Umfrage zu Bundestagsparteien: Miserable Politik – miserables Personal

Das ideologische Band zwischen vielen Wählern und den im Bundestag vertreten Parteien ist gerissen. Dieses Ergebnis haben wir Anfang Februar auf Grundlage einer Befragung, die wir durchgeführt haben, berichtet. Damals konnten wir eine erhebliche ideologische Entfremdung zwischen etablierten Parteien und Bürgern aufzeigen, die darauf zurückzuführen ist, dass die im Bundestag vertretenen Parteien von den meisten befragten Bürgern als weiter links wahrgenommen werden, als sich die entsprechenden Bürger selbst im ideologischen Spektrum verorten.

Heute berichten wir von einem weiteren dramatischen Ergebnis, das die Qualität der Dienstleistungen und des politischen Personals der im Bundestag vertretenen Parteien zum Gegenstand hat.

In einer unserer Befragungen haben wir die Befragten gebeten, anzugeben, in wie weit die folgenden Aussagen auf CDU/CSU, SPD, Bündnis90/Grüne und LINKE bzw. ihre Politiker zutreffen:

  • … hält Wahlversprechen;
  • … widmet sich drängenden Problemen;
  •  … nimmt den Willen der Bürger ernst;
  •  … reagiert auf Wünsche der Bürger;
  •  … geht auf Anfragen der Bürger ein;
  •  … hat Politiker, die mit Bürgern empathisch sind;
  •  … hat sympathische Politiker;
  •  … hat kenntnisreiche Politiker;

Die entsprechenden Aussagen dienen uns dazu, die Qualität der Dienstleistung durch Parteien und die Qualität des politischen Personals der entsprechenden Dienstleister einzuschätzen. Die Befragten hatten die Möglichkeit, die Qualität der entsprechenden Dienstleistungen der Parteien sowie ihres Personals entlang der oben genannten Aussagen wie folgt einzuschätzen: “trifft voll und ganz zu”, “trifft eher zu”, “trifft eher nicht zu”, “trifft überhaupt nicht zu”.

Wir haben auf der Grundlage aller oben genannten Aussagen zwei Indices gebildet, von denen einer die Einschätzung der Dienstleistung, einer die Einschätzung des Personals einer Partei abbildet. Die folgende Abbildung stellt das Ergebnis auf Grundlage der Angaben von 1.574 Befragten dar.

SN_PARTYQUAL

Man kann nicht unbedingt sagen, dass unsere Befragten mit den im Bundestag vertretenen Parteien, ihren Leistungen und der Qualität ihres Personals zufrieden sind:

Keine der im Bundestag vertretenen Parteien erhält eine positive Bewertung. Sowohl die Dienstleistung, die die im Bundestag vertretenen Parteien erbringen als auch das politische Personal werden als schlecht, um nicht zu sagen: miserabel eingeschätzt. Angesichts einer Skala, die einen Wertebereich von 1 “gut” bis 4 “schlecht” hat, ist das Ergebnis, nach dem sich alle Mittelwerte, die in der Abbildung dargestellt sind, deutlich jenseits der Mitte der Skala, die beim Wert 2,5 liegt, befinden, nicht anders bewertbar als sowohl vernichtendes Zeugnis der Einschätzung der Qualität der von Parteien erbrachten Dienstleistungen als auch eine vernichtende Einschätzung der Qualität des politischen Personals der Parteien. (Wie einheitlich die vernichtende Beurteilung der Serviceleistung durch Parteien ist, zeigt sich auch daran, dass die Standardabweichung in allen Fällen kleiner als 1 ist, d.h. die Befragten sind sich in ihrer schlechten Einschätzung der Parteien weitgehend, mit kleinen Nuancen, einig.)

Dabei schneiden Bündnis90/Grüne und SPD besonders schlecht auf beiden Dimensionen der Qualität der politischen Dienstleistung ab, wobei das Personal der Grünen mit dem einvernehmlichen Ungütesiegel “miserabel” versehen wird, während die politischen Dienstleistungen der SPD allgemein als die schlechtesten der im Bundestag vertretenen Parteien eingeschätzt werden. Zur Erinnerung, die politischen Dienstleistungen rekurrieren darauf, ob Parteien Wahlversprechen halten, sich drängenden Problemen widmen, die Wünsche der Bürger aufnehmen und deren Willen respektieren, während das politische Personal im Hinblick auf Sympathie, Kenntnisse und Empathie eingeschätzt werden sollte.

Dementsprechend kann man feststellen, dass die SPD aus Sicht der Befragten Spitze ist, wenn es darum geht, Wahlversprechen zu brechen und sich ansonsten selbstherrlich aufzuführen, während Bündnis90/Grüne die unsympathischsten, kenntnislosesten und unempathischsten Politiker vorzuweisen hat – in der Einschätzung unserer Befragten.

Interessanterweise schätzen die Wähler von Bündnis90/Grüne sowohl die politischen Serviceleistungen ihrer Partei als auch deren Personal noch schlechter ein als in der Abbildung oben dargestellt. Kaum jemand, so kann man wohl feststellen, hält die Politiker von Bündnis90/Grüne für sympathisch, kaum jemand attestiert ihnen Kenntnisse oder Empathie. Wohlgemerkt, die Politiker von Bündnis90/Grüne sind Spitzenreiter auf dem, was man wohl die Unfähigkeitsskala politischen Personals nennen muss, denn sympathisches Auftreten, Empathie mit den Interessen der Wähler und Kenntnisse, also Kompetenz, sind die Grundlagen, auf denen erst demokratische Politik möglich wird. Bei Bündnis90/Grüne sehen nicht einmal die eigenen Wähler diese Grundlagen. Im Kern trifft dies auf das Personal aller Parteien zu, wobei CDU/CSU und vor allem die LINKE am wenigsten schlecht beurteilt werden.

Insgesamt muss man nach diesen neuerlichen Ergebnissen einmal mehr konstatieren, dass das Berliner Parteiensystem in einer tiefen Krise steckt: Die im Bundestag vertretenen Parteien werden als verlogen und selbstherrlich wahrgenommen, ihr Personal als weitgehend unfähig und unsympathisch.

Bleibt nur die Frage, warum gehen die Deutschen dennoch zur Wahlurne?

Wer sich für unsere Indices der Qualität der Serviceleistung von Parteien bzw. der Qualität des politischen Personals interessiert, sie in einer eigenen Befragung verwenden will, den bitten wir, sich mit uns in Verbindung zu setzen, da wir auf Fragen und Indices ein Copyright erheben.

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