, weil nicht veröffentlicht, als dubios bezeichnen muss, liegen in der Regel angeblich entweder der Süddeutschen Zeitung oder dem Spiegel vor und finden von dort eine rasante Verbreitung durch die Mainstream-Medien, deren Originalität letztlich nur in den Fehlern besteht, die sie beim voneinander übernehmen oder kopieren oder abschreiben machen.

Die neueste Studie, die dieses Mal dem Spiegel vorliegt und auf deren Rezeption in der WELT wir uns hier beziehen, wurde von der „Berliner Denkfabrik ‚Stiftung neue Verantwortung‘“ durchgeführt, eine Stiftung, die nicht unbedingt bekannt dafür ist, dass ihre Angestellten in empirischer Sozialforschung besonders bewandert wären. Eigentlich ist die Stiftung bislang überhaupt nicht bekannt, uns jedenfalls nicht. Es ist also eine Stiftung, die bekannt werden will. Und was macht sich in Mainstream-Medien besser, um bekannt zu werden, als AfD-Bashing.

Die AfD-Anhänger, wer auch immer das sein mag, denn wir wissen nicht, ob es sich hier um AfD-Wähler, solche, die eine Wahlabsicht für die AfD oder eine Sympathie für die AfD angegeben haben, wir wissen nicht einmal wie viele AfD-Anhänger die Denkfabrikanten aus Berlin überhaupt befragt haben, wir wissen von ihnen nur, dass sie besonders anfällig für Fake-News sein sollen. AfD-Wähler, so der unbekannte Redakteur der WELT, der in der Überschrift zu seinem Beitrag noch von AfD-Anhängern geschrieben hat [er weiß es also auch nicht, auf wen sich die Ergebnisse eigentlich beziehen] seien für Falschnachrichten besonders anfällig. Die implizite Meldung die hier verbreitet werden soll, lautet natürlich: AfD-Wähler haben nur deshalb AfD gewählt, weil sie auf Falschnachrichten der AfD hereingefallen sind.

Alexander Sängerlaub, Leiter des Fake-News-Projekts, ordnet die Ergebnisse seines Fake-News-Projekts so ein: „Geglaubt wird, was ins Weltbild passt“.

Gibt es in der Sozialforschung einen älteren Hut als diesen?
Leon Festinger hat bereits 1957 seine Theorie der kognitiven Dissonanz veröffentlicht. Informationen, die nicht ins Weltbild passen, so Festinger, würden eben passend gemacht. Informationen, die ins Weltbild passen, schnell und problemlos inkorporiert.

Amos Tversky und Daniel Kahneman haben 1986 mit dem Konzept des Framing die Manipulationsvariante ergänzt und gezeigt, dass man mit der Formulierung von Fragen oder Aussagen Antworten beeinflussen kann.

Und damit sind wir wieder zurück bei der „Studie“ aus der „Denkfabrik in Berlin“, die angeblich zeigt, dass AfD-Wähler/Anhänger/Sympathisanten besonders anfällig sind für Falschnachrichten. Wir müssen die Studie, die angeblich dem Spiegel vorliegt, auf Basis der öffentlichen Informationen beurteilen, aber das reicht bereits, um feststellen zu können, dass auch die Denkfabrizierer aus Berlin nur gefunden haben, was ihnen ins Weltbild gepasst hat.

Folgende Aussagen wurden Befragten vorgelegt:

  • Der CDU-Wahlspruch ‚Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben‘, stammt von einem SED-Plakat.
  • Im baden-württembergischen Schorndorf randalierten 1000 Migranten auf einem Volksfest.
  • Flüchtlinge bekommen in Deutschland kostenlos einen Führerschein vom Staat finanziert.
  • 59 Prozent der Flüchtlinge haben keinen Schulabschluss.
  • Flüchtlinge aus Baden-Württemberg machten mehrmals Urlaub in ihren Heimatländern.
  • Martin Schulz (SPD) fordert die Einführung eines sogenannten ‚Arbeitslosengeld Q‘.
  • Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat alle Deutschen als Nazis bezeichnet.

Fällt ihnen bei diesen Aussagen etwas auf?
Ein Bias vielleicht?
Eine Richtung?
Eine Zielgruppe?

Bis auf drei Aussagen haben alle Aussagen Flüchtlinge zum Gegenstand und somit ein Thema, von dem man angenommen wird, dass es bei AfD-Wählern die Wahrscheinlichkeit, bei Nichtwissen zum negativen Extrem zu tendieren, erhöht, bei Wählern von Grünen, SPD, CDU usw. den gegenteiligen Effekt haben kann. Man kann also erwarten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass AfD-Wähler/Sympathisanten/Anhänger die Aussage, dass Flüchtlinge aus Baden-Württemberg gleich mehrmals in ihrer Heimat Urlaub machen, in Schorndorf randaliert haben, zu 59% keinen Schulabschluss haben und den Führerschein umsonst machen dürfen, für wahr halten, höher ist als die entsprechende Wahrscheinlichkeit für CDU, Grüne, SPD und LINKE-Wähler.

Den Denkfabrikanten aus Berlin ist es ganz offensichtlich darum gegangen, AfD-Anhänger und –Wähler als anfälliger für Fake-News darzustellen. Wäre es ihnen nicht darum gegangen, sie hätten nicht alle Aussagen, die sich auf Flüchtlinge beziehen, in die selbe Richtung kodiert und z.B. als Aussage angeboten: Die meisten Flüchtlinge haben zwar einen Schulabschluss, aber keine Berufsausbildung. Oder: Die Flüchtlinge, die in Deutschland einen Führerschein machen, müssen diesen Führerschein aus ihren Hartz-IV-Bezügen finanzieren.

Noch deutlicher wird die Absicht der Denk- und wohl auch Ergebnisfabrikanten, die AfD-Wähler als besonders anfällig für Falschnachrichten hinzustellen, am Fehlen all der Themen, die für nicht-AfD-Wähler oder Sympathisanten oder Anhänger sensibel sind und deren Zustimmungswahrscheinlichkeit erhöhen. Welches Ergebnis bekäme man wohl, wenn man die folgenden Aussagen auf Richtigkeit beurteilen ließe von Anhänger/Wählern/Sympathisanten der CDU, FDP, SPD, von Grünen oder LINKE?

  • Glypohosat führt zu Bienensterben.
  • Kernenergie ist die gefährlichste Form der Energiegewinnung.
  • Kurdische Perschmerga haben irakische Regierungstruppen mit deutschen Raketen beschossen?
  • Arbeitgeber haben ein Kartell gebildet, um die Löhne in Deutschland niedrig zu halten.
  • Unternehmen versuchen über die Finanzierung von Unterrichtsmaterialien, Schüler in ihrem Sinne zu beeinflussen.
  • Der Sozialismus hat mehr Menschen umgebracht als der Kapitalismus.
  • Kommunisten haben mehr Menschen ermordet als Nationalsozialisten.
  • Am Sklavenhandel haben auch viele Schwarze verdient.
  • Die Ausschreitungen in Hamburg anlässlich des G20 wurden von Polizeibeamten in Zivil provoziert.
  • Donald Trump ist Mitglied des Ku-Klux-Klan.
  • Männerbünde sorgen dafür, dass Frauen weniger verdienen und seltener in Führungspositionen gelangen.
  • Frauen verdienen 22% weniger als Männer.

Welche Ergebnisse könnte man wohl vorweisen, wenn man Anhängern von CDU, FDP; SPD, Grünen und LINKE diese Aussagen vorgelegt hätte? Und wären AfD-Anhänger oder Wähler oder Sympathisanten dann immer noch diejenigen, die für FakeNews am anfälligsten sind. Wir halten die Wette, dass dies nicht der Fall wäre.

Die kurze Darstellung zeigt, dass die Berliner Denkfabrik entweder eine Fabrik ist, die manipulierte Umfrageergebnisse produziert oder eine, in der der Methoden der empirischen Sozialforschung kenntnislos gegenüberstehende Ideologen genau das in ihren Umfragen finden, was sie zu finden hoffen. Was auch immer zutrifft, Manipulation aus Unkenntnis oder Manipulation aus ideologischer Boshaftigkeit, es bleibt Manipulation. Jeder Journalist, der noch zum selbständigen Denken in der Lage ist, hätte das eigentlich mit einem einfachen Blick auf das, was gefragt wurde, sehen können. Aber für Journalisten gilt eben auch, dass sie genau das sehen, was ihnen ideologisch in den Kram passt.

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Ohne Obergrenze Diversität durch Flüchtlinge – Deutsche Träumerei in FAZ-moll

In Deutschland herrscht die politische Romantik. Politische und journalistische Romantiker sind voller Begeisterung für Flüchtlinge, die man in unbegrenzter Zahl in das doch reiche Deutschland lassen solle und könne. Und während die politischen Romantiker in der Großzügigkeit schwelgen, die sie sich durch die Erwerbstätigkeit und das Geld anderer leisten zu können glauben, präsentieren Journalisten voller Verzückung Beispiele von Ländern, die angeblich durch Vielfalt und die Aufnahme von Flüchtlingen Weltspitze geworden sind.

Einen Leser von ScienceFiles hat ein solcher Jubelartikel in der FAZ, in dem sich der Autor aufschwingt, den großen Nutzen zu feiern, den Flüchtlinge angeblich für Singapur bringen, so verägert, dass er sich ans Werk gemacht hat, um all die Teile der Realität, die politische und journalistische Romantiker ausblenden müssen, um ihre Wolkenkuckucksheime bauen zu können, zusammenzutragen. Das Bild von Singapur, das auf Grundlage der Fakten und Daten, die unser Leser zusammengetragen hat, zum Vorschein kommt, ist eines, das der verklärten Darstellung in der FAZ in jeder Hinsicht widerspricht und einmal mehr zeigt, wie weit verbreitet FakeNews in so genannten “Premiummedien” sind.

“[…] kaum ist der Physikerin Merkel die Quadratur des Kreises gelungen und man hat sich nun auf eine Art Obergrenze geeinigt, insbesondere dadurch,dass man die Obergrenze einfach nicht so nennt, erscheint dieser
heuschlerische Artikel in der FAZ: “Singapur ist die Hochburg für Arbeitsmigranten“:

Heuschlerisch, weil Arbeitsmigration mit der Aufnahme von Flüchtlingen gleichgesetzt wird.

In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie gut doch die niedrigqualifizierten Zuwanderer für SEA (South-East Asia) sind, insbesondere für Singapore. Der Artikel ist so geschrieben, und die Überschirft deutet das auch an, dass die viel schlauer sind als  wir und “beliebig” viele reinlassen und natürlich mehr Zuwanderung positive Wachstumseffekte hat.

Nichts ist weiter von der Realität in Singapore entfernt als das!

Ich bin kein Singapore-Experte, habe aber in den 1,5 Jahren, in denen ich dort gelebt habe, ein paar Dinge mitbekommen.
Unabhängig davon kann man sich nicht einfach aus einem Land eine Institution herausgreifen und diese dann international vergleichen, denn in der Regel steht diese Institution in vielerlei Hinsicht mit anderen Institutionen ökonomischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Natur in Zusammenhang. Vergleiche funktionieren ja oft nicht mal zwischen zwei deutschen Bundesländern, geschweige denn zwischen zwei Ländern in der EU. Wie abstrus es ist, wie im FAZ-Artikel geschehen, punktuell auf internationaler Ebene zu vergleichen, und dann auch noch einen Flächenstaat mit einem Stadtstaat mit Insellage, das versuche ich hier zu verdeutlichen.
Nachfolgend einige Punkte, die in dem FAZ-Artikel über Singapore nicht erwähnt [oder unterschlagen] werden, die aber für eine Diskussion um Arbeitsmigration evtl. nicht irrelevant sind, die mir SPONTAN einfallen:
  1. Das Land kann nur über zwei Brücken von Malaysia aus erreicht werden. Dort befinden sich zwei harte Grenzübergänge mit entsprechenden Kontrollen inklusive massiver Präsenz von Polizei, die mit (möglicherweise) geladenen MPs patroullieren.
  2. Wegen diesen strengen Kontrollen entstehen zwischen Johor Bahru (Malaysia) und Singapore jeden Morgen und jeden Abend kilometerlange Fahrzeug-, Roller- und Menschenschlangen. Kontrolle muss halt sein (siehe Foto).
  3. Man darf in das Land nur mit einem angebrochnen Zigarettenpäckchen rein und nur mit einem zu 75% gefüllten Tank ausreisen. Sonst drohen horrende Strafen.
  4. Es wird zwischen einer Einreise aus Malaysia und nicht-Malaysia unterschieden, also nach Einreiseland diskrimiert.
  5. Minimalste Mengen von Drogenbesitzt werden mit dem Tod bestraft (durch Erhängen): Soviel zum Thema Grenzkontrolle, die es in Deutschland in dieser Form nicht mal zu nicht-EU-Zeiten gegeben hat.
  6. Wer sich länger als 6 Monate in Singapore aufhält (natürlich nur mit einem Work Permit [Arbeitserlaubnis] möglich), muss einen medizinischen Check durchführen lassen – inklusive Röntgenuntersuchung, in dem auf Syphilis, HIV, Schwangerschaft und Tuberkulose getestet wird. Dies darf nur von einem in Sinagapore registrierten Arzt durchgeführt werden. Die Kosten trägt das Unternehmen, das die ausländische Arbeitskraft beschäftigen möchte.
  7. Wer falsche Angaben bei den Behörden macht, wenn es um die Arbeitserlaubnis geht, dem drohen Geldstrafren von bis zu 20.000 SGD [Singapore Dollar] oder Haftstrafen bis zu 2 Jahren.
  8. Über eine Einreise oder einen Aufenthalt ohne Pass spare ich mir die Erörterung.
  9. Auf Unternehmensebene: Unternehmen müssen für jeden eingestellten “unskilled” [ungelernter Arbeiter] nicht nur höhere levy bonds hinterlegen, also eine Art Versicherung oder Strafe für die Einstellung eines Niedrigqualifizierten bezahlen, es gibt auch eine Mindestquote für Hochqualifizierte, die man einstellen muss. D.h. ab einem bestimmten Moment darf man nur noch einen Niedrigqualifizierten einstellen, wenn man entsprechend auch Hochqualifizierte einstellt bzw. eingestellt hat. In Deutschland sprechen wir von einer Integrationspflicht der niedrigqualifizierten Asyl-Bewerber. Das ist das gegenteilige Arbeitsmarktkonzept.
  10. Diese high-skilled, low-skilled-Quoten sind unternehmensspezifisch und industriespezifisch geregelt:
  11. Die Arbeitskräften im Bereich “Construction” [Baugewerbe] bekommen oft nur 700 bis 1.000 SGD [Singapore Dollar], also 2,5€. D.h. es gibt einen Arbeitsmarkt, in den keine politische Lohnuntergrenze eingezogen ist. Damit kann der Arbeitsmarkt bei niedrigeren Löhnen auch deutlich mehr Menschen aufnehmen.
  12. A propos politisch: Singapore ist keine Demokratie.
  13. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind strafbar.
  14. Der aktuelle Spitzensteuersatz beträgt 22%. Dieser wird fällig ab einem Jahreseinkommen von 320.000 SGD also 200.000€. Einkommen darunter werden entsprechend niedriger besteuert.
  15. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen in den sogenannten CPF [Corporate Pension Fund] ein, also in eine Art persönlichen Vorsorgefond. Dieser wird positiv mit ca. 4% pro Jahr verzinst und nicht etwa wie die deutschen Rentenbeiträge negativ.
  16. Man benötigt kein Auto, da Singapore mit dem MRT eines der modernsten und die ganze Stadt durchziehenden U-Bahnsysteme hat.
  17. Vom Staat bezuschusste Wohnungen, sogenannte HDBs, dürfen nur Singaporeans kaufen. Ausländer nicht. Die Untervermietung eines HDB ist nur den “Singapore Citizens” erlaubt, nicht einmal Personen mit einer Permanent Residence” [Ubegrenzte Aufenthaltsgenehmigung)], und es darf nur an Einheimische oder Malayen untervermietet werden. Also eine ganz eindeutige Diskriminierung nach Herkunftsland.

Zusammenfassend kann somit gesagt werden: In den Genuss sozialer Leistungen kommen in Singapore nur Staatsbürger und somit in der Regel diejenigen, die in Sozialkassen einzahlen, während es in Deutschland eher der Fall ist, dass Personen, die nicht in Sozialkassen einzahlen, Arbeitslose, nicht-Erwerbstätige, Frauen, Flüchtlinge (fast) besser gestellt sind, als diejenigen, die die Leistungen erarbeiten.

In Singapore trennt man ganz klar zwischen Einheimischen und Ausländern, was bei uns alles Verstöße gegen das AGG [Antidiskriminierungsgesetz] wären. Niedrigqualifizierte dürfen unter ganz bestimmten Bedingungen in ganz bestimmten Brachen arbeiten, und die Unternehmen werden für diese in Haftung genommen, nicht die Gesellschaft. Man nimmt einen Großteil seines Bruttolohns mit nach Hause und zahlt in seinen eingenen (kapitalgedeckten nicht umlagefinanhzierten) Rentenfond ein. Ähnlich auch bei Gesundheit und Arbeitslosigkeit. Jede Form von Vergehen, geschweige denn Straftaten, werden massiv bestraft und die Strafen durchgesetzt.

Die beiden Systeme von Deutschland und Singapore zu vergleichen, wie es im FAZ-Artikel getan wird, zumindest in der Überschrift, ist bar jeder Vernunft.

Der Satz aus dem Artikel “Dabei wird die Wanderung der Arbeiter – wie auch in Europa – von der Vielfalt der Region angeheizt: Das reichste Land Südostasiens ist 25 Mal wohlhabender als das ärmste.” hat wenn überhaupt nur etwas mit Einkommensvielfalt zu tun. Mit der Vielfalt von der in Deutschland gesprochen wird nicht. Denn hier geht es nur darum, dass alle in die Schweiz Südostasiens wollen, nämlich Singapore, weil man dort so gute Jobs und Löhne bekommt. Und da das die Singaporeans wissen, haben sie sich entsprechend geschützt. Seiner Verletzlichkeit und Begehrtheit bewusst, gibt Singapore einen deutlich größeren Teil seines BIPs für Militär aus als jedes andere südostasiatische Land:

Als Tourist freut man sich in Singapore “Little India”, “Chinatown”, das arabische Viertel um die “Arab Street” oder vorwiegend thailändische Menschen um den Golden Mile Complex (Beach Road) herum zu sehen und sich an der Vielfalt zu begeistern. Diese Vielfalt kommt aber nur durch diese Herkunftsland-bezogenen Viertel zustande.

Wir in Deutschland versuchen dies ja durch eine “gesunde Vermischung/Verteilung” zu verhindern. Auf der anderen Seite brodeln in diesen Viertel die Resentiments gegenüber anderen Kulturen und teilweise auch der religiösen Unterschiede, und eine Kleinigkeit bringt das Pulverfaß zum Überlaufen, wenn beispielsweise ein Bus einen Inder überfährt.

Dann bleibt sehr wenig von Integration und Vielfalt übrig.

Bis hierhin bezog sich meine Erörterung auf Arbeitsmigration in Singapore. Das Thema in Deutschland war aber auf die Aufnahme von Flüchtlingen bezogen. Und es ging in der politischen Diskussion in den letzten zwei Jahren um eine Obergrenze für die Asyl-Einwanderung. Nun wie sieht es da in Sinagpore aus? So:

Singapore nimmt keinen einzigen Flüchtling auf.

Daher benötigt man auch keine Willkommenskultur.

Den Rest, der reinkommt (Touristen und Arbeitkräfte), muss man nicht Willkommen heißen, denn die
wollen ja was von Singapore und nicht umgekehrt.

Und wozu führt das (zumindest bis Ende Januar 2017)? Man wird Magnet für
Hochqualifizierte

Andere Länder, andere Sitten.

Wir bedanken uns für diesen einsichtsreichen und informierten Leserbrief!

Nach Studie der Otto-Brenner-Stiftung: Medienmisstrauen gerechtfertigt

Absolution Teil X.

Wie viele angebliche Studien gibt es zwischenzeitlich, die einzig dazu erstellt wurden, öffentlich-rechtlichen Anstalten, deren Insassen für die Verbreitung von Sendeformaten bezahlt werden, Absolution zu erteilen und zu zeigen, dass doch und überhaupt die meisten und vor allem die Gebildeten und die nicht sozial deprivierten und die, die kein Schüler mehr sind und die, die nicht AfD-wählen und die, die mit der Demokratie zufrieden sind, mit den öffentlichen Medienanstalten zufrieden sind und sie für mehr oder weniger glaubwürdig halten, wir haben aufgehört zu zählen.

Dass es sich dabei nicht um Wissenschaft, sondern einzig und allein um Legitimationsforschung handelt, zeigt sich schon daran, dass nicht eine dieser angeblichen Studien die Frage gestellt hat, warum es in Deutschland eine nicht geringe Anzahl von Menschen gibt, die öffentlichen Anstalten und den Nachrichten, die sie verbreiten, nicht mehr glauben, ihnen nicht mehr vertrauen. Diese Frage ist der Rubikon, der Wissenschaftler von Legitimationsbeschaffern, die ihre Dienste meistbietend feilbieten, trennt.

Und gemessen an diesem Kriterium ist die neueste Studie, die ausgerechnet von den ARD Faktenfindern gerade gefeiert wird, keine Studie, sondern der neuerliche Versuch, diejenigen, die das, was öffentliche Anstalten verbreiten, nicht glaubwürdig finden, zu diskreditieren und zur Gefahr für die Demokratie zu stilisieren, die natürlich von der AfD ausgeht. Junk Science noch dazu.

Bezahlt hat dieses Mal die Otto-Brenner-Stiftung die Studie, die bestenfalls als verdünnter Aufguss der Mitte-Studien aus Leipzig angesehen werden kann, was angesichts der Personalunion der Studienautoren auch nicht verwunderlich ist. Die Autoren der Leipziger Mitte-Studien, die die Friedrich-Ebert-Stiftung finanziert, Oliver Decker, Johannes Kiess und der unverwüstliche Elmar Brähler, der auch im Jahre 27 nach der deutschen Einheit nicht einsehen will, dass er von empirischer Sozialforschung nichts versteht, sie haben dieses Mal noch Alexander Yendell an der Arbeit beteiligt. Herausgekommen ist derselbe Brei, der auch in Mitte-Studien verrührt wird. Nur wird dieses Mal nicht die Radikalisierung der gesellschaftlichen Mitte herbei geschrieben, dieses Mal wird das Internet in Bausch-und-Bogen zur Echokammer erklärt und eine Gefahr der Demokratie allein darin gesehen, dass Menschen ihre Informationen nicht mehr aus öffentlichen Anstalten beziehen, sondern es vorziehen, sich anderweitig zu informieren.

Wäre schon die Prämisse, dass öffentlich-rechtliche Medien-Anstalten für die deutsche Demokratie lebensnotwendig sind, nicht schon lächerlich genug, so setzen die Autoren dadurch, dass sie das Internet zur Echokammer erklären, noch eine Schippe Lächerlichkeit obendrauf und besonders lächerlich wird es dann, wenn diejenigen, die sich ausschließlich aus dem Internet informieren als Bewohner einer Echokammer verunglimpft werden, während die Autoren, die doch angeblich Wissenschaftler sein wollen, nicht davor zurückschrecken, öffentlich-rechtliche Medienangebote und solche, die von Tageszeitungen, die die Autoren für gut befunden haben, angeboten werden, als Nachrichten von Premiummedien zu bezeichnen.

Aber vielleicht haben Decker, Brähler und die beiden anderen ja gar nicht versucht, eine wissenschaftliche Studie zu schreiben. Vielleicht ist ihre Veröffentlichung ja eine Travestie auf Wissenschaft, eine Satire. Wäre dem so, es wäre beruhigend, dann müsste man nicht feststellen, dass die vier Autoren jede Form wissenschaftlicher Lauterkeit über Bord geworfen haben, um ihren Daten Gewalt antun zu können.

Beginnen wir mit dem, was die Faktenfinder der ARD, die Fakten nicht einmal finden würden, wenn man sie ihnen auf die Augen nageln würde, zum Ende ihres Jubelbeitrags über den Junk aus der Otto-Brenner-Stiftung schreiben:

“Die Ergebnisse bestätigen”, so der Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, Jupp Legrand, “dass es hinsichtlich der Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise der Medien trotz eines weiterhin hohen Zuspruchs vieler Menschen keine Entwarnung geben kann und darf”.
Großes Vertrauen bleibe zwar stabil und hoch, aber auch tiefes Misstrauen steige kontinuierlich an. Legrand warnte vor den Folgen für die Demokratie, wenn “ein relevanter Teil der Bevölkerung weder durch gemeinsame Werte und Überzeugungen, noch durch die Teilhabe an einer gemeinsamen Öffentlichkeit für die Gesellschaft erreichbar” sei.“

Die ganzen Folgen, die hier beschrieben werden, entstehen einzig daraus, dass die vier Autoren sich entschlossen haben, jene 12,4% (299) Befragte, die von sich sagen, dass sie Informationen ausschließlich aus dem Internet beziehen, als Bewohner einer Echokammer anzusehen und zu stigmatisieren. Denn merke: Du sollst das öffentlich-rechtliche Angebot nicht ausschlagen. Denn das öffentlich-rechtliche Angebot ist gut, während das Angebot im Internet des Teufels und verderblich ist.

Nicht nur, dass die vier Autoren diese lächerliche Stigmatisierung von Internet-Nutzern vornehmen, die letztlich nur etwas über das Verhältnis der Autoren zu modernen Medien aussagt, sie versuchen die Leser darüber hinweg zu täuschen, dass sie Artefakte interpretieren:

„Es finden sich mehr Angehörige der jüngeren Jahrgänge, weniger der mittleren Jahrgänge und kaum Ältere. Das begründet zum Teil auch den ebenfalls zu findenden höheren Anteil an Berufstätigen und Schüler*innen in der Echokammer (gegenüber Rentner*innen). Teilweise kann damit ebenfalls der geringere Anteil an Menschen mit Studium oder Abitur erklärt werden, denn der Anteil der Schüler*innen führt zu einer großen Gruppe von Menschen ohne Schulabschluss. Trotzdem fällt insgesamt der Anteil mittlerer Bildung gegenüber niedrigen und hohen formalen Abschlüssen auf. Entsprechend sind auch Angehörige unterer Einkommensgruppen in der Echokammer überrepräsentiert.“

Wie die Daten der vier Autoren zeigen, sind unter den ausschließlichen Internetnutzern mehr Berufstätige, mehr Schüler und Studenten, mehr Arbeitslose und kaum Rentner als unter denen, die andere Medien ausschließlich oder zusätzlich zum Internet nutzen. Die Gruppe der Rentner ist übrigens die Gruppe, in der die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihre größte Anhängerschar rekrutieren. Da Schüler und Studenten qua definitionem noch in Ausbildung sind und die Autoren ausgerechnet Spaltenprozent interpretieren, also die Gruppe der Internetnutzer als Basis benutzen, sind alle Aussagen zu Ausbildung und Einkommen Unsinn, denn die Daten sind rechtszensiert und es ist nicht bekannt, welchen Schulabschluss die Schüler und welches Einkommen die Schüler und Studenten zum Abschluss ihrer Ausbildung erzielen. Hätte man reliable Angaben machen wollen, hätte man die Schüler und Studenten herausrechnen müssen.

Das ist nicht der einzige Lapsus, den die vier Autoren begehen. Der nächste Lapsus, den wir auf Anhieb und ohne Suche gefunden haben, ist ein noch größerer Lapsus und er zeigt, dass es in der vermeintlichen Studie nicht darum geht, Ergebnisse oder noch besser: Erklärungen zu liefern, sondern darum, bestimmte Ergebnisse zu liefern.

Die folgende Abbildung findet sich auf Seite 25 der vermeintlichen Studie.

Eine kleine Aufstellung der Fehler:

  • Wenn die Parteipräferenz abgetragen wurde, dann zeigt die Abbildung nicht, wie Menschen wählen, die mangelndes Vertrauen in die Medien haben, sondern welche Parteipräferenz sie haben. Die Parteipräferenz hat mit der Wahlentscheidung zum Leidwesen der meisten Wahlforscher kaum mehr etwas gemein.
  • Mangelndes Vertrauen wurde nicht gefragt. Es wurde gefragt, wer öffentlich-rechtliche Medien für nicht glaubwürdig hält. Glaubwürdigkeit von und Vertrauen in öffentlich-rechtliche Medien sind unterschiedliche Konzepte.
  • Das nicht gefragte Vertrauen zudem als mangelndes Vertrauen zu bezeichnen, zeigt die ideologische Ausrichtung der Autoren, ihre Bewertung der Tatsache, dass eine Gruppe von Befragten öffentlich-rechtliche Medien für nicht glaubwürdig hält. Darin kann man nur dann einen Mangel sehen, wenn man öffentlich-rechtliche Medien zum Olymp der Information stilisieren will.

Es ist schon erstaunlich und verweist darauf, dass die Leipziger Mitte-Studierer ihre Ergebnisse im Akkord und ohne große Sorgfalt produzieren, dass man mit drei Angaben drei falsche Angaben machen kann.
Ob dahinter Schludrigkeit oder der Versuch steckt, Daten zu manipulieren, ist letztlich egal, denn es zeigt in jedem Fall, dass die Studie der Otto-Brenner-Stiftung keinen Pfifferling wert ist.

Sehr deutlich wird dies auch, wenn man die Abbildung, wie wir das getan haben, einmal in Fallzahlen übersetzt und zeigt, wie viele Befragte hier Pate gestanden haben, um ein Ergebnis zu produzieren, das man nicht anders als belanglos bezeichnen kann.

Wer Prozentwerte auf Basis von einem, drei, vier, sieben oder 10 Befragten ausweist, der hat seine Reputation als Sozialforscher verspielt und ist entsprechend nicht mehr ernst zu nehmen. Damit ist die angebliche Studie der Otto-Brenner-Stiftung, eine Junk Studie und endgültig ein Fall für den Papierkorb.

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FakeNews II. Auschwitz, Schüler und die Falschmeldung der Welt

Wenn es darum geht, den moralingetränkten Zeigefinger in die Höhe zu halten, zu mahnen und zu fordern, dann sind viele Deutsche, vor allem viele deutsche Politiker oder Journalisten schnell bei der Hand. Oftmals hält die eigene kognitive Verarbeitung des Anlasses, der den Zeigefinger gesteift und gestellt hat, mit dem Drang, die vermeintlichen Defizite bei anderen zu beklagen, nicht Schritt.

So jammert die WELT heute: „Vier von zehn Schülern wissen nicht, was Auschwitz ist“. Weiter:

„Nur 59 Prozent der deutschen Schüler ab 14 Jahren wissen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrationslager der Nazis war. Vier von zehn Schülern kennen den Namen nicht. Das geht aus einer Umfrage der Hamburger Körber-Stiftung hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.“

Die Umfrage der Hamburger Körber-Stiftung, ist eine Umfrage, die Forsa für den Stern durchgeführt und die Stiftung finanziert hat. Darin gibt es eine offene Frage: „Was war Auschwitz-Birkenau?“.

Die richtige Antwort: Ein Konzentrationslager oder ein Vernichtungslager gaben:

  • 86% der Gesamtbevölkerung
  • 59% aller Schüler, darunter:
  • 47% der 14- bis 16jährigen Schüler
  • 71% der Schüler ab 17 Jahren.

Die Daten, die Forsa erhoben hat, sind das, was Forscher als rechtszensierte Daten bezeichnen. Rechtszensiert sind Daten z.B. dann, wenn mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, zu sterben steigt, oder die Wahrscheinlichkeit, zu lernen. Im Fall der Schüler steigen beide Wahrscheinlichkeiten, aber die, zu lernen, wurde gemessen: 47% der 14-16jährigen Schüler wissen, was Auschwitz-Birkenau ist, aber 71% der Schüler, die 17 Jahre und älter sind.

Wie es in Schulen nun einmal so ist, wird Lernstoff nicht auf einmal in die Köpfe der Schüler befördert, sondern über Zeit. Auschwitz-Birkenau, so kann man aus der Befragung von Forsa schließen, ist ein Bestandteil des Geschichtsunterrichts, sofern die Kenntnis überhaupt etwas mit Geschichtsunterricht zu tun hat, dessen Wahrscheinlichkeit, vermittelt zu werden, mit dem Alter der Schüler steigt. Eben weil Lernen ein sukzessiver Prozess ist und bekannt ist, dass Schüler ab 17 Jahre zu 71% wissen, was Ausschwitz-Birkenau ist, muss man aus der Überschrift der WELT schließen, dass es dem verantwortlichen Redakteur, sofern er in der Lage ist, Datenblätter zu finden und zu lesen, darum ging, seine Leser mit einer – wie er glaubt – Schreckensmeldung zu traktieren. Ginge es nicht darum, er hätte sicher darauf hingewiesen, dass die Kenntnis von Auschwitz-Birkenau mit dem Alter der Schüler steigt.

Nehmen wir einmal an, der Redakteur der WELT sei kognitiv in der Lage, ein Datenblatt zu lesen, so müssen wir schließen, dass er bewusst versucht, seine Leser an der Nase herum zu führen, ihnen ein X für ein U vorzumachen, sie zu manipulieren. Nehmen wir an, der Redakteur der WELT ist nicht in der Lage, ein Datenblatt zu lesen, dann müssen wir die Falschmeldung in der WELT damit erklären, dass dort Redakteure beschäftigt werden, die ihrem Job kognitiv nicht gewachsen sind.

Dummheit oder boshafte Manipulation?
Was trifft zu?

Hamburger Morgenposse: die journalistische Vielfalt hängt an 11 Hanseln

Stellen Sie sich vor, bei der BASF gibt es 11 betriebsbedingte Kündigungen. Lesen Sie davon in der Rheinpfalz? Stellen sich alle Fraktionen des Mainzer Landtags hinter die Gekündigten und fordern die BASF auf, die betriebsbedingten Kündigungen zurückzunehmen?

Oder stellen Sie sich vor, am Standort der US-Army in Ramstein wird 11 deutschen Bediensteten gekündigt. Rheinpfalz Berichterstattung? Landtags-Solidaritätsaktion?

Noch eine Vorstellung:

RWE macht einen Teil seines Braunkohlebergbaus dicht und entlässt 11 Mitarbeiter, die bislang für den Abbau der klimazerstörenden Kohle verantwortlich waren. Solidarität im Nordrhein-Westfälischen Landtag? CDU, SPD, FDP, Grüne und LINKE stellen sich in trauter Eintracht gegen die Kündigungen? Alle Zeitungen im Revier berichten von den geplanten Entlassungen?

Alles unwahrscheinlich.

Nichts davon wird sich ereignen, würde sich ereignen.
Und doch gibt es derzeit eine Posse in Hamburg, in deren Zentrum 11 Personen stehen, denen gekündigt wurde. Die 11 sind derzeit noch Beschäftigte bei der Hamburger Morgenpost, könnten aber morgen auf der Straße stehen, wenn es nach DuMont, dem Eigentümer der Hamburger Morgenpost geht.

HAMBURG taz | Eine breitere Koalition hat es im Hamburger Rathaus selten gegeben. Gemeinsam verfassten die Fraktionvorsitzenden aller Parteien außer der AfD einen Brandbrief, ausgerechnet um eine Hamburger Institution zu retten, die ihnen selbst oft auf die Füße getreten war: Die Hamburger Morgenpost (Mopo).

Die FraktionschefInnen von SPD, CDU, Grünen, Linken und FDP appellierten an das Kölner Verlagshaus DuMont, die angedrohte Entlassung von elf MitarbeiterInnen zurückzunehmen. Die „angekündigten Kürzungen“ seien nicht nur „ein schwerer Schlag für den Medienstandort Hamburg“, sie gefährdeten auch „die journalistische Vielfalt der Stadt“.

[weiter]

Der hat ein Problem mit der Morgenpost: Die Abonnentenzahlen und die Leserzahlen gehen zurück. Die Werbeinnahmen folgen. Das derzeitige Unternehmens-Konzept, es droht in den Bereich roter Zahlen abzurutschen. Eine Situation, die in jedem Unternehmen die Alarmglocken klingeln lässt und in jedem Unternehmen dazu führt, dass nach Alternativen gesucht wird, nach Möglichkeiten, Kosten zu sparen und Einnahmen zu erhöhen. In der Regel enden die Überlegungen damit, dass Unternehmenssparten, die mit zu viel Mitarbeitern besetzt sind oder sich nicht mehr rentieren, umgestaltet oder geschlossen werden.

Bei DuMont hat man sich dazu entschlossen, 11 von 65 Mitarbeitern der Hamburger Morgenpost zu entlassen, eine Maßnahme, die in keinem normalen Unternehmen dazu geführt hätte, dass sich die Landesregierung, die Fraktionen des Landtags mit den Gekündigten solidarisch erklären, dass lokale und überregionale Zeitungen darüber berichten.

In Hamburg ist das anders.
In Hamburg hängt der ganze Medienstandort und die journalistische Vielfalt der Stadt an den 11 Personen, die bei DuMont entlassen werden sollen, Mitarbeitern, die im Layout, der Fotoredaktion, beim Sport und in der für Kultur zuständigen Abteilung tätig waren.

Und weil der Medienstandort und die journalistische Vielfalt der Stadt Hamburg von nur 11 Personen bei der Morgenpost abhängig ist, deshalb haben die Fraktionen von SPD, CDU, Grünen, LINKE und FDP an DuMont appelliert die Kündigungen zurückzunehmen.

Ei der Daus.

Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, was so symbolisch, was so wichtig ist, als dass es diese politische Hysterie rechtfertigen könnte. Was bringt Politiker dazu, ihre Nasen in die inneren Angelegenheiten von Unternehmen zu stecken? Was lässt sie glauben, es ginge sie etwas an, welche betrieblichen Entscheidungen ein Unternehmen fällt?

Die einzige Antwort, die man sich auf diese Fragen geben kann, ist eine Antwort, die die symbolische und die fast schon extraordinäre Wichtigkeit betont, die Politiker Medien, auf die sie Einfluss zu haben glauben, zuschreiben. Die Friedrich-Ebert-Stiftung will demnächst Ergebnisse einer „Studie“ zum Thema „politische Inszenierung“ vorstellen. In der Ankündigung heißt es mit Bezug auf soziale Netzwerke:

„Eine direkte Zielgruppenansprache ist möglich geworden, Themen können unabhängig von journalistischen Filtern gesetzt werden.“

Die „journalistischen Filter“ sind das interessante an der formulierten Passage. Offensichtlich ist es in den Kreisen von Alt-Parteien normal geworden, Journalismus als Informationsfilter zu betrachten, als Filter, der genehme Informationen durchlässt und nicht genehme ausfiltert, kurz: Ein Filter mit dem sich die Konsumenten der entsprechenden Medien nach Lust und Laune manipulieren lassen.

Wenn man diese Manipulation gewohnt ist und feststellen muss, dass nicht nur soziale Medien, sondern auch Verlage, die man bislang dem eigenen Lager zugeordnet hat, die gewohnte Manipulationsmöglichkeit in Frage stellen, dann erklärt das vermutlich viel von der politischen Hysterie, die man derzeit in Hamburg beobachten kann.

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