In Dresden gibt es ein Blog: „Flurfunk“ sein Name. Im Jahr 2016 haben rund 171.000 Besucher dieses Blog gefunden. Flurfunk hatte somit rund 4% der Leser, die ScienceFiles lesen.
Seither ist der „Flurfunk“ zwar etwas bekannter geworden, dümpelt aber immer noch auf einem globalen Alexarank von 916.871. Daten für Deutschland sind nicht verfügbar, was bedeutet, dass Flurfunk.de in Deutschland unter „ferner liefen“ gezählt wird. Zum Vergleich: ScienceFiles hat einen globalen Alexarank von 90.221 und belegt Platz 3.850 unter allen deutschsprachigen Webseiten.
Flurfunk ist somit ein obskures Blog aus der Dresdener Provinz, und das obwohl es Flurfunk schon seit 2008 gibt und die Startbedingungen für das Blog, das Nachfolger des Presseclubs in Dresden wurde, günstig waren:
„Es fing als Experiment an: Als 2008 der Presseclub Dresden seine Website aktualisieren wollte, bot Vereinsmitglied Peter Stawowy an, die Seite künftig als Blog zu führen. Der gelernte Medienjournalist hatte sich gerade selbstständig gemacht.
Innerhalb kürzester Zeit fand sich eine großer Leserzahl auf der Seite ein. 2010 entschied sich Stawowy, das Angebot unter eigenem Namen und als unabhängiges Blog fortzuführen: Der FLURFUNK war geboren.“
Zwischenzeitlich hat Peter Stawowy das Blog um Facebook, Twitter, einen Verlag und eine Agentur ergänzt und seit Dezember 2014 wird der Funkturm herausgegeben, ein nach eigenen Angaben „Hochglanzmagazin“, das auf 100 Seiten (zuweilen auch nur auf 64 Seiten) „tiefgründig und bildgewaltig … die Branche transparenter“ machen will und „die Veränderungen der gesellschaftlichen Kommunikation mit kritischem Blick“ begleiten will.
Der kritische Blick mit dem originellen, innovativen und völlig ungewöhnlichen Namen „Funkturm“ (ob die Anklänge an den Wachturm der Zeugen Jehovas zufällig sind) erscheint in einer Auflage von 4.000 Stück, ein Media-Datum, das man indes einer Anfrage der AfD im Landtag von Sachsen entnehmen muss, weil die entsprechenden Angabe auf der Seite des „erfolgreichen“ Flurfunk-Blogs und des zugehörigen Verlags nicht zu finden ist. Seit 2017 gibt es den Funkturm dreimal jährlich, nachdem er zuvor nur einmal jährlich als Hochglanzstück zuwege gebracht wurde.
Ein Teil der Auflage von 4.000 Stück wird umsonst an die Mitglieder des Deutschen Journalistenverbands (DJV) verteilt, soweit sie in Sachsen oder Sachsen-Anhalt Mitglied sind. Rund 1.500 Mitglieder hat der DJV in Sachsen, gut 500 weitere sind es in Sachsen-Anhalt. Die Hälfte der Auflage geht somit umsonst an Journalisten, wohl mit dem Ziel, dieselben mit Unentgeltlichem, das sie sich nicht kaufen würden, zu beeinflussen, nein, zu informieren.
Von 2000 Stück Hochglanzeitschrift, selbst wenn die Hochglanzzeitschrift den originellen und unglaublich innovativen Namen „Funkturm“ trägt, kann man natürlich wirtschaftlich nicht überleben. Deshalb enthält der Funkturm auf seinen 100 Hochglanzseiten auch Hochglanzwerbung. Die Ausgabe Nummer 8 zum Beispiel, die 2018 erschienen ist, und so wenig verbrauchte Themen behandelt wie:
„Welche neuen Projekte, Initiativen und Wahlkampfmethoden gibt es, um „das Volk“ zu erreichen?
Warum ist das Image von Politikern und Medien so schlecht?
Woher kommt die Angst und die Wut?
Wie umgehen mit Fake-News?
Wo steht die politische Bildung?“
Themen, deren Brisanz und Aktualität nur noch durch das Heftcover (Vogel mit Stahlhelm und Deutschlandfarben) getoppt wird, diese Ausgabe 8, sie enthält rund 4 Seiten (macht 96 verbleibende Hochglanztextseiten) die von der sächsischen Staatsregierung finanziert wurden:
1,25 Seiten vom der Landeszentrale für politische Bildung
1 Seite vom Sächsischen Landtag
1 Seite vom Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
0,5 Seite vom Staatsministerium für Kultus.
Wie viel Geld für die Anzeigen geflossen ist, könnte man schnell herausfinden, wenn die Transparenz bei der Zeitschrift, sorry: Hochglanzzeitschrift „Funkturm“, dem normalen Standard entsprechend würde, der es vorsieht, Mediadaten zu veröffentlichen und Anzeigenpreise hinzu zu gesellen.
Beim Flurfunk ist das alles anders. Wie viel Euro für eine einseitige Anzeige (in Hochglanz) zu berappen sind und ob die Preise einheitlich sind (oder ob Ministerien einen Premiumpreis zahlen, sagen wir viermal den normalen Anzeigenpreis für Hochglanz), das ist nicht ersichtlich, und somit stellt sich nicht nur die Frage, was die Sächsische Landesregierung dazu bewegt, eine relativ obskure „Hochglanzzeitschrift“ eines nicht minder obskuren Blogs, dessen Auflage zur Hälfte unentgeltlich verschenkt wird und ansonsten an 80 (!sic) Kiosken feilgeboten wird, mit Werbung zu unterstützen und vor allem, welches Ziel die Landesregierung von Sachsen damit erreichen will.
Der Verdacht politischer Korruption unter Ausnutzung politischer Versorgungsnetzwerke ist immer schnell geäußert. Flurfunk / Funkturm / Stawowy – Verlag oder Agentur beschreibt sich aber wie folgt:
„Wir arbeiten stets mit Konzept. Mit uns arbeiten Sie von Anfang an oder gar nicht. Unser größter Kick ist es, nachhaltige Kommunikationslösungen zu entwickeln und umzusetzen. Aber: Wir sind frei und nicht käuflich. Unsere Unabhängigkeit ist unser höchstes Gut.“
Vor diesem Hintergrund ist es natürlich höchst lobenswert, dass Dr. Rolf Weigand von der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag ein kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt hat, um herauszufinden, wie viel Steuergeld von der Landesregierung geflossen ist, um rund vier Seiten im Hochglanz-Funkturm Nr. 8 mit eigener Werbung zu füllen, die man vermutlich als Postwurfsendung kostengünstiger an die Mitglieder des DJV in Sachsen und Sachsen-Anhalt hätte verschicken können bzw. als unentgeltliches Faltblatt hätte an mindestens 80 Kiosken in Sachsen auslegen können.
Auf die Antwort der Landesregierung darf man gespannt sein.
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