Kreative Zerstörung: Der Stern fällt dem Fortschritt zum Opfer

Jede Innovation hat etwas Zerstörendes, ist kreative Zerstörung, denn das Neue tritt an die Stelle des Alten und das Alte, das mag nun niemand mehr – jedenfalls dann, wenn die Innovation wirklich eine Verbesserung ist. Joseph Schumpeter hat dies und noch viel mehr, was unter dem Stichwort evolutorische Ökonomik an manchen VWL-Lehrstühlen in Deutschland firmiert, gesagt.

BlockxitDer reine Sozialdarwinismus der Ideen und Technologien wird da propagiert: Ideen konkurrieren, Technologien konkurrieren miteinander und die besten Ideen oder Technologien setzen sind durch: DVD ersetzt Bandlaufgerät, das Smartphone die Rauchzeichen, Dolce Gusto den Bodum Kaffeepot, die Aufklärung macht Religion, verzichtbar und Logik macht der Ideologie den Garaus. So ist das, und so hat es Joseph Schumpeter beschrieben.

Nun gibt es immer welche, die sich Neuerungen widersetzen, die lieber an ihren Gott glauben als ihren Verstand zu benutzen, lieber Ideologien vertreten als sich mit der Realität anzufreunden, die weiterhin versuchen, ihre Cassette in das DVD-Gerät einzulegen. Manche stemmen sich richtig gegen den Fortschritt, so wie das der Stern gerade tut.

Dort hängt man dem uralt-Geschäftsmodell der plumpen und aufdringlichen Werbung an, einem Modell, das der technologische Fortschritt blockt, ad-blockt. Und beim Stern ist man hilflos. Wie der Droschkenkutscher, der sich gegen den Kraftwagen stemmt, wie der Schreibmaschinenhersteller, der immer noch den Schneider C-64 bekämpft, oder wie der Ruderer, der immer noch auf Kundschaft wartet, die über den Styx gerudert werden will, so stemmen sich die Sterner gegen die neue Technologie, wollen, dass alle, die blocken, nicht blocken, weil man seine Zukunft verblockt oder Uli oder kein Heavy Blocker mehr ist.

Blockxit-uliDie Kampagne, sie ist so einfallslos wie das Geschäftsmodell und belegt einmal mehr, warum die Auflage des Stern stetig sinkt.

Die Ökonomie hat übrigens einen trefflichen Rat für all diejenigen, die vom technischen Fortschritt überholt werden, für all diejenigen, die Opfer von Innovationen geworden sind, für all die Droschkenkutscher und Kassettenenthusiasten: Modernisiert Euch und entwickelt ein innovatives Geschäftsmodell!

Schumpeter, Joseph A. (1964). Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Untersuchung über Unternehmergewinn, Kapital, Zins und Konjunkturzyklus. Berlin: Duncker & Humblot

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6 Responses to Kreative Zerstörung: Der Stern fällt dem Fortschritt zum Opfer

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  2. fdominicus says:

    In D wird so etwas über eine Demokratieabgabe gelöst. Aus Gründen der Gleichheit und zur Erhaltung der “journalistischen Vielfalt”, muß man die Regierung auffordern die wich auch immer gerade anders genannte GEZ Gebühr auf Zeitungen auszudehnen. Schließlich verbreitet ja auch der Stern Vielfalt – oder so….

  3. Livia says:

    Den Rückgang der Printmedien hat vor allem drei Ursachen:
    1. Die Bildungsmisere – jüngere Leute mit einfachen Schulabschlüssen können kaum noch lesen. Die werden sich keine Zeitung kaufen. Das gilt auch für Mitbürger, deren Muttersprache nicht deutsch ist – die lesen und kaufen sich – wenn überhaupt – Zeitschriften aus der alten Heimat.
    2. Die Gleichschaltung bei politischen / informativen Blättern und Zeitungen. In diesen Produkten liest man leider immer nur das Selbe – was man auch in den TV-Sendern zu sehen und hören bekommt. Alles politisch “korrekt” vorzensiert und es wird plump gelogen. Rundfunkgebühren muß man zahlen – dann muß man nicht noch eine Zeitung gleichen Inhalts dazukaufen.
    3. Die Preise – Dadurch, daß die Auflagen runtergehen, geht der Preis rauf, denn die Fixkosten müssen ja erwirtschaftet werden. Dadurch geht aber auch die Qualität runter, denn anstatt sich eigene Journalisten (zu) leisten (zu können) wird von Pressestellen unreflektiert abgeschrieben.

    Schlußendlich hat das garnicht einmal etwas mit Technikverweigerung zu tun – und Fortschritt geht oft genug in eine völlig fatale und falsche Richtung. Die historische Entwicklung, so wie sie gekommen ist, ist weder zwangsläufig noch ausschließlich richtig, oft genug eine Verkettung von Zufällen.
    Den Verlagen bleiben als mögliche Kunden nur noch die Angehörigen der Mittelschicht – die ansich auch schon schrumpft – (und die Alten, die aber ganz natürlich immer weniger werden) während mit dem guten alten Volksschulabschluß auch die Unterschicht eine Zeitung lesen konnte und auch mehrheitlich deutschsprachig war. Die Mittelschichtler sind aber – ohnehin frustriert – durch (Um-) Erziehungsversuche, Lügen und politische Korrektheit eher abgestoßen und suchen sich ihre Informationsquellen woanders. Um die Werbeanzeigen in eigener Sache lesen zu können, muß man sich den Stern erst einmal kaufen! Da kriegt der Leser dann den Eindruck, daß der Stern keine Werbeanzeigen von Außen mehr bekommt und – richtigerweise – mit dem Rücken zur Wand steht! ( Eigentor!)

  4. St. Elmo says:

    Die Online Ausgabe des Stern ist doch im Grunde nur die Bild für Realschlüler/Gymnsiasten.
    Boulevard- und Emotions-Journalismus, künstlerisch etwas anspruchsvollerem Seite 3 Girl und Verlinkungen zu Bento,

    Wenn die Qulität ok wäre würde ich ggf. überlegen den add blocker zu deaktivieren, aber so…

  5. Marcel says:

    Wenn die Anzahl derer, die AdBlock durch die Kampagne erst kennenlernen und auf den Geschmack kommen, höher ist, als die Zahl derjenigen, die AdBlock abstellen, dann haben die Sternenfänger ein Problem. 😉

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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