Studie: LEGO im Kinderzimmer – Gewalt und Krieg als Folge

Man hätte es wissen können. Der kleine Adolf, er hat regelmäßig eine Gruppe von Legofigürchen in einem umbauten LEGO-Innenhof, gesichert von bewaffneten Lego-Männchen, mit seinem Kopfkissen erstickt. Der Holocaust, er war vorhersehbar.

Und der kleine Josef, er hat Gefallen daran gefunden, eine Gruppe bewaffneter Lego-Männchen eine andere Gruppe zum Steineklopfen zu zwingen. Mehr noch, die unbewaffneten Männchen, sie wurden im Stacheldraht gesicherten LEGO-Lager interniert und bei minus 30 Grad vom kleinen Josef in der Kälte des heimischen Innenhofes gelassen.

LEGO-Gewalt
LEGO Gewalttäter

Man hätte es wissen können, dass das Spielen mit LEGO die Gewalt hervorbringt, die Adolf wie Josef später hat zu gefürchteten Diktatoren werden lassen. Aber wir haben das Spielen mit LEGO-Figuren immer als Ausdruck kindlicher Beschäftigung und Phantasie angesehen, gedacht: Kinder sind halt so. Sind sie nicht. Sie werden erst so, durch LEGO!

Bis ins Jahr 2016 mussten wir warten, ehe der Zusammenhang zwischen LEGO-Bausteinen und Figürchen und Gewalt, heftiger Gewalt, ja Krieg bekannt geworden ist. Und dass der Zusammenhang überhaupt bekannt geworden ist, trotz der gesammelten Marktmacht des LEGO-Imperiums, das in mehr als 140 Ländern sein Unheil in die Kinderzimmer schickt, das verdanken wir den furchtlosen Christoph Bartneck, Qi Min Ser, Elena Moltachanova, James Smithies und Erin Harrington von der Christchurch University in Canterbury, New Zealand.

Sie haben sich der Tortur unterzogen, das jährlich von LEGO in die Kinderzimmer eingeschleuste Spielzeug zu analysieren, also die Spielwaffen (Speere, Äxte, Pfeile…), mit denen manche LEGO-Figürchen ausgerüstet sind, zu zählen und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: „There has been a significant increase in the proportion of weapond sets and the proportion of weapon bricks across time“ (8). Speere, Schwerter, Pistolen, Lichtschwerter, Gewehre, sie werden von LEGO immer häufiger in die Kinderzimmer geschleust. Die Folgen davon sind unabsehbar.

Sie sind so unabsehbar, dass nicht einmal die Autoren, dieser vermeintlichen Studie sie angeben können, was daran liegen mag, dass ihnen grundlegende wissenschaftliche Konzepte nicht geläufig sind.

So können sie offenkundig nicht zwischen einer Korrelation und einer Kausalität unterscheiden und sind kontinuierlich der Ansicht, Waffen als Kinderspielzeug würden zu etwas führen, zu Gewalt zum Beispiel und letztlich zu allem Bösen in der Welt. Und natürlich haben sie keinerlei Belege für diese Behauptung. Die Autoren haben eben etwas gegen LEGO-Männchen mit Schwert. Und weil die Autoren etwas gegen LEGO-Männchen mit Schwert haben, deshalb müssen LEGO-Männchen mit Schwert zu schlimmen Dingen führen, zu Aggression, Gewalt, Krieg, Völkermord, was auch immer: LEGO ist schuld.

ourworldindata_wars-after-1946-state-based-battle-death-rate-by-type-750x536Auch der Unterschied zwischen einer Handlung und einem Zustand ist ihnen nicht bekannt. Gewalt ist eine Handlung. Man kann sich Gewalt nicht anders vorstellen, als in Handlung. Gewalt setzt also voraus, dass etwas getan wird. Die Autoren schreiben jedoch kontinuierlich von der Gewalt des LEGO-Spielzeuges und meinen damit, das Schwert in der Hand des Piraten. Das ist gewaltiger Unsinn.

Schließlich und dummerweise für die Autoren, geht der “significant increase in the proportion of weapond sets and the proportion of weapon bricks across time” mit einer Reduktion der Anzahl von Kriegstoten einher (siehe Abbildung oben). Insofern man bewaffnete Konflikte als Anwendungsfall von Gewalt ansehen muss, müsste man nun, aus der Logik der Autoren heraus folgern, dass der Export von rund 60 Milliarden LEGO-Bausteinen in 140 Länder allein im Jahre 2014 dazu beigetragen hat, dass die Anzahl der Personen, die in Kriegen zwischen Staaten getötet wurden, zurückgegangen ist.

Lego Gewalt 3.jpg
Völkerschlacht bei LEGO

Wir haben auf ScienceFiles die Kategorie der Junk Science für so genannte Studien, in denen gegen jede wissenschaftliche Methode verstoßen wird oder auf Grundlage von keinen Belegen weitreichende Schlüsse und Empfehlungen abgeleitet werden. Die Studie von Bartneck et al., sie passt nicht wirklich in diese Kategorie. Wir haben daher die neue Kategorie der Stuss-Science oder Rubbish Science geschaffen, in die wir vermeintliche Studien einordnen, bei denen schon die Fragestellung absoluter Unsinn ist, denn auf die Idee, einen Zusammenhang zwischen einer LEGO-Figur, mit der ein Dreijähriger spielt und die ein Schwert in der Hand hält, und gewalttätigem Verhalten des Dreijährigen im Alter von 17 Jahren, muss man erst einmal kommen. Und wenn man auf eine so abwegige Idee kommt, muss man zudem in der Lage sein, all die anderen Einflüsse im Leben von Kindern und Jugendlichen auszublenden, die eventuell einen Effekt darauf haben könnten, dass der 17-Jährigen einem ebenfalls 17-Jährigen ein blaues Auge verpasst. Zudem muss man eine geradezu infantile Sichtweise auf die Wirklichkeit entwickelt haben, die es erlaubt, die Welt durchgängig in gute und böse Gegenstände zu unterteilen, und schließlich muss man der Ansicht sein, dass mit der eigenen Stuss-Studie Geld verdient werden kann, dadurch z.B. dass man sie Regierungen andient, damit sie die Spielzeughersteller regulieren, so wie das Bartneck et al. tun: „To provide effective protection from the effects of violence, government agencies need to assess the violence of toys and media. … .We hope that our questionnaire might be of use to other researchers …” (17-18). Wer solche Wissenschaftler hat, der benötigt keine Blockwarte mehr.

Und die Kleinigkeit zum Schluss: Natürlich haben Bartneck et al. an keiner Stelle ihrer Studienbeschreibung auch nur einen Beleg dafür vorgebracht, dass LEGO-Bausteine zu Gewalt führen. Vielmehr wissen sie auch nicht, was sie eigentlich mit ihren Ergebnisse anderes wollen sollten als sich anzubiedern: : „The results … showed significant exponential increases of violence over time. LEGO products have become significantly more violent. This increase is not in line with their policy …”.

Früher hätten wir gesagt, das ist armeselig, heute sagen wir zudem: das ist Stuss (angesichts der Menge an Unsinn, der von angeblichen Wissenschaftlern verbreitet wird, muss man zu drastischeren Begriffen greifen) und diese Bewertung nehmen wir nur zurück, wenn uns einer der Leser einen Beleg dafür bringt, dass wer auch immer von einem LEGO-Piraten angegriffen wurde.

Hinweis für Studenten: Bereits der Titel der sogenannten Studie: Bartneck, Christoph et al. (2016). Have LEGO Products Become more Violent?, zeigt, dass die Autoren keine Wissenschaftler sein können, denn das einzige Gebiet, das sich mit Gegenständen beschäftigt, die aus eigener Kraft handeln, ist seit einigen missglückten Seancen um 1899 in Verruf geraten. Studien die einen solchen Stuss bereits im Titel formulieren, muss man eigentlich nicht lesen. Wenn man es dennoch tut und nach kurzer Zeit feststellt, dass es keinerlei theoretische Begründung für die Fragestellung gibt, also: Warum sollten LEGO-Figürchen mit Schwert einen Effekt auf die Gewalttätigkeit von Fünfjährigen, die damit spielen, haben, spätestens dann kann man diese Stuss-Studie getrost aus der Hand legen.


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