Nachdem wir im „Mundhygiene“-Text vom 28. November kosmetische Mundwässer betrachtet haben, die die Zähne aufhellen oder Mundgeruch bekämpfen sollen, sind der Gegenstand dieses Textes antibakteriell wirkende Mundwässer.
Insofern als Mundgeruch auf ein übermäßiges Bakterienwachstum in der Mundhöhle zurückzuführen sein kann, kann man antibakteriell wirkende Mundwässer auch als kosmetische Mundwässer ansehen. Als solches könnten Wasserstoffperoxid-haltige Mundwässer gelten, die nicht nur die Zähne aufhellen sollen, sondern auch antibakterielle (und darüber hinaus: antimikrobielle) Wirkung haben (Juven & Pierson 1996; McDonnell 2014). Allerdings ist die Verwendung von Wasserstoffperoxid-haltigem Mundwasser nicht zu empfehlen, vor allem, weil es den Zahnschmelz beschädigen kann und bei Verschlucken zu Übelkeit, Erbrechen und Verätzung im Verdauungstrakt führen kann (Watt et al. 2004; Zanelli et al. 2017; s. auch unseren Text über kosmetische Mundwässer).
Die Verwendung antibakterieller Mundwässer ist im Prinzip aber empfehlenswert, denn sie wirken Zahnbelag und (damit) der Ursache von Gingivitis, d.h. der bakteriell bedingten Infektion des Zahnfleisches, entgegen bzw. beugen ihm vor. Deshalb und weil sie „überall“ wirken, weil sie „überall“ hinkommen, auch dahin, wohin die Zahnbürste nicht kommt, sind sie ein wichtiger Teil der Mundhygiene.
Mit Bezug auf die antibakteriell wirkende Mundwässer ist die Frage nicht, ob sie tatsächlich existieren; sie existieren, und solche auf Chlorhexidin-Basis, in Deutschland u.a. unter dem Handelsnamen „Chlorhexamed“ und „merdiol med“ erhältlich, gelten hinsichtlich ihrer antibakteriellen Wirkung seit Jahrzehnten als Goldstandard für antibakterielle Mundwässer (Tartaglia et al. 2019: 9). Allerdings sind auch antibakterielle Mundwässer auf Chlorhexidin-Basis nicht für den längerfristigen Gebrauch zu empfehlen. Aufgrund ihrer Betrachtung der Ergebnisse von 51 kontrollierten klinischen Studien haben James et al. (2017) festgehalten:
Tartaglia et al. (2019: 9) weisen außerdem darauf hin, dass
Es gibt inzwischen Mundwässer auf Chlorhexidin-Basis mit Anti-Verfärbungs-System (kurz: ADS für „antidiscolouration system“) wie z.B. „Curasept ADS 205“ zu kaufen, und die die emprischen Befunde, die bislang zu Anti-Verfärbungssystemen vorliegen, zeigen zwar, dass der Zusatz solcher Systeme die antimikrobielle Wirkung von Chlorhexidin nicht beeinträchtigen, aber:
„[t]he majority of comparisons and the meta‐analysis including these indicate no significant effect of ADS on tooth staining in situations where the mouthwash is used in addition to toothbrushing“ (Van Swaaij et al. 2018: 27),
d.h.
„[d]ie Mehrheit der Vergleichsstudien und die Meta-Analyse, die diese Studien einschließt, zeigen keinen signifikanten Effekt von ADS auf die Zahnverfärbung in Situationen, in denen die Mundspülung zusätzlich zum Zähneputzen verwendet wird“ (Van Swaaij et al. 2018: 27).
Auch Varoni et al. (2017: 235) haben im Rahmen ihrer dreifach blinden randomisierten Studie mit 22 gesunden Freiwilligen beobachtet, dass
„[t]here was no evidence to support the 0.12% chlorhexidine with anti-discoloration agent to reduce staining“,
d.h.
„[e]s keine Belege dafür gab, dass die Verwendung von 0,12%igem Chlorhexidin mit Anti-Verfärbungssystem die Fleckenbildung verringerte“.
Das ist aber nicht der einzige – und nicht der wichtigste – Grund dafür, warum – außer sehr kurzfristig – die Verwendung von Mundwässern auf Chlorhexidin-Basis – mit oder ohne Anti-Verfärbungssystem – nicht empfehlenswert ist:
Die Ergebnisse, die Bescos et al. in ihrer Studie erzielt haben, sprechen für Letzteres:
„Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass CHX zu einem Anstieg der Häufigkeit einiger Gattungen wie Neisseria, Streptococcus und Granulicatella führte und die Häufigkeit von Actinomyces verringerte, aber keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Veillonella hatte … Eine geringere mikrobielle Vielfalt, dargestellt durch den Shannon-Index, wurde nach der Verwendung von CHX festgestellt. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit einer anderen kürzlich durchgeführten Studie, die eine geringere Vielfalt der die Zunge besiedelnden Bakterien zeigte … Diese Ergebnisse sind aus zahnmedizinischer Sicht relevant, da eine geringere Vielfalt von Mundbakterien mit einem höheren Risiko für Mundkrankheiten in Verbindung gebracht wird … Unsere Ergebnisse, die einen niedrigeren pH-Wert des Speichels nach der Anwendung von CHX zeigen, sind relevant, da ein niedriger pH-Wert im Speichel mit der Demineralisierung des Zahnschmelzes und dem Risiko von Karies, Zahnverlust und anderen Zahnproblemen in Verbindung gebracht wird … Der orale pH-Wert kann bei verschiedenen oralen Erkrankungen unterschiedlich sein: Während der Speichel-pH-Wert bei chronischer Gingivitis eher alkalisch ist, tendiert er bei chronischer Parodontitis zu einem höheren Säuregehalt. In Bezug auf den Speichel-pH könnte CHX daher bei der Behandlung von Gingivitis nützlicher sein als bei Parodontitis … … Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass eine 7-tägige Anwendung von CHX-Mundwasser einen signifikanten Einfluss auf das orale Mikrobiom hat, sowie eine Verschiebung hin zu einem sauren Milieu, das eine Zunahme der Zahnkaries begünstigt, und eine Verringerung der Menge an oralen nitratreduzierenden Bakterien, die zur kardiovaskulären Gesundheit beitragen. Diese Ergebnisse ergänzen somit die wachsende Zahl von Belegen dafür, dass der Anwendung von CHX-Mundspülungen mit größerer Vorsicht begegnet werden sollte und dass CHX schädliche Effekte auf das gesunde Mikrobiom und damit auf die kardiovaskuläre Gesundheit haben könnte, was weitere Untersuchungen erfordert “ (Bescos et al. 2020: o.S.).
Hinzu kommt, dass
Vor diesem Hintergrund kann festgehalten werden, dass auf die Verwendung von Chlorhexidin-basierten Mundspülungen möglichst verzichtet werden sollte – außer von einer sehr kurzfristigen, vom Zahnarzt angezeigten Anwendung von wenigen Tagen, vielleicht nach dem Zahn-Ziehen oder einem ähnlich (im wahrsten Sinn des Wortes) tiefgehenden Eingriff. In jedem Fall eignen sich Chlorhexidin-basierte Mundspülungen nicht für den Gebrauch im Rahmen der täglichen Mundhygiene.
Sie sind auch nicht nötig, denn es gibt Alternativen.
Keine gute Alternative sind Mundspülungen, die Alkohol enthalten. Nicht nur, dass einige (vielleicht auch viele) Anwender sie als zu „scharf“ oder „brennend“ finden, so dass ihnen ihre Verwendung unangenehm ist; es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass sie Mundhöhlenkrebs auslösen bzw. das Risiko auf Mundhöhlenkrebs erhöhen.
Im Jahr 2009 haben Werner und Seymour den diesbezüglichen Forschungsstand wie folgt auf den Punkt gebracht:
Lachenmeier (2010) hat mit Bezug auf den Text von Werner und Seymour in einem Brief an die Herausgeber der Zeitschrift, in der dieser Text erschienen ist, festgehalten:
(Wer sich für die Studie, auf die Lachenmeier sich hier bezieht, interessiert: Es handelt sich um eine Studie von Lachenmeier et al. aus dem Jahr 2009; s. Literaturverzeichnis.)
Eine Dekade später berichten Ustrell-Borràs et al. (2020) über ihr Resultat der Übersicht über die Ergebnisse der zum Zusammenhang zwischen alkoholhaltigen Mundwässer und Mundkrebs vorliegenden Studien (die bestimmte Qualitätskriterien erfüllt haben):
Quelle
Zu diesen Faktoren gehören im hier interessierenden Zusammenhang das Rauchen und der Konsum von alkoholischen Getränken (Ustrell-Borràs et al. 2020: e11).
Von der regelmäßigen Verwendung alkoholhaltiger Mundwässer ist m.E. aufgrund der vorliegenden Studienergebnisse jedem abzuraten, nicht nur denjenigen, die regelmäßig rauchen oder alkoholhaltige Getränke trinken, denn was bislang (ebenfalls) nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist, (aber von Ustrell-Borràs et al. nicht explizit formuliert wird) ist, dass alkoholhaltige Mundwässer keinen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung von Mundkrebs (oder anderen Krebsarten im Kopf- oder Halsbereich) darstellen, gleichzeitig aber eine Reihe von Studien dafür spricht, dass sie das Krebsrisiko direkt oder indirekt erhöhen, die Gefahr besteht, dass die DNA durch ihre Verwendung geschädigt wird, worauf Lachmeier (2010) hingewiesen hat, und der Nutzen von Alkohol in Mundspülungen ohnehin vernachlässigbar ist, wie Werner und Seymour (2009) festgehalten haben.
Chlorhexidin-basierte Mundspülungen und solche, die Alkohol enthalten, scheiden für den Gebrauch im Rahmen der regelmäßigen Mundhygiene also aus.
Wenn man solche Mundwässer vermeiden möchte, bleibt immer noch ein riesiges Angebot an Mundwässern, unter denen man wählen kann. Um eine informierte Wahl treffen zu können, ist es wichtig, die effektiven Wirkstoffe – in dem Zusammenhang, der uns in diesem Text interessiert, sind das Inhaltsstoffe mit antibakterieller (oder allgemein antimikrobieller Wirkung) – von allen anderen Inhaltsstoffen wie Haltbarmachern, Schaumbekämpfungsmitteln, Farb- und Aromastoffen u.a.m. unterscheiden zu können.
Es enthält also vor allem Wasser, gefolgt von einem Lösungsmittel, das zwar auch eine antibakterielle Wirkung hat und als Antimykotikum [Pilze bekämpfend] fungiert, aber diesbezüglich deutlich hinter anderen Glykolen zurückbleibt (Kinnunen & Koskela 1991), so dass man davon ausgehen kann, dass Propylenglykol in der Rezeptur des Mundwassers vor allem als Lösungsmittel fungieren soll.
Sorbitol, ein Zuckeralkohol mit stark wasserbindenden Eigenschaften, dient als Süßungsmittel, Feuchthaltemittel und Verdickungsmittel. Poloxamer 407, ein Tensid synthetischen Ursprungs, dient als Stabilisator für schwerwasserlösliche Stoffe und hemmt die Schaumbildung. Natriumlaurylsulfat ist ebenfalls ein Tensid und hat reinigende Wirkung, kann aber die Mundschleimhaut austrocknen oder irritieren (Lindenmüller & Lambrecht 2011) bzw. gewebe- und zellschädigend wirken (Tabatabaei et al. 2019: 454). Nach den Befunden von Tabatabaei et al. ist Natriumlaurylsulfat
„… among the most toxic components in the composition of toothpastes“ (Tabatabaei et al. 2019: 454),
d.h.
„… eine der giftigsten Komponenten in der Zusammensetzung von Zahnpasten“ (Tabatabaei et al. 2019: 454).
Cineol ist der Haupbestandteil des ätherischen Öls diverser Eukalyptusarten und hat nachweislich antimikrobielle Wirkung (Mączka et al. 2021). Es wirkt außerdem als Konservierungsstoff (Ozogul et al. 2015). Benzoesäure ist ebenfalls ein Konservierungsstoff, genauso wie Natriumbenzoat, das Natriumsalz der Benoesäure, das anaphylaktischen Schock, Schwellung der Nasenschleimhaut und Dyspnoe, d.h. Atemnot, auslösen kann (Tabatabaei et al. 2019: 451). Methylsalicylat ist der Methylester der Salicylsäure, der der Hauptbestandteil in den ätherischen Ölen aus der Niederen Scheinbeere (Gaultheria procumbens), auch Wintergrün genannt, und aus der Zuckerbirke (Betula lenta) ist.
Diesbezüglich halten Radzki et al. (2022: 16 von 27) fest:
„… there is no evidence methyl salicylate in isolation possesses any antibacterial effect, but it is used as a fragrance, with anti-inflammatory effect“
D.h.:
„Es gibt keine Hinweise darauf, dass Methylsalicylat in isolierter Form eine antibakterielle Wirkung besitzt, sondern als Duftstoff verwendet wird, mit entzündungshemmender Wirkung“.
Außerdem steht Methylsalicylat im Verdacht, wie bei weiblichen Tieren auch bei schwangeren Frauen Schäden am Embryo oder Fehlgeburten zu verursachen (Dosoky & Setzer 2021).
Thymol ist in einer Reihe ätherischer Öle aus mediterranen Kräutern wie dem Thymian enthalten. Seine Wirkung im Mundwasser entspricht weitgehend derjenigen von Cineol (s.o.; Marchese et al. 2016). Natriumsaccharin ist ein künstlicher Süßstoff, dessen Toxizitätsprofil nach wie vor nicht gänzlich geklärt ist (Al-Ishaq et al. 2023; Cuykx et al. 2019; Pavanello et al. 2023; Weihrauch & Diehl 2004). Natriumfluorid soll den Zahnschmelz remineralisieren und Karies verhindern, Menthol, Hauptbestandteil des Pfefferminz (Mentha piperita)-Öls, hat eine mittelmäßige Wirkung gegen Bakterien; Mentha piperita-Öl wirkt aber auch gegen Viren und Pilze (Radzki et al. 2022: 16 von 27). Darüber hinaus wirkt Menthol durch Aktivierung des Kälterezeptors TRPM8 kühlend (McKemy 2007) und gibt ein Frischegefühl und frischen Geruch. Sucralose ist der dritte im Mundwasser enthaltene Süßstoff. Er hat antibakterielle Wirkung, hat aber wie andere Süßstoffe auch eine den Zahnschmelz demineralisierende Wirkung (Giacaman et al. 2013). Schließlich enthält das Mundwasser noch ein nicht näher definiertes „Aroma“ und CI 42053, wobei es sich um einen Farbstoff handelt, der grün färbt und als Lebensmittel-Farbstoff zugelassen ist.
Die antibakterielle Wirkung von „Listerine Cool Mint“ geht also auf das Cineol, Thymol und Menthol in der Rezeptur zurück, vielleicht auch ein wenig auf die Süßstoffe in der Rezeptur, deren ggf. vorhandenen antibakteriellen Wirkung aber die den Zahnschmelz demineralisierende Wirkung gegenübersteht. Mit Ausnahme von Natriumfluorid hat keiner der übrigen Inhaltsstoffe eine Wirkung, die die Gesundheit von Mundhöhle oder Zähnen befördern würde; vielmehr wirkt eine Reihe der Inhaltsstoffe schädlich oder steht im Verdacht schädlich zu wirken.
Wenn die antibakterielle Wirkung von „Listerine Cool Mint“ (und anderen, ähnlichen Produkten wie z.B. „Oral-b 3D“) ohnehin ausschließlich oder fast ausschließlich auf in ätherischen Ölen enthaltenen Stoffe zurückgeht, warum sollte man dann nicht ein auf der Basis von ätherischen Ölen wirkendes Mundwasser wählen, das die für die Mundhöhlen- oder Zahngesundheit irrelevanten oder gar schädlichen Substanzen meidet?!
Zum einen ist es gar nicht so einfach, ein solches Mundwasser zu finden, das nicht Alkohol oder irgendein Fluorid enthält (wie das Rathania-Mundwasser von Weleda). Zum anderen können Mundwässer, deren antibakterielle Wirkung auf in ätherischen Ölen enthaltene Stoffe zurückgeht, immer noch eine Reihe von unnützen oder schädlichen Substanzen enthalten, auch, wenn sie alkohol-, fluorid- und farbstoff-frei sind wie „Listerine Naturals“, das u.a. Natriumlaurylsulfat, Poloxamer 407, Natriumbenzoat und künstliche Süßstoffe enthält; es ist tatsächlich eine um den Alkohl, das Fluorid und den Farbstoff „gekürzte“ Variante von „Listerine Cool Mint „.
Alle Inhaltsstoffe außer dem gereinigten Wasser haben positive Effekte auf die Mund- oder Zahngesundheit, d.h nicht nur die ätherischen Öle, sondern auch das Xylitol, das Tote Meer-Salz und der Aloe Vera-Blattsaft.
Butera et al. (2022: 7 von 13) berichten über Aloe Vera-Blattsaft:
„Focusing on Aloe Barbadensis Leaf Juice Powder, several clinical studies have demonstrated that Aloe mouthwash and gel are effective in the prevention and treatment of gingivitis and periodontitis by reducing gingival index, plaque index, and probing depth and by increasing bone fill and regeneration … Additionally, Aloe vera has proven to be as effective as the other usual treatments, such as chlorhexidine, alendronate, and chlorine dioxide …“,
d.h.
„Mit Bezug auf Aloe Barbadensis-Blattsaftpulver haben mehrere klinische Studien gezeigt, dass Aloe Mundwasser und Gel bei der Vorbeugung und Behandlung von Gingivitis und Parodontitis wirksam sind, indem sie den Gingivalindex, den Plaque-Index, und die Sondierungstiefe verringern und die Knochenfüllung erhöhen und die Regeneration verbessern … Darüber hinaus hat sich Aloe Vera als genauso wirksam erwiesen wie die anderen üblichen Behandlungen wie Chlorhexidin, Alendronat und Chlordioxid …“,
wobei die Autoren diese Behauptungen jeweils mit Verweisen auf die Studien versehen, die diese Ergebnisse erbracht haben.
Xylitol dient als Süßungsmittel und Feuchthaltemittel, wirkt aber auch als Schutz vor Karies, remineralisiert den Zahnschmelz und hat antibakterielle Wirkung (Ballini et al. 2020: 8; Radzki et al. 2022: 11 von 27; Xylitol wird darüber hinaus antiviral und macht u.a. SARS-CoV-2 den Garaus, wie wir hier gezeigt haben); Für Xylitol ist in wissenschaftlichen Studien wiederholt belegt worden, dass es die Vermehrung von Streptococcus mutans in der Mundhöhle hemmt (Aluckal & Ankola 2018; Ballini et al. 2020; Decker et al. 2008; ElSalhy et al. 2012). S. mutans ist
Salzwasser ist ebenfalls im Stande, die Vermehrung von S. mutans zu behindern (Ballini et al. 2020; Mani 2015; Michel et al. 1993), aber nicht nur von S. mutans, sondern auch einer Vielzahl anderere Bakterien und von Candida albicans und hat darüber hinaus weitere positive Effekte:
In der Studie von Hoover et al. (2017) hatte die Mundspülung mit Meersalz (allein) nach dreißig Tagen keinen Einfluss auf die Gingival- und Plaque-Werte in einer Gruppe junger Erwachsener. Die Mehrheit der vorliegenden Befunde für die Wirkung/en von Salzwasser-Spülungen auf die Gesundheit der Mundhöhle und der Zähne ist jedoch positiv, besonders, wenn sie Xylitol enthalten, so dass
„… for a more simple and practical daily care, the alleged beneficial effects of combined mouth rinse seem to be a very useful tool to promote oral health“ (Ballini et al. 2020: 8 von 10),
d.h.
„… für eine einfachere und praktischere tägliche Pflege scheinen die mutmaßlichen positiven Wirkungen der kombinierten Mundspülung [aus Salzwasser und Xylitol] ein sehr nützliches Instrument zur Förderung der Mundgesundheit zu sein“ (Ballini et al. 2020: 8 von 10).
Angesichts der Tatsache, dass das „Lumineux Clean and Fresh“-Mundwasser in Deutschland, soweit ich recherchieren konnte, nicht im Handel erhältlich ist und dort, wo es erhältlich ist (z.B. bei amazon.co.uk) ziemlich teuer ist, und Mundwässer, die in ihrer Zusammensetzung dem „Lumineux Clean and Fresh“-Mundwasser sehr ähnlich sind, schwierig zu finden sind, ist es vielleicht am besten, wenn man sein eigenes Mundwasser für den täglichen Gebrauch herstellt.
Im Internet wimmelt es nur so von Rezepten für hausgemachte Mundwässer, die mit kleinem oder größerem Aufwand zuhause hergestellt werden können. Ein selbstgemachtes Mundwasser mit antibakterieller Wirkung kann so einfach sein, dass es nur zwei oder drei Inhaltsstoffe enthält, z.B. gefiltertes oder destilliertes Wasser, Meersalz und vielleicht ein ätherisches Öl mit antibakterieller Wirkung, z.B. Eukalyptusöl oder Minzöl.
Eine Mundspülung mit Aloe Vera-Blattsaft oder –Gel hat antibakterielle Wirkung (Eskandarinezhad et al. 2022; Ghasemi et al. 2020) und ist besonders bei gereiztem oder entzündetem Zahnfleisch zu empfehlen (Al-Maweri et al. 2020; Butera et al. 2022: 7 von 13). (Auf akut gereiztes oder entzündetes Zahnfleisch kann man Aloe Vera-Gel auch direkt, ohne Vermischung mit Wasser, auftragen.) Ein Mundwasser auf der Basis von Aloe Vera-Blattsaft bzw. –Gel kann man selbst herstellen, indem man Aloe Vera-Blattsaft/Gel im Verhältnis 1:1 mit gefiltertem oder destilliertem Wasser vermischt und, wenn man möchte, einen Teelöffel Xylitol bzw. Birkenzucker zugibt und/oder 2-4 Tropfen Eukalyptus- oder Pfefferminz-Öl. Ein Mundwasser aus 120ml Aloe Vera-Blattsaft/Gel und 120ml gefiltertem oder destilliertem Wasser wird bei täglichem Gebrauch nicht länger als eine Woche vorhalten und kann in diesem Zeitraum bedenklos problemlos (auch ohne die Zugabe von Vitamin E. als natürlichem Haltbarmacher) verwendet werden.
Sehr effektiv und besonders einfach, aber vielleicht für Veganer nicht akzeptabel, ist ein selbstgemachtes Mundwasser aus Honig-Wasser. Die antibakterielle Wirkung von Honig ist seit langem bekannt:
In einer systematischen Übersicht des Forschungsstands über die Wirkung von Honig auf die Entstehung oder Entwicklung von Perodontitis [bakteriell verursachte Entzündung des Zahnfleisches samt des Zahnhalteapparates] sind Hbibi et al. (2020) zu folgendem Ergebnis gekommen:
Hbibi et al. weisen darauf hin, dass die Studien, die sie betrachtet haben, sehr unterschiedlich voneinander waren, und weitere Forschung notwendig ist (Hbibi et al. 2020: 823), schätzen die Wirksamkeit von Honig gegen Parodontitis aber insgesamt positiv ein:
Eine neuere Studie von Jain et al. (2022) hat die Wirkung eines Manuka-Honig-Mundwassers gegen Streptococcus mutans and Lactobacillus acidophilus belegt. Insgesamt gesehen ist die Wirkung von Honig gegen eine ganze Reihe von Bakterien, die die Mundhöhle besiedeln, zuverlässig belegt. Dementsprechend halten auch Deglovic et al. fest:
„The most beneficial property of honey is antibacterial/antibiofilm activity, which also represents its most studied biological effect. In fact, its antibacterial in vitro efficacy against a broad spectrum of wounds and periodontal pathogens has clearly been proved“ (Deglovic et al. 2022:10 von 14),
d.h.
„Die vorteilhafteste Eigenschaft von Honig ist seine antibakterielle/Antibiofilm-Aktivität, die auch die am besten untersuchte biologische Wirkung darstellt. Tatsächlich wurde seine antibakterielle in vitro-Wirksamkeit gegen ein breites Spektrum von Wunden und parodontalen Erregern eindeutig nachgewiesen“ (Deglovic et al. 2022:10 von 14).
Man muss auch nicht fürchten, durch ein Honig-Mundwasser den Zahnschmelz zu schädigen:
Zur Herstellung eines Honig-Mundwassers kann man zwei Teelöffel Honig in 30 ml Wasser verrühren, das gerade warm genug ist, um den Honig darin zu schmelzen, aber nicht wärmer, weil man dann die Inhaltsstoffe des Honigs zerstört, um derentwillen man das Mundwasser verwenden möchte, insbesondere das Methylglyoxal (MGO), auf das die starke antibakterielle Wirkung von Honig oft zurückgeführt wird:
„MGO causes loss of membrane integrity and changes the structure of bacterial fimbriae and flagella, which impairs microbial adhesion and motility“ (Romário-Silva et al. 2022: 4 von 17),
d.h.
„MGO verursacht Verlust der Membranintegrität und verändert die Struktur von bakteriellen Fimbrien und Flagellen, was die mikrobielle Adhäsion [Haftungsfähigkeit] und Beweglichkeit beeinträchtigt“ (Romário-Silva et al. 2022: 4 von 17).
Weil der MGO-Gehalt in Manuka-Honig im Vergleich zu anderen Honigarten besonders hoch ist (Hayes et al. 2018: 491), ist es gewöhnlich Manuka-Honig, der auf seine Wirkung mit Bezug auf Mundhygiene (aber u.a. auch für die Beförderung von Wundheilung allgemein) überprüft und ggf. empfohlen wird, Letzteres häufig mit dem Zusatz, dass ein Honig umso wirksamer sei, je höher sein MGO-Gehalt ist. Für Manuka-Honig gibt es verschiedene Gütemaße, nach denen die Qualität des Honigs bestimmt und zertifiziert wird; eines davon legt den MGO-Gehalt des Honigs der Zertifizierung zugrunde. Wer einen Manuka-Honig für sein Mundwasser verwenden möchte, sollte sich jedoch nicht unbedingt vom MGO-Gehalt im Honig leiten lassen, denn:
Dementsprechend halten auch Sartore et al. (2021: 1 von 10) fest:
„Instead of an individual component acting as the key to honey’s action against bacteria, it appears there is a synergistic relationship amongst the sugars, proteins, and lipids that make each honey unique“.
D.h.
„Anstelle einer einzelnen Komponente, die als Schlüssel zur Wirkung von Honig gegen Bakterien fungiert, scheint es eine synergistische Beziehung zwischen den Zuckern, Proteinen und Lipiden zu geben, die jeden Honig einzigartig machen“.
Singhal et al. (2018) haben im Rahmen ihrer randomisierten, kontrollierten Feldstudie, in der sie die Wirkung von drei verschiedenen Mundwässern auf die Zahnbelags- und Zahnfleischentzündungswerten von 12-15-jährigen Schulkindern überprüft haben, festgestellt, dass Manuka-Honig und roher Nicht-Manuka-Honig gleichermaßen effektiv waren (aber nicht ganz so effektiv wie Chlorhexidin). Darüber, ob sich dieses Ergebnis für (nahezu) jeden Vergleich von irgendeinem Manuka-Honig mit irgendeinem rohen Nicht-Manuka-Honig einstellen würde, kann man nur spekulieren, aber jedenfalls gibt es bis auf weiteres keinen Grund, Nicht-Manuka-Rohhonig von vornherein für die Verwendung von Mundwasser auszuschließen. Sie müssen also, um ein antibakteriell wirkendes Mundwasser aus Honig herstellen zu können, nicht unbedingt Manuka-Honig kaufen, und wenn Sie das tun möchten, müssen Sie nicht unbedingt denjenigen mit dem höchsten MGO-Wert – und damit den teuersten – kaufen.
Egal, für welches Mundwasser Sie sich entscheiden, verwenden Sie es nicht direkt nach dem Zähneputzen, besonders dann nicht, wenn Sie eine hochwertige Zahncreme mit effektiven Wirkstoffen benutzen, denn diese Wirkstoffe sollen ja ihre Wirkung tun können und nicht gleich wieder mit dem Mundwasser ausgespült werden. Besser ist die Verwendung nach jeder Mahlzeit und/oder am Abend vor dem Schlafen-Gehen, nachdem Sie Ihre Zähne früher am Abend nach der letzten Mahlzeit des Tages geputzt haben.
Literatur
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