Diversität der Moral – “Komm’ wir bestellen uns ein Kind!”

Polygesellschaftliche Perspektive, Diversität, Vielfalt der Lebensentwürfe, all diese Begriffe sind deskriptive Begriffe, die – so will es die moderne politische Korrektheit – mit dem affektiven Wert “gut” verbunden werden. In ganz und gar nicht diverser Art und Weise wird behauptet, alles was divers, polyperspektivisch oder vielfältig ist, müsse immer und in jedem Zusammenhang gut sein.

Zumindest im Zusammenhang mit  Moral haben wir so unsere Zweifel. Zumindest im Zusammehang mit Moral können wir der herrschenden Vielfalt, die man auch als a-Moralität bezeichnen kann, nichts abgewinnen. Schon deshalb nicht, weil die Polyperspektiven und die Diversität im Bereich der Moralität zu einer Situation führen, die Thomas Hobbes mit seinem Naturzustand beschrieben hat und die sich dadurch auszeichnet, dass Menschen instrumentalisiert werden, dass manche Menschen zum Mittel zum Zweck von anderen werden, dass sie von diesen anderen benutzt werden.

BGHEin Beispiel dafür liefert das Urteil XII ZB 463/13 des Bundesgerichtshofes, das heute veröffentlicht wurde. Gegenstand des Urteils ist ein Wunschkind, das von einer “Leihmutter” ausgetragen wurde und nach Geburt den “Bestelleltern” übergeben wurde. “Leihmutter” und “Bestelleltern”, das sind Begriffe, an die man sich wird gewöhnen müssen.

Die Bestelleltern, das sind im vorliegenden Fall zwei Schwule, die ihr Schwulsein nicht so ernst nehmen, als dass sie sich nicht als Eltern verwirklichen wollten, ein Projekt, das durch die biologische Notwendigkeit, auf der Fortpflanzung nun einmal basiert, erschwert wird.

Aber: Schwierigkeiten sind dazu da, überwunden zu werden, und entsprechend haben sich die beiden schwulen Männer in den USA eine Leihmutter gekauft und ein Kind bestellt, das sie aus den Spermien eines der Männer und dazu bestellten anonymen Eizellen zusammenrühren ließen. Nach Geburt wurde das Kind aus der Petri-Schale den Bestelleltern übergeben, die es nunmehr nach Deutschland gebracht haben und hier vom Standesamt verlangt haben, dieses Mal als Eltern und nicht als Bestelleltern eingetragen zu werden. Ein Wunsch, der erst- und zweitinstanzlich abgelehnt und erst vom Bundesgerichtshof gewährt wurde, und zwar mit der Begründung,

dass die in den USA zwischzeitlich eingetragene Elternschaft der beiden schwulen Bestelleltern “den wesentlichen Grundsätzen des deutschen Rechts jedenfalls nicht in einem solchen Maß widerspricht, das eine Anerkennung der entsprechenden Entscheidung als im Ergebnis untragbar erscheinen ließe. … Vielmehr spricht das Kindeswohl eher für als gegen eine Anerkennung”.

Man kann das Urteil auch so interpretieren, dass der 12. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes vor der normativen Kraft des Faktischen kapituliert hat, und dem juristischen Streit auf dem Rücken des Kindes ein Ende setzen wollte, ein Ende, zu dem die liebenden Bestelleltern im Vorfeld offensichtlich nicht bereit waren.

ein Herz fuer KinderMan muss wirklich nicht homophob sein, um sich zu fragen, ob zwei Homosexuelle, die sich fraglos eine Leihmutter kaufen, um sich eben einmal den Wunsch nach einem Spielzeug zu erfüllen, denn als Sache wird man den Gegenstand der Transaktion, das Kind, wohl auffassen müssen, dazu geeignet sind, dieses Kind zu erziehen – schon weil man sich fragt, was mit dem Kind passiert, wenn sie den Spass an ihrem neuen Spielzeug verlieren.

Man muss auch kein Hellseher sein, um zu wissen, aus welcher sozialen Schicht Leihmütter in den USA, in Kalifornien im vorliegenden Fall, stammen (was unseren engagierten Linken offensichtlich egal ist), die sich auf einen Handel einlassen, der eine neue Form der Prostitution konstituiert und die entsprechenden Leihfrauen zum Instrument der Wünsche Dritter objektiviert.

Hier findet eine neue soziale Stratifizierung statt, mit einer Unterklasse, die in jeder körperlichen Hinsicht ausgebeutet werden darf: Man kann sie als Brut- und Gebärkasten für die eigenen Kinderwünsche gebrauchen, sich ihre Organe besorgen, sofern ein eigener Mangel besteht. Welche weiteren Möglichkeiten, die polyperspektivische Gesellschaft noch bereit hält, man wagt es sich nicht vorzustellen.

Wenn die neue diverse Gesellschaft sich dadurch auszeichnet, dass die Instrumentalisierung von Menschen nicht mehr Staatssache, sondern Privatsache wird, im Rahmen eines neuen Prozesses, den man als neue Form der Sklavenhaltung oder doch zumindest neue Form der Ausnutzung beschreiben kann, dann müssen wir wirklich feststellen, dass wir froh sind, das Alter erreicht zu haben, das wir erreicht haben. Das was sich hier ankündigt, ist nichts, worauf die Menschheit dann, wenn sie wieder zu Verstand gekommen ist, stolz sein wird.

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