Haters gonna hate und Spinners gonna spin

Beim Gunda-Werner-Institut, dem Feminismus- und Geschlechter-Ableger der Heinrich-Böll-Stiftung hat die Technik Einzug gehalten. Scheinbar gibt es einen Praktikanten, der von HTML und Java-Script ein wenig versteht und deshalb gibt es bei der Stiftung eine Online-Umfrage, eine Online-Umfrage zum Thema „Hasskommentare“.

Welch‘ anderes Thema als „Hasskommentare“ könnte man bei der Gunda-Werner-Stiftung schon bearbeiten wollen?

Schnell hill esserWo früher Studenten in Methodenvorlesungen geschwitzt und versucht haben, die Kunst der empirischen Sozialforschung zu erlernen, da denkt heute jeder dahergelaufene Hempel, er könne selbst eine Umfrage machen, eben einmal drauflos fragen, so wie beim Gunda-Werner-Institut, bei dem man die Umfrage zu Hasskommentaren offensichtlich benötigt, um das zu bestätigen, was die Gundas sowieso schon wissen:

“Hasskommentare sind in Deutschland ein Tatbestand des Strafrechts, auch im Internet. Trotzdem werden sie kaum geahndet. Allzu oft antworten Polizei oder Staatsanwaltschaft auf Anzeigen mit „Täter*innen nicht ermittelbar“. Betroffen sind diejenigen, die ohnehin Diskriminierungserfahrungen machen: Frauen* und/oder rassifizierte Menschen, Menschen mit Behinderung, jüdische Menschen, LGBTIQ…“

Das ist der erste Absatz auf der Umfrage-Seite der Gundas. Der Absatz erweckt den Eindruck, dass längst bekannt sei, wer Opfer und Täter von Hasskommentaren sind, wie viele davon es gibt, was Hasskommentare überhaupt sein sollen usw. Drei Absätze weiter sind die Gundas dann plötzlich auf dem Boden der Realität, sie, die eben noch genau wussten, dass es „Frauen* und/oder rassifizierte Menschen, Menschen mit Behinderung, jüdische Menschen, LGBTIQ…“ sind, die Opfer von Hasskommentaren werden, sie schreiben nun in einem beispiellosen Akt des Selbst-Widerspruchs innerhalb von zwei Absätzen:

“Bislang mangelt es an verlässlichen Daten zu Täter*innenprofil, den betroffenen Diskussionsteilnehmer*innen und den Auswirkungen auf das Verhalten im Netz.“

Es gibt eben Dumme und die Gundas. Die Gundas, die wissen alles über etwas, von dem sie selbst sagen, dass sie nichts davon wissen. Besser kann man die eigene Beschränktheit eigentlich nicht auf den Punkt bringen. Aber weil das noch nicht reicht, demonstrieren die Dilettanten in empirischer Sozialforschung gleich noch mit einer einzigen Abbildung, dass sie zu den absoluten Ahnungslosen auf dem Gebiet der empirischen Sozialforschung gehören.

Gunda spins

Die Abbildung ist vollkommen wertlos, denn es fehlt jede Angabe zur Grundgesamtheit. Ohne diese Angabe machen Prozentangaben aber keinen Sinn. Besonders lustig ist die Überschrift „repräsentative Ergebnisse“. Wir halten zwar nicht viel von Repräsentativität, aber diejenigen, die sich seit Jahren bemühen, mit Auswahlverfahren, Gewichtungsverfahren und allerlei mathematischen Verrenkungen sicherzustellen, dass die Befragten, die sie zusammen bekommen haben, repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein sollen, nicht einmal sie haben verdient, dass die Gundas auf ihrem Zug Trittbrett fahren, die Gundas, die denken, man macht eine Umfrage, sammelt die Antworten, prozentuiert und schreibt „repräsentatives Ergebnis“ darüber.

Und natürlich, daran haben wir keinen Zweifel, wird es eine ganze Reihe von Journalisten, die so ungefähr dasselbe intellektuelle Niveau erreicht haben, wie die Gundas, geben, die die Ergebnisse für bare Münze, für repräsentative bare Münze nehmen.

Schuster, bleib‘ bei Deinen Leisten, können wir nur sagen und die Gundas zurückschicken, zu dem, was sie können. Was war das noch einmal? Kochen? Nein, kochen war es wahrscheinlich auch nicht?

Niedergang der SPD: Je mehr weibliche Mitglieder desto weniger Wähler

Aggregatdatenanalysen führen in der empirischen Sozialforschung nach wie vor ein Schattendasein. Zusammenhänge zwischen z.B. dem Anteil an Zweitstimmen einer Partei und der Arbeitslosenquote auf Grundlage von Wahlkreisen abzubilden, ist nicht nach dem Geschmack der meisten Sozialforscher. Derzeit regiert in der Sozialforschung ohnehin die qualitative Sozialforschung, die in weiten Teilen als nettes Kaffeekränzchen praktiziert wird, in dessen Verlauf einer, der Forscher sein will, Fragen stellt, und einer, der Befragter spielt, antwortet. Beide eint eine weitgehende Ahnungslosigkeit: Der Befragte weiß nicht, wozu das, was er als Schwank aus seinem Leben erzählt, nützlich sein soll, der Befrager weiß nicht, was er mit den vielen Sätzen, die später viele Seiten seines qualitativen Interviews füllen werden, anfangen soll. Programme wie MAXQDA, die den Kampf mit der qualitativen Daten(un)menge erleichtern sollen, sind zwar im Handel erhältlich, führen jedoch, ob der Aversion mancher qualitativer Sozialforscherinnen gegen alles, was nach Berechnung und Zahl aussieht, eher ein Schattendasein. Abgesehen davon drohen systematische Verfahren wie die qualitative Inhaltsanalyse oder die Grounded Theory qualitative Vorgehensweisen nachvollziehbar zu machen und das ist eine Drohung, mit der vor allem die Fraktion der Genderstudierten mit ihrer wie-mir-die-Welt-vorkommt-pseudo-Forschung nicht leben kann.

Falter Wahlen WeimarDoch zurück zu Aggregatdatenanalysen. Jürgen Falter hat vor etlichen Jahren den Wert der Aggregatdatenanalyse am Beispiel der Wahlergebnisse der Weimarer Republik dokumentiert. Auf Grundlage von Wahlkreisen in der Weimarer Republik ist es ihm nicht nur gelungen nachzuweisen, dass es in manchen Wahlkreisen starke Wählerwanderungen von der KPD zur NSDAP gab, sondern auch zu zeigen, dass das einzige Wählermilieu, das gegen die Nazis resistent war, das katholische Milieu der Zentrumspartei war. Die sehr guten und ausgefeilten ökologischen Regressionsanalysen, die Jürgen Falter gerechnet hat, seien jedem Studenten, der sich mit Aggregatdatenanalyse befasst, ans Herz gelegt. Man kann anhand der Analysen nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Grenzen der Aggregatdatenanalyse sehen.

So ist es nicht möglich, individuelles Verhalten auf der Basis von Aggregatdatenanalysen zu erschließen. Darüber hinaus verbindet sich mit der Aggregatdatenanalyse das Problem, dass man immer mehr oder weniger sinnvolle oder sinnlose Zusammenhänge nachweisen kann, ein Phänomen, das man auf der Webseite von Tyler Vigen, die nicht von ungefähr mit „spurious correlations“ überschrieben ist, entsprechend nachvollziehen kann.

Indes ist das Problem, das sich mit willkürlich postulierten Zusammenhängen, wie z.B. dem zwischen Geschlecht und Verdienst, verbindet, eines, das sich nicht nur für die Aggregatdatenanalyse stellt. Schon 1990 auf der Höhe des Faktorenanalysenhypes, mit dem Datenfuzzies aller Universitäten ihren Individualdaten zu Leibe gerückt sind und mit zum Teil haarsträubenden Ergebnissen aufwarteten, haben Willem Saris und Harm Hartmann darauf hingewiesen, dass die entsprechende Vorgehensweise willkürlich ist.

Als Crux aus all den Diskussionen über die Willkür, die häufig hinter postulierten Zusammenhängen steckt, wurde eine Methodologie entwickelt, die heute in den Sozialwissenschaften anscheinend oder zumindest in bestimmten Kreisen in Vergessenheit geraten ist (sofern sie dort je bekannt war). Es ist dies eine Methodologie, die die rigide Prüfung von Annahmen, die vor der Feldforschung gemacht werden müssen und aus Theorien abgeleitet werden sollen, vorsieht. Erst wenn sich die Annahmen an empirischen Daten bestätigt haben, kann von einem sinnvollen Zusammenhang ausgegangen werden. D.h. eine Korrelation auf Aggregat- oder auf Individualebene kann nur dann als nicht willkürlich zustande gekommen gewertet werden, wenn sie durch einen Korpus theoretischer Aussagen und Hypothesen, die wiederum auf bislang bestätigten Theorien basieren, abgesichert ist.

Etwa so:

In der Politikwissenschaft gibt es eine Reihe von Theorien, die erklären, warum eine Partei ein bestimmtes Wahlergebnis erreicht, eine bestimmte Wählerschaft anspricht. Eine dieser Theorien postuliert einen Zusammenhang zwischen der Responsivität einer Partei und dem Wahlergebnis: Je mehr Wähler den Eindruck haben, eine Partei vertrete ihre Interessen, desto mehr Wähler werden diese Partei wählen. Eine andere Theorie geht davon aus, dass Wähler nicht die Zeit haben, sich intensiv mit den Inhalten, die eine Partei propagiert, auseinanderzusetzen. Folglich wählen sie die Partei, von der sie den Eindruck haben, dass sie ihnen ideologisch am nächsten ist. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Theorien, die z.B. einen Zusammenhang zwischen der Sozialstruktur und der Wahl einer Partei postulieren,. Diese Theorien wollen wir hier jedoch nicht weiter berücksichtigen.

Die SPD ist einst als eine Arbeiterpartei gestartet, jedenfalls erzählt uns das die Parteienfolklore und tatsächlich wurde die SPD häufig von Arbeitern gewählt, manchmal auch von einer Mehrzahl der Arbeiter, wobei Angestellte als Wähler für die SPD immer wichtiger geworden sind. Die SPD versucht, das Arbeiterimage gemeinsam mit den Gewerkschaften aufrecht zu erhalten und sich als Partei der „kleinen Leute“, wie dies Sigmar Gabriel unlängst wieder formuliert hat, zu profilieren. Gleichzeitig vertritt die SPD ideologische Inhalte, die für Arbeiter und Angestellte von keinerlei Interesse sind. Die Mehrzahl der Arbeiter und Angestellten interessiert sich weder dafür, ob irgendwelche Frauen aus der Mittelschicht in Vorstände quotiert werden noch dafür, ob die SPD sich zum Kämpfer gegen Hasskommentare aufschwingt, noch dafür, ob die SPD für nicht-heterosexuelle Menschen Lobbyist spielt, noch dafür, dass die SPD ihr Herz für Flüchtlinge entdeckt hat. Die meisten Arbeiter und Angestellten sind mit den täglichen Problemen des Lebens konfrontiert: Der immer geringer gedeckten Altersvorsorge, der Höhe der Zinsen bei Banken, der Frage, ob man sicher durch seine Nachbarschaft gehen kann, ob sich die Leistung im Unternehmen lohnt oder ob man, gerade als Arbeiter Angst haben muss, zu verarmen, weil vom Lohn ein großer Batzen vom Stadt vorab gepfändet und als Steuer oder Abgabe deklariert wird. Zu all diese Fragen der praktischen Lebensführung normaler Menschen hat die SPD keinerlei Antworten mehr. Sie ist zur Partei der LSBTG oder war es LSTIB, was auch immer geworden, die für die Gleichstellung zumeist „der Frau“ kämpft und eine eingebildete 22% Lohnlücke beklagt.

Diese Politik hat zwei Konsequenzen: Stammwähler und Menschen mit normalen Problemen drehen der SPD zunehmend den Rücken zu. Bestimmte Frauen und LSBTI treten der SPD, die sie zunehmend als ihre Lobbygruppe begreifen, bei und versuchen über die SPD an die Steuertöpfe der Gesellschaft zu gelangen.

Wenn diese Annahmen stimmen, dann wird man als Konsequenz ein Ansteigen des Anteils weiblicher und LSBTI-Mitglieder in der SPD sehen, denn die SPD ist für sie attraktiv um, dort ihr finanzielles Glück zu machen. Gleichzeitig wird der Anteil derjenigen Wähler, die sich mit den Inhalten, für die die SPD steht, identifizieren können, die der Ansicht sind, die SPD sei responsiv für ihre Probleme und die Sorgen, die ihr tägliches Leben prägen, zurückgehen, denn die SPD ist in ihrer Wahrnehmung immer weniger eine Partei, die sich für normale Dinge interessiert, wie sie in einem normalen Leben vorkommen. Entsprechend wird der Anteil der Wähler der SPD zurückgehen.

SPD BTW Mitglieder

Wir haben diese beiden Hypothesen für den Anteil weiblicher Mitglieder und die Ergebnisse der SPD bei Bundestagswahlen seit 1949 geprüft und siehe da, beide Hypothesen können bestätigt werden. Aufgrund der oben beschriebenen Themenverlagerung wird die SPD für Frauen, die danach streben, ihr Geld mit dem Kämpfen für Frauenrechte und nicht mit Arbeit zu verdienen, immer attraktiver: Der Frauenanteil unter den Mitgliedern der SPD ist von 15,4% im Jahr 1946 auf 31,8% im Jahr 2014 angestiegen. Gleichzeitig ist die SPD in ihrer Attraktivität für Wähler vor allem seit 1998 immer weiter gesunken, wobei der Tiefpunkt noch nicht in Sicht ist. Zwischen beidem, der Zunahme des Anteils weiblicher Mitglieder und dem Sinken der Anteile der SPD bei Bundestagswahlen besteht ein starker Zusammenhang (r = .45). Anders formuliert: Einer jährlichen Zunahme des Anteils weiblicher Mitglieder in der SPD um 0,98% geht mit einem Rückgang des Anteils bei Bundestagswahlen von jährlich 0,41% einher. Der Niedergang der SPD er wäre entsprechend das Ergebnis der Zunahme des Anteils weiblicher Mitglieder mit einer Agenda der Nutznießung.

 

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Umfrage: Mehrheit der Deutschen will EU loswerden

Nicht nur die Holländer sagen „Nein“ wenn es darum geht, die Europäische Union und ihre Abkommen, Verträge und Tätigkeiten zu legitimieren, auch in Deutschland wächst die Anzahl derer, die Nein sagen, und hat schon ein beträchtliches Ausmaß erreicht. An unserer neuesten, derzeit noch laufenden Befragung haben bislang mehr als 1.500 Personen teilgenommen, die im Folgenden präsentierten Zwischenergebnisse basieren auf den Angaben von 1.453 Befragten.

Geht es um die EU, dann muss man feststellen, dass die Euphorie, mit der die Europäische Einigung einst betrachtet wurde, einer tiefen Skepsis und Ablehnung gewichen ist. Offensichtlich hat der bürokratische Moloch, der sich von Brüssel aus über die Mitgliedsstaaten ergießt, Zustimmung und Euphorie weigehend erstickt.

Ursprünglich war die EU ein Wirtschaftsbündnis und alle, die daran teilhatten, sie waren der Ansicht, dass der gemeinsame Markt den teilnehmenden Ländern einen wirtschaftlichen Vorteil bringt. Seit der gemeinsame Markt vor allem darin besteht, dass die EZB die Sparkonten der Europäer plündert und einen monumentalen Schuldenmarkt betreibt, auf dem Staatsobligationen, die private Investoren nicht kaufen wollen, verschoben werden, hat sich der Optimismus in einen Pessimismus verwandelt.

EU legitimation 1.jpg

Gut 57% der 1.453 Befragten stimmen der Aussage „Den Bürgern Deutschlands ginge es wirtschaftlich besser, wenn Deutschland aus der EU austreten würde“ voll und ganz zu, weiter 25,3% stimmen der Aussage eher zu. Die Zweifel daran, dass sich eine Mitgliedschaft in der EU vorteilhaft auf die deutsche Wirtschaft auswirkt, sie haben somit 2/3 der Gesellschaft erreicht.

Gleiches gilt für die Frage der Souveränität, wenngleich in etwas abgeschwächter Form. Unter Politikwissenschaftlern, die sich mit der EU und Deutschlands Zugehörigkeit zur EU befassen, steht fest, dass Deutschland auch deshalb ein Motor der Europäischen Einigung war, weil es einerseits nach dem Zweiten Weltkrieg darum ging, die Zulassung zur Staatengemeinschaft wieder zu erlangen und andererseits darum, die Souveränität des zunächst besetzten Landes wiederzugewinnen. Die EWU, EG und dann EU haben sich angeboten, eventuell bestehende Zweifel daran, ob es eine gute Idee ist, Deutschland wieder als souveränen Staat auf dem Kontinent zuzulassen, zu zerstreuen. Ursprünglich war die EU also der Souveränität Deutschlands förderlich.

Das ist heute nicht mehr so, jedenfalls sind 47,4% der 1.453 Befragten dieser Ansicht. Sie stimmen der Aussage zu, dass Deutschland kein souveräner Staat ist, solange es in der EU bleibt. Weitere 26,4 % stimmen dieser Aussage eher zu.

Bis hier kann man bereits feststellen, dass die EU ein erhebliches Legitimationsproblem hat. Das ist nicht neu, denn die 1980er und 1990er Jahre haben eine Fülle wissenschaftlicher Literatur zum Thema „demokratisches Defizit“ produziert, Literatur, in der meist Politikwissenschaftler darauf hingewiesen haben, dass der Umfang der Rechte und Eingriffsmöglichkeiten in das tägliche Leben der Europäer, den sich die EU-Kommission und die anderen EU-Institutionen zwischenzeitlich verschafft haben, in keinerlei Verhältnis zur Legitimation der entsprechenden Institutionen steht, denn eine solche Legitimation liegt schlicht nicht vor. Weder die Entscheideungen der Europäische Kommission noch die des Ministerrats sind demokratisch dafür legitimiert. Und dass viele Bürger nicht mit dem einverstanden sind, was in ihrem Namen in Brüssel entschieden wird, das zeigt das Nein der Holländern zum EU-Abkommen mit der Ukraine bzw. das zeigt sich häufig dann, wenn die Europäer tatsächlich zu Politiken der EU befragt werden.

Auch die Befragten, die bislang an unserer Befragung teilgenommen haben, sind der Ansicht, dass das, was aus Brüssel an Richtlinien und Regelungen kommt und in das tägliche Leben der Bürger eingreift, Entscheidungen sind, die von einer Polit-Oligarchie ohne Legitimation getroffen werden.

EU Legitimation 2.jpg

76,6% der 1.453 Befragten sind der Ansicht, die Aussage, „Die EU ist demokratisch legitimiert“ treffe überhaupt nicht zu, weitere 18,9% sind der Ansicht, die Aussage treffe eher nicht zu. Kaum einer der Befragten ist der Ansicht, dass die EU über eine demokratische Legitimation verfügt. Deutlicher kann man die Entfremdung zwischen einem angeblich demokratischen System und seinen Bürgern nicht mehr zum Ausdruck bringen.

Als Konsequenz, die aus der fehlenden Legitimation und der Ansicht, weder Souveränität noch wirtschaftlicher Nutzen sei aus einer EU-Mitgliedschaft zu gewinnen, folgt, sind die meisten Befragten der Ansicht, Deutschland solle nicht nur die Eurozone, sondern auch die EU verlassen.

EU Legitimation 3

Rund 70% der 1.453 Befragten stimmen der Aussage „Deutschland soll aus der Eurozone austreten und die D-Mark wieder einführen“ voll und ganz zu, 66,7% der Aussage, „Deutschland soll aus der EU austreten“. Das sind eindeutige Voten, die noch dadurch ergänzt werden, dass 18,3% bzw. 17,8% den beiden Aussagen „eher zustimmen“. Gut 4/5 der Deutschen stehen demnach einem Verlassen der EU bzw. der Eurozone positiv gegenüber und erwarten von einem solchen nicht nur einen Zugewinn an Souveränität, sondern vor allem eine Zugewinn an Wohlstand.

Somit muss man feststellen, dass die Deutschen EU-müde sind. Das Projekt „Europäische Union“, es ist rund 59 Jahre nach den Römischen Verträgen an einem Punkt angekommen, an dem sich die Frage stellt, wie die Regierenden weiter verfahren wollen: Wollen Sie in Opposition zu ihrer eigenen Bevölkerung verbleiben und die EU als Projekt der politischen Klasse gegen die Mehrheit der Bevölkerung weiter betreiben oder wollen sie die EU reformieren, die Bürokratie der EU und den Haushalt der EU zusammenstreichen und das Projekt in kleinerer Variante neu starten?

Wie auch immer die Antwort auf diese Frage ausfallen wird, über eines sind sich unsere Befragten sicher: die Bürger in Deutschland werden nicht gefragt werden: 76,2% der 1.453 Befragten halten es für sehr unwahrscheinlich, 17,8% für unwahrscheinlich, dass es in „Deutschland jemals eine Abstimmung über den Verbleib in der EU geben wird“.

Wer sich noch an der laufenden Befragung beteiligen will, die dem Thema Legitimation und Legitimität gewidmet ist, der kann dies über diesen Link tun.

 

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Systematischer Zufall vor drei Landtagswahlen

Meinungsforschungsinstitute haben immer eine Überraschung parat. Forsa, das innovativste, wenn es darum geht, Reliabilität und Validität vorzuspiegeln, hat nun den systematischen Zufall erfunden:

„Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 1.001, nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte … Bürger … befragt. Die Erhebung wurde vom 2. bis 8. März 2016 mithilfe computergestützter Telefoninterviews durchgeführt.“

Was könnte wohl ein systematisches Zufallsverfahren sein?

Zufall bei der Auswahl von Befragten, also im Kontext von Meinungsforschung, ist eindeutig definiert:

Diekmann Sozialforschung„Zufallsstichproben (random samples) erhalten wir als Ergebnis einer Wahrscheinlichkeitsauswahl. … Eine Wahrscheinlichkeitsauswahl liegt vor, wenn folgende Bedingung gegeben ist: Jedes Element der Grundgesamtheit hat eine von null verschiedene, angebbare Wahrscheinlichkeit, in der Stichprobe berücksichtigt zu werden“ (Diekmann, 2004: 330).

Wie kann man nun systematisch zufällig auswählen und dennoch sicherstellen, dass jedes Element der Grundgesamtheit die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, sich in der Auswahl zu befinden?

Gar nicht.

Die Bezeichnung ist vollkommener Unsinn.

Oder ist es kein Unsinn? Ist es der verschlüsselte Hinweis auf die Manipulation von Ergebnissen durch Forsa, denn wenn systematisch ausgewählt wird, also bestimmte Elemente der Grundgesamtheit, z.B. SPD-Wähler oder Grüne-Wähler eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, in der Stichprobe zu landen als CDU- oder AfD-Wähler, dann stellt dies eine Manipulation der Daten dar.

Wie kann man eine entsprechende Manipulation bewerkstelligen?

Indem man zufällig auswählt und z.B. jeden fünften Befragten, der eine Wahlabsicht für die CDU oder die AfD bekundet, aus der Stichprobe entfernt, während alle Befragten, die eine Wahlabsicht für Grüne, SPD oder LINKE angeben, in die Stichprobe aufgenommen werden. Das wäre dann wohl systematisch die zufällige Auswahl aushebeln und Wunschergebnisse produzieren.

Ansonsten macht der Begriff „systematisches Zufallsverfahren“ keinerlei Sinn, und da wir davon ausgehen, dass gerade in Pressemitteilungen die Worte mit Bedacht gewählt werden, muss man wohl von einer systematischen Verzerrung der Zufallsauswahl durch einen entsprechenden Eingriff ausgehen, wie wir ihn gerade dargestellt haben.

Ungeachtet dessen spielen wir heute einmal wieder unser beliebtes Spiel: Wie viele Befragte verstecken sich hinter einem Prozentwert?

Die Ergebnisse der FORSA-Umfrage für RTL, RTL kann man wirklich alles andrehen, haben wir in der folgenden Tabelle aufgelöst.

Landtagswahl Partei Anteil entspricht … Befragten
Baden-Württemberg CDU 27% 197
Rheinland-Pfalz CDU 35% 249
Sachsen-Anhalt CDU 30% 204
Baden-Württemberg SPD 16% 117
Rheinland-Pfalz SPD 35% 249
Sachsen-Anhalt SPD 17% 116
Baden-Württemberg Grüne 32% 234
Rheinland-Pfalz Grüne 6% 43
Sachsen-Anhalt Grüne 5% 34
Baden-Württemberg LINKE 3% 22
Rheinland-Pfalz LINKE 4% 28
Sachsen-Anhalt LINKE 20% 136
Baden-Württemberg AfD 11% 80
Rheinland-Pfalz AfD 9% 64
Sachsen-Anhalt AfD 18% 122
Baden-Württemberg FDP 7% 51
Rheinland-Pfalz FDP 6% 43
Sachsen-Anhalt FDP 5% 34
Erläuterung zur Tabelle: In Baden-Württemberg haben 730 Befragte angegeben, wählen gehn zu wollen, in Rheinland-Pfalz waren es 710 Befragte und in Sachsen-Anhalt 680.

Es ist schon ernüchternd, wenn man sieht, wie wenige Befragte sich hinter den Prozentwerten, die als repräsentatives Ergebnis, als systematisch zufälliges, repräsentatives Ergebnis, als „große repräsentative Wahlumfrage“ für Gesamt Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt verkauft werden sollen, verstecken, nein versteckt werden.

Vor diesem Hintergrund wird es uns eine Freude sein, das tatsächliche Ergebnis mit dem Forsa Ergebnis zu vergleichen und die Frage zu erörtern, ob die Parteien, die auf 5% gerundet wurden, damit es so aussieht, als wären sie im Parlament vertreten, auch tatsächlich die Fünf-Prozent-Hürde genommen haben.

Nachtrag:

Weil es damit wohl einige Probleme gibt: Forsa hat in jedem der Bundesländer eine Umfrage durchgeführt. Dabei wurden jeweils rund 1.000 Befragte interviewt. In Baden-Württemberg haben 730 davon gesagt, dass sie am Sonntag wählen werden, in Rheinland-Pfalz 710 und in Sachsen-Anhalt 680.

 

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Umfrage zu Bundestagsparteien: Miserable Politik – miserables Personal

Das ideologische Band zwischen vielen Wählern und den im Bundestag vertreten Parteien ist gerissen. Dieses Ergebnis haben wir Anfang Februar auf Grundlage einer Befragung, die wir durchgeführt haben, berichtet. Damals konnten wir eine erhebliche ideologische Entfremdung zwischen etablierten Parteien und Bürgern aufzeigen, die darauf zurückzuführen ist, dass die im Bundestag vertretenen Parteien von den meisten befragten Bürgern als weiter links wahrgenommen werden, als sich die entsprechenden Bürger selbst im ideologischen Spektrum verorten.

Heute berichten wir von einem weiteren dramatischen Ergebnis, das die Qualität der Dienstleistungen und des politischen Personals der im Bundestag vertretenen Parteien zum Gegenstand hat.

In einer unserer Befragungen haben wir die Befragten gebeten, anzugeben, in wie weit die folgenden Aussagen auf CDU/CSU, SPD, Bündnis90/Grüne und LINKE bzw. ihre Politiker zutreffen:

  • … hält Wahlversprechen;
  • … widmet sich drängenden Problemen;
  •  … nimmt den Willen der Bürger ernst;
  •  … reagiert auf Wünsche der Bürger;
  •  … geht auf Anfragen der Bürger ein;
  •  … hat Politiker, die mit Bürgern empathisch sind;
  •  … hat sympathische Politiker;
  •  … hat kenntnisreiche Politiker;

Die entsprechenden Aussagen dienen uns dazu, die Qualität der Dienstleistung durch Parteien und die Qualität des politischen Personals der entsprechenden Dienstleister einzuschätzen. Die Befragten hatten die Möglichkeit, die Qualität der entsprechenden Dienstleistungen der Parteien sowie ihres Personals entlang der oben genannten Aussagen wie folgt einzuschätzen: „trifft voll und ganz zu“, „trifft eher zu“, „trifft eher nicht zu“, „trifft überhaupt nicht zu“.

Wir haben auf der Grundlage aller oben genannten Aussagen zwei Indices gebildet, von denen einer die Einschätzung der Dienstleistung, einer die Einschätzung des Personals einer Partei abbildet. Die folgende Abbildung stellt das Ergebnis auf Grundlage der Angaben von 1.574 Befragten dar.

SN_PARTYQUAL

Man kann nicht unbedingt sagen, dass unsere Befragten mit den im Bundestag vertretenen Parteien, ihren Leistungen und der Qualität ihres Personals zufrieden sind:

Keine der im Bundestag vertretenen Parteien erhält eine positive Bewertung. Sowohl die Dienstleistung, die die im Bundestag vertretenen Parteien erbringen als auch das politische Personal werden als schlecht, um nicht zu sagen: miserabel eingeschätzt. Angesichts einer Skala, die einen Wertebereich von 1 „gut“ bis 4 „schlecht“ hat, ist das Ergebnis, nach dem sich alle Mittelwerte, die in der Abbildung dargestellt sind, deutlich jenseits der Mitte der Skala, die beim Wert 2,5 liegt, befinden, nicht anders bewertbar als sowohl vernichtendes Zeugnis der Einschätzung der Qualität der von Parteien erbrachten Dienstleistungen als auch eine vernichtende Einschätzung der Qualität des politischen Personals der Parteien. (Wie einheitlich die vernichtende Beurteilung der Serviceleistung durch Parteien ist, zeigt sich auch daran, dass die Standardabweichung in allen Fällen kleiner als 1 ist, d.h. die Befragten sind sich in ihrer schlechten Einschätzung der Parteien weitgehend, mit kleinen Nuancen, einig.)

Dabei schneiden Bündnis90/Grüne und SPD besonders schlecht auf beiden Dimensionen der Qualität der politischen Dienstleistung ab, wobei das Personal der Grünen mit dem einvernehmlichen Ungütesiegel „miserabel“ versehen wird, während die politischen Dienstleistungen der SPD allgemein als die schlechtesten der im Bundestag vertretenen Parteien eingeschätzt werden. Zur Erinnerung, die politischen Dienstleistungen rekurrieren darauf, ob Parteien Wahlversprechen halten, sich drängenden Problemen widmen, die Wünsche der Bürger aufnehmen und deren Willen respektieren, während das politische Personal im Hinblick auf Sympathie, Kenntnisse und Empathie eingeschätzt werden sollte.

Dementsprechend kann man feststellen, dass die SPD aus Sicht der Befragten Spitze ist, wenn es darum geht, Wahlversprechen zu brechen und sich ansonsten selbstherrlich aufzuführen, während Bündnis90/Grüne die unsympathischsten, kenntnislosesten und unempathischsten Politiker vorzuweisen hat – in der Einschätzung unserer Befragten.

Interessanterweise schätzen die Wähler von Bündnis90/Grüne sowohl die politischen Serviceleistungen ihrer Partei als auch deren Personal noch schlechter ein als in der Abbildung oben dargestellt. Kaum jemand, so kann man wohl feststellen, hält die Politiker von Bündnis90/Grüne für sympathisch, kaum jemand attestiert ihnen Kenntnisse oder Empathie. Wohlgemerkt, die Politiker von Bündnis90/Grüne sind Spitzenreiter auf dem, was man wohl die Unfähigkeitsskala politischen Personals nennen muss, denn sympathisches Auftreten, Empathie mit den Interessen der Wähler und Kenntnisse, also Kompetenz, sind die Grundlagen, auf denen erst demokratische Politik möglich wird. Bei Bündnis90/Grüne sehen nicht einmal die eigenen Wähler diese Grundlagen. Im Kern trifft dies auf das Personal aller Parteien zu, wobei CDU/CSU und vor allem die LINKE am wenigsten schlecht beurteilt werden.

Insgesamt muss man nach diesen neuerlichen Ergebnissen einmal mehr konstatieren, dass das Berliner Parteiensystem in einer tiefen Krise steckt: Die im Bundestag vertretenen Parteien werden als verlogen und selbstherrlich wahrgenommen, ihr Personal als weitgehend unfähig und unsympathisch.

Bleibt nur die Frage, warum gehen die Deutschen dennoch zur Wahlurne?

Wer sich für unsere Indices der Qualität der Serviceleistung von Parteien bzw. der Qualität des politischen Personals interessiert, sie in einer eigenen Befragung verwenden will, den bitten wir, sich mit uns in Verbindung zu setzen, da wir auf Fragen und Indices ein Copyright erheben.

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Gehen CDU und CSU unter oder nieder?

Wir haben in der letzten Zeit eine Reihe von Beiträgen veröffentlicht, in denen wir im Wesentlichen argumentiert haben, dass der derzeitige Höhenflug der AfD nicht (nur) das Ergebnis der Flüchtlingsdebatte ist, wie das manche aus den etablierten Parteien gerne sehen wollen. Die Gewinne bei der AfD sind vielmehr darauf zurückzuführen, dass die Partei eine Sammelbewegung für die mit dem Berliner Parteiengeklüngel Unzufriedenen in Deutschland geworden ist. Entsprechend lässt sich die AfD nicht auf das reduzieren, was die Grünen in ihren ersten Jahren waren und was man in der Politikwissenschaft eine „one-issue-Party“ nennt.

Wer sich im Einzelnen für unsere Argumentation interessiert, der kann sie hier und hier nachlesen.

The Partys overEs gibt neben den von uns bereits dargelegten Argumenten eine Reihe von empirischen Indizien dafür, dass das Berliner Parteiensystem seinem Ende zu geht, ein Ende, das die SPD und die CDU/CSU als „mehr als 20%-Parteien“ verschwinden sehen wird. Wer sich mit dem italienischen Parteiensystem auskennt, der wird sich an das Verschwinden der Democracia Christiana erinnern, jener Partei, an der von 1946 bis 1992 kaum ein Weg vorbeigeführt hat, wenn es darum ging, eine Regierung zu bilden. Die DC, sie ist sang- und klanglos verschwunden, erst in der Wählergunst und dann als Partei: Sie wurde 1994 aufgelöst.

Politikwissenschaftler sehen dann Zeichen für schweres Wahlwetter für eine Partei, wenn die Basis der Stammwähler bröckelt, d.h. wenn die Wähler, die man bislang als Fixposten in seiner Wählerbilanz verbuchen konnte, weniger werden. Die CDU/CSU sieht sich derzeit mit einer solchen Erosion von Stammwählern konfrontiert: Hochgebildete, Selbständige, Angestellte und Beamte, Wähler, die sich als religiös bezeichnen, sie kehren der CDU und der CSU zunehmend den Rücken und wenden sich der AfD zu – wie unsere Daten belegen.

Diese für die CDU und die CSU existenzbedrohenden Entwicklungen haben wir einmal für die Variable „Alter“ und auf Grundlage der Wahlstatistik des Bundeswahlleiters für die Bundestagswahl 2013 sowie auf Grundlage unserer Daten zu visualisieren versucht.

Die folgende Abbildung zeigt in der oberen Hälfte den Anteil der Wähler von CDU und CSU für bestimmte Altersgruppen. Die ulkige und in Teilen unverständliche Benennung der Altersgruppen in den Daten des Bundeswahlleiters, die sich teilweise zu überschneiden scheinen, bitten wir zu ignorieren. Wahrscheinlich ist derjenige, der für die Eingabe verantwortlich ist, nicht in der Lage, die Benennung der Altersgruppen in der Eingabemaske zu ändern… Die untere Hälfte der Abbildung zeigt die Anteile von Wählern, die bei der Bundestagswahl 2013 CDU oder CSU gewählt haben und nunmehr die AfD wählen wollen.

SN_Fracksausen bei der CDU

Die größten Anteile von Wählern, die  CDU oder CSU in Richtung AfD den Rücken kehren, finden sich in den Altersgruppen von 36 bis 65 Jahren und somit in den Altersgruppen, in denen man die Kernwähler der CDU/CSU suchen wird. CDU und CSU sind seit Anbeginn der Bonner Republik Parteien, die anteilig eher von älteren oder alten Wählern gewählt werden, von Wählern, die mitten im Erwerbsleben stehen oder dem Ende desselben zugehen. Genau in diesen Altersgruppen finden sich die meisten, die der CDU oder der CSU nunmehr den Rücken kehren.

Das ist ein starkes Indiz dafür, dass die CDU/CSU Stammwähler verliert.

Dass Wähler ab 66 Jahre weniger von Abwanderungsgedanken getragen sind als andere Wähler kann man auf die alte Weisheit, „einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr“ zurückführen. Tatsächlich ist der Anteil der Stammwähler, den die CDU oder die CSU unter Pensionären und Rentnern hat, der höchste von allen Altersgruppen. Indes macht es für Parteistrategen wenig Sinn, allein auf die Alten unter den Wählern zu setzen, denn die Alten, sie sterben weg, und mit ihnen die Stammwählerbasis der Unionsparteien. Und weil junge Wähler (vermutlich mangels Lebenserfahrung) eher links wählen als CDU oder CSU und unter den Altersgruppen der 36 bis 65jährigen erhebliche Abwanderungstendenzen vorhanden sind, deshalb reduziert sich der Pool, aus dem die CDU oder die CSU Wähler rekrutieren kann, ebenso wie der Anteil der fixen Wähler in der Wahlbilanz.

Die CDU (und die CSU), sie ist zum Auslaufmodell geworden, vornehmlich, wie unsere Daten zeigen, weil sie den Wählern, die sich ideologisch in der Mitte oder etwas rechts der Mitte angesiedelt haben, zu weit nach links gewandert ist.

Was wir für CDU und CSU geschrieben haben, ließe sich, mit einem anderen Schwerpunkt auch für die Partei schreiben, die immer noch von sich behauptet, sie würde die Interessen von Arbeitern vertreten (wohl vor allem dann, wenn sie Posten für Frauen in Aufsichtsräten fordert). Der Niedergang oder Untergang der SPD, er wird uns ein anderes Mal beschäftigen.

Daten uns Auswertungen der Befragungen, die wir auf SurveyNET durchführen, können gegen eine Gebühr bei uns angefordert werden.

 

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Sonntagsfragen-Wirklichkeit: AfD im Aufwärtstrend – CDU wird durchgereicht

Um das Ausmaß der Manipulation darzustellen, an dem derzeit eine Reihe von Meinungsforschungsinstituten und Zeitungen beteiligt sind, die in einer konzertierten Aktion das etablierte Parteiensystem gegen die AfD zu verteidigen versuchen, haben wir einmal die Daten des Instituts für Demoskopie in Allensbach (IfD) zur Hand genommen. Das IfD bemüht sich zumindest, wissenschaftliche Standards einzuhalten und nicht zum politischen Handlanger dessen zu werden, der am meisten bezahlt, wie dies bei anderen Umfrageinstituten offensichtlich der Fall ist.

Bevor wir anhand der Daten von Allensbach zeigen, wie derzeit versucht wird, zu manipulieren, noch eine Frage:

Wundert sich eigentlich niemand darüber, dass unterschiedliche Meinungsumfragen, die natürliche alle auf repräsentativen Stichproben basieren, so unterschiedliche Ergebnisse erbringen? Vergleicht man z.B. die letzten Befragungen von Allensbach, Forsa und INSA, dann gibt es zwischen der letzten INSA-Umfrage und der von Forsa eine Abweichung von 8,5%, zwischen der INSA-Umfrage und der Allensbach-Umfrage eine Abweichung von 6,5% und zwischen der Forsa-Umfrage und der Allensbach-Umfrage eine Abweichung von 6%.

Wie können diese großen Abweichungen zustande kommen, wenn doch alle Stichproben für die deutsche Wahlbevölkerung repräsentativ sein sollen? Würde man von drei Stichproben, die alle repräsentativ für die Wahlbevölkerung sind, nicht erwarten, dass sie zu denselben Ergebnissen kommen? Würde man, um in der Sprache der empirischen Sozialforschung zu bleiben, nicht eine Reliabilität der Ergebnisse erwarten, d.h. eine Wiederholbarkeit, in einer anderen Stichprobe?

Man würde es erwarten, und entsprechend wird man in seiner Erwartung enttäuscht und muss konstatieren, dass Repräsentativität ein Ideal ist, das nicht erreicht werden kann, das sich aber trefflich einsetzen lässt, um Leichtgläubige zu manipulieren.

Winzige Prozentveränderungen werden in den letzten Tagen benutzt, um die FDP hochzurechnen, die AfD durchzureichen und generell das Ende der Fahnenstange für die AfD zu verkünden. Nun, wir haben die AfD in unserer Wahlbefragung bei 16% und das Bild, das sich ergibt, wenn man die Daten des Instituts für Demoskopie – Allensbach zu Grunde legt, es ist auch ein anderes als das, das Forsa-Güllner und WELT allen weißmachen wollen, die dumm genug sind, es zu glauben.

Allensbach Sonntagsfrage

Wenn es überhaupt etwas gibt, was die Wahlumfragen als Trend erkennen lassen, dann den immensen Verlust an Unterstützung der CDU/CSU, den wir auch in unseren Daten finden. Die Wählerbasis der CDU/CSU sie erodiert derzeit, und andere Parteien scheinen davon zu profitieren. In unseren Daten profitiert ausschließlich die AfD von den immensen Verlusten der CDU/CSU, bei Allensbach profitiert auch die FDP ein wenig. In jedem Fall vermitteln unsere Daten und die Daten von Allensbach ein völlig anderes Bild davon, wer an Unterstützung gewinnt, und wer an Unterstützung verliert.

Anders als dies z.B. Manfred Güllner von Forsa behauptet, geben Wahlumfragen nicht viel Aufschluss darüber, wie die nächste Bundestagswahl ausgehen wird, schon weil es Prozesse zwischen Wahlen gibt, die als „Nebenwahlphänomen“ von u.a. Reiner Dinkel (1977( beschrieben wurden und die dazu führen, dass kleine Parteien mehr Zuspruch haben als sie letztlich an Wählerstimmen haben werden und dazu, dass große Parteien, vor allem wenn sie an der Regierung sind, in Wahlumfragen überproportional schlecht abschneiden.

Was das für das letztendliche Wahlergebnis im Spätsommer 2017 bedeutet, kann niemand, nicht einmal Herr Güllner sagen. Güllner ist auch nicht am Ausgang der Bundestagswahlen 2017 interessiert, sondern am Marketing für Forsa, und man erhält offensichtlich mehr Aufträge, wenn man offen AfD-feindlich ist als wenn man das tut, was man eigentlich von einem erwarten würde, der für sich in Anspruch nimmt, Ergebnisse zu berichten: neutral berichten.

Man kann jedoch aus Momentaufnahmen darüber, wie sich Befragte verhalten würden, wenn Wahlen wären, Schlüsse auf grundlegende Tendenzen oder Entwicklungen ziehen, jedenfalls dann, wenn man eine Theorie darüber hat, was sich wie auf Wahlentscheidungen auswirkt. Wir haben eine solche Theorie, und wir haben sie in unseren Umfragen operationalisiert. Als Ergebnis dieser Operationalisierung können wir sagen, dass der Umfang und die Grundlage auf der eine Flucht von der CDU/CSU zur AfD sowie eine Mobilisierung von Nichtwählern durch die AfD stattfindet, eine Größenordnung erreicht hat, die wir in unserem mit: „Die letzten Tage des Berliner Parteiensystems“ überschriebenen Beitrag sicher nicht übertrieben haben.

Weitere Informationen gibt es auf Anfrage von uns (und gegen Gebühr, denn die Auswertung kostet Zeit, und die Arbeit, die wir hier nebenbei machen, ist normalerweise Gegenstand eines Forschungsprojekts an Universitäten, von dem zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Professor gut zwei Jahre leben).

Dinkel, Reiner (1977): Der Zusammenhang zwischen Bundes- und Landtagswahlergebnissen. Politische Vierteljahresschrift 18(3): 349 – 359.

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Wahltheater Teil II: Die AfD herunterrechnen

Bei der WELT wird derzeit die journalistische Lauterkeit durchgereicht – oder die Überparteilichkeit, je nach Sichtweise.

Am 16. Februar wurde in der WELT noch ein Allzeithoch für die FDP verkündet. Ausgangspunkt des Allzeithochs war der Meinungstrend von INSA-Consulere. Dort hat man für die FDP einen Wähleranteil von 7% errechnet, nach 6% in der Vorwoche ein Allzeithoch für die WELT, bei der man zudem erkannt hat, dass die AfD, mit einem Zugewinn von 0,5%, von 12% in der Vorwoche auf 12,5%, „kaum Profit“ aus der Schwäche der CDU/CSU schlagen könne.

Welt ForsaEin neuer Tag, eine neue Umfrage. Dieses Mal handelt es sich um den aktuellen stern-RTL-Wahltrend, der von Forsa zusammentelefoniert wird. Bei Forsa verbessern sich Grüne und LINKE, und die FDP erreicht ein Vor-Allzeithoch von 6%, während die AfD von einem „Sympathierückgang“ ereilt wird, der sie von 10% auf 9% absacken sieht.

Die AfD, sie hat alle Wähler abgeschöpft, die „für ein rechtsradikales Gedankengut anfällig sind“, weiß Manfred Güllner, SPD-Mitglied und Chef von Forsa und daneben noch Gedankenleser, und bei der WELT berichtet man brav und treu, dass die Zeit der AfD vorbei ist, weil die AfD nämlich „durchgereicht“ wird.

Die Zeiten, zu denen wir an der Intelligenz mancher Journalisten, oder Möchtegern-Manipulateuren gezweifelt haben, sie sind vorbei. Wir wissen mittlerweile, dass man, um Journalist zu werden, wohl dümmer als der Normalbürger sein kann oder muss, denn nur wer dümmer als der Normalbürger ist, glaubt im selben Atemzug, er könne seine Leser manipulieren und die entsprechenden Leser wüssten heute nicht mehr, was gestern in der Zeitung stand.

Gestern stand in der WELT, dass die FDP ein Allzeithoch hat: 7% bei INSAs Meinungstrend, plus 1% im Vergleich zur Vorwoche.

Heute ist die FDP bei Forsa wieder im Vorstadium zum Allzeithoch, bei 6%, abermals plus 1% im Vergleich zur Vorwoche.

Gestern haben 16 Befragte bei INSA das Allzeithoch der FDP ausgelöst, denn es waren nicht mehr als 16 Befragte, die die Veränderung der FDP von 6% auf 7% zu verantworten haben. Heute wird die AfD durchgereicht, was die Frage nahelegt, wie viele AfDflüchtige Befragte es dieses Mal sind, die den Erdrutsch bewirken.

Forsa hat nach eigenen Angaben 2501 Bundesbürger befragt. Hoffen wir, dass die Bundesbürger alle volljährig und wahlberechtigt waren. Auf die Frage, welche Partei sie am nächsten Sonntag wählen würden, wenn sie müssten, sagen 35%, dass sie keine Partei wählen würden oder nicht wissen, welche Partei sie wählen würden.

35% von 2501 sind 875 Befragte.
Neben den Unentschlossenen und den Nichtwählern gibt es regelmäßig Befragte, die die Aussage auf die Sonntagsfrage verweigern. Nehmen wir an, es sind nicht mehr als 1,05%, also 26 Befragte, was eine nette Schätzung zu Gunsten von Forsa ist, dann haben wir 901 Befragte, die keine Angabe zu einer Partei gemacht haben.

2501 Befragte minus 901, die keine Partei angegeben haben, ergibt 1.600 Befragte als Grundlage der Prozentwerte, die für die Parteien ausgewiesen werden. Von diesen 1.600 Befragten haben 9% gesagt, sie würden die AfD wählen, also 144 Befragte. Nehmen wir wieder zu Gunsten von Forsa an, dass der letzte stern-RTL-Wahltrend ebenfalls 1.600 Befragte, die eine Angabe zu einer Partei gemacht haben, zusammenbekommen hat, dann entsprechen die damaligen 10% AfD-Wähler 160 Befragten.

Der Erdrutsch, der die AfD erfasst hat und dafür sorgt, dass die Partei durchgereicht wird, er basiert somit auf 16 Befragten.

Die magische 16 könnte man sagen, denn das Allzeithoch der FDP, das man bei der Welt gestern verkündet hat, es wurde ebenfalls von 16 Wählern ausgelöst.

Mit seriöser Meinungsforschung hat das alles nichts zu tun. INSA oder Forsa sind nicht daran interessiert, wissenschaftliche Beiträge zu einem öffentlichen Diskurs zu leisten, sondern daran, Meinung zu manipulieren und ihre Witzveränderungen, die regelmäßig von einem menschlichen Tsunami, der 16 Hanseln umfasst, ausgelöst wird, als Untergang der einen Partei oder Wiederauferstehung einer anderen Partei zu verkaufen.

Forsa behauptet, der statistische Fehler, der in den Berechnungen enthalten sei, betrage 2,5%. 2,5% der Befragten sind 63 Befragte. Um auszuschließen, dass Angaben nicht durch den statistischen Fehler verzerrt werden, müssen sie also auf mehr als 63 Befragten basieren. 16 ist aber weniger als 63, und deshalb ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der berechnete Tsunami, der zum Durchreichen der AfD geführt haben soll, nichts anderes ist, als die Hoffnung oder Phantasie oder Missgunst von Journalisten und Meinungsforschern. Die Wahrscheinlichkeit, dass dem so ist, sie ist in jedem Fall höher als die Wahrscheinlichkeit, dass dem nicht so ist.

Wer die Seiten von INSA oder Forsa im Internet aufruft, liest dort regelmäßig über wissenschaftliche Standards und Methoden. Vermutlich sind die entsprechenden Hinweise als Witz gemeint, denn mit Wissenschaft haben die derzeitigen Versuche, die öffentliche Meinung mit einer Form demoskopischer Taschenspielertricks zu beeinflussen, bei der jeder Falschspieler vor Scham im Boden versinken würde, nichts zu tun. Es sind ideologische Spiele, die insofern amüsant sind, als die daran Beteiligten nicht einmal einen Tag lang die Lügen des Vortages erinnern können.

 

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Wahltheater Teil I: Die FDP hochrechnen

Als empirischer Sozialforscher kommt man derzeit nicht mehr aus dem Staunen heraus. Und regelmäßig stellt sich dieses Staunen ein, wenn Journalisten die Ergebnisse von Meinungsforschungsinstituten zum Anlass nehmen, um eine Schlagzeile zu dichten.

FDP hochrechnenSo dichtet ein namenloser Autor heute für die WELT „FDP klettert bei Insa auf Allzeithoch„. Insa ist ein Meinungsforschungsinstitut, das für die BILD-Zeitung einen Deutschlandtrend ermittelt. Das Institut ist eine Gründung von Hermann Binkert, der auch als Geschäftsführer fungiert und dessen ehemalige Tätigkeit als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei sicher nicht hinderlich dabei ist, Aufträge für sein Institut zu akquirieren.

Insa Consulere, wie das Institut sich nennt, führt wöchentlich einen Deutschlandtrend durch, d.h. es werden jedesmal rund 2000 Personen, die hoffentlich wahlberechtigt sind, gefragt, was sie denn wählen würden, wenn man nächsten Sonntag Wahl wäre.

Beim vorletzten Trend, dem vom 10. Februar, haben 6% der Befragten gesagt, sie würden FDP wählen. Beim neuesten Trend vom 16. Februar sollen es 7% gewesen sein.

Ein kritischer Bürger oder ein ausgebildeter empirischer Sozialforscher sollte angesichts dieser Zahlen sofort die Frage stellen: 6% von wie vielen Befragten? Die Antwort auf diese Frage, sie wäre kein Problem, handelte es sich bei INSA um ein seriöses Befragungsinstitut.

Dass in Zeitungsbeiträgen die Prozentuierungsbasis generell unterschlagen wird, daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Entweder, die verantwortlichen Journalisten sind einfach zu dumm, um zu verstehen, dass ein Prozentwert ohne Basis wenig aussagt oder sie versuchen ihre Leser für dumm zu verkaufen, in der Hoffnung, Letztere wären noch dümmer als sie.

Dass man bei einem Meinungsforschungsinstitut nicht nachvollziehen kann, wie viele Befragte die Grundlage einer Prozentangabe bilden, ist eine Unterlassung, die an versuchten Betrug grenzt.

Nehmen wir z.B. die folgende Grafik von INSA-Consulere, die den Deutschlandtrend vom 10. Februar darstellt:

INSA Deutschlandtrend

Angeblich soll die Abbildung auf 2.054 Befragten basieren. Heißt das nun, 2.054 Befragte haben am Insa-Deutschlandtrend teilgenommen oder heißt das, 2054 Befragte sind in die Berechnung der Abbildung eingegangen?

Liest man bei der BILD-Zeitung nach, die Auftraggeber von INSA-Consulere ist, dann drängt sich der Eindruck auf, dass die Anzahl der Befragten, die Zahl derer angibt, die insgesamt befragt wurden. Daraus folgt: die Abbildung ist unvollständig. Es fehlen alle diejenigen, die keine Angabe gemacht haben, die nicht wählen werden oder die vorhaben, ungültig zu wählen. Dabei handelt es sich um eine stattliche Anzahl von Befragten, die in der Abbildung von INSA schlicht unterschlagen werden. Vielmehr wird der Eindruck erweckt, die Abbildung basiere auf allen 2.054 Befragten – was dann, wenn die Abbildung auf weniger als 2.054 Befragten basiert – eine Folgerung die naheliegt – eine bewusste Täuschung darstellt.

Nehmen wir an, bei Umfragen von INSA-Consulere gibt es ungefähr so viele Befragte, die keine Angaben machen oder angeben, nicht wählen zu wollen oder angeben, ungültig wählen zu wollen, wie  dies bei unseren Befragungen der Fall ist und runden zu INSAs Gunsten ab. Bei 2.054 Befragten wäre entsprechend davon auszugehen, dass rund ein Fünftel der Befragten keine Angabe macht, nicht wählen gehen will oder ungültig wählen will. Zieht man dieses Fünftel von den 2.054 Befragten ab, dann verbleiben 1,643 Befragte, Die Abbildung oben basiert demnach auf weniger als 1.700 Befragten und nicht auf 2.054 Befragten.

Der Anteil der FDP, die 6%, die dargestellt sind, entspricht somit 99 Befragten. Gehen wir nunmehr davon aus, dass INSA auch beim neuerlichen Trend 1.643 Befragte zusammenbekommen hat, die eine Angabe zu ihrer Wahlabsicht gemacht haben, dann sind 7% FDP Wähler 115 Befragte.

Das Allzeithoch, auf das die WELT die FDP hochschreiben will, es basiert somit auf 16 Befragten, 16 Befragte mehr für die FDP. Dass die FDP kleine Brötchen backen muss, das war bekannt, dass sie so klein sind, dass die Zeiten so schlecht sind, dass ein Zugewinn von 16 Befragten zum Allzeithoch hochgejubelt werden muss, das ist neu.

Indes zeigt die Art und Weise, wie über Meinungsbefragungen in Zeitungen berichtet wird, dass die entsprechenden Ergebnisse zur kruden Manipulation genutzt werden sollen. Warum sollte man einen Zugewinn von einem Prozent auf ein „Allzeithoch“ hochjubeln wollen und behaupten, dass ein halber Prozentpunkt Zugewinn auf höherem Niveau für die AfD bedeute, dass die Partei „kaum Profit“ aus der Schwäche der CDU/CSU schlagen könne?

ManipulationstechnikenLiegt Journalisten so viel daran, ihre Leser zu manipulieren oder sind sie einfach so dumm, dass sie nicht mehr die Grundrechenarten beherrschen, denn das halbe Prozent, das die AfD zugenommen hat, von 12% auf 12,5% es entspricht einer Zunahme von 197 auf 205 Befragte, also einem Zugewinn von 8 Befragten und während ein Zugewinn von 16 Befragten ein Allzeithoch ausmacht, zeigt ein Zugewinn von 8 Befragten, dass eine Partei „kaum Profit“ aus der Schwäche von CDU/CSU schlagen kann.

Wie hanebüchen die Interpretationen sind oder wie politisch motiviert, zeigt sich im Übrigen daran, dass die Schwäche der CDU/CSU darin besteht, zwei Wochen hintereinander auf 32,5% der Befragten zu kommen. Konstanz ist Schwäche, 8 Befragte Zugewinn ist „kaum Profit“, 16 Befragte Zugewinn ist ein „Allzeithoch“, und wer Meinungsumfragen traut, dem ist nicht mehr zu helfen.

 

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Die letzten Tage des Berliner Parteiensystem!

Es ist nur eine Online-Befragung.
Die Befragung ist nicht repräsentativ.
Die Ergebnisse der Befragung muss man nicht ernstnehmen.
Es sind nur die Leser von Merkur.de.
Das alles sagt nichts darüber aus, wie es 2017, wenn die nächste Bundestagswahl stattfinden wird, aussieht.

Wir haben die fünf Aussagen an den Anfang dieses Posts gestellt, um vorwegzunehmen, was all diejenigen, die weiterhin nicht wahrhaben wollen, dass sich das Berliner Parteiensystem gerade auflöst, vorbringen werden, um sich selbst zu beruhigen, um sich zu sagen, alles ist ganz anders, die AfD verschwindet von selbst und mit der Flüchtlingsfrage, mit allen anderen Problemen und dann kommt die Harmonie wieder ins deutsche Parteienparadies, in dem sich die etablierten Parteipolitiker in der Sonne räkeln und mit Steuergeldern verwöhnen lassen.

Dass dem nicht so ist, darüber haben wir vor einiger Zeit unter dem Titel „Wähler der Apokalypse“ geschrieben. Dass die AfD nur ein Symptom ist, in dem sich der Niedergang und die völlige Entfremdung vieler Wähler vom Berliner Parteiensystem ausdrückt, das haben wir nicht nur argumentiert, sondern auch anhand eines kleinen Teils der Daten, die uns zur Verfügung stehen, belegt.

Wer immer noch denkt, der Friede, die Freude und der Eierkuchen, sie stellten sich von selbst wieder ein, der ist dem Funktionär der Democracia Cristiana (DC) in Italien vergleichbar, der noch am Abende des 15. Januar 1994 der Ansicht ist, die Stimmenverluste der einstigen Regierungspartei würden nicht zum Verschwinden der Partei führen. Die DC sie wurde am 16. Januar 1994 aufgelöst.

Unsere Ergebnisse haben eine Bestätigung in einer Befragung auf Merkur.de erfahren, die ein Ergebnis produziert hat, das genau wie unsere Ergebnisse etablierte Politiker das Fürchten lehren sollte. Man kann die immer häufiger zu findenden Belege dafür, dass sich das Berliner Parteiensystem in voller Auflösung befindet, als einzelne Sargnägel ansehen, die, zusammengenommen, den Deckel auf dem Sarg des Berliner Systems befestigen.

Merkur AfD umfrage

Wir verfügen über einen für Deutschland einmaligen Datensatz, dem man eine Vielzahl von Informationen entnehmen kann:

  • Wer sind die Wähler der AfD?
  • Warum wählen sie die AfD?
  • Warum sind so viele Wähler dem Berliner Parteiensystem entfremdet?
  • Wer wechselt von etablierten Parteien zur AfD?

Wer sich für einen entsprechenden Bericht interessiert, den wir gegen Gebühr erstellen, der kann sich mit uns in Verbindung setzen.