Roving Welsh: Ein Fest für die Sinne – Bosherston – Broad Haven – St Govan’s Chapel

Llanfihangel-clogwyn-gofan – in der direkten Übersetzung: St. Michael über den Klippen von St. Govan – in der englischen Übersetzung: Bosherston.

300 Seelen teilen sich das, was man wohl eine prime location nennt, in Bosherston, einem Ort umgeben von Besitztümern des National Trust, dem mehr Land in England und Wales gehört als so manchem britischen König.

Neben „St Govan’s Inn“, dem Pub in Bosherston findet sich gleich zu Beginn eine von Normannen gebaute Kirche und es finden sich die Lily Ponds von Bosherston, die sich im Besitz des National Trust befinden.

Die Lily Ponds oder Bosherston Lakes gehen auf Sir John Campbell zurück, der Ende des 18. Jahrhunderts, wie es damals in England und Wales üblich war, sein Anwesen, Stackpole Court, heute ebenfalls im Besitz des National Trust, jedenfalls das, was vom Court noch übrig ist, mit einer umfangreichen Anlage aus Parks, Gärten und Wäldern umgeben hat, und Teil dieses Anwesens, das er mit mehr als 1000 neugepflanzten Bäumen aufgepeppt hat, war ein rund 40 Hektar großes Seensystem, das heute einen Fischweiher und zwei Lily Ponds umfasst, deren Namen ihrem Bewuchs geschuldet ist, denn die Seerosen beherrschen die beiden Seen, in denen es von Libellen nur so wimmelt.



Das Seensystem, das Campbell einst hat schaffen lassen, grenzt direkt an den Strand von Broad Haven [Broad Haven South Beach] an, ein Sandstrand sondersgleichen, der von einem weitreichenden Dünensystem umgeben ist, schwer gängig und mit knöcheltiefem Einsinken verbunden, indes das Zuhause für eine große Zahl von Vögeln, Schmetterlingen und zahlreichem anderen Getier, das summt [und sticht] und kriecht und krabbelt. Die Bucht von South Beach Broad Haven zeichnet sich durch kristallglares Wasser aus und wird durch einen Felsen in 100+ Metern Entfernung beherrscht, dessen Namen nicht wirklich überraschend ist: Church Rock – Kirchenfels.

Wer es durch den Sand zum südlichen Ende des Strandes schafft und sich die Dünen hinaufarbeitet, ein Unterfangen, das ein wohlmeinender Mensch durch das Einfügen von Treppen für Giganten zu erleichtern gesucht hat, dem bieten sich nicht nur atemberaubende Blicke auf das Meer und die Felsen der Insel, er hat, wenn er noch Puste hat, die Gelegenheit, ein paar Meilen weiter, mehr als eine, entgegen dem, was einhellig in Wegbeschreibungen behauptet wird, St Govan’s Chapel zu besuchen, eine Perle, die in die Felsen der Küste gebaut wurde.

St Govan war ein irischer Mönch, der am Ende seines Lebens, immerhin rund 86 Jahre, von ca. 500 bis 586 nach Christus, während, von Irland nach Wales gekommen ist. Er soll die Kapelle gebaut haben, behaupten die einen. Ritter Gawain, einer der Mannen, die rund um den Tisch von King Arthur [der übrigens heute in Winchster an einer Wand hängt] Platz genommen haben, soll die Kapelle gebaut haben, behaupten die anderen. Wie auch immer, nun ist sie eben da, wie man sagen könnte, und sie ist in ihrer dramatischen Lage ein charakteristischer Bestandteil einer an sich schon an Charakteristischem reich gesegneten Küste.


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9Comments

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  1. 1
    Heimreisender

    Das sind schöne Bilder von einer schönen Landschaft. Da sollten sich Maler und Dichter doch wohl fühlen und Inspiration bekommen können.

    • 2
      Dr. habil. Heike Diefenbach

      @Heimreisender

      wir freuen uns, dass Ihnen die Bilder gefallen bzw. die Landschaft gefällt.

      Wir tun unser bestes, um die Stimmung walisischer Landschaften in den Bildern möglichst gut einzufangen, und ja, es ist eine inspirierende Landschaft, und die Leute vor Ort wissen sie sehr zu schätzen, und nicht umsonst zieht es viele Engländer nach Wales, wenn sie in Pension sind oder genug Geld gespart haben, um sich relativ früh in den Ruhestand zu begeben und ein Pensionärs-Leben im eigentlichen Sinn führen zu können (oder wie wir das Glück haben, von überall auf der Welt unsere Arbeit erledigen zu können).

      Mir scheint, dass die Zeit, in der wir leben, keine Zeit für Dichter und Maler ist, jedenfalls für solche, die sich nicht vor allem als Aktivisten oder Gesellschaftskritiker verstehen ….

  2. 4
    ERINNERUNG

    Die Voraussetung, diese Landschaften überhaupt bewußt wahrzunehmen und
    sie erleben zu können, befähigt erst, auch ihr Gegenteil um so deutlicher
    zu erkennen: Den aktuellen Weltwahnsinn. Dunkelheit wird durch Helligkeit vertrieben.
    Aus Platos Höhlengleichnis leitet sich der ihm zugeschriebene Satz ab:
    Diejenigen, die über die Schatten und Lügen der eigenen Kultur hinausblicken können, werden von der Masse nie verstanden werden, geschweige denn, daß man ihnen Glauben schenken wird.
    .
    Auf Ihren Bildern fehlen nämlich gänzlich die Bratwurstbuden, Biergärten
    und Animateure, an denen sich die Höhlenbewohner in dieser ihnen mithin wenig zusagenden hellen Umgebung orientieren.
    Sofern die charakteristischen Hinterlassenschaften der Höhlenbewohner in der Landschaft vorhanden sind, werden sie sich darin besser zurechtfinden,
    – zum Leidwesen der anderen.

    • 5
      Dr. habil. Heike Diefenbach

      @Erinnerung

      Sie schreiben:

      „Auf Ihren Bildern fehlen nämlich gänzlich die Bratwurstbuden, Biergärten
      und Animateure, …“

      – ja, und das liegt nicht daran, dass wir die Ausschnitte oder Perspektiven für die Bilder entsprechend kunstvoll auswählen, sondern daran, dass es sie hier einfach nicht gibt; insofern ist Photographieren hier sehr einfach 🙂
      .
      Wenn man vom Kontinent hierher kommt, dann fällt einem sofort auf, dass auch an den wunderbarsten und bekanntesten Plätzen keine Café-Terassen, keine Biergärten, Restaurants, Spielplätze, ja, meist nicht einmal Toiletten-Häuschen, zu finden sind, an den Stränden keine Badehäuschen, keine Duschen, nichts (nein, das stimmt nicht ganz: im Sommer stehen auf Parkplätzen, die zum Strand führen, Eiscreme-Wägen).

      Im besten Fall besucht man einen Ort, der vom „National Trust“ oder dem walisischen Äquivalent betreut wird, und dann hat man immerhin die Chance auf einen eigens eingerichteten Parkplatz und manchmal einen kleinen Andenkenladen und irgendeine Art von Imbiss (mit oder ohne Sitzgelegenheit), aber die Variationsbandbreite ist diesbezüglich sehr, sehr groß.

      Für jemanden vom Kontinent ist kaum zu fassen, dass so eindrucksvolle Plätze wie Pentre Ifan (die Eingangstor-Steine einer monolithischen Grabanlage, vermutlich aus dem frühen Neolithikum), völlig ohne Infrastruktur geblieben sind. (Googeln Sie einfach danach!) Pentre Ifan steht auf einem Feld, das einem Bauern gehört, und immerhin führt ein kleiner Fußpfad von einer ebenso kleinen Straße zum Feld. Wenn man das nicht weiß oder in einem Führer liest, dann hat man gute Chancen, niemals von Pentre Ifan zu erfahren. Und wenn man davon erfährt und den Ort besuchen will, ist keineswegs gesagt, dass man ihn auch findet, und wenn ihn sozusagen eingekreist hat, dann ist nicht gesagt, dass man auch die Parkbucht am Straßenrand in einiger Entfernung findet, von der aus man hinlaufen kann, die aber durchaus schon besetzt sein kann, denn gewöhnlich passt nur ein Auto in so eine Bucht, bestenfalls zwei). Dann muss man improvisieren, und das bedeutet in Wales: bereit sein, viel zu laufen, egal, bei welchem Wetter.So ist das hier; es ist die Normalität.

      Als „Kontinentler“ und besonders als Städter schwankt man zwischen Verwunderung darüber, wie wenig geschäftstüchtig die Waliser zu sein scheinen, und der Vermutung, dass das nicht von Geschäftsuntüchtigkeit zeugt, sondern von einem gänzlich anderen, vielleicht besser: tiefen Sinn für und Respekt vor der Landschaft (samt der Weigerung von Bauern, ihre Felder für Straßen- und Infrastrukturbau zu verkaufen, falls jemand auf so seltsame Ideen wie den Bau von Infrastruktur um besondere Plätze herum kommen sollte). Es ist auch nicht so, dass die Leute diese Plätze nicht besuchen würden; man trifft fast immer Leute an diesen Plätzen (und dann muss man für das Photographieren schon einmal den richtigen Moment ohne andere Menschen abpassen), aber niemand erwartet eine Infrastruktzur oder scheint eine Infrastruktur um diese Plätze herum zu vermissen bzw. zu wünschen. Keine Infrastruktur zu haben, ist einfach der Preis dafür, diese Orte als solche und in der Landschaft genießen zu können.

      Und mit der Zeit lernt man das auch als „Kontinentler“ sehr zu schätzen. (Und etwas zum Trinken hat man idealerweise immer dabei, Essen kann man auf der Rückfahrt in irgendeinem Pub in einem Dorf, durch das man hindurchfährt.). Ich persönlich kenne keine Region, die diesbezüglich mit Wales vergleichbar ist; für mich macht das Wales zu etwas ganz Besonderem.

      • 6
        ERINNERUNG

        Danke für Ihre ausführliche Antwort. Mein Körper (inzwischen ein dreiviertel Jahrhundert benutzt) hat keinerlei Betriebsstörungen; also werde ich mir Ihre Aufnahmen „life“ ansehen und dort natürlich auch schwimmen gehen !

  3. 8
    J. Ferner

    Schöne Fotos von einer traumhaften Landschaft. Und das i-Tüpfelchen: Keine Menschenseele ist zu sehen, außer ein paar am Sandstrand. Ganz mein Ding, da wäre ich jetzt auch gerne.

  4. 9
    Dr. habil. Heike Diefenbach

    @J. Ferner

    danke! Wir freuen uns, dass Ihnen die Photos gefallen!

    Dass auf den Bildern (außer am Strand) keine Menschen zu sehen sind, hat zum einen damit zu tun, dass wir einen günstigen Tag ausgewählt haben – Vor-Reisesaison, kein Wochenende, keine Schulferien, kein Feier- oder Brückentag -, zum anderen damit, dass bekannte Plätze in Wales zwar durchaus gut besucht sein können (wie gesagt besonders zu bestimmten Zeiten), aber selten regelrecht überlaufen sind (außer in den Sommerferien), und schließlich damit, dass man für eine besonders schöne Aussicht/Landschaft auch mal bereit sein muss, ein paar Minuten zu warten, bis man „freie Schussbahn“ für das Bild hat. (Für das Bild von St. Gowan’s Chapel mussten wir eine Weile warten, bis vier Damen aus Japan die Kapelle und Umgebung ausgiebig besichtigt hatten und ein paar Pärchen und ein Vater mit Kind ebenfalls den Rückweg angetreten hatten.)

    Aber ja, in Wales kann man noch relativ oft erleben, dass man einen Ort – zumindest eine Zeitlang – ganz für sich hat, besonders, wenn man den Besuch des Ortes, was die Besuchszeit betrifft, strategisch plant.

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