Wissenschaftlicher Unsinn gefährdet Ihre Gesundheit

Grundsätzlich ist es das Ziel von wissenschaftlicher Forschung, allgemeine Zusammenhänge, verallgemeinerbare Aussagen, Theorien aufzustellen, die es erlauben, auf Basis einiger Kriterien Aussagen über die Zukunft, also Prognosen aufzustellen.

Tatsächlich verkommt wissenschaftliche Forschung immer mehr zu ideologischem Geschwätz oder sie wird dazu genutzt, die letzten Trivialitäten zu verkünden oder dazu, den allgemeinen Wald vor lauter speziellen Bäumen nicht mehr zu sehen. Häufig sind angebliche Wissenschaftler nur noch damit beschäftigt, ihren geistigen Tellerrand abzulaufen und kommen nicht einmal auf die Idee, es könnte eine Erkenntnis jenseits der eigenen Engstirnigkeit geben.

Opp MethodologieDie „Bonner Ökonomen Armin Falk und Fabian Kosse“ gehören zu Letzteren. Sie produzieren Ergebnisse, die (1) trivial, (2) engstirnig und (3) idiosynkratisch sind, und zwar unter der Überschrift: „Unfaire Löhne gefährden die Gesundheit“.

Falk und Kosse haben 80 Studenten in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe enthielt Chefs, eine Arbeiter. Die Arbeiter mussten 25 Minuten lang langweilige Rechenaufgaben lösen, während die Chefs entspannten. Für jede gelöste Rechenaufgabe gab es Geld. Je mehr Rechenaufgaben gelöst wurden, desto höher das gemeinsame Verdienst, das am Ende der 25 Minuten von den 25 Chefs mit den 25 Arbeitern geteilt wurden. Dabei haben sich die Chefs regelmäßig mehr Geld zugewiesen als sie ihren Arbeitern zugebilligt haben, was bei den Arbeitern dazu geführt hat, dass sich die Herzfrequenzvariabilität abgesenkt hat.

Sie waren gestresst, wie Falk und Kosse meinen, verärgert wäre das Wort, das wir gewählt hätten. Nun bringt eine niedrigere Herzfrequenzvariabilität, wie Falk und Kosse meinen, das erhöhte Risiko einer Herzerkrankungen mit sich. Entsprechend folgern sie, dass die unfaire Teilung des von den Arbeitern erwirtschafteten Gelds durch die Chefs letztlich die Arbeiter krank machen kann.

Von hieraus machen Falk und Kosse einen Sprung zu Ergebnissen, die auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels erzielt wurden. Demnach haben Befragte, die ihren Lohn als unfair empfunden haben, auch ihren Gesundheitszustand schlechter eingeschätzt als Befragte, die ihren Lohn als fair empfanden. Der Sprung soll die eigenen, mageren Ergebnisse, die auf dem Rücken von 80 studentischen Opfern gewonnen wurden, aufpeppen und allgemein machen. Tut er aber nicht. Vielmehr vergleichen Falk und Kosse Äpfel mit Birnen.

Im SOEP wurde real erhaltener Lohn und subjektive Einschätzung von Gesundheit untersucht, während Falk und Kosse erspielten Gewinn, willkürliche Entscheidung und gemessene Herzfrequenzvariabilität in Zusammenhang gebracht haben. Sie behaupten also einen Syllogismus ohne Mittelglied, und so lange sie nicht belegt haben, dass unfairer Lohn mit erspieltem Gewinn und mit Herzfrequenzvariabilität und subjektiv schlecht eingeschätzter Gesundheit zusammenhängt, ist ihre wilde Assoziation eben das: eine wilde Assoziation.

Wenn der Schluss, den Falk und Kosse gerne im Hinblick auf Lohngerechtigkeit ziehen würden, wohl weil Lohngerechtigkeit derzeit ein trendy Thema ist, mit dem man viel Browniepoints verdienen kann, nicht gezogen werden kann, was bleibt dann von ihrer Forschung?

Trivialitäten.
Diese zum Beispiel: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der menschliche Körper auf soziale und kontextbezogene Informationen reagiert und sie systematisch verarbeitet“.

Unglaublich. Menschen sind Teil einer Umwelt und reagieren auf diese Umwelt. Es soll Menschen geben, die bei Hitze schwitzen, andere sollen bei Kälte frieren und wieder andere sollen mit Ärger reagieren, wenn sie öffentlich-rechtliche Sender anschalten, Behördenbriefe erhalten oder derart dünngeistigen Unsinn zugemutet bekommen, wie ihn Fabian Kosse hier formuliert hat.

Nicht genug mit Trivialitäten, Engstirnigkeit kommt noch hinzu.

Völlig fixiert auf ihr Ansinnen, auf dem Trittbrett der Lohngerechtigkeit mitzufahren (um vielleicht vom BMFSFJ gefördert zu werden), sehen sie den Wald vor lauter Bäumen nicht, obwohl Gerechtigkeit eine Universalie ist, die den Schluss nahelegt, dass eine Verletzung des Gerechtigkeitsempfinden im generellen und nicht nur im Speziellen für die niedrigere Herzfrequenzvariabilität verantwortlich ist. Der Spiellohn bei Falk und Kosse wäre somit ein Anwendungsfall eines größeren Themas, eines Themas, das eigentlich in der Wissenschaft bearbeitet wird, nur nicht von Falk und Kosse.

Vielleicht scheuen Sie davor zurück, weil der Schluss, dass eine niedrige Herzfrequenzvariabilität ein Maß für ein erhöhtes Risiko einer Herzerkrankung ist, vor allem dann, wenn es um gesunde und junge Menschen geht, unter Ärzten umstritten ist bzw. nicht gezogen wird. Ärzte begnügen sich damit festzustellen, dass die Herzfrequenzvariabilität bei Patienten, die bereits unter einer Erkrankung des Herzens leiden, ein hilfreicher Indikator sein kann und dass es wohl einen, bislang ungeklärten Zusammenhang zwischen Herzfrequenzvariabilität und Alter gibt:

“ Die Mechanismen der altersassoziierten HRVAbnahme sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Sicher spielen bei einem Teil der Menschen gerade auch mit zunehmendem Alter Lifestyle – Faktoren, vor allem die Abnahme der körperlichen Aktivität und daraus resultierend der körperlichen Fitness eine Rolle. Darüber hinaus scheint jedoch auch der Alterungsprozess per se zu einer Beeinträchtigung der autonomen Funktion zu führen, wobei nach derzeitiger Datenlage vor allem vagusvermittelte Prozesse und Regelkreise betroffen sind.“

Vom Forschungsergebnis, das Falk und Kosse mit umfangreichen und weitreichenden Behauptungen vertreiben, bleibt nichts übrig, so dass man wohl feststellen muss: handwerklich schlecht, theoretisch unfundiert, assoziativ und falsch. Forschung 2017.

Geschwätz ist keine Wissenschaft: Methodologie der SozialWISSENSCHAFTEN

Sozialwissenschaften sind bzw. waren Wissenschaften. Es ist Zeit, einmal wieder daran zu erinnern. Wissenschaft unterscheidet sich von Nicht-Wissenschaft nicht dadurch, dass erstere an Universitäten betrieben wird und letztere nicht, wie viele zu meinen scheinen, sondern durch die Methode und das Ziel, dem diese Methode dient.

Albert TraktatDas Ziel jeder Wissenschaft ist Erkenntnisgewinn, die Akkumulation von Wissen, von bewährtem Wissen. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigt Wissenschaft eine Methode. Die Methode der Wissenschaft, die systematisches Sammeln von Wissen ermöglich, sie besteht darin, Theorien zu entwickeln und an der Realität zu testen. Entsprechend müssen wissenschaftliche Theorien etwas über die Realität aussagen. Fabuliertes, wie man es z.B. bei Hegel oder Habermas lesen kann, hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Es mag für den einen oder anderen gelehrt klingen oder gar interessant sein, aber so lange man aus dem, was Hegel oder Habermas von sich geben, nicht logisch korrekt Hypothesen ableiten kann, die man wiederum an der Realität testen kann, ist ihr Fabuliertes heiße Luft ohne weiteren Wert.

Entsprechend kann Wissenschaft im Ziel nur empirisch sein, d.h. die formulierten Aussagen müssen dem Ziel dienen, unser Wissen über die Wirklichkeit zu vermehren. Entsprechend ist Genderismus keine Wissenschaft. Denn entweder erzählen Genderisten im Inbrunst der Überzeugung Trivialitäten, die schon seit Aristoteles und vermutlich schon lange vor ihm bekannt waren oder sie machen Aussagen, die nichts über die Wirklichkeit aussagen oder gar der täglichen Erfahrung von Menschen widersprechen.

Dass Frauen diskriminiert werden, wo sie gehen und stehen, ist eine solche Behauptung, die, so lange sie nicht mit Antezedens-Bedingungen verbunden wird, keinerlei empirischen Gehalt hat und somit belanglos ist. Erst wenn angegeben werden kann, unter welchen empirisch messbaren Bedingungen Frauen wo und von wem diskriminiert werden und welche empirisch messbare Folge sich daraus ergibt, haben Genderisten einen Schritt in Richtung Wissenschaft getan. Bislang sind sie nicht einmal in der Lage, die einfachsten Fragen zu Erkenntnisinteresse und Erkenntnismethode zu beantworten, geschweige denn, zur Erkenntnistheorie, so dass man Genderismus mit der Kaffeedomantie auf einer Stufe sehen kann. Der einzige Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass Kaffeesatzlesen derzeit von keinem Ministerium gefördert wird, derzeit …

Sozialwissenschaften verfügen über einen Grundstock an Methoden, der sie zur Wissenschaft qualifiziert. Die 1960er bis Mitte der 1990er Jahre haben entsprechend viele Arbeiten zu Wissenschaftstheorie bzw. Methode oder Methodologie der Sozialwissenschaften gesehen. Sozialwissenschaftler haben sich damals die Frage gestellt, welche Kriterien ihre Sozialwissenschaft erfüllen muss, um als Wissenschaft zu gelten. Und Sozialwissenschaften wie die Soziologie und die Politikwissenschaft waren kurz davor, einen einheitlichen und verpflichtenden Methoden-Korpus zu entwickeln.

Die genderistische und sozialistische Unterwanderung der Sozialwissenschaften hat dies anscheinend zum Stocken gebracht, und die Sozialwissenschaften in ein Methodenbrache verwandelt, in der viele denken, qualitative Befragungen seien die Möglichkeit, sich der Mühe strukturierten Arbeitens zu entledigen und eine billige Möglichkeit, um mit dem Interview-Gesülze Seiten zu füllen. Experteninterviews sind an die Stelle von theoretischen Annahmen getreten, denn viele der derzeitigen Sozialwissenschaftler machen keine Annahmen mehr, dazu müsste man Texte lesen, Bücher am Ende und sich Gedanken machen. Das qualitative Schmarotzen in Form von vermeintlichen Experteninterviews, in deren Verlauf die möchtegern-Forscher hoffen, das zu erfahren, was sie nicht wissen, also so ziemlich alles, ist an die Stelle des eigenen Denkens getreten.

In der quantitativen Sozialforschung sieht es nicht besser aus. Das alte „data speak to me“ feiert neue Feste und Befragungen werden in der Regel nicht mehr durchgeführt, um Annahmen zu testen, sondern um die eigenen ideologischen Überzeugungen zu bestätigen.

Die empirische Sozialforschung liegt weitgehend am Boden, aber immerhin sehen empirische Sozialforscher noch die Notwendigkeit, zumindest den Versuch zu machen, eine Beziehung zur Realität herzustellen. Andere haben längst damit aufgehört, sich um die Realität zu kümmern und sind zum alten Modell der Offenbarungslehre zurückgekehrt, von dem Hans Albert noch 1991 schreiben konnte, dass es im 15. Jahrhundert überwunden wurde. Er hat die Rechnung ohne die Sozialwissenschaftler gemacht, die sich Sozialwissenschaftler nennen, weil sie einen Lehrstuhl inne haben, der eine entsprechende Bezeichnung nahelegt. Von diesem Lehrstuhl aus offenbaren sie ihrer Umwelt die von ihnen für richtig gehaltene Lehre, deren Richtigkeit man nur erkennen kann, wenn man sich eingehend mit dem Gegenstand der Heilslehre beschäftigt hat, so eingehend, wie der Verkünder der Wahrheit. Auch für diese Form des Missbrauchs wissenschaftlicher Einrichtungen gibt es Begriffe. Sie reichen von der Afterwissenschaft, wie sie Max Weber genannt hat, bis zur Kritikimmunisierung, die Hans Albert in diesen Zusammenhängen beschrieben hat.

Angesichts der aufgezeigten Entwicklung der deutschen Sozialwissenschaften ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es nicht nur eine Zeit gegeben hat, in der deutsche Sozialwissenschaftler Methode und Erkenntnisinteresse hatten, es ist auch an der Zeit, auf entsprechende Veröffentlichungen hinzuweisen, ehe sie dem Vergessen anheim fallen.

Opp_MethodologieEine solche Veröffentlichung ist die „Methodologie der Sozialwissenschaften“ von Karl-Dieter Opp. Ursprünglich in den 1970er Jahren geschrieben, ist die derzeitige Version eine knappere Darstellung des ursprünglichen Buches, bereinigt um all die logischen Operatoren und Zusammenhänge, die man heutigen Studenten nicht mehr zumuten soll, weil heutige Studenten den Unterschied zwischen einer Implikation und einer Äquivalenz nicht mehr kennen. Die abgespeckte Version bietet einen leichten Zugang zu der Art und Weise, in der man Sozialwissenschaft betreibt, damit am Ende Wissenschaft und nicht Ideologie dabei herauskommt.

Opp beschreibt die Struktur sozialwissenschaftlicher Aussagen und dabei die Logik kausaler Beziehungen im Rahmen von Satzgeflechten, die man Theorie nennt. Er erklärt den Unterschied zwischen einer Erklärung, als dem, wonach Wissenschaftler streben und dem Verstehen, als dem, was Wissenschaftler können sollten, was aber nicht ihr Erkenntnisinteresse darstellt. Er gibt Beispiele für die Bildung theoretischer Modelle und wendet sich dann dem „Informationsgehalt sozialwissenschaftlicher Aussagen“ zu, also der Frage, was eine Aussage zu einer sozialwissenschaftlichen Aussage macht. Es folgt ein Kapitel über die Logik sozialwissenschaftlicher Theorienbildung. Weil Theorien nicht um ihrer selbst willen gebildet werden, sondern dazu, einen Erkenntnisgewinn zu ermöglichen, also in der Regel dazu, Probleme zu lösen, und weil Erkenntnisgewinn eine Beziehung zwischen Theorie und Empirie voraussetzt, kommt Opp im zentralen achten Kapitel seiner Methodologie zur Beantwortung der alles überragenden Frage: Wie prüft man sozialwissenschaftliche Theorien? Allein die Lektüre dieses Kapitels macht deutlich, warum so vieles, was uns derzeit als Sozialwissenschaft untergeschoben wird, nicht einmal dazu taugt, den Status einer Hypothese zugewiesen zu bekommen. Die Lektüre sei entsprechend jedem an Sozialwissenschaft Interessierten empfohlen.

Die Auseinandersetzung mit der Frage, wie man eine Theorie kritisiert, die Opp unabhängig von der Frage diskutiert, wie man eine Theorie prüft, führt schließlich zu dem, was man als gängige Praxis dessen ansehen kann, was derzeit als Sozialwissenschaften verkauft werden soll: „Wie formuliert man eine Theorie, die unprüfbar ist?“, so fragt Opp und beantwortet die Frage auch selbst:

“In Lehrveranstaltungen zur Wissenschaftstheorie stelle ich zuweilen die Aufgabe, eine sozialwissenschaftliche Theorie – z.B. die Anomietheorie – so umzuformulieren, dass sie unwiderlegbar wird und dass es möglichst schwierig wird, dies zu erkennen. Um dies zu bewerkstelligen, muss man die Begriffe möglichst unklar lassen, die Struktur der Theorie bestenfalls andeuten, und die Wenn- und Dann-Komponente so formulieren, dass die Theorie analytisch wahr (oder falsch) wird – und zwar so, dass der analytische Charakter der Theorie nicht erkennbar ist.“ (220).

Wem also eine angebliche sozialwissenschaftliche Theorie begegnet, die so komplex ist, dass man sie nicht verständlich formulieren kann, der sollte sensibel dafür sein, dass man versucht, ihn zu täuschen. Ähnliches gilt für Aussagen, mit denen behauptet wird, bestimmte Inhalte seien zu komplex, als dass man sie in einfache Aussagen verpacken könnte. Wenn bestimmte Inhalte zu komplex sind, als dass man sie in einfache Aussagen zerlegen kann, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass diejenigen, die behaupten, die Aussagen seien so komplex, in der Lage sind, sie zu verstehen, denn komplexe Aussagen überfordern die meisten Gehirne, wie jeder leicht feststellen kann, wenn er versucht, sich einen vierdimensionalen Raum vorzustellen.

Wohlgemerkt ist die Kritik von Opp eine Kritik auf hohem Niveau, denn der meiste Unsinn, der heute aus den Sozialwissenschaften kommt, schafft es nicht einmal auf die Stufe, auf der man zugestehen könnte, dass hier ein Versuch gemacht wurde, eine Theorie zu formulieren. Vermutlich ist die Komplexität der eigenen Gedanken in den entsprechenden Fällen zu groß, als dass es möglich wäre, sie in geordneter Form und für andere verständlich mitzuteilen.

Das bringt uns zur letzten Frage: Warum wirken Geschwätzburgen, die aus der Komplexität aneinandergereihter Nominalkonstruktionen bestehen, die sich bei näherem Besehen als Leeformel herausstellen, auf manche so anziehend? Die Antwort ist unseres Erachtens eine sozialpsychologische: Wessen Kompetenz nicht ausreichend, um Leerformeln als solche zu erkennen, wer Nominalkonstruktionen nachbetet, weil er sie für wahre Erkenntnis hält, der kommt auch nicht auf die Idee, dass Dritte ihn durchschauen und merken könnten, dass er versucht, sich mit leerem Geschwätz zu schmücken, das er für große Erkenntnis hält. Käme er auf diese Idee, er würde sich nicht mit leerem Geschwätz schmücken, sondern das leere Geschwätz als solches erkennen. Die Frage, was aus diesen Ausführungen für die institutionalisierten Sozialwissenschaften und das viele Geschwätz, das aus ihnen zu hören ist, folgt, ist eine Frage, die sich nun jeder selbst beantworten muss.


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Datenfuzzis: Über den Zusammenhang zwischen Quatsch und Unsinn

Nach einem langen Arbeitstag, der schon mit der Mondfinsternis begonnen hat, hat man etwas Ruhe und Erholung verdient – so meint man. Jedenfalls hat man nicht die Studie von Chan, Ghose und Seamans mit dem Titel „The Internet and Racial Hate Crime“ verdient.

junk_scienceChan, Ghose und Seamans wissen, wie man Wissenschaftler zur Verzweiflung treibt, wie man Blogbetreiber dazu bringt, ein Post zu schreiben, ein Post über den Zusammenhang zwischen Quatsch und Unsinn.

Der wichtigste Satz der Studie von Chan, Ghose und Seamans findet sich auf Seite 29 und lautet: „This paper has several limitations“.

Ihre Studie sie hat in der Tat viele Beschränkungen. Die ganze Studie ist eine einzige Beschränkung.

Chan, Ghose und Seamans betreiben eine Form von Forschung, die man als Suche von Regressionsanwendern nach passenden Daten beschreiben kann. Auf ihrer Suche nach Daten, mit denen sie ihre Regressiongleichung füllen können, sind sie über die Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen ins Internet (broadband im Englischen) und die Zahl so genannter Hate Crimes, also Hasskriminalität gestolpert.

Warum auch nicht. Warum, das ist so ein Schlüsselwort, zu dem wir noch kommen.

Also haben sich Chan, Ghose und Seamans gedacht, bringen wir die Regressionsgleichung zur Anwendung, y(Hasskriminalität) = b0 + b1(DSL-Anschluss)+ b2(Sonstiges – was so anfällt) [Wer es mag, kann die Werte auch logarithmieren.]. Und natürlich ist etwas dabei herausgekommen: Mit einem zusätzlichen DSL-Anbieter steigt die Häufigkeit von Hasskriminalität um 1200 bis 4800 Fälle (in den USA). Und wenn der DSL-Anbieter in einem Gebiet anbietet, in dem es schon viel Rassismus gibt, dann wird alles noch schlimmer, was für die Autoren zeigt, dass Individuen online gehen, „um sich dort eine Rassenidentität zu konstruieren“ (das ist unsere Übersetzung dessen, was im Text mit den Limitations tatsächlich steht, auf Seite 27 im zweiten Absatz, für alle, die es nachlesen wollen).

Was meinen Sie zu dieser Studie?

Nun, was uns angeht, wir haben sofort gedacht, warum nicht Mikrowelle? Wir sind der Überzeugung, dass mit der Verbreitung von Mikrowellen mit mindestens 800 Watt die Häufigkeit von Hasskriminalität steigt, weil die Anwender von Mikrowellen offensichtlich durch die Mikrowellen in ihrem Rassismus bestärkt werden.

Natürlich wirken sich Tiefkühlgeräte reduzierend auf die Anzahl der Fälle von Hasskriminalität aus, da man sich in einer Tiefkühltruhe sein Mütchen kühlen kann.

Wenn jedoch Mikrowellen und Tiefkühlgeräte in Gebieten aufeinander treffen, die sowieso schon durch Rassismus geprägt sind, dann steht zu befürchten, dass die Konstruktion einer rassistischen Identität gestört ist – vielleicht auch nicht.

Ganz davon abgesehen hängt die Häufigkeit von Hasskriminalität natürlich mit der Anzahl der roten Ampeln zusammen, schon weil durch rote Ampeln die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, rot zu sehen.

Das war der kathartische und destruktive Teil.

Why god has no phdNun zurück zum Wörtchen „warum“.
Was ist so besonders am Wörtchen, „warum“?
Nun, „warum“ ist so etwas wie der Nukleus der Wissenschaft.

Es kann in destruktiver Absicht genutzt werden, um Junk Science wie die von Chan, Ghose und Seamans produzierte mit genau einem Wort, nämlich: „Warum?“ zu zerstören. In der langen Version: Warum sollte es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen und der Häufigkeit von Hasskriminalität geben?

Und warum kann konstruktiv verwendet werden: Warum sollte es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen und der Häufigkeit von Hasskriminalität geben?

Hmm, mal überlegen.

Und wenn dieses Überlegen zu einem Ergebnis kommt, z.B: weil die Anbieter von DSL-Verbindungen ihren Kunden ohne deren Wissen Hasskriminalität fördernde Sequenzen auf den Monitor bringen, die deren Hasskriminalität steigern, dann hat man nicht nur ein Antwort, sondern eine Hypothese, die man PRÜFEN muss.

Denn Wissenschaft besteht nicht darin, Regressionsgleichungen mit wild zusammengeklaubten Daten zu füllen, sondern darin, Zusammenhänge zu erklären und diese Erklärung zu prüfen. Damit aus dem „paper“ von Chan, Ghose und Seamans Wissenschaft wird, müssen sie also nicht nur Hypothesen darüber aufstellen, warum die Anzahl der DSL-Anbieter einen Einfluss auf die Häufigkeit von Hasskriminalität haben soll, nein, sie müssen diese Hypothesen auch prüfen.

Nur so wird Wissenschaft daraus.

Und nur dieses Vorgehen unterscheidet Wissenschaft von Hirngespinsten und, nun ja, Chan, Ghose und Seamans sind bislang bei Hirngespinnsten stehen geblieben – bei Hirngespinnsten in Form einer Regressionsgleichung.

Die Verlässlichkeit wissenschaftlicher Ergebnisse

Wissenschaft ist eine Methode des Erkenntnisgewinns. Die Methode hat zur Konsequenz, dass wissenschaftliche Ergebnisse nachvollziehbar, prüfbar und falsifizierbar sind. Um Ergebnisse, die ein Wissenschaftler publiziert hat, nachprüfen zu können, ist es notwendig, dass der Weg, auf dem die Ergebnisse gewonnen wurden, nachvollziehbar ist, dass z.B. Experimente, die durchgeführt wurden, replizierbar sind.

Logik der ForschungDiese Prinzipien der Wissenschaftlichkeit, die man als Rubikon beschreiben kann, der Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft unterscheidet und der dazu führt, dass alle vermeintlich wissenschaftlichen Ergebnisse, die nicht nachvollziehbar, prüfbar, falsifizierbar und replizierbar sind, keine Wissenschaft, sondern Gaukelei, Mutmaßung oder was auch immer, eben keine Wissenschaft sind, haben sich u.a. in methodischen Standards der Validität und Reliabität niedergeschlagen.

Tests auf Validität und Reliabilität gehören zur Standardausrüstung quantitativer und eigentlich auch qualitativer Sozialforschung, wenngleich sich die qualitative Sozialforschung zunehmend großer Beliebigkeit erfreut und die Standards von Validität und Reliabilität, um die sich Mayring in seinen Publikationen noch bemüht hat, regelmäßig in Vergessenheit geraten.

Wenn Wissenschaft ein kumulatives auf Erkenntnisfortschritt gerichtetes Unterfangen sein soll, dann ist die Verlässlichkeit veröffentlichter Ergebnisse, deren Reliabilität und Validität, die in einer Reproduzierbarkeit kumulieren, unerlässlich. Um so schlimmer ist es, dass ganze Bereiche der Sozialwissenschaften zu einer ungeordneten Schwatzbude verkommen sind, in der qualitative Interviews ein Feigenblatt für die fehlende methodische Ausbildung darstellen.

In der Psychologie ist dies anders. Es gibt, vor allem im englischsprachigen Bereich, eine experimentelle Tradition, d.h. Forschungsergebnisse basieren häufig auf experimentellen Designs, die in kontrollierten Bedingungen umgesetzt werden und somit eigentlich die besten Voraussetzungen dafür bieten sollten, dass die Ergebnisse gültig und wiederholbar sind.

Und genau das sind sie nicht, wie im Rahmen eines Open Science Projektes deutlich wurde, an dem eine Vielzahl von Psychologen beteiligt war. Insgesamt 100 experimentelle Studien, die in vier psychologischen Zeitschriften veröffentlicht wurden, haben jeweils Teams von Psychologen zu replizieren versucht.

Das Ergebnis ist ernüchternd.

Selbst unter kontrollierten experimentellen Bedingungen erzielte Forschungsergebnisse konnten nur in 36% der Fälle repliziert werden, wenn die Signifikanz der Ergebnisse die Grundlage der Beurteilung des Replikationserfolgs war. Nach der subjektiven Einschätzung der jeweiligen mit der Replikation befassten Psychologen konnten 39% der Ergebnisse repliziert werden. Nimmt man die Effektstärke der Ergebnisse als Maß, dann konnte eine Übereinstimmung in rund 92% der Replikationsversuche hergestellt werden.

Die Ergebnisse sind ernüchternd und zeigen, dass Primärforscher selbst dann, wenn sie ein experimentelles Design einsetzen, die notwendige Sorgfalt oft vermissen lassen. Insgesamt schnitten Beiträge, die im Journal of Experimental and Social Psychology veröffentlicht wurden, am schlechtesten ab, was zudem den Schluss nahelegt, dass manche Herausgeber von Zeitschriften in der Auswahl der Beiträge, die sie veröffentlichen, kritischer und rigider sein sollten.

Bewertet man diese Ergebnisse vor dem Hintergrund, dass experimentelle Studien diejenigen Studien sind, bei denen man die höchste Wahrscheinlichkeit einer Reproduzierbarkeit erwarten kann, dann kann man sich ungefähr vorstellen, was herauskäme, wenn quantitative Sozialforscher oder gar qualitative Sozialforscher dem Beispiel der Psychologen folgen und die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen prüfen würden, die z.B. im Bereich der Politikwissenschaft oder der Soziologie veröffentlicht wurden.

Dabei wäre eine entsprechende Prüfung gerade in diesen Fächer so dringend notwendig, da sich die qualitative Willkür und die quantitative Datenhuberei gerade in der Politikwissenschaft und der Soziologie breit gemacht haben, von den Beiträgen, die einzig aus sprachlicher Nabelschau bestehen, ganz zu schweigen.

Entsprechend würde man sich wünschen, es gäbe in beiden Fächern Wissenschaftler, die einen ähnlichen Ethos haben, wie diejenigen, die die Verlässlichkeit von Ergebnissen in der Psychologie geprüft haben und diesen Ethos wie folgt beschreiben:

„We conducted this project because we care deeply about the health of our discipline and believe in its promise for accumulating knowledge about human behavior that can advance the quality of the human condition. Reproducibility is central to that aim. Accumulating evidence is the scientific community’s method of self-correction and is the best available option for achieving that ultimate goal: truth.“

Alle Ergebnisse, die im Rahmen der Reproduzierbarkeitsstudie erzielt wurden, sind öffentlich und hier einsehbar.
Ein zusammenfassender Bericht ist hier zu finden.

Inquisition 2.0: Vom genderistischen Pack

Vorrede: Wir sind Anatol Stefanowitsch wirklich dankbar, für seine Klärung der Bedeutung der Begriffe „Pack“ und „Mob“. So weiß man doch, dass die Meldung auch ankommt.

Die Zeit der Zurückhaltung ist vorbei!

Es gibt in Deutschland eine Sekte, deren Mitglieder so sehr mit ihrer physischen Existenz unzufrieden sind, dass sie sie am liebsten verleugnen wollen. Dabei steigern sie sich so sehr in die Ablehnung ihrer physischen Existenz, dass sie sich einbilden, sie könnten ihr Geschlecht frei wählen, denn Geschlecht, sei sozial konstruiert. Dieser Irrtum, der sich spätestens dann als solcher herausstellen wird, wenn zwei, die sich einbilden, Trans zu sein, beim Versuch, ihren (sozial konstruierten) Kinderwunsch zu verwirklichen, feststellen, dass sie beide männlich sind, hat bei den von ihm Befallenen die Form einer Manie angenommen.

Nun wäre das alles kein Problem, würden die entsprechenden Sektenmitglieder unter sich bleiben, sich in geschlossenen Räumlichkeiten aufhalten und den Kontakt mit der normalen Welt meiden. Das tun sie aber nicht. Ihre Psychose ist so weit entwickelt, dass sie die Existenz von anderen Menschen, die die Fakten dieses Planeten und des biologischen Lebens auf ihm anerkennen, nicht ertragen können und entsprechend versuchen, Letztere zu missionieren und wenn das nicht klappt, sie (bislang nur) mundtot zu machen.

Wer wissen will, wie es möglich war, dass Hitler und seine Konsorten, die Opportunisten, die Hühnerzüchter und die Wahsinnigen ein Land übernehmen konnten, das man bis dato – selbst nach dem 1. Weltkrieg noch – als der Rationalität zugänglich betrachtet hat, der muss nur beschreiben, wie es den Genderista seit mehreren Jahrzehnten gelingt, öffentliche Positionen zu besetzen, Verwaltungen zu infiltrieren und selbst Hochschulen vor ihren Karren zu spannen.

Hochschulen sind besonders wichtig, sind sie doch der Ort, an dem sich Faktensucher und -finder sammeln, also ein Ort, von dem die größte Gefahr für die Genderisten ausgeht, die größte Gefahr für ihr Projekt der Realitätsverweigerung. Daher müssen Hochschulen zerstört werden.

Und wie im Dritten Reich, so sehen auch heute die meisten derjenigen, die man als Wissenschaftler ansehen können sollte, dem irren Treiben derer zu, die keine Idee von Wissenschaft haben, aber wissen, dass sie das, wofür Wissenschaft steht, die Erkenntnis über die Wirklichkeit, zerstören müssen.

Nicht alle sehen zu.

Wir sehen nicht zu.

Und Prof. Dr. em. Günter Buchholz sieht nicht zu.

Und Prof. Dr. Walter Krämer sieht nicht zu.

Und Prof. Dr. Ulrich Kutschera sieht nicht zu.
U.Kutschera

Kutschera hat dabei fast so deutliche Worte gefunden wie wir oder Prof. Dr. Buchholz und die Gendersekte als ebensolche bloßgestellt. Der Genderismus sei eine „quasi-religiöse Strömung“, die „unter dem Schlagwort, Deckmantel oder der Tarnkappe des Gender Mainstreaming Fuß fasst und immer mehr – gleich einem Krebsgeschwür – auch Fachgebiete erobern möchte“.

Das sagt Kutschera nicht einfach so, sondern nachdem er sich intensiv mit dem, was Genderisten zusammenschreiben und als wissenschaftlich verkaufen wollen, auseinander gesetzt hat. Das Lesen der Gender-Literatur habe ihn, so sagt er, entsetzt und verärgert zurückgelassen und weiter: Genderismus ist ein „Frontalangriff gegen rational-naturwissenschaftliches Denken, die Biomedizin als Ganzes sowie unsere naturalistische Wissenschaftstheorie“.

Damit ist Genderismus hervorragend charakterisiert, denn die Verleugnung der Realität, die wir oben beschrieben haben, sie erfordert es, rationales Denken zu suspendieren und Willkür wie Irrationalität Tür und Tor zu öffnen. Beides, Willkür und Irrationalität, hat jedoch an Hochschulen nichts verloren. Um so schlimmer, dass sich mit 190 Lehrstühlen für Gender Studies die Anhänger der Sekte bereits fest an deutschen Hochschulen installieren haben.

Nun könnte man denken, einer wie Ulrich Kutschera, der den Mut hat, die Fakten so darzustellen, wie sie sind und der gegen die Unterminierung der Wissenschaften, ihre Zerstörung durch den Genderismus zu Felde zieht, ihm laufen die Wissenschaftler in Massen zu: Studenten, die einmal Wissenschaftler werden wollen, Dozenten, die es angeblich schon sind, sie alle, die dem wissenschatflichen Programm verpflichtet sind, das Erkenntnisgewinn durch die Aufstellung und Prüfung von Aussagen über die Wirklichkeit anstrebt und deshalb Nachvollziehbarkeit und Falsifizierbarkeit von Aussagen erfordert, also genau das, was Genderisten fürchten wie der Teufel das Weihwasser, sie alle sammeln sich hinter Ulrich Kutschera, um gemeinsam mit ihm die Genderista zu bekämpfen.

Weit gefehlt.

Wie sich im Dritten Reich kaum jemand sich getraut hat, gegen den grassierenden Wahnsinn, der sich auch an Hochschulen eingenistet hat, seine Stimme zu erheben, so schweigt die Mehrzahl der angeblichen Wissenschaftler auch heute.

Die, die den Mund aufmachen, das sind die Ideologen.

Z.B. die Ideologen im ASta der Universität Kassel. Den ASta-Mitgliedern ist ein Interview von Ulrich Kutschera im RBB aufgestoßen, in dem Kutschera nicht nur darlegt, dass er Genderismus für einen „Frontalangriff gegen rational-naturwissenschaftliches Denken“ hält und entsprechend der Genderismus als Kult und nicht als wissenschaftliche Disziplin zu betrachten ist, sondern seine Aussagen auch begründet.

Ein wissenschaftliches Vorgehen, das die Argumente prüfbar macht. Selbst Mitgliedern des ASta, die ja einmal Wissenschaftler sein wollen, angeblich, wäre es möglich, die Aussagen von Kutschera und die Begründung seiner Aussagen zu prüfen. Dazu müssten sie die Fachliteratur lesen, die Forschungsergebnisse zur Kenntnis nehmen und sich ein Urteil bilden, ein Urteil darüber, ob es empirische Fakten gibt, die den Aussagen von Kutschera widersprechen. Das wäre eine wissenschaftliche Vorgehensweise.

Aber im ASta der Universität Kassel sitzen keine angehenden Wissenschaftler. Dort sitzen Ideologen. Entsprechend üben sie sich im ideologischen Meuchelmord und haben nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kutschera gesucht, sondern die Denunziation hinter seinem Rücken, und zwar bei den großen Brüdern, die im Präsidium der Universität Kassel sitzen:

Kassel asta-logo„Unserer Auffassung nach sind die Behauptungen Kutscheras bezüglich der Genderforschung unhaltbare Unterstellungen, die dazu dienen die Forschung zu diffamieren. Er bezeichnet wörtlich die Genderforschung als „Krebsgeschwür“, „Pseudowissenschaft“ und „quasi-religiöse Strömung bzw. Weltanschauung“. Weiter vergleicht er die Genderbewegung mit spirituellen Praxen, dem Kreationismus und sektenförmigen Strukturen. Er spricht von „ein bisschen seriös klingende deutsche Genderbücher“, nennt diese aber nicht explizit und sagt, die Lehrenden/Forschenden seien „Gott sein Dank nur noch W2 besoldet. Das ist ein besseres Lehrergehalt. Ein kleiner Trost.“ Mit dieser Aussage beleidigt er offenkundig seine Kolleg*innen und impliziert gleichzeitig, dass immer noch zu viel Geld für diese Forschung ausgegeben werde. Außerdem erzeugt er mit der Aussage „Wir stehen kurz vor einer Genderisierung der Biologie, dagegen werden wir uns
verwahren“ ein klares Feindbild.“

Mit diesem Schreiben haben sich die Möchtegern-Wissenschaftler aus dem ASta komplett disqualifiziert, denn es findet sich auch nicht die Spur eines Arguments in ihrem Schreiben. Wir wissen nun, welche Aussagen Kutscheras den ASta-Ideologen missfallen haben. Wir wissen nicht, warum sie ihnen missfallen haben, wobei warum nicht nach einer psychologischen Begründung fragt, sondern nach einer empirischen in den Fakten basierten Begründung – jedenfalls in der Wissenschaft. Es wäre also zu zeigen, dass Kutschera Unrecht hat, wenn er die Metapher des „Krebsgeschwürs“ verwendet. Es wäre zu zeigen, dass die Gender Studies keine Pseudowissenschaft sind. Es wäre zu zeigen, dass die Gender Studies keine quasi-religiöse Strömung sind und so weiter.

Wissenschaftler und solche, die es werden wollen, würden sich so verhalten, sie würden versuchen, Gegenargumente zu formulieren. Ideologen wählen andere Wege, sie schwärzen diejenigen, die ihnen nicht passen, hinter deren Rücken beim Papa an.

Und der Papa, in diesem Fall das Präsidium der Universität Kassel, es hat in der Zwischenzeit eine an Armseligkeit nicht mehr zu überbietende Stellungnahme verbreitet:

Uni Kassel„Die Universität Kassel legt in ihrem Entwicklungsplan dar, dass sie Gleichstellung und Diversity (Vielfältigkeit) als zentrale Themen ihrer Entwicklung begreift. Dazu gehört u.a. die Erhöhung des Anteils von Frauen in wissenschaftlichen Spitzenpositionen. Sie hat sich verpflichtet, eine Organisationskultur zu pflegen, die von gegenseitiger Anerkennung und Teilhabe aller Mitglieder der Hochschule geprägt ist.

Die Universitätsleitung wird mit Herrn Prof. Kutschera das Gespräch suchen, um ihn an diese Grundsätze zu erinnern. Den Lehrenden der Universität steht es grundsätzlich frei, sich an der öffentlichen Debatte zu beteiligen; dieses Recht respektiert die Leitung der Universität Kassel selbstverständlich. Die Hochschulleitung ist zugleich der Auffassung, dass diese Debatte in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts stattfinden soll, auch des Respekts gegenüber anderen wissenschaftlichen Disziplinen.“

In Deutsch: Die Universität Kassel hat sich schon mit dem Genderismus ins Bett gelegt und die Wissenschaft an eine staatliche Alimentierung verkauft. Letztere gibt es nur dann, wenn Gleichstellung und Diversity verwirklicht wird, was nicht Meinungsvielfalt meint, wie man im vorliegenden Fall deutlich sehen kann, sondern Meinungseinfalt und in jedem Fall keine Kritik an der Gender Sekte umfasst. Entsprechend wird die Universitätsleitung mit Herrn Prof. Kutschera das Gespräch suchen, nicht etwa mit den Vertretern der Gender Studies, die auch an der Univeristät Kassel ihr Unwesen treiben.

Die Universitätsleitung hat offensichtlich nichts dagegen, dass die Einrichtung von Kindertagesstätten die Forschung ersetzt und Gender Sektenmitglieder ihre Messen an Universitäten lesen. Nein, die Universitätsleitung lässt sich im Rahmen des Professorinnenprogramms vielmehr dafür bezahlen, dass sie Wissenschaft an die Gender Sekte verhökert.

Und natürlich dürfen die Männleins nicht fehlen, die sich schützend vor die armen Gender Sektierer stellen. Dieses Mal in Form von Winfried Streitkamp, der die Gender Studies als Dekan der Gesellschaftwissenschaften, also des Fachbereichs, in dem die Gender Studies in Kassel angesiedelt sind, in Schutz nimmt und den Kollegen Kutschera ob seines „beleidigenden Stils“ anfeindet. Auch Streitkamp ist nicht an wissenschaftlichem Austausch und Argumenten interessiert, sondern daran, Wissenschaft an die Gender Sekte zu verhökern und ansonsten den Schwanz einzuziehen.

Langsam wird es Zeit, dass sich diejenigen, die noch wissen, dass Wissenschaft keine Ideologie und keine al Gusto-Behauptungen umfasst, hinter Ulrich Kutschera stellen und mit ihm das „Krebsgeschwür“ des Genderismus an einer weiterer Verbreitung hindern.

PetitionslogoEs wird Zeit, dass sich Studenten, die studieren, weil sie etwas wissen wollen, weil sie an methodischem Vorgehen und am Erkenntnisprozess interessiert sind, die nicht Ideologie, sondern Wissenschaft betreiben wollen, zu Wort melden und den AStA der Universität Kassel, dessen Mitglieder sie über ihre Studiengebühren dafür finanzieren, dass sie sich als Denunzianten verdingen und ansonsten jede Wissenschaftlichkeit vermissen lassen, in die Wüste jagen, wo man ihn vermutlich auch nicht haben will. In jedem Fall ist die große schweigende Mehrheit der Studenten, jene 90%, die sich nicht an der Wahl des ASta beteiligt haben, aufgerufen, dessen ideologischem Treiben ein Ende zu setzen.

Zudem ist es an der Zeit, der Gleichstellung, zu der sich die Universität Kassel verpflichtet haben will, ein Ende zu setzen, denn weder gibt es einen demokratischen Beschluss dazu, dass Gleichstellung in der Gesellschaft oder an Universitäten umgesetzt werden soll, noch verträgt sich Gleichstellung, die auf Ergebnisgleichheit zielt, mit den Grundsätzen der Meritokratie, also der Belohnung von Leistung und nicht von Geschlecht, auf denen das gesamte Bildungswesen angeblich basiert. Wenn an der Universität Kassel nicht mehr die studentische Leistung oder die Leistung von Dozenten honoriert wird, sondern die Tiefe der Verneigung vor der Genderista, dann sollte das Präsidium der Universität seinen Studenten reinen Wein einschenken, damit Studenten, die an Wissenschaft interessiert sind, die Universität Kassel, bei der es sich ja dann nicht mehr um eine Universität, sondern um eine Gleichstellungsanstalt handelt, meiden können.

Schließlich hat niemand den Vertretern der Gender Studies verwehrt, sich gegen die Kritik, bei Gender Studies handle es sich um einen Kult, eine pseudo-Wissenschaft, eine religiöse Sekte, zu wehren und die Gründe darzulegen, warum die Kritik falsch und die Gender Studies doch eine Wissenschaft sind. Wir haben es den Genderista sogar sehr einfach gemacht, in dem wir ein paar Fragen aufgestellt haben, deren Beantwortung einem Wissenschaftler sehr leicht fallen sollte, die er quasi im Schlaf beantworten können muss, Fragen nach Methode, Methodologie, Erkenntnisgewinn und Nutzen seiner Forschung.

Leider hat sich bislang kein Genderist bereit gefunden, die entsprechenden Fragen zu beantworten, woraus man nur den Schluss ziehen kann, dass die Genderisten nicht in der Lage sind, die entsprechenden Fragen zu beantworten, was wiederum bedeutet, dass Genderisten keine Wissenschaftler sind.

Hadmut Danisch hat die Stellungnahme des Präsidiums der Universität Kassel zum Anlass genommen, um den Verantwortlichen der Universität Kassel u.a. die folgenden Fragen zu stellen:

  • Wie ist es mit der Freiheit von Forschung und Lehre vereinbar, wenn Druck auf Wissenschaftler ausgeübt wird, weil deren fachliche Überzeugung den politischen Vorgaben nicht entspricht?
  • Auf welcher formalen Rechtsgrundlage muss sich ein Wissenschaftler für die von ihm vertretene fachliche Auffassung vor dem Präsidium einer Universität, also Teil der Exekutive, „verantworten”?
  • Wie steht die Universität Kassel zum Thema „Gender”?
  • Worin liegen nach Auffassung der Universität Kassel die wissenschaftlichen Grundlagen für die in „Gender Studies” und „Gender Mainstreaming” vertretenen Thesen, dass Geschlechter keinen biologischen Ursprung haben, sondern nur gesellschaftlich-sozial erzeugt würden?

Auf die Antworten der Universitätsleitung darf man gespannt sein.

Ein Herz für Werbung – ausgerechnet die ARD

Bei der ARD hat man ein Herz für Werbung: „Milliardenverluste durch Werbeblocker„, so wird getitelt und anschließend werden die Ergebnisse einer „aktuellen Studie“ berichtet. „The Cost of Blocking“, heißt die Studie, von der man nicht mehr erfährt als ihren Titel und den Inhalt, den die Verfasser der Studie unter „Key Insights“ zusammengestellt haben:

198 Millionen Nutzer weltweit blocken Werbung.

In Deutschland sind 18 Millionen Internetnutzer aktive Werbe-Blocker.

Das Wachstum der Werbeblocker ist immens und beträgt 41% weltweit und im Verlauf von nur einem Jahr (in Deutschland ist die Anzahl der Werbeblocker um 17% gewachsen).

AdblockSchlechte Nachrichten sind das – für die Werbeindustrie. „Allein in diesem Jahr“, so jammert man bei der ARD mit Bezug auf die „Studie“, gehen durch Werbeblocker weltweit „21,8 Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen verloren. Für 2016 wird sogar mit Verlusten in Höhe von 41,4 Milliarden Dollar gerechnet“.

Und weil das noch nicht reicht, nun der Herz-Schmerz-Teil: „Es stehe ‚die Zukunft der frei verfügbaren Inhalte im Internet“ auf dem Spiel.

Alle Leser, die sich jetzt Sorgen machen: Nein, ScienceFiles steht nicht auf dem Spiel, und ScienceFiles wird auch weiterhin werbefrei sein. Wir bezahlen sogar dafür, dass WordPress seine idiotischen Werbeinhalte unseren Lesern nicht zumutet.

Da fragt man sich doch: Woher kommt dieses Herz für Werbung bei der ARD?

Und welche Studie ist das überhaupt, die bei der ARD besprochen wird?

Und wie kommen die Autoren der Studie (wer sind überhuapt die Autoren) zu ihrer Schätzung der Verluste?

Also haben wir uns auf die Suche gemacht und sind fündig geworden:

„The Cost of Blocking“ heißt im Untertitel: PageFair and Adobe 2015 Ad Blocking Report.

PageFair ist ein Unternehmen mit Sitz in Irland, das sich wie folgt beschreibt:

„PageFair is an international startup based in Dublin, Ireland. Founded in 2012, the company was initially funded by its founders with additional seed capital from Tribal Ventures, Frontline Ventures, and Enterprise Ireland. Hundreds of publishers now use PageFair to measure the cost of adblocking and to display alternative non-intrusive advertising to adblockers.

Mit anderen Worten, PageFair bietet den Unglücklichen, deren Werbung geblockt wird, eine Möglichkeit, die Blocker zu umgehen und verdient an dieser Möglichkeit, verdient umso mehr, je verbreiteter Werbeblocker wie AdBlock unter Google Chrome sind. Und die ARD macht ja dankenswerter Weise Werbung für diese Werbeblocker, auf dass sie weite Verbreitung finden und die Nachfrage nach den Leistungen von PageFair steigt (um keine Missvertändnisse aufkommen zu lassen, wir haben auch AdBlock installiert und dadurch ergänzt, dass Adobe-Programme nur nach Erlaubnis Inhalte laden).

Öffentlich-rechtliches Mentoring, wenn man so will, gepaart mit scaremongering, wie man in der englischsprachigen Welt sagt, Angstmacherei ist wohl die beste Übersetzung für den aktiven Versuch, das freie und kostenlose Internet totzureden – für die ARD ein Leichtes, werden die Inhalte der ARD doch zwangsfinanziert und müssen sich an keinem Markt behaupten.

Dort hätten sie auch keinen leichten Stand, denn das Abschreiben von Key Insights aus Berichten, die noch ein paar mehr Seiten umfassen als die Zusammenfassung reicht nicht aus, um eine Neuigkeit zu generieren. Gewöhnlich wird von Bloggern oder anderen Anbietern von Informationen, die nicht zwangsfinanziert sind, eine begründete Wertung dessen vorgenommen, was den Lesern da vorgesetzt wird.

Und bei Studien ist es immer sinnvoll, die neuralgischen Stellen zu identifizieren und die Methoden zu betrachten, die genutzt wurden, um die damit verbundenen Probleme zu beseitigen.

rat_student cartoonDie neuralgische Stelle im vorliegenden Fall ist die Schätzung der Umsatzeinbußen in Höhe von 21,8 Milliarden Dollar für das Jahr 2015. Wie haben Campbell Foster von Adobe und Sean Blanchfield von PageFair, die für den Beitrag verantwortlich zeichnen, diese Verluste prognostiziert?

So:

„Potential digital advertising revenue was calculated by dividing the reported revenue for 2014 (source eMarketer) by (1-the ad blocking rate in a particular country). Blocked advertising revenue was estimated as the difference between potential and reported revenue. (15)

In Deutschland nutzen 25,3% der Internetnutzer einen Werbeblocker, jedenfalls haben 25,3% der Internetnutzer einen Werbeblocker installiert bzw. einen aktiven Block-Account bei Google oder Firefox.

Sagen wir, die Werbeeinnahmen für das Jahr 2014 haben in Deutschland 200 Millionen Euro betragen. Die Projektion für 2015 besteht nun einfach darin, die 200 Millionen Euro um 25,3%, also die Zahl der aktiven Werbe-Blocker im Jahr 2014 zu reduzieren. 25,3% entsprechen einer Reduktion um 50,6 Millionen Euro.

Eh voilá.

Diese Vorgehensweise basiert auf einer Reihe von problematischen Annahmen, am problematischsten, weil nachweislich falsch, ist natürlich die Annahme, dass 2013 keinerlei Blocker vorhanden gewesen sind. Nun zeigen die Daten des Berichts, dass die Anzahl der Blocker im Jahr 2014 um 17% in Deutschland gewachsen ist (6), so dass man zu rund 21% aktiven Werbe-Blockern im Jahre 2013 kommt. Entsprechend reduziert sich der prognostizierte Verlust von 50,6 Millionen Euro auf 8,6 Millionen Euro und somit um 83%.

Ein einfacher Trick führt also dazu, dass nicht nur die Verluste durch Werbeblocker ins Astronomische steigen (was die Nachfrage nach den Leistungen von PageFair befördert), er führt auch dazu, dass die ARD ihr Herz für Werbung entdeckt und den deutschen Internetnutzern, die doch so gerne in kostenlosen Inhalten surfen, ins Gewissen redet.

Was man der ARD wohl dafür bezahlt hat, dass sie diese seltsame Ausnahme aus der ansonsten doch so negativen Einschätzung dessen, was Unternehmen tun und berichten, gemacht hat?

Was auch immer: Journalismus sieht anders aus.

Was, wenn Ideologie Ignoranz und Unkenntnis trifft? Dann wird ein Beitrag in der ZEIT daraus.

Er geistert schon seit Tagen durch die Liste der Referrer im Dashboard von ScienceFiles, der Beitrag von Catherine Newmark, die als Kulturjournalistin bei der ZEIT arbeitet. „Aus Angst vor einem anderen Leben“, so der Titel des Beitrags, den wir nun tagelang ignoriert haben, nur um neuerlich, dieses Mal von Friedrich Dominikus, darauf hingeweisen zu werden, per Kommentar und so:

„Und das hier betrifft dieses Blog direkt:
http://www.zeit.de/kultur/2015-07/gender-studies-feminismus-10nach8

Wir sind nicht der Meinung, dass uns jeder Fall, in dem ein angeblicher Journalist der Ansicht ist er könne seinen Senf selbst zu Sachen geben, von denen er keine Ahnung hat, direkt betrifft, aber sei’s drum.

Ansgt der ZEITFrau Newmark maßt sich in der ZEIT an, sie könne beurteilen, was Wissenschaft ist und bewerten, dass Kritik am Genderismus und an Gender Studies polemisch und Beschimpfung sei. Nun, vielleicht betrifft uns das doch, schließlich kritisieren wir die Gender Studies als unwissenschaftlich. Entsprechend setzen wir uns dann doch mit dem auseinander, was Newmark da von sich gegeben hat.

Zunächst zum Titel „Angst vor einem anderen Leben“, die natürlich Gender-Kritiker haben: Wer Gender Studies also nicht gaaaanz toll findet, die fehlende Methode, das fehlende Erkenntnisinteresse und die vollkommene Abwesenheit einer Methodologie kritisiert, der hat also „Angst vor einem anderen Leben“, jedenfalls für Newmark, die hier das Hilflosigkeits-Mantra der Genderisten wiederholt, das wir langsam nicht mehr hören können.

Wenn die Genderisten so anomisch sind und so verschreckt auf grundlegende Fragen der Existenzberechtigung von Gender Studies an Hochschulen reagieren, weil sie keinerlei Antworten auf diese Fragen haben, dann ist es doch wohl die denkbar schlechteste Strategie, den anderen zu unterstellen, sie hätten Angst, wie Newmark dies wieder einmal versucht, denn dann muss man sagen, wovor die Gender-Kritiker angeblich Angst haben.

Aber selbst wenn Kritiker der Gender Studies „Angst vor einem anderen Leben“ hätten, würde das die Gender Studies nicht zur Wissenschaft machen. Das ist nur einer der vielen Fehler im Text von Newmark, einer der vielen Fehler, die belegen, was sie doch aus der Welt schaffen will, dass Gender Studies Ideologie und nicht Wissenschaft sind.

Das ist, wie gesagt, nicht der einzige Fehler. Es folgt ein ganzes Rudel:

So haben nach Ansicht von Frau Newmark, die besser bei ihrem Schwerpunkt Film geblieben wäre, immer angenommen, davon hat sie Ahnung, die Gender-Kritiker Angst vor: „progressiver Sexualkunde“, vor der „Homo-Ehe“, vor Veränderung, jedenfalls vor der Veränderung, die den Genderisten vorschwebt.

Diese Form der Diskreditierung von Kritik hört man mittlerweile regelmäßig aus den Reihen der Genderisten. Dass sie damit ausgerechnet dagegen vorgehen wollen, dass die „akademischen Gender Studies … polemisch als Ideologie beschimpft“ werden, ist nicht mehr Ironie, es ist schon lächerlich in einer nicht mehr zu steigernden Weise.

Genderisten fühlen sich also beschimpft, wenn man sie als Ideologen bezeichnet.

Seltsam.

Nach den eigenen Erkenntnissen von Frau Newmark wollen Gender Studies „progressive Sexualkunde“ und „Homo-Ehen“ durchsetzen. Das aber ist der Gegenstand von Ideologie, das Durchsetzenwollen der eigenen Weltsicht, dessen, was man für gut hält. Und das genau ist die Grundlage des Vorwurfs Gender Studies seien keine Wissenschaft sondern Ideologie.

Es ist wirklich beschämend, dass Personen wie Newmark in Zeitungen, die sich für intellektuelle Höchstleistungen halten, zu Wort kommen und dort zum intellektuellen Tiefstflug ansetzen können, indem sie zunächst zeigen, dass sie keine Idee davon haben, was eine Ideologie ist und dann offenkundig machen, dass sie genau so wenig eine Idee davon haben, was der Unterschiede zwischen Wissenschaft und Ideologie ist.

Logik der ForschungWissenschaft ist eine Methode der Erkenntnis. Sie unterscheidet sich von Ideologie dadurch, dass Aussagen aufgestellt werden, die an der Empirie scheitern können. Die Aussage: „Ich finde progressive Sexualkunde gut“, formuliert eine persönliche Vorliebe und hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Dass die Besetzer der Gender Studies Lehrstühle es geschafft haben, ihre persönlichen Vorlieben an Hochschulen zu tragen, macht Gender Studies nicht zur Wissenschaft und die, die die Lehrstühle besetzen nicht zu Wissenschaftlern, so wenig wie jemand, weil er bei der ZEIT schreibt, ein Journalist ist.

Wissenschaft ist nicht nur eine Methode, Wissenschaft ist auch auf Erkenntnisgewinn ausgerichtet: Wissenschaftler wollen etwas über die Wirklichkeit erfahren. Deshalb vermeiden Wissenschaftler wertende Begriffe wie „beschimpft“ oder „progressiv“. Denn die entsprechenden Bewertungen schreiben einen Zustand fest, was bedeutet, der, der festschreibt, der weiß schon, er will entsprechend nicht mehr wissen, ist Ideologe und an Wissenschaft nicht interessiert. Insofern von Genderisten außer Bewertungen nicht viel bekannt ist, muss abermals festgestellt werden, dass Genderisten keine Wissenschaftler sind.

Sie sind in gewisser Hinsich psychologisch Geschädigte, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen gerne Wissenschaftler wären, und weil sie es nicht werden können, deshalb schlagen sie wild um sich, diffamieren und beleidigen, so wie Catherine Newmark (Begründung folgt jetzt):

„Es ist leicht, sich über jemanden wie Herrn Kutschera lustig zu machen, dessen Polemik getragen wird von einer traditionellen naturwissenschaftilchen Abneigung gegen alles Geisteswissenschaftliche“.

Dazu kann man nur sagen: Es ist leicht, sich über Catherine Newmark lustig zu machen, deren Unkenntnis getragen wird von einer traditionellen Angst vor allem, was die Naturwissenschaften ausmacht.

Und ebenso leicht ist es, die Ignoranz und Unkenntnis von Frau Newmark bloßzustellen und als die Ideologie aufzuzeigen, die sie nun einmal ist. Am Ende des Textes, den die ZEIT zu drucken bereit war, stellt Newmark Fragen:

„Als wir aus „feministischer Theorie“ und „Feminismus“ „Gender Studies“ gemacht haben, weil wir nicht mehr nur unsere Probleme, sondern auch die aller anderen Geschlechter ernst nehmen wollten, haben wir da übersehen, dass es eine Menge Menschen gibt, die gar nicht befreit werden wollen? Denen es nicht angenehm ist, darüber nachzudenken, dass die Dinge nicht so sein müssen, wie sie „immer“ (also seit den 1950ern) waren? […] Oder, um einige Gedanken des renommierten Geschlechterforschers Stefan Hirschauer aufzunehmen, der in einem polemischen Text, bewusst das Risiko des Applauses von der falschen Seite in Kauf nehmend, allerlei Missstände in den akademischen Gender Studies angeprangert hat: Ist die Inklusivität von Gender Studies wirklich nur der „dünne rhetorische Lack“ über einer in weiten Teilen ganz traditionellen feministischen „Gegenwissenschaft“, die sich vor allem die Sache der Frauen auf die Fahnen geschrieben hat?“

Opp_MethodologieEinmal von der wirklich plumpen Art, die Gegenseite zu diffamieren, als in den 1950er Jahren stehen geblieben oder als polemisch zu diskreditieren wie die Kritik Stefan Hirschauers, der sich zudem bei Anti-Genderisten anbiedert, zeigt diese Passage abermals, dass Frau Newmark nicht einmal den Funken einer Idee hat, was unter Wissenschaft zu verstehen ist. Wissenschaft stellt Fragen und nimmt Kritik gierig auf, weil man die eigene Theorie verbessern kann, wenn man Fehler, auf die Kritik aufmerksam macht, ausmerzt. Hermentisch und diffamierend wie Newmark reagieren nur Ideologen wie Newmark, die zu ignorant sind, um zu verstehen, was der Wert von Kritik ist, und zu wenig Kenntnisse von Wissenschaft haben, als dass sie es je über die Ideologie hinausgebracht hätten. Ihre Welt besteht nur aus Glaubenssystemen, und ihr eigenes Glaubenssystem ist natürlich das richtige.

Warum? Diese Frage können Genderisten nicht beantworten, denn sie sind keine Wissenschaftler und glauben daher, dass ihr Glaubenssystem richtig ist und alle anderen bekehrt werden müssen, bekehrt zum richtigen Glauben, zum Genderglauben, dem progressiven Glauben, der nach den 1950er Jahren eingesetzt hat, irgendwann und irgendwie. Ist auch egal, denn Gender ist Wahrheit und weil Gender Wahrheit ist (und entsprechend keine Wissenschaft sein kann), deshalb weiß Newmark auch ganz genau, welche Antwort auf die vielen Fragen, die sie zum Abschluss ihres Textes stellt, gegeben werden muss:

„Ich glaube: nein.“

Gründe für diesen Glauben hat sie keine. Wieso auch? Newmark ist wie alle Gender Studierte ein Ideologe, der guckt wie ein Auto, wenn man ihn nach wissenschaftlichen Methoden fragt, nach Erkenntnisinteresse, Erkenntnisbeitrag, nach der Rolle von Kritik, der schlicht keine Ahnung von Wissenschaft hat, bei dem sich Ideologie, Ignoranz und Unkenntnis in der Weise treffen, dass es nur zu einem Beitrag in der ZEIT reicht.

Dass die Gender Studies keine Wissenschaft sind, zeigt sich schon daran, dass die entsprechenden Lehrstuhlbesetzer bis heute nicht in der Lage waren, grundlegende Fragen nach ihrer Methode, Methodologie, nach ihrem Erkenntnisinteresse, ihrem Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt oder ihrem gesellschaftlichen Nutzen zu beantworten. Sie haben eine solche Angst vor den entsprechenden Fragen, dass sie selbst Versuche aus den Reihen der Wissenschaft, den Kern der Gender Studies zu finden und seine Nähe zur Wissenschaft zu bestimmen, boykottieren.

So und jetzt ein und für alle Mal:

Gender Studies sind keine Wissenschaft. Das haben wir an einer Vielzahl von Beispielen gezeigt. Jeder Gender Studierte, der den Mund aufmacht, belegt eindrücklich, dass Gender Studies keine Wissenschaft sind. Seine Ahnungslosigkeit im Hinblick auf wissenschaftliche Methoden und Standards, auf Methodologie und Erkenntnisziel macht dies überdeutlich. Warum die Gender Studierten dennoch so versessen darauf sind, sich Wissenschaftler zu nennen? Wir wissen es nicht, aber es kann sich eigentlich nur um etwas handeln, das im DSM V behandelt wird.

Zensur und Überwachung: Das Ende der Wissenschaftsfreiheit

Die Wissenschaften sehen sich verstärkten Bemühungen ausgesetzt, Wissenschaftsfreiheit zu beseitigen, Wissenschaftler zu kontrollieren, Ideen an politischer Korrektheit auszurichten, unbequeme oder als gefährlich etikettierte Forschung zu verhindern und die Diskussion über wissenschaftliche Erkenntnis zu erschweren:

„The realization of academic freedom depends on controversy: it voices dissent. Linked to free speech, it is marked primarily by critique, speaking against – even offending against – prevailing concepts or norms“.

XindexDies schreibt Thomas Docherty in einem Beitrag über die Beseitigung von Wissenschaftsfreiheit im Vereinigten Königreich (wobei man ergänzen muss, dass Kritik und abweichende Meinungen kein Selbstzweck sind und nur dann als relevant angesehen werden können, wenn sie begründet sind!)

Der Beitrag von Docherty entstammt der Juni-Ausgabe von X index on Censorship, die komplett den Gefahren gewidmet ist, die wissenschaftliche Freiheit derzeit bedrohen. Das Heft versammelt Beiträge aus dem Vereinigten Königreich, Irland, den USA, der Ukraine, der Turkei, China, Mexiko und Indien und beschreibt zum Teil erschreckende Realitäten außerhalb von Deutschland.

Warum gibt es keinen Beitrag aus Deutschland? Vermutlich hat sich kein Wissenschaftler gefunden, der mutig genug ist, die Zustände in Deutschland in einem namentlichen Beitrag zu beschreiben.

Dabei wäre gerade ein Beitrag für Deutschland so wichtig wie kein anderer, denn in Deutschland kumulieren die Gefahren für die Wissenschaftsfreiheit, die für andere Ländern beschrieben werden.

Jemimah Steinfeld für China, Thomas Docherty für das Vereinigte Königreich und Mark Fray für die USA beschreiben Entwicklungen, die es allesamt auch in Deutschland gibt, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt:

Für China: Aussagen, die sich gegen Parteiführer richten oder den Sozialismus in ein schlechtes Licht rücken, dürfen von Akademikern nicht gemacht werden. Für Deuschland: Aussagen, die sich gegen Feministen oder Feminismus richten, dürfen von Akademikern nicht gemacht werden.
Für das Vereinigte Könnigreich: Aussagen, in denen die eigene Universität kritisiert wird, schaden dem Markennamen der Universität und dürfen von Akademikern nicht mehr gemacht werden. Für Deutschland: Professoren sind Beamte und dem Beamtenrecht, das Loyalität, also schweigende Zustimmung zum Dienstherr vorsieht, unterworfen.
Für die USA: Triggerwarnungen davor, dass der folgende Text die Lesenden in irgend einer Weise psychisch verletzen könnte, sorgen dafür, dass Hochschulen zur psychiatrischen Anstalt verkommen, an denen jeder seinen Spleen frei ausleben kann. Für Deutschland: Texte, die Lesende mit etwas konfrontieren könnten, was bei diesen zu einer psychischen Krise führt, sollen ganz verboten werden.
Für die USA: Bestimmte Autoren sollen aus dem Curriculum gestrichen werden, weil ihre Arbeiten die Lesenden paychisch belasten könnten. Für Deutschland: In Halle oder in Berlin wollen Studenten die Arbeiten von Autoren, die sie für rassistisch oder sonst etwas halten, nicht mehr im Curriculum sehen. Ins Curriculum darf nur noch aufgenommen werden, was politisch korrekt ist.
Für China: In Vorlesungssälen sollen Videoüberwachungskameras installiert werden, um sicherzustellen, dass Dozenten auch die richtige Lehre vermitteln und sie richtig vermitteln. Für Deutschland: In Deutschland braucht man keine Videoüberwachung. Hier übernehmen Studenten die Überwachung ihrer Dozenten, Studenten, die sich in anonymen Vereinigungen wie Münkler-Watch zusammengeschlossen haben.
Für China: Akademiker werden dadurch zensiert, dass nicht-linientreue Akademiker keine Fördergelder erhalten und durch Peer-Kontrolle von Publikationen ausgeschlossen werden. Für Deutschland: Kein Unterschied. Wer das nicht glaubt, der möge versuchen, einen Beitrag, in dem er die Einvernahme deutscher Universitäten durch den Feminismus kritisiert zu veröffentlichen oder wahlweise ein Forschungsprojekt einreichen, dessen Ziel darin besteht, den Nutzen der wissenschaftlichen Beiträge, die von Genderlehrstühlen produziert werden, zu evaluieren.

Es sieht nicht besonders gut aus, um die Freiheit der Wissenschaft, jenen geflügelten Begriff, mit dem sich immer die Herrscher in Staaten schmücken, die am intensivsten darum bemüht sind, die Freiheit der Wissenschaft einzuschränken oder z.B. durch die Vergabe von Fördermitteln zu kontrollieren oder die Einführung einer Zivilklausel zu verhindern.

ideasaheadDiejenigen, denen die Freiheit der Wissenschaft ein Dorn im Auge ist, sie finden sich immer unter denen, die Heilslehren wie den Feminismus verkünden oder ihre politische Herrschaft zementieren wollen. Beide eint das Bemühen, abweichende Ideen, die die eigene Position in Gefahr bringen oder herausfordern, zu unterdrücken. Vermutlich ist dies der Grund, warum der Feminismus in Deutschland zu einem Staatsfeminsimus geworden ist, der Frauenförderung zur paternalistischen Aufgabe des Staates gemacht hat, mit deren Hilfe es nicht nur möglich ist, Hochschulen zu kontrollieren.

Denn: wer ist eigentlich so naiv zu denken, Frauenförderung an Universitäten würde die intelligentesten Frauen in Positionen befördern? Die intelligentesten Frauen durchschauen, dass sie sich einerseits als Nutznießer von Frauenförderung in eine abhängige Beziehung zu ihrem Förderer begeben und andererseits als entsprechende Nutznießer konstatiert bekommen, dass sie der Hilfe eines väterlichen staatlichen Freundes bedürfen, um überhaupt etwas zu erreichen. Das ist das Gegenteil von Emanzipation und Emanzipation, auch psychologisch als Selbstwirksamkeit beschrieben, ist das, wonach intelligente Menschen streben.

Akademische Gotteskrieger

Vermutlich als Erbe der Romantik hat sich in den deutschen Sozialwissenschaften eine Tradition gehalten, die man als schwärmerischen Versuch, Wissenschaft zu betreiben, charakterisieren kann. So wie Romantiker versucht haben, mit der Natur eins zu werden, so versuchen schwärmerische Akademiker in ein Gebiet einzutauchen und hoffen, dass ihr Zustand des geistigen Abtauchens mit einer Offenbarung belohnt wird, einer Offenbarung über Wichtigkeit und Richtigkeit.

Da die Schwärmer auf Intuition vertrauen, sind sie bar jeder wissenschaftlichen Methode, kennen kein geordnetes oder strukturiertes Vorgehen und beherrschen keinerlei Methodologie, die es ihnen erlaubt, sich einem Forschungsgegenstand zu nähern. Entsprechend wären sie verloren im Meer der wahrnehmbaren Dinge, hätten sie nicht etwas, woran sie sich festhalten können, etwas, was ihnen Orientierung und Halt in der feindlichen Welt gibt: Ihren Glauben.

Dieser Glaube ist auf von außen nicht nachvollziehbare Weise geformt. Vermutlich sind sozialisatorische Einwirkungen für seine Formation verantwortlich. Der schwärmerische Akademiker ist auf irgendeine Weise zu seinem Glauben gekommen und vor lauter Freude, endlich etwas gefunden zu haben, das ihm Halt und Orientierung gibt, verteidigt er seinen Glauben gegen alles, was ihn in Frage stellt. Entsprechend versucht er die Welt von all den Kritikern und Faktenversessenen, die seinen Glauben gefährden, zu reinigen. Er wird zum akademischen Gotteskrieger.

Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen „academic“ und „scientific“. Letzteres bezeichnet Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit, ersteres wird regelmäßig in der Bedeutung „müßig“, „überflüssig“ oder „sinnlos“ gebraucht. Wann immer es keinen Sinn (mehr) hat, über etwas zu streiten oder darüber nachzudenken, weil z.B. die Zeit eine entsprechende Entscheidung überholt hat, hat man eine gute Chance den Ausdruck „It’s academic“ zu hören. Und in dieser Funktion haben wir ihn zu schätzen gelernt, erlaubt es der Begriff academic oder akademisch doch, institutionalisierte Lehrstuhlinhaber, die Wissenschaftler spielen, von richtigen Wissenschaftlern zu unterscheiden. Und in dieser Weise benutzen wir den Begriff „akademisch“.

Entsprechend sind akademische Gotteskrieger Personen, die es irgendwie an Universitäten geschafft haben, die sich dort mit dem Mantel der Wissenschaft maskieren, obwohl er ihnen zu groß ist und unter dem Schutz ihrer Bemantelung versuchen, ihren Glaubens zu verbreiten.

Rolf Pohl ist ein solcher akademischer Gotteskrieger.

Rolf Pohl besetzt einen Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. 1996 hat Pohl habilitiert und die Venia Legendi für Sozialpsychologie erhalten, d.h. er ist berechtigt, Sozialpsychologie zu lehren. Sozialpsychologie ist eines der Fächer, deren Korpus an Erkenntnis auf Experimente zurückgeht. Tatsächlich hat die Sozialpsychologie eine lange Tradition herausragender Experimente: Gordon Allport, Stanley Milgram, Muzafer Sherif, Amos Tversky, Daniel Kahneman, sie haben die Sozialpsychologie durch ihre Experimente geprägt. Eine Sozialpsychologie ohne Experimente, ohne empirische Forschung ist nicht vorstellbar.

Entsprechend irritiert ist man beim Lesen der Veröffentlichungsliste von Rolf Pohl. Pohl schreibt zur

    • „Aktualität der Freudschen Sexualtheorie“,
    • zu „Männlichkeit, Destruktivität und Kriegsbereitschaft“,
    • zu „Geil auf Gewalt“,
    • zu „Angst, Lust und Zerstörung“,
    • zu „Normalität und Pathologie“,
    • er schreibt über „Paranoiode Kampfhandlung, über Fremdenhass und Gewaltbereitschaft bei männlichen Jugendlichen“,
    • zum „Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“,
    • über „Vater ist der Beste. Über die Wiedergeburt eines Helden im sozialwissenschaftlichen Famliendiskurs“,
    • über „Genitalität und Geschlecht. Überlegungen zur Konstitution der männlichen Sexualität“,
    • über die „Männliche Sexualität und ihre Krise“,
    • über „Männer, das benachteiligte Geschlecht -Weiblichkeitsabwehr im Diskurs über die Krise der Männlichkeit“,
    • zur „Sozialpsychologie des Krieges: Der Krieg als Massenpsychose und die Rolle der militärisch-männlichen Kampfbereitschaft“,
    • über „Das ‚eigene‘ und das ‚andere‘ Geschlecht. Adoleszenz, Männlichkeit und Gewaltbereitschaft“,
    • über die „Zerstörung der Frau [welcher?] als Subjekt“ und
    • über „Militarisierte Männlichkeit im Spannungsfeld von Krieg und Frieden“.

    Anhand dieser Veröffentlichungstitel hat man schon einen recht guten Eindruck davon, welcher Glaubensrichtung Rolf Pohl anhängt. Er gehört offensichtlich zu denjenigen, die Sexualität überall lauern sehen, die Männlichkeit und männliche Sexualität problematisieren, nur in Verbindung mit Gewalt zu denken in der Lage sind und von hier nur einen kurzen Schritt machen müssen, um bei Krieg und Nationalsozialismus anzukommen. Eine einfache Welt, die Rolf Pohl da bewohnt.

    Die Studenten von Rolf Pohl lernen über den Nationalsozialismus und seine Ursachen, von der neuen Segregation der Geschlechter, von Ärzten im Nationalsozialismus, von der Sozialpsychologie des Antisemitismus, und sie lesen „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir.

    Was beim Blick über die Tätigkeiten von Rolf Pohl ins Auge sticht, ist nicht in erster Linie die Fixierung auf Männlichkeit, Sexualität und Nationalsozialismus, es ist vielmehr das Fehlen von allem, was Sozialpsychologie ausmacht: Hypothesen, empirische Studien, Experimente, die Prüfung von Hypothesen, das, was Wissenschaft im Allgemeinen und Sozialpsychologie im Besonderen charakterisiert, das ist bei Rolf Pohl, der einen Lehrstuhl für Sozialpsychologie verwaltet, wie er schreibt, nicht vorhanden.

    Gollwitzer SozialpsychoDas wäre an sich nicht weiter schlimm. Es gibt Wissenschaftler, die sich mit der Zusammenfassung und der Vermittlung der Arbeiten, die andere geleistet haben, beschäftigen, die Lehrbücher verfassen, in denen sie den Kenntnisstand ihres Faches wiedergeben, in denen sie einen Überblick darüber geben, was in ihrem Fach geleistet wurde und welche Ergebnisse das Fach vorzuweisen hat.

    Doch das macht Ralf Pohl auch nicht.

    Was macht er dann?

    Ralf Pohl reklamiert für sich die Rolle eines auktorialen Erzählers, der in die Welt blickt, Dinge erblickt, die ihm nicht gefallen, der genau weiß, warum es die Dinge gibt, die er sieht und warum sie ihm nicht gefallen, und der diese Dinge geißelt, denn: Er hängt einem festen Glauben an, von dem aus er die Welt bewertet. Er ist ein akademischer Gotteskrieger par excellence, der die Welt mit seinen Einsichten, die zu ihm kommen, wie die Offenbarung zum Propheten, beglückt.

    Dies wird deutlich in einem Interview, das Pohl der Taz gegeben hat und bei dem es sich um einen Extrakt aus einem Vortrag handelt, in dem Pohl über „Männer – das benachteiligte Geschlecht?“ sinniert. Zeichnet sich schon sein Vortrag dadurch aus, dass er aus persönlichen Einsichten und Betrachtungen anstelle von Fakten, Hypothesen, logischen Analysen oder empirischen Ergebnissen besteht, so ist sein Interview das Konzentrat seiner persönlichen Eindrücke über das Universum, das Leben und vor allem die Männlichkeit.

    Denn: Um uns herum ist alles hegemoniale Männlichkeit, so erklärt er. Wenn Sie denken, Angela Merkel sei ein weiblicher Bundeskanzler, dann denken Sie das nur, weil sie die männlichen Rollenerwartungen, die an das Amt des weiblichen Bundeskanzlers gestellt werden, nicht berücksichtigen. Da nützt es Merkel nichts, dass sie weiblich ist, denn sie ist umgeben von feindlichen männlich hegemonialen Rollenerwartungen.

    Das glauben Sie nicht?

    Nun, das liegt daran, dass die männliche Hegemonie Erkenntnissen von Pohl zufolge „unbewusst stattfindet“, männliche Hegemonie ist für Pohl also eine Hegemonie, die man nicht bemerkt, jedenfalls nicht bewusst, so wie man nicht bemerkt, das wir alle zur Zeit vom Osterhasen beherrscht werden – aber das nur am Rande.

    Truth leaksMännliche Hegemonie ist fies, denn sie unterdrückt diejenigen, die sich Pohl nur als passive Rezipienten, unfähige Idioten und ewige Sklaven der männlichen Hegemonie, als Zellhaufen ohne Eigeninitiative vorstellen kann: Frauen (ob hier seine männliche Hegemonie ganz unbewusst mit ihm durchgegangen ist?), denn: „Männer generieren auch Macht in ihrer Beziehung, indem sie Aufmerksamkeit verweigern, hinhalten, Aufgaben vergessen, Bedürfnisse ihrer Partnerin ignorieren“, so weiß Rolf Pohl.

    „Männliche Identität ist so konstituiert“, so verkündet der männliche Pohl und fährt fort: „Zu dieser Identität gehört das unbewusste Bedürfnis, sich aufzuwerten, indem Frauen abgewertet werden“. Hier muss die Selbsterkenntnis mit Pohl durchgegangen sein, der den Unsinn, den er in seiner hegemonialen Männlichkeit erzählt, offensichtlich dadurch aufwerten will, dass er Frauen zu unfähigen und zu keiner Reaktion, geschweige denn Missfallenskundgebung fähigen Statisten erklärt – eine Hypothese, die er leicht falsifizieren könnte, wenn er seine Angst vor Frauen überwände, die er fälschlicherweise allen Männern zuschreibt, und sich in die Gesellschaft einer Frau trauen würde. Wir schlagen Dr. habil. Heike Diefenbach vor, sofern sie dazu Lust hat, denn eine einzige Anmerkung derart, Frauen würden durch hegemoniale Helden wie Rolf Pohl unterdrückt, würde vermutlich ausreichen, um handfest oder argumentativ, je nach Tagesform, des Gegenteils belehrt zu werden.

    Das ganze unsägliche Interview, in dem Pohl seine Probleme mit seiner Männlichkeit zu bearbeiten scheint (das ist eine Hypothese, die wir gerne am lebenden Pohl prüfen würden), ist – wie gesagt – ein Konzentrat eines Vortrags mit dem Titel „Männer – das benachteiligte Geschlecht„.

    Im Gegensatz zum Interview, in dem sich Pohl nur als Wissenschaftler geben muss, erhebt er mit dem Vortrag den Anspruch, Wissenschaftler zu sein, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden.

    Und er versagt auf der ganzen Linie.

    Pohl füllt 22 Seiten mit Betrachtungen über (abermals) das Universum, das Leben und Männlichkeit. Niemand weiß, warum er seine Betrachtungen anstellt. Niemand weiß, warum seine Betrachtungen relevant sein sollen. Niemand kann dem Text entnehmen, welchen Erkenntnisgewinn man aus den Betrachtungen von Pohl hat. Das einzige, was man nach dem Lesen des Vortrags weiß, ist, wie Rolf Pohl die Welt sieht und vor allem: wie er sie bewertet – oder bewältigt.

    Warum er die Welt sieht, wie er sie sieht, wie er seine Sichtweise begründet, belegt und damit nachvollziehbar macht, wie er seine Betrachtungen aus dem Status subjektiven Geschreibsels in den Status wissenschaftlicher Erkenntnis überführen will, ist so unklar wie die Methode, die Pohl zu seinen Bewertungen und Betrachtungen geführt hat.

    Das ist auch kein Wunder, denn Pohl benutzt keine Methode. Er braucht keine Methode, denn es geht ihm nicht um Erkenntnis. Es geht ihm um Bewertung. Er hat kein Interesse daran, seine Betrachtungen auf Richtigkeit hin zu prüfen, denn er weiß, dass sie richtig sind. Sie stimmen mit seinem Glauben überein, also müssen sie richtig sein. Aus dem selben Grund muss alles, was seinem Glauben widerspricht, falsch sein.

    Rolf Pohl ist ein akademischer Gotteskrieger, dessen Auftrag darin besteht, Ausschau nach Kritik zu halten und nach Widerspruch zu seinem Glauben zu fahnden, den entsprechenden Widerspruch, die entsprechende Kritik abzuwerten, abzutun, zu diskreditieren, nicht etwa, sich damit auseinander zu setzen. Dazu wären Argumente notwendig, was wiederum die Bereitschaft voraussetzt, den eigenen Glauben in Frage zu stellen, eine Bereitschaft, die akademische Gotteskrieger wie Rolf Pohl nicht haben.

    Sie haben nur das Ziel zu diskreditieren und dabei überlegen, erhaben und gut zu erscheinen (es geht ausschließlich um den Schein, mit dem leichtgläubige Gemüter getäuscht werden sollen. Dass sich Pohl unter Wissenschaftlern diskreditiert und lächerlich macht, sollte klar sein.). Und dazu ist jedes Mittel recht, wie die folgende Passage aus seinem vermeintlich wissenschaftlichen Vortrag zeigt:

    Unter der Überschrift „Die Kampagne gegen den ‚Verdammungsfeminismus'“ bemängelt Rolf Pohl das Folgende:

    „Dazu gehört die Tatsache, dass historische Kontexte systematisch entweder vernachlässigt, umgedeutet oder monokausal, mit klaren Schuldzuweisungen verkürzt werden, dass soziologische Differenzierungen ebenso fehlen, wie irgendeine Beschäftigung mit Theorien und Kontroversen der neueren Geschlechterforschung und dass jede kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ungleichheitslagen auf das manichäistische Weltbild eines die Männer beherrschenden und unterdrückenden Feminats zusammenschrumpft. Besonders auffällig sind dabei der (fast) durchgängig polemische Stil, ein aggressiver Anklagegestus und eine projektiv erzeugte, von starken Affekten begleitete Feindbildkonstruktion.“

    Leser mögen ihr Augenmerk vor allem auf die monokausalen Schuldzuweisungen, den fehlenden historischen Kontext, die kritische Auseinandersetzung mit Ungleichheit, den polemischen Stil, den aggresiven Anklagegestus und die Feindbildkonstruktion legen.

    Der Mangelliste folgt der Versuch einer Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Gerhard Amendt, den Pohl wie folgt abschließt:

    „Amendts abenteuerliche Behauptungen sind zu großen Teilen pseudowissenschaftliche Konstrukte, die durch ihre selektiven Wahrnehmungsverzerrungen, ihre projektiven Realitätsumdeutungen, ihren manichäistischen Welterklärungscharakter und ihre verschwörungstheoretische Annahmen sowie durch den aggressiven antifemininen Abwehrgestus Züge eines paranoid eingefärbten Hirngespinstes tragen. Es geht um eine medienwirksame irrationale Kampagne in der Sprache des Ressentiments, die mit missionarischem Eifer geführt wird. Nun ist diese Kampagne nicht allein Amendts Privatfeldzug. Seine Positionen sind nicht nur für die sogenannten „Malkulisten“ [Fehler im Original] attraktiv (vgl. http://www.maskulist.de), für die der vom „Femifaschismus“ beabsichtigte „Genozid an den Männern“ spätestens seit der Einführung des Scheidungsrechts ausgemachte Sache zu sein scheint.“

    Aggresiver Stil, Polemik, Behauptungen ohne Begründung, Bewertungen ohne Begründung, keinerlei Bezug auf den gesellschaftlichen Rahmen und seine Ungleichheitsstrukturen, ein aggresiver Anklagegestus, eine Feindbildkonstruktion und monokausale Schuldzuweisungen, die sind offensichtlich nur dann erlaubt, wenn sie Rolf Pohl macht. Mehr noch, ihm ist darüber hinaus die Schmähung, Beleidigung und Diffamierung derer erlaubt, die er als seine Feinde identifiziert hat.

    Und während man bei Nicht-Wissenschaftlern hier an das Glashaus denken würde, aus dem heraus man keine Steine werfen soll, kann man bei jemandem, der Wissenschaftler zu sein vorgibt, der Studenten ausbildet, nur betroffen sein, ob der Ärmlichkeit seines Vortrags, ob der nicht vorhandenen wissenschaftlichen Standards und ob des gänzlich fehlenden, Menschen eigentlich auszeichnenden Anstands.

    Aber wozu sollte Rolf Pohl wissenschaftliche Standards einhalten? Er ist ein akademischer Gotteskrieger, der für seinen Glauben kämpft, und deshalb alle bekämpft, die nicht seinem Glauben anhängen – mit welchen Mitteln auch immer und ohne Rücksicht auf Anstand, Ethik oder Moral. Zumindest wissen wir jetzt, warum es immer mehr Studenten gibt, die denken „Cross Tabs“ sei eine bewussteinserweiternde Tablette (und nicht etwa ein Befehl in SPSS), und warum es immer mehr Studenten gibt, die gar nicht wissen, was man von ihnen will, wenn man sie nach einer Begründung für ihre Behauptungen fragt.

    Akademische Gotteskrieger, die sich als Soziologen oder Sozialpsychologen in Hannover, Berlin, München oder anderswo ausgeben, sind dafür verantwortlich.

    Langsam nimmt die Zahl derer, die an Hochschulen ihre persönlichen Probleme bewältigen und Feldzüge gegen diejenigen führen, denen sie die Schuld an ihrer Misere zuweisen, in einer Weise zu, dass es selbst den Vertretern der Profession auffallen müsste. Entsprechend sollten Fächer wie die Soziologie oder die Politikwissenschaft, die vor Jahren noch dem, was Thomas Kuhn die normalwissenschaftliche Phase genannt hat, am nächsten gekommen sind, langsam Schritte einleiten, um die Standards des Faches durchzusetzen und zu verhindern, dass Positionen in der institutionalisierten Wissenschaft für persönliche Vendetten missbraucht werden.

    Und wenn es die Fachvertretungen nicht schaffen, dann wird Kultusministerien nichts anderes übrig bleiben als ihrerseits einzuschreiten. Immerhin sollen an Universitäten junge Menschen ausgebildet werden. Es sollen ihnen Erkenntnis und Methoden zur Erkenntnisgewinnung vermittelt werden, sie sollen nicht Zeugen psychiatrischer Selbstversuche werden, mit denen die entsprechenden Stelleninhaber versuchen, ihre Komplexe zu bearbeiten. Junge Menschen sollen an Hochschulen auch nicht in Therapiegruppen zusammengefasst werden, die dem Zweck dienen, die Probleme des Dozenten zu sozialisieren, um dann in die Welt geschickt zu werden und das Übel, das sie über den Dozenten befallen hat, aus kathartischen Zwecken zu beklagen.

    Die gesellschaftlichen Kosten, die von jungen Menschen ausgehen, die im Verlauf ihrer wissenschaftlichen Ausbildung so beschädigt werden, dass sie nur noch als Aktivisten und ohne Sinn und Zweck durch die Welt laufen, sind eigentlich zu hoch – sollte man meinen.

Warum Schwätzer schwätzen

ScienceFiles-Aphorismen

Stanislav Andreski hat 1974 ein Buch unter dem Titel „Social Science as Socery“ veröffentlich.

1977 wurde es in Deutschland unter dem Titel: „Die Hexenmeister der Sozialwissenschaften“ veröffentlicht. Obwohl schon 41 Jahre alt, ist das Buch so aktuell wie eh und je.

junk scienceDie Menge der Hexenmeister in den Sozialwissenschaften, die nach dem Einmarsch von Genderisten und Sozialisten in die Sozialwissenschaften um den Meister gekürzt werden kann, denn meisterlich ist nicht einmal mehr das Geschwätz, hinter dem die Unkenntnis verborgen werden soll, hat zugenommen.

Fragen der Sozialwissenschaften sind hinter Fragen der Ideologie zurückgetreten.

Sozialwissenschaftler sind häufig keine Sozialwissenschaftler mehr, sondern verkappte Sozial-Interventionisten, die entweder versuchen, ein Heil, das sie entdeckt zu haben glauben, an die Gemeinde der Gläubigen weiterzugeben oder die versuchen, die letzte Wahrheit, die sich ihnen offenbart hat, an Politiker zu verscherbeln, von denen sie wiederum erwarten, dass sie die Bevölkerung entsprechend dieser letzten Wahrheit erziehen.

Auf der Strecke geblieben sind wissenschaftliche Methoden, die Forschungsergebnisse nachvollziehbar machen, denn nachvollziehbar sollen sie nicht mehr sein. Sie sollen geglaubt werden, und was man glaubt, muss man nicht nachvollziehen.

Auf der Strecke geblieben ist die Suche nach Erkenntnis, denn die Forschung, sofern sie überhaupt noch stattfindet, dient der Bestätigung dessen, was man sowieso schon zu wissen gemeint hat, oder sie dienen schlicht dazu, politische Handlungen zu legitimieren.

GefuehlsjunkAuf der Strecke geblieben ist die wissenschaftiche Lauterkeit, die Wissenschaft ist Magd und Prostituierte des Staates zugleich. Für öffentliche Forschungsgelder forschen Wissenschaftler was ihnen aufgetragen wird. Für öffentliche Finanzierung betrügen Universitäten männliche Bewerber. Und weibliche Bewerber haben keinerlei Probleme damit, sich auf eine Stelle berufen zu lassen, auf die sie nie gelangt wären, wäre es mit rechten Dingen zugegangen.

Anstelle der Abhandlung über den moralischen Verfall, den man vermutlich über psychologische Störungen erklären kann, wollen wir mit Andreski die Frage beantworten, warum die Schwätzer, die sich in die Sozialwissenschaften eingeschlichen haben, munter gegen alle Realität anschwätzen können, warum sie niemand (außer uns) mit Fakten konfrontiert? Kurz: Wir fragen nach den Motiven des Schwätzens und nach den Motiven, Schwätzern zu glauben.

„Herr Andreski, Ihr Einsatz“:

Andreski„Selbst die oberflächlichste Untersuchung menschlicher Glaubensvorstellungen enthüllt, dass der Mensch keine angeborene Neigung hat, nach der Wahrheit zu suchen, dass vielmehr Absurdität und Obskurität für die meisten Menschen eine große Anziehungskraft haben. Wie wir gleich sehen werden, gibt es mehrere Gründe für diese Neigung, der allgemeinste aber ist die Tatsache, dass Klarheit und Logik dem Denken schwere Beschränkungen auferlegen, die verhindern, dass wir uns mit ganzem Herzen unseren Wünschen, Abneigungen und Launen hingeben. Um es in den unexakten, aber suggestiven Freudschen Begriffen auszudrücken: Logik und Klarheit sind die Hüter des Realitätsprinzips, welches den Fluss unserer Ideen hindert, dem Lustprinzip zu folgen, während Letzteres uns auf die Maximierung der geistigen Anstrengungen durch den Glauben führt, dass das, was wir gerne wahrhaben möchten, wahr ist, ungeachtet dessen, ob es tatsächlich der Fall ist“ (Andreski, 1977: 95).

Einerseits ist damit erklärt, warum in manchen Bereichen, die sich als Sozialwissenschaften ansehen, z.B. im Feminismus, die Logik abgelehnt wird, andererseits ist damit erklärt, warum Fragen nach Methodologie, Theorie und Erkenntnisinteresse von vielen, denen wir sie gestellt haben, nicht beantwortet werden: Sie haben ihre Laune zur Wissenschaft erhoben und ein Auskommen damit gefunden. Sie haben keine Ahnung, was wir von ihnen wollen, denn von Methodologie, Theorie oder Erkenntnisinteresse haben sie noch nie etwas gehört. Das alles klingt für sie nach kontrolliertem Denken und nach Arbeit und beides ist in ihrem Leben bislang scheinbar noch nicht vorgekommen.