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Akademische Gotteskrieger

Vermutlich als Erbe der Romantik hat sich in den deutschen Sozialwissenschaften eine Tradition gehalten, die man als schwärmerischen Versuch, Wissenschaft zu betreiben, charakterisieren kann. So wie Romantiker versucht haben, mit der Natur eins zu werden, so versuchen schwärmerische Akademiker in ein Gebiet einzutauchen und hoffen, dass ihr Zustand des geistigen Abtauchens mit einer Offenbarung belohnt wird, einer Offenbarung über Wichtigkeit und Richtigkeit.

Da die Schwärmer auf Intuition vertrauen, sind sie bar jeder wissenschaftlichen Methode, kennen kein geordnetes oder strukturiertes Vorgehen und beherrschen keinerlei Methodologie, die es ihnen erlaubt, sich einem Forschungsgegenstand zu nähern. Entsprechend wären sie verloren im Meer der wahrnehmbaren Dinge, hätten sie nicht etwas, woran sie sich festhalten können, etwas, was ihnen Orientierung und Halt in der feindlichen Welt gibt: Ihren Glauben.

Dieser Glaube ist auf von außen nicht nachvollziehbare Weise geformt. Vermutlich sind sozialisatorische Einwirkungen für seine Formation verantwortlich. Der schwärmerische Akademiker ist auf irgendeine Weise zu seinem Glauben gekommen und vor lauter Freude, endlich etwas gefunden zu haben, das ihm Halt und Orientierung gibt, verteidigt er seinen Glauben gegen alles, was ihn in Frage stellt. Entsprechend versucht er die Welt von all den Kritikern und Faktenversessenen, die seinen Glauben gefährden, zu reinigen. Er wird zum akademischen Gotteskrieger.

Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen „academic“ und „scientific“. Letzteres bezeichnet Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit, ersteres wird regelmäßig in der Bedeutung „müßig“, „überflüssig“ oder „sinnlos“ gebraucht. Wann immer es keinen Sinn (mehr) hat, über etwas zu streiten oder darüber nachzudenken, weil z.B. die Zeit eine entsprechende Entscheidung überholt hat, hat man eine gute Chance den Ausdruck „It’s academic“ zu hören. Und in dieser Funktion haben wir ihn zu schätzen gelernt, erlaubt es der Begriff academic oder akademisch doch, institutionalisierte Lehrstuhlinhaber, die Wissenschaftler spielen, von richtigen Wissenschaftlern zu unterscheiden. Und in dieser Weise benutzen wir den Begriff „akademisch“.

Entsprechend sind akademische Gotteskrieger Personen, die es irgendwie an Universitäten geschafft haben, die sich dort mit dem Mantel der Wissenschaft maskieren, obwohl er ihnen zu groß ist und unter dem Schutz ihrer Bemantelung versuchen, ihren Glaubens zu verbreiten.

Rolf Pohl ist ein solcher akademischer Gotteskrieger.

Rolf Pohl besetzt einen Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. 1996 hat Pohl habilitiert und die Venia Legendi für Sozialpsychologie erhalten, d.h. er ist berechtigt, Sozialpsychologie zu lehren. Sozialpsychologie ist eines der Fächer, deren Korpus an Erkenntnis auf Experimente zurückgeht. Tatsächlich hat die Sozialpsychologie eine lange Tradition herausragender Experimente: Gordon Allport, Stanley Milgram, Muzafer Sherif, Amos Tversky, Daniel Kahneman, sie haben die Sozialpsychologie durch ihre Experimente geprägt. Eine Sozialpsychologie ohne Experimente, ohne empirische Forschung ist nicht vorstellbar.

Entsprechend irritiert ist man beim Lesen der Veröffentlichungsliste von Rolf Pohl. Pohl schreibt zur

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