Automaten,die zu Höflichkeit, Anstand und Moral erziehen

Kommen Sie bitte etwas näher. 

Wir verraten ein Geheimnis.

Es gibt in Deutschland noch institutionalisierte Wissenschaftler, die Wissenschaftler sind!

Männer mit Ideen, mit witzigen Ideen. Männer, die Ideen zu Ende denken, Spaß daran haben, einem Gedanken zu folgen, ihn voranzutreiben und zu sehen, wohin er führt. 

Zumindest einen gibt es nachweislich: Dr. Birger Priddat von der Universität Witten-Herdecke. Er hat einen wohltuend witzigen und intelligenten Text zum Thema KI verfasst und ist zu dem Schluss gekommen, dass eine Automatisierung für den sprachlichen Umgang, den die Mitglieder z.B. der deutschen Gesellschaft pflegen, wohltuend und förderlich sein kann. Denn: Automaten akzeptieren keine gehässige, schludrige, falsche oder fiese Rede. Sie geben sie einfach zurück, lassen sie nicht passieren (z.B. als Filter bei eMails) und wirken durch den Zwang, sich (logisch) korrekt, anständig und freundlich auszudrücken, kulturbildend und zivilisierend.

Träumen wir ein wenig: Die Ruhe, die entsteht, weil Automaten jeden sprachlichen Unsinn, jede Beleidigung und jeden Fehlschluss aus Politikerreden ausfiltern, weil sie die Rede nicht weitergeben, sondern dem Redner zurückgeben, weil sich das Mikrophon weigert, die sprachliche Katastrophe zu transportieren. Himmlisch. Noch besser: ideologische Hassorgien von Antifa oder den Stiftungen, die so besorgt um der Deutschen korrekte Einstellung sind, dass sie sie mit gleichgeschaltetem und falschem Denken traktieren, sie werden einfach ausgeschaltet, mutet, bleiben stumm. Niemand hört, was sie sprechen, niemand liest, was sie schreiben, Automaten filtern es aus, bewahren Anstand und Moral vor den entsprechenden sprachlichen Tiefschlägen.

KI, in dieser Weise verwendet, wäre in der Tat ein Kulturbringer, witziger Weise einer, der aus der Mitte derer kommt, die erzogen und zivilisiert werden und damit ein Beleg dafür, dass es keine Aliens benötigt und keine kulturelle Diffusion, um Anstand und Moral zu entwickeln. 

Genug der Vorrede. 
Lassen wir Birger Priddat zu Wort kommen:

Plötzlich machen sich alle Gedanken über Roboter und Automaten. Vor allem über die künstliche Intelligenz (KI), die zunehmend in die Automaten eingebaut und ständig weiterentwickelt wird. Wird ihre Intelligenz unsere bald überflügeln?

Birger PriddatDass Algorithmen vieles, was wir uns mühsam zusammenreimen, extrem schnell und komplex berechnen können, ist eine nützliche Eigenschaft der Digitalisierung. Dass aber die Roboter die Macht übernehmen, ist eher der Nachtschatten schlechter amerikanischer Filme. Aber etwas anderes wird passieren: dass wir uns daran gewöhnen, mit Automaten zusammenzuleben. Wir werden sie vielfach gar nicht mehr als Automaten empfinden, sondern als gleichsam natürliche Gesprächs- und Arbeitspartner (so wie heute schon Siri oder die Stimme des Navigationsgerätes). Spätestens dann, wenn die Maschinen reden werden. Denn alle Automaten, die mit uns oder für uns arbeiten, werden kommunizieren: untereinander, aber auch mit uns. Dass sie mit uns andere Dinge kommunizieren, ist klar: Alexa oder Siri sind die ersten Erprobungen.

Wenn sich die Automaten sprachlich in unsere Kommunikationswelten einklinken, sind wir nicht mehr darauf angewiesen, mit Texten, SMS’en, Mails, Bildern etc. zu operieren. Sondern wir kommunizieren mit den Maschinen gleichsam auf ‚Ohrenhöhe’. Aber das ist der trivialere Teil der Aussage; der weniger triviale ist der, dass uns die Maschinen durchgehend vernünftig gegenübertreten. Sie sind – zumindest erst einmal – emotionslos (ohne kühl zu sein. Das Timbre der Stimmen von Siri und Alexa erleben manche sogar als proto-erotisch). Aber sie kommunizieren letztlich in einer Dimension: streng vernünftig.

Bevor wir nicken und sagen, das sei doch klar, sollten wir bedenken, dass sich daran unsere Kommunikationsstile neu formieren. Mit emotionalem, gehässigem, aufbrausendem, oder aber auch nöligem, wischi-waschi- und labernden Aussagen werden wir den Maschinen nicht kommen können. Sanft werden die Algorithmen unsere Stimmungen korrigieren, nachfragen, unnachgiebig vernünftig. Oder aber [oder aber würde kein Automat durchlassen] die Sache auf später verschieben, weil man von uns gerade keine vernünftige Antwort bekommt etc. Mit unseren schlampigen Kommunikationen, unklarem Entscheiden bzw. Nicht-Entscheiden-Können werden diese Maschinen nichts anfangen können, außer uns leise ‚zur Vernunft’ zu bringen. Wir werden – mehr oder minder – genötigt, vernünftig zu fragen und vernünftig zu antworten – eine Qualität der Kommunikation, die wir im Alltag durchschnittlich weder beherrschen noch hinreichend üben.

tweet controlEs kann also sein, dass die Automaten uns zivilisieren. Nicht weil sie so programmiert sind (auch darauf kann man achten), sondern schlicht, weil sie logische Automaten sind, die nichts anderes können, als einigermaßen vernünftig zu sein. Es wäre ein miserabler Automat, wenn er schlampig, uneindeutig, fahrig antworten würde. Die Automaten können eine kulturbildende Aufgabe bekommen. Diesen Aspekt findet man in der euphorischen Sorge über Roboter und Algorithmen äußerst selten.

Natürlich können dann semantische Algorithmen jede gehässige Äußerung – von Aussagen wage ich gar nicht zu reden – zurückweisen; nicht gleich löschen, sondern an den Absender zurückgehen lassen mit der Bitte, sie in ein einigermaßen zivilisiertes Deutsch zur übersetzen. Überhaupt könnte jeder Text – in Facebook, Twitter, aber auch in den Mails – zurückgegeben werden (back to sender), der in schlechtem Deutsch, grammatikalisch falsch und in brüchigem Satzbau verfasst ist. Wahrscheinlich würden 50 Prozent der aktuell gesendeten Textchen nicht durch den sprachbildenden Filter gehen.

Eine absurde Idee? Warum? Warum lassen wir es zu, dass ein Großteil der Kommunikation in der Gesellschaft in schlechtem Deutsch geschieht? Wenn man privat seine Sprache verschludern lassen will, ist das eine Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit. Mit dem Internet und seiner zivilisatorischen Vernunft hätten wir eine erstmalige Chance, in eine neue Sprachkultur einzutreten. Wer mit den Automaten unhöflich oder sprachlich barbarisch umgeht, den bedienen sie nicht.

Über Michael Klein
... concerned with and about science

6 Responses to Automaten,die zu Höflichkeit, Anstand und Moral erziehen

  1. Laber says:

    *Meeep* „John Spartan, Sie bekommen eine Geldstrafe von einem Credit wegen Verstoßes gegen das verbale Moralitätsstatut!“

  2. Gereon says:

    Das ist ein sehr netter Vorschlag, wird aber wohl nicht umgesetzt?
    Warum?
    Weil es geheiligte, gesetzlich geschützte und unangreifbare ‚Minderheiten‘ benachteiligen würde.
    Insbesonders wären Moslems, Feministinnen, SJW’s, Antifa-Mitglieder und Mitläufer, Politiker , viele Journalisten und überdurchschnittlich viele Frauen betroffen.

  3. Jochen says:

    Ja wie geil ist das denn?
    Ich stell mir grade vor, ein Terrorist kriegt sein haßerfülltes Bekennerschreiben zurück: „…….nicht gleich löschen, sondern an den Absender zurückgehen lassen mit der Bitte, sie in ein einigermaßen zivilisiertes Deutsch zur übersetzen.“
    Das Gesicht möchte ich sehen und die Not, obige Forderung umzusetzen.

  4. merxdunix says:

    Na dann mal her mit den Kultivierungsmaschinen. Vielleicht lernen die Menschen dabei ja selbst wieder, dass sie jeden stehen lassen können, der ihnen doof kommt. Auch Geltungsdrang braucht Gehör.

  5. rote_pille says:

    Frauen am Steuer und Sozialwissenschaftler in der Technik ….
    Automaten sind nicht vernünftig, sondern höchstens deterministisch. Unser Philosoph ist doch auf Hollywood und die oft gezeigte Vermenschlichung von Maschinen hereingefallen, wie mir scheint.

  6. Pingback: Automaten,die zu Höflichkeit, Anstand und Moral erziehen – MoshPit's Corner

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