Fratze der Boshaftigkeit: Das wahre Gesicht der Gutmenschen (besser: Defizitmenschen)

von Michael Klein

Leute, lehnt Euch zurück!
Das wir ein etwas längerer Post. Und ich gedenke, meiner hegemonial männlichen Wissenschaftlichkeit freien Lauf zu lassen.

ideology of madnessEs ist an der Zeit, eine Grenze zu ziehen. Eine Grenze der Zumutbarkeit, der wissenschaftlichen Lauterkeit, eine Grenze des Anstands. Denn es reicht. Mir reicht es, uns reicht es, und all denen, die Wissenschaft noch ernst nehmen, sollte es langsam auch reichen, denn seit die Genderista und andere Spinner an Universitäten zur Normalität in persona geworden sind, ist es nicht mehr möglich, zu unterscheiden, wo Wissenschaft aufhört und das Irrenhaus anfängt.

Betrand Russell hat einst gefürchtet, dass man den Irren, der sich für ein Rührei hält, nur deshalb verurteilen könne, weil er in der Minderheit sei, und damit u.a. die Notwendigkeit einer klaren Trennung zwischen dem, was als Wissenschaft bezeichnet wird und dem, was keine Wissenschaft ist, angemahnt.

Russell ist tot. Ihm bleibt erspart, womit wir heute konfrontiert sind.

Fünf Tussen und ein Schweiger.
Was waren das noch Zeiten, als Tussen nur zusammen zur Toilette gegangen sind, im Rudel. Heute schreiben sie im Rudel Texte, die sie als Wissenschaft ausgeben wollen.

Texte wie „Nichts als Ideologie? Eine Replik auf die Abwertung rassissmuskritischer Arbeitsweisen“.

„Nichts als Ideologie“ ist ein Text, den man als boshaft klassifizieren muss, ein Text, in dem sich ein Rudel aus sechs Autoren jedem, der auch nur ansatzweise etwas von Wissenschaft versteht, in einer Weise ausliefert, die erbärmlich ist, ein Text, dessen einziger Zweck darin besteht, Kritiker der Rassismuskritik zu beleidigen, um auf diese Weise den Anschein, Rassimuskritiker seien eine besonders gute Art Mensch, weiter bestehen lassen zu können. Und ganz so, wie diejenigen, die Rassismus kritisieren, dies letztlich auf rassistischer Basis tun, und somit in der Realität zum Gegenteil des guten Menschen werden, der sie doch vorgeben wollen, zu sein, so zeigen sie auch durch ihre Beschimpfung im Text, dass sie keine guten, keine lauteren und keine anständigen Menschen sind. Es ist, wie schon Erving Goffman geschrieben hat, schwierig eine Fassade in einer sozialen Darstellung aufrecht zu erhalten, die nicht authentisch ist. Und wer andere beleidigt, der ist schlicht kein guter Mensch, der ist … [denkt Euch was].

Das war die Vorrede, nun zur Begründung en detail.

Ist Euch das auch schon aufgefallen, dass Ideologen immer dann, wenn sie kritisiert werden, Zeter und Mordio schreien und behaupten, sie würden abgewertet, diskreditiert oder denunziert? Damit belegen sie eindrücklich, dass sie Ideologen und keine Wissenschaftler sind. Um das zu sehen, muss man sich nur vergegenwärtigen, was ein Wissenschaftler machen würde, der mit Kritik konfrontiert ist.

Nehmen wir einen beliebigen Wissenschaftler, der sich seit Jahren mit einem bestimmten Thema befasst und nun kritisiert wird. Was würde ein solcher Wissenschaftler tun? Würde er Zeter und Mordio schreien, die Kritik als Häresie betrachten, die Kritiker beschimpfen?

Sicher nicht, denn ein Wissenschaftler, der sein Thema kennt, hat sicher bereits über mögliche Kritikpunkte nachgedacht und seine Antworten auf eine entsprechende Kritik im Kopf vorformuliert. Die müsste er nur abrufen, in dem Stil, dass die Kritik von X nicht zutrifft, weil empirisch gezeigt wurde, dass Y der Fall ist: Wäre die Kritik von X richtig, dann müsste aber Z der Fall sein und nicht Y. Oder unser Wissenschaftler würde einen logischen Widerspruch in der Kritik aufzeigen, der die Kritik implodieren oder zumindest in ihrer Tragweite einschränken würde. Oder, letzte Möglichkeit, die Kritik ist fundiert und weist auf einen Aspekt hin, den unser Wissenschaftler nicht bedacht hat. Hochinteressant. Unser Wissenschaftler würde sich auf die Kritik und ihre Implikationen stürzen, er würde die Kritik zu seiner Kritik machen, da sie seine Forschung voranbringt und sein Wissen erweitert. Darum geht es in der Wissenschaft, Wissen zu erweitern. Man nennt das auch Erkenntnisgewinn.

In der Wissenschaft schätzt man also Kritik. Man würdigt sie, freut sich über konstruktive Kritik, Kritik die neue Erkenntnis verspricht, denn Wissenschaft ist ein kumulativer Prozess, in dessen Verlauf immer wieder geprüft werden muss, ob stimmt, was man für richtig hält.

Dagegen fürchten Ideologen Kritik. Sie fürchten Kritik, weil sie kein Wissen, sondern einen Glauben haben. Ideologen arbeiten nicht an Erkenntnis, suchen keine neuen Zusammenhänge, denn sie wissen schon alles. Ihr Projekt heißt Missionierung oder Erziehung oder Zwangserziehung, nicht Erkenntnisgewinn.

Ideologen sind in der Regel keine Intelligenten, sondern kognitiv Zurückgebliebene, die ihren Kernglauben gegen Kritik schützen und immunisieren müssen. Wenn sie das nicht tun, dann ist er nämlich weg, an der Realität gescheitert, als falsch erwiesen oder als unbrauchbar oder als beides. Er ist eben Glaube und nicht Erkenntnis.

Und damit bin ich zurück bei dem oben zitierten Titel „Nichts als Ideologie? Eine Replik auf die Abwertung rassismuskritischer Arbeitsweisen“.

evil-gnomeWenn bereits im Titel Kritik als Abwertung abgewertet wird, dann weiß man schon nach dem Titel: Hier kommt Ideologie. Hier verteidigen sich welche gegen Kritik, die ihnen den Boden unter den Füssen weggezogen hat. Nun schweben sich im kognitiven Vakuum und tun das, was sie am besten können: Beleidigen und Diffamieren. Nur eines fällt ihnen zu keinem Zeitpunkt ein: Argumentieren. Denn das können sie nicht.

Nichts als Ideologie?, so fragen Inci Dirim, Maria do Mar Castro Varela, Alisha M. B. Heinemann, Natascha Khakpour, Doris Pokitsch und Hannes Schweiger, die fünf Tussen und der Schweiger. Auch das ist eine Mode, die in den letzten Jahren immer häufiger wird: Rudelschreiben. Sechs Hanseln werkeln 12 Seiten Text zusammen, jeder zwei Seiten?

Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass Inci Dirim, die in Wien eine Professur am Institut für Germanistik, genau: Deutsch als Fremdsprache besetzt, die von ihr Abhängigen zusammengetrommelt hat, um den Glaubenskatechismus gemeinsam aufzusagen. Heinemann: Assistent am Lehrstuhl von Dirim. Khakpour, Assistent am Lehrstuhl von Dirim, Pokitsch, auch am Lehrstuhl von Dirim, Schweiger, Lehrbeauftragter (der Mann für die Lehrarbeit) am Lehrstuhl von Dirim, eine schöne Machstruktur und in Wien am Institut für Germanistik, am Lehrstuhl Dirim, da hält man es mit Foucault, der Macht als Aushandlungsprozess definiert,. Wie das geht? Einfach: Dirim sagt, was gemacht wird, und die finanziell Abhängigen marschieren mit (um im Bild zu bleiben: Dirim geht zur Toilette, und der Rest geht mit). Bleibt noch Maria do Mar Castro Vareta, Stipendiat der Heinrich Böll Stiftung und Quotenprof unter Missbrauch des Namens von Maria Goeppert also auf Kosten der Niedersächsischen Steuerzahler. Sie haben sich alle zusammengerottet um den zitierten Beitrag zu schreiben, den man im 21. Jahrhundert nicht mehr für möglich gehalten hätte, einen Beitrag, mit dem sie die Rassismuskritik und damit einen Bereich, der weder über empirische Forschung verfügt noch über einen Aussagenkern, aus dem man falsifizierbare Aussagen ableiten könnte, gegen die „Vorwürfe“, Rassismuskritik sei eine Ideologie, zu verteidigen.

Wohlgemerkt Vorwürfe, nicht Kritik. Ein weiterer Beleg dafür, dass wir es mit Ideologen zu tun haben, Ideologen, die sich zu Sätzen versteigen, wie dem folgenden: „Voraussetzung für diese Kritik ist die Annahme einer vermeintlich klaren Unterscheidung und Trennung von Ideologie und Wissenschaft. … Die Polemik gegen Rassismuskritik beruht auf einem Wissenschaftsverständnis, das davon ausgeht, dass Wissenschaft wertungs- und haltungsfrei, also ‚objektiv‘ sein könne“ (Polemik, nicht Kritik!).

Ok. Wir leben im Jahr 55 nach dem Ende des Werturteilstreits. Wir leben im Jahr 82 nach Veröffentlichung der Logik der Forschung und im Jahr 109 nach der Gründung des Wiener Kreises. Die Erkenntnis, dass es eine klare und definierbare Grenze zwischen Wissenschaft und Ideologie gibt, sie sitzt immer noch nicht, nicht in Wien, bei den Germanisten, die Deutsch als Zweitsprache betreiben.

Popper GrundproblemeAber es ist so. Es gibt klare Abgrenzungskriterien, die Wissenschaft von Ideologie trennen. Popper hat sie in seinem Buch „Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie“ beschrieben, im Wiener Kreis wurden sie hinlänglich, nämlich über drei Jahrzehnte diskutiert, im Werturteilsstreit wurden sie auch dem letzten Blockhead eingehämmert und dennoch gibt es Personen, die von sich behaupten, sie seien Wissenschaftler und behaupten, man könne Wissenschaft nicht von Ideologie trennen.

Doch, das kann man, jedenfalls dann, wenn man Russell seinen Frieden gönnt und nicht als Rührei gelten will. Dann nämlich weiß man, dass wissenschaftliche Aussagen nachvollziehbar, prüfbar und falsifizierbar sein müssen. Alles, was das nicht ist, ist eben keine wissenschaftliche Aussage. Nun kann man Aussagen, die nicht prüfbar sind, natürlich entwickeln, so dass sie prüfbar werden oder indirekt prüfen, was man jedoch nicht kann, ist zu behaupten, dass es nicht möglich sei, Wissenschaft und Ideologie zu trennen. Und das genau behaupten die fünf Tussen und der Schweiger.

Und im Jahr 109 nach Gründung des Wiener Kreises muss man sich mit Fragen der Objektivität auseinandersetzen, weil es immer noch Idioten gibt, die denken, es gäbe andere, die seien so dumm wie sie selbst und würden behaupten, Wissenschaft sei objektiv. Wozu hat sich Hans Albert abgemüht, Wahrheit als regulative Idee zu bestimmen. Wozu hat sich Karl Raimund Popper die Finger wund geschrieben, um dazulegen, dass Wissenschaft nicht Wahrheit oder Objektivität erreichen könne, aber beides anstreben müsse. Wozu haben Ernst Topitsch oder Karl Acham Argument um Argument aufgereiht, um die Trennung zwischen Erkenntnis- und Begründungszusammenhang auch noch dem letzten Nixraff verständlich zu machen. Damit auch der langsamste unter den Denkern versteht, dass man seine Interessen und Haltungen und Einstellungen als Wissenschaftler gerne haben kann, so lange man sicherstellt, dass die Ergebnisse, die man produziert, prüfbar und nachvollziehbar sind, damit auf diese Weise und über den Weg der Kritik, andere prüfen und nachvollziehen und eventuell kritisieren können, dass die entsprechenden Ergebnisse die Einstellungen des Forschers, nicht aber die Realität widerspiegeln?

Nein, im Jahre 2016 gibt es fünf Tussen und einen Schweiger, die von alledem nichts wissen und ansonsten die Rassismuskritik gegen Kritik, nein, gegen „Vorwürfe“ verteidigen wollen, also dagegen, dass festgestellt wird, Rassismuskritik basiere auf nicht prüfbaren Annahmen, mache keine Aussagen über die Wirklichkeit, die falsifizierbar seien, und sei in weiten Teilen nicht nachvollziehbar, weil selbstwidersprüchlich, sei eine Ideologie. Und diese Kritik wollen sie dadurch entkräften, dass sie einen Ladenhüter auspacken, der selbst Thomas von Aquin ob seiner Antiquiertheit die Schamesröte ins Gesicht treiben würde: Es gebe keine positionsunabhängige Wissenschaft.

Warum sollte man ein Interesse daran haben, Aussagen zu verteidigen, die nicht prüfbar und nicht nachvollziehbar sind, Aussagen, die nichts Prüfbares über die Realität aussagen und auch nichts über die Realität aussagen wollen? Warum sollte man darauf beharren, dass der Erkenntnisprozess und alle Erkenntnisse von Ideologie durchtränkt sind und diesen Wahnsinn noch dadurch steigern, dass man die Verwendung der Methoden verweigert, die Ideologie identifizieren und beseitigen können?

Einfach: Weil man ein Ideologie ist. Und das sind die sechs Rudelautoren dann auch, Ideologen, Ideologen der besonderen Art: Gutmenschen.

Sie haben sich kein Fach ausgesucht und keine Position an der Universität angestrebt, weil sie Erkenntnis suchen, weil sie ein Projekt verfolgen und einfach wissen wollen, nein, sie haben sich, um eine Position an der Universität bemüht, um sich als Wissenschaftler ausgeben und den entsprechenden Status erheischen zu können, einen Status, den es, wegen Ideologen wie Dirim und den von ihr Abhängigen nicht mehr gibt. Sie haben sich einen Gegenstand gesucht, der nicht harte Arbeit und Kenntnis von Methoden und Verfahren, am Ende noch statistischer Verfahren bedarf, sondern einen Gegenstand mit warm glow, von dem sie erwarten, dass er auf sie übergeht: Rassismuskritik. Eine Selbst-Inszenierung als Rassismuskritiker, so die Idee, mache sie zum guten Menschen, zeige ihre moralische Überlegenheit und täusche über das vollkommene Fehlen jeglicher Kompetenz und Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten hinweg.

Und dann ernten sie Kritik. Dann kommt jemand und kratzt an der Fassade, hinterfragt die wissenschaftlichen Grundlagen von Rassismuskritik, wie das z.B. Dr. habil. Heike Diefenbach getan hat, in einem konstruktiven Text, der nicht nur Rassismuskritik fundiert kritisiert, sondern Vorschläge enthält, wie man Rassismuskritik zu einer Wissenschaft machen könnte, ein vielgelesener Text, der allein von ScienceFiles und noch vor seiner Veröffentlichung im von Karim Fereidooni und Meral El herausgegebenen Sammelband „Rassismuskritik und Widerstandsformen“ von mehr als 4.000 Lesern (ohne die Downloads über Academia.edu oder Researchgate) heruntergeladen wurde.

Wären die sechs Verschwörer gegen die Wissenschaft Wissenschaftler, der Text von Dr. habil. Heike Diefenbach hätte sie erfreut, die Kritik herausgefordert, die Vorschläge, wie man Rassismuskritik weiterentwickeln kann, sie hätten sie zu ihren gemacht und an ihrem Erkenntnisinteresse gearbeitet. Aber die fünf Tussen und der Schweiger, sie sind keine Wissenschaftler, sie sind Ideologen, für die jeder Widerspruch bedrohlich und jede Kritik existenzbedrohend ist. Entsprechend fällt die normale Reaktion eines Wissenschaftlers, wie sie oben beschrieben wurde, aus. Es bleibt die Reaktion des Ideologen, des kognitiven Defizitwesens, das nicht in der Lage ist, konstruktiv mit Kritik umzugehen und nur einen Modus kennt, um auf Kritik zu reagieren: aufgeregtes Hyperventilieren (akademisierte Hatespeech).

Hier eine kurze Beschreibung der grassierenden Paranoia unter diesen Defizitwesen:

SF_Rassismus_coverKritik wird zur Abwertung, zur Diskreditierung, kritische Hinweise werden zu Vorwürfen, zum Rundumschlag, die Anliegen der Rassismuskritik sie werden „bagatellisiert“, die „Dilemmata und Widersprüche“, die zeigen, „wie wichtig die Auseiandersetzung im Sinne einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der eigenen Positionen für eine selbstreflexive Praxis“ sind, so wird gejammert, würden als Immunisierungsstrategie bezeichnet und so lamentieren sie weiter und weiter. Nur eines machen sie nicht: Ein Argument. Wie auch? Argumente machen Wissenschaftler. Ideologen beleidigen, diffamieren und werten Andersdenkende ab, so wie die fünf Tussen und der Schweiger dies tun. Und dabei fällt dann die Inszenierung des Gutmenschen in sich zusammen und die Fratze der Boshaftigkeit tritt hervor, das wahre Gesicht der Ideologen, die durch alles, was anders ist, gefährdet sind, weil alles, was anders ist, droht, ihre kognitiven Defizite zu Tage zu befördern. Defizitär wie sie nun einmal sind, fällt ihnen nur die Beleidigung des Häretikers ein.

Es ist schon seltsam. Sie können seitenweise darüber jammern, dass ihnen, den Rassismuskritikern, etwas unterstellt würde, dass sie am Maßstab der Wissenschaft gemessen würden, dass ihre „reflexive Praxis“, also das: „Ich stell‘ mir etwas vor und behaupte etwas und wenn es nicht passt, dann behaupte ich, dass die reflexive Praxis noch nicht abgeschlossen ist“, nicht ausreichend gewürdigt werde, sie jammern und zetern, Seite um Seite und kommen nicht im Traum auf die Idee, sie könnten die Kritik, die an ihre Adresse gerichtet wird, zu entkräften versuchen. Nein, auf die Idee kommen sie nicht, so wie Islamisten nicht auf die Idee kommen, ihre abstruse Version des Koran kritisieren zu lassen. Wer sie kritisiert, ist eben ein infidel, ein Ungläubiger, der mit bösen Strategien und vom Teufel geschickt, unterwegs ist. Bei den fünf Abhängigen von und Inci Dirim ist das genau so: Wer sie kritisiert, wer die heilige Lehre der Rassismuskritik kritisiert, der ist des Teufels, ein Ungläubiger, einer, der eine Strategie verfolgt, um die Rassismuskritik abzuwerten.

Und weil das noch nicht reicht, kommt die Krönung der Idiotie in den folgenden Worten:

„Heike Diefenbach beispielsweise arbeitet in ihrem Rundumschlag mit Unterstellungen und nicht belegten Behauptungen über die Konzepte, Positionen und Forschungen von Wissenschaftler_innen, die rassismuskritisch arbeiten. Ihre Lektüre rassismuskritischer Texte ist äußerst selektiv, vereinfachend und tendenziell abwertend“ (89)

Ob derartiger Text den Tatbestand der Verunglimpfung erfüllt, das dürfen gerne die vielen Anwälte unter unseren Lesern prüfen. Dass die fünf Tussen und der Schweiger hier projizieren, sind sie doch diejenigen, die keinerlei Beleg für ihre Behauptungen, wie z.B. die hier zitierten, bringen, ist offenkundig und wohl Ergebnis eines geistigen Defekts. Ich habe selten einen konstruktiveren und besser belegten Text als den von Dr. habil. Heike Diefenbach zum Thema „Rassismuskritik“ gelesen. Dass alle Aussagen im Text von Heike Diefenbach auch ausführlich mit entsprechenden Textstellen belegt sind, davon kann sich jeder, der des Lesens kundig ist, selbst versichern. Bleibt noch der Vorwurf der Selektivität, ein Vorwurf, wie er aus Reihen der Genderista häufig zu hören ist, die dann, wenn sie keine Antwort auf Kritik wissen, zuweilen behaupten, der Kritiker habe die Tiefe der Gedanken der Genderista nicht verstanden, habe sich nicht weit genug in den Gendersumpf begeben, sei eben selektiv. [Der Fehlschluss dahinter lautet entsprechend: Wenn man lange genug in Scheisse gewühlt hat, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, keine Scheisse zu finden.]

Natürlich ist Kritik selektiv. Jeder Beitrag, der jemals in der Wissenschaft geschrieben wurde, ist selektiv. Menschen sind keinen allwissenden Geister, wie sie William Poundstone für eines seiner Gedankenexperimente extra erfinden musste, sondern in ihren Ressourcen begrenzt. Entsprechend ist jeder Text eine Auswahl, eine Momentaufnahme der Wirklichkeit und somit notwendigerweise selektiv. Wer dies wie Genderista und die fünf Tussen plus der Schweiger anderen zum Vorwurf machen will, zeigt nur und einmal mehr, dass er ein Gläubiger ist, ein Ideologe, der an einer Hochschule wirklich überhaupt nichts verloren hat. Und wenn er seinen Vorwurf, andere seien selektiv mit der Bemerkung abschließt: „Auf die unterschiedlichen Strategien zur Diskreditierung der Rassismuskritik soll hier nicht im Detail eingegangen werden“, dann macht er sich damit nur noch lächerlich. Wobei ich nicht weiß, ob Lächerlichkeit noch ein Attribut ist, das den Status der fünf Tussen und des Schweigers wesentlich beeinträchtigen kann. Ganz unten geht es in der Regel nicht mehr tiefer.

Warum Gläubige wie die Sekte um Dirim unbedingt an Universitäten sitzen wollen, warum sie unbedingt als Wissenschaftler erscheinen wollen – ich habe keine Ahnung. Vermutlich ist es leichter, an Steuergelder zu kommen, wenn man sich als Wissenschaftler an einer Hochschule ausgibt, als es wäre, wenn man sich als Religionsvertreter an einer Hochschule zu erkennen gäbe.

Bedrückend ist jedoch die Boshaftigkeit, mit der die fünf Tussen und der Schweiger auf die Kritik reagieren, wohlgemerkt es ist Kritik, keine Abwertung, keine Vorwürfe und keine Bagatellisierung (schon weil man Rassismuskritik nicht bagatellisieren kann). Das sie nicht auf die Idee kommen, Kritik konstruktiv zu bearbeiten, in der oben beschriebenen Weise, identifiziert sie als Ideologen, die schlicht und ergreifend keinerlei Ahnung davon haben, was Wissenschaft ausmacht. Dass sie ihre Ideologie auf eine Art und Weise verteidigen wollen, die jeden Anstand, jede wissenschaftliche Lauterkeit und jedes Maß an moralischer Restriktion vermissen lässt, ist eine andere Sache, eine Sache, die beklommen machen muss, lässt sie doch Schlüsse auf den geistigen Zustand und den menschlichen Wert derer zu, die in Wien auf Studenten losgelassen werden. Es ist, als blickte man in einen Abgrund, einen Abgrund der Boshaftigkeit, mit der entsprechenden Fratze, dem wahren Gesicht der Defizitmenschen am Boden.

Dirim, Inci & fünf abhängige Autoren (2016). Nichts als Ideologie? Eine Replik auf die Abwertung rassismuskritischer Arbeitsweisen. In: do Mar Castro Varela, Maria & Mecheril, Paul (Hrsg.). Die Dämonisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart. Bielefeld: transcript, S.85-97.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Junk Science: Enthemmte Mitte oder enthemmte Akademiker?

Alle zwei Jahre wieder, kommt sie auf uns nieder: die Mitte-Studie, in der sich Medizin- und Patchworksoziologen der Universität Leipzig, um Elmar Brähler an empirischer Sozialforschung versuchen. Die Mitte-Studie des Jahres 2012 haben wir bereits unter der Überschrift „Die Konstruktion des Rechtsextremismus“ analysiert. Die 2014-Auflage der Mitte-Studie haben wir uns erspart. Die 2016-Auflage müssen wir wieder zur Kenntnis nehmen, als Reaktion auf sozialen Druck, der über unsere Mailbox ausgeübt wird. Ok. Wir analysieren die Mitte-Studie!

junk_scienceEine Veränderung vorweg: Nicht mehr die Friedrich-Ebert-Stiftung, sondern ein Konglomerat aus Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne), Otto-Brenner-Stiftung (Gewerkschaft) und Rosa-Luxemburg-Stiftung (LINKE) hat sich dieses Jahr bereiterklärt, die Kosten der Mitte-Studie zu übernehmen. Die Kosten allein für die Durchführung der Befragung, die zu 2.420 verwertbaren Interviews geführt hat, dürften bereits mehrere 100.000 Euro betragen. Es ist also auch 2016 wieder sichergestellt, dass Steuermittel in großem Umfang für die Mitte-Studie verbrannt werden, verbrannt deshalb, weil mit der Studie keinerlei wissenschaftlicher, sondern ausschließlich ideologischer Nutzen verbunden ist (Sofern man im Zusammenhang mit Ideologien überhaupt von Nutzen sprechen kann). Ideologischer Nutzen muss damit verbunden sein, sonst würden ihn nicht die drei linken Vereine von Parteien und Gewerkschaft mit den Steuergeldern bezahlen, die ihnen zugeschustert werden – oder handelt es sich hier nur um eine schlechte Angewohnheit?

Erhebungsmethoden

Die Mitte-Studie ist eine der Studien, die von sich behaupten, sie seien repräsentativ. Das an sich, ist bereits Unsinn, wie wir an anderer Stelle gezeigt haben. Im vorliegenden Fall kommen noch einige Irrtümer hinzu, die die Autoren wie folgt darlegen:

“Je größer die Stichprobe, desto geringer ist die Fehlerwahrscheinlichkeit. Das wichtigste Merkmal einer repräsentativen Erhebung ist allerdings, dass jedes relevante Merkmal in der Bevölkerung die gleiche Chance hat, in die Stichprobe einzugehen.“ (Decker et al., 2016: 25).

Enthemmte AkademikerZwei Sätze, zwei Fehler. Mit zunehmender Größe einer Stichprobe sinkt die Fehlerwahrscheinlichkeit nicht, denn die Fehlerwahrscheinlichkeit hat zunächst einmal nichts mit dem Umfang der Stichprobe, sondern mit der Qualität der Stichprobe zu tun: Wenn es gelingt, drei Deutsche zu finden, die so mittelmäßig sind, dass sie regelmäßig genau die Angaben zu Fragen machen, die die Mehrheit der Bevölkerung macht, dann ist die Fehlerwahrscheinlichkeit, also die Wahrscheinlichkeit, dass die Stichprobe die zugrundeliegende Population nicht abbildet, sehr gering. Wenn ich dagegen 5000 Mitglieder der Antifa zu Fragen des Anstands und der Moral befrage, werden am Ende der Befragung Ergebnisse stehen, die sehr weit von dem abweichen, was in der Mehrheit der Bevölkerung mit Anstand und Moral verbunden wird. Die Fehlerwahrscheinlichkeit ist also hoch. Kurz: Die Leipziger Mediziner haben nicht viel Ahnung von empirischer Sozialforschung.

Das macht auch der Folgesatz deutlich, der von „relevanten soziodemographischen Merkmalen“ spricht. Dummerweise weiß man immer erst hinterher, welche Merkmale relevant für eine bestimmte Fragestellung sind. Wüsste man es bereits vorher, man müsste gar keine Befragungen durchführen. Abermals erzählen die Autoren Unsinn. Die Mär der Repräsentativität, sie behauptet, dass jedes Element der Grundgesamtheit, also im vorliegenden Fall, jeder, der in Deutschland lebt, die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, in die Mitte-Befragung zu gelangen.

Auch hinter dem eigenen Anspruch, eine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung gezogen zu haben, bleiben die Autoren und USUMA, ihr Umfrageinstitut aus alter Verbundenheit, zurück: Ihre Stichprobe hat verhältnismäßig zu viele junge (unter 45 Jahre) und alte (über 65 Jahre) Befragte, zu viele Frauen (55,3%), zu viele Geschiedene und zu wenige Befragte ohne einen Schulabschluss, gemessen an der Verteilung der entsprechenden Gruppen in der Gesamtbevölkerung. Und dies ist nur das Ergebnis einer kursorischen Prüfung.

Fazit zu den Erhebungsmethoden: Dilettantismus.

Befragungsmethoden

Die Mitte-Studie will vornehmlich „Rechtsextremismus“ messen. Rechtsextremismus ist der Verkaufsanker, der Köder, an dem sich die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten mit Sicherheit festbeißen, und der Köder, der öffentlich-rechtliche Medienanstalten wie die ARD, die Ergebnisse der Mitte-Studie nur zu gerne und ohne Prüfung übernehmen sieht (immer vorausgesetzt, Journalisten bei öffentlich-rechtlichen Medien stellen keine Negativauswahl dar, die zur Prüfung der entsprechenden Ergebnisse gar nicht in der Lage sind.).

Rechtsextremismus wird in der Mitte-Studie völlig ungewöhnlich und wie folgt definiert:

“Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische
Einstellungen. (Decker & Brähler, 2006)“(Decker et al., 2016: 29)

Die angeblichen Wissenschaftler sind nicht einmal in der Lage, sich selbst korrekt zu zitieren. Da es sich um ein wörtliches Zitat handelt, ist eine Seitenangabe aus Decker und Brähler zwingend notwendig. In jedem Einführungskurs in die Quellenkunde wären die Autoren durchgefallen, und Friedrich Kahlenberg würde in seinem Bundesarchiv rotieren, wenn er noch in seinem Bundesarchiv wäre.

Abgesehen davon wird Rechtsextremismus also als Oberismus einer Reihe von Unterismen definiert. Jeder der Unterismen wird sodann gemessen, und zwar anhand von je drei Items.

Die hohe Kunst der Befragung, sie hat eine Reihe von No-Goes definiert, d.h. von Arten und Weisen des Vorgehens und der Formulierung von Fragen, die ein lauterer Wissenschaftler vermeidet. Decker et al. meiden die entsprechenden Vorgehensweisen nicht. Man findet sie fast alle versammelt.

Holm_Alle Aussagen, denen die Befragten zustimmen können oder nicht, werden mit fünf Antwortoptionen präsentiert: „lehne völlig ab“, „lehne überwiegend ab“, „stimme teils zu teils nicht zu“, „stimme überwiegend zu“, „stimme voll und ganz zu“. Sobald es an die Auswertung geht, sind drei der fünf Antwortoptionen verschwunden, die Ergebnisdarstellung beschränkt sich weitgehend auf die Optionen „stimme überwiegend zu“ und „stimme voll und ganz zu“ und beide Optionen werden der Einfachheit halber zusammengefasst. Das ist eine der Unsitten der empirischen Sozialforschung, die häufig durch zu geringe Fallzahlen bedingt ist. Warum, so muss man fragen, wird mit „Likert-Skalen“ erhoben, wenn das erste, was bei der Auswertung verschwindet, eben jene Likert-Skala ist? Zur Erinnerung: Likert-Skalen sind mit Blick auf die Auswertung der Daten entwickelt worden, nicht mit Blick auf die Erhebung der Daten. Aber das wissen die Mannen um Brählert offensichtlich nicht.

Grundsätzlich ist das Zusammenfassen von Antwortkategorien ein zulässiges Verfahren, jedenfalls dann, wenn die Aussagen, denen Befragte zustimmen oder die sie ablehnen sollen, entsprechend eindeutig formuliert sind. Das sind sie im vorliegenden Fall aber nicht.

  • „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“
    „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.“

Beide Aussagen sollen Ausländerfeindlichkeit messen. Wenn ein Befragter nun „stimme überwiegend zu“ zur ersten Aussagen als seine Antwortoption angibt, dann kann hinter dieser Angabe die Überlegung stehen, dass nicht alle Ausländer nach Deutschland kommen, um „unseren Sozialstaat auszunutzen“. Der entsprechende Befragte hätte sich somit an dem Wörtchen „nur“ gestört und mit Recht so, denn das Wörtchen „nur“ macht aus der Frage eine eine unzulässige Suggestivfrage, die darauf abzielt, entsprechende „affektuelle Reaktionen hervorzurufen“, wie Kurt Holm (1986: 64) das nennt. Man muss also annehmen, dass Befragte, die „überwiegend zustimmen“, die suggestive Ladung der Frage erkannt haben und ablehnen. Sie mit Befragten, die affektuell im vollen Umfang und damit so, wie suggeriert reagieren und „voll und ganz zustimmen“ zusammenzuwerfen, ist eine Manipulation der Ergebnisse, die den Ethikkrat der Profession beschäftigen müsste, wenn der entsprechende Ethikrat ein Ethikrat und kein Feigenblatt wäre.

Die selbe Argumentation kann im Hinblick auf die zweite Aussage anhand der Qualifikation „gefährlich“ vorgenommen werden. Wieder kommt man zu dem Ergebnis, dass die Daten von Decker et al. mit ihrer Zusammenfassung in einem nicht zulässigen Maß manipuliert wurden.

Noch ein paar Beispiele aus dem Schattenreich der suggestiven Fragen:

  • „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“:
    Setzt voraus, dass der Einfluss der Juden einst zu groß war.
  • “Es gibt wertvolles und unwertes Leben.“Formuliert eine Bigotterie, wie sich nicht zuletzt daran zeigt, dass viele Menschen kein Problem damit haben, Tiere zu fressen und damit tierisches Leben zu vernichten, das sie wohl als unwert zu weiterem Leben angesehen haben.
  • “Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen sich nicht an“: Aus der Trickkiste der mehrfachen Stimuli, aus denen sich der Forscher aussuchen kann, was er gerne hätte. Sind die Befragten, die hier zustimmen, nun der Ansicht, Juden hätten etwas Besonderes an sich oder etwas Eigentümliches oder etwas Besonderes und etwas Eigentümliches? Sind die Befragten der Ansicht, sie würden sich wegen diesem Besonderen oder wegen diesem Eigentümlichen oder wegen beiden nicht anpassen oder der Ansicht, dass sich Juden unabhängig von Besonderem und Eigentümlichem nicht anpassen?

Jedem Methodenlehrer an einer Universität, der sich mit Frageformulierungen befasst, müssen angesichts dieser kategorialen Fehler bzw. dieser angewendeten Manipulationstechniken die Haare zu Berge stehen. Bei Decker et al. stehen die Haare sicher nicht zu Berge, nicht einmal die Schamesröte wird sie ereilen – das ist eine Prognose mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von weniger als 5% (auf eine F-Verteilung bezogen).

Der größte Hammer, der letztlich ganz deutlich zeigt, dass es bei der sogenannten Mitte-Studie einzig darum geht, Daten zur ideologischen Verwendung zusammenzustellen und damit die Befragten, die bereitwillig an der Befragung teilgenommen haben, zu missbrauchen, findet sich in den Tabellen 3 bis 8. Sie alle stellen Ergebnisse für Ost und West, für Abitur oder kein Abitur, für Altersgruppen oder letzte Partiwahl etc. dar, und zwar für „Befürwortung Diktatur“, „Chauvinismus“, „Ausländerfeindlichkeit“, „Antisemitismus“, „Sozialdarwinismus“, „Verharmlosung Nationalsozialismus“.

Wie sich vielleicht der ein oder andere Leser noch erinnert, definieren Decker und Brähler Rechtsextremismus als Oberismus über den hier genannten Unterismen. Rechtsextremismus setzt sich also nach ihrer eigenen Definition aus den sechs Unterismen zusammen, ist eine Kombination aus ihnen.

Ihre eigene Definition haben sie offensichtlich vergessen, wenn es darum geht, die Ergebnisse mit dem, was man wissenschaftliche Lauterkeit nennt, darzustellen. Statt Rechtsextremismus als Kombination der sechs Unterismen darzustellen, erwecken die Autoren den Eindruck, Rechtsextremismus ergebe sich schlicht durch Addition der sechs Ismen. Sie suggerieren ihren Lesern, es seien im Kern immer die gleichen Befragten, die den Unterismen von Rechtsextremismus zustimmen (oder schlimmer noch, man könne die Unterismen addieren, um zum Ausmaß an Rechtsextremismu zu gelangen). In Tabelle 3 wird z.B. von 2.1% der Befragten behauptet, dass sie den Nationalsozialismus verharmlosen würden. Die Darstellung suggeriert, dass sich diese 2.1% auch unter denen finden, die Sozialdarwinismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Chauvinismus und Diktatur befürworten. Und das ist falsch. Würden die Autoren ihren eigenen Anspruch einlösen und die sechs Unterismen zu Rechtsextremismus zusammenfassen, es gingen Ihnen reihenweise Befragte verloren, d.h., sie stünden am Ende mit vielleicht 2% Rechtsextremen nach ihrer eigenen Definition da und mit vielleicht 5%, die man mit viel gutem Willen als dem, was Decker et al. als Rechtsextremismus gemessen zu haben glauben, nahe stehend ansehen könnte. Immer vorausgesetzt, man kann die Zusammenfassung der Antwortkategorien und die Art und Weise der Formulierung der Aussagen rechtfertigen. Das kann man aber nicht, wie wir bereits dargelegt haben.

Ganz nebenbei ist es in der empirischen Sozialforschung ein Muss, für die Skalen, von denen man behauptet, man habe sie gemessen, auch zu prüfen, ob man sie tatsächlich gemessen hat. Entsprechende Methoden finden sich unter dem Stichwort „Reliabilität“. Wenig verwunderlich finden sich in der Mitte-Studie, der anscheinend völlig enthemmten Leipziger Akademiker, keinerlei Hinweise darauf, dass ein Reliabilitätstest durchgeführt worden wäre, so dass man davon ausgehen muss, dass die Autoren zwar behaupten, z.B. Chauvinismus gemessen zu haben, ihre Operationalisierung der latenten Variable „Chauvinismus“ aber nicht reliabel ist, d.h. sie haben irgend etwas gemessen.

Schnell hill esserDie neue Mitte-Studie ist somit ein weiteres Beispiel dafür, dass angebliche Wissenschaftler gerne bereit sind, die ideologische Schmutzarbeit für ihre Auftraggeber zu erledigen bzw. dass sie so mit Ideologie angefüllt sind, dass sie gar nicht merken, wem sie freudig zu Willen sind. Es finden sich so ziemlich alle Techniken der suggestiven und manipulativen Befragung, die lautere Wissenschaftler meiden wie die Pest, es findet sich eine unlautere Zusammenfassung der Antworten, die Befragte gegeben haben und somit ein Missbrauch der Befragten und es finden sich suggestive Darstellungsweisen, die das Phänomen, das man angeblich gemessen haben will, aufblasen wie einen Luftballon auf dem Jahrmarkt. Nur eines findet sich in der gesamten „Mitte-Studie“ nicht: Eine Operationalisierung von Mitte und eine enthemmte Mitte findet sich auch nicht. Der Begriff, ist wohl dazu gedacht, die Naiven in den Redaktionen der Medien zu ködern. Mit Erfolg wie sich zeigt. Auf den gesamten mehr als 200 Seiten des Machwerks findet sich der Begriff der „enthemmten Mitte“ nicht ein einziges Mal. Er findet sich ausschließlich in der Überschrift des Machwerks und in den Medien.

In der DDR war es üblich, Wissenschaft daran zu identifizieren, dass sie im ideologischen Einklang mit dem herrschenden Marxismus-Leninismus steht. Da einige der Autoren der Mitte Studie eine DDR-Sozialisation erfahren haben, hat sich bei Ihnen offensichtilch noch nicht der mit dem Ende der DDR verbundene soziale Wandel in der Wissenschaft herumgesprochen, der es unnötig macht, die eigenen Ergebnisse anhand von ideologischen Vorgaben aufzubügeln, um dann ein Fleißkärtchen von seinen Auftraggebern zu erhalten.

Der Alte Mann hat sich in seinem Blog auch zum Thema geäußert.

 


Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns

ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung
durch eine Spende (via Paypal) durch eine Spende (via Banküberweisung) als ScienceFiles-Clubmitglied
  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

Zwergenaufstand: Wenn angeblich kritische Wissenschaftler_Innen hoaxen

Derzeit geht ein Hoax durchs Internet. Hereingefallen auf den Hoax sind die Veranstalter des Center for Metropolitan Studies an der TU-Berlin und die Herausgeber der Zeitschrift Totalitarismus und Demokratie. Ihnen wurde zunächst ein Vortrag und dann ein Beitrag untergeschoben, in dem es um die „Gewaltgeschichte im Jahrhundert der Extreme“ geht, gezeigt am Beispiel des Schäferhunds.

Vortrag wie Beitrag sind eine Ansammlung von Unsinn über den ersten Mauertoten, den Polizeihund „Rex“ und darüber, dass sich der Stammbaum der DDR Grenzschäferhunde bis zu den Nazi-Schäferhunden zurückverfolgen lasse. Im Bericht über die Tagung „Tiere und Ihre Heimat“ hat der Vortrag, den eine erfundene Christiane Schulte von der Ruhr-Universität in Bochum gehalten hat, den folgenden Niederschlag gefunden:

deutsch deutsche Schaeferhunde„CHRISTIANE SCHULTE (Bochum) berichtete aus ihrem Forschungsprojekt über den deutsch-deutschen Schäferhund im 20. Jahrhundert. Der Schäferhund spielte einerseits als Projektionsfläche menschlicher Staatsgewalt und anderseits als „Nutztier“ diktatorischer Regime eine Rolle. Schulte deckte dabei weitreichende Kontinuitäten, sowohl was die Funktion der Hunde als Instrumente totalitärer
Staatsgewalt als auch die züchterische Generationsfolge betrifft, auf. Schwerpunkt
ihres Vortrages waren die über 5.000 Hunde der DDR-Grenztruppen und hier vor allem die Hunde an den Laufleinen, die als „lebende Grenzsicherungsobjekte“ die Unüberwindbarkeit der innerdeutschen Grenze sicherstellen sollten. Schulte konnte anhand vieler Beispiele ihre These belegen, dass trotz des eingeschränkten Handlungsspielraums der „Kettenhunde“, jene durchaus „eigen-sinniges Verhalten“ an den Tag legten, das dem Grenzregime zuwiderlief.“

Dass es an deutschen Universitäten Unsinn gibt, viel Unsinn, dass unter dem Deckmantel des Postmodernismus das vor allem aus Frankreich stammende pseudo-philosophische Wortgeklingel eines Jacques Derrida, eines Felix Guattari, eines Jacques Lacan oder eines Bruno Latour, das geeignet ist, selbst ansatzweise vernünftiges Denken in einem Meer unsinniger Sätze zu ertränken, auch in Deutschland Fuss gefasst hat, das ist keine Neuigkeit. Dass es gerade in Deutschland ganze Fachbereiche gibt, die dem Unsinn als ihrem Fetisch huldigen, das ist ebensowenig eine Neuigkeit. Die Dokumente sprachlicher Verwirrung, die in großer Zahl in Gender Studies, Cultural Studies oder anderen Varianten der postmodernen Denkverweigerung produziert werden, ihre Fetische des weißen Mannes, der wahlweise die Erde mit Kolonialismus oder dem Patriarchat, das es nie gegeben hat, verwüstet, sie sind weithin bekannt. Was also ist so wichtig, als dass es einen neuen Wissenschaftshoax begründen würden, einen, in dessen Zentrum kein methodisches, sondern ein inhaltliches Ziel steht?

Beginnen wir im Jahr 1996, dem Jahr, in dem Alain Sokal seinen Beitrag „Transgressing the Boundaries: Toward a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity“ in der Zeitschrift „Social Text“ veröffentlicht hat. Dieser Text, einer der klassischen Texte für einen wissenschaftlichen Hoax, er ist eine Ansammlung von Zitaten berühmter französischer und amerikanischer angeblicher Philosophen der Postmoderne. Sokal hat den „Glue“ geliefert, der die Zitate in all ihrer Absurdität und Falschheit aneinanderreiht.

Das Ziel, das Sokal mit seiner Aktion verfolgt hat, besteht aus vier Teilzielen:

  • SokalEr wollte zeigen, dass sich postmoderne vermeintliche Denker naturwissenschaftlicher Theorien bedienen, von denen sie nicht einmal eine rudimentäre Ahnung haben.
  • Er wollte zeigen, dass Begriffe aus den Naturwissenschaften in die Sozialwissenschaften übernommen werden, ohne dass es dazu eine Rechtfertigung gibt, ohne dass sich damit ein Sinn verbindet.
  • Er wollte diejenigen, die durch eine Zurschaustellung von Halbbildung zu beeindrucken suchen, als die wissenschaftlichen Hochstapler enttarnen, die sie nun einmal sind.
  • Er wollte zeigen, wie im Grunde bedeutungslose Schlagworte verwendet werden, um beim Leser Eindruck zu schinden.

Sokal geht es demnach um die Wissenschaft, um Lauterkeit, um die Methoden und die Kriterien, anhand derer Wissenschaft identifiziert wird. Er wendet sich gegen den Relativismus der Postmodernen, die sich mit Worten schmücken, die sie nicht verstehen, um damit Eindruck zu schinden und zu belegen, dass es kein sicheres Wissen gibt. Sokal und Bricmont schreiben in ihren Buch zum Hoax über die postmodernen angeblichen Denker:

„Es handelt sich dabei um eine intellektuelle Strömung, die gekennzeichnet ist, durch theoretische Abhandlungen, die von jeglichem empirischen Nachweis losgelöst sind, und durch einen kognitiven und kulturellen Relativismus, der die Wissenschaft lediglich als ‚Erzählung‘, als ‚Mythos‘ oder als eine gesellschaftliche Konstruktion betrachtet.“ (17).

Das Anliegen von Sokal, es ist die Sicherung von Wissenschaft gegen den Angriff der Unvernunft. Seine Mittel sind wissenschaftliche und logische Argumentation, was die Mühe voraussetzt, sich mit dem postmodernen Unsinn zu befassen.

Betrachten wir auf dieser Grundlage den „beste[n] Wissenschafts-Hoax“, den Matern Boeselager „seit Langem gesehen“ hat: Die deutsch-deutschen Schäferhunde, von denen oben die Rede war.

Im Gegensatz zum Hoax von Alain Sokal, den der Autor unmittelbar nachdem sein Beitrag in Social Text veröffentlich wurde, aufgeklärt hat und für den er die volle Verantwortung übernommen hat, gibt es für den Schäferhund-Hoax niemanden, der die Verantwortung übernehmen will. Stattdessen gibt es ein anonymes Bekennerschreiben, das auf heise.de veröffentlicht wurde. Der Schäferhund-Hoax, er scheint eher in einer Analogie zu terroristischen Anschlägen zu stehen, als dass er ein ernsthaftes wissenschaftliches Anliegen umfasst.

Verantwortlich für den Hoax will eine „Gruppe von kritischen Wissenschaftler_innen“ sein, die für „engagierte Gesellschaftskritik“ eintreten und die Human Animal Studies und die Extremismusforschung als diejenigen ausgemacht haben, die ihnen dabei im Wege stehen.

Kritische Wissenschaftler, die sich als „Wissenschaftler_innen“ bezeichnen, haben bereits mit dieser Bezeichnung zu erkennen gegeben, dass sie alles, nur keine kritischen Wissenschaftler sind, ordnen sie doch ihr ganzes Tun einer ideologischen Mode der Sprachverstümmelung unter, per Unterstricht. Gleichzeitig erhält man dadurch den ersten Eindruck dahingehend, wes‘ Geistes Kind die „kritischen Wissenschaftler_innen“ sind. Dass die „kritischen Wissenschaftler_innen“ auch mit dem Begriff der Kritik nicht wirklich etwas anfangen können, sich eher als postmoderne Begriffsusurpatoren gerieren, die nutzen, was für sie gut klingt, dazu kommen wir unten.

Sokals Anliegen war, die wissenschaftliche Methode von Vernunft und Kritik vor postmodernen Schwätzern zu schützen. Was ist das Anliegen der „kritischen Wissenschaftler_innen“.

Sie haben kein wissenschaftliches, dafür aber ideologische und somit inhaltliche Anliegen. Zum einen sind sie nicht damit einverstanden, dass die DDR als generelles Unrechtsregime angesehen wird und verwahren sich gegen die Annahme, „der DDR-Sozialismus sei irgendwie genauso schlimm gewesen wie das NS-Regime“. Zum anderen passt ihnen die Zuschreibung von Agency an Tiere nicht, also die Sichtweise, die Tiere als Subjekt in eigenem Recht sieht und eben nicht als Objekte, über die Menschen eine freie Verfügungsgewalt haben (Dazu wird sich Dr. habil. Heike Diefenbach im folgenden Post äußern).


Warum soll der DDR-Sozialismus differenziert betrachtet werden? Die Antwort auf diese Frage ist klar, um das Stigma des totalitären SED-Regimes vom Sozialismus zu lösen, um die Herrschaft der Mittelmäßigen über den planmäßigen Mangel einer ansonsten inoffiziell überwachten Gesellschaft, die individuelle Freiheit der kollektiven Wahnvorstellung derer, die sich als „Avantgarde der Arbeiterklasse“ fühlen, opfert, zu rehabilitieren und Sozialismus wieder hoffähig zu machen, oder wie die „kritischen Wissenschaftler_innen“ in ihrem anonymen Bekennerschreiben schreiben:

„… korrekte Ernährung des Einzelnen ersetzt das kollektive Ringen um gesellschaftliche Ziele“

Dass der Einzelne vor dem Kollektiv kommt, es ist den bekennenden anonymen „Wissenschaftler_innen“ ein Dorn im Auge.

Die Agency von Tieren, also deren Recht als Subjekt behandelt und nicht zum Objekt menschlicher Begierden degradiert zu werden, es ist den „kritischen Wissenschaftler_innen“ der Dorn im anderen Auge, und sie versteigen sich zu einer Aussage, die an Dummheit nun wirklich nicht zu überbieten ist:

Massentierhaltung_huehner„Es gibt genügend Gründe, die gegenwärtige Tierverwertung (!sic) zu kritisieren, ökologische, ökonomische oder die Zustände in Massentierhaltungsanlagen. Aber dazu braucht es weder Tierrechte noch Agency. Der Maßstab bleibt der Mensch.“

Die gesammelten Irrtümer, das gesammelte Unvermögen und die monumentale Dummheit, die hinter dieser Aussage steckt, Dr. habil. Heike Diefenbach wird sie im folgenden Post umfassend würdigen.

Hier bleibt zu fragen: Was ist denn das Problem damit, dass man Tier als Subjekt und nicht als Objekt zur freien menschlichen Verfügung ansieht. Die Antwort, sie findet sich zu Beginn des anonymen Bekennerschreibens:

„… Ursprünglich war die Kritikfigur der Agency ein Gegenentwurf, um gesellschaftlich unterdrückte Stimmen aus der Opferrolle zu holen. Statt etwa Frauen nur als passive Opfer des Patriarchats zu kritisieren, rekonstruierten engagierte Wissenschaftler_innen Geschichten von widerständigen und aktiven Frauen in allen Epochen. Eine ähnlich differenzierte Kritik ergab sich z.B. in den Postcolonial Studies, ebenso seit den 1960er Jahren in der New Labour History mit ihren Forschungen zu Arbeit und Arbeitnehmer_innenbewegung.“

Dieser Absatz macht ganz deutlich, wessen geistiges Kind die anonym bekennenden „Wisenschaftler_innen“ sind. Sie gehören in die Gruppe der postmodernen Gläubigen, die dem Fetisch des Patriarchats huldigen und angetreten sind, um die dummen Schwarzen, die sich alleine nicht den Fängen des bösen weißen Mannes entziehen können, vor eben jenem zu retten und in den sicheren Hafen eines post-stalinistischen Sozialismus zu schippern, in dem sie dann die Leiche von Hugo Chavez, der es in Rekordzeit geschafft hat, eine blühende Ökonomie zu ruinieren, anbeten dürfen.

Kurz: Die „kritischen Wissenschaftler_innen“, sie wollen mit ihrem Hoax eine Forschungsrichtung diskreditieren, deren Prämissen ihrem ärmlichen anthrozentristischen Weltbild zuwider läuft, das jeden Sinn verliert, wenn man ihnen die weibliche Opferrolle und das Bild vom ewigen Patriarchen und die Vorstellung nimmt, Menschen seien das Zentrum einer sozialistischen Schöpfung, die Bruder Karl und Bruder Friedrich, in ihrem Pantheon, den Josef Stalin, Mao Tsetung und die geschätzt 100 Millionen Opfer ihrer Herrschaft bevölkern, anhimmelt.

Die Agenda der „kritischen Wissenschaftler_innen“, sie ist keine wissenschaftliche, sondern eine ideologische. Es geht ihnen nicht um die Methode der Wissenschaft, um Vernunft, Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit und Falsifizierbarkeit, sondern darum, den Inhalt, dem sie huldigen, durchzusetzen. Sie haben mit Kritik so viel gemein, wie Jürgen Habermas mit verständlicher Sprache. Dafür beherrschen sie die Agitprop-Methoden des Kadersozialismus, dessen wichtigstes Mittel der Gegenpropaganda immer darin bestanden hat, die eigenen Zwecke unter Vorgabe gänzlich anderer Ziele zu verfolgen.

Und so wie der DDR-Sozialismus immer behauptet hat, Freiheit und Demokratie verwirklichen zu wollen, so geben die „kritischen Wissenschaftler_innen“ nicht nur vor, sie seien Wissenschaftler und kritisch, sie nutzen auch die Tatsache, dass es in den Sozialwissenschaften unbestritten viel Unsinn gibt, um ihre Agenda, den Sozialismus wieder salonfähig und Agency auf weibliche, nicht-koloniale Arbeiter_innen zu beschränken, voranzutreiben.

Micha Wolf wäre stolz auf seinen Nachwuchs, für alle anderen ist seine Existenz eher eine Peinlichkeit.

Nachtrag

LeonhardNach allem, was über die „kritischen Wissenschaftler_innen“ nicht bekannt ist, gibt es eine Christiane Schulte nicht. Name und Beschäftigung an der Ruhr-Universität Bochum sind frei erfunden, was zur Folge hat, dass der Auftritt an der TU-Berlin, zum Vortrag über den „deutsch-deutschen Schäferhund“ zumindest bei denen, die ihm zum Opfer gefallen sind, den Gedanken auslösen könnte, man sei betrogen worden. Ob dieser Gedanke strafrechtliche Konsequenzen hat, ist eine andere Frage. Dass derjenige, der sich unter falschem Namen und unter Angabe einer falschen Anbindung an die Ruhr-Universität in Berlin eingeschlichen hat, über die moralische Integrität eines Informanten des Geheimdienstes, also nicht sonderlich viel verfügt, ist dagegen so klar wie der Ursprung der angewendeten Täuschungs-Techniken in den Kaderschulen der ehemaligen DDR (wer es nachlesen will, der sei auf Wolfgang Leonhards „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ verwiesen).

Dass die „Kritischen Wissenschafler_innen“ von Wissenschaft keine Ahnung haben, wird daran deutlich, dass es keinerlei Argument gibt, das sie für ihre Position ins Feld führen. Es ist ein Leichtes und der Beifall der unkritischen Schadenfrohen ist immer gesichert, Unsinn zu schreiben und als sozialwissenschaftliche Forschung auszugeben. Die Gender Studies belegen das seit Jahren. Die Spreu angeblich kritischer „Wissenschaftler_innen“ trennt sich da von Sokals Weizen, wo Argumente für die eigene Position, dafür, dass die kritisierte Position falsch ist, angeführt werden. Entsprechend sei den nach eigener Selbstüberschätzung kritischen „Wissenschaftler_innen“ unser Grundsatzprogramm ans Herz gelegt. Vielleicht vermittelt ihnen die Lektüre eine Vorstellung davon, wie weit sie davon entfernt sind, kritische Wissenschaftler zu sein.

Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns

ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung
durch eine Spende (via Paypal) durch eine Spende (via Banküberweisung) als ScienceFiles-Clubmitglied
  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

Staatlich geförderte Päderastie

Helmut Kentler, den die einen als „Leuchtturm“ und „Vorbild für öffentliche Wissenschaft“ feiern, der „Kompetenz, Authentizität und Nahbarkeit“ vereint habe, in dem andere die „Schlüsselfigur“, der Debatte über „die sexuelle Gleichberechtigung Homosexueller und Pädophiler„, sehen, sein Denkmal hat in den letzten Jahren gelitten. Erheblich gelitten. Begonnen hat alles im Jahre 2013 u.a. mit Berichten in der Zeit und der Berliner taz

Kentler_HUmanistischer Nachruf„Ulrich war 13 Jahre alt, abgehauen aus dem Kinderheim, Stricher am Bahnhof Zoo. Er hatte kein Zuhause, lesen und schreiben konnte er nicht. Aber sein „Vorteil war, dass er gut aussah und dass ihm Sex Spaß machte; so konnte er pädophil eingestellten Männern, die sich um ihn kümmerten, etwas zurückgeben“.

Das schreibt der renommierte Sexualwissenschaftler Helmut Kentler über den Jungen, den er Ulrich nennt, in einem Bericht über ein pädagogisches Modellprojekt , das er 1969 in Westberlin ins Leben rief. Ulrich bekam auf Kentlers Betreiben hin ein neues Zuhause: bei einem vorbestraften Pädosexuellen, mit Genehmigung der von der SPD geführten Senatsverwaltung für Jugend.

Drei vorbestrafte Hausmeister wurden auf diese Weise zu offiziellen Pflegevätern gemacht und für ihre Betreuung der Minderjährigen mit staatlichem Pflegegeld entlohnt. Kentler übernahm die Supervision und machte zweimal die Woche Hausbesuche“.

Berliner Behörden, SPD geführte Behörden haben also Steuergelder aufgewendet, um Päderasten nicht nur zu finanzieren, sondern es diesen Päderasten zu ermöglichen, ihrem Hobby ganz offiziell und legal und ohne Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen nachzugehen.

Die Idee dazu, minderjährige Jungen in die Obhut von Päderasten zu überantworten, sie war die Idee von Helmut Kentler, dem „Vorbild für öffentliche Wissenschaft“, wie Rüdiger Lautmann in seinem Nachruf auf Kentler, der 2008 gestorben ist, schreibt. Und weiter: „Der unverheiratete alleinerziehende Vater mit drei Adoptivsöhnen führte eine bemerkenswerte Sonderexistenz, über die man gerne etwas mehr läse. Auch diese seine persönliche Erfahrung brachte Kentler in eine Veröffentlichung ein: sein Plädoyer für Leihväter (1989)“.

Es ist im Rahmen dieses Plädoyers für Leihväter (im Buch von 1989 mit dem gleichnamigen Titel), das eigentlich ein Gutachten für den Berliner Senat (vermutlich aus alter Verbundenheit) zum Thema „Homosexuelle als Betreuungs-/Beziehungsperson unter besonderer Berücksichtigung des Pflegekindschaftsverhältnisses“ ist, dass Kentler stolz von seinem Berliner Experiment berichtet, bei dem drei Jungen in die von Steuerzahlern finanzierte Obhut dreier Päderasten überantwortet wurden, mit dem Segen der zuständigen Berliner Behörde.

Dazu schreibt Kentler in seinem Gutachten: „Mir war klar, dass die drei Männer vor allem darum so viel für ‚ihren‘ Jungen taten, weil sie mit ihm ein sexuelles Verhältnis hatten.“ Und weiter: „Ich hatte damals erste Veröffentlichungen über Versuche in Holland und in den USA gelesen, bei Päderasten Pflegestellen für jugendliche Herumtreiber einzurichten und zu ermöglichen. Die Ergebnisse ermutigten mich, etwas ähnliches zu versuchen, und es gelang mir, die zuständige Sachbeamtin dafür zu gewinnen“.

Über einen dieser angeblichen Versuche, auf den sich Helmut Kentler hier bezieht, berichtet Ralph Tindall im Heft 4 des Journal of Homosexuality aus dem Jahre 1978. Es ist dieser Beitrag, den Regine Pfeiffer für ihren Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gelesen („Wie ein Sexualforscher beweisen wollte, dass Kinder von Päderasten profitieren“, FAS vom 4. Oktober 2015) und mit den Aussagen verglichen hat, die Kentler demselben Beitrag von Tindall entnommen haben will. Das Urteil, zu dem Pfeiffer gelangt, ist eindeutig: Wissenschaftsbetrug durch Helmut Kentler.

„Die Studie [von Tindall] hatte gravierende Mängel – darüber legte er [Kentler] den Mantel freundlichen Schweigens. Was noch schlimmer war: Er verdrehte und verfälschte sie. … Wo immer Tindall vorsichtig argumentierte und Bedenken erkennen ließ, wurden sie von Kentler getilgt“

Kentler, so das Fazit von Pfeiffer, habe die Studie von Tindall nicht nur verfälscht, sondern für seine Gebrauchszwecke umgedeutet und aufgeblasen, weitreichende Ergebnisse und Belege erfunden, die Tindall nicht vorgelegt habe.

Tindall_1978Tatsächlich behandeln die 11 Seiten des Beitrags von Tindall neuen Beispiele von sexuellen Beziehungen zwischen minderjährigen Jungen und älteren Männern. Bei den älteren Männern handelt es sich um einen Lehrer, einen Chefmechaniker, einen Sportdirektor, einen Universitätsprofessor, einen Onkel, einen Ingenieur, einen angehenden Pfarrer, einen Handelsreisenden sowie einen Abgeordneten. Nicht unbedingt das, was man einen repräsentativen Querschnitt durch die Bevölkerung nennt, aber viellicht durchaus repräsentativ für die Klasse, aus der die Nachfrage nach Päderastie kommt. Wer weiß. Niemand weiß es, denn es gibt keine Daten.

Die Daten, die Tindall berichtet, sind Fallbeispiele, neun Fälle, für die er ausreichende Informationen über einen Zeitraum von rund 30 Jahren sammeln konnte. Entsprechend vorsichtig interpretiert Tindall seine Daten:

„With the sparse data we have, we would have to conclude that in sexual relationships between males beyond puberty where force is not involved many have no deterious effects. Unfortunately, in this limited study there is very little information concerning the adult males involved. From the boys‘ reports these men apparently took a paternalistic or teacherlike interest in the boys to the extent that the boys modeled aspects of the adults‘ behavior other than the sexual“ (381). Und: „These [nine] cases represent a sample with an unknown bias in that we have been able to follow their development, but there was little differences surrounding the original contact in the less documented cases. We do not know how representative these cases are of the original 200.“

Tindall selbst geht also davon aus, dass seine Daten bestenfalls anekdotischen Charakter haben. Die neun von ihm berichteten Fälle, bei denen es sich in jedem Fall um freiwillige Kontakte zwischen minderjährigen Jungen und erwachsenen Männern gehandelt hat, weisen entsprechend nicht über sich hinaus. In keinem Fall stellen sie Versuche dar, „bei Päderasten Pflegestellen für jugendliche Herumtreiber einzurichten und zu ermöglichen“, wie dies Kentler behauptet.

Die Päderasten-Pfleger sind eine Phantasie Kentlers und alles, was er beginnend mit dem Jahre 1969 und im Verlauf der 1970er Jahre mit der Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung getan hat, ist entsprechend seine Verantwortung. Dass die Freiwilligkeit der Beziehungen, von denen Tindall berichtet, bei Kentler zu einer Zuweisung von minderjährigen Jungen zu Päderasten gemacht wurde, dass die sexuelle Beziehung zur Währung wurde, mit denen die Jungen für die Pflege durch Päderasten bezahlen und diese Währung zudem durch Steuermittel ergänzt wurden, sind Perversionen, wie sie nur mit missionarischem Eifer bewegte und ihr Heil über die Welt verteilende Linke haben können.

So wie Kentler die Individualität der Jungen, die er „überzeugt“ hat, sich in die Obhut von Päderasten zu begeben, (mit welchen Mittel diese Überzeugung erfolgt ist, ist unbekannt, welche Rolle die Berliner Jugendbehörde bei der erfolgreichen „Überzeugung“ der Jungen gespielt hat, ist ebenfalls unbekannt), mit Füßen tritt, um seine Vision einer freien Sexualität ab Kindesalter zu verwirklichen, so wie es ihm vollkommen egal ist, welche Kollateralschäden die Durchsetzung seiner Vision nach sich zieht, so ist es den rot-grünen Sexualaufklärern, die in Bildungsplänen Kindern bereits in Grundschulen sexuelle Praktiken beibringen wollen, egal, welche Konsequenzen die entsprechende Aufklärung für die Kinder hat. Es geht ihnen wie Kentler nicht um die lumpigen Individuen, die als Crash Test Dummies für ihre Versuche herhalten, sondern darum, ihre Weltvision, die manche als kranke Phantasie ansehen, auf Kosten anderer und ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen.

Insofern wiederholt sich Kentler gerade, dieses Mal umfasst der Feldversuch nicht drei Jungen aus Berlin, sondern alle Schüler aus Baden-Württemberg. Dass es trotz dieser offensichtlichen Schlußfolgerungen auf die Motivation und intellektuelle Reife von Personen wie Kentler vermeintliche Wissenschaftler gibt, die ihn als „Vorbild für öffentliche Wissenschaft“ feiern wollen, ist mehr als befremdlich, jedenfalls dann, wenn man ein Bild von Wissenschaft hat, das wissenschaftliche Lauterkeit an erste Stelle setzt, und wissenschaftliche Lauterkeit verbietet es, drei Jungen zu Versuchskaninchen für die eigene ideologische Phantasie zu machen, sie verbietet es, neun Fallstudien zu allgemeinen Belegen aufzublasen, und sie verbietet es überhaupt, das Leben Dritter einer intellektuellen Laune zu opfern.

Sofern die drei Versuchkaninchen aus dem Jahre 1969 noch am Leben sind, sollten Sie gegen die Berliner Jugendbehörde, mit deren Einverständnis sie Päderasten überantwortet wurden, klagen, schon weil es gegen die Menschenwürde verstößt, zum Versuchskaninchen für ideologische Phantasien gemacht zu werden.

Wir danken Gabriel Stängle, der uns auf den Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hingewiesen hat.

Tipping Point: Mediale Gender-Berieselung nervt immer mehr

… zu diesem Schluss kommen wir angesichts der Vielzahl der Hinweise, die uns erreichen, Hinweise auf mediale Berichterstattung, die ihren Lesern einhämmern will, dass Frauen benachteiligt sind, dass Frauen an Hochschulen benachteiligt sind, dass Frauen in Führungspositionen benachteiligt sind, dass Frauen Opfer sind, dass Frauen immer Opfer sind und deshalb die Hilfe der Genderindustrie benötigen, dass Frauen, die Genderindustrie benötigen, um ein Einkommen zu haben …. Nein, das nicht. Und dass immer mehr Frauen die Nase voll haben, von dieser Genderindustrie erst entmündigt und dann bevormundet zu werden, …. Nein, das auch nicht.

Die Zahl derer, die von der Gender-Indoktrination die Nase voll haben, sie steigt ebenso, wie die Zahl derer, die nur noch genervt reagieren, wenn sie etwas von Gender hören, wie zum Beispiel der folgende, freundlich grüßende Leser aus Mutterstadt:

„Hallo,

das muss bitte dringend auf ihrer Seite kommentiert werden!

Danke!“

enough„Das“, ist ein Beitrag auf Sol.de, dem Portal für Saarbrücken und den Rest vom Saarland (ist nicht mehr viel), der wie folgt überschrieben ist:

Studie: Frauen in Führungspositionen machen privat mehr Abstriche“

Als wer? Als früher? Als Vollerwerbstätige?

Und weiter geht es:

„Frauen in Führungspositionen machen für ihre Karriere einer Studie zufolge privat mehr Abstriche als Männer. Sie sind seltener verheiratet und haben seltener Kinder als Männer in vergleichbaren Positionen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin mitteilte. 68 Prozent leben – mit oder ohne Trauschein – mit ihrem Partner zusammen; bei den Männern sind es 77 Prozent. 29 Prozent der Frauen haben Kinder bis 16 Jahre, bei den Männern sind es 37 Prozent.“

Die Abstriche, für alle diejenigen, denen es entgangen ist, bestehen darin, dass 9% weniger Frauen, die das DIW in Berlin in Führungspositionen kodiert hat (dazu gleich mehr) als Männer nicht mit einem Partner zusammenleben und 8% weniger der entsprechenden Frauen Kinder unter 16 Jahren im Haushalt leben haben als Männer.

Alle, die das lesen und Single sind, die keine Kinder unter 16 Jahre im Haushalt leben haben, vielleicht, weil die entsprechenden Kinder schon erwachsen sind oder über 16 Jahre alt sind, aber immer noch im Haushalt leben, aufgemerkt: Sie machen Abstriche, ob Sie das wissen, wollen oder nicht.

Wenn es darum geht, Genderideologie in die Köpfe der Leser zu hämmern, ist keine Aussage borniert genug. Wenn es darum geht, Genderideologie in die Köpfe der Leser zu hämmern, dann wird regelmäßig deutlich, wie beschränkt die heile Welt der Genderisten tatsächlich ist, denn: zum Glück gehören Kinder unter 16 Jahren, die im Haushalt leben und ein fester Parter. Früher nannte man das Spießer.

Fuehrungskraefte MonitorUnd wie so oft in letzter Zeit, wenn Gender-Ideologie in die Köpfe der Bevölkerung gehämmert werden soll, kommt das, was angeblich ein wissenschaftliches Ergebnis ist, vom DIW in Berlin, von jenem DIW, das immer noch von sich behauptet, es betreibe wissenschaftliche Forschung, auch wenn es offensichtlich beim DIW in Berlin die Agenda gibt, zum Musterknaben, nein, zum Mustermädchen der Bundesregierung und der Genderideologie zu werden.

Die vermeintlichen Abstriche, die Sol.de berichtet, was wiederum einen unserer Leser so sehr genervt hat, dass er uns eine Dringlichkeits-eMail geschrieben hat, sie finden sich im allerletzten Satz einer Pressemeldung des DIW, die viele Sätze davor hat, Sätze, in denen noch der ein oder andere furchtbare Nachteil von „Frauen in Führungspositionen“ bejammert wird.

Verantwortlich  für die neuerliche Jammer-Orgie, die vom DIW als Führungskräfte-Monitor 2015 verkauft wird, sind Elke Holst, Anne Busch-Heizmann und Anna Wieber.

Sie haben sich am Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) versucht (oder hatten einen männlichen Helfer, der rechnen kann, denn wie wir aus dem nämlichen DIW regelmäßig zu hören bekommen, sie es ja sehr duster aus im Bezug auf Rechnen, Mathematik, Statistik, Technik, kurz: MINT unter Frauen!), um ihre Jammer- oder jämmerlichen Erkenntnisse zu fabrizieren. Das SOEP ist einer der wenigen longitudinalen Datensätze, die es in Deutschland gibt: In regelmäßigen Abständen werden immer dieselben Befragten interviewt. So die Theorie.

In der Praxis gibt es die sogenannte Panelmortalität, ein Ergebnis des tatsächlichen Sterbens von Befragten und ein Ergebnis schleichender Lustlosigkeit, die sich einstellt, wenn man jedes Jahr denselben langweiligen Fragebogen ausfüllen soll. Obwohl das SOEP ein longitudinaler Datensatz ist, wird meist im Querschnitt gerechnet, d.h. für ein einziges Jahr. So auch im vorliegenden Fall: Das ist einfacher. Dafür braucht man weniger Kenntnisse in Statistik und Methoden, im Umgang mit Daten.

Beliebt ist das SOEP, weil man Sätze schreiben kann wie: „Insgesamt standen im letzten Erhebungsjahr 2013 Informationen zu mehr al 24.000 Befragten zur Verfügung“ (15). Das klingt gut, klingt nach viel, nach sehr viel in Standards quantitativer empirischer Sozialforschung gemessen. Nur: Die SOEP-Befragten im Datensatz haben die Angewohnheit, immer dann, wenn eine spezifische Gruppe gesucht wird, wegzuschmelzen wie das Eis in der Sonne.

Entsprechend bleiben Holst, Busch-Heizmann und Wieber auf letztlich 1.550 Personen sitzen, darunter 445 „weibliche Angestellte, von denen aber nur 28 mit umfassenden Führungsaufgaben betraut sind“ (16). Und weil man mit 28 Befragten nicht sinnvoll arbeiten kann, haben die Autorinnen die 28 Frauen in „Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben“ kurzerhand mit den 417 Frauen, die „sonstige Leitungsfunktionen oder hochqualifizierte Tätigkeiten (Abteilungsleiter, wissenschaftlicher Angestellter, Ingenieur) ausüben“, zusammengeworfen.

Und so wird man dann als Mittelbauler an der Hochschule, der in anderen Zusammenhängen wegen seines Zeitvertrags und seiner Sklavenarbeit ähnlichen Ausnutzung beklagt wird, urplötzlich zur Führungskraft und alles, damit das DIW einen Führungskräfte-Monitor vertreiben kann, in der neuen Reihe „Politikberatung kompakt“.

Nur: Der Führungskräfte-Monitor ist kein Führungskräfte-Monitor. Er ist eine Mogelpackung, die man als Wissenschaftler, der sich mit Methoden auskennt und seine Arbeit mit lauteren Mitteln verfolgt, links liegen lassen muss: Links, da wo er hingehört, denn der Führungskräfte-Monitor ist nicht zufällig Bestandteil der Reihe „Politikberatung kompakt“, und es ist kein Zufall, dass die Reihe „Politikberatung kompakt“ besser politisch-korrekter Etikettenschwindel heißen würde. Denn: so wenig, wie auf Grundlage des Führungskräfte-Monitor Aussagen über Führungskräfte möglich sind, so wenig ist die Politikberatung des DIW eine Politikberatung. Die Beratung ist vielmehr eine Legitimierung, eine Politiklegitimierung.

DIW POlitikberatungUnd Legitimierung findet regelmäßig dadurch statt, dass angeblich herrschende Zustände bejammert werden, so wie das im seinerseits bejammernswerten Führungskräfte-Monitor der Fall ist, dessen Autoren durch die Republik ziehen und in Medien aller Art den falschen Eindruck erwecken, sie könnten Aussagen über Führungskräfte machen, hätten Führungskräfte in relevanter Anzahl befragt, wenn sie mit Sicherheit weniger als 100 Geschäftsführer und Direktoren unter den 1.550 Personen, die sie als Führungskräfte verkaufen wollen, haben.

Das nennt man auch Vorspiegelung falscher Tatsachen, schon deshalb, weil durch die Verwendung des Begriffs „Führungskräfte“ bei denen, die ihn hören, ganz bestimmte Assoziationen erweckt werden, eben die Assoziation von Geschäftsführer, von Top-Manager, jedenfalls nicht die Assoziation von Abteilungsleiter im Finanzamt oder von wissenschaftlichem Angestellten. Dass diese Assoziation bei denen, die Führungskraft hören, erweckt wird, ist Absicht und unlauter, es ist das, was man beim DIW nun Politikberatung nennt, worunter offensichtlich Methoden verstanden werden, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, zu manipulieren und letzten Endes zu betrügen.

Und einmal ehrlich: Nie war es einfacher als heute, derartige Manipulationen als angebliche wissenschaftliche Studie verpackt, unters Volk zu bringen: Die meisten Journalisten verfügen nicht einmal über rudimentäre Kenntnisse wissenschaftlicher Methoden und drucken gierig, was ihnen als wissenschaftlich verkauft wird, so lange es der politischen Korrektheit entspricht jedenfalls.

Die Größe, die in dem ganzen Manipulations- und Betrugsszenario keiner der Möchtegern-Manipulatoren auf der Rechnung hat, das sind die Leser, diejenigen, die manipuliert werden sollen, die vermeintlich Dummen da draußen, denen man nach Ansicht derer, die es versuchen, ein X für ein U vormachen kann.

Schlechte Nachrichten für Manipulateure:

Vielen Lesern reicht es. Sie können das Wort „Gender“ mittlerweile nicht mehr hören und sind zu intelligent, als dass sie sich von angeblichen Wissenschaftlern, die nicht weiter kommen als Längsschnittsdaten im Querschnitt zu betrachten und Prozentwerte auszuzählen, von denen niemand weiß, warum sie ausgezählt werden, hinters Licht führen lassen.

Es wird Zeit, dass Institute wie das DIW dafür sorgen, dass an den Studien, die das Institut produziert, mindestens ein Angestellter des Instituts beteiligt ist (so es ihn noch gibt), dem es um Wissenschaft und nicht um Ideologie und Manipulation geht. Die Glaubwürdigkeit des DIW steht auf dem Spiel – sofern sie nicht längst durch Personen wie Elke Holst, Anne Busch-Heizmann oder Anna Wieber verspielt worden ist.

Kann man Tote misshandeln?

Auf den Seiten von scinexx, der Online-Wissenschaftsseite von Springer und MMCD New Media, findet sich heute ein Beitrag über Neandertaler.

scinexxEin reißerischer Beitrag, der die moralische Integrität der und die menschliche Empatie, die man mit den guten alten Neandertalern haben konnte, „systematisch zerstückelt“, um mit dem Beitrag zu sprechen, denn: Die Neandertaler sind Leichenschänder!

Oder im Original: „Nicht gerade pietätvoll: In Frankreich haben Archäologen Neandertaler-Überreste entdeckt, die nach dem Tod systematisch zerstückelt und geschlagen wurden. Auch von anderen Fundstellen in Europa sind solche posthumen Misshandlungen bekannt. Ob dies als Teil eines Rituals geschah oder es von Kannibalismus unter den Neandertalern zeugt, ist bisher allerdings rätselhaft.“

Deshalb titelt der Beitrag: „Neandertaler misshandelten ihre Toten“.

Der Titel, wie der ganze Text, ist bestens geeignet, um einerseits den Fehlschluss der hasty generalization darzulegen und andererseits die Frage zu diskutieren, ob man Tote misshandeln kann, wie auf scinexx behauptet wird.

Vorschnelle Verallgemeinerung

Die Ergebnisse, die auf scinexx als Beleg für die Misshandlung von Toten durch Neandertaler bewertet werden und die Gewissheit begründen, dass Neandertaler ihre Toten misshandelt haben, basieren auf drei, 3, Knochen, nämlich einer Speiche (also einen Unterarmknochen), einem Wadenbein und dem Fragment eines Oberschenkelknochens. An zweien davon finden sich Schnitte und Frakturen, die von den Forschern, die diese Funde analysiert und berichtet haben, auf posthume neandertalische Einwirkung zurückgeführt werden.

Geralda Neanderthal

© Geralda, Maureille & Vandermeersch (2014: 102)

Die Forscher, Maria Dolores Garralda, Bruno Maureille und Bernard Vandermeersch haben ihre Analysen im American Journal of Physical Anthropology (Heft 1, 2014) und unter dem Titel „Neanderthal Infant and Adult Infracranial Remains from Marillac (Charente, France) veröffentlicht.

Der größte Teil des Beitrags ist der Frage gewidmet, ob die drei Knochen Neandertalern überhaupt zugerechnet werden können. Eine Frage, die die drei Forscher auf der Grundlage von „mainly … the archaeological context and the chronology“ beantworten, also durch den Fundort und die Bodenschicht, in der die Knochen entdeckt wurden, sowie durch einen Vergleich mit anderen Knochen, die Neandertalern zugerechnet werden.

Selbst wenn man die Schlussfolgerungen von Garralda, Maureille und Vandermeersch teilt, nach denen die drei Knochen von Neandertalern, zwei Erwachsenen und einem Kind stammen, so scheint der Schluss darauf, dass die Neandertaler ihre Toten misshandelt haben, den man bei scinexx unbedingt ziehen zu wollen scheint, etwas weit hergeholt. In der Logik spricht man von einer übereilten Generalisierung wenn auf Grundlage von z.B. drei Knochen, die vielleicht Neandertalern zugeordnet werden können, auf alle Neandertaler und ihre Begräbnisriten geschlossen wird.

Aber das sind vermutlich für scinexx nur leichte Dehnungen der Belege, die vorhanden sind, denn: „auch von anderen Fundstellen in Europa sind solche posthumen Misshandlungen bekannt“. Garralda, Maureille und Vandermeersch kennen Schnitte und Frakturen, die toten Neandertalern beigebracht wurden, nur von Fundstellen in Spanien, also aus genau einem Land Europas (Seite 111 ihres Beitrags). Wenn man schon dabei ist, heftig und auf keiner empirischen Basis zu generalisieren, so mag sich der Schreiber bei scinexx gedacht haben, dann kommt es auf die kleine Übertreibung auch nicht mehr an.

Misshandlung von Toten

Bleibt noch die Frage, ob man Tote misshandeln kann, eine Frage, die sich eigentlich selbst als unsinng beantworten müsste, setzt doch eine Misshandlung, die vom Strafgesetzbuch z.B. zum Tatbestand der Köperverletung gezählt wird, ein Opfer voraus, das die Misshandlung auch erfahren kann. Aber nicht nur deshalb ist es nicht möglich, Tote zu misshandeln, es ist aus demselben Grund nicht möglich, aus dem man Tote nicht mehr beleidigen kann: Die merken nichts mehr!

Ach ja: „Zerstückelt“ haben die Neadertaler ihre Toten auch nicht, den die Knochen, die von Garralda, Maureille und Vandermeersch untersucht wurden, sind weitgehend vollständig, einzige Ausnahme, der Oberschenkelknochen, der nur als Fragment gefunden wurde.

Neanderthal manFast scheint es, als sei die morbide Phantasie hier mit dem scinexx-Autor durchgegangen, vermutlich aus Enttäuschung, weil die Indizien, die Garralda, Maureille und Vandermeersch zusammengetragen haben, dagegen sprechen, dass die Neandertaler ihre Toten nicht nur „misshandelt“, sondern auch gegessen haben. Folglich kann man die Neandertaler nicht als Kannibalen beschimpfen. Zu dumm.

Bleibt nur die Misshandlung in den Worten des scinexx-Autoren, die Misshandlung von Toten, die man heute z.B. noch in Tibet findet, wo Tote zerstückelt und den Geiern zum Fraß vorgeworfen werden. Man nennt das auch ein religiöses Ritual, d.h. diejenigen, die außerhalb kultureller Engstirnigkeit und kleinbürgerlicher Bornierung zu denken im Stande sind, nennen es so. Leute, die zu diesen Gedanken fähig sind, sind auch diejenigen, die sich vorstellen können, dass Archäologen, wenn sie in 2000 Jahren auf die Überreste christlicher Kulturen stoßen, denken werden, Christen seien eine männerfeindliche Horde gewesen, hätten Männeropfer an Kreuzen gebracht, in rituellen Zusammenkünften das Blut ihrer Opfer getrunken und seien auch ansonsten sehr gewalttätige und blutrünstige Monster gewesen.

Aber lassen wir das.

Garrralda, Maria Dolores, Maureille, Bruno & Vandermeersch, Bernard (2014) Neanderthal Infant and Adult Infracranial Remains from Marillac (Charente, France). American Journal of Physical Anthropology 155(1): 99-113.

Akademische Gotteskrieger

Vermutlich als Erbe der Romantik hat sich in den deutschen Sozialwissenschaften eine Tradition gehalten, die man als schwärmerischen Versuch, Wissenschaft zu betreiben, charakterisieren kann. So wie Romantiker versucht haben, mit der Natur eins zu werden, so versuchen schwärmerische Akademiker in ein Gebiet einzutauchen und hoffen, dass ihr Zustand des geistigen Abtauchens mit einer Offenbarung belohnt wird, einer Offenbarung über Wichtigkeit und Richtigkeit.

Da die Schwärmer auf Intuition vertrauen, sind sie bar jeder wissenschaftlichen Methode, kennen kein geordnetes oder strukturiertes Vorgehen und beherrschen keinerlei Methodologie, die es ihnen erlaubt, sich einem Forschungsgegenstand zu nähern. Entsprechend wären sie verloren im Meer der wahrnehmbaren Dinge, hätten sie nicht etwas, woran sie sich festhalten können, etwas, was ihnen Orientierung und Halt in der feindlichen Welt gibt: Ihren Glauben.

Dieser Glaube ist auf von außen nicht nachvollziehbare Weise geformt. Vermutlich sind sozialisatorische Einwirkungen für seine Formation verantwortlich. Der schwärmerische Akademiker ist auf irgendeine Weise zu seinem Glauben gekommen und vor lauter Freude, endlich etwas gefunden zu haben, das ihm Halt und Orientierung gibt, verteidigt er seinen Glauben gegen alles, was ihn in Frage stellt. Entsprechend versucht er die Welt von all den Kritikern und Faktenversessenen, die seinen Glauben gefährden, zu reinigen. Er wird zum akademischen Gotteskrieger.

Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen „academic“ und „scientific“. Letzteres bezeichnet Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit, ersteres wird regelmäßig in der Bedeutung „müßig“, „überflüssig“ oder „sinnlos“ gebraucht. Wann immer es keinen Sinn (mehr) hat, über etwas zu streiten oder darüber nachzudenken, weil z.B. die Zeit eine entsprechende Entscheidung überholt hat, hat man eine gute Chance den Ausdruck „It’s academic“ zu hören. Und in dieser Funktion haben wir ihn zu schätzen gelernt, erlaubt es der Begriff academic oder akademisch doch, institutionalisierte Lehrstuhlinhaber, die Wissenschaftler spielen, von richtigen Wissenschaftlern zu unterscheiden. Und in dieser Weise benutzen wir den Begriff „akademisch“.

Entsprechend sind akademische Gotteskrieger Personen, die es irgendwie an Universitäten geschafft haben, die sich dort mit dem Mantel der Wissenschaft maskieren, obwohl er ihnen zu groß ist und unter dem Schutz ihrer Bemantelung versuchen, ihren Glaubens zu verbreiten.

Rolf Pohl ist ein solcher akademischer Gotteskrieger.

Rolf Pohl besetzt einen Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. 1996 hat Pohl habilitiert und die Venia Legendi für Sozialpsychologie erhalten, d.h. er ist berechtigt, Sozialpsychologie zu lehren. Sozialpsychologie ist eines der Fächer, deren Korpus an Erkenntnis auf Experimente zurückgeht. Tatsächlich hat die Sozialpsychologie eine lange Tradition herausragender Experimente: Gordon Allport, Stanley Milgram, Muzafer Sherif, Amos Tversky, Daniel Kahneman, sie haben die Sozialpsychologie durch ihre Experimente geprägt. Eine Sozialpsychologie ohne Experimente, ohne empirische Forschung ist nicht vorstellbar.

Entsprechend irritiert ist man beim Lesen der Veröffentlichungsliste von Rolf Pohl. Pohl schreibt zur

    • „Aktualität der Freudschen Sexualtheorie“,
    • zu „Männlichkeit, Destruktivität und Kriegsbereitschaft“,
    • zu „Geil auf Gewalt“,
    • zu „Angst, Lust und Zerstörung“,
    • zu „Normalität und Pathologie“,
    • er schreibt über „Paranoiode Kampfhandlung, über Fremdenhass und Gewaltbereitschaft bei männlichen Jugendlichen“,
    • zum „Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“,
    • über „Vater ist der Beste. Über die Wiedergeburt eines Helden im sozialwissenschaftlichen Famliendiskurs“,
    • über „Genitalität und Geschlecht. Überlegungen zur Konstitution der männlichen Sexualität“,
    • über die „Männliche Sexualität und ihre Krise“,
    • über „Männer, das benachteiligte Geschlecht -Weiblichkeitsabwehr im Diskurs über die Krise der Männlichkeit“,
    • zur „Sozialpsychologie des Krieges: Der Krieg als Massenpsychose und die Rolle der militärisch-männlichen Kampfbereitschaft“,
    • über „Das ‚eigene‘ und das ‚andere‘ Geschlecht. Adoleszenz, Männlichkeit und Gewaltbereitschaft“,
    • über die „Zerstörung der Frau [welcher?] als Subjekt“ und
    • über „Militarisierte Männlichkeit im Spannungsfeld von Krieg und Frieden“.

    Anhand dieser Veröffentlichungstitel hat man schon einen recht guten Eindruck davon, welcher Glaubensrichtung Rolf Pohl anhängt. Er gehört offensichtlich zu denjenigen, die Sexualität überall lauern sehen, die Männlichkeit und männliche Sexualität problematisieren, nur in Verbindung mit Gewalt zu denken in der Lage sind und von hier nur einen kurzen Schritt machen müssen, um bei Krieg und Nationalsozialismus anzukommen. Eine einfache Welt, die Rolf Pohl da bewohnt.

    Die Studenten von Rolf Pohl lernen über den Nationalsozialismus und seine Ursachen, von der neuen Segregation der Geschlechter, von Ärzten im Nationalsozialismus, von der Sozialpsychologie des Antisemitismus, und sie lesen „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir.

    Was beim Blick über die Tätigkeiten von Rolf Pohl ins Auge sticht, ist nicht in erster Linie die Fixierung auf Männlichkeit, Sexualität und Nationalsozialismus, es ist vielmehr das Fehlen von allem, was Sozialpsychologie ausmacht: Hypothesen, empirische Studien, Experimente, die Prüfung von Hypothesen, das, was Wissenschaft im Allgemeinen und Sozialpsychologie im Besonderen charakterisiert, das ist bei Rolf Pohl, der einen Lehrstuhl für Sozialpsychologie verwaltet, wie er schreibt, nicht vorhanden.

    Gollwitzer SozialpsychoDas wäre an sich nicht weiter schlimm. Es gibt Wissenschaftler, die sich mit der Zusammenfassung und der Vermittlung der Arbeiten, die andere geleistet haben, beschäftigen, die Lehrbücher verfassen, in denen sie den Kenntnisstand ihres Faches wiedergeben, in denen sie einen Überblick darüber geben, was in ihrem Fach geleistet wurde und welche Ergebnisse das Fach vorzuweisen hat.

    Doch das macht Ralf Pohl auch nicht.

    Was macht er dann?

    Ralf Pohl reklamiert für sich die Rolle eines auktorialen Erzählers, der in die Welt blickt, Dinge erblickt, die ihm nicht gefallen, der genau weiß, warum es die Dinge gibt, die er sieht und warum sie ihm nicht gefallen, und der diese Dinge geißelt, denn: Er hängt einem festen Glauben an, von dem aus er die Welt bewertet. Er ist ein akademischer Gotteskrieger par excellence, der die Welt mit seinen Einsichten, die zu ihm kommen, wie die Offenbarung zum Propheten, beglückt.

    Dies wird deutlich in einem Interview, das Pohl der Taz gegeben hat und bei dem es sich um einen Extrakt aus einem Vortrag handelt, in dem Pohl über „Männer – das benachteiligte Geschlecht?“ sinniert. Zeichnet sich schon sein Vortrag dadurch aus, dass er aus persönlichen Einsichten und Betrachtungen anstelle von Fakten, Hypothesen, logischen Analysen oder empirischen Ergebnissen besteht, so ist sein Interview das Konzentrat seiner persönlichen Eindrücke über das Universum, das Leben und vor allem die Männlichkeit.

    Denn: Um uns herum ist alles hegemoniale Männlichkeit, so erklärt er. Wenn Sie denken, Angela Merkel sei ein weiblicher Bundeskanzler, dann denken Sie das nur, weil sie die männlichen Rollenerwartungen, die an das Amt des weiblichen Bundeskanzlers gestellt werden, nicht berücksichtigen. Da nützt es Merkel nichts, dass sie weiblich ist, denn sie ist umgeben von feindlichen männlich hegemonialen Rollenerwartungen.

    Das glauben Sie nicht?

    Nun, das liegt daran, dass die männliche Hegemonie Erkenntnissen von Pohl zufolge „unbewusst stattfindet“, männliche Hegemonie ist für Pohl also eine Hegemonie, die man nicht bemerkt, jedenfalls nicht bewusst, so wie man nicht bemerkt, das wir alle zur Zeit vom Osterhasen beherrscht werden – aber das nur am Rande.

    Truth leaksMännliche Hegemonie ist fies, denn sie unterdrückt diejenigen, die sich Pohl nur als passive Rezipienten, unfähige Idioten und ewige Sklaven der männlichen Hegemonie, als Zellhaufen ohne Eigeninitiative vorstellen kann: Frauen (ob hier seine männliche Hegemonie ganz unbewusst mit ihm durchgegangen ist?), denn: „Männer generieren auch Macht in ihrer Beziehung, indem sie Aufmerksamkeit verweigern, hinhalten, Aufgaben vergessen, Bedürfnisse ihrer Partnerin ignorieren“, so weiß Rolf Pohl.

    „Männliche Identität ist so konstituiert“, so verkündet der männliche Pohl und fährt fort: „Zu dieser Identität gehört das unbewusste Bedürfnis, sich aufzuwerten, indem Frauen abgewertet werden“. Hier muss die Selbsterkenntnis mit Pohl durchgegangen sein, der den Unsinn, den er in seiner hegemonialen Männlichkeit erzählt, offensichtlich dadurch aufwerten will, dass er Frauen zu unfähigen und zu keiner Reaktion, geschweige denn Missfallenskundgebung fähigen Statisten erklärt – eine Hypothese, die er leicht falsifizieren könnte, wenn er seine Angst vor Frauen überwände, die er fälschlicherweise allen Männern zuschreibt, und sich in die Gesellschaft einer Frau trauen würde. Wir schlagen Dr. habil. Heike Diefenbach vor, sofern sie dazu Lust hat, denn eine einzige Anmerkung derart, Frauen würden durch hegemoniale Helden wie Rolf Pohl unterdrückt, würde vermutlich ausreichen, um handfest oder argumentativ, je nach Tagesform, des Gegenteils belehrt zu werden.

    Das ganze unsägliche Interview, in dem Pohl seine Probleme mit seiner Männlichkeit zu bearbeiten scheint (das ist eine Hypothese, die wir gerne am lebenden Pohl prüfen würden), ist – wie gesagt – ein Konzentrat eines Vortrags mit dem Titel „Männer – das benachteiligte Geschlecht„.

    Im Gegensatz zum Interview, in dem sich Pohl nur als Wissenschaftler geben muss, erhebt er mit dem Vortrag den Anspruch, Wissenschaftler zu sein, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden.

    Und er versagt auf der ganzen Linie.

    Pohl füllt 22 Seiten mit Betrachtungen über (abermals) das Universum, das Leben und Männlichkeit. Niemand weiß, warum er seine Betrachtungen anstellt. Niemand weiß, warum seine Betrachtungen relevant sein sollen. Niemand kann dem Text entnehmen, welchen Erkenntnisgewinn man aus den Betrachtungen von Pohl hat. Das einzige, was man nach dem Lesen des Vortrags weiß, ist, wie Rolf Pohl die Welt sieht und vor allem: wie er sie bewertet – oder bewältigt.

    Warum er die Welt sieht, wie er sie sieht, wie er seine Sichtweise begründet, belegt und damit nachvollziehbar macht, wie er seine Betrachtungen aus dem Status subjektiven Geschreibsels in den Status wissenschaftlicher Erkenntnis überführen will, ist so unklar wie die Methode, die Pohl zu seinen Bewertungen und Betrachtungen geführt hat.

    Das ist auch kein Wunder, denn Pohl benutzt keine Methode. Er braucht keine Methode, denn es geht ihm nicht um Erkenntnis. Es geht ihm um Bewertung. Er hat kein Interesse daran, seine Betrachtungen auf Richtigkeit hin zu prüfen, denn er weiß, dass sie richtig sind. Sie stimmen mit seinem Glauben überein, also müssen sie richtig sein. Aus dem selben Grund muss alles, was seinem Glauben widerspricht, falsch sein.

    Rolf Pohl ist ein akademischer Gotteskrieger, dessen Auftrag darin besteht, Ausschau nach Kritik zu halten und nach Widerspruch zu seinem Glauben zu fahnden, den entsprechenden Widerspruch, die entsprechende Kritik abzuwerten, abzutun, zu diskreditieren, nicht etwa, sich damit auseinander zu setzen. Dazu wären Argumente notwendig, was wiederum die Bereitschaft voraussetzt, den eigenen Glauben in Frage zu stellen, eine Bereitschaft, die akademische Gotteskrieger wie Rolf Pohl nicht haben.

    Sie haben nur das Ziel zu diskreditieren und dabei überlegen, erhaben und gut zu erscheinen (es geht ausschließlich um den Schein, mit dem leichtgläubige Gemüter getäuscht werden sollen. Dass sich Pohl unter Wissenschaftlern diskreditiert und lächerlich macht, sollte klar sein.). Und dazu ist jedes Mittel recht, wie die folgende Passage aus seinem vermeintlich wissenschaftlichen Vortrag zeigt:

    Unter der Überschrift „Die Kampagne gegen den ‚Verdammungsfeminismus'“ bemängelt Rolf Pohl das Folgende:

    „Dazu gehört die Tatsache, dass historische Kontexte systematisch entweder vernachlässigt, umgedeutet oder monokausal, mit klaren Schuldzuweisungen verkürzt werden, dass soziologische Differenzierungen ebenso fehlen, wie irgendeine Beschäftigung mit Theorien und Kontroversen der neueren Geschlechterforschung und dass jede kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ungleichheitslagen auf das manichäistische Weltbild eines die Männer beherrschenden und unterdrückenden Feminats zusammenschrumpft. Besonders auffällig sind dabei der (fast) durchgängig polemische Stil, ein aggressiver Anklagegestus und eine projektiv erzeugte, von starken Affekten begleitete Feindbildkonstruktion.“

    Leser mögen ihr Augenmerk vor allem auf die monokausalen Schuldzuweisungen, den fehlenden historischen Kontext, die kritische Auseinandersetzung mit Ungleichheit, den polemischen Stil, den aggresiven Anklagegestus und die Feindbildkonstruktion legen.

    Der Mangelliste folgt der Versuch einer Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Gerhard Amendt, den Pohl wie folgt abschließt:

    „Amendts abenteuerliche Behauptungen sind zu großen Teilen pseudowissenschaftliche Konstrukte, die durch ihre selektiven Wahrnehmungsverzerrungen, ihre projektiven Realitätsumdeutungen, ihren manichäistischen Welterklärungscharakter und ihre verschwörungstheoretische Annahmen sowie durch den aggressiven antifemininen Abwehrgestus Züge eines paranoid eingefärbten Hirngespinstes tragen. Es geht um eine medienwirksame irrationale Kampagne in der Sprache des Ressentiments, die mit missionarischem Eifer geführt wird. Nun ist diese Kampagne nicht allein Amendts Privatfeldzug. Seine Positionen sind nicht nur für die sogenannten „Malkulisten“ [Fehler im Original] attraktiv (vgl. http://www.maskulist.de), für die der vom „Femifaschismus“ beabsichtigte „Genozid an den Männern“ spätestens seit der Einführung des Scheidungsrechts ausgemachte Sache zu sein scheint.“

    Aggresiver Stil, Polemik, Behauptungen ohne Begründung, Bewertungen ohne Begründung, keinerlei Bezug auf den gesellschaftlichen Rahmen und seine Ungleichheitsstrukturen, ein aggresiver Anklagegestus, eine Feindbildkonstruktion und monokausale Schuldzuweisungen, die sind offensichtlich nur dann erlaubt, wenn sie Rolf Pohl macht. Mehr noch, ihm ist darüber hinaus die Schmähung, Beleidigung und Diffamierung derer erlaubt, die er als seine Feinde identifiziert hat.

    Und während man bei Nicht-Wissenschaftlern hier an das Glashaus denken würde, aus dem heraus man keine Steine werfen soll, kann man bei jemandem, der Wissenschaftler zu sein vorgibt, der Studenten ausbildet, nur betroffen sein, ob der Ärmlichkeit seines Vortrags, ob der nicht vorhandenen wissenschaftlichen Standards und ob des gänzlich fehlenden, Menschen eigentlich auszeichnenden Anstands.

    Aber wozu sollte Rolf Pohl wissenschaftliche Standards einhalten? Er ist ein akademischer Gotteskrieger, der für seinen Glauben kämpft, und deshalb alle bekämpft, die nicht seinem Glauben anhängen – mit welchen Mitteln auch immer und ohne Rücksicht auf Anstand, Ethik oder Moral. Zumindest wissen wir jetzt, warum es immer mehr Studenten gibt, die denken „Cross Tabs“ sei eine bewussteinserweiternde Tablette (und nicht etwa ein Befehl in SPSS), und warum es immer mehr Studenten gibt, die gar nicht wissen, was man von ihnen will, wenn man sie nach einer Begründung für ihre Behauptungen fragt.

    Akademische Gotteskrieger, die sich als Soziologen oder Sozialpsychologen in Hannover, Berlin, München oder anderswo ausgeben, sind dafür verantwortlich.

    Langsam nimmt die Zahl derer, die an Hochschulen ihre persönlichen Probleme bewältigen und Feldzüge gegen diejenigen führen, denen sie die Schuld an ihrer Misere zuweisen, in einer Weise zu, dass es selbst den Vertretern der Profession auffallen müsste. Entsprechend sollten Fächer wie die Soziologie oder die Politikwissenschaft, die vor Jahren noch dem, was Thomas Kuhn die normalwissenschaftliche Phase genannt hat, am nächsten gekommen sind, langsam Schritte einleiten, um die Standards des Faches durchzusetzen und zu verhindern, dass Positionen in der institutionalisierten Wissenschaft für persönliche Vendetten missbraucht werden.

    Und wenn es die Fachvertretungen nicht schaffen, dann wird Kultusministerien nichts anderes übrig bleiben als ihrerseits einzuschreiten. Immerhin sollen an Universitäten junge Menschen ausgebildet werden. Es sollen ihnen Erkenntnis und Methoden zur Erkenntnisgewinnung vermittelt werden, sie sollen nicht Zeugen psychiatrischer Selbstversuche werden, mit denen die entsprechenden Stelleninhaber versuchen, ihre Komplexe zu bearbeiten. Junge Menschen sollen an Hochschulen auch nicht in Therapiegruppen zusammengefasst werden, die dem Zweck dienen, die Probleme des Dozenten zu sozialisieren, um dann in die Welt geschickt zu werden und das Übel, das sie über den Dozenten befallen hat, aus kathartischen Zwecken zu beklagen.

    Die gesellschaftlichen Kosten, die von jungen Menschen ausgehen, die im Verlauf ihrer wissenschaftlichen Ausbildung so beschädigt werden, dass sie nur noch als Aktivisten und ohne Sinn und Zweck durch die Welt laufen, sind eigentlich zu hoch – sollte man meinen.

Betrug im Quadrat: Mannheimer Hochschule verkauft wissenschaftliche Lauterkeit

Die Liste der Hochschulen, deren Vertreter sich kaufen lassen und die für ein Preisgeld, mit dem es möglich ist, zwei Lehrstühle zu finanzieren, ihre wissenschaftliche Lauterkeit und ihren Anstand obendrein (sofern Sie einen solchen besessen haben), opfern, hat ein neues Mitglied.

Die Hochschule Mannheim reiht sich in den Klub der Betrüger ein. Dort zeichnet einmal ein Prof. Dr. Klimmer:

„Nähere Auskünfte erteilt Prof. Dr. Klimmer, E-Mail: m.klimmer@hs-mannheim.de“

einmal ein Prof. Dr Beck:

„Nähere Auskünfte erteilt Prof. Dr. K. Beck, email: k.beck@hs-mannheim.de“

für je eine Ausschreibung verantwortlich, mit der männliche Bewerber auf die jeweils ausgeschriebene Stelle getäuscht und betrogen werden sollen, denn: Einerseits werden sie explizit angesprochen und zu einer Bewerbung aufgefordert, andererseits wird die entsprechende Stelle an der Hochschule Mannheim nur mit einem weiblichen Bewerber besetzt.

Das nennt man schlichtweg Vorspiegelung falscher Tatsachen und da sich die Verantwortlichen einen Vorteil verschaffen wollen, nämlich die Finanzierung zweier Lehrstühle, erfüllt es auch den Straftatbestand des Betrugs. Was die Ausschreibungen der Hochschule Mannheim ein wenig aus der Reihe der sonstigen Betrugsversuche heraushebt, ist Folgendes:

Hochschule Mannheim

Wer diesen Ausschreibungstext liest, wird, sofern er mit einem normalen Intellekt begabt ist, denken, dass die angesprochene Professur für Mathematik und Physik ausschließlich für weibliche Bewerber ausgeschrieben ist, dass, mit anderen Worten: männliche Bewerber ausgeschlossen sind.

Nun haben die Genderisten in einem Anfall von geistiger Umnachtung das sogenannte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verabschieden lassen. Dummerweise wurde dabei vergessen deutlich zu machen, dass das AGG nur die Diskriminierung von Frauen, nicht aber die von Männern verbietet.

Wegen dieser Unterlassung finden finden sich im AGG die §§ 1 und 2 Abs. 1 in folgender allgemeiner Form:

§1: „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“

Und in §2 Absatz 1 geht es wie folgt weiter:

„(1) Benachteiligungen aus einem in § 1 genannten Grund sind nach Maßgabe dieses Gesetzes unzulässig in Bezug auf: 1.die Bedingungen, einschließlich Auswahlkriterien und Einstellungsbedingungen, für den Zugang zu unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, unabhängig von Tätigkeitsfeld und beruflicher Position, sowie für den beruflichen Aufstieg…“

Hochschule mannheim Betrug 1Wäre die Intention des Gesetzes durch den Zusatz „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen auf Gründen … des weiblichen Geschlechts … zu verhindern“ klar gemacht worden, dann hätte sich vermutlich Widerstand geregt, aber nur kurz und man müsste sich nun nicht verbiegen, um einerseits Männer diskrminieren zu können und andererseits nicht deutlich werden zu lassen, dass man Männer diskriminiert. Denn: wenn man Männer diskriminiert, dann verstößt das gegen §1 und §2 Abs. 1 AGG.

Die Ausschreibung der Hochschule Mannheim, die oben dargestellt wurde, ist entsprechend ein so klarer Verstoß gegen die genannten Paragraphen des AGG, dass jeder männliche Bewerber, der sich bewirbt, aber nicht berufen wird, eine Handhabe hat, gegen seine nicht-Berücksichtigung zu klagen.

Deshalb ist, wenn man dem Link in der Ausschreibung folgt, der Betrug wie im Rahmen des Professorinnenprogramm üblich, etwas verschleiert, so dass es Juristen möglicherweise gelingen kann, durch allerlei hermeneutisches Geschwätz einen intellektuell eher auf der unteren Schiene fahrenden Richter zu beschwätzen und davon zu überzeugen, dass der offenkundige Betrug eigentlich gar kein Betrug ist, bestenfalls ein klitzekleines Betrügchen, das kaum ins Gewicht fällt. Wer sind schon die paar männlichen Bewerber, die sich von der Ausschreibung täuschen lassen, dafür Geld, Zeit und andere Ressourcen in den Sand setzen? Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne!

„Die Hochschule Mannheim strebt an, den Anteil an Professorinnen zu erhöhen. Zum Wintersemester 2015/16 oder später ist in der Fakultät für Elektrotechnik vorbehaltlich einer Finanzierung im Rahmen des Professorinnenprogramm II des Bundes und der Länder folgende Stelle zu besetzen:

Professur „Mathematik und Physik“
Bes. Gr. W2 (Stellen-Nr. 731)

Die Bewerberinnen und Bewerber sollen über mehrjährige Berufserfahrung verfügen und die Lehrgebiete mit überdurchschnittlichem didaktischem Geschick und mit hohem Bezug zur Anwendung in den Studiengängen der Fakultät für Elektrotechnik vertreten. Die Bereitschaft
zur Übernahme englischsprachiger Lehrveranstaltungen und fachlich benachbarter Grundlagenfächer wird erwartet.

Neben Lehre und angewandter Forschung zählen auch der Ausbau der nationalen und internationalen Kontakte zu Unternehmen und Institutionen und eine angemessene
Beteiligung an der akademischen Selbstverwaltung zu den Dienstaufgaben.

Das Professorinnenprogramm zielt darauf ab, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu unterstützen, die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen im Wissenschaftssystem nachhaltig zu verbessern und die Anzahl der Wissenschaftlerinnen in
den Spitzenfunktionen im Wissenschaftsbereich zu steigern. Die Besetzung der Professur steht unter dem Vorbehalt der Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II.

Nähere Auskünfte erteilt Prof. Dr. K. Beck, email: k.beck@hs-mannheim.de“

Hochschule mannheim Betrug 2

    Alles wie gehabt:

  • Eine Professur wird für männliche und weibliche Bewerber ausgeschrieben.
  • Die Besetzung der Professur steht unter dem Vorbehalt einer Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II.
  • Eine Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II erfolgt nur, wenn ein weiblicher Bewerber berufen wird.
  • Also wird die ausgeschriebene Professur gar nicht besetzt, wenn sich kein weiblicher Bewerber findet.
  • Also haben männliche Bewerber keinerlei Chance auf die entsprechende Professur berufen zu werden.

Das selbe Täuschungsmanöver veranstaltet die Hochschule Mannheim für eine weitere ausgeschriebene Stelle, nämlich eine

Professur „Physik, Mathematik und Statistik“ Bes. Gr. W2 (Stellen-Nr. 728)“

Auch diese Professur an der Hochschule Mannheim steht unter dem Vorbehalt der Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II. Kurz: Es handelt sich hier um den selben Betrug.

Wir wissen nicht, wie viele Beiträge wir über die letzten Jahre geschrieben haben, um männliche Bewerber vor dem Betrug, den das Professorinnenprogramm darstellt, zu warnen, und sie entweder davor abzuschrecken, sich überhaupt zu bewerben oder ihnen für den Fall, dass sie sich beworben haben, eine Handhabe zur Klage wegen Nichtberücksichtigung zu geben.

Die beiden Ausschreibungen der Hochschule Mannheim erfüllen nicht nur den Tatbestand des Betrugs, es handelt sich auch um klare Verstöße gegen das AGG und darin die §§ 1 und 2 Abs. 1.

Es wäre ein Leichtes, dem Spuk des Professorinnenprogramm ein Ende zu setzen, wenn alle männlichen Bewerber, die nicht berücksichtigt wurden, vor das Verwaltungsgericht ziehen, um dort den Verstoß gegen das AGG anzuklagen, und wenn die entsprechenden Bewerber zudem vor ein Zivilgericht ziehen würden, um dort die Kosten einzuklagen, die ihnen dadurch entstanden sind, dass sie vorsätzlich über ihre Chancen, die entsprechende Professur zu erreichen, getäuscht wurden.

Eine Klagewelle ist bislang ausgeblieben.

Männliche Bewerber in Deutschland lassen sich offensichtlich ungestraft vorführen.

Das Anstands-Gap: Lügen, Falschaussagen und Gender Pay

Verzweiflung ist etwas, was nur Intelligente empfinden können, denn es bedarf eines gewissen Quantums an Verstand, um über Dinge verzweifelt sein zu können, denn Verzweiflung resultiert aus der Kenntnis, dass das, was die Verzweiflung auslöst, nicht so sein muss, anders sein könnte, ja müsste, wenn Grundlagen, Erkenntnisse weiter verbreitet wären, wenn nicht jeder, der sprechen kann, dächte, er müsse zu allem den Mund aufmachen, wenn nicht …, nun, es ist eben zum verzweifeln.

Niemand hat Verzweiflung angesichts einer Mauer aus Dummheit und stoischem Behauptens, der Baum, gegen den man laufe, sei gar kein Baum, besser zum Ausdruck gebracht als Karl Raimund Popper, der zeitlebens versucht hat, Naheliegendes zu verbreiten, nämlich dass man von begrenztem Wissen nicht auf unbegrenztes Wissen schließen kann – unter Philosophen bekannt als so genanntes Induktionsproblem:

Logik der Forschung„Es ist jetzt 50 Jahre her, seit ich im Jahre 1932 das abgeschlossene Manuskript meines Buches Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie … Rudolf Carnap und Herbert Feigl und einigen anderen Wissenschaftstheoretikern und auch einem Physiker, Franz Urbach, zu lesen gab. […] Jetzt, nach 50 Jahren, wird die triviale Einsicht, dass es keine probabilistische Induktion gibt, noch immer von den meisten Wissenschaftstheoretikern bekämpft – wenn auch nicht so heftig als vor 20 Jahren. Ich habe in dieser Zeit immer wieder neue [mathematische] Beweise vorgelegt, die mir einfach und überzeugend erschienen. Keiner dieser Beweise wurde je widerlegt. Die induktivistische Einstellung war geradezu Allgemeingut, und sie ist es ja noch immer. So wurden meine Beweise nicht ernst genommen.
Der hier abgegebene Beweis scheint mir (wie der jeweils letzte meiner Beweise) der beste zu sein, und der einfachste, den ich bisher gegeben habe. Er ist auch wohl der letzte, den ich, als 80jähriger, in diesem Buch veröffentlichen werde. (…) Ob mein letzter und einfachster Beweis […] endlich Beachtung finden wird oder zumindest eine sachliche und ernste Kritik?“ (Popper, 1994: 444).

Man sieht, die Ignoranz, mit der von Vertretern bestimmter Interessen Belege ignoriert werden, die die Behauptungen, mit denen sie ihre Interessen durchsetzen wollen, widerlegen, ist kein neues Phänomen. Es scheint, dass das Spiel mit der Dummheit und der Leichtgläubigkeit anderer gerade von denen sehr erfolgreich betrieben wird, die über keinerlei empirische Basis, über keinerlei Belege für ihre Behauptungen verfügen.

Das ist die Einleitung zu einem Hinweis, den wir Günter Buchholz verdanken. Er hat uns auf die Seite „Equal Pay Day“ Aufmerksam gemacht. Dort wird die alte Lüge des Gender Pay Gaps in einer Weise vorgebracht, bei der man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Vorab zur Einordnung: Es gibt in westlichen Ländern kein Gender Pay Gap.

Deceibe infeigle obfuscateUnd zur theoretischen Einordnung: Das Gender Pay Gap geht auf Ökonomen wie Oaxaca und Blinder zurück, die eine diskutierbare Behauptung aufgestellt haben, nämlich dass dann, wenn man Lohnunterschiede über Variablen erklärt, die einen Effekt auf die Lohnhöhe haben, Variablen wie Bildung, Erfahrung, Arbeitszeit, Branche usw., und am Ende bleibt ein Residuum, ein Teil, der nicht erklärt werden kann, dann könne man diesen unerklärten Teil als Ergebnis von Diskriminierung auffassen. Wie so oft, bewegen sich die entsprechenden Ökonomen in einer Modellwelt, denn die Interpretation des Residuums als Diskriminierung setzt voraus, dass alle Variablen, die einen Effekt auf die Höhe des Entgelts haben, in der Erklärung berücksichtigt sind. Wenn es unter den Lesern jemanden gibt, der mit empirischen Daten hantiert und es schon einmal geschafft hat, die gesamte Varianz seiner abhängigen Variablen zu erklären, dann soll er sich bitte melden, denn bislang ist uns kein einziger Fall bekannt, in dem dies gelungen wäre. Kurz: Zu behaupten, dass das, was man nicht erklären kann, Ergebnis von Diskriminierung sei, ohne die Behauptung anhand empirischer Daten zu prüfen, ist gelinde gesagt haarig, ohne Zurückhaltung ein Ausbund an Unfug, den man von gestandenen  Ökonomen so nicht erwartet hätte.

Das rhetorische Figur des Gender Pay Gap ist gefundenes Fressen für all diejenigen, die sich mit seiner Vermarktung selbst bereichern wollen, wie z.B. die oben verlinkte Seite „Equal Pay Day“, eine Seite, die an Unsinnigkeit kaum zu überbieten ist.

Zu Beginn wird behauptet, das (nicht existente) Gender Pay Gap betrage in Deutschland 22%. Der Behauptung folgt der Aufreger der in der weiteren Behauptung besteht, dass Frauen 80 Tage umsonst arbeiten würden, denn 22% von 365 Tagen sind 80 Tage.

Kennen Sie jemanden, der 365 Tage im Jahr arbeitet? Nicht einmal Selbständige machen das. Aber Arbeit und Arbeitstage scheinen den Betreibern der Seite zum Equal Pay Day, um Henrike von Platen ebenso fremd zu sein wie logisches Denken. Zudem scheint es sich zu von Platen und Genossinnen nicht herumgesprochen zu haben, dass es Sonn- und Feiertage gibt, ganz zu schweigen vom bezahlten Urlaub, alles Tage, an denen nicht gearbeitet wird und die von den 365 Tagen abgezogen werden müssen – was sie natürlich nicht werden, denn von Platen und Genossinenn geht es nicht um die Wahrheit, sondern darum, Effekte zu erzielen, Effekte der Bestürzung und der Entrüstung bei Leichgläubigen, bei Dummen, bei denen, die von Platen und Genossinnen für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen.

Und deshalb geht es weiter im Lügen-Konzert. Die 22%, die eben noch als Fanal der Benachteiligung armer Frauen durch böse Bonzen präsentiert wurden, werden sodann berechnet, und zwar als Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und dem durschschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen. Seltsamerweise ergibt die unbereinigte Lohnlücke, die dabei herauskommt, einen Prozentwert, der wiederum die Relation beider durchschnittlichen Bruttostundenlöhne zueinander abbildet, aber es ist ja bekannt, dass diejenigen, die sich für Geschlechterfragen einsetzen mit MINT so ihre Probleme haben und selbst rudimentäres Prozentrechnen ist Mathematik.

Sodann gibt es ein Zugeständnis, nämlich das Zugeständnis, dass man die Leser bislang belogen hat, denn die 22% sind irrelevant, sind ein angeblich unbereinigtes Gap, etwa so, wie es im Vergleich der Entgelte zwischen der Putzfrau Elfriede W und Frau von Platen besteht. Bereinigt man das unbereinigte Gender Pay Gap, also führt man die erklärenden Variablen ein, was der eigentliche Witz an diesem unsäglichen Konstrukt des Gender Pay Gap ist, von denen oben die Rede war, dann so lernen wir, passiert Folgendes:

Lies nothing but lies„Zieht man die erklärbaren Prozentpunkte von den 22 Prozent ab, erhält man den so genannten bereinigten Gender Pay Gap. Der bereinigte Gender Pay Gap lässt sich nicht auf erklärbare, strukturell unterschiedliche arbeitsplatzrelevante Merkmale zurückführen. Das bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde weniger verdienen als Männer. Für den bereinigten Wert des aktuellen Gender Pay Gap liegen noch keine aktuellen Zahlen vor. Er lag nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts von März 2012 bei durchschnittlich 8 Prozent.“

In der Wissenschaft, also in jenem vermeintlich männlichen Unterfangen, das sich nicht mit Ideologie, sondern mit der Empirie und der Erklärung derselben beschäftigt, ist ein Fehlschluss bekannt: der „Ökologische Fehlschluss“. Der „Ökologische Fehlschluss“ hat, wie vermutlich manche, besonders aus dem Lager von Frau von Platen denken, nichts mit Umweltschutz zu tun, nein, er hat etwas damit zu tun, dass man Zusammenhänge, die man auf der Aggregatebene findet, nicht umstandslos auf die Individualebene übertragen kann.

Angenommen, wir finden einen Unterschied im IQ auf der Aggregatebene: Aktivisten, die sich heftigst für bestimmte Dinge einsetzen, weisen im Durchschnitt einen IQ von 65 auf, Personen, die sich mit ihrem Leben beschäftigen, haben im Durchschnitt einen IQ von 130. Aus diesem Zusammenhang nun zu schließen, dass Frau von Platen einen IQ von 65 hat, wäre ein ökologischer Fehlschluss und aus dem selben Grund, aus dem man in unserem Beispiel von der Aggregat- nicht auf die Individualebene schließen kann, wie gerechtfertigt der entsprechende Schluss einem auch erscheinen mag, aus demselben Grund kann man von einem bislang nicht erklärten Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen in seiner bereinigten Varinate nicht auf individuelle Benachteiligung, d.h. bei gleicher Qualifikation geringeres Gehalt schließen.

Wir erwarten nicht, dass Fraun von Platen oder andere Anhängerinnen des Gender Pay Mythos, diese Transferaufgabe zu leisten im Stande sind, aber es wäre, so denken wir, doch wirklich an der Zeit, diese unsinnige Diskussion über einen Gender Pay Gap, den es nicht gibt, zu beenden und die enstprechenden Aktivisten, die nicht einsehen wollen, dass nicht der Mond scheint, sondern die Sonne, auch nachts, in die Wüste gejagt werden, denn der Stumpfsinn, mit dem Falsches verbreitet wird, mit dem versucht wird, die Unwissenheit, Leichtgläubigkeit und emotionale Tangierbarkeit von beeinflussbaren Existenzen auszunutzen, ist nicht mehr tolerierbar.

Ganz davon abgesehen offenbart sich hier ein Anstands-Gap, denn wer versucht, mit Lügen, falschen Behauptungen oder – im günstigsten Fall – mit Aussagen über Zusammenhänge, die er nicht versteht, Dritte zu manipulieren, der ist nicht anständig, der hat ein Anstands-Gap, verglichen mit dem durchschnittlichen Anstand der Normalbevölkerung.

Wenn Frau von Platen die Welt verbessern will, dann soll sie in ein Altenheim gehen und sich dort z.B. in der Pflege alter Menschen nützlich machen.

Ansonsten haben wir ausführlich gezeigt, dass ein Gender Pay Gap nicht existiert.

Nachtrag

In den letzten Tagen wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, dieses Mal unter Überschriften wie:

Frauen erwirtschaften halb so viel Geld wie Männer bzw.
Frauen verdienen nur halb so viel wie Männer

Die Qualitätsjournalie aus ZEIT und Welt ist also in der Lage, ein und dasselbe Ergebnis einmal als erwirtschaftetes Geld und einmal als Verdienst zu verkaufen. Tatsächlich geht der geballte Unfug auf einen politisch korrekten Beitrag aus dem DIW zurück, in dem Stefan Bach, der uns bereits als Laienprediger bekannt ist, Aggregate von Einkommen für Männer und Frauen vergleicht.

Grundlage seines neuerlichen Versuches, Wissenschaft lächerlich zu machen, ist eine Statistik der Einkommens- und Lohnsteuer, in der sich zeigt, dass Frauen rund 50% weniger Einkommen oder Entgelt versteuern als Männer. Warum das so ist, zeigt sich in einer Statistik auf Basis der gezahlten Lohn- und Einkommenssteuer natürlich nicht (Der Fall Schwarzer legt allerdings nahe, den Unterschied als Ergebnis intensiverer Steuerhinterziehung durch Frauen zu sehen). Entsprechend schafft es Herr Bach, Wissenschaft weit hinter Heron von Alexandria zurück zu verfrachten, jedenfalls dann, wenn es irgend jemanden geben sollte, der seinen Unsinn kolportiert, und natürlich wird es genügend Opportunisten geben, die denken, man könne der Tatsache, dass Männer mehr Einkommens- und Lohnsteuer zahlen als Frauen auch nur irgend etwas entnehmen.

Was man dem neuerlichen Bachschen Machwerk entnehmen kann, ist die Tatsache, dass Anstand auch im DIW nicht weit verbreitet ist, dass die Frage ob das Anstands-Gap auch mit einem IQ-Gap verbunden ist, bislang nicht untersucht wurde und dass, schließlich, der Unterschied in der Höhe der Lohn- und Einkommenssteuer, wie er zwischen Schreibtischtätern wie Herrn Bach und Müllfahrern wie Klaus F. besteht, auf Benachteiligung von F. zurückzuführen ist, weshalb wir hier öffentlich dafür plädieren, die Lehren, die Herr Bach zu ziehen können glaubt, auf ihn selbst anzuwenden!

Rostocker Ehrendoktorposse: Showdown um Snowden

Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock hat durch den Rektor der Universität Rostock, Prof. Dr. Wolfgang Schareck, gerade die maximale Strafe für Unkenntnis der rechtlichen Regelungen, auf denen der Universitätsbetrieb in Rostock basiert, erhalten: Er hat die Entscheidung des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät Rostock, Edward Snowden den Ehrendoktortitel der Fakultät für Philosophie zu verleihen, beanstandet, den Rat der Fakultät aufgefordert, die Entscheidung aufzuheben und im Falle einer Weigerung, die letztliche Entscheidung im Rahmen der Rechtsaufsicht an das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern verwiesen.

Da versuchen sich Sozialwissenschaftler einmal leutselig zu geben und auf einen Wagen des Volkszorns aufzuspringen, da wollen sie einen mutigen Mann, der in weiten Teilen der USA als Landesverräter gilt, einmal für sein Engagement mit einem Ehrendoktortitel auszeichnen, und was passiert: Ihr Beschluss wird ihnen vom Rektor um die Ohren gehauen.

Uni RostockDabei haben die Mannen von der Philosophischen Fakultät alles ihnen nur mögliche getan, um die Weitergabe von Informationen durch Edward Snowden zu einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung, zu einer Aktion von „wissenschaftliche(r) Bedeutung“ zu stilisieren. Sieben Professoren, von Ulrich Beck und Micha Brumlik zu Claus Leggewie und Wolfgang Hoffmann-Riem wurden verschlissen, um die wissenschaftliche Bedeutung der Übergabe von Informationen an Zeitungen zu begründen. Was hat es gebracht? Nichts.

Auch der Versuch, Snowden als Vertreter einer uramerikanischen Freiheitskultur, als in der Tradition US-amerikanischer Bürgerrechtler wie Malcolm X und Dr. Martin Luther King stehend, aufzubauen, ihn zu einem amerikanischen Patrioten zu erklären und seine moralische Integrität und die ethische Dimension seines Handelns zur Grundlage der Verleihung einer Ehrendoktorwürde zu benutzen, hat nichts geholfen, ebenso wenig wie der Verweis darauf, dass man „wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns und der Persönlichkeit des zu Ehrenden beurteilen“ könne.

Am Ende mussten sich die eminenten Professoren, die gemeinsam mit u.a. ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern den Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät in Rostock besetzen, von ihrem Rektor belehren lassen, dass in Mecklenburg-Vorpommern ein Ehrendoktortitel nur „aufgrund besonderer wissenschaftlicher Leitungen“ verliehen werden dürfe und dass die „Übergabe eines umfangreichen Datenbestandes an ausgesuchte Medien mit dem Ziel einer Veröffentlichung und Auswertung dieses Datenbestandes durch diese Medien und zu dem Zweck, einen möglicherweise auch wissenschaftlichen Diskurs mit Blick auf die Aktivitäten verschiedener Geheimdienste und ihrer gesellschaftlichen, rechtlichen und sonstigen Implikationen … nicht als wissenschaftliche Leistung gewertet werden“ könne.

TopitschDie ganze Angelegenheit ist mittlerweile über den Punkt der Peinlichkeit hinaus und man fragt sich, welche Funktion manche Positionsinhaber an Universitäten denselben eigentlich zuweisen. Wenn die Fakultätsräte der Philosophischen Fakultät in Rostock tatsächlich der Ansicht sind, dass man „wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns“ beurteilen könne, dann befördern uns der Herr Dekan Hans-Jürgen von Wensierski und die beiden Prodekane Frau Gesa Mackenthun und Elisabeth Prommer damit um 100 Jahre zurück in die Vergangenheit, und just in die Zeit, als man sich in Deutschland gegen das, was damals als Afterwissenschaft, heute als Pseudowissenschaft bekannt ist, gewehrt hat.

Damit war alles gemeint, was sich an Universitäten breit gemacht hat, ohne über eine wissenschaftliche Methode zu verfügen: Alfred Dippe hat 1895 in seinem Buch „Sozialismus und Philosophie auf den deutschen Universitäten“, festgestellt: „Die Wissenschaft der Sozialdemokratie ist Afterwissenschaft, weil sie der logisch scharfen Kritik nirgends standhalten kann“. Damit war gleichsam ein Startschuss gegeben, ein Startschuss für den Kampf von Wissenschaftlern gegen in bestimmter Gesinnung betriebene Wissenschaft, die eine solche schlicht nicht sein kann, weil Gesinnung sich auf die Wahrnehmung auswirkt und dafür sorgt, dass Forschungsergebnisse verzerrt werden. Nicht nur das: Bestimmte Fragestellungen tauchen im Rahmen einer bestimmten Gesinnung überhaupt nicht auf, oder wann hätte man jemals einen sozialistisch gesinnten Pseudowissenschaftler darüber forschen sehen, wie Transferzahlungen an vermeintlich Arme deren sozialen Aufstieg verhindern und die so oft bejammert Klassengesellschaft zementieren? Wann hätte man je einen Genderisten darüber forschen sehen (oder überhaupt forschen sehen), welchen Schaden der Genderismus im Motivationsgewebe der deutschen Gesellschaft hinterlässt?

Eigentlich sind diese Fragen im deutschen Positivismusstreit hinlänglich bearbeitet worden, aber wie sich zeigt, sind deutsche Sozialwissenschaftler insbesondere resistent gegen Einsichten, die in anderen Wissenschaften als common sense gelten: Wissenschaft ist eine Methode des Erkenntnisgewinns, es ist eine Methode, die bei Problemen beginnt und nach Ursachen sucht. Die Suche muss frei von Einschränkungen und entlang der wissenschaftlichen Methode erfolgen, d.h. es müssen Hypothesen über die Ursachen aufgestellt und es muss der Versuch unternommen werden, diese Hypothesen zu falsifizieren.

Adorno PositivismusstreitEntsprechend ist Wissenschaft unvereinbar mit Gesinnung, und sie ist zuweilen unvereinbar mit den herrschenden moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns. Sie dient der Erkenntnisgewinnung und manche Erkenntnis mag der herrschenden Moral, Ethik oder anderen zivilgesellschaftlichen Dimensionen widersprechen. Wer das nicht glaubt, der soll an Galileo Galilei denken, der sich in erheblichem Konflikt mit den moralischen und ethischen Vorstellungen seiner Zeit befand, geschweige denn, dass ihm sein etwaiges zivilgesellschaftliches Engagement gut bekommen wäre. Wer es nicht glaubt, der möge sich einen Wissenschafler vorstellen, der sich mit Fragen der gentechnischen Veränderung von Mais, Reis oder Getreide beschäftigt und die entsprechende Forschung vor dem Hintergrund der herrschenden moralischen, ethischen oder zivilgesellschaftlichen Engstirnigkeit beurteilen.

Und damit sind wir am Kern des Problems. Die Wissenschaftsauffassung, die die Fakultätsräte in Rostock an den Tag legen, ist eine Auffassung, die der Wissenschaft schadet, eine Mainstream-Auffassung, eine Art der Wissenschafts-compliance mit dem Zeitgeist. Einmal davon abgesehen, dass Edward Snowden keinerlei Beitrag zu wissenschaftlicher Erkenntnis geliefert hat, denn wollte man dies behaupten, man müsste jeden Archivar, der ein Buch von einem Wissenschaftler aus dem Mittelalter findet, das als verloren galt, mit einem Ehrendoktortitel ausstatten, mag es für Zeitgeist-Reiter, für Personen, die sich einen Vorteil davon versprechen, dass sie ihr Fähnchen in den Wind des Zeitgeistes hängen, einen gewissen Reiz ausüben, Edward Snowden einen Ehrendoktor anzudienen, aber abgesehen von Opportunismus ist es schwierig, ein anderes Motiv, gar ein wissenschaftliches Motiv ausfindig zu machen.

Daraus folgt, dass wissenschaftliche Motive der Entscheidung des Philosophischen Fakultätsrates nicht zu Grunde liegen können, sondern Motive des Opportunismus, vielleicht gepaart mit einer gewissen Mediengeilheit und dem Versuch, eine ansonsten wenig bemerkenswerte Fakultät in die Presse zu bekommen. Zu diesem Zweck wird dann mit hehren Begriffen geworfen, ein Informant der Presse wird zum Wissenschaftler stilisiert, ihm gar ein großes Verdienst um die Wissenschaft attestiert und die Krönung der salbungsvollen Orgie findet sich in der Behauptung, Wissenschaft müsse dem ethisch-moralisch-zivilgesellschaftlichen Zeitgeist entsprechen.

snowdenDas mag für jene Sozialwissenschaftler, die nicht wissen, was eine wissenschaftliche Methode ist und deren Tätigkeit in Weltanschauung besteht, lauter sein, für richtige Wissenschaftler ist es eine Katastrophe und der Gipfel der Heuchelei. Und wie hoch der Gipfel der Heuchelei ist, kann man durch ein einfaches Entfremdungsexperiment deutlich machen: Stellen Sie sich vor, die an die Presse gegebenen Informationen betreffen nicht die NSA und sind nicht politisch korrekt und dem Zeitgeist entsprechend, also z.B. gibt ein Insider Informationen darüber weiter, wie an Universitäten ein schwunghafter Handel mit Titeln betrieben wird, wie Externe sich bei manchen Professoren einkaufen können, um einen Doktortitel zu erwerben oder noch deftiger: Ein Wissenschaftler analysiert all die Doktortitel, die im Rahmen von Genderstudiengängen vergeben werden und zeigt, dass sie auf keinerlei wissenschaftlicher Basis stehen, keine Methode umfassen, keinerlei Erkenntnis erbringen und darüber hinaus irrelevanten Firlefanz zusammenschreiben. Ob die beiden fiktiven Gestalten dann mit einem Ehrendoktortitel aus Rostock rechnen können?

Um es  klar und deutlich zu sagen: Edward Snowden hat eine bewundernswerte Form von Zivilcourage bewiesen, und er verdient dafür, dass er es möglich gemacht hat, die Überwachung von Bevölkerungen durch ihren Staat zu analysieren und zu bewerten, Hochachtung. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Edward Snowdens gäbe, die es sich zum Ziel setzen, all die Strategien und Methoden, mit denen Staaten ihre Bürger gängeln bzw. im Zaum halten wollen, aufzudecken. Snowden ist also aus der Perspektive einer Ethik der Freiheit ein role model, das leider bislang noch darauf wartet, in Deutschland oder in anderen Ländern Schule zu machen. Aber Snowden ist kein Wissenschaftler und entsprechend niemand, dem man für besondere wissenschaftliche Leistungen einenTitel verleihen kann. Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man sich der Person Snowdens für seine ganz eigenen Zwecke bedienen will.