Asperger-Syndrom vor Entnazifizierung? Politisch-korrektes Wühlen in der Vergangenheit

Wer hätte gedacht, dass wir auf ScienceFiles einmal mit einem Zitat aus der Bibel beginnen.

Matthäus 7.1, weil es so gut passt:

„Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Die Heuchler, die ihre Bewertung über andere brechen, die Antifas, die gewalttätig gegen die rechte Gewalt vorgehen, sie waren, wie diese historische Quelle zeigt, zu allen Zeiten ein Problem. Und weil sie ein Problem waren, deshalb die Warnung der Übersetzung, die Luther Matthäus und seinem Evangelium hat angedeihen lassen.

In den letzten Jahren ist es Trend und schick, sich die vermeintlichen Vergehen der Alten vorzunehmen, und sie auf Grundlage von angeblichen Fakten zu richten, die zeigen, dass die entsprechenden Alten sich aus heutiger Sicht falsch verhalten haben.

Wir können die Säuberungen, die dazu dienen, Philosophen wie Kant, Wissenschaftler wie die Humboldts, verdienstvolle Beschaffer von Erkenntnis, die – weil sie vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten gelebt haben, die heutigen Maßstäbe der politisch Korrekten nicht erfüllen, gar nicht mehr zählen. Die von Matthäus beschriebene Heuchelei, sie ist zum Sport unter denen geworden, die besonders anfällig für derart niedrige Instinkte sind.

Wer sich hervortut mit historischen Enthüllungen, die zeigen, dass sich ein Mensch, der bis gestern noch wegen seiner wissenschaftlichen oder sonstigen Verdienste gefeiert wurde, im Verlauf seines mehrere Jahrzehnte langen Lebens hat etwas zu schulden kommen lassen, das nicht mehr durch die politisch-korrekte Zensur gelangt, der wird nachträglich entehrt, öffentlich hingerichtet und im Zuge seiner posthumen und persönlichen Demontage wird auch gleich das Wissen, das auf ihn zurückgeht, verworfen. Wenn Fehlschluss, dann richtig, wenn politisch-korrektes Wüten, dann mit Stumpf und Stiel (nicht mit Stil!).

Man möchte all den politisch Korrekten, die so überzeugt von sich sind, dass sie natürlich nie, niemals, unter keinen Umständen z.B. im Dritten Reich Wasserträger der damaligen politischen Korrektheit gewesen wären, wie sie das heute sind, jeden Tag den ersten Band der Offenen Gesellschaft von Karl Raimund Popper um die Ohren schlagen (in der Hardcover-Ausgabe von Mohr Siebeck) und ihnen das 10. Kapitel darin wieder und wieder vorlesen, so lange, bis sie verstehen, dass man das Verhalten von Personen nur in seinem historischen Kontext und unter Rekonstruktion von so viel wie nur möglich Handlungsbedingungen, die das entsprechende Verhalten zum Zeitpunkt seiner Ausführung determiniert haben, erklären UND verstehen kann.

Was nützen all die sozialwissenschaftlichen Methoden, wenn sie nicht angewendet werden, wenn niemand versucht, tatsächlich die Situation zu rekonstruieren, in der sich ein Wissenschaftler oder sagen wir der Österreichische Kinderarzt und Heilpädagoge Hans Asperger befunden hat, als er bestimmte Handlungsentscheidungen treffen musste. Es ist leicht, aus heutiger Sicht zu verurteilen, dass Autoren des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts „Neger“ für einen ganz normalen Begriff gehalten haben. Es ist leicht, Soldaten aus heutiger Sicht für ihre Entscheidungen in einem Krieg zu kritisieren, wenn man die Umstände, unter denen sie sich entschieden haben, nicht kennt und nicht kennen will.

Das eben, macht es so attraktiv, sich über die vermeintlichen Untaten derer zu ereifern, die früher gelebt haben. Man kann sie an einem heutigen Maßstab messen, sich unter Auslassung der Lebensumstände, die die entsprechenden Menschen als Handlungssituation vorgefunden haben, moralisch über ihre Handlungsentscheidungen erregen und sich selbst zu einem besseren Menschen erklären. Alles auf einmal, ohne Kosten, ohne Risiko, ohne Aufwand…

Und so hat es nun auch Hans Asperger getroffen. Hans Asperger, österreichischer Kinderarzt, auf den die erste Beschreibung von Autismus in Form des Asperger-Syndroms zurückgeht (zuerst 1938, dann 1944). Ihm hat sich Herwig Czech gewidmet und in einem aktuellen Beitrag, der in der neuesten Ausgabe von Molecular Autism erschienen ist, den Verdacht geäußert und belegt, dass Asperger gar kein Untergrundkämpfer war, der den Nazis Parole geboten hat, sondern ein Opportunist, der versucht hat, die Gelegenheiten, die sich ihm boten, zu nutzen, ohne sich zu sehr mit dem Regime der Nationalsozialisten einzulassen. Asperger, so berichtet Czech, sei einigen Organisationen beigetreten, die eine Verbindung zur Nazi-Bewegung gehabt haben (Es dürfte schwierig gewesen sein, im Dritten Reich einer Organisation beizutreten, die keine Verbindung zu den Nationalsozialisten hatte. Selbst die Katholische Kirche hatte sehr intensive und zuweilen innige Beziehungen zu den Nazis). Zwar sei Asperger nicht der NSDAP beigetreten, habe sich aber auch nicht als Kritiker des Regimes hervorgetan. Wollte man die Abwesenheit von Kritik am Nationalsozialismus als Indikator heranziehen, um Menschen, die das Dritte Reich durchlebt haben, generell zu Nazis zu erklären, dann hätte man viel zu tun.

Wie dem auch sei, Czech widmet sich insbesondere der Zeit, die Asperger als Leiter der Heilpädagogischen Abteilung der Kinderklinik der Universität Wien zugebracht hat. In dieser Zeit, so Czech, habe sich Asperger nicht grundsätzlich vom Nationalsozialismus und seinen Ideen differenziert. Er habe akzeptiert, dass zwei Kinder, Herta und Elisabeth Schreiber, dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer gefallen seien, und er sei Mitglied einer Kommission gewesen, deren Aufgabe es gewesen sei, die intellektuellen Fähigkeiten von 200 Bewohnern eines Heims für geistig behinderte Kinder in Gugging bei Wien zu klassifizieren. Dabei seien 35 Kinder als unerziehbar klassifiziert worden: Unerziehbar gleichsam das Todesurteil für geistig behinderte Kinder im Dritten Reich. Entsprechend sind auch die 35 so klassifizierten Kinder dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer gefallen. Nahezu alle Kinder, die Asperger unter seiner Ägide im Wiener Kinderkrankenhaus hatte, seien jedoch – obwohl sich auch geistig Behinderte darunter befunden hätten – vom Euthanasieprogramm der Nazis verschont geblieben. Aber Czech sieht darin keine Leistung Aspergers. Gegebenheiten, die man Asperger positiv anrechnen könnte, fallen für Czech einfach so an, während negative Gegebenheiten, die man Asperger zur Last legen kann, ihm auch prinzipiell zur Last gelegt werden. Das Bemühen, den Wiener Kinderarzt in einem schlechten Licht darzustellen, ist groß, wie sich schon daran zeigt, dass ihm aus seiner Mitgliedschaft in einer Kommission, der er vermutlich aufgrund seiner Tätigkeit als Berater beim Wiener Hauptgesundheitsamt angehören musste, nahezu die alleinige Verantwortung für die Klassifizierung der 35 Kinder als unerziehbar und damit ihre spätere Ermordung von Czech zugeschrieben wird.

Czechs Beitrag passt ins Bild einer selbstgerechten Gesellschaft, die damit begonnen hat, die Mitläufer und Opportunisten, die nichts für, aber auch nichts gegen die Nazis unternommen haben, zu richten. Denn natürlich gibt es heute keine Mitläufer. Autoren wie Czech würden ihre Position als Leiter der Kinderklinik zum offenen Widerstand, zur Rebellion gegen die Nazis nutzen. Die Antifas würden zu hunderten meutern und sich gegen ihre Einberufung gemeinsam mit den Legionen von Juden verstecken, die sie bereits vor den Nazis in Sicherheit gebracht haben. Heutzutage leben nur noch Helden, die die Nazis im Dritten Reich heftig aufgemischt und dafür gesorgt hätten, dass es nicht soweit kommt, wie es gekommen ist. Aus dieser Phantasie in Selbstüberschätzung leitet sich das Recht ab, diejenigen, die im Dritten Reich wie Asperger gelebt haben zu richten, sie, die vielleicht opportunistisch waren, die nicht die Distanz gewahrt haben, die sie hätten wahren können, die es aber dennoch geschafft haben, die eigenen „autistischen Psychopathen“ wie Asperger seine Studienkinder genannt hat, diejenigen, die mit dem Asperger-Syndrom beschrieben sind, die (1) zu keinerlei Empathie fähig sind, (2) unfähig sind, sich auf eine Beziehungen mit anderen Menschen einzulassen, (3) Blickkontakt meiden, eine gestörte Mimik und Gestik aufweisen und im Sprachgebrauch von der Normalität abweichen, die (4) motorische Störungen zeigen und sich (5) fixiert mit genau einem Ding beschäftigen, vor den Nazis zu schützen und durch das Dritte Reich zu bringen.

Wer will darüber urteilen, ob Asperger gezwungen war, als Leiter der heilpädagogischen Abteilung der Wiener Kinderklinik Kompromisse mit den Nazis zu schließen? Wer will sich aufschwingen und feststellen, dass die zwei Mädchen, die Asperger vermutlich wissentlich in den sicheren Tod durch Euthanasie geschickt hat, und zwar dadurch, dass er sie in die Kinderklinik „Spiegelgrund“ in Wien überstellt hat, deren Ärzte am Euthanasieprogramm der Nazis mitgewirkt haben, hätten gerettet werden müssen und die beiden Kinder, die ihren Platz eingenommen und von Asperger durch das Dritte Reich gebracht wurden, an ihrer Statt hätten geopfert werden müssen? Die reale Welt entspricht oftmals in den Entscheidungen, vor die sie Menschen stellt, nicht der Puppenstube, in der sich die politisch Korrekten aufhalten.

Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie naive und der Kenntnis über Dilemmata und Situationen, in denen man Verantwortung übernehmen und sich zwischen einem Rock and a Hard Place entscheiden muss, vollkommen Bare, sich aufschwingen, diejenigen zu richten, die ihrerseits Verantwortung übernommen und Entscheidungen getroffen haben oder treffen mussten, die zu treffen die heutigen Helden nicht in tausend Jahren den Mut hätten, zu treffen. Vielleicht muss man die deutsche Sprache ja um einen Begriff erweitern: Es gibt bereits die Siegerjustiz und neu: die Selbstgerechtenjustiz.

Czech, Herwig (2018). Hans Asperger, National Socialism, and ‚Race Hygiene‘ in Nazi-era Vienna. Molecular Autism.

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„Gumbelkrawalle“ – Studierende sind wieder auf dem Kreuzzug für das Wahre und Richtige

Jugendlichen gesteht man in der Regel das Recht zu, sich in Ideen und Ideologien zu verrennen und im Verlauf eines Prozesses, in dem sie Maturität, Denkfähigkeit und Rationalität erwerben, wieder auf dem Boden der Normalität anzukommen. Eine Voraussetzung für dieses Zugeständnis besteht darin, dass Jugendliche keine Externalitäten für den Rest der Gesellschaft produzieren, dass ihre ideologischen Narreteien die Gesellschaft nicht schädigen.

Die ideologischen Narreteien, die derzeit aus Frankfurt oder aus Heidelberg zu berichten sind, die Narreteien, die sich in eine Reihe stellen mit dem aus Berlin und Kassel Bekannten, sie schädigen die Gesellschaft. Sie schädigen die Wissenschaft, und sie können somit nicht mehr geduldet werden. Eigentlich.

In Frankfurt laufen organisierte Studenten gegen eine Tagung Sturm, bei der es um häusliche Gewalt gehen soll, und in Heidelberg ist es organisierten Studenten gelungen, den Fehlschluss ad auctoritatem zur Handlungsgrundlage bei der Durchführung universitärer Veranstaltungen zu machen. Wir zitieren aus einem Post von Dr. Malte Kaufmann.

Im Juni findet die Konferenz “BASIQ 2018” statt, organisiert von der Uni Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsuniversität Bukarest- die Uni, an der ich 2010-2015 meine Promotion durchgeführt habe. Meine damalige Doktormutter ist die Programmverantwortliche und lud mich als Key Note Speaker ein. Ich sollte einen Vortrag zum Thema meiner Dissertation halten: Soziale Verantwortung von Unternehmen. Nach schriftlicher Bestätigung trug ich den Termin in meinen öffentlichen Terminkalender auf meiner Webseite ein. Kurz darauf startete die linksradikale Seite “AfD Watch Heidelberg” eine Hetzkampagne. Im gewohnten linksradikalen Duktus wurde gefordert, die Universität dürfe nicht einen “astreinen völkisch-nationalistischen Redner” zu Wort kommen lassen.

Mit Erfolg: Das “Institut für Politische Wissenschaft” intervenierte, setzte die Programmverantwortliche von der Wirtschaftsuniversität Bukarest unter Druck und ich wurde wieder ausgeladen, ja darf nicht einmal an der Konferenz teilnehmen.

Ausgeladen aus politischen Gründen!”

Was wir immer wieder erstaunlich finden, ist die Tatsache, dass Studenten und Dozenten, die sich auf der richtigen Seite wähnen, ihrer selbst so unsicher sind, dass sie eine Auseinandersetzung, eine verbale Auseinandersetzung, ein Streitgespräch mit denen, die sie auf der von sich aus falschen Seite verorten, meiden wie der Teufel das Weihwasser. Es ist zwar schwierig vorstellbar, dass ein Vortrag, in dem es um die „Soziale Verantwortung von Unternehmen“ geht, also um das Modethema der Corporate Social Responsibility zu einer politischen Kundgebung umgestaltet wird, aber für den Fall dass, was hindert die nach eigener Ansicht kritischen Studenten vor Ort zu sein und sich argumentativ zu streiten, was, wenn nicht ihre eigene Unfähigkeit, Argumente zu machen, eine Unfähigkeit, die sich in der Bereitschaft niederschlägt, ein Fehlargument gegen die Person zu machen.

Universitäten sollen Orte sein, an denen ohne Ansehen der Person nur die Qualität von Argumenten zählt. Dass Universitäten neuerdings wieder von Studenten zu Orten gemacht werden sollen, an denen nicht die Qualität von Argumenten, das Wissen und die Kompetenzen von Bedeutung sind, sondern ein politischer Lackmustest darüber entscheiden soll, ob ein Rederecht oder eine Betätigung an einer Universität positiv sanktioniert wird, steht in einer schlimmen Tradition und ist mit dafür verantwortlich, dass deutsche Universitäten immer mehr zu Schwatzbuden, an denen sich Spinner über ihr Geschlecht streiten, und zu Orten der politischen Agitation, an denen politische Krieger gegen den politischen Feind zu Felde ziehen, werden.

Damit steht gerade die Heidelberger Universität und ihre Studentenschaft in einer unheiligen Tradition.

Emil Julius Gumbel.

Wer kennt Emil Julius Gumbel?

Emil Julius Gumbel war ein Mathematiker.

Im Jahre 1923 wurde er in Heidelberg habilitiert und fand dort als Privatdozent für mathematische Statistik eine Anstellung.
1930 wurde er vom damaligen Badischen Kultusminister Willy Hellpach, einem Liberalen, zum Professor ernannt.
Die Folge waren die Gumbelkrawalle, in deren Verlauf Mitglieder des AStA der Universität Heidelberg sich Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten und die Universität besetzten.

Um die Abbildung an heutige Verhältnisse anzupassen, reicht es, die Liste der Unterzeichner aus dem Grüne-Linken Milieu zusammen zu sammeln.

Gumbel war neben seiner Tätigkeit als Mathematik-Dozent auch ein flammender Pazifist, der mit seiner Meinung nicht zurückhaltend war. So hat er 1924 während eines Vortrags bei der Deutschen Friedensgesellschaft vom „Feld der Unehre“ gesprochen, und brachte damit den nationalen Teil Deutschlands gegen sich auf. Da er seine Meinung zudem in zwei Büchern mit dem Titel „Verschwörer“ (1924) und „Verräter verfallen der Feme“ (1929) kund getan hatte und sich anschließend in Prozessen wegen Landesverrat verteidigen musste (Prozesse, die ohne Konsequenz blieben), machten die Studentenvertreter Heidelbergs im AStA gegen Gumbel Stimmung und forderten seine Entfernung von der Universität Heidelberg. Die „Hetzkampagne der Studenten“ nahm dabei solche Ausmaße an, dass der Badische Kultusminister Remmele dem AStA die staatliche Anerkennung entzog (Wolgast 2006: 58). Der Entzug der Anerkennung wurde von Remmeles Vorgänger im Amt, Willy Hellpach wie folgt kommentiert:

” Wer sein Spielzeug kaputt macht, kriegt zunächst kein neues. Das sollte doch wohl selbstverständlich sein. Laßt doch ’Studentenschaften‘ sich auftun, wieviel ihrer Lust haben! Die Universität braucht sie nicht. Es ist jahrhundertelang ohne Selbstverwaltung der Studenten gegangen. Jedes krampfhafte Bemühen der Universitätsbehörde, rasch eine neue Selbstverwaltung aufzubauen, kann diese neue nur ähnlichen Schicksalen entgegenführen, wie die alte sie erfahren hat. Man nehme doch endlich die jungen Leute nicht gar so tragisch! Man dränge ihnen nicht auf, was sie gar nicht haben wollen und womit sie nichts anzufangen wissen . . . Gelassenheit! Gelassenheit! Und nur wo sie ihre Schranken überschreiten, dort unbeugsame Abweisung. Aber nicht ein Ernst, über den sie selber lachen (und das mit Recht!)“

Während sich politische Vertreter noch 1931 gegen den vom Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund unterwanderten AStA der Universität Heidelberg gestellt haben, um den Zweck von Wissenschaft und die Wissenschaftlichkeit vor dem Ansturm der ideologischen Horden zu bewahren, ist es heute gerade andersherum, Politiker beeilen sich, auf den ideologischen Karren, den die ideologischen Horden in den Studentenvertretungen ihnen bereitstellen, aufzuspringen und mitzujohlen.

Dass Studentenvertretungen, die gegen die Freiheit von Lehre, Meinung und Argument vorgehen, weil ihnen die politische Einstellung mancher Menschen nicht passt, damit die Wissenschaft unmöglich machen und beerdigen, denn ohne Liberalismus ist Wissenschaft nicht möglich, das stört heutige Politiker, Kultusminister oder Stadtverordnete wenig. Ihr Rückgrat hält keinen Vergleich mit liberalen Politikern aus, die noch 1931 eindeutig gegen die ideologischen Horden Stellung bezogen haben, wohlwissend, dass sie damit eine Gefahr an Leib und Leben eingehen.

Die Zeiten ändern sich bekanntlich, nur eine Konstante scheint unveränderlich: Politische Horden, die in ihrer Dummheit das beseitigen wollen, was Wissenschaft erst ermöglicht, hat es zu allen Zeiten gegeben. Neu ist, dass sie sich außerhalb totalitärer Systeme, sofern man Deutschland als nicht totalitäres System ansieht, der politischen Schützenhilfe sicher sein können.


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Ent-Sozifizierung oder DDRisierung? Wo sind die DDR-Kader geblieben?

Den Alliierten war die Ent-Nazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg ein echtes Anliegen. Sie waren der Überzeugung, dass die Ideologie des National-Sozialismus einem friedlichen Zusammenleben von Menschen entgegenstehe. Die Millionen Toten, die der National-Sozialismus gefordert hat, waren den Alliierten eine ausreichende Begründung.

Nach dem Ende der DDR ist eine Ent-Sozifizierung ausgeblieben. Im Gegensatz zu den Nationalen Sozialisten ist es den Internationalen Sozialisten regelmäßig gelungen, die Verantwortung für die Millionen Toten, die der Internationale Sozialismus in der Sowjetunion, China, Kambodscha, Vietnam in Ländern Europas (DDR, Polen, CSSR, Rumänien, Bulgarien ….), Afrikas, Lateinamerikas hinterlassen hat und bis heute hinterlässt, abzulehnen.

Die Ideologie des Kommunismus oder Sozialismus (wir sehen nicht wirklich einen Unterschied zwischen beidem), hat die rund 100 Millionen Toten, die Umsetzungsversuche nach Schätzungen von Courtois et al. (1998: 16) gefordert haben, abgeschüttelt und die alte Lehre in neuem Gewandt weiterverbreitet.

Auch das Ende der DDR und das, was als Vereinigung beider deutscher Staaten in die Geschichte eingegangen ist, hat keine Ent-Sozifizierung nach sich gezogen. Niemand hat die Notwendigkeit gesehen, die DDR-Kader, die für rund 40 Jahre kollektive Haft von Teilen der ostdeutschen Bevölkerung in dem, was man den sozialistischen Lebensstandard genannt hat, verantwortlich waren, zur Rechenschaft zu ziehen und zumindest zu versuchen, den internationalen Sozialismus in der Weise als ideologische Basis für ungeahntes Leid zu kennzeichnen, wie dies mit dem nationalen Sozialismus der Fall war.

Und so hat niemand versucht, DDR-Kader, also in Marxismus-Leninismus trainierte Ideologen, die in Techniken und Methoden der Manipulation, der Indoktrination sowie der Unterwanderung, Zersetzung und Beseitigung der politischen Feinde bestens bewandert waren, den Zugang zu Positionen des öffentlichen Lebens, von denen aus sie weiter Unheil anrichten können, zu verwehren.

Um sich einen Eindruck von der potentiellen Unterwanderung des freiheitlich-demokratischen Systems der Bundesrepublik mit DDR-Kadern erahnen zu können, ist es sinnvoll nach den DDR-Kadern zu fragen, nach denen, die unter dem SED-Regime zu Handlangern des Systems erzogen und ausgebildet wurden.

Wir haben diese Frage im Hinblick auf die DDR-Kader gestellt, an die bislang anscheinend noch niemand gedacht hat, jene Absolventen der Hochschulen des Ministeriums für Staatssicherheit, der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) und der FDJ (Freie Deutsche Jugend). Nach dem Ende der DDR wurde viel Aufhebens um die innoffiziellen Mitarbeiter gemacht, aber kaum jemand hat nach deren Führungsoffizieren gefragt, den an der Juristischen Hochschule Potsdam ausgebildeten Kadern, die als die Speerspitze des sozialistischen Kampfes gegen den Klassenfeind angesehen werden können.

Die Juristische Hochschule (JHS) in Potsdam war Ausbildungsort für alle, die es in der Hierarchie des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zu etwas bringen wollten. Die Führungsoffiziere der Inoffiziellen Mitarbeiter, die ideologischen Zersetzer von Klassenfeinden und diejenigen, die Versuche, eine Opposition zum DDR-System zu entwickeln, um Keim ersticken sollten, sie wurden in Potsdam ausgebildet. Seit 1975 erfolgte die Ausbildung entlang eines Lehrplans, der vier zentrale Lehrgebiete vorsah:

  • Eine marxistisch-leninistische Grundausbildung,
  • Rechtswissenschaft,
  • Politisch-operative Ausbildung,
  • Militärische Ausbildung,

Mit gut 40% der Stundenzahl nahm die politisch-operative Ausbildung den größten Raum ein. Fähigkeiten, die hier vermittelt werden sollten, waren z.B. die Arbeit mit Inoffoziellen Mitarbeitern und die Anwendung operativer und kriminalistischer Methoden, worunter im Wesentlichen ein Fundus von Manipulations-, Indoktrinations-, Überwachungs- und Zersetzungsmaßnahmen zur Bekämpfung des politischen Feindes verstanden wurde. Die Marxistisch-Leninistische Imperialismusanalyse, die man heute an manchen Hochschulen als Postkolonialismusstudien wiederfindet, wurde ebenso gelehrt wie Methoden der „operativen Psychologie“, „politisch-operative Grundlagenarbeit zur Sicherung von gesellschaftlichen Bereiche, Territorien und Personenkreisen“, die Abwehr subversiver Angriffe (also Maßnehmen gegen die DDR-Opposition), die Bearbeitung operativer Vorgänge (z.B. das Auffinden und Inhaftieren politischer Gegner) und vieles andere mehr was man als Kämpfer für das sozialistische Gute benötigt, um seine politischen Gegner nicht nur verbal, sondern im wahrsten Sinne des Wortes zu eliminieren.

Mit einer bewunderswerten Akribie hat Günter Förster die Diplom- und Abschlussarbeiten aus den Jahren 1975 bis 1989 zusammengetragen und nachgewiesen. „4.537 Diplomarbeiten und Abschlussarbeiten im postgradualen Studium (von 5.253 Autoren)“ sind dabei zusammengekommen.

Was ist aus diesen 5.253 hochspezialisierten DDR-Kadern, die Erfahrung in der Überwachung und Indoktrination der Bürger mit Methoden der Unterwanderung, Durch- und Zersetzung von politischen Gegenbewegungen verbunden haben und die in der Führung Inoffizieller Mitarbeiter ebenso ausgebildet waren wie im Einsatz psychologischer Manipulationsmethoden geworden?

Niemand weiß es.

Sie wurden in das Neue Deutschland übernommen, ohne jemals ihre Loyalität zum politischen System der parlamentarischen Demokratie bekundet, geschweige denn unter Beweis gestellt zu haben. Es ist daher nicht verwunderlich, dass etliche Parteiorganisationen und –assoziationen der Partei der Linken vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Aber natürlich ist das nur die Spitze des DDR-Kader Eisberges.

Die Ausbildung an der Juristischen Hochschule in Potsdam diente der Rekrutierung von Personal für das Ministerium für Staatssicherheit. Wer die Hochschule besuchen durfte, musste sich als Mitglied der SED als besonders linientreu erwiesen haben. Andere, die eine Karriere in der SED oder einer ihre Blockparteien, aber nicht im MfS angestrebt haben, waren an der Parteihochschule „Karl Marx“, die in Berlin-Mitte und Kleinmalchow Gebäude unterhielt, besser aufgehoben.

Von 1946 bis zum 12. August 1990 wurden an der Parteihochschule Karl Marx rund 24.000 Kader in Marxismus-Leninismus und allen Methoden der ideologisch-politischen Kriegsführung ausgebildet. Das offizielle Ziel der Hochschule war die „Heranbildung qualifizierter Kader in Verbindung mit theoretischer Forschungsarbeit und Herstellung von Schulungs- und anderen Materialien nach den Vorgaben des Zentralkomitees“ der SED. Das lässt wenig Zweifel daran, wer überhaupt Zugang zur Parteihochschule Karl Marx erhalten hat und welche Person man sein muss, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Sagen wir es so: Eine Ausbildung an der Parteihochschule Karl Marx und Loyalität für ein demokratisch-freiheitliches politisches System sind unvereinbar.

Was ist aus den 20.000 Kadern, die für inländische Zwecke der SED ausgebildet wurden und den 4.000 Kadern aus 67 befreundeten Nationen geworden, die die ideologische Indoktrinationsanstalt erfolgreich durchlaufen haben, also als Spruchbeutel des Regimes herausgekommen sind?

Niemand hat sich je dafür interessiert, welche Form von Indoktrination oder anderer politischer Agitation die entsprechenden Kader heute betreiben, in welche Positionen sie gelangt sind und welche Mittel des politischen Kampfes sie anwenden. Es ist Zeit, den Verbleib auch dieser DDR-Kader lückenlos aufzuarbeiten.

Die Ausbildung von Regime-Marionetten, sie hat nicht auf der Parteihochschule der SED oder der Juristischen Hochschule des MfS begonnen. An beiden wurde der Feinschliff vorgenommen, der aus einem Sozialismus-Enthusiasten einen gewissenlosen Führungsoffizier macht, der für Menschen nichts als Verachtung übrig hat oder den Sozialismus-Enthusiasten in einen Sozialismus-Fundamentalisten verbildet, der nunmehr als Missionar durch die Welt zieht, um den Unglauben im Keim zu ersticken. Die Grundlagen für den Sozialismus-Dope, sie wurden bereits im Kindes- und Jugendalter gelegt. Bei Pionieren und FDJ und an der „Jugendhochschule Wilhelm Pieck” am Bogensee bei Bernau, auf dem Anwesen, das eins Joseph Goebbels gehörte (Die Kontinuität von Propaganda treibt ihre eigenen Blüten).

Die FDJ, die Jugendorganisation der SED hatte rund 2,3 Millionen Mitglieder im Alter von 14 bis 25 Jahre. Sie wurden in ihren lokalen Gliederungen in Sozialismus geschult und diejenigen, deren Potential als sozialistische Kämpfer und Spruchbeutel als besonders vielversprechend eingeschätzt wurde, sie haben den Weg an den Bogensee in die Jugendhochschule Wilhelm Pieck gemacht. In den 43 Jahren ihrer Existenz (1946-1989) wurden an der Jugendhochschule abermals gut 24.000 SED-Kader, 20.000 für den inländischen Gebrauch, 4.000 für den ideologischen Export ausgebildet.

Die Narrative der Sozialisten/Kommunisten, die an der Jugendhochschule in aufnahmebereite Gehirne gehämmert wurden, sie sind wohlvertraut: und „folgten alle dem gleichen Schema: Internationale Lage, der Frieden ist bedroht, Sowjetunion und DDR trotzen den Kriegstreibern. DDR, Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, bis zum Jahr 1990 wird die Wohnungsfrage als soziales Problem gelöst. SED und FDJ, gestählt vom Banner des Marxismus-Leninismus, meistern die neuen Aufgaben“. Oder: „Die Gier der Konzerne, die sich nicht um Mensch und Natur scheren“. Sie zerstören die Umwelt, kennen nur ihren eigenen Profit, halten Menschen in Armut. Nur der Sozialismus kann die Welt retten.

Die vertrauten Narrative, die man heute aus Attac!, am Rande von G20-Treffen, bei Grünen und der LINKE, in der Riesaer Straße in Berlin, aus Studentenvertretungen der Hochschulen und in Seminaren besonders Ideologisierter, die den Postkolonialismus und den weißen Mann in gleicher Weise zum Klassenfeind erkoren haben, hören kann, sie machen die Frage um so dringlicher: Was ist aus den mindestens 24.000 FDJ-Kadern, die an der Jugendhochschule Wilhelm Pieck ausgebildet wurden, nach dem Ende der DDR geworden?

Was ist aus den mindestens 24.000 SED-Kader geworden, die an der Parteihochschule Karl Marx zu ideologischen Kämpfern ausgebildet wurden? Was ist aus den mehr als 5.000 spezialisierten Führungsoffizieren des MfS, die in allen Techniken der psychologischen Kriegsführung und politischen Zersetzung ausgebildet waren, geworden?

Wo sind sie geblieben?


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Selling Lifestyle: Gesinnungsfaschismus gibt es in vielen Varianten

Daimler-Benz hat getan, was viele Unternehmen tun. Man hat versucht, einen Lebensstil, eine Weltanschauung, eine Gesinnung zu verkaufen und dazu den Dalai Lama missbraucht: „Look at situations from all angles and you will become more open“, so lautet das Zitat: Betrachte eine Situation von allen Seiten und Du wirst offener / toleranter.

Ein gutes Zitat für all diejenigen, die Meinungsfreiheit schätzen. Ein schlechtes Zitat, wenn man Autos verkaufen und sich selbst als Unternehmen inszenieren will, das nicht Autos, sondern Lebensstile nebst zugrunde liegender Gesinnung verkauft.

Und zudem ein Rohrkrepierer, wie sich daran zeigt, dass beim ersten Lüftchen aus der Gegenrichtung, die offene Mercedes-Benz-Fahrt ins Stocken und schließlich an die Wand gefahren ist. Kritik von den Chinesen, die außerhalb von China leben, oder in China im Auftrag der dortigen kommunistischen Parteiführung die Meinung zensieren und Instagram, das soziale Netzwerk, auf dem Daimler-Benz den Dalai Lama missbraucht hat, mitlesen, im Gegensatz zu chinesischen Bürgern, die vom Zugang zu Instagram geblockt sind, haben sich beschwert, und Daimler-Benz hat sich entschuldigt. Nicht dafür, den Dalai Lama missbraucht zu haben, sondern dafür, mit dem Dalai Lama einen religiösen Führer zitiert zu haben, mit dem die Kommunisten Chinas nicht konfrontiert werden wollen, mit dem sie ein weltanschaulisches Gesinnungsproblem haben. Denn: Der Dalai Lama hat andere Ansichten als die Chinesische Parteiführung und ist deshalb persona non grata in einem Land, in dem man KEINE anderen Ansicht haben darf als die chinesische Parteiführung.

Dass Daimler-Benz vor der chinesischen Parteiführung kriecht, das findet Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, nicht gut. Wer in China Geschäfte machen wolle, so sein Schluss aus diesem „Vorgang“, der dürfe auch nicht „ansatzweise von der vorgegebenen staatlichen chinesischen Linie“ abweichen und am Beispiel zeige sich, dass Chinas Staats- und Parteiführung „immer rigoroser“ daran arbeite, die eigenen „politischen Vorstellungen … auf der Welt auszubreiten“.

Die Chinesen wollen also das verbreiten, was sie für die richtige Gesinnung halten. Sie wollen den richtigen, dieses Mal den richtigen chinesischen Lebensstil verkaufen. Und damit sind wir beim Problem.

Denn eigentlich machen die Chinesen nichts anderes als Daimler-Benz oder der Deutsche Bundestag, der mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz gerade die falsche Gesinnung aus dem öffentlichen Diskurs verbannen will, so wie die chinesischen Kommunisten die falsche Gesinnung aus dem dortigen öffentlichen Diskurs verbannt haben. Insofern sind sie alle eins in ihrer Form des Gesinnungsfaschismus. Mit der Ausnahme, dass Mercedes-Benz hofft, das, was als richtige Weltanschauung verbreitet werden soll, so nutzen zu können, dass die eigenen Verkaufszahlen steigen.

Es ist also wieder einmal an der Zeit festzustellen, dass es entweder Meinungsfreiheit gibt oder nicht. Entweder man verteidigt Meinungsfreiheit und bekämpft Gesinnungsdiktatur, wo immer man sie sieht, oder man verbreitet Gesinnungsdiktatur und gibt Meinungsfreiheit auf.

Wer sich also darüber mokieren will, dass die Chinesen den Missbrauch eines Ausspruchs des Dalai Lama durch Mercedes Benz unterbinden, der muss sich auch über das deutsche Netzdurchsetzungsgesetz mokieren, das dazu führt, dass jeden Tage eine Vielzahl strafrechtlich vollkommen irrelevanter Meinungsäußerungen gelöscht werden und das deutsche Rechtssystem zu einer Farce wird. Wer sich über die Chinesen ereifern will, der muss dafür sorgen, dass nicht unter dem Deckmantel des angeblichen Rassismus, Sexismus oder welcher Sonstismus gerade in ist, in angeblichen demokratischen Gesellschaften ein Kulturkrieg gegen die Meinungsfreiheit geführt wird, der dazu führt, dass z.B. VW den folgenden Werbespot zurückgezogen hat:

 

Und er muss auch solche Werbesprüche zulassen:

Und er muss davon absehen, das Werk der Chinesen dahingehend zu unterstützen, dass er wie Steffen Wurzel dies tut, eine Verkürzung vorträgt, bei der die Grenze zur Geschichtsfälschung vermutlich überschritten ist.

Wurzel begründet die Aversion der chinesischen Parteiführung gegen den Dalai Lama damit, dass der Dalai Lama wegen seines „Einsatzes für mehr Autonomie in Tibet“ der nämlichen Parteiführung als „Staatsfeind“ gelte.

Das wird den historischen Gegebenheiten nicht einmal im Ansatz gerecht.
Der Dalai Lama ist nicht irgend jemand, dem es gerade gefällt, für die Autonomie Tibets einzustehen. Der jetzige Dalai Lama, Tenzin Gaytso, war bis 1959 religiöser und weltlicher Führer des Landes Tibet. Nachdem Tibet bereits 1950 von der Volksarmee Mao Tse Tungs überrannt und annektiert worden war, kam es 1959 zum Aufstand gegen die chinesische Besatzung, der mit der Flucht des Dalai Lama nach Indien endete. Im indischen Exil hat der Dalai Lama alle weltliche Führung auf die Exilregierung Tibets übertragen und ist seither nur noch das religiöse Oberhaupt des tibetischen Buddhismus. Ihn zu einem Befürworter der tibetanischen Autonomiebestrebungen zu machen, kommt der Behauptung gleich, Charles de Gaulle sei der Führer der französischen Autonomiebewegung gewesen, die sich vom Großdeutschen Reich lossagen wollte.

Abgesehen davon, dass der derzeitige Dalai Lama also mit Nichten auf einer Stufe mit Unterstützern von IRA oder ETA steht, die für die Autonomie Nordirlands von Großbritannien bzw. des Baskenlandes von Spanien kämpf(t)en und abgesehen davon, dass Autonomie bei der ARD dann, wenn es um Katalonien geht oder darum, dass Großbritannien seine Autonomie von der EU erklärt hat, eher negativ bewertet wird, genießt der Dalai Lama international ein hohes Ansehen. Deshalb ist er für die chinesische Parteiführung gefährlich, und deshalb wird er von Unternehmen wie DaimlerBenz dazu missbraucht, ihre unförmigen Gefährte als Ausdruck eines offenen Lebensstils zu vermarkten.

Wer sich für die Geschichte Tibets und des Dalai Lama interessiert, dem sei der Film “Kundun” empfohlen. 

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10 Kleine Negerlein – Politisch korrekte Verdummung

10 Kleine Negerlein, die kennen viele noch aus Ihrer Kindheit oder als Titel von Agatha Christies Buch, das in der Originalfassung aus dem Jahre 1939 übrigens „Ten little Niggers“ geheißen hat.

Es soll ja Menschen geben, die von Begriffen so in Mitleidenschaft gezogen werden können, dass sie physische und geistige, vor allem letztere Schäden als Ergebnis einer offensichtlich apotropäischen Magie davontragen. Falls wir aufgrund des Begriffs „Nigger“, den ein oder anderen Leser an das politisch-korrekte Paradies im Jenseits der Versprechung verloren haben, dann tut uns das nicht leid.

Zurück zu den 10 Kleinen Negerlein, dem Kinderlied:

Zehn kleine Negerlein,
Die fuhren übern Rhein;
Das eine ist in’s Wasser gefall’n,
Da waren’s nur noch neun.

[…]
Neun kleine Negerlein,
Die gingen auf die Jagd,
Das eine wurde totgeschoss’n,
Da waren’s nur noch acht.
[…]
Acht kleine Negerlein,
Die gingen in die Rüb’n,
Das eine hat sich totgegess’n,
Da waren’s nur noch sieb’n.
[…]
Sieben kleine Negerlein,
Die gingen zu ‘ner Hex’,
Das eine hat sie totgehext,
Da waren’s nur noch sechs.
[…]
Sechs kleine Negerlein,
Gerieten in die Sümf,
Das eine ist d’rin stecken geblieb’n,
Da waren’s nur noch fünf.
[…]
Fünf kleine Negerlein,
Die gingen mal zum Bier,
Das eine hat sich totgetrunk’n,
Da waren’s nur noch vier.
[…]
Vier kleine Negerlein,
Die aßen heißen Brei,
Das eine hat zuviel gegess’n,
Da waren’s nur noch drei.
[…]
Drei kleine Negerlein,
Die fuhr’n in die Türkei,
Den einen traf der Sonnenstich,
Da waren’s nur noch zwei.
[…]
Zwei kleine Negerlein,
Die fingen an zu weinen,
Der eine hat sich totgeweint,
Da gab es nur noch einen.
[…]
Ein kleines Negerlein,
Das fuhr mal in der Kutsch,
Da ist es unten durchgerutscht,
Da war’n sie alle futsch.
[…]

Tatsächlich werden Kindheitserinnerungen von manchen höher gewichtet als politische Korrektheit. Die Kindheitserinnerung hat oftmals auch nicht die real-brutale Version zum Gegenstand, sondern eine abgeschwächte, in der jedoch, entgegen aller politischen Korrektheit, weiterhin von 10 kleinen Negerlein die Rede ist. Doch der gesunde Menschenverstand, das zeigt eine kleine Analyse bei Amazon, ist stärker als die politische Korrektheit:

5,0 von 5 Sternen super…
Von Sandra am 31. August 2016
Format: Gebundene Ausgabe|Verifizierter Kauf
… dass ich das Buch hier gefunden habe. ich kenne es aus meiner Kindheit und wollte es unbedingt wieder haben. der Artikel wurde als gebraucht im guten zustand angeboten. das Buch hatte wirklich nur wenige Gebrauchsspuren und war in einem sehr guten Zustand. habe 7,80 Euro gezahlt. hab mich gefreut.

5,0 von 5 Sternen Kindheitserinnerung
Von M.J.am 3. Mai 2016
Format: Gebundene Ausgabe|Verifizierter Kauf
Ich habe dieses Buch als Kind geliebt. Ich habe es immer bei meiner Oma gelesen. Leider ist es irgendwann abhanden gekommen und keiner wusste mehr wohin es verschwunden ist. Nun haben wir es wieder bestellt und unser kleiner Sohn findet es genauso toll wie ich

5,0 von 5 Sternen hanna wacker
Von hanna wacker am 7. September 2014
Format: Gebundene Ausgabe
Die Qualität war sehr gut, und es weckt alte Erinnerungen auf .. Wunderbar ich hab mich sehr gefreut. Danke an euch

5,0 von 5 Sternen Bilderbuch
Von Mudda 47 am 1. Februar 2014
Format: Gebundene Ausgabe|Verifizierter Kauf
Das Buch kenne ich noch aus meiner Jugend. Dass dieses Büchlein mit Rassismus in Verbindung gebracht wird , finde ich schade.
Ich habe dieses Büchlein für mich gekauft und hoffe, meine Enkel finde es ebenso liebenswert wie ich!

5,0 von 5 Sternen 1,2,3,4,5,6,7,8,9,10 kleine Negerlein
Von C. Stegmaier am 18. Mai 2010
Format: Gebundene Ausgabe
“10 kleine Negerlein…da waren’s nur noch 9…”
Auf jeder der zehn stabilen Pappseiten ist ein Negerlein weniger zu sehen. Immer ein Negerlein verschwindet, weil es sich verletzt hat o.Ä. Doch auf der letzten Seite sind alle 10 wieder versammelt.
Ein sehr schönes Bilderbuch mit zauberhaften Zeichnungen und einer netten, einfachen Reimgeschichte, die wiederkehrende Passagen enthält.
Absoluter Klassiker, immer wieder schön!

Natürlich gibt es auch hier den einen politisch-Korrekten der Anstoß nimmt. Was sonst sollte er auch sonst nehmen? Ein markanter Unterschied besteht zwischen den Reviews, die sich positiv über das Buch äußern und den wenigen, die sich negativ darüber äußern. Letztere belassen es nicht bei der negativen Bewertung. Sie wollen anderen verbieten, was ihnen nicht gefällt, andere in deren Vorlieben bewerten und maßregeln.

1,0 von 5 Sternen Absolut letztes Jahrhundert!
Von ReWu am 1. Mai 2015
Format: Gebundene Ausgabe
Könnte ich keinen Stern posten, würde ich das tun!
Leute, das geht gar nicht mehr!!!!!!!!!
Lasst Vergangenes los und kommt in der Gegenwart an: das N-Wort soll nicht mehr gesagt werden und DAS solltet ihr euren Kindern und Enkelkindern beibringen, anstatt in Erinnerungen zu schwelgen!

1,0 von 5 Sternen Rassistischer Titel
Von Gregory B. Williams am 10. September 2015
Format: Gebundene Ausgabe
Dieses Buch sollte auf Amazon verboten werden, das Wort Neger ist rassistisch! Willkommen im 21zigstem Jahrhundert!
Und wenn Schwarze sich selber so nennen ist es noch was ganz anderes als wenn jemand anderes das tut! Weil heutzutage werden sie naemlich Schwarz genannt und es ist nicht abstossend fuer sie.

Das Wort „Neger“ ist natürlich nicht rassistisch. Rassismus ist ein Konzept, das sich auf menschliches VERHALTEN bezieht. Im Gegensatz zu den Knalltüten, die Rassismus in Worten entdecken zu können glauben, sind sich die meisten Sozialwissenschaftler, die ernsthaft mit dem Konzept „Rassismus“ beschäftigt sind, darüber im klaren, dass es um Handlungen und nicht um Worte geht. Eine Faust auf die Nase zu bekommen, tut weh, ein Wort entgegen geschleudert zu bekommen, nicht.

Dessen ungeachtet sind diejenigen, die in Weiterentwicklung von Wittgensteins Willkür nunmehr keine Sprachspiele mehr spielen, sondern Sprachkriege führen wollen, erst zufrieden, wenn es ihnen gelungen ist, anderen ihre verquere Sicht der Dinge aufzuzwingen, z.B. in dem man aus den 10 kleinen Negerlein, 10 kleine Kinderlein macht. Glücklicherweise gibt es noch genug Menschen mit dem entsprechenden Menschenverstand, die wissen, dass sie hier manipuliert werden sollen:

1 von 5 Sternen Nicht zu empfehlen!
Von Rudolf Seeger am 13. Juli 2015
Verifizierter Kauf
Ich musste leider 1 Stern geben um eine Rezension abzugeben! Wer es fertigbringt ein uraltes Kinderlied zu vergewaltigen, nur um politisch korrekt zu sein, der sollte die Finger vom schreiben lassen !!! Zum Glück habe ich hier auch die Orginalfassung gekriegt.

Worte und Begriffe sind so etwas wie Zeitzeugen, vor allem dann, wenn es sich um demonstrative Begriffe oder um Konzepte handelt. Wer diese Worte eliminiert, richtet mehr Schaden an, als er in der Enge seiner politischen Korrektheit zu sehen vermag. In 20 Jahren, wenn alle Spuren der Neger getilgt sind, werden es die politisch-korrekten Geschichtsfälscher zwar geschafft haben, ihre eingebildeten Schmerzen, die durch Begriffe hervorgerufen werden sollen, beseitigt zu haben, aber nicht nur das. Sie haben jede Möglichkeit beseitigt, historische Entwicklungen zu verstehen, da sie die Begriffe, die sie nicht mögen, eliminiert haben. Die Vergangenheit besteht demnach für all diejenigen, die in politisch-korrekter Einöde erzogen werden, aus Begriffen, die sie weder kennen noch verstehen. Was man aus der Geschichte, die eine andere Sprache spricht als man selbst, lernen kann, ist offenkundig: Nichts. Das Projekt „politische Korrektheit“ führt demnach direkt in die a-historische Zukunft, in der das Denken durch das Fühlen ersetzt wurde. Was gefühlt werden darf, das geben natürlich die politisch korrekten Faschisten vor.

In diesem Sinne hat bei uns heute Florian Erhard das letzte Wort, als Primärquelle für jene geistige Verwirrung, die als politische Korrektheit in die Geschichte eingehen und von zukünftigen Generationen hoffentlich mit Humor genommen werden wird, sofern sie nicht beschließen, den Begriff der „politischen Korrektheit“ wegen des intellektuellen Kahlschlags, den er nach sich gezogen hat, zu verbieten….

1,0 von 5 Sternen Titel
Von Florian Erhard am 29. März 2013
Format: DVD
Das Wort “Negerlein” sollte in der heutigen Zeit nicht mehr verwendet werden. Siehe z.B. auch unsere Kinderbücher, die geändert werde…

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