Die Autorität hat immer recht oder: Richter befiehl, wir folgen…

Mancher Deutscher Charakter ist autoritär, nicht autoritär im Sinne einer Ausübung von Autorität, sondern autoritär im Sinne einer Unterordnung unter die Autorität. Schon Heinrich Mann hat dies meisterlich beschrieben. Die Autorität, sie gibt diesen Deutschen Sinn, sie gibt ihnen Orientierung, sie sagt ihnen, wer sie sind, wo in der Hierarchie sie sind (unten nämlich), und was sie tun sollen und zuweilen, so haben u.a. Adorno et al. herausgefunden, zuweilen verführt die Autorität die ihr Hörigen, nutzt ihre Hörigkeit aus, schickt sie in den Krieg …

Der Untertan

Aber die Unterordnung unter die Autorität des Staates oder der von ihm abhängig Beschäftigten, sie hat natürlich einen Vorteil: Man muss nicht selbst nach Sinn suchen, ist nicht das Individuum, das für sich steht und für sich Verantwortung übernimmt. Man hat Halt in der Welt, ohne etwas dafür zu tun. Weiß immer, was korrekt ist, muss niemals selbst denken.

Nicht-selbst-denken-Müssen, das scheint der größte Anreize zu sein, den die Autorität denen, die sich schon unterordnen, noch bevor Zwang auf sie ausgeübt wurde, zu bieten hat. Die staatliche Befreiung vom Denken, sie funktioniert durch das, was Paul Lazersfeld “opinion leader”, also Meinungsführer genannt hat, staatliche Bedienstete, die in der Öffentlichkeit als “Rollenmodell” inszeniert werden und vorleben, was staatsdienlich und (deshalb:) gut ist, wie man ein guter Untertan ist.

Es funktioniert über staatlich vergebene Etiketten, Gütesiegel, Plaketten, Engel, Standards und nich zuletzt funktioniert es über den Richterspruch, jene fast heilige Verkündung, die von bunt-berobten in unterschiedlichen Städten zu unterschiedlichsten Themen dem staunenden Volk präsentiert wird.

Verkündigungen wie: Du sollst ein Impressum auf deiner Webseite haben.

Und wenn eine Webseite kein Impressum hat, dann weiß so mancher Deutsche nicht, was er damit anfangen soll. Ein Impressum bürgt für Qualität, dafür, dass das, was auf der Seite der impressten Seite steht, richtig, qualitätvoll, von Staateswegen positiv sanktioniert und von Richtern abgenickt wird. Es sorgt dafür, dass Normalbürger Angsthase versichert surfen kann, selbst auf noch so schrägen Seiten surfen kann, solange sie ein Impressum haben. Das Impressum, es nimmt die Not zum denken, es erlöst die arme Surferseele von der Notwendigkeit, sich ein eigenes Urteil darüber zu bilden, auf welcher Seite sie da gelandet ist.

Wir sind ein Wissenschaftblog.

Wir wollen, dass unsere Leser selbst denken.

Schon deshalb haben wir kein Impressum.

Irritierend für manche, wie z.B. Herrn Strom, der uns folgende Nachricht geschickt hat:

Name: Rolf Storm

Email: p****@hotmail.de

Ihre Mitteilung: Sehr geehrte Damen und Herren!

Bin ich nur unaufmerksam oder wo steht das Wort IMPRESSUM? –
Ich weiss nicht wer Sie sind.
M.W. hat ein Gericht gefordert daß man entweder nach dem dritten Mausklick das Impressum finden muss oder in 15 Sekunden…

Gerne höre ich zeitnah wieder vo Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Rolf Storm
p****@hotmail.de

Zeit: Dezember 17, 2016 um 2:02 pm
IP Adresse: 80.131.80.187

Wenn es nur ums Wort geht – nichts leichter als das: Impressum.

Ansonsten leisten wir passiven Widerstand und erkennen die Diktion, die Jurisdiktion, die Impressionale Jurisdiktion in unserer Welt nicht an. Bei uns muss man noch selbst denken … und recherchieren … und sich ein Urteil bilden, auf Grundlage der Argumente, die wir nennen. Und da deren Gültigkeit, also die der Argumente, nicht davon abhängig ist, wer das Argument vorbringt (denn sonst wäre es ein Fehlschluss ad hominem), ist es auch ganz wurscht, wer wir sind, wo wir sind und was wir sind.

Wir denken, das muss reichen.

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17 Responses to Die Autorität hat immer recht oder: Richter befiehl, wir folgen…

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  2. Gereon says:

    Eigentlich wollt ich mich ja etwas zurückhalten, aber:
    Dem Herrn Storm sei angemahnt, daß es eine enorm große Anzahl Websites der linken Linken gibt, die sich aus guten Gründen, aber rechtswidrig um das Impressum drücken, hier Pseudonyme oder garnichts angeben. Indymedia oder Münklerwatch fallen mir spontan ein, es ist aber ein durchgängiges Muster bei Websites der linken Linken und Feministen ( und _inninen).
    Wenn er also auf die Einhaltung des Rechtes so großen Wert legt, kann er sich da austoben.
    Und danach mit dem oft verleumderischen und sonstwie justitialblen Inhaltes dieser Websites, die zum Teil auch zu Gewalttaten aufrufen.
    In der Hoffnung, dem Betätigungsdrang des Herrn Storm einen Weg aufgezeigt zu haben, der sich gesellschaftlich nützlich erweisen könnte, bitte ich um Nachsicht.

    • corvusalbusberlin says:

      Pseudonyme ….bei Websites der linken Linken und Feministen ( und _inninen)”
      Auch wenn ich weder die Linken , noch die Feministinnen leiden kann, stimmt das nicht, was Sie da schreiben.

      • Gereon says:

        Ich beziehe mich da auf Hadmut Danisch (danisch.de) Geben Sie einfach mal auf seiner Seite die Suchworte ‘linke’ und ‘Impressum’ ein und schauen Sie, wie oft der Mann das feststellt. Danisch ist ein hervorragender und sorgfältiger Rechercheur und kennt sich mit em Internet auf einem Niveau aus, das nur wenige haben.

        Zitat:
        Und wie so oft bei Linken, hat auch der sich getarnt. Kein Impressum, nur Pseudonyme, Blog im Ausland, Domain versteckt hinter einer Tarnfirma. Man kommt bei sorgfältiger Suche aber trotzdem auf einen Namen eines leistungslosen Jung-Spundes.
        Zitat Ende

        Bei Münklerwatch habe ich selbst mal etwas recherchiert, weil man ja nichts ungeprüft glauben soll, und damals war es tatsächlich gut getarnt, Domain über eine Firma in Neuseeland, z.b.

        • corvusalbusberlin says:

          Also mit “Tarnungen” kenne ich mich nicht so gut aus. Ich schreibe sogar meine E-mails an Politiker – und die sind nicht von Pappe, unter meinem Namen.
          Mal sehen, wie lange das gut geht. Oft bekomme ich sogar Antwort.
          Außerdem schreibe ich ab und zu einem feministischen Block mit Namen genannt, meine Meinung. Manchmal wird’s veröffentlicht – manchmal nicht. “Aus Liebe zur Freiheit” – Verfasserin Antje Schrupp
          Bei den von Ihnen angegebenen Links von Ihnen werde ich es mal versuchen.

  3. Roland says:

    Das Impressum ist doch eine von diesen uralt tradierten Riten, die es nur in Deutschland gibt 😀

    Passiver Widerstand klingt etwas hochgegriffen. Müssen Sie sich als Waliser überhaupt an die deutsche Impressumspflicht halten?

    • Sie müssen nicht immer die ganze Karte verraten!

    • motte says:

      Nach meinem Kenntnisstand gilt die Regelung des Wohnsitzlandes.
      Wenn in Walisien es keine Impressumspflicht gibt,
      dann braucht das Blog eben kein Impressum.
      Ob die Seite in Deutschland gelesen wird oder nicht,
      spielt dabei keine Rolle.

      Auch nach dem Konzept der Datenvermeidung und -sparsamkeit
      braucht dieses Blog kein Impressum.
      “Das Konzept von Datenvermeidung und Datensparsamkeit steht in engem Zusammenhang mit dem traditionellen datenschutzrechtlichen Grundsatz, dass nur diejenigen personenbezogenen Daten verarbeitet werden dürfen, die für die Erfüllung der jeweiligen Aufgabe benötigt werden ”
      https://de.wikipedia.org/wiki/Datenvermeidung_und_Datensparsamkeit

      Die Erfüllung der Aufgabe hier ist “eigenständiges Denken”.

      Schönen Sonntach
      🙂

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  6. Gerald Winkler says:

    Dem fragenden Herrn Storm Manns “Der Untertan” als Spiegel vor zu halten ist garstig aber gut! 🙂

  7. Fritze Flink says:

    Impressumspflicht – Was für ein Schwachsinn. Aber natürlich muss sofort ein kleiner Lehrer aus dem Gebälk gekrochen kommen, wenn denn so ein unnützes Impressum fehlt um zu belehren.
    Der Belehrer fragt sich dabei nicht, ob so ein Impressum Sinn macht. Es geht ihm einfach darum, dass er seine eigene unterdrückte Existenz nur dann ertragen kann, wenn seine Mitbürger sich gefälligst auch an die Unterdrückung halten.
    Freies Denken ist ihm zuwider. Würde er es selbst tun, so müsste er sich die Jämmerlichkeit seiner unentwickelten Persönlichkeit eingestehen.
    Das wäre aber der erste Schritt um überhaupt mal etwas zu wachsen.
    Belehrer und Impressum sind aber Verwandte im Geiste : Überflüssig und sinnlos

  8. Die deutsche Impressum-Pflicht ist sicher in typischer Auswuchs deutscher Regelungswut. Informativ sind die Angaben eher nicht, wenn man sie sich mal anschaut. Trotzdem bevorzuge ich Informationsquellen mit klaren “Inhaltsangaben”, wie bei Nudeln auch :-)…

  9. Roland K. says:

    Bitte um Vergebung, wenn ich mich jetzt “erleichtere”: Habe grade Tränen gelacht beim Lesen dieses Beitrags….

    “Wenn es nur ums Wort geht – nichts leichter als das: Impressum.”

  10. Heinz Raschein says:

    Bravi! Jeden Tag ein Löffelchen Sand ins Getriebe der Macht (ganz Mutige schmeissen am Wochenende einen Schraubenschlüssel hinterher)! Schöne Festtage!

  11. R1D2 says:

    Storm ist einer der typisch deutschen Dummschwätzer. Man lese einmal das Telemediengesetz: dort steht klipp und klar (und sogar in DEUTSCH), dass nur diejenigen Websites ein Impressum brauchen, die ein (Zitat) “geschäftsmäßiges, in der Regel gegen Entgelt angebotenes” Angebot vorhalten.

    Dort steht nicht, dass man “entweder nach drei Mausklicks oder nach 15 Sekunden” ein Impressum finden muss, aber ich habe diesen Paragraphen im TMG nach 3 Sekunden Suche (ok, es war ‘ne Suchmaschine) und einem Mausklick gefunden.

    https://www.gesetze-im-internet.de/tmg/__5.html

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