Die Inquisitoren vom Jugendamt

Es ist eine eher unscheinbare Pressemeldung die das Statistische Bundesamt vor einigen Tagen verbreitet hat: “2014: Jugendämter führten rund 124 000 Gefährdungseinschätzungen für Kinder durch“.

Rund 124 000 Mal ist ein Mitarbeiter des Jugendamtes also ausgezogen, um das Kindesheil zu bringen. Rund 124 000 Mal hat sich der nämliche Mitarbeiter darum gekümmert, ob es Hinweise auf “Kindeswohlgefährdung” gibt, und in 105 400 Fällen (85%) sind die Mitarbeiter des Jugendamtes ohne Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung zu finden, zurückgekehrt.

Das heißt jedoch nicht, dass die Familien, die in den Fokus der Kindeswohlwächter geraten sind, nun ihre Ruhe hätten. Weit gefehlt: Für 22.400 Familien hat die Prüfung eine “latente Kindeswohlgefährdung” ergeben. Eine latente Kindeswohlgefährdung ist keine Kindeswohlgefährdung, aber irgendwie denkt ein Mitarbeiter des Jugendamtes wohl, dass eine zukünftige Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Warum er dies denkt? Welche Kriterien er zu seiner Beurteilung heranzieht? Niemand weiß es, aber für die betroffene Familie heißt dies, dass sie nunmehr dauerhaft im Radar des Jugendamtes ist.

Für weitere 41.500 Familien bedeutet der Besuch der Kindeswohlgefahrensucher des Jugendamtes, dass sie zwar nicht als Kindeswohlgefährder eingestuft werden können, allerdings im Hinblick auf andere Standards hinter den Erwartungen, die der Jugendamtsmitarbeiter (bei dem es sich in der Regel um eine halbtags tätige Mitarbeiterin aus der Mittelschicht handelt) an eine ordentlich geführte Familie heranträgt, zurückbleibt. Auch diese Familien dürfen sich fortan, steter Überwachung durch die Schergen des Jugendamts erfreuen.

Leipziger Leifaden KinderschutzMan wird den Eindruck nicht los, dass Jugendämter in Teilen aus Personen bestehen, deren Daseinszweck darin besteht, anderen in ihr Leben hereinzureden und andere für minderwertiger als sich selbst zu erklären, ein Eindruck, der durch die Kritieren, die manche Kommunen in ihrem jeweiligen “Leitfaden zum Kinderschutz” veröffentlichen, bestätigt wird.

So macht der entsprechende Leitfaden der Stadt Leipzig eigentlich nur deutlich, wie vage die Bestimmung von Kindeswohlgefährdung ist und wie breit der Interpretationsspielraum ist, den Kindeswohlgefahrensucher aus der Mittelschicht an ihre Opfer herantragen.

So liegt z.B. körperliche Misshandlung dann vor, wenn “gewalttätiges Verhalten … Grundelement der Erziehung” ist. Wann die Häscher des Jugendamtes ein Erziehungsverhalten als “gewalttätig” einordnen, ab der Ohrfeige oder ab erhobener Stimme, ist unklar und obliegt offensichtlich der Interpretation durch den jeweiligen Kindeswohlgefahrensucher. Und dass er einen erheblichen Spielraum für seine Interpretation hat, macht die Definition einer “emotionalen Misshandlung” deutlich. Eine solche liegt vor, wenn:

“feindliche oder abweisende, ablehnende oder ignorierende Verhaltensweisen der Eltern gegenüber dem Kind (d.h. Ablehnung, Verängstigung, Terrorisierung, Isolierung, Beschimpfen, Verspotten, Ernidriegen, Bedrohen)” vorliegen.

Also besser kein Stubenarrest für Kinder, keine Drohung, dass dann, wenn das Kind noch einmal versucht, über die Straße zu laufen, obwohl die Ampel rot ist, mit Konsequenzen zu rechnen ist, kein Hinweis, dass das Kind, wenn es weiterhin die Öffentlichkeit mit seinem Geschrei terrorisiert nicht mehr mitgenommen wird … die Tante oder der Onkel vom Jugendamt könnten darin eine “emotionale Kindesmisshandlung” sehen.

Die Liste der Vagheiten, die es den Kindeswohlgefahrensuchern des Jugendamtes ermöglichen, Versuche, Kinder zu erziehen, im Keim zu ersticken, intakte Familien zu zerstören oder Gefahren an die Wand zu malen, die es verunmöglichen, dass eine normale Familie eine intakte Familie ist, sie könnte weiter geführt werden. Wer sich einen Eindruck von der Willkür, die im Bereich der Kindeswohlgefährdung herrscht, machen will, dem sei der oben zitierte Leitfaden der Stadt Leipzig empfohlen. Entsprechende Leitfäden finden sich mit Sicherheit in jeder Stadt oder Verbandsgemeinde.

Wir wollen an dieser Stelle zwei weitere Punkte hervorheben:

Wie gewöhnlich, wenn öffentliche Institutionen etwas tun, tun sie dies, mit dem erklärten Ziel “Gutes zu tun”, und das war es. Niemand prüft, ob die Interventionen durch das Jugendamt, das inquisitive Einbrechen in Familien durch Kindeswohlgefahrensucher nicht mehr Unheil anrichtet als es Nutzen bringt, niemand analysiert, ob dann, wenn die Gefahrensucher des Jugendamtes fündig geworden sind, das Herauslösen des Kindes aus seiner familiären Umgebung dem entsprechenden Kind einen Nutzen bringt, wie es sich entwickelt, wie seine Zukunft durch den Eingriff des Jugendamtes beeinflusst wird. Die entsprechenden Fragen sind offensichtlich ein Tabu, oder sie fallen der Herrschaft der Intention zum Opfer.

Die Herrschaft der Intention bedeutet für diejenigen, die reklamieren, sie wollten nur Gutes tun, dass sie keinerlei Gefahr laufen, überprüft zu werden. Ganz im Gegensatz zu denen, denen Gutes getan werden soll. Sie werden auf Herz und Nieren überprüft und nicht selten unter Dauerbeobachtung gestellt. Die Herrschaft der Intention führt vor allem im Bereich des in Deutschland mit emotionaler Hysterie umrankten Begriff des Kindes dazu, dass nahezu jede Form der Freiheitsberaubung, der Überwachung und Kontrolle durch die Guten genutzt werden kann, um die als böse Identifizierten zu traktieren.

Abermals drängt sich der Eindruck auf, dass Strukturen, wie sie im Falle des Jugendamtes und mit Blick auf die Kindeswohlgefährdung vorhanden sind, ungute Strukturen sind, die Übergriffe befördern und einen bestimmten Typus von Mensch anziehen, der gerne Gewalt über andere ausüben will, um sich seine vermeintliche Überlegenheit zu beweisen.

Aber nicht nur diejenigen, die aus ihrer Sicht als gute Kindeswohlgefahrensucher die Kinderwelt von Ohrfeigen reinigen wollen, werden mit dem strukturellen Angebot der Gewaltausübung über soziale Gruppen gelockt, ein Lockstoff, der nicht nur an die Instinkte appelliert, die Gewalt über andere zur Quelle von Selbstbewusstsein machen, sondern auch an das Bedürfnis, sich selbst als sozial denjenigen, bei denen nach Gefahren für das Kindeswohl gefahndet werden kann, überlegen zu inszenieren.

DenunziantDer Lockstoff wirkt auch auf diejenigen, die gerne aus dem Dunkeln auf Personen schießen, die sie nicht mögen, die kleinen Denunzianten, die noch jedes Regime gestützt haben, ohne die die meisten Gewaltherrschaften nicht möglich gewesen wären. 11,5% der Hinweise, denen die Kindeswohlgefahrensucher der Jugendämter willig gefolgt sind, kamen anonym, von Besorgten, die vor allem um die eigene Anonymität besorgt sind, weil sie nicht offen anschwärzen wollen. 14.260 Denunzianten haben die Jugendämter 2014 beschäftigt. 14.260 inoffizielle Informanten, die den Häschern des Jugendamtes Tipps gegeben haben, damit sie ausziehen und der Behauptung nach das Kindeswohl bringen können.

Sie teilen viele Merkmale mit den Inquisitoren des Mittelalters, die Häscher des Jugendamts. Auch die Inquisitoren haben das Gute verteidigt und gegen das Böse in der Welt gekämpft. Auch die Inquisitoren des Mittelalters haben die Kriterien ihrer Wahrheitsfindung vage und unbestimmt gelassen, konkret waren nur die Mittel. Auch die Inquisitoren des Mittelalters haben von Denunzianten gelebt, die ihre Mitbürger bei den Inquisitoren angeschwärzt haben, und auch bei den Inquisitoren des Mittelalters hat es denjenigen, die bei ihnen angeschwärzt wurden oder sonstwie in ihr Radar geraten sind, nichts genutzt, wenn sie nach eingehender Prüfung als unschuldig befunden wurden. Sie waren sozial stigmatisiert und ihre Fähigkeit zu einem normalen Leben war dahin.

Insofern ist die Behauptung, Jugendämter seien Nachfolger der Inquisition des Mittelalters gut begründet.

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35 Responses to Die Inquisitoren vom Jugendamt

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  2. Zaza says:

    Ihr habt wahrscheinlich recht wenig Kontakt zu Familien in denen das Kindeswohl gefährdet ist, um es mal technisch auszudrücken.

    Ich -als Strafrechtler- nur am Rande. Bei den Fällen, in denen es schief gegangen ist. Wo man sich wünscht, das Jugendamt hätte früher und härter durchgegriffen.

    • Ihr erste Annahme ist falsch.
      Was ihren Eindruck angeht, so haben sie eine selegierte Population. Von all den Kindern, die ins Radar der Kinderschützer geraten sind und die dadurch Schaden erlitten haben, erfahren Sie nichts.
      Und was den Anteil von 85% Fehlalarmen zu 15% vielleicht Treffern, was man nicht weiß, weil darüber nichts bekannt ist, angeht, so ist dem wenig hinzuzufügen.

    • Andreas R. says:

      Vielleicht gibt es ja die bedauerlichen 1 %, jedoch was meiner Tochter widerfahren ist, ist mit nichts zu Rechtfertigen, sie holt die Polizei zur Hilfe wegen dem angetrunkenen Kindesvater, der sein Besuchsrecht wahrnahm und den kleinen nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zurück brachte. 3 Tage später wurde vom Berliner Jugendamt mit Erpressung Methodik , ihr Sohn 18 Monate alt aus ihrer Wohnung genommen. Das war im April 2014, sie hat alle Auflagen längst erfüllt, jedoch das Kind ist nicht bei der Mutter bis Heute ! Da meine Tochter keine rechtlichen Möglichkeiten mehr besitzt und auch die Anwälte in Deutschland nicht viel können, außer sich Bezahlen zu lassen, bin ich jetzt persönlich aktiv geworden. Gegen 3 Mitarbeiter vom Jugendamt, dem Gutachter sowie die Richterin am Gericht habe ich Strafanzeige gestellt. Was jetzt in Deutschland geschehen wird, dass Wissen wir ja. Aber nach der Frist gehe ich zu einem anderen Staatsanwalt, denn dieser hat die Macht, diese Leute ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

    • @Zaza

      “Ihr habt wahrscheinlich recht wenig Kontakt zu Familien in denen das Kindeswohl gefährdet ist,”

      Selbst dann, wenn das zuträfe, würde es keinen Unterschied machen. Was hat denn der “Kontakt” zu irgendjemandem damit zu tun, wie in einer Sachfrage zu entscheiden ist?

      Eine Sachfrage wird aufgrund von Argumenten beurteilt, bei denen auch statistische Daten eine Rolle spielen, aber wer zu wem “Kontakt” hat oder keinen Kontakt hat, spielt in einer rationalen Argumentation nun wirklich keine Rolle.

      Oder vielleicht haben wir Ihren Kommentar falsch verstanden, und Sie meinten, wenn man – wie anscheinend Sie? – berufsbedingt “Kontakt” mit bestimmten Institutionen hat, dann tut man gut daran, sich bei ihnen anzubiedern oder zumindest nicht zu widersprechen und ihre Verfahrensweisen nicht zu kritisieren, geschweige denn, ihre Existenzberechtigung in Zweifel zu ziehen.

  3. SohnOdins says:

    Ich kann Ihnen nur zustimmen und Ihren Bericht untermauern. Dank den “Gutmenschen” vom Jugendamt ist meine Beziehung zu der Mutter meiner Tochter in die Brüche gegangen und unser Verhältnis zerstört worden. Auch in dem Fall gab es weder eine Kindeswohlgefährdung noch sonst einen Grund für ein Eingreifen. Dank einer Racheaktion Ihres Ex-Mannes der üble Gerüchte in die Welt setzte, setzten die wiederum die ganze “Jugendamtmaschinerie” in Gang, und unsere geplante Ehe platzte daran. Da sag ich nur : Vielen Dank, Jugendamt. Aber Rache ist ein Gericht das man am besten kalt geniesst.

  4. Epikur63 says:

    Zufällig habe ich in die Arbeit von Jugendämtern und die darum angeordneten Institutionen (Gerichte etc.) durch meinen Bekanntenkreis einen ganz guten Einblick. Ja, es gibt dort auch Leute, die keine qualifizierten Urteile fällen und der Schaden, der dadurch angerichtet werden kann ist enorm. Diese Seite der Medaille stellt Ihr Artikel korrekt dar.

    Der Artikel ist aber in zwei Hinsichten falsch:

    1) Er ist völlig überzogen, wenn dies als flächendeckende “Inquisition” und Regelfall dargestellt wird oder mit Hilfe des Bildes in die Nähe von Gestapo-Denunziationen gestellt wird.

    2) Die Grösse der Probleme im Jugendschutzbereich wird heruntergespielt. Es geht nicht um ohrfeigenfreie Erziehung, sondern die Mitarbeiter der entsprechenden Einrichtungen haben praktisch täglich mit Vergewaltigung, totaler Verwahrlosung und Mangelernährung, schwerer Körperverletzung und anderen erheblichen Straftaten zu tun, die sie an Stelle von Kindererziehung vorfinden. Hinzu kommen oft völlig überforderte Eltern, die Probleme ihrer Kinder ignorieren wie Gewalttätigkeit, schweren Drogenmißbrauch, tiefes Zerschlitzen der Unterarme usw.. Mit Gewalttätigkeit meine ich nicht Schulhofrangeleien, sondern z.B. einen Fall aus meinem Bekanntenkreis, bei dem Eltern Gewaltschübe ihres Sohns ignorierten, bis dieser den Kopf eines ihm Fremden solange auf den Bürgersteig hieb, bis er bewusstlos liegen blieb und den Rest seines Lebens im Rohlstuhl verbringen wird. Solche Probleme werden im Artikel ignoriert: Die Arbeit der Jugendämter ist sinnvoll, aber sie muss qualitativ besser werden.

    • zu 2)
      Worauf, also auf welche Daten gründen Sie noch einmal die Kenntnisse darüber, dass Mitarbeiter des Jugendamts täglich mit den von Ihnen beschriebenen Übeln zu tun haben? Haben Sie statistische Daten dazu? Und wenn die Mitarbeiter des Jugendamts täglich mit den von Ihnen beschriebenen Übeln zu tun haben, wer hat dann mit den 85% der “Gefahrenprüfungen” zu tun, die nicht den von Ihnen beschriebenen Übeln zuzurechnen sind?

      zu 1) Das ist eine Bewertung durch Sie, eine Geschmacksäußerung, mehr nicht. Ich sehe überhaupt nicht, wo der begründete Vergleich mit der Inquisition überzogen sein soll. Wie gesagt, er ist begründet. Das kann man nun mögen oder nicht, aber eines kann man nicht, es durch die Behauptung, es sei “völlig überzogen” aus der Welt schaffen.

      • Pierre Martin says:

        In den Jugendämtern arbeiten großteils angelernte selbstverwirklicher ohne entsprechende Ausbildung nach psychologischen Schemata die sie und ihre Psychologieanalphabeten sich selbst geschrieben haben. Bedauerlicherweise ist nämliche die Psychologie nur eine scheinwissenschaft basierend auf fehlannahmen. Ja der Schutz von Kindern soll hoch stehen, aber nicht auf Willkür und desinformation oder Denunziantentum. Das jugendwohlfahrtsamt sollte dringend reformiert und auf Konsensführung …in jedem Fall… Aufbauen und nicht auf selbstbestimmten Prophezeiungen….quasi “Wir” sagen euch wie es zu sein hat

      • Epikur63 says:

        zu 1) Es ist nicht nur eine Geschmacksäusserung. Inquisitoren agierten mit den Mitteln von Folter und Tötung bei der Verfolgung von Glaubenshäresien. In Ihrem Illustrationsbild zogen Sie Analogien zu Judendenunziationen und KZs: Natürlich ist dies überzogen, denn hier findet kein Völkermord an 6 Millionen Eltern statt. Sie schaden durch solche Vergleiche auch der berechtigten Kritik an den Arbeiten der Jugendämter in den Bereichen, in denen sie nicht gut läuft.

        zu 2) Ich gründe dies auf zwei Quellen: Zum einen kenne ich tatsächlich Daten zu dem Thema. Sie finden Statistiken dazu z.B. in den Veröffentlichungen des Bundeskriminalamts, der Ärztekammern, der Deutschen Kinderhilfe, etc.. Eine zweite Quelle sind für mich zwei meiner Bekannten: Der eine arbeitet in einer Aufnahmestation für Kinder, die mit dem Verdacht auf sexuellen Mißbrauch dort eingewiesen werden, ein anderer im Bereich gesetzlicher Vormundschaft.

        Nebenbei: Bevor ich in einen Konzern wechselte, unterrichtete ich rund sieben Jahre Statistik und Methodenlehre an einer Universität. Die 85% Fehlalarme sind nicht ungewöhnlich und nicht das Problem, solange sensibel von den Ämtern damit umgegangen wird: Sie müssen Verdachtsmomenten nachgehen. Dies ist vergleichbar mit einem Krankheitsscreeningtest, der auch so eingestellt wird, das der Fehler zweiter Art minimiert wird mit dem Effekt, im ersten Schritt viele falsch-positive Ergebnisse zu erhalten. Im Fall der Jugendämter muss man dann natürlich sorgfältig und ohne Risiko der Vorverurteilung prüfen; ein Problem der Ämter ist z.B. die dabei notwendige Diskretion nicht so waren.

        Aber wie schon gesagt: Natürlich gibt es Probleme im Bereich der Jugendämter (z.B. den Typus des schlecht ausgebildeten, aber selbstbewussten “Retters”), mich stört aber die Einseitigkeit des Artikels.

        • zu 2) das sind quantitative Daten. Ihre Behauptungen haben Verhaltensweisen zum Gegenstand, die nach meiner Kenntnis nicht quantitativ erfasst werden (können). Wie wäre es mit einem konkreten Link und konkreten Verweisen anstelle behaupteter Quellen?

          zu 1) wir machen einen formalen Vergleich, keinen inhaltlichen. Deshalb geht Ihr Argument ins Leere.

          Wenn Sie Statistik unterrichtet haben, dann wissen Sie, dass 85% nicht erklärte Varianz in der Regel der Tod einer Analyse sind.

          • Epikur63 says:

            zu 2) Datenquelle: Als ein Beispiel nannte ich die Veröffentlichungen des Bundeskriminalamts, also die polizeiliche Kriminalstatistik (IMK-Bericht)
            http://www.bka.de/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/pks__node.html?__nnn=true

            Einen Auszug der Zahlen, die kriminelle Akte an Kindern betreffen, finden Sie z.B. hier
            http://www.dksb.de/images/web/PKS%202014%202015-06-23%20AB.pdf

            Ein Beispiel: Zu den Verhaltensweisen, welche ich nannte, gehörte Vergewaltigung. Eine Zahl dazu ist 12134 Fälle sexuellen Mißbrauchs an Kindern.

            Das Buch “Deutschland misshandelt seine Kinder” der Rechtsmediziner Tsokos und Guddat bietet ebenfalls eine Fülle von Material zu dem Thema.
            http://www.amazon.de/Deutschland-misshandelt-Kinder-Michael-Tsokos/dp/342627616X/

            zu 1) Das Argument des formalen Vergleichs kann ich nicht nachvollziehen, insbesondere nicht bei dem Illustrationsbild der Judendenunziation. Das Jugendamt mit Nazis zu vergleichen, passt glaube ich nicht gut.

            Zu den 85%: Dieser Wert hat nichts mit Varianz zu tun.

            • zu 2) die PKS beinhaltet Delikte, die der Polizei bekannt und von der Polizei klassifiziert werden. Rund 70% der von der Polizei erfassten Straftaten verschwinden im Weg durch die Instanzen, weil ein Staatsanwalt keine Straftat findet und das Verfahren einstellt oder ein Richter keine Grundlage für eine Verurteilung erkennen kann. Die PKS ist eine denkbar schlechte Quelle, um ausgerechnet hoch-emotional belastete Delikte belegen zu wollen.

              Im Übrigen hat die PKS überhaupt nichts mit der Effizienz des Jugendamtes zu tun”. Sie bemühen sich hier umsonst, einen Nebenschauplatz zu eröffnen, denn niemand hat bestritten, dass es entsprechende Misshandlungen gibt. Was bestritten wird bzw. niemand prüft, ist die Effizienz des Jugendamtes, entsprechende Probleme zu beseitigen oder überhaupt zu bewältigen und nicht zu verschärfen oder erst Probleme herbeizuführen. Wie im Text argumentiert ist, schafft die institutionelle Struktur, in der Jugendämter sich finden und ihre Macht gegenüber Eltern eine ungesunde asymmetrische Beziehung, die labile Persönlichkeiten und solche, die gerne unter dem Banner des Guten Gewalt über andere ausüben, als Jugendwächter anzieht.

              2) Ist doch ganz einfach: Wenn eine Denunziation, wie Ihnen Dr. habil. Heike Diefenbach ja bereits erklärt hat, darin besteht, dass jemand jemand anderes hinter dessen Rücken bei einem Dritten oder einem Amt anschwärzt, dann ist es egal, wer von wem und wann angeschwärzt wird, damit eine Denunziation daraus wird.

              Ich dachte, Sie haben Methoden und Statistik gelehrt? Was ist die Varianz über eine Verteilung anderes als der Teil einer Punktemenge, die man z.B. zwischen Anzahl von Besuchen durch Mitarbeiter und Anzahl von notwendigen Besuchen durch Mitarbeiter des Jugendamtes aufspannen kann, der nicht überlappt? Insofern 85% der Besuche von Jugendamtsmitarbeitern sich als nicht notwendig herausstellen, überlappen 85% der Besuche nicht mit notwendigen Besuchen. Es hat sehr wohl etwas mit Varianz zu tun. Im übrigen glaube ich nicht, dass ihre Nonchallance gegenüber 85% Fehlbesuchen das selbe Ausmaß hätte, wenn es sich um 85% Fehlurteile durch Richter oder 85% irrtümlichen Erstürmungen von Wohnungen durch die Polizei in der Annahme, darin verstecke sich ein Linksextremer oder um 85% mit dem Tod beendeter Operationen handeln würde. Scheinbar hat das Jugendamt bei Ihnen Narrenfreiheit.

              Sie werden wissen, warum.

              • Epikur63 says:

                Zu Ihrem ersten Punkt “Nebenschauplatz”. Ihre erste Frage an mich war, ob ich statistische Daten zu den genannten Übeln habe. Bei den im PKS dokumentierten Fällen wird das Jugendamt eingeschaltet, daher der Verweis darauf. Es war also eine Antwort auf Ihre Frage und kein Versuch “einen Nebenschauplatz zu eröffnen”.

                Die anderen Punkte überspringe ich, weil ich den Stil der Diskussion merkwürdig finde: Er ist nicht der im wissenschaftlichen Bereich übliche sachliche Ton. Hier kommt gegenüber Ihnen Fremden der Vorwurf der Naivität, in “Ich dachte, Sie haben Statistik gelehrt?” steckt pauschale Zweifel an fachlicher Kompetenz bei Ihnen völlig Unbekannten und Ihr letzter Beitrag endet mit einer diffusen Unterstellung “Jugendamt Narrenfreiheit. Sie werden wissen, warum”. Ist dies wirklich der hier übliche Stil?

                • Nein, meine Frage bezog sich auf Daten, die den Wert der Einschaltung von Jugendamtsmitarbeitern belegen, zeigen, dass die Jugendamtsmitarbeiter nicht alles noch schlimmer gemacht haben oder einen positiven Effekt hatte. Die PKS sagt dazu überhaupt nichts.

                  Was soll dieser sanctimonious crap? Meinen Sie es ändert etwas an meiner Verwunderung darüber, dass Sie nicht wissen, was eine Varianz ist, obwohl Sie Statistik und Methoden gelehrt haben wollen, wenn Sie sich in die Schmollecke zurückziehen und dort für jeden sichtbar machen, dass Sie keinerlei Argument auf Ihrer Seite haben. Das ist nicht das übliche sachliche Vorgehen, das ich unter Erwachsenen gewohnt bin. Nun, würden Sie nicht so auf rohen Eiern laufen, wie Sie das tun, dann wäre Ihnen die Möglichkeit präsent, dass mein Zweifel an ihrer Kenntnis des Konzepts “Varianz”, der ein berechtigter Zweifel ist, denn Sie haben bei mir den Eindruck hinterlassen, dass Sie keine Ahnung davon haben, was eine Varianz ist (und wollten mich noch darüber belehren…:)), diesen Zweifel als Chance zu nehmen, ihren Fehler einzugestehen und basta. Es gibt keinen Grund, dass Sie den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens begehen und mir Ihre Furcht unterstellen, es würde deutlich, Sie hätten von Statistik und Methoden keine Ahnung. Ich habe mich nur gewundert, dass Ihnen das Konzept der Varianz nicht geläufig ist, den Schluss, dass dies einem pauschalen Zweifel an ihrer Kompetenz gleichkommt, den haben Sie gezogen, und Sie werden ja wissen, warum – oder?

                  Und wenn Sie schon in der Schmollecke sitzen, dann können Sie sich vielleicht überlegen, warum Sie mit Ihrem “üblichen Stil”, der Behauptung von obenherab, die keinerlei argumentatives Fundament hat, nicht ankommen. Es wäre ein Anfang.

                • @Epikur63

                  Bis jetzt war das ja alles ganz in Ordnung, aber wenn Sie sich auf das Niveau begeben, das in solchen Aussagen wie:

                  “Die anderen Punkte überspringe ich, weil ich den Stil der Diskussion merkwürdig finde: Er ist nicht der im wissenschaftlichen Bereich übliche sachliche Ton”

                  begeben, dann denke ich, ist die Schmerzgrenze erreicht! Anscheinend merken Sie überhaupt nicht, dass IHR Stil der Diskussion überaus seltsam ist und ein sachlicher Ton schwerlich bei Ihnen feststellbar ist.

                  Mir scheint, ein “sachlicher Ton” schließt für Sie aus, dass Ihre Position kritisiert wird. Und wenn das so ist, dann sind Sie unsachlich und sehr weit weg von einer wissenschaftlichen Diskussion:

                  Es ist nämlich ganz und gar sachlich, wenn jemand, z.B. ich, Ihre Position angesichts der beobachtbaren Realität als naiv beurteilt. Der Beurteilung ging ja eine Begründung voraus, und seit wann sind Begründungen bzw. Konklusionen aus Argumentationen nicht “sachlich”?!

                  Vielleicht wäre es hilfreich, wenn Sie nicht so sehr an der affektiven Komponente von Worten hängen würden und statt dessen zu erfassen versuchen würden, was mit ihnen ausgedrückt wird oder werden soll. Das ist so wie mit Variablen: Interessant sind nicht die labels, sondern das, was durch eine Variable OPERATIONALISISERT werden soll!

                • Wolfgang says:

                  Ich frage Sie:
                  Kennen Sie die Vielzahl der Maßstäbe für Kindeswohl, die die verschiedenen Sachbearbeiterinnen in den verschiedenen Jugendämter nach Lust und Laune anlegen?
                  Ist Ihnen klar, dass den Jugendamtsmitarbeiterinnen alles erlaubt ist (auch Falschaussage vor Gericht), weil es keine Fachaufsicht gibt und die Verwaltungsgerichte den Rechtschutz versagen?
                  Ist Ihnen klar, was es für Eltern bedeutet, wenn man Ihnen mit Kindesentzug droht?

                • Wolfgang says:

                  Vielleicht überzeugen Sie ja Einzelschicksale:
                  http://home.arcor.de/kinderklau-informell/Videolinks.pdf
                  Vielleicht sind Sie auch einfach gefühllos.

        • @Epikur63

          Und mich stört die Einseitigkeit Ihrer Kommentare!

          Wenn Sie z.B. schreiben:

          “Inquisitoren agierten mit den Mitteln von Folter und Tötung bei der Verfolgung von Glaubenshäresien ”

          und meinen, die Praktiken u.a. der Jugendämter in Deutschland seien ja soooooooo weit hiervon entfernt, dann überlegen Sie doch einmal, ob die Erzählung von der “richtigen” Kindererziehung, die sich Leute, die an Jugendämtern angestellt sind, absoult zu setzen anmaßen, etwas anderes ist als ein Glauben, den sie haben mögen, andere Leute aber nicht!

          Wenn Leute verfolgt und terrorisiert werden, weil sie den Glauben nicht teilen, dann ist das eben eine Verfolgung von Glaubenhäresien und nichts anderes. Was die Tötung aufgrund derselben betrifft, so bin auch ich sehr froh, dass sie derzeit noch nicht wieder akzeptabel ist, aber psychologische Folter wird zweifellos schon jetzt und sehr häufig betrieben, und wenn diese erst einmal – u.a. mit Ihrer freundlichen Unterstützung – für akzeptabel erklärt werden kann, dann erscheint die Frage nach der Tötung aufgrund von Glaubenshäresien über kurz oder lang in einem ganz anderen Licht. Wie schnell das gehen kann, wissen wir doch aus der Geschichte!

          Deshalb erlaube ich mir, meine Aufforderung an Sie zu wiederholen: Seien Sie nicht so naiv!

    • @Epikur63

      “ein Artikel” ist nicht “falsch”, auch nicht in zwei Hinsichten, wenn Sie zwei Dingen, die er enthält, nicht zustimmen.

      Darüber hinaus ist die Kenntnisgrundlage, auf der Sie meinen, das beurteilen zu können, erstens quantitativ sehr dünn und qualitativ verzerrrt, wenn Sie mit Ihrem “Bekanntenkreis” argumentieren.

      Weiterhin sehe ich in Ihrem Kommentar kein ARGUMENT dafür, warum der Vergleich der real existierenden Praktiken, die es nachweislich gibt und für die es eine Menge Zeugen gibt (und die Sie schwerlich diskreditieren werden, da Sie doch so viel Wert auf Erfahrungsberichte legen!), mit der Inquisition hinkt. Ihre Behauptung, das sei “völlig überzogen”, klingt markig, aber ist selbst wieder nur Gerede, solange kein ARGUMENT diese Einschätzung (als “völlig überzogen”) stützt. Also ist das nicht ernstzunehmen.

      Nicht ernstzunehmen ist außerdem Ihre Behauptung, dass die in unserem Text angesprochenen Praktiken nicht in die “Nähe” von Denunziationen gerückt werden dürfe, und zwar aus zwei Gründen:

      1. Es handelt sich bei einem Verhalten immer dann um eine Denunziation, wenn jemand jemand anderen hinter dessen Rücken und ohne Belege für das Behauptete anschwärzt. Das ist ein formales Kriterium für die Benutzung des Begriffs. Wenn die Kiterien zutreffen, dann ist der Begriff angebracht. Der Begriff “Denunziation” ist nicht reserviert für Fälle, in denen Sie ihn gerade angebracht finden.

      2. Wir rücken das denunzierende Verhalten, das ein bedenklich großer Teil der Bevölkerung in Deutschland zeigt, nicht in die “Nähe” von Deununziation, sondern bezeichnen es als Denunziation, und zwar deshalb, weil es sich um Denunziation handelt (siehe Punkt 1).

      Ansonsten bleibt noch anzumerken, dass die Probleme, die Sie schildern, durchaus exisiteren, aber darauf folgt logisch nicht, dass “die Arbeit der Jugendämter” “sinnvoll” sei. Ob sie es ist oder nicht, ist eine empirische Frage. Die Existenz einer Institution ist nicht deshalb “sinnvoll”, weil man sich von ihr die Lösung bestimmter Probleme VERSPRICHT, sondern sie ist dann “sinnvoll”, wenn sie diese Probleme tatsächlich löst, und zwar, ohne andere und vielleicht schwerwiegendere Probleme zu verursachen.

      In den Sozialwissenschaften gibt es Verfahren zur Feststellung und Beurteilung von Leistungen von Institutionen, die normalerweise unter dem Stichwort “Evaluationsforschung” zusammengefasst werden.

      Glauben Sie, dass es Zufall ist, dass unabhängige und nach den Regeln der Kunst durchgeführte Evaluationsforschung in staatsnahen Institutionen in Deutschland nicht stattfindet? Wenn diese von ihren positiven Wirkungen so überzeugt sind, sollten sie eine solche Evaluationsforschung doch begrüßen, oder!?

      Also, seien Sie bitte nicht so naiv!

  5. stefanolix says:

    Hier zeigt sich eine große Verunsicherung der Eltern [untereinander], des Kita-Personals, der Lehrkräfte in den Schulen und anderer Akteure. Kinder sind ja bekanntlich gleichzeitig kostbar und unberechenbar. Eltern haben aus diversen Gründen immer weniger Zeit für den Nachwuchs, wodurch die Verunsicherung natürlich wächst.

    Das treibt Blüten! Ich höre z. B. aus Fachkreisen, dass Eltern heutzutage in der Kita schriftliche und mündliche Beschwerden einreichen, wenn ihr Kind mal eine Schramme am Knie hat. Dann stellt sich bei der Analyse des Problems heraus: Die Kinder werden ja im Kleinkind-Alter fast überallhin getragen, mit dem Auto oder im Rad-Anhänger transportiert. Logisch, dass sie dann im Kindergarten oder auf dem Ausflug auch mal hinfallen. Sie sind an das Laufen einfach nicht gewöhnt.

    Es gibt heute überregionale Kita-Träger, die den Eltern verbieten, einen selbst gebackenen Kuchen (oder Vergleichbares) zum Geburtstag mitzubringen. Früher war das nicht nur möglich, sondern sozial erwünscht [ich komme aus Dresden, wo es schon etwas länger flächendeckend Kindertagesstätten gibt ;-)].

    Aus dieser allgemeinen Verunsicherung rührt m. E. eine Sehnsucht nach dem Staat, nach kommunalen »Hilfen zur Erziehung« und allgemein nach Behütung im Übermaß. Der Staat kann seine Kompetenzen ausweiten, wie oben beschrieben. Die »Hilfen zur Erziehung« sind in jeder Großstadt ein Millionengeschäft der Sozialträger. Somit wird das Bild abgerundet: Staatliche Bevormundung verbündet sich mit einem florierenden Wirtschaftszweig – und wer außer ein paar Ketzern würde bestreiten, dass es zum Wohle Aller ist?

    • Wolfgang says:

      Die Anzeige von Verletzungen ist deshalb erforderlich, damit die Eltern nicht später für diese Schrammen verantwortlich gemacht werden.

      • stefanolix says:

        Den Eltern in solchen Fällen geht es nicht um rechtliche Folgen. Sie wollen einen höheren Grad an Behütung. Sie beschweren sich, weil die Erzieherinnen und Erzieher nicht verhindert haben, dass der kostbare Nachwuchs mal im Garten hingefallen ist.

        Wenn sich ein Kind im Kindergarten etwas getan hat, wird das sowieso zwingend protokolliert (im Unfallbuch). Somit können die Eltern wegen der Schrammen /nicht/ in Verdacht geraten.

        • Wolfgang says:

          Angesichts der Meldepflicht von Kindergärten können Eltern gar nicht vorsichtig genung sein. Sonst wird ihnen nachher die vernachlässigte Aufsichtspflicht des Kindergartens als Kindesmißhandlung vorgeworfen.

      • A.S. says:

        Kinder sollen sich gefälligst Beulen, Schrammen und blaue Flecken holen. Je früher die lernen dass es AUA gibt wenn man nicht aufpasst um so besser für die Kleinen. Wenn die ihre ersten Grenzerfahrungen nicht mit dem Dreirad am Abhang machen, sondern mit einem 180PS Auto, ist das Drama da.
        Eine der größten Kindeswohlgefährdungen ist Überbehütung.

        • @A.S.

          Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu.

          Ich will nur noch anfügen, dass die in Kindheit und Jugend erfahrene Überbehütung möglicherweise erklärt, warum einem beunruhigend viele Erwachsene begegnen, von denen man den Eindruck hat, dass sie sich nicht in der realen Welt bewegen, sondern in irgendeiner vorgestellten Welt, in der es keine Knappheiten gibt, keine Schmerzen, keine Dilemmata, keine gleichermaßen begründbaren Positionen oder jedenfalls nichts dieser Art, was man nicht durch “gute” Gesetze und Regelungen wegbekäme, – und deshalb auch kein Anlass zu Empathie, Verständnis oder schlichter Freundlichkeit dem Mitmenschen gegenüber. Falls die real existierende Welt einmal zu ihnen durchdringt, sind sie ihr hilflos ausgeliefert und wissen nichts anderes zu tun als nach dem Staat zu rufen, der alles zum Guten (für sie) regeln soll.

          Oder kurz: In Kindheit und Jugend erfahrene Überbehütung führt, glaube ich, zu Infantilismus im Erwachsenenalter.

    • Flip says:

      Lesetip zum Thema: Frank Furedi, Eltern paranoia.

  6. Hans Meyer says:

    Ich kann den Artikel aus eigener Anschauung bestätigen:
    Wir sind in den Fokus der Inquisition geraten, weil wir den
    Termin einer U-Untersuchung in Abstimmung mit dem Kinderarzt
    wegen einer Erkältung um eine Woche (!) überschritten haben.
    Umgehend erhält man Drohbriefe, in denen mit Jugendamt und Gericht gedroht
    wird.
    Da man die Zeit damit vertrödelt, stinknormale Familien zu drangsalieren,
    hat man offensichtlich keine Zeit, sich um wirkliche Fälle von Misshandlung
    und Vernachlässigung zu kümmern.

  7. Maxim says:

    Jugendamt, mache ich gerade mit… in einer Deutschen Stadt von ca 300TE. Meine Ex und der Neue, waren 6 Wochen spurlos verschwunden mit meinen Kindern… JA? nichts. Jetzt verweigert der NEUE der mit meinen Kindern nichts zu tun hat, jeglichen Umgang… hetzt die kinder gegen mich und lügt dass alles gebogen wird. Denkt stories aus, futtert meine kinder die fast 2 monate, abgestellt dem Brainwash ausgesetzt waren.. Jugendamt? Will MICH prüfen ob ich “guter Vater” bin 🙂
    Jugend amt hin oder her, Ansichten so oder so, aber EINS stimmt sicherlich: Die 99% aller Beschäftigten dort sind Frauen, (wo sind da die Feministinnen um 50-50 Diversity zu verlangen?!) und von diesen 99% sind wiederum 99% genau das was Sie hier beschreiben. Halbgebildete 3-Jare “sozialpädagogig” BLABLABLA mit einem GEFÜHL für die MACHT und angebliche “kompetenz” dass man sich nur wundern kann. Ihr Wissen, dass ihr wort masgeblich bei der Richterinnen (ja, auch 99% frauen!) ankommt und 1:1 übernommen wird, – bringt wahre Orgasmen bei ihnen… Unabhängig davon, ich bestreite nicht, dass in mancher Familie das Eingreiffen des JA etwas “schlimmeres” verhindert hat… kann sein, aber das geschiet mehr oder weniger meistens per Zufall. Auch der schlechte Schütze, wenn er 100 x schießt, wird 15 mal treffen… Oder?

  8. Manfred Michael Schwirske says:

    Jugendschutz ist nur ein Feld, in dem seit vielen Jahren die eindimensionale Perspektiven der Sicherheitsgesellschaft kultiviert wurden. Mit der Folge, dass Hysterie, Vorurteil, Verdächtigung und Denunziation unbeschränkter Raum eröffnet wird. Die zitierten Zahlen zeigen die Dimension auf. Das Missverhältnis zwischen vermeintlichem und tatsächlichen Risiko liegt etwa in der Grössenordnung 1:10 und entspricht dem der Gefährlichkeitseinschätzung in der forensischen Psychiatrie und der Sicherungsverwahrung. Währenddessen aber im Strafrecht Tatbestände und Strafen gesetzlich zu regeln sind und im Verfahren immerhin umfangreiche Schutzrechte der Beschuldigten existieren, sind solche in der Jugendhilfe nicht vorhanden oder in absurder Weise unterentwickelt. Ein Feld ungehemmter Entfaltung der Sicherheitsgesellschaft.

    • Danke für diesen die Lage gut zusammenfassenden Kommentar! Anfügen wollen würde ich nur noch ganz am Ende Ihres Kommentars:

      “Ein Feld ungehemmter Entfaltung der Sicherheitsgesellschaft”,
      die bei allen und überall für große Unsicherheit sorgt

      – wie auch einige der oben stehenden Kommentare zeigen.

      Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie die gegenteiligen Folgen von dem produziert werden, was eigentlich an Wirkungen produziert werden sollte!

  9. Ernst says:

    Man kann gar nicht oft genug auf den von Wolfgang angemerkten Aspekt hinweisen:

    Wir brauchen eine Fachaufsicht für Jugendämter jetzt!
    Das Jugendamt ist ein Staat im Staate. Dieses Amt mit soviel Macht und Zugriff in die persönlichste Sphäre der Menschen ist so organisiert, dass man dessen Entscheidungen nicht fachlich überprüfen lassen kann. Willkür und Vetternwirtschaft mit Pflegeeltern sind an der Tagesordnung. Fehlentscheidungen werden unter den Teppich gekehrt. Straffreiheit scheint für die Mitarbeiter des Jugendamtes garantiert.
    Es ist bewusst keine Fachaufsicht installiert. Und auch sonst ist das Jugendamt eine seltsame Konstruktion. In den Kommunen angebunden folgt es eng den politischen Vorgaben des “Bundesministeriums für alle außer Männern”(BMFSFJ).
    Den Beinamen “Kinderklaubehörde” hat sich das Jugendamt redlich verdient.
    Das Jugendamt hat eine grosse Aktie an der Fortpflanzungsunlust deutscher Männer.
    Daß die Verteidiger des Jugenamtes, aus welchen Gründen auch immer sie meinen, es verteidigen zu müssen, gern mit Extremfällen haussieren gehen, ändert nichts an folgender Tatsache:
    Das Jugendamt ist Teil des Problems und nicht Teil der Lösung!

    Fachaufsicht für jugendämter jetzt!

    PS: Übrigens bekommen die volle Härte des Jugendamtes nur autochthone Deutsche zu spüren. Selbstverständlich aus antirassistischen Gründen.
    PPS: Es gibt in jeder Stadt eine Hotline zum Jugendamt, über die jederman anonym Kindesmisshandlungen anzeigen kann. Das war eine politische Intiative der damaligen Bundesfrauenminsterin vdLeyen.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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