Neue gesellschaftliche Konfliktlinie: Mehrwertschaffende versus Kostgänger des Staates

Die meisten haben sich so sehr an Parteien gewöhnt, dass sie gar nicht mehr fragen, wo Parteien eigentlich herkommen, und warum es sie gibt. Nicht einmal Politikwissenschaftler tun dies, obwohl sie es eigentlich sollten. Denn: Derzeit vollzieht sich in westlichen Gesellschaften ein Umbruch, eine Veränderung der Gesellschaft, der eine Veränderung im Parteiensystem folgt.

Dazu müssen wir etwas ausholen.

Lipset rokkanSeymour Martin Lipset und Stein Rokkan haben 1967 ein Buch mit dem Titel „Party Systems and Voter Alignments“ veröffentlicht. Frei übersetzt: Parteiensysteme und Wählerbindung. In diesem Buch entwickeln sie eine Theorie darüber, auf welcher Basis sich Parteien gründen und wie sie sich etablieren können. Die Theorie ist im englischen Sprachraum als Cleavage-Theory und im deutschen Sprachraum als Theorie der gesellschaftlichen Konfliktlinien bekannt.

Konfliktlinien zwischen Kirche und Staat, also Konflikte darüber, wie weit der Einfluß der Kirche reichen darf, begründen religiöse Parteien. Das katholische Zentrum in der Weimarer Republik ist der bekannteste Vertreter einer auf religiösen Motiven basierenden Partei. Liberale Parteien, die Staaten als rationale Gebilde sehen und alle ideologischen und religiösen Einflüsse aus der Regierung fernhalten wollen, sind das Gegenstück zu religiösen Parteien. Die Konfliktlinie zwischen Arbeitern und Unternehmern, zwischen Produktivkräften und den Besitzern von Produktionsmitteln, sie ist die Grundlage, auf der sich linke Parteien, von SPD bis KPD gegründet haben. Man kann es gar nicht oft genug wiederholen, denn bei der SPD, die zur Mama- und Frauenförderpartei geworden ist, hat man es vergessen. Schließlich gab es einen Konflikt zwischen Stadt und Land, zwischen bäuerlichen und städtischen Strukturen, ein Konflikt der eine moralische Komponente hat und zwischen rechtskonservativen Parteien wie der DNVP (Deutschnationale Volkspartei der Weimarer Republik) und den liberalen Parteien schwelt.

Kurz: gesellschaftliche Konflikte sind die Grundlage, auf der sich Parteien bilden und sie sind die Grundlage für kontinuierliches Wahlverhalten – auch ein Problem der SPD, denn: So, wie man vergessen hat, dass die SPD ursprünglich als Arbeiterpartei angetreten ist (zumindest in der Rhetorik) so hat man auch vergessen, dass man Arbeitern einen Grund geben muss, SPD zu wählen (Die CDU vergisst dies übrigens derzeit mit Blick auf wertkonservative Wähler, die vermutlich eher irritiert auf Staatsfeminismus und Schwulen-/Lesbenförderung reagieren).

Westliche Gesellschaften erleben derzeit, wie eine neue Konfliktlinie in das Parteiensystem übersetzt wird, eine Konfliktlinie, die

  • diejenigen, die mit ihrer Arbeitskraft einen Mehrwert erwirtschaften, denen gegenübersieht, die Mehrwert verbrauchen, entweder durch Arbeit in Organisationen, die Papier produzieren, oder durch direkte Transferzahlung,
  • diejenigen, die in der freien Wirtschaft arbeiten gegenüber denjenigen, die vom Staat ausgehalten werden,
  • diejenigen, die zum Gegenstand staatlich finanzierter Belehrung gemacht werden gegenüber denjenigen, die für die entsprechende Belehrung vom Staat bezahlt werden,
  • diejenigen, die den Mehrwert erwirtschaften, gegenüber denjenigen, die sie im Auftrag des Staates kontrollieren,

sieht. Es handelt sich dabei also um eine neue Form des Klassenkampfes.

Die Kategorien dieser neuen Konfliktlinie sind nicht trennschaft, aber jede davon behandelt einen eigenen Aspekt. Die Wirkung dieser Konfliktlinie lässt sich in Deutschland am Beispiel der AfD demonstrieren, sie lässt sich ebenso an der Präsidentschaftswahl in Österreich darstellen. Norbert Hofer, Kandidat der FPÖ und Alexander van der Bellen, Kandidat aller anderen Parteien, die im Nationalrat vertreten sind, wurden von verschiedenen Wählerschichten gewählt, die man einander wie folgt gegenüberstellen kann:

Wähler von Hofer vornehmlich: Wähler von van der Bellen vornehmlich:
Männer Frauen
mittelalte Männer junge Frauen
unteres bis mittleres formales Bildungsnieveau Matura und Universität
Arbeiter Angestellte und öffentliche Bedienstete
Landbewohner Stadtbewohner

Die Verteilung beschreibt einen Konflikt zwischen den Kostgängern des Systems und denen, die das Kostgehen anderer durch ihre Arbeit und die einbehaltenen Steuern ermöglichen. Es ist ein Konflikt zwischen den Wählern von van der Bellen, zwischen jungen Frauen, die zur vollgeförderten Generation gehören, den Angestellten des Staates, denen, die sich über Matura und akademischen Abschluss zu einem white collar job qualifizieren wollen, der Teilzeitarbeit zugänglich ist, bei dem man sich nicht die Finger schmutzig machen muss und vornehmlich damit beschäftigt ist, Papier zu produzieren, bzw. diejenigen zu verwalten, zu kontrollieren oder zu belehren, von deren Steuergeldern man lebt.

Letztere, die Kontrollierten und Verwalteten, sie haben Hofer gewählt und zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen handwerklichen Beruf oder eine andere Tätigkeit, die die Transformation von Objekten zum Gegenstand hat, erlernt haben, früh in ihrem Leben damit begonnen haben, zu arbeiten, dies in abhängiger Beschäftigung in der freien Wirtschaft tun und als mittelalte Männer dabei zusehen müssen, wie ihnen große Teile ihres Lohnes als Steuern einbehalten und in Frauenförderprojekte oder sonstige ideologische Fässer ohne Boden investiert werden. Es sind die Mittelalten, die die Last der Produktivität der Wirtschaft tragen und zum Gegenstand von Belehrungen über das richtige Leben, die richtige ideologische Einstellung, die richtige Form der Äußerung, das richtige Altern, den richtigen Altruismus und die richtige Staatsdienlichkeit gemacht werden, und zwar von denen, die daran verdienen und ihrerseits einen Teil des Mehrwerts aufbrauchen, den die mittelalten, vornehmlich die mittelalten Männer geschaffen haben.

Die neue Konfliktlinie lässt sich somit am besten als Konfliktlinie zwischen Mehrwertschaffenden und Kostgängern des Staats bzw. Mehrwertverbrauchenden darstellen, und sie hat es in sich, denn letztlich geht es dabei um Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen, wobei die mittelalten vornehmlich Männer alle Trümpfe auf ihrer Seite haben: Sie schaffen den Mehrwert, der notwendig ist, um die Staatsbediensteten zu finanzieren. Es ist also an ihnen, über die Höhe der Steuern, die sie zu zahlen bereit sind, die ´Menge der staatlichen Günstlinge und sonstigen Transferempfänger zu bestimmen.


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26 Responses to Neue gesellschaftliche Konfliktlinie: Mehrwertschaffende versus Kostgänger des Staates

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  2. Heike Diefenbach says:

    Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen:

    Wir glauben, dass das Gegensatzpaar, das im Titel des Artikels genannt ist, eine Form von neuem Klassenkampf darstellt, und wir wären sehr neugierig, was Marx hierzu zu sagen hätten, wenn er heute leben würde.

    In jedem Fall sollte er etwas zur Entfremdung derer zu sagen haben, deren Produkte aus Worten und Papieren bestehen, die in der realen Welt keine oder unabsichtliche Folgen produzieren, um die sich die Erzeuger dieser Produkte nicht zu kümmern brauchen, weil sie kaum für deren Effekte zur Verantwortung gezogen werden (können).

    Wenn ich heute das Wort “Entfremdung” (vom Arbeitsprozess und dem durch ihn erzeugten Produkt) höre, dann fallen mir sofort die Abertausende von Schreibtischtätigen ein, die sich alle einbilden, in unser aller Lebensrealität eine wichtige Rolle zu spielen, aber keine Produktivität entfalten.

    Also, wenn ich Linke wäre, dann würde mir dazu einiges einfallen, aber die Linken sind derzeit ja witzigerweise diejenigen, die im Sinne Marx’ am stärksten entfremdet und am wenigsten produktiv sind ….

  3. Marcus Junge says:

    Mir ist völlig egal wo die Parteien herkommen, auch wenn ich das nicht ernsthaft meine, sondern nur als Antwort auf die Eingangsaussage des Artikels. Mich interessiert nur wie wir sie alle auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt bekommen. Parteien sind in der BRD nicht grundlos von der Strafverfolgung als Organisierte Kriminalität ausgenommen. Parteien war schon das Mittel leichter Betrügen und Berauben zu können, besteche die Parteiführung oder besteche 200 unabhängige Abgeordnete, was ist wohl leichter, billiger und geheimer machbar? Keine Partei ist ein Teil der Lösung des Problemgebirges, sondern immer ein Teil des Gebirges.

    Und das ist keine neue Erkenntnis, ich schrieb das schon Jahre vor Gründung der AfD, aber die Reaktionen darauf waren zu 90% so, wie bei den am Anfang des Artikels angeführten Politik”wissenschaftlern”.

    Weiterhin gilt für die westlichen Systeme, es gibt viel mehr mit den Umverteilungssteuergeldern gekaufte Zombies / Mitläufer, als wertschaffend tätige Wähler. Wer daher auf die Masse wartet, wird noch im totalen Untergang vergeblich warten. Das westliche System ist ein selbstzerstörendes System, man kann es nicht von Innen retten, nur von außen hinwegfegen, aber dazu fehlen ja die Bahnsteigkarten. Die vielen Zombies werden jedenfalls niemals Tabula rasa machen, im besten Fallen wollen die an einigen Stellschräublein drehen, damit die Implosion erst nach ihrem Ableben erfolgt.

    • Heike Diefenbach says:

      Was Sie beschreiben, ist zweifellos ein düsteres Szenario.

      Aber immerhin wird auch dieses düstere Szenario spätestens dann ein Ende haben, wenn die wertschaffend Tätigen im Verhältnis zu den Mitläufern und Nutznießern der etablierten Insitutionen zu wenige geworden sind. Das System ist dann schlichtweg pleite, und der tabula rasa ist gemacht – ob die “Zombies” das wollen oder nicht.

      Oder – wie man seit Langem so schön sagt: man kann nicht den Ast absägen auf dem man sitzt, ohne tief zu fallen!

  4. Lernender says:

    Es waren mehrheitlich Frauen und Intellektuelle, die das bisherige System der Vetternwirtschaft und Korruption in Österreich beibehalten wollen.

    Frauen, die – wie hier schon mal beschrieben – in Ihrem Wesen risikoadvers sind, die an politische und wirtschaftliche Zusammenhänge gar nicht interessiert sind und “aus dem Bauch” raus entscheiden, besser umschrieben als “was gibts für mich zu holen”.
    Waren das die so ach so emanzipierten Frauen? Den ganzen Tag über das nicht vorhandene Patriarchat lästern und sich gleichzeitig aufs Gedeih und Verderb dem Staat ausliefern? Das sind sie also – die “starken Frauen” eine Erfolgsgeschichte ohnes gleichen, finanziert durch eine Abgabenlast der mehrwertschaffenden Männer ohnes gleichen..

    Über die Intellektuellen, die ausgehalfterten und vom Wohlwollen der linksgrün versifften Presse abhängigen Stars und Sternchen verliere ich kein Wort, ebensowenig wie über dem hochgradig heroinabhängigen von seinem Dealer..

  5. Klaus says:

    Es ist also an ihnen, über die Höhe der Steuern, die sie zu zahlen bereit sind, die ´Menge der staatlichen Günstlinge und sonstigen Transferempfänger zu bestimmen.

    Tja, wenn das mal so einfach wäre……..
    Selbst bei 100 prozentiger Mobilisierung aller Produktiven, wird es nicht zur absoluten Mehrheit reichen.Und einfach mal weniger Steuern zahlen wird in diesem Land härter als Totschlag bestraft. Bliebe noch auswandern, auch nicht für jeden eine Option. Spätestens aber mit dem Ausscheiden meiner Jahrgänge (1964) ist das Spiel sowieso am Ende.

    • Prinz Albert says:

      Einfach wäre es schon, wenn man denn die 100% erst einmal mobilisiert hätte. Dann würde ein Generalstreik in kürzester Zeit den ganzen parasitären Laden zusammenbrechen lassen.

      Funktioniert leider nicht, weil die meisten der Produktiven in der eigenen Konsum-Schuldensklaverei gefangen sind, und somit keinen einzigen Tag ohne Einkommen überleben würden.

  6. N_K says:

    »Neue gesellschaftliche Konfliktlinie: Mehrwertschaffende versus Kostgänger des Staates«

    Niemand soll bei uns in Deutschland hungern müssen! Aber: WENN jemand VOM Staat alimentiert lebt, KANN es kein Fehler sein, daß der/die auch FÜR den Staat etwas tut.

    Als junger Bursche vor rd. 60 Jahren wurde ich mit der Klientel der Sozialhilfeempfänger konfrontiert und habe seither vielfach die zuvor genannte Feststellung zu hinterfragen versucht. OHNE ERFOLG! Warum soll denn aber bei einem gesunden Menschen die Gewährung von Sozialhilfe nicht von einer gemeinnützigen Tätigkeit als Gegenleistung abhängig gemacht werden können?

    Nicht nur unsere Straßen, Wälder und Parks sind verdreckt, zum Pflegen aber fehlt das Personal, weil angeblich kein Geld da. Andererseits sind da sind genug Typen vorhanden, die den ganzen Tag mit Saufen und sonstigen Dummheiten totschlagen, weil sie sonst keine Aufgabe haben oder aus Bequemlichkeit übernehmen wollen. (Damaliger O-Ton eines Betroffenen: “Ab dem 3. Kind langt das Kindergeld für mich zum Saufen, was die ALTE mit den Bankert macht ist mir egal!” (Einstellung dürfte sich heute inhaltlich wohl kaum geändert haben.) Solche Typen wären mit Besen und Schaufel besser ausgerüstet als mit Bier- und Schnapsflaschen. Und es gibt ungezählte weitere Tätigkeiten, die auch von Nichtqualifizierten problemlos bewältigt werden können.

    Und auf der anderen Seite der Versorgungsmaschine stehen der immer mehr ausgepreßten zahlenden Bevölkerungsschicht Empfänger gegenüber wie z.B. die 38 Jahre alte Kristina Schröder, die (nach HANDELSBLATT vom 7.4.15) »beispielsweise nach ihrer knapp vierjährigen Amtszeit als Familienministerin laut BdSt mit einem Ruhegehalt von mehr als 46.000 Euro pro Jahr rechnen« kann. Ob überhaupt jemand die Zahlen kennt für die Vergütungen, besser Versorgung (!), der ungezählten aus heimischen Sesseln »exportierten« »SpitzenENTKRÄFTETEN« Polit-»Experten« wage ich zu bezweifeln. Fällt ja auch im Einzelfall kaum auf …

    Wen wundert da die »Neue gesellschaftliche Konfliktlinie: Mehrwertschaffende versus Kostgänger des Staates«?

  7. Arthur says:

    Um es kurz auf den Nenner zu bringen: es gibt zwei Sorten von Menschen. Die einen, die die Fische fangen und die anderen die nur das Wasser trüben( genannt Kostgänger)

  8. Der Text des Artikel ist schlüssig. Die Tabelle scheint mir jedoch jedoch zu stark vereinfachend und damit teilweise irreführend. Zu den produktiven und steuerzahlenden Kräften zählt m.E. nicht nur unteres bis mittleres formales Bildungsniveau sondern auch die im Gesundheitssystem und im Produktionssektor arbeitenden Personen höheren Biddungsniveaus, Aerzte, Ingenieure, Chemiker, Architekten etc. Die Parteien haben es zustande gebracht, diese wichtige Personengruppe mindestens teilweise zu den Wählern von van der Bellen zu ziehen, obwohl ihre tatsächlichen Interessen bei Hofer liegen. Man sollte in der Tabelle somit eine dritte Spalte einführen. So gesehen bildet die heutige Parteienlandschaft die tatsächlichen Interessen nicht ab. Um diese Fehlentwicklung zu zementieren wird vermutlich auch versucht diese Personengruppe entbehrbar zu machen, durch Offshoring (Produktion) und Migration (Gesundheitswesen).

  9. Jochen says:

    In Debatten, was denn einen sog. Linken oder sog. Rechten ausmacht, führe ich zuerst gerne folgendes Beispiel an:
    Von wenigen bis seltenen Ausnahmen abgesehen ist es ist nicht der sog. Linke (Sozialist/Kommunist und was auch immer) der morgens um 3 Uhr in der Bäckerei steht, es ist nicht der sog. Linke der um 6 Uhr in der Produktionshalle oder um 8 Uhr auf der Baustelle steht, sondern der ach so böse Rechte.
    Seit bei mir vor Jahren der Groschen gefallen ist, achte ich zur eigenen Bestätigung immer wieder auf die Einkommensquelle jener, die sog. typisch Linke Positionen vertreten und stelle jedesmal aufs neue fest, das diese nahezu allesamt ihr Einkommen aus Steuergeldern beziehen. Der sog. Konflikt Linke versus Rechte ist also zuerst ein Konflikt Steuergeldbezieher gegen Steuergeld-Erwirtschafter.
    Wenn ich böse wär, würde ich ja schreiben: Parasit …….na lassen wir das….

  10. Aaron says:

    Es wird sich erst dann etwas ändern, wenn die Nutzniesser in der Überzahl sind und die “Finanzierer des Wahnsinns” in der Minderheit.
    Es gibt kein Geld mehr für’s nichts tun ?
    Da bin ich neugierig was dann passiert. Es ist einfach nur gruselig. Ich wollte mich als Rentner nur auf den verdienten Ruhestand einrichten. Statt dessen, verflixt und zugenäht, muß ich mich auf die als W18’er bei der Bundeswehr gelernten Überlebensstrategien besinnen, trainieren und fit bleiben, damit ich mich notfalls ein bißchen wehren kann. Und nein, ihr 18-35 jährigen Kriegsspieler im PC, es sieht in der Realität echt ganz, ganz anders aus, das wird dann eine echte Überraschung.

  11. Frank Reich says:

    Dank für die in sich nachvollziehbare Analyse. Angesichts der österreichischen Wahl zitierte ich andernorts den sozialistischen Vordenker der heutigen EU, Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, da auch mir die deutliche Diskrepanz zwischen dem Wahlverhalten der Städter und der Landbevölkerung auffiel (die beileibe nicht nur auf Österreich zu reduzieren ist). Ich zog die Grenzen zwischen dem verwurzelten Landmenschen und dem indiviudalisierten Städter.

    Der erwähnte Coudenhove-Kalergi skizzierte in “Adel” (1922, S. 7-8) Städter und Landmenschen folgendermaßen:

    “Der Landmensch glaubt an die Gewalt der Natur über den Menschen — der Stadtmensch glaubt an die Gewalt des Menschen über die Natur. Der Rustikalmensch ist Naturprodukt, der Urbanmensch Sozialprodukt; der eine sieht Zweck, Maß und Gipfel der Welt im Kosmos, der andere in der Menschheit.
    Der Rustikalmensch ist konservativ, wie die Natur — der Urbanmensch fortschrittlich, wie die Gesellschaft. Aller Fort-schritt überhaupt geht von Städten und Städtern aus. Der Stadtmensch selbst ist meist das Produkt einer Revolution innerhalb eines ländlichen Geschlechtes, das mit seiner rustikalen Tradition brach, in die Großstadt zog und dort ein Leben auf neuer Basis begann. —
    Die Großstadt raubt ihren Bewohnern den Genuß der Naturschönheit; als Entschädigung bietet sie ihnen Kunst. Theater, Konzerte, Galerien sind Surrogate für die ewigen und wechselnden Schönheiten der Landschaft. Nach einem Tagwerk voll Häßlichkeit bieten jene Kunstinstitute dem Städter Schönheit in konzentrierter Form. Auf dem Lande sind sie leicht entbehrlich. — Natur ist die extensive, Kunst die intensive Erscheinungsform der Schönheit.
    (…)
    Die soziale (christliche) Moral ist ein urbanes Phänomen; denn sie ist eine Funktion des menschlichen Zusammenlebens, der Gesellschaft. Der typische Städter verbindet christliche Moral mit irreligiöser Skepsis, rationalistischem Materialismus und mechanistischem Atheismus. Die Weltanschauung, die daraus resultiert, ist die des Sozialismus: die moderne Großstadtreligion.
    (…)
    Stadt- und Landmensch kennen einander nicht; darum mißtrauen und mißverstehen sie einander und leben in verhüllter oder offener Feindschaft. Es gibt vielerlei Schlagworte, unter denen sich diese elementare Gegnerschaft verbirgt: Rote und Grüne Internationale; Industrialismus und Agrariertum; Fortschritt und Reaktion; Judentum und Antisemitismus.

    Alle Städte schöpfen ihre Kräfte aus dem Lande; alles Land schöpft seine Kultur aus der Stadt. Das Land ist der Boden, aus dem die Städte sich erneuern; ist die Quelle, die sie speist; die Wurzel, aus der sie blühen. Städte wachsen und sterben: das Land ist ewig.”

    In “Praktischer Idealismus” (1923, S. 20) beschrieb er den Städter nochmals in deutlichen Worten:

    “In der Regel ist der Urbanmensch Mischling aus verschiedensten sozialen und nationalen Elementen. In ihm heben sich die entgegengesetzten Charaktereigenschaften, Vorurteile, Hemmungen, Willenstendenzen und Weltanschauungen seiner Eltern und Voreltern auf oder schwächen einander wenigstens ab. Die Folge ist, daß Mischlinge vielfach Charakterlosigkeit, Hemmungslosigkeit, Willensschwäche, Unbeständigkeit, Pietätlosigkeit und Treulosigkeit mit Objektivität, Vielseitigkeit, geistiger Regsamkeit, Freiheit von Vorurteilen und Weite des Horizontes verbinden.”

    Ergänze ich die Gedanken C-Ks mit denen dieses Artikels, komme ich zu einem immer schlüssigeren Gesamtbild. Ein Gesamtbild, dem ich wenig positives abgewinnen kann, wie ich bekenne.
    Die “Metropolisierung” schafft den indivudalisierten (um nicht egoistisch zu sagen), entwurzelten Konsummenschen, denjenigen, der sich skrupellos und ohne Rücksicht anderer Belange um seiner selbst Willen bereichert und über Oberflächlichkeiten definiert.

    Dass das nicht dauerhaft gutgehen kann und Konflikte vorprogrammiert sind, versteht sich von selbst.

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  13. Sven Kuchary says:

    Aus dem gesagten ergibt sich als rationale Taktik der “Linken”: Mache möglichst viele Menschen vom Staat abhängig. Dann sind dir bei Wahlen stabile Mehrheiten sicher. Das meine ich beobachten zu können. Damit hat man eine Zeitlang eine stabile “sozialistische Republik”, bis es wirtschaftlich nicht mehr funktioniert. Auch dazu gibt es Anzeichen.
    Die rationale Taktik der Liberalen muss sein: Wehret den Anfängen einer zu hohen Staatsquote. Das ist die Diskussion aktuell in den USA und im UK/Brexit.

    • Jürgen Stillger says:

      Ja, so ist es. Aber was hilft? Nichtwähler mobilisieren hilft nicht, weil 50 % der Abgeordneten über Parteilisten zu ihren Diäten kommen. Und die träge Masse macht ja zwei Kreuze! Was hilft, ist wahrscheinlich nur: lediglich Direktkandidaten wählen, keine etablierten Parteien wie CDU – CSU – SPD – FDP – Grüner – Linke wählen. Eben nur Direktkandidaten, von deren persönlicher Einstellung man sich aber vorher überzeugt hat. Wie? Durch kritsches googeln , durch persönliche Befragungen, durch Zeitungsberichte über deren Grundeinstellungen (so vorhanden) . . . die Seite http://www.polpro.de will sowas wohl machen.

  14. Mrpehage says:

    Nach der 68er Gesellschafts – Umkrempelung, dem 90er Ostblock Desaster und dem
    Aufstieg Chinas zur Weltmacht erleben wir z.Zt. offensichtlich einen weiteren fundamentalen Wandel.

    EU – Zerfall, Flüchtingsströme, Hofers 50%er, Frankreichs Benzinkrise, FIFA + Olympia-Doping Skandale, Aushebelungen der Gerichtsbarkeiten durch “Freihandel”, Obamas Kuba, Hanoi + Hiroshima Besuche, Argentinien + Brasilien + Venezuela Bekämpfungen, Trump Erfolge, Putins Geo Geschick, neuartige weltweite Mobilisierungen per Smartphone mit Facebook, Google + Co und der Genderwahn sind nur einige der Anzeichen für eine “neue Welt”.
    Mein Fazit : Entweder sind die “Führer” unserer Welt zerstritten oder deutlich schwächer, als die Verschwörungstheoretiker prognostizieren, oder ich erkenne
    den tieferen Sinn des Wandels noch nicht.

    • Ihr Fazit deckt sich 100% mit meinen Fragezeichen im Kopf. Entweder unsere Eliten haben den Verstand und/oder die Kontrolle verloren, oder aber ihr Intellekt übersteigt den meinen bei weitem. Weil, Sinn ergibt die derzeitige Gross- wie Kleinwetterlage für mich keinen mehr. Da müssen schon ordentliche Genies am Werk sein – nunja, oder überforderte Idioten.

  15. Ahmed says:

    Absolut Spitze, die letzten Beiträge… auch sprachlich schmissig. Chapeau

  16. Jurko says:

    Christian Ortner hat in seinem Buch Prolokratie bereits den Schluß gezogen, daß die Mehrwertschaffenden bereits zahlenmäßig im Hintertreffen sind, während die Kostgänger des Staates bereits in der Mehrheit sind. Diese reichen von Sozialbeziehern eben bis zu den Beschäftigten des Staates. Hinzuzurechnen sind auch die Personen, die direkt oder indirekt von Staatsaufträgen und Steuergeldern subventioniert werden, wie z.B. zahlreiche sogenannte NGO. Dagegen war der mittelalterliche und frühneuzeitliche Adel eine zahlenmäßig überschaubare Gruppe, die zumeist die 3%-Schwelle an der Bevölkerung nicht überschritten hat (Ausnahmen Polen oder Spanien). Ich befürchte, ähnlich wie Herr Junge, daß ein solches System nicht mehr auf demokratischen Weg reformierbar ist.

    • Sven Schillings says:

      Diese Einschätzung würde ich teilen. Die Staatsquote ist offiziell noch knapp unter 50%, jedoch sind in den letzten 2 Jahren durch die Von Merkel verursachte extreme Zuwanderung zigtausende von Jobs auf insbesondere kommunaler Ebene, den NGO’s sowie der milliardenschweren Sozialindustrie ( Caritas, Diakonie, Paritätuscher Wohlfahrtsverband) geschaffen worden, die alle fatalerweise ein Interesse daran haben, daß immer mehr Migranten kommen. Das bekommen wir bald nicht mehr korrigiert.

  17. Ein eng damit verknüpfter Gedanke lief mir auch vor ein paar Tagen durch den Kopf: Warum existieren eigentlich Parteien, die sich explizit auf die Fahne geschrieben haben, die Interessen von Arbeitnehmern zu vertreten, und die damit den Gegensatz zwischen AN und AG repräsentieren, aber im Prinzip keine Partei, die den Gegensatz zwischen Transferleistungserwirtschaftern (was Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Selbstständige sind) und Transferleistungsverbrauchern.

    Konklusion: Unter der Bedingung das ökonomische Grundbildung in diesem Land Mangelware ist, sind sich viele Erwirtschafter dieser Leistungen gar nicht richtig bewusst, dass sie im selben Boot sitzen und Transferleistungsverbraucher sitzen der irrigen Annahme auf, sie würden zum transferrierten Wohlstand mit ihrem Verbrauch beitragen.

    Konsequenz: Wirtschaftslehre als Pflichtfach an Oberschulen.

    Wobei da das Problem besteht, dass viele Leistungsverbraucher ihre Arbeit wohl unter Erstellung von public goods verbuchen würden, sobald sie von diesem Konzept erfahren. Das keynesianische und neoklassische Paradigma, dass man erstmal einen Kuchen essen muss, bevor man einen Kuchen backen kann, steht dem auch irgendwie im Wege.

    Konsequenz II: Kein Wirtschaftslehre als Pflichtfach bevor dieses Paradigma nicht überkommen ist.

  18. Ein interessanter Ansatz, der freilich noch weiterer Analyse bedarf (wie schon von Vorschreibern erwähnt, müsste die Tabelle mit Zahlen untermauert und detaillierter ausgearbeitet werden; des weiteren wäre interessant, wie sich das Wahlverhalten derjenigen darstellt, die sogenannte höhere Bildungsabschlüsse besitzen, aber in der Wirtschaft tätig sind).

  19. Pingback: Grüne Hetze? | ScienceFiles

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