Lehrer(hin)fortbildung: Kein Wunder, dass viele Deutsche nicht argumentieren können

Es gibt den „Aha“ und es gibt den „Huch“-Effekt
Der Aha-Effekt wird mit Fortbildung bei den Fortzubildenden angestrebt. Der Huch-Effekt wird dann erreicht, wenn sich die Fortbildung nicht als Fortbildung, sondern als Rückbildung vorhandenen Wissens oder Sicherstellung vorhandener Unbildung entpuppt.

Huch – eben.

Folgendes haben wir gefunden:

“Lehrerfortbildung-bw.de:
Sie sind hier: Klassenstufe 9; Themeneinheit: Argumentieren und diskutieren; Überzeugend argumentieren; Arbeitsblatt: Die Argumentation

Arbeitsblatt: Die Argumentation
Wer andere überzeugen, etwas Strittiges klären oder Positionen austauschen will, bedient sich des sprachlichen Verfahrens der Argumentation.

Eine Argumentation besteht aus einer Abfolge von These (Behauptung, Bewertung, Urteil, Empfehlung), Argument (Begründung), Stützung des Arguments (Erläuterung, Beispiel, Beleg, Zitat, Analogie, …) und Folgerung.

[Haken wir hier kurz ein und weisen unsere Leser daraufhin, dass diese eher umgangssprachlich-hegelianische Beschreibung von „Argument“ die Katastrophe der Lehrerfortbildung, die wir unten darstellen, bereits vorbereitet, denn ein Argument ist eine logische Struktur, die z.B. Follesdal, Walloe und Elster in ihrem nützlichen Buch über rationale Argumentation als „Folge von Sätzen“ beschreiben, „von denen einige – die sogenannten Prämissen – als Belege bzw. als Gründe für einen anderen Satz aus dieser Satzfolge, die sogenannte Konklusion“, bezeichnet werden (244). Die Struktur eines Argumentes sieht es also vor, dass die einzelnen Bestandteile des Arguments, seine Sätze, logisch aufeinander bezogen sind.]

Weiter in der Lehrerfortbildung
Ein Beispiel (ein für Deutschland typisches Beispiel)

These: Fahrradfahrer sollten stets einen Fahrradhelm tragen,
Argument: weil die Gefahr[,] bei einem Unfall, schwer oder tödlich verletzt zu werden, mit Helm [gemeint ist durch einen Helm] deutlich verringert wird.
Erläuterung: Denn prallt der Kopf nach einem Unfall auf eine harte Oberfläche, kann sich der Radfahrer lebensgefährlich verletzt.
Beispiel: Ich hatte im Februar dieses [diesen] Jahres einen Fahrradunfall mit einem Auto [Wie kann man mit einem Auto eine Fahrradunfall haben?], bei dem ich eine Rolle vorwärts über den Lenker gemacht habe. Dank meines Fahrradhelms hatte ich trotz mehrerer Verletzungen am Körper keine Kopfverletzungen, die deutlich gefährlicher gewesen wären als mein Ellenbogenbruch.
Beleg: Eine Statistik der Kölner Klinik hat bei zehn getöteten Radfahrern ermittelt, dass neun von ihnen noch leben würden, wenn sie einen Helm getragen hätten.
Zitat: Laut Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann müsse jede Möglichkeit genutzt werden, um die Köpfe der Radfahrer vor schwerwiegenden Verletzungen zu schützen. Eine bessere Methode als den Helm kenne er nicht. Er sei das Schutzschild Nummer eins.
Analogie: Auch andere Verkehrsteilnehmer wie Motorrad- und Autofahrer schützen sich mit Helmen oder Gurt und Airbag vor schweren Verletzungen bei Unfällen
Folgerung: Daher ist eine gesetzliche Helmpflicht für Fahrradfahrer unbedingt erforderlich.

Soweit das Beispiel zur Lehrerfortbildung, das erklärt, warum so mancher Lehrer nach der Fortbildung dümmer ist als davor.

Hatten Sie schon Ihren Huch-Effekt?
Wir fangen mit den Fehlern an, die im Vergleich zum größten möglichen Fehler, fast schon harmlos sind.

Was als Argument bezeichnet wird, ist natürlich kein Argument, sondern eine Behauptung, die es im Argument zu begründen gilt, nämlich, dass Helme dafür sorgen, dass Köpfe weniger zermatscht werden, wenn Radfahrer auf dem Radweg aufschlagen.

Was als Erläuterung bezeichnet wird, ist Teil der Behauptung, die im Argument begründet werden muss.

Das Beispiel hat in einem Argument nichts zu suchen. Es stellt einen individualistischen Fehlschluss dar und hat keinerlei Aussagekraft, zum einen, weil es nicht ausgeschlossen ist, dass Kopfschäden, die sich insbesondere auf die Orthographie auswirken, unentdeckt geblieben sind, zum anderen weil der gebrochene Ellenbogen darauf hinweist, dass ein Ellenbogenschutz wichtiger ist als ein Helm, weshalb ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens vorliegt.

Der Beleg ist mit viel gutem Willen ein Beleg, wenngleich der Verdacht der unzulässigen Verallgemeinerung (10 Radfahrer in Köln) naheliegt.

Das Zitat ist nett, aber vollkommen fehl am Platze. Es belegt, dass wer auch immer sich an der Lehrerfortbildung „Argument“ versucht hat (und kläglich gescheitert ist), das Argumentum ad hominem mag, was aber nichts daran ändert, dass das Argumentum ad hominem einen Fehlschluss darstellt. Was Baden-Württembergs Verkehrsminister über Fahrradhelme zu sagen weiß, hat keinerlei Einfluss auf die Gültigkeit des Arguments.

Die Analogie ist eine falsche Analogie: Autofahrer tragen in der Regel keine Helme, während Gurte und Airbags für Fahrradfahrer eher ungeeignet sind. Motorradfahrer, die mit Helmen unterwegs sind, sind dies in der Regel mit einer höheren Geschwindigkeit als Fahrradfahrer.

Und jetzt kommt der Knaller.
Die Folgerung.
„Daher ist eine gesetzliche Helmpflicht für Fahrradfahrer unbedingt erforderlich.“

Unglaublich.

Dieser Unsinn steht in einer Lehrerfortbildung, die das „Argument“ erklären will.
Es ist, als würfe man einen Stein ins Wasser und ein Motorrad käme herausgefahren.
Die Folgerung, die hier getätigt wird, wird durch das Argument nicht einmal im Entferntesten gestützt. Hier fehlt der verbindende Mittelterm. Wer es nicht glaubt, möge nach der Verbindung zwischen einer gesetzlichen Helmpflicht und deren Reduzierung der Gefahr von Kopfverletzungen suchen. Mit viel gutem Willen kann man eine Verbindung zwischen Fahrradhelm und reduzierter Gefahr von Kopfverletzungen herstellen, aber sicher nicht zu einer gesetzlichen Helmpflicht. Hier ist der Untertanengeist mit dem Lehrerfortbilder durchgegangen. Er ist offensichtlich der Ansicht, dass immer dann, wenn etwas gefunden wird, das Verletzungen verhindert, eine entsprechende Pflicht per Gesetz zu erlassen ist.

Machen wir ein gültiges Argument auf Grundlage dieser Prämisse.

  • Jede Verletzung von Menschen ist per Gesetz und durch Einführung geeigneter Schutzmaßnahmen zu verhindern.
  • Dummheit stellt eine Verletzung des Intellekts normal begabter Menschen dar.
  • Die Verbreitung von Dummheit kann durch Rede- und Schreibverbote eingedämmt werden.
  • Der für die Lehrerfortbildung „Argument“ Verantwortliche, verbreitet Dummheit.
  • Ihm ist daher ein Rede- und Schreibverbot auszusprechen.

Verantwortlich für diesen Blödsinn, der als Fortbildung für Lehrer verkauft werden soll, ist übrigens:

Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen
Steinbeisstraße 1
73730 Esslingen
Tel.: +49 711 93 07 01 – 0
Fax.: +49 711 93 07 01 – 10

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Der Fehlschluss ad impressum

Nach unserer Beobachtung ist Deutschland eines der Länder, in denen der Fehlschluss blüht. Journalisten, die ihren Selbstwert u.a. aus dem täglichen Versuch ziehen, den US-Präsidenten als dumm darzustellen, bedienen sich gerne der Fehlschlüsse ad hominem, ad auctoritatem oder des Fehlschlusses der Bejahung des Konsequens.

Der Fehlschluss ad hominem erlebt eine geradezu stürmische Verbreitung, zuletzt vornehmlich im Zusammenhang mit dem Versuch, Argumentationen, Argumenten und missliebigen Fakten aus dem Weg zu gehen. Eine Variante des Fehlschlusses ad hominem ist der Fehlschluss ad impressum. Den Begriff „Fehlschluss ad impressum“ haben übrigens wir geprägt; Verwendung bitte unter Quellenangabe!

Der Fehlschluss ad impressum ist eine Unterklasse des Fehlschlusses ad hominem. Letzterer ist so ziemlich der dümmste Fehlschluss, den man machen kann, was nicht heißt, dass diejenigen, die ihn machen, auch die Dümmsten sind. Das wäre ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens. Aber es heißt in jedem Fall, dass diejenigen, die den Fehlschluss begehen, der Ansicht sind, diejenigen, denen sie ihn zumuten, seinen dümmer als sie selbst.

Um es auf die kürzeste mögliche Fassung zu bringen:
Ob eine Aussage richtig oder falsch ist, hat überhaupt nichts mit demjenigen zu tun, der die Aussage trifft. Die Korrektheit einer Aussage ist eine Frage, die deren Übereinstimmung mit der Realität betrifft. Sonst nichts.

Ob das Gesetz von Avogadro zutrifft hat weder etwas damit zu tun, dass Avogadro Italiener war noch etwas damit, dass er in Turin gelebt hat. Ob das Gesetz zutrifft, ist eine Frage seiner Übereinstimmung mit der Realität, davon ob gleiche Volumina gleicher Gase bei gleicher Temperatur und gleichen Druck tatsächlich die gleiche Anzahl kleinster Teilchen enthalten. Auch die Tatsache, dass Avogadro dieses Gesetz ohne Impressum veröffentlicht hat, ändert nichts an diesem Punkt.

Nun ist der Fehlschluss ad hominem in Deutschland ein besonders beliebter Fehlschluss. Warum dies so ist, darüber kann man informiert spekulieren, wenn man in Rechnung stellt, dass er vornehmlich vorgebracht wird, um die Auseinandersetzung mit Aussagen zu vermeiden, die den eigenen Überzeugungen oder dem, was man anderen gerade weismachen will, widersprechen. Er ist ein aggressives Mittel, um die Tatsache zu kaschieren, dass man einem Einwand, einem Argument nicht argumentativ begegnen kann, ihm schutzlos ausgeliefert ist. Er stellt den Versuch dar, die eigene argumentative Unzulänglichkeit zu übertünchen.

Für den Fehlschluss ad impressum gilt dasselbe. Er taucht in verschiedenen Kontexten in immer gleichlautender Weise auf, nämlich dass eine Webpage, die kein Impressum habe, nicht seriöse sei oder es nicht verdiene, dass man ihr mit dem notwendigen Respekt begegne. Die Absicht hinter der Anwendung des Fehlschlusses ad impressum ist wie beim Fehlschluss ad hominem ein Angriff auf den, der etwas sagt, um dem, was gesagt wurde, nicht begegnen zu müssen. Der Angriff dient dazu, die eigene argumentative Armseligkeit zu überdecken, und denjenigen, der die Argumente hat, denen man nicht begegnen kann, zu diskreditieren.

Tatsächlich gilt, was wir oben bereits gesagt haben: Die Gültigkeit einer Aussagen hängt nicht davon ab, ob auf der Webseite, auf der die Aussage gemacht wird, ein Impressum vorhanden ist oder nicht.

Wir haben diesen kurzen Post zum Fehlschluss ad impressum geschrieben, weil uns ein Leser die folgende Mitteilung hat zukommen lassen.

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe die Verantwortlichen von Erneuerbare-Energien e.V. der Webseite https://unendlich-viel-energie.de/ bezüglich ihrer Umfrage mal versucht zu konfrontieren. Ich wies u.a. auch auf ScienceFiles hin. Leider wurde einer detaillierten Argumentation von vornherein ausgewichen, weil “Die von ihnen zitierte Homepage hat weder Impressum noch gibt sie Auskunft darüber, wer sich dahinter verbirgt. Ein Mindestmaß an Transparenz sieht für mich anders aus.”

Es ist kein Wunder, dass man seitens der Lobbygruppe „Agentur für Erneuerbare Energie“ versucht, einer Argumentation mit uns aus dem Weg zu gehen, denn die von uns vorgebrachten Tatsachen dazu, wie die Agentur unter tätiger Mithilfe von Emnid Befragte in die Zustimmung zu Erneuerbarer Energie manipuliert hat, sind kaum zu bestreiten. Jeder Sozialforscher, der ein wenig Ahnung davon hat, wie man Zustimmung in Befragungen generieren kann, wie man Befragte so manipulieren kann, dass sie einer Aussage zustimmen, wir bestätigen, dass unsere Kritik an den Ergebnissen der Jubel-Umfrage, die die Agentur für Erneuerbare Energien bestellt und bezahl hat, berechtigt ist. Jeden, der mit der korrekten Formulierung von Fragen in quantitativen Befragungen befasst ist, wird die Zornesröte ereilen, angesichts der plumpen Art und Weise, mit der man bei der Lobbyagentur versucht, die Öffentlichkeit zu täuschen.

Hat es uns die Zornesröte ins Gesicht getrieben, als wir lesen mussten auf welch‘ plumpe Art und Weise man bei der Lobbyagentur für Erneuerbare Energien versucht, unseren Argumenten, einer Auseinandersetzung mit diesen Argumenten und damit letztlich dem Eingeständnis, dass die eigene Umfrage eine Junk-Umfrage ist, zu entgehen?

Nein. (perish the thought).

Wir sind voller Mitleid angesichts der Hilflosigkeit, die manche Lobbyistengruppen befällt, wenn sie feststellen müssen, dass draußen, draußen in der Welt der Bürger, die sie für die Welt der Dummen, die Welt derer, die man mit Junk-Umfragen manipulieren kann, halten, dass es dort Bürger gibt, die ihren Unsinn auseiander nehmen und dahin zurückstopfen, wo er hergekommen ist: In den Müll.

Daran müssen sich die Herrschaften erst gewöhnen und wenn sie sich gewöhnen, dann wird ihnen dämmern, dass die Bürger da draußen nicht so dumm sind, wie sie dachten, dass die Bürger schon seit Jahren über diejenigen lachen, die versuchen, sie mit Unsinn für dumm zu verkaufen.

Was das wohl für das geliehene Selbstbewusstsein der Surrogat-Persönlichkeiten qua Abgrenzung bedeutet?

Deshalb: Schlagt‘ ihnen ihre Fehlschlüsse um die Ohren, wo ihr sie trefft.

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Intellektuelle Niederungen: Grüne perfektionieren Reductio ad absurdum

„Die Reductio ad absurdum ist eine gültige Argumentform, die sehr oft benutzt wird und höchst effektiv ist. Sie wird manchmal dazu verwendet, eine positive Konklusion zu ziehen; oft bedient man sich ihrer aber auch, um eine Behauptung eines Opponenten zu widerlegen.“

Das schreibt Wesley C. Salmon in sinem kleinen Reklam-Büchlein, das den schlichten Titel „Logik“ trägt.

Das Folgende schreiben die Grünen und das anhängende Bündnis (oder umgekehrt) in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung:

„Demensprechend klafft eine große Lücke zwischen den Renten von Männern und Frauen. Dies betrifft nicht nur die gesetzliche Rente, sondern auch und gerade die betriebliche Altersversorgung sowie die private Altersvorsorge. Wir fragen die Bundesregierung:

1. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die geschlechtsspezifische Rentenlücke bezogen auf die durchschnittlichen Rentenzahlbeträge“

Die Grünen haben die Logik erweitert und der Reductio ad absurdum, die normalerweise genutzt wird, um seinen Gegner lächerlich zu machen bzw. sein Argument zu zerstören, eine Selbst-Reductio ad absurdum hinzugefügt. Eine reife Leistung, die nur durch eine intellektuelle Lücke, die Grüne von der Normalbevölkerung trennt, möglich ist.

Allgemein kann man annehmen, dass jemand, der nach einer Antwort fragen muss, die entsprechende Antwort nicht kennt (rhetorische Fragen sind ausgeschlossen). Die Grünen kennen entsprechend die Höhe der geschlechtsspezifischen Rentenlücke nicht, sonst müssten sie nicht danach fragen. Gleichzeitig behaupten sie, dass entsprechende Lücke nicht nur existiere, sondern eine große Lücke sei, was sie nicht wissen können, weil sie die Lücke nicht kennen, sonst würden sie nicht danach fragen.

Die logische Struktur der Grünen selbst-reductio ad absurdum ist wie folgt

P (Wir kennen die Lücke)
-P (Wir fragen nach der Lücke, also kennen wir sie nicht)
Q (Wer nach einer Lücke fragt, die er angeblich kennt, ist entweder irre oder er weiß die Antwort nicht.)
-Q (Die Grünen wissen, dass die Lücke groß ist)
Konklusion aus Q und –Q: Die Grünen müssen irre sein.

Wem diese Konklusion nicht gefällt, der kann die Reductio ad absurdum auch so auflösen:

P (Wir kennen die Lücke)
-P (Wir fragen nach der Lücke, also kennen wir sie nicht)
Q (Wer nach einer Lücke fragt, die er angeblich kennt, ist entweder irre oder er weiß die Antwort nicht und lügt.)
-Q (Die Grünen wissen nicht, dass die Lücke groß ist)
Konklusion aus Q und –Q: Die Grünen lügen.

Warum Deutschland einem Kindergarten gleicht

Oder einer ist?

Der Versuch, eine Demokratie zu leben, nimmt in Deutschland immer groteskere Formen an.

Heute: Eine Gesellschaft, gleich welchen politischen Systems, lebt davon, dass die Mitglieder miteinander kooperieren. Damit sie miteinander kooperieren, ist es notwendig, dass sie miteinander reden: Reden Sie nicht mehr miteinander, dann passiert, was im Kindergarten passiert: Rote Köpfe, gepresste Backen und Schreien, um die eigenen Interessen auch gegen den Willen der anderen durchsetzen zu können.

In seiner intellektualisierten Variante besteht die Verweigerung von Kooperation darin, mit „dem“ oder mit „denen“ nicht mehr zu sprechen. Entweder, weil es die Erhabenheit der eigenen moralischen Einbildung nicht zulässt oder weil es die Ärmlichkeit der Fähigkeit, die eigene Überzeugung zu begründen, nicht zulässt, sich ernsthaft mit Personen anderer Meinung auseinanderzusetzen.

Deshalb werden in Deutschland grundsätzlich diejenigen aus der Diskussion ausgeschlossen, deren Meinung anders ist. Wie im Kindergarten, so gibt es auch im vermeintlich erwachsenen Deutschland nur zwei Meinungen, die richtige, also die eigene, und die falsche, die andere. Wer eine andere Meinung hat, ist dementsprechend ein Nazi oder, umgekehrt, eine linke Zecke.

Auf der Strecke bleibt das, was Gesellschaften zusammenhält, das miteinander Sprechen. Die Väter der US-amerikanischen Verfassung haben das sehr klar gesehen und entsprechend jede Möglichkeit ausgeschlossen, dass irgend eine Meinung als nicht mehr salonfähig gebrandmarkt werden kann. Erlaubt ist jede Meinung. Wem eine Meinung nicht gefällt, der muss sich dennoch mit ihr arrangieren, sie aushalten lernen, sie verbal bekämpfen, aber er kann sie nicht unterdrücken oder gar verbieten.

In Deutschland ist das anders. Hier, im Kindergarten, spielen (sprechen) angeblich erwachsene Menschen, die von sich denken, sie seien intellektuell zu mehr als unartikuliertem Gebrabbel in der Lage, nicht mit anderen, die eine falsche politische Einstellung mitbringen.

Ein gefährliches Unterfangen, denn man soll nie ausschließen, in einer lebenswichtigen Situation auf die Hilfe von jemandem angewiesen zu sein, den man als Nazi gebrandmarkt hat und dessen Hand man nun fraglos erwartet, um aus dem Morast gezogen zu werden, in den man geraten ist. Die Ausgrenzung von Menschen mit anderer Meinung, sie blüht in Deutschland, und sie ist die dümmst-mögliche Form des gemeinsamen Umgangs.

BaukloetzeUnd es sind ausgerechnet diejenigen, die sofort freudig und willig skandieren, dass man Flüchtlinge integrieren müsse, ihnen helfen, mit ihnen sprechen müsse, die dieselbe Behandlung denen verweigern, die eine andere Meinung haben. Daran wird deutlich ersichtlich, dass nicht die andere Meinung das Problem ist. Die Interaktion und Freude über Flüchtlinge erfolgt aus einer überlegenen Position. Man gehört zu denen, die schon wissen, wie es in Deutschland läuft und kann dies den kleinen Brauen, die nach Deutschland kommen, zeigen. Es ist schlicht eine Form des gewendeten Rassismus, der sich in positiven Gefühlen ausdrückt, denn die negativen Gefühle, die werden in einer Art ideologischem Rassismus denen gegenüber gebracht, die nicht unterwürfig und nicht neu und nicht auf Hilfe angewiesen sind, die man als ebenbürtig ernst nehmen, mit denen man ebenbürtig reden und diskutieren müsste, und nichts fürchten die linken Herrenmenschen mehr als mit Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, ebenbürtig zu sein und ein gleiches Recht auf freie Meinungsäußerung für sich reklamieren, reden zu müssen.

Wir sind eben im Kindergarten und mit „denen da“ spielt man nicht.

Ein besonderes Beispiel dieser Idiotie hat sich auf Twitter ereignet, dem sozialen Netzwerk, auf dem die Sicherheit von nicht mehr als 140 Zeichen auch noch den letzten Sprachgestörten zum Flüssigsprecher werden lässt. Hier kann man den institutionalisierten Fehlschluss ad hominem, der eine direkte Folge des: mit dem redet man nicht ist und in seiner Konsequenz zu einer Spaltung der Gesellschaft führt, beobachten.

Der Fehlschluss ad hominem, den vor allem diejenigen so gerne begehen, die sich selbst für intellektuell begabt halten, er beginnt damit, dass Kolja Bonke, der auf Twitter für seine klare Meinung bekannt ist und von manchen als rechts bezeichnet wird, als einer der ersten Informationen zum Attentat von Manchester verbreitet hat.

Die FAZ-Redaktion auf Twitter, die sich hier nicht hinter Presseagenturen verschanzen kann und auf Informationen von anderen angewiesen ist, hat den Tweet von Bonke, in dem nur Informationen zum Anschlag in Manchester enthalten waren, weiterverbreitet.

Das wiederum hat einigen Saubermännern, die lieber im Kindergarten leben, als dass sie sich wie Erwachsene mit anderen Erwachsenen sprachlich auseinandersetzen, mit Argumenten und Begründungen und so weiter, nicht gefallen:

Wer nun denkt, die FAZ-Redaktion stünde über derartigem Unsinn, der sieht sich getäuscht. Die Journalisten beteiligen sich am verordneten Sprachverbot. Mit „denen“ spricht man nicht. Nicht die Information zählt, sondern der, der die Information gibt. Bleibt nur noch zu klären, ob sich die Mitglieder der FAZ-Redaktion dann, wenn sie eine Meinungsverschiedenheit über z.B. die Setzung eines Kommas in einem ihrer Texte haben, mit Bauklötzen bewerfen, um herauszufinden, wer Recht hat. Jedenfalls haben die dort Beschäftigten die Hosen so voll, dass sie sich lieber intellektuell diskreditieren, als dass sie Stellung für die Rationalität und die Logik beziehen, als dass sie in die Welt der Erwachsenen wechseln.

Im Kindergarten herrscht übrigens eine Oligarchie aus Personen, die über die Selbstbestimmungsrechte der Insassen nach Lust und Laune verfügen und letztere zu Tätigkeiten anhalten und verpflichten, die nicht selten gegen deren ausgesprochene Interessen stehen. Im Kindergarten wissen die Großen, weiß die Obrigkeit, was für die Kindlein richtig ist. Im Rest von Deutschland scheint es genauso zu sein.

Keine intellektuelle Kanzlerdämmerung: Börsianer sind keine Menschen

Die meisten Politiker sind keine Logiker.
Das ist bekannt.

Logik fuer DummiesDie meisten Politiker wissen gar nicht, dass es eine formale, eine Aussagen-, eine Prädikatenlogik gibt.

Den wenigsten Politikern ist bewusst, dass Mathematik auf Logik beruht.

Kaum einem Politiker ist bekannt, dass auch Sprache auf Logik beruht, dass Sprache, ohne Logik zum bloßen Gebrabbel wird.

Die meisten Politiker sind nicht an Logik interessiert, weil ihre Sprache keine Argumente enthält, nicht auf Argumentation ausgelegt ist, sondern darauf, die Adressaten ihrer sprachlichen Ergüsse affektiv, also über den Bauch und nicht über das Gehirn, zu erreichen.

Etwa so:

Was sind Finanzmärkte?
Die Mehrzahl von Finanzmarkt.

Was ist ein Finanzmarkt?
„Finanzmarkt ist ein Oberbegriff für alle Märkte, auf denen ein Handel mit Kapital stattfindet“, so Wikipedia.
An Finanzmärkten wird also mit Kapital gehandelt.

Wer handelt mit Kapital?
Menschen handeln. Der Gütertausch, hier in Form von aktuellem Kapital gegen zukünftiges Kapital, ist eine Interkation, eine soziale Handlung, die nur zwischen Menschen erfolgen kann.

An Finanzmärkten handeln Menschen miteinander.

Handeln ist ein „bewusstes und willentliches menschliches Tun, das auf die Grundlage der Wirklichkeit gerichtet ist; der Handelnde verfolgt dabei bestimmte Ziele und hat dafür bestimmte Motive” (Giesecke 2010: 21). Soziales Handeln zwischen Menschen ist „am vergangenen, gegenwärtigen oder für künftig erwarteten Verhalten anderer … [orientiert]” (Weber 1988: 562)

nyse2Wenn nun Kanzler Merkel sagt:
„Bei Globalisierung geht es um Menschen und deren Lebenschancen, nicht um Interessen der Finanzmärkte“, dann stellt sie die Menge der Menschen, den Finanzmärkten gegenüber. Beide sind im Bezug zu einander exklusiv: Finanzmärkte haben zwar Interessen, wie Frau Merkel meint, aber dort gibt es keine Menschen, die handeln, denn die Menschen und ihre Lebenschancen sind inkompatibel zu Finanzmärkten, was zur logischen Konsequenz hat, dass es an Finanzmärkten keine Menschen geben kann.

Nun gibt es verlässliche Beobachtungen von z.B. Börsen in New York, London, ja selbst in Frankfurt, die berichten, sie hätten Menschen beim Handel an der Börse, am Finanzmarkt beobachtet. Diese Beobachtungen müssen nach der Logik von Kanzler Merkel falsch sein, denn an Börsen und Finanzmärkten gibt es keine Menschen. Folglich muss Frau Merkel der Ansicht sein, an Finanzmärkten handeln entweder Aliens oder Unmenschen. Beide Konsequenzen der Merkelschen Aussage muss man als menschenfeindlich ansehen.

Ist die Menschenfeindlichkeit von Merkel nun Ergebnis der Tatsache, dass sie Unsinn erzählt oder ist die Menschenfeindlichkeit ernstgemeint. Ist Frau Merkel also tatsächlich der Ansicht, Börsianer, Broker, Investmentbanker seien keine Menschen?

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