Formen der Dummheit (- die besonders in Deutschland endemisch sind)

Ein Leser von ScienceFiles hat uns gebeten, unser Konzept der Dummheit erster, zweiter und dritter Ordnung noch einmal in allgemeiner Form darzustellen. Wir haben es bislang nur am Beispiel des Gender Pay Gaps, als einem Beispiel besonderer Dummheit durchgespielt.

Wir kommen diesem Wunsch gerne nach und hoffen, dass unser Konzept weite Verbreitung und Anwendung in entsprechenden Diskussionen findet.

Hier also unser Konzept der Dummheit:

Dummheit erster Ordnung

Dummheit erster Ordnung liegt dann vor, wenn ein deskriptives Faktum nicht als deskriptives Faktum angesehen wird, sondern als Ausdruck für etwas normativ Dahinterliegendes. Die Wahrnehmung deskriptiver Fakten ist in diesen Fällen durch die Interessen des Wahrnehmenden so gestört, dass er nicht mehr richtig wahrzunehmen im Stande ist. Das, was ist, wird in den Fällen von Dummheit erster Ordnung von dem überlagert, was der Wahrnehmende gerne wahrnehmen würde.

Ein Beispiel ist der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen (Männer verdienen durchschnittlich mehr). Wer nicht mit Dummheit erster Ordnung geschlagen ist, sieht einen Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Wer das Handicap einer Dummheit erster Ordnung mit sich herumträgt, bewertet und kann entsprechend nur eine Benachteiligung von Frauen erkennen.

Dummheit erster Ordnung geht häufig mit der Unfähigkeit einher, differenzierte Aussagen zu treffen. Diese Unfähigkeit schlägt sich z.B. darin nieder, dass ein Einzelfall zu einer Aussage über eine ganze Gruppe umformuliert wird. So etwa, wie dies Marc Dietzschkau gerade getan hat, in dem er die Aussage von Sebastian Wippel im sächsischen Landtag dem, was er für #Pack hält, zugeschrieben hat, also der gesamten AfD-Fraktion. Neben der falschen Verallgemeinerung, die man auch als induktiven Fehlschluss bezeichnet, findet sich häufig der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens als Ausdruck von Dummheit erster Ordnung, etwa dann, wenn man denkt, die Aussage „Leider hat es nicht die Verantwortlichen der Politik getroffen“, sei eine Aussage über alle Politiker, was natürlich blanker Unsinn ist. Die Aussage ist nicht einmal eine Aussage darüber, dass sich der Aussagende wünscht, in Zukunft würde es die Verantwortlichen der Politik treffen. Der einzige Schluss, der möglich ist, lautet: Der Aussagende bedauert, dass es nicht die Verantwortlichen der Politik getroffen hat. Darüber hinausführende Schlüsse stammen aus der Phantasie des Schließenden und stellen einen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens dar.

Der einzige plausible Schluss, der auf  Grundlage der Aussage von Wippel getroffen werden kann ist, dass dann, wenn man schon einen Terroranschlag nicht verhindern kann, er sich wenigsten nicht gegen Unschuldige, also nicht Verantwortliche richten soll.

Dummheit zweiter Ordnung

Dummheit zweiter Ordnung liegt dann vor, wenn ein deskriptives Faktum nicht nur durch eine Bewertung entstellt wird, sondern die Bewertung zum Anlass genommen wird, um eine Vielzahl von Gründen anzuführen, die die Bewertung erklären sollen.

So macht Dummheit erster Ordnung aus der deskriptiven Tatsache eines Verdienstunterschieds eine Benachteiligung. Dummheit zweiter Ordnung setzt hier an und versucht, die behauptete Benachteiligung zu erklären. Da die Bewertung der deskriptiven Fakten bereits interessengeleitet war, ist natürlich auch die Erklärung der eigenen Bewertung interessegeleitet, weshalb die versuchte Argumentation als Zirkelschluss in sich zusammenfällt. Abermals kann das Gender Pay Gap als besondere Form der Dummheit hier als Beispiel dienen: Die Bewertung eines Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen als Benachteiligung, erfolgt auf Grundlage der eigenen Ideologie, die z.B. ein Patriarchat phantasiert, das Frauen seit Jahrhunderten unterdrückt. Die Erklärung der eigenen Bewertung basiert abermals auf dieser Phantasie des Patriarchats, das Frauen unterdrückt. All is one, wie man im Englischen diese besondere Form der geistigen Verwirrung nennt.

stupidity_thumbIn gleicher Weise fallen Personen, die z.B. in Menschen nur Pack zu sehen im Stande sind, zumeist auf ihre eigenen Prämissen herein. Weil sie wie die Aasgeier auf Ästen sitzen und hoffen, über einen ihrer selbsterwählten Feinde herfallen zu können, stürzen sie sich auf jeden Brocken, der ihnen hingeworfen wird und merken dabei gar nicht, dass sie sich und ihre Prämissen zur Schau stellen. Die Dummheit zweiter Ordnung hat, weil sie unweigerlich in einer Tautologie endet, einen offenlegenden Charakter: Wer Dummheit zweiter Ordnung zur Schau stellt, zeigt sich in der Regel als das, was er angeblich bekämpft. Er basiert seine Aussagen z.B. auf der versteckten Prämisse, dass Terroropfer, sofern es sich nicht um Politiker handelt, schon ok sind. Er präsentiert sich als Menschenfreund, der andere Menschen zum Pack erklärt und merkt nicht, dass er sich gerade als Menschenfreund deklassiert hat. Oder er kämpft für Toleranz, in dem er die Aussagen Dritter, die ihm nicht passen, unterdrücken will, also intolerant ist. Dummheit zweiter Ordnung hat viele Gesichter. Ein Blick durch manche Landtagsfraktionen macht das deutlich.

Dummheit dritter Ordnung

Dummheit dritter Ordnung besteht darin, dass behauptet wird, die deskriptiven Fakten, die durch die eigene Bewertung entstellt und auf Grundlage der selben Interessen, die bereits die Grundlage der Bewertung sind, zu erklären versucht wurden, seien das Ergebnis einer aktiven Einflussnahme durch Dritte. Wenn man so will, ist Dummheit dritter Ordnung eine Form der Verschwörungstheorie, die im Fall des Gender Pay Gap darin besteht, dass fiese Arbeitgeber Frauen benachteiligen, was dazu führt, dass die armen Frauen für gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten als Männer. Ein besonders krasses Beispiel für Dummheit dritter Ordnung haben wir vor einigen Tagen besprochen. Es bestand in der Behauptung, dass der Herzinfarkt von Frauen dann, wenn es keine Gender Studies mehr gibt, nicht mehr erkannt werden wird. Wer also Gender Studies abschaffen wolle, der bringe Frauen um. Wir haben diese Form der Dummheit hier besprochen.

Man muss schon mit einem gerüttelten Maß an kognitiver Leere ausgestattet sein, um auf solchen Unsinn zu kommen oder mit einem unglaublichen Maß ideologischer Verblendung, wobei wir uns derzeit nicht im Klaren darüber sind, ob ideologische Verblendung in diesem Fall nur ein Synonym für kognitive Leere ist.

Alles noch einmal in Kürze:

Dummheit erster Ordnung:

Fakten können nicht deskriptiv, sondern nur normativ wahrgenommen und entsprechend interpretiert werden.

Dummheit zweiter Ordnung:

Fakten werden in ihrer bereits bewerteten Form zu erklären versucht, wobei Erklärungsversuch und Bewertung auf denselben Prämissen basieren, was folgerichtig zu einer Tautologie führt.

Dummheit dritter Ordnung:

Die tautologische Erklärung bewerteter Fakten wird durch eine Verschwörungstheorie oder einen sonstigen Verweis auf das Wirken geheimer Mächte qualifiziert, deren Motivation über einen genetischen Fehlschluss oder einen anderen Essentialismus herbeigebogen wird, z.B. die essentiell bösen Männer, die nichts lieber wollen, als Frauen zu benachteiligen.


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24 Responses to Formen der Dummheit (- die besonders in Deutschland endemisch sind)

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  2. hgb says:

    Marc Dietzschkau hat das bestimmt nicht geschrieben: das war doch sicher DAS TEAM. 🙂

  3. dneail says:

    Das ist sehr schön geschrieben. Quasi zum Ausdrucken.

    Die Unfähigkeit die eigene Begrenztheit und Dummheit zu erkennen wird wohl mit dem Dunning-Kruger Effekt beschrieben.

  4. Hans G. Spachtholz says:

    Es gibt noch eine Form der „Dummheit“. Es ist die Unfähigkeit, bestimmte Sachverhalte so fomulieren zu können, dass auch weniger gebildete und eher einfach strukturierte Menschen es verstehen können. Diese „Geheimsprachen“ (z. B. von Ärzten, Juristen, Wissenschaftlern) sind kontraproduktiv und erinnern stark an geistige Onanie. Eine solche Inzucht der Eliten war noch nie hilfreich. Wahre Intelligenz äußert sich darin, dass man schwierige Sachverhalte einfach erklären kann.

    • ruebezahl99 says:

      Oh !!
      Auf die Gefahr hin dass die obenstehenden wunderschönen Definitionen noch `mal modifiziert werden müssen möchte ich da an die launigen Geschichten eines Gerd Postels erinnern..
      (Das war ein falscher Arzt mit einem richtigen Beruf… 🙂 )
      Gerade seine Erzählungen vom „Schlachtfeld der Worthülsen und erfundenen Krankheiten“ sind eigentlich sehr kurzweilig…- und trotzdem erschreckend…

    • Roland says:

      Nicht zu vergessen, diejenigen die die Fähigkeit besitzen triviale Sachverhalten in unglaublich komplizierter Weise ausdrücken und sich selbst einbilden man habe etwas schlaues gesagt.

  5. jsbielicki says:

    Dummheit ist, wenn man nicht weiß, was man wissen könnte.
    Intelligenz ist, Zusammenhänge zu erkennen.

  6. Hessen-Nassauer says:

    In welche Form der Dummheit ist die seit 1980 praktizierte gesetzliche Uhr-Zeit-Verordnung auf die sogenannte „Sommer-Zeit“ MESZ (Mittel Europäische Schlafentzug Zeit) einzuordnen????

    Immer wieder gibt es Menschen, die glauben und behaupten, wenn Sie die Uhr-Zeit (die eigentlich den Sonnenlauf und Sonnenstand widerspiegelt) verrücken, daß es „Abends angeblich länger hell ist“.
    Dabei müssen alle eine Stunde früher aufstehen und aktiv werden. Gleichzeitig werden die Menschen die im Schichtdienst, v.a. im Frühdienst arbeiten um eine Stunde Nachtzuschlag betrogen, da der Dienst bereits um 5:00 Uhr beginnt!

    • Heike Diefenbach says:

      U.E. fällt dies in die Kategorie der Dummheit erster Ordnung: empirische Sachverhalte können nicht als solche und als vor- oder nachteilig in bestimmten Hinsichten gewürdigt werden, weil eine Ideologie (hier: die des Sparens bzw. Sich-Bescheidens und vermeintlichem Mit-der-Natur-Gehen) eine solche Wahrnehmung verunmöglicht.

      Es kann nicht gewürdigt werden, was IST, weil schon vorher klar ist, dass Dinge gemäß dem zu betrachten und zu bewerten sind, was sein SOLL.

  7. Karl Schurz says:

    Petra Hinz vertritt für mich den Prototyp aller anderen wackeren Abgeordneten auf dem Niveau eines Aushilfspolitikers dem abschließend höflich bescheinigen kann, dass er sich stets Mühe gab. Das Parlament ist angefüllt mit Vertretern der o. g. Dummheiten erster bis dritter Ordnung. Die wenigen halbwegs Pfiffigen unter der Heerschar prinzipienfreier Zeitgeister nutzen das für ihr eigenes Fortkommen, weil ihnen produktives Arbeiten fremd ist und/oder nie mit Erfolg gekrönt war.
    Eine Gesellschaft, die diesem Treiben kein Ende zu setzen vermag hat die Konsequenzen ihres Handelns verdient.
    Wie sagte meine mittlerweile verstorbene Großmutter? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    By the way. Eine Kollegin stimmte mir nach kurzer Erörterung zu, dass der humanistische Geist in Schulen und Universitäten fast ausgetrieben ist. Als geborene Engländerin wies sie etwas frustriert auch auf eine vergleichbare Situation in angelsächsischen Sprachräumen hin. Wobei ich hier die Annahme vertrete, dass die Angelsachsen sich eher von den Denkfesseln befreien können als die Deutschen, weil ich den ersteren eher eine genetische Determination der Freiheit zuordnen kann. Sie sind eine Vielfalt der Meinungen eher gewöhnt und können damit souveräner und seriöser umgehen als der Deutsche. Dieser ist damit eher überfordert und wünscht sich klare Ansagen. Das Postulat des kantschen Selberdenkens entspringt nicht ohne Grund der deutschen Kultur. Ist sie hier besonders notwendig und gefordert, wird sie jedoch eher als Aufforderung an eine Badehose* gesehen.

    * angelehnt an den Spruch: kann der Bauer nicht schwimmen, dann ist die Badehose schuld.

  8. Hans says:

    DerArtikel – einfach Klasse!

  9. Peter says:

    Ich bin noch unsicher: wenn ein Brandanschlag auf ein zukünftiges Flüchtlingsheim erfolgte und man noch vor Ermittlung des Täters und Kennen der Motivation einen Kundgebung gegen rechte Gewalt angezettelt wird, ist das 2. oder 3. Ordnung? Und angenommen es wäre 2er und man ermittelt einen nicht-fremdenfeindlichen Hintergrund, ändert sich dann die Ordnung rückwirkend?

    • Heike Diefenbach says:

      @Peter

      Das ist ein Beispiel für Dummheit dritter Ordnung, denn der vermeintliche Täter oder Verantwortliche für den Brandanschlag ist ja schon ausgemacht, bevor man noch irgendetwas über diese/n weiß. SO etwas KANN JA NUR – direkt oder indirekt, irgendwie halt – auf rechte Gewalt bzw. auf rechtes Gedankengut zurückzuführen sein; rationale Gründe oder Ängste, die mit Ausländerhass nichts oder nur u.a. oder am Rande zu tun haben, werden als Beweggründe von Tätern/Verantwortlichen von vornherein ausgeschlossen, ebenso wie eine Nachlässigkeit oder ein Unfall als Ursache für den Brand von vornherein ausgeschlossen ist für Leute, die nach einem Feuer in einem zukünftigen Flüchtlingsheim sofort nach Aktion gegen rechte Gwalt rufen. Das erfüllt nach unserer Auffassung das Kriterium „Vorliegen einer Verschwörungstheorie“.

      Wichtig ist, sich zu erinnern, dass die drei Ordnungen der Dummheit (von uns zumindest) kumulativ gedacht sind: in der Dummheit der dritten Ordnung sind Dummheiten erster und zweiter Ordnung enthalten; sie sind die Voraussetzungen für die Dummheit dritter Ordnung.

      Wenn einer Verschwörungstheorie nicht Dummheiten erster und dritter Ordnung vorausgehen bzw, inklusive sind, dann ist sie auch kein Beispiel einer Dummheit dritter Ordnung.

      Oder anders gesagt: nicht jede Verschwörungstheorie ist als solche und immer eine Dummheit dritter Ordnung, besonders dann nicht, wenn sie sich auf empirische Fakten berufen kann; dann ist sie – naja, eben eine faktengestütze Theorie über das Vorliegen einer Verschwörung, und so etwas gab und gibt es ja durchaus in der Realität.

  10. Hans says:

    Einstein sagte einmal: Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir nicht sicher. Hätte er die TV verblödeten der BRD gekannt hätte er sicher anders formuliert.

  11. Paul Panther says:

    Wäre nicht Dummheit erster Ordnung am Beispiel geschlechtsspezifischer Einkommensunterschiede, diese zu leugnen? Empirische Tatbestände aus normativen Gründen leugnen? Ich fürchte, Sie haben die Tautologie selber eingeführt, indem sie ein Element, das in der D.1.O. schon drin ist, in der D.2.O. nur ausführlicher u. anders formulieren, nämlich: die Erklärung.

    Zweitens lassen sich die Phänomene, die hier unterschieden werden, besser psychologisch beschreiben.

    Desweiteren sollte man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und aus der erreichten Gleichberechtigung darauf schließen, daß Benachteiligung von Frauen schon immer eine Fiktion war.

    Robert Musil hielt mal einen Vortrag über Dummheit. Der war interessant u. tiefsinnig. Vorweg: er verzweifelte am Thema.

    • Heike Diefenbach says:

      @Paul Panther

      Ich glaube, Sie sitzen hier einigen Missverständnissen auf. Ich bemühe mich um Klärung. Also:

      1.
      Ja, sicher ist die Leugnung geschlechtsspezifischer Unterschiede eine Dummheit erster Ordnung. Wenn es sie gibt, d.h. sie statistisch nachweisbar sind, dann gibt es sie, und das zu bestreiten, wäre dumm. Wir haben das nirgendwo getan. Wir haben aber immer und immer wieder dargestellt, dass bestehende Unterschiede leicht durch Faktoren ERKLÄRBAR sind, die nichts, aber auch gar nichts, mit Benachteiligung oder Diskriminierung zu tun haben, besonders durch die Präferenzenn der meisten Frauen im Vergleich zu den Präferenzen der meisten Männer.

      Also: Wenn Sie nicht eine Dummheit 1. Ordnung begehen wollen, dann halten Sie eine schlichte empirische Sachaussage und ihre Bewertung und Rückführung auf ideologisch genehme Ursachen strikt auseinander, und das bedeutet hier:

      Die Sachaussage „Alle Frauen zusammen betrachtet verdienen weniger als alle Männer zusammenbetrachtet“

      ist eine Aussagen, die völlig unabhängig ist von z.B. der Aussage:

      „Alle Frauen zusammen betrachtet sind gegenüber allen Männern zusammen betrachtet benachteiligt“

      – denn, die oben genannte Sachaussage erlaubt ja keinerlei Schlussfolgerung dahingehend, dass das geringere Verdienst darauf zurückzuführen wäre, dass irgendjemand Frauen aktive oder auch nur aus Versehen BENACHTEILIGT. Das geringere Verdienst kann ja schlicht ein Ergebnis der Lebensentscheidungen sein, die die meisten Frauen (im Gegensatz zu den meisten Männern) treffen, und tatsächlich zeigen empirische Studien auch genau dies.

      Ich hoffe, das ist jetzt klar!?

      2. Was Sie als „Tautologie“ auffassen, ist unsere Konzeption der drei Ordnungen von Dummheit als KUMULATIV; Sie haben das im Ansatz erkannt, wenn Sie das Gefühl haben, dass wir in D.2.O. „ausführlicher“ formulieren. Eine Größe kumulativ zu denken, hat aber überhaupt nichts mit einer „Tautologie“ zu tun.
      Wenn Sie sagen:
      Hans ist weiß und grünäugig und 1.74 groß, würden Sie dann sagen, dass Hans damit „ausführlicher“ oder anders beschrieben sei als wenn Sie sagen „Hans ist 1.74 groß“?

      Ja, sicher ist er das. Aber wo, bitte, sehen Sie hier eine Tautologie? Die erste Aussagen beschreibt Hans einfach durch mehrere Merkmale als die zweite, aber die zweite ist der ersten inklusive.

      Wenn Sie meinen, das sei tautologisch, haben Sie nicht verstanden, was eine Tautologie ist.

      3. Dummheit wird als Begriff von Psychologen sehr weitgehend vermieden, aber das bedeutet nicht, dass es keine psychologische Konzeption von ihr bzw. ihren gedachten Dimensionen gäbe – und sei es nur als Ausprägung auf der linken Seite der Normalverteilung von Intelligenz, und Intelligenz war und ist in der Psychologie ein wichtiges Konzept. Insofern ist Ihre Kritik verfehlt.

      Sie ist auch dann verfehlt, wenn Sie meinen, dass das Ganze mit (mangelnder) Intelligenz bzw. Dummheit gar nichts zu tun hätte, sondern „besser psychologisch“, vielleicht als Ausprägungen bestimmter psychischer Störungen, zu betrachten sei. Falls Sie das meinen, könnten wir damit probeweise unseren Frieden machen: auch wir halten es für möglich, dass man seine gegebene Intelligenz entwickeln oder brachliegen lassen kann, und möglicherweise kann man sie aufgrund psychologischer Störungen sogar verringern/zerstören bzw. permanent nicht zum Zug kommen lassen.

      Möglicherweise ist eine Dummheit erster Ordnung eine Art Wahrnehmungsstörung, vielleicht verursacht durch mangelnde personale Identität, und eine Dummheit dritter Ordnung ist eine fokussierte Paranoia….

      Wir warten diesbezüglich auf Ihre konstruktiven Vorschläge (Ihr Kommentar war ja leider nur destruktiv).

      4. „… aus der erreichten Gleichberechtigung darauf schließen, daß Benachteiligung von Frauen schon immer eine Fiktion war.“

      Was Sie als Reaktion auf unseren Text zu dieser Aussage gebracht hat, kann ich nicht nachvollziehen, denn in unserem Text geht es weder um Gleichberechtigung noch um die Frage, ob es jemals in der Menschheitsgeschichte „Benachteiligung von Frauen“ gegeben hat.

      Ich bin sicher, dass es sie gegeben hat, ganz genauso wie es Benachteiligung von Männern gegeben hat. Und?

      Und GleichBERECHTIGUNG hat nichts mit GleichHEIT oder GleichSTELLUNG zu tun. Wenn Sie und ich z.B. dasselbe Recht haben, Jura zu studieren, und Sie studieren Jura und verdienen später viel Geld (okay, die Annahme ist empirisch etwas abwegig, aber das ist für das Beispiel jetzt egal), und ich studiere Romanistik und bin später arbeitslos, dann haben wir trotz GleichBERECHTIGUNG eine ungleiche Stellung mit Bezug auf unsere Einkommen erreicht – einfach, weil wir von unseren Rechten unterschiedlichen Gebrauch gemacht haben. Auch hier kann ich nur wieder fragen: Und?

      Und besonders: was hat das mit unserem Text zu tun?

      Wie eingangs gesagt, mir scheint, Sie haben viele Missverständnisse, und mir scheint, ehrlich gesagt, dass diese Missverständnisse ein Ergebnis ideologischer Indoktrination mit Feminismus/Genderismus sind – u.a. die seltsame Gleichsetzung von GleichBERECHTIGUNG und GleichHEIT bzw. Ungleichheit und Benachteiligung spricht dafür, dass meine Vermutung stimmt.

      Wenn das so ist, dann erlauben Sie mir bitte den Hinweis, dass Sie sich von ideologischem Ballast möglichst schnell emanzipieren sollten – damit Sie sich in Zukunft keine Dummheiten 1., 2. oder 3. Ordnung begehen!

  12. Uranus says:

    Vielen Dank für diese hervorragende Ausarbeitung. Dafür gibts was aufs Spendenkonto.

  13. Max Mertens says:

    Warum diese Grade von Dummheit gerade in Deutschland „endemisch“ sein sollen, würde mich doch interessieren. Auf welchen erhobenen Daten basiert diese Einschätzung der beiden so geschätzten Matadoren dieser Seiten? Ein nur „gefühltes“ Phänomen dürfte es ja gemäß den hier hochgehaltenen Prinzipien nicht sein, oder? Oder sollte hier unerwarteterweise ein wenig die manchmal zu verzeichnende deutsche Neigung zu eingetrübten Selbstbezichtigungen über den Nestrand schauen? 🙂

    • Wir blicken zwischenzeitlich auf einen Fundus von rund 2000 Posts auf ScienceFiles zurück, schauen Sie unter Unsinn der Woche, um eine entsprechende Liste besonders großen Unsinns zu finden. Neben den 2000 Posts ist natürlich auch das Leben nicht spurlos an uns vorbei gegangen und ganz nebenbei haben wir den direkten Niveau-Vergleich… Das sind nur einige der Daten, die unsere Grundgesamtheit bilden.

      • Heike Diefenbach says:

        … ja, aber das ist nicht alles.

        Man sollte nicht vergessen, dass es (nicht nur, aber eben auch und in besonderem Maß in besonders kurzer Zeit) in Deutschland mehrfach hintereinander zu einer systematischen Vertreibung von Menschen mit bestimmten Merkmalen wie Intelligenz, Unternehmergeist, Selbstvertrauen … gegeben hat. Man kann das als biologische, aber auch und vielleicht vor allem als kulturellen „Aderlass“ auffassen, der – zeitverzögert – seine negativen Wirkungen zeigt.

        Und dann gibt es noch die Umweltpsychologie, die psychologische Störungen als Ergebnisse von Umweltbedingen auffasst (z.B. hat Fritz Perls hierüber geschrieben, ohne den Begriff „UMWELTpsychologie“ zu benutzen), auch von strukturellen, was man leicht nachvollziehen kann, wenn man z.B. daran denkt, dass bestimmte Anreizsysteme in einer Gesellschaft die Entwicklung bestimmer Eigenschaften oder Verhaltensweisen in Menschen befördert.

        Wenn z.B. Leistung gesellschaftlich nicht gewürdigt wird, hat niemand einen guten Grund, etwas zu leisten (es macht ihm vielleicht Spaß, aber er fragt sich auch immer wieder, ob er denn hier den Idioten spielt, von dessen Leistung und Motivation andere Leute gut leben, ohne irgendetwas sinnvolles zu tun…). Es ist klar, dass in einer solchen Gesellschaft Motivation und Leistungswille sinkt, im Zuge dessen die Maßstäbe sinken und deshalb sogar diejenigen, die noch (!) leisten, weniger leisten als sie zu leisten im Stande wären usw. usw. Die sozialistischen Entwürfe, die die Menschheit zu beklagen hat, legen hiervon ein hinreichend beredtes Zeugnis ab.

        Beide der genannten theoretischen Perspektiven würden für Deutschlands nichts Gutes erwarten lassen – es sei denn, zumindest Teile der Gesellschaft machen einen bewussten Versuch, sich aus der Talsohle zu befreien, die Maßstäbe zu heben, etc.

  14. Sgopi says:

    „Ein Leser von ScienceFiles hat uns gebeten, unser Konzept der Dummheit erster, zweiter und dritter Ordnung noch einmal in allgemeiner Form darzustellen. Wir haben es bislang nur am Beispiel des Gender Pay Gaps, als einem Beispiel besonderer Dummheit durchgespielt.“

    Super artikel, aber warum immer „Gender pay gabs“ erwähnen?

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  16. Benjamin says:

    Hmmm… einfach zusammengefasst: wenn ich eine Tatsache interpretiere begehe ich eine Dummheit, bin also dumm (z.B. wenn ich den „gender pay gap“ für einen Hinweis auf Ungleichbehandlung halte). Ich darf also nur Tatsachen hinnehmen, ohne mir dazu Gedanken zu machen. Denken ist böse. Ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen.

    Gruß
    Benjamin

    • Vielen Dank für dieses Beispiel für Dummheit erster Ordnung.
      Vielleicht verstehen Sie es ja so:
      Verdienstunterschiede sind ein deskriptives Faktum.
      Wenn Sie dieses deskriptive Faktum „interpretieren“ wollen, dann heißt das, Sie wollen irgendwie Sinn daraus machen, weil sie vielleicht denken, es sei erklärungsbedüftig. Um es entsprechend zu interpretieren werden Sie, wenn Sie zum rationalen Teil der Spezies gehören, auf eine Theorie, also auf allgemeine Sätze zurückgreifen, aus denen Sie eine empirische Aussage, eine prüfbare Aussage, eine singuläre Aussage ableiten können, die bei Bestätigung einen Hinweis darauf gibt, wie der Vedienstunterschied zu erklären – oder in ihren Worten: zu interpretieren ist.
      Da Sie der Ansichts sind, die Interpretation eines deskriptiven Faktums bestehe darin, das empirische Faktum zu bewerten, sind sie offensichtlich nicht im Stande, Faktum und Bewertung auseinander zu halten. Sie nehmen gerade keine Interpretation vor. Vielmehr übertragen Sie einfach ihre Bewertung und beschwatzen sich damit, Sie hätten eine Interpretation vorgenommen. Das ist Dummheit erster Ordnung in Reinkultur.
      Ich habe noch selten einen Kommentator erlebt, der seinem Namen solche Ehre gemacht hat, wie Sie.
      Für die Zukunft: Bevor Sie Ihre unfundierten Bewertungen auch auf unsere Texte übertragen: denken Sie und vor allem lernen Sie!

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