Ein Klatschmohn-Zwist ist zwischen dem Englischen Fußball Verband (FA), dem Schottischen Fußball-Verband (SFA) und der Fußball Assoziation von Wales und der FIFA ausgebrochen. Es geht um Poppies, um Klatschmohn. Wer schon einmal zu Beginn des Monats November in Großbritannien war, der kennt die kleinen Poppies, die von vielen Briten getragen werden, in Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkrieges, des Great War, wie er in Britannien heißt, denn kein anderer Krieg hat die Briten mehr Opfer gekostet als der erste Weltkrieg.
Weeping Window in Caernarfon Castle
Um die Zeit des Armistice Day herum, den 11. November, den Tag, an dem 1918 der Waffenstillstand unterzeichnet und der Erste Weltkrieg beendet wurde, sieht man die Poppies überall. Von Nachbarn angefangen, über die lokalen Sportvereine, am Arbeitsplatz bis in die öffentlichen Sender, der Klatschmohn ist allgegenwärtig. Ein öffentliches Ereignis ohne Poppies und ohne Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges ist undenkbar. Zur 11. Stunde, am 11. Tag, des 11. Monats eines Jahres gedenken Briten egal an welchem Ort sie sich befinden, und wenn es der Supermarkt ist, in zwei Schweigeminuten der Opfer des Ersten Weltkrieges und der nachfolgenden Kriege und Konflikte. Also genau zu der Zeit, zu der in Deutschland die Narren losgelassen werden, befassen sich Briten und andere Nationen, die in den ersten Weltkrieg verwickelt wurden, mit ernsthafteren Themen und würdigen diejenigen, die ihr Leben z.B. in den Feldern von Flandern gelassen haben.
Der Respekt, der den Toten entgegengebracht wird, findet seinen Ausdruck im Tragen der Poppy und im Einhalten der zwei Schweigeminuten.
Dieses Jahr findet am 11. November ein Qualifikationsspiel für die Fußballweltmeisterschaft statt, bei dem in Wembley England auf Schottland trifft. Dass zu diesem Spiel die Spieler mit Poppy-Armband auflaufen werden, ist selbstverständlich und eigentlich nicht der Rede wert, wäre da nicht die FIFA, die – nachdem die letzten korrupten Jahre die öffentliche Wertschätzung der Fußballvereinigung stark verringert und den Eindruck gestärkt hat, die FIFA sei sowieso nur ein korrupter Haufen von Profiteuren, die am Spaß, den andere durch Fußball haben, verdienen wollen -, offensichtlich ein Zeichen setzen will: Das Tragen eines Klatschmohn-Armbandes wurde den drei britischen homenations, die am 11. (England und Schottland) oder am 12. November (Wales) ein Qualifikationsspiel bestreiten, verboten. Die FIFA erlaube keine politischen, religiösen oder kommerziellen Nachrichten auf Trikots, so die lappidare Begründung. Und wie immer, wenn eine Autorität etwas verkündet, ist man bei der ARD in Deutschland konform, erweist man sich als Autoritätfreund.
“In den Tagen um den „Remembrance Day“ am 11. November tragen zahlreiche Briten am Revers von Jacken und Pullovern Klatschmohn (Poppies). Nun empört sich die Nation über ein Verbot des Fußball-Weltverbands FIFA: Den Nationalmannschaften Englands und Schottlands wurde verboten, am 11. November beim Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaft das Klatschmohn-Symbol auf ihren Armbinden zu tragen. Als „absolut empörend“ bezeichnete die britische Premierministerin Theresa May das Verbot. Bevor die FIFA sage, was sie tun sollen, sollte sie „ihr eigenes Haus in Ordnung bringen“, schoss May gegen den Verband. Der Weltfußballverband hatte die „Poppies“ verboten, weil er politische und religiöse Statements auf dem Feld grundsätzlich nicht erlaubt“
Wir wollen einmal dahingestellt lassen, ob die Wahl der Worte, eine „Nation“, die sich „empört“ und eine britische Premierministerin, die gegen den Weltfußballverband „schießt“ angesichts des Gegenstand angemessen ist. Es reicht festzustellen, dass man bei der ARD keinerlei Grund sieht, an der Richtigkeit des Verbots der großen Welt-Fußballautorität FIFA zu zweifeln oder gar ein kritisches Wort darüber zu verlieren.
Dabei hätte man sich z.B. wie dies in Großbritannien gerade geschieht, fragen können, auf welcher Legitimations-Grundlage die FIFA eigentlich derartige Entscheidungen zu treffen können glaubt. Man hätte auch berichten können, dass beide Mannschaften, die englische wie die schottische, zum Spiel in Wembley mit Poppy-Armband auflaufen, also das FIFA-Verbot schlicht ignorieren werden. Oder man hätte recherchieren können.
Recherchieren ist eine Tätigkeit, die früher Journalisten ausgezeichnet hat, als die meisten von Ihnen noch einen Berufsethos hatten, der es nicht zugelassen hat, sich zum Durchreicher der Pressemeldungen zu machen, die andere verfassen, ungeprüft versteht sich.
Hätte sich bei der ARD ein Journalist gefunden, der noch weiß, was es mit dem Wort „Recherche“ auf sich hat, er hätte sich vielleicht auf die Seite FIFA.com verirrt. Hätte er zudem Erfahrung im Umgang mit der Suchfunktion auf Webseiten gehabt, so wäre es durchaus im Bereich des Möglichen anzunehmen, dass er die Suchfunktion genutzt hätte, um zu schauen, ob es vergleichbare Fälle in der Vergangenheit gab und herauszufinden, wie sich die FIFA damals verhalten hat. Und siehe da, hätte er das getan, er wäre auf eine Pressemeldung aus dem Jahre 2011 gestoßen, jenem Jahr, in dem die FIFA an Poppies nichts auszusetzen hatte, jenem Jahr in dem die Pressemeldung mit dem Satz endet: „In addition to this, FIFA has on Wednesday 9 November, also given permission for the poppy to be worn on the England players‘ black armbands during the match“. 2011 hatte die FIFA also keinerlei Bedenken, dass Poppies eine politische, religiöse oder kommerzielle Meldung sein könnten, 2016 ist das anders.
Es scheint, die Prinzipien der FIFA sind so fließend, wie die Einstellung der FIFA-Mitglieder im Hinblick darauf, ob man Geldspenden annehmen soll, um Weltmeisterschaften in bestimmte Länder zu kanalisieren. Korruption ist eben nichts, was man eben einmal abschüttelt. Wenn ein Laden erst einmal korrupt ist, dann kann man ihn nur schließen und mit vollständig neuem Personal wieder öffnen. Tut man das nicht, bleibt er korrupt, und die Prinzipien, die angeblich vorhanden sind, werden meistbietend verkauft oder benutzt, um Exempel zu statuieren, die später einmal zu Silberlingen gemacht werden können.
Es ist erschreckend, dass wir als Wissenschaftler und nebenberufliche Blogbetreiber nebenbei mehr Informationen zusammentragen als es hauptberuflich Beschäftigte in öffentlich-rechtlichen Sendern können. Das selbst rudimentärste Techniken des Journalismus wie das Recherchieren langsam in Vergessenheit zu geraten scheinen, in diesem Zeitalter die Kopismus, ist ein alarmierendes Zeichen. Dass Medienwissenschaftler und Journalistik-Dozenten bislang noch keinerlei Notiz davon zu nehmen scheinen, ist ein noch alarmierenderes Zeichen.
Der Klatschmohn ist übrigens deshalb zum Symbol für das Gedenken an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen geworden, weil Mohn in aufgewühlten Böden zu gedeiht. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges waren die Leichenplätze in Flandern, an denen zeitweise täglich mehr als 10.000 Tote zu beklagen waren, voller Klatschmohn.
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