“Insektengenuss”. Menschliche Allesfresser der Zukunft

Überbevölkerung, Klimawandel, Versiegelung von Böden, immer mehr Nahrungsinput um immer massereichere menschliche Einheiten zu unterhalten, die Probleme für die nächsten Generationen sind vorprogrammiert.

Als Ergebnis finden sich immer mehr Studien ein, die versuchen, die vorhersehbare Katastrophe einer explosiven Mischung aus industrieller Tierquälerei, intensiver Landwirtschaft, Wasserverschmutzung, Umweltzerstörung und Antibiotikaresistenz durch Alternativen abzuwenden.

Eine der Alternativen sind Insekten.

Weil Menschen ihr Potential als Säugetierfresser im engeren Sinne und als Wirbeltier-Kannibalen im weiteren Sinne weitgehend ausgereizt haben und zudem die Zahl derer steigt, die ethische Probleme mit der Art und Weise haben, in der intelligente Lebewesen gehalten, gequält und getötet werden, um Lebewesen, deren Intelligenz in vielen Fällen vorhersehbar hinter ihren Fressopfern zurückbleibt, zu unterhalten, suchen Forscher nach Alternativen, nicht nach fleischlosen Alternativen wie Quorn oder Soja-Produkten, dafür reicht bei vielen die Phantasie nicht, sondern nach Fleisch-Substituten, nach anderen Lebewesen, die Menschen fortan in großer Zahl fressen können.

Bei Insekten, Bienen, Ameisen, Käfern, Mücken, Schaben, Schmetterlingen, Larven, Wanzen und Mehlwürmern, (keine Würmer) sind sie stehengeblieben. Der Teil der Tierwelt, dessen Rückgang in letzter Zeit so problematisiert wurde (“Insektensterben”), er scheint kein Problem mehr darzustellen, wenn es darum geht, von Menschen gefressen zu werden.

Indes verbindet sich mit Insekten als Futter ein Problem: Ekel, Abscheu.

Wie überwindet man beide, um Menschen die neue Leckerei, die besonders geflissentliche „Forscher“ für sie entdeckt haben, nahezubringen? Dr. Fabian Christandl von der Hochschule Fresenius, Sebastian Berger und Annika Wyss von der Universität Bern sowie Christian Bärtsch von der ESSENTO Food AG und Christina Schmidt von der Universität Köln wissen Rat, wie sie meinen:

„Insgesamt 180 Probanden haben an der Laborstudie teilgenommen, die an der Hochschule Fresenius am Kölner Campus durchgeführt wurde. Die Probanden erhielten zunächst einen von sechs eigens produzierten Werbeflyern eines Start-ups für Insekten als Lebensmittel. Dabei wurde einer Hälfte der Probanden ein Flyer mit Werbeslogans ausgehändigt, die die gesundheitsförderlichen und umweltfreundlichen Aspekte von Insekten betonten. So wurden darin Slogans wie „Fleisch war noch nie so gesund“ oder „Fleisch war noch nie so umweltfreundlich“ verwendet. Die andere Hälfte der Probanden bekam dagegen Flyer vorgelegt, in denen Insekten als Luxusprodukte angepriesen und mit einem trendigen Lifestyle in Verbindung gebracht wurden. Anschließend wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Mehlwurm-Schokopralinen angeboten. Das Ergebnis: 76,2 Prozent der Befragten, denen Insekten als Luxusprodukt präsentiert wurden, trauten sich, die Schokopralinen mit Mehlwürmern zu essen. Wurde dagegen herausgestellt, dass der Konsum von Insekten gut für die Umwelt oder die Gesundheit ist, waren es mit 61,3 Prozent signifikant weniger. „Aus unseren Ergebnissen lässt sich ableiten, dass die Werbung Insekten eher als Genussmittel anpreisen sollte. Mit dieser Strategie können sie tendenziell mehr Konsumenten davon überzeugen, Insekten mit auf den Speiseplan zu nehmen“, so Prof. Dr. Fabian Christandl.

Nun ist unsere Meinung von der nachwachsenden Generation und ihr entstammen die Probanden, denn es handelt sich wie zumeist bei solchen „Studien“ um Studenten, die als Probanden herhalten müssen, nicht sehr hoch. Aber, dass man ihnen Insekten einfach nur als Luxusartikel verkaufen muss, um sie davon zu überzeugen, dass sie sie essen sollen, das ist uns dann doch etwas zu viel des Guten. Zumal, wenn man die Anzahl der Probanden, die wie gewöhnlich, wenn herzlich wenig als ganz viel verkauft werden soll, hinter Prozentwerten versteckt wird, berechnet, dann zeigt sich, dass 55 Studenten ihren Mehlwurm essen, wenn sie denken, sie würden damit etwas für Gesundheit und Umwelt tun, während 69 Studenten den Mehlwurm schlucken, wenn er ihnen als Luxus angepriesen wurde. Aus gerade einmal 14 Männeken ableiten zu wollen, dass man Insekten als Genussmittel in der Werbung anpreisen muss, damit fortan Insekten gefressen werden, ist … nun ja, mutig.

Hätten die Forscher diesen Mut nicht nur dann, wenn es um die Interpretation von kargen Daten geht, sondern auch dann, wenn es darum geht, Forschungsfragen zu formulieren, wer weiß, vielleicht kämen sie zu anderen Forschungsfragen als denen, die Kooperationen mit Nahrungsmittelunternehmen nahelegen, vielleicht kämen sie zu eigenständigen Forschungsfragen, zu innovativen Forschungsfragen oder auch nur zu kontrollierenden Forschungsfragen wie: Wie viele Probanden essen Mehlwürmer, wenn man in keiner Weise versucht, sie dazu zu drängen. Oder wie viele Probanden essen Mehlwürmer, wenn sie nicht in Schokolade versteckt werden …

Aber das ist schon höheres Forschungsdesign, wie man es früher in Einführungskursen zu den Methoden der empirischen Sozialforschung lernen konnte.

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