Aufregung ist ein schlechter Berater. Wer aufgeregt ist, macht Fehler, denkt oft nicht logisch und schüttet gar zu oft, das Kind mit dem Bade aus. Wenn sich ein Aufgeregter im Recht sieht, dann ist es besonders schlimm. Dann wird die eigene Aufregung zum Immunitätsschild, das seinem Träger vormacht, er könne gar nichts schreiben, was falsch ist, habe die Fraktion der moralisch Aufgeregten auf seiner Seite, egal, was er sagt oder schreibt oder twittert.
Entsprechend hat ein Marc Dietzschkau, der laut MDR Pressesprecher der SPD in Sachsen sein soll, getwittert: „Das #Pack im #saxlt wünscht sich, den Terrortod von Politikern“. Das ist demnach als Pressemeldung der SPD aus dem sächsischen Landtag (saxlt) zu werten. #Pack steht für die AfD, und ist bereits der erste logische Fehler, den Dietzschkau begeht, denn das, was er beanstandet, hat nicht die AfD, sondern Sebastian Wippel, der nachweislich nicht die AfD ist, gesagt. Tatsächlich hat Wippel Folgendes gesagt:
„Und nun haben wir die Quittung bekommen, jetzt auch in Deutschland erstmalig mit den Anschlägen in Bayern und Baden-Württemberg. Leider hat es nicht die Verantwortlichen dieser Politik getroffen.“
Formen wir den Satz ein wenig um. Wenn es nicht die Verantwortlichen getroffen hat, dann hat es vermutlich diejenigen getroffen, die nicht verantwortlich sind. Wenn es die getroffen hat, die nicht verantwortlich sind, dann kann man auch sagen, es hat die Falschen getroffen.
Das #Pack im #saxlt wünscht sich den Terrortod von Politikern. #AfD pic.twitter.com/unyWJZmzVQ
— Marc Dietzschkau (@DerMarcDD) August 31, 2016
Wenn sich nun Politiker allen Ortes darüber echauffieren, dass sich „das #Pack im #saxlt“ den „Terrortod von Politikern“ wünsche, dann ist dies nicht nur ein Fehlschluss, sondern eine Aussage, die nur den Schluss zulässt, dass der SPD-Pressesprecher, von dem dieser bemerkenswerte Tweet stammt, der Ansicht ist, die Terroranschläge in Bayern und Baden-Württemberg hätten schon die Richtigen getroffen.
Das folgt logisch aus seiner Aufregung.
Wie so oft, sind diejenigen, die sich über die angeblich moralisch so verwerflichen Wünsche anderer echauffieren, diejenigen, deren Wünsche man besser nicht thematisiert. Was sich ein Marc Dietzschkau wünscht, der kein Problem hat, Menschen, Abgeordnete, Politiker als Pack zu bezeichnen (gleich der nächste logische Fehler, denn hätte Dietzschau mit seinem Tweet Recht, dann müsste sich Wippel zwangsläufig seinen eigenen Tod wünschen), das kann man sich lebhaft vorstellen.
Merke: Moralischer Hochmut, insbesondere wenn er mit kleinen Geistern einhergeht, kommt regelmäßig vor dem Fall.
Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns
| ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. | Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung |
|---|
| durch eine Spende (via Paypal) | durch eine Spende (via Banküberweisung) | als ScienceFiles-Clubmitglied |
|---|---|---|
|
