“Deutsch mich nicht voll” – Dummlinksdeutscher Gedenktag-Fetischismus in Frankfurt

Wenn Archäologen  bei Grabungen Artefakte vergangener Kulturen zu Tage befördern, dann sind besondere Stücke, Kunstwerke wenn man so will, sehr schnell an der hohen handwerklichen Kunst, die derjenige beherrscht hat, der das Kunstwerk hergestellt hat, erkennbar. Archäologen, die sich in der Zukunft mit Kunstwerken des 21. Jahrhunderts beschäftigen, werden Schwierigkeiten haben, die Kunstwerke von den Gegenständen zu unterscheiden, die auf Wertstoffhöfen oder Müllkippen zu finden sind.



Mit einer “Installation”, deren “künstlerischer Wert” sich nur denen erschließt, die die Fähigkeit haben, selbst in Fettecken oder sonstigen Unappetitlichkeiten Kunst zu erblicken, beglückt das Schauspiel Frankfurt seit dem 18. Januar 2021 Passanten. Die “Installation” stammt von Naneci Yurdagül, der als “international anerkannter deutscher Bildhauer und Performance-Künstler aus Frankfurt am Main” verkauft wird, wobei die räumliche Nähe von Schauspiel Frankfurt und Künstler natürlich bei jedem, der sich mit Selbstversorgenden-Netzwerken befasst, das Heben mindestens einer Augenbraue zur Folge hat.

Seit dem 18. Januar 2021 ist also Folgendes zu sehen:

Was will uns dieses “Kunstwerk aus dem Jahre 2001 das 2021 wieder aufgelegt wurde”, sofern es etwas sagen will, sagen?

Der Künstler kann kein Deutsch, kennt den Unterschied zwischen Adjektiven “deutsch” und Verben nicht. Er hätte, um seine “Installation” nicht dem Verdacht auszusetzen, sie sei von einem Legastheniker erstellt worden, ein Verb, kein Adjektiv benötigt: Schwätz’ mich nicht voll oder “Mach mich nicht voll” (als Abwehr des abermaligen Auffüllens des Glases). Ein Adjektiv ist hingegen grammatikalischer Unsinn: Grün mich nicht voll, fett micht nicht voll, kalt mich nicht voll, …

Aber natürlich müssen heutige Kunstwerke immer erst interpretiert werden, ehe man sie richtig als das erkennen kann, vielleicht, was sie sein sollen. Das ist ein erheblicher Unterschied zu früher. Jeder, dem ein Franz Hals über den Weg läuft, weiß, dass er einen Franz Hals vor sich hat. Wer den Kanopendeckel der Königin Kija sieht, weiß unmittelbar, das ist Kunst. Wer die Schmuckgegenstände aus dem Staffordshire Hoard, Gegenstände aus der Zeit der Angelsachsen, betrachtet, der weiß, das ist Kunst, handwerkliche Kunst, es erschließt sich einfach.

Nicht so bei dem meisten dessen, was heute als Kunst bezeichnet wird. In der Regel betrachtet man das vermeintliche Kunstwerk und hat keinerlei Wiedererkennen, manche, die nicht wissen, es soll sich dabei um ein Kunstwerk handeln, putzen dann schon einmal ein vermeintliches Kunstwerk einfach weg, weil sie es für Dreck halten … Kommt heute vor, deshalb sind Interpretationen so wichtig. Das Schauspiel Frankfurt liefert eine Interpretation zu “Deutsch mich nicht voll“.

“Den Titel »DEUTSCH MICH NICHT VOLL« kann man einerseits als eine mögliche Antwort auf die wiederkehrenden diskriminierenden Fragen wie „Warum sprichst du so gut deutsch?«, »Wo kommst du ursprünglich her?« oder »Wirst du wieder in dein Heimatland zurückkehren?« verstehen. Fragen, denen sich Yurdagül und so viele andere ob ihres vermeintlichen »Anderssein« ständig ausgesetzt sehen – obwohl sie Deutsche sind.

»DEUTSCH MICH NICHT VOLL« kann auch als Antwort verstanden werden auf die unverhohlenen nationalistischen Gebärden, die längst nicht mehr nur vom rechten Rand der Gesellschaft kommen, sondern aus ihrer Mitte. Es kann als Kommentar zu der wieder erstarkten Debatte um Heimat und (deutsche) Leitkultur verstanden werden.

»DEUTSCH MICH NICHT VOLL« kann aber auch als selbstkritischer Kommentar gelesen werden auf das Theater selbst, als einer deutschsprachigen Kulturstätte.

Allem voran, so hoffen wir, soll die Wortfolge »DEUTSCH MICH NICHT VOLL« Gedanken bei den Passant:innen auslösen und bestenfalls darüber ins Gespräch kommen lassen.”

Haben Sie das verstanden?

Unsere Verständnisprobleme beginnen bereits bei den Fragen: “Wo kommst Du ursprünglich her?” Wir leben in Wales. Wann immer wir neue Leute kennenlernen, gehört diese Frage dazu. Das hat einen einfachen Grund: Es schafft eine Basis, auf der man eine Kommunikation beginnen und am Laufen halten kann. Was daran diskriminierend sein soll, sich für das Gegenüber im Gespräch zu interessieren? Keine Ahnung. Dass sich Waliser, wenn sie hören, dass wir ursprünglich aus Deutschland kommen, dafür interessieren, ob wir in Wales bleiben wollen oder nicht, ist auch ganz normal, denn aus entsprechenden Fragen ergeben sich hervorragende Möglichkeiten, den Stolz auf das eigene Land, Wales, zum Ausdruck zu bringen. Abermals dienen derartige Fragen dazu, Kommunikation und in diesem Fall zusätzlich Gemeinsamkeit zu stiften. Darauf legt man wohl im Schauspiel Frankfurt keinen Wert.

Muss man auch nicht, denn das Schauspiel Frankfurt wird von der Stadt Frankfurt im Rahmen des städtischen Haushalts versorgt. Die Bühnen der Stadt sind ein erhebliches Minusgeschäft. In den Haushalten von 2018 bis 2022 sind jeweils zwischen 75 und 80 Millionen Euro notwendig, die zugeschossen werden müssen, um die Kosten der Bühnen, die offensichtlich aufführen, was nur wenige sehen wollen, zu decken. Man ist es gewohnt, beim Schauspiel in Frankfurt, dem Rest der Stadtbewohner auf der Tasche zu liegen.

Spiel’ mich nicht arm, anstelle von Deutsch mich nicht voll ?

Worum des dem Schauspiel Frankfurt tatsächlich geht, zeigt der mittlere Absatz, die “Aktionskunst” oder die “Installation”, das Dokument gelebter Legasthenie, es soll ein Zeichen gegen Rechts setzen, gegen unverhohlene nationalistische Gebärden aus der Mitte der Gesellschaft, aus jener Mitte der Gesellschaft, die das Schauspiel Frankfurt finanziert. Wir haben nie verstanden, warum linke Selbstinszenierer mit ihrer Selbstinszenierung grundsätzlich darauf aus sind, die Hand, die sie füttert, zu beißen. Vielleicht ist das ein Linken inhärenter Masochismus, eine nicht von der Hand zu weisende Vermutung angesichts der Geschwindigkeit, mit der Linke alles zerstören, was sie in die Hände bekommen.

Aber sie zerstören natürlich nicht absichtlich … nein. Es ist mehr eine Art Kollateralschaden, den sie mit ihrer guten Absicht anrichten, die indes nur eine Fassade für den exhibitionistischen Narzissmus ist, der Linke weithin auszeichnet, ein Narzissmus, der den Sinn der eigenen Existenz nur darin sehen kann, sich vor anderen zu inszenieren, zuweilen in der Geschichte als staatlich subventionierter Denunziant, zuweilen als jemand, der vermeintlich Gutes tut, der mit Passanten ins Gespräch kommen will.

Nun, dann reden wir mit dem Schauspiel Frankfurt über den dort vorhandenen Masochismus, den Hass auf alles Deutsche, der in einem Slogan wie dem, der in Frankfurt als Kunst verkauft werden soll, zum Ausdruck kommt. Irgendwie haben wir das Gefühl, das ist nicht das Gespräch, das die Schauspieler suchen. Um ein solches Gespräch zu führen, fehlt ihnen vermutlich die Toleranz und vor allem die Akzeptanz dafür, dass andere in ihrer Kunst, keine Kunst, sondern primitive Provokation erblicken, natürlich Provokation, die dazu gedacht ist, den politisch-korrekten Zeitgeist, der sich in einem kleinen Echozimmer verschanzt hat, in dem Linke und ihre Politschranzen sitzen und von dem aus sie die Mehrheitsgesellschaft diffamieren, zu bedienen.


Das ist natürlich unsere böse Interpretation, denn Linke sind in erster Linie Gutmenschen, die mit ihrem Heil andere nicht nur penetrieren, sondern zum Guten erziehen wollen, zu linken Guten. Nein, auch nicht wirklich. Denn Linke haben Angst vor Menschen. Sie scheuen das Gespräch mit Menschen anderer Meinung, sie wollen andere Meinungen unterdrücken, müssen andere Meinungen unterdrücken, weil sie keine Argumente haben, um die eigene Meinung zu begründen, arme Menschen, diese Linken. Deshalb dient die “Installation” nicht dazu, mit Passanten ins Gespräch zu kommen, sondern dazu, zu signallisieren, to whom it may concern, wen auch immer es interessiert, sofern es jemand gibt, den das interessiert, dass die Leute im Schauspiel Frankfurt, gute Leute, gute linke Leute sind, die den Sprachkanon von Linksspeak auswendig aufsagen können, die in der Lage sind, all die richtigen “Buzzwords” fallen zu lassen, die man fallenlassen muss, um in den Genuss von Förderung durch die Linken im Rathaus zu kommen.

Deshalb versäumen es die Schauspieler aus Frankfurt auch nicht, ihre Installation zum Jahrestag von Hanau zu präsentieren. Der Jahrestag von Hanau ist für Linke ein sehr wichtiger Tag, denn an diesem Tag jährt es sich, dass in Hanau Menschen von einem Irren, einem Psychopaten erschossen wurden. Nun ist Tobias Rathjen als Irrer für Linke nicht brauchbar, obowohl Rathjen ein Irrer war, deshalb wurde er zum Rechten gemacht, der Ausländer erschossen hat, nein Türken, nein Deutsche, nein, Deutsche schon gar nicht: “Menschen in Hanau, die Teil unserer pluralen Gesellschaft waren und diese aktiv gestaltet haben”.

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Die “Menschen in Hanau”, derer hier gedacht wird, sind keine Deutschen, aber sie sind dennoch Teil unserer pluralen Gesellschaft, also doch Deutsche, nein, sie können keine Deutschen sein, denn wären sie Deutsche, das Schauspiel in Frankfurt, das man wohl besser als Nuthouse bezeichnet, würde ihrer so wenig gedenken wie die anderen Linken. Dass der “Menschen in Hanau, die Teil unserer pluralen Gesellschaft waren”, gedacht wird, liegt daran, dass sie zwar Teil, aber dennoch anders, identifizierbar anders waren, eben nicht Teil sondern bestenfalls Schnittmenge. Wäre dem anders, sie wären Deutsche und die Linken und die Schauspieler könnten ihren Gedenktagfetischismus nicht ausleben. Nun tragen die Menschen, die in Hanau von Tobias Rathjen ermordet wurden, entschieden keine deutschen Namen, sie heißen Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov und sind damit erkennbar nicht deutsch, deshalb kann Schauspiel Frankfurt den legasthenischen Unfug ausstellen: “Deutsch mich nicht voll”, das geht nur, weil die Toten von den Frankfurtern aus der Gruppe der Deutschen und somit aus der Mehrheitsgesellschaft, zu deren Teil sie sie doch eigentlich erklären wollten, ausgeschlossen werden, nur so können die linken Narzissten ihrer gedenken, sich im Gedenken selbst produzieren, um sich dann in Gedanken ausgerechnet über die erheben zu wollen, die nicht ihren Grad der Verblödung erreicht haben.

Eckhard Henscheid hat in den 1980 Jahren Dummdeutsch erfunden, wir erfinden hiermit Dummlinksdeutsch, ein Begriff, der die Tendenz zum Pleonasmus in sich trägt, aber vom Pleonasmus (noch) dadurch unterschieden wird, dass er keine umfassende Geltung beansprucht. Dummlinksdeutsch bezeichnet pädagogisierende Sprachverhunzungen, deren Ziel darin besteht, sich zu profilieren, mit der eigenen, vermeintlichen Tugend zu wedeln. Es sind Sprachverhunzungen, die zum einen auf logischen Widersprüchen gründen, zum anderen gegen das Instrumentalisierungsverbot dadurch verstoßen, dass sie jede Menschengruppe, tot oder lebendig, dazu missbrauchen, sich selbst zu inszenieren.



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