WZB: Worse „zan [than]“ Bullshit – Studie über AfD-Wahl, die missmutig macht, macht uns missmutig

Das Wissenschaftszentrum in Berlin war einst ein Ort, an dem geforscht wurde. Dort gaben sich Ralf Dahrendorf und Max Kaase die Türklinke in die Hand. Spätestens mit Jutta Allmendinger als Präsident hat der Niedergang des WZB begonnen. Und heute findet man im WZB unter anderem Maja Adena und Steffen Huck, die es gerade geschafft haben, den größten Blödsinn, den wir in letzter Zeit gelesen haben, zu veröffentlichen, und zwar in Plos One:

Es ist nicht nur Blödsinn im Quadart, es ist teurer Blödsinn, richtig teurer Blödsinn, denn YouGov wurde dafür bezahlt eine Längsschnittstude über vier Wellen, in deren Verlauf 5.078 Personen mehrfach befragt werden sollten und in deren Verlauf 1.702 (zusätzlich zu den 5.078) Personen befragt werden mussten, um die Panel Mortalität auszugleichen. Die Befragungen erfolgten im Dezember 2019, im Dezember 2020, im August 2021 und im Dezember 2021. Und dreieinhalb Jahre später beglücken und Adena und Huck mit der Behauptung, dass ihre Daten zeigen würden, dass es AfD-Wählern nach der Wahl schlechter geht als vor der Wahl der AfD, ein Ergebnis, dass die bisherige Behauptung, dass schlechte persönliche ökonomische Verhältnisse zur Wahl der AfD führen sollen, auf den Kopf stellen soll.

Wer das liest und denkt, das sei Bullshit, der hat natürlich recht. Es ist Bullshit. Aber der Bullshit ist nicht groß genug, als dass man ihn nicht an den Spiegel und die dort versammelte Ineptokration verkaufen könnte. Es gibt keinen Bullshit, den der Spiegel nicht drucken würde, solange er gegen die AfD geht:

Langsam verstehen wir, warum Putin den Spiegel in Russland verboten hat.

Obschon das ganze natürlich eine humoreske Note hat: Wenn man selbsterklärten Intellektuellen dabei zusehen kann, wie sie sich lächerlich machen, dann hat das immer einen gehörigen Witz. Und natürlich haben Adena und Huck diesen Mist geschrieben, um intellektuelle Tiefflieger wie sie in der Redaktion des Spiegel kreuzen, anzusprechen, mit den üblichen Ködern etwas Negatives zur AfD, eine Möglichkeit, die Wähler der AfD in die Pfanne zu hauen. Rektalforschung ohne wissenschaftlichen Wert, lediglich erstellt, um die fünf Minuten „Fame“ zu erheischen, die dem lebenslangen Gelächter, ob des Bullshits, der hier Text geworden ist, vorausgehen.

Indes, die Sache ist ärgerlich, denn das WZB wird von Steuerzahlern finanziert. Der Bund (75%) und das Land Berlin (25%) sind Träger der gemeinnützigen Geselschaft mit beschränkter Haftung – Wissenschaftszentrum Berlin. Und die Kosten, die letztlich von Steuerzahlern für diese „Forschung“ geschultert wurden, sind enorm: Längsschnittstudien, wie sie YouGov durchgeführt hat, sind sehr teuer, gehören zum Teuersten, was die Sozialforschung zu bieten hat. Wir blicken hier auf Kosten im sechsstelligen Bereich, Kosten, die aufgehäuft wurden, um Daten zu gewinnen, mit denen man Bullshit ohne Erkenntniswert über die AfD „forschen“ und verbreiten kann.

Alles, was die beiden Helden der Steuergeldverschwendung aus dem WZB machen, dreht sich um vier Fragen:

  1. Wie schätzen Sie Ihre persönliche Situation heute im Vergleich zu vor einem Jahr ein?
  2. Wie schätzen Sie Ihre finanzielle Situation heute im Vergleich zu vor einem Jahr ein?
  3. Was glauben Sie, wie wird sich Ihre persönliche Situation im nächsten Jahr im Vergleich zu heute entwickeln
  4. Was glauben Sie, wie wird sich Ihre finanzielle Situation im nächsten Jahr im Vergleich zu heute entwickeln?

Wie ist das mit Ihnen?

Machen Sie eine Unterscheidung zwischen ihrer persönlichen Situation und ihrer finanziellen Situation, etwa, weil sie gerade in einen Lockdown gesperrt wurden und Dingen, die ihnen wichtig sind, wegen nichts und wieder nichts nicht mehr nachgehen können oder sie gesundheitlich angeschlagen sind oder Sie gerade von ihrer Regierung um eine lukrative Stelle gebracht wurden, die man leider nur bekommt, wenn man sich mit einem experimentellen „Impfstoff“ die Gesundheit ruinieren lässt?

Nun, die Autoren, Maja Adena und Steffen Huck, machen keine Unterscheidung zwischen persönlicher und finanzieller Situation und sie machen keinerlei Unterscheidung zwischen der aktuellen Einschätzung im Vergleich zur Vergangenheit und der für die Zukunft. Warum, so fragen Sie vielleicht, haben die Leute dann vier Fragen gestellt? Nun, wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass Adena und Huck die Antworten auf die vier Fragen zu einer verwurstet haben, einen Mittelwert über die vier Fragen gebildet haben. Mit der Bildung eines Mittelwerts geht ein Informationsverlust einher. Im vorliegenden Fall geht ein kompletter Informationsverlust damit einher: Vergangenheit und Zukunft sind eins, persönliche und finanzielle Verhältnisse ununterscheidbar. Konsequenter Bullshit, der jeden Methodiker erheitert.

Indes, falls Sie denken, man könne das nicht mehr steigern.
DOCH!
Man kann es noch steigern.
Man kann Bullshit im Quadrat abliefern und die Antworten der Befragten, die von „besser als [im letzten Jahr / heute] über genauso gut [wie im letzten Jahr / heute] zu schlechter als [im letzten Jahr / heute] reichen, zu Dummyvariablen, die diejenigen, die sagen, es ginge ihnen besser bzw. schlechter gegen jeweils alle anderen stellen, verwursten, eine Vorgehensweise, bei der alle, die keinen Unterschied in ihrer Situation erkennen können, unter den Tisch fallen.

Wir schreiten somit von der Null zur Null-Komma-Null Information voran.
Und damit rechnen Adena und Huck, denn sie wollen zeigen, dass die schlechte, nicht etwa die gute Manschsituation aus zurückliegend-zukünftiger-persönlicher-finanzieller-Situations-Einschätzung, ein Ergebnis der AfD-Wahl ist.

Warum man das sollte?
Na weil man sich beim Spiegel und bei anderen ideologischen Blindgängern einschleimen will. Wie gesagt, einen wissenschaftlichen Wert hat dieser Blödsinn überhaupt nicht.

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Der Tatsache, dass sie eigentlich Panel-Daten haben, irgendwie müssen sich Adena und Huck daran erinnert haben, tragen die beiden Autoren mit dem absonderlichsten experimentellen Design Rechnung, das wir je gesehen haben. Dem Design unterliegt eine Hypothese, die im Wesentlichen sagt, dass dann, wenn man Befragten politische Aussagen der Partei, die sie wählen wollen, vorlegt, und sie mit Befragten vergleicht, denen man diese politischen Aussagen nicht vorgelegt hat, die Befragten, die lesen mussten, wofür sie wählen, auf der Manschfrage nach den aktuell-zukünftigen-persönlich-finanziellen Verhältnissen noch schlechter abschneiden. Wir wissen zwar nicht, was man damit misst, aber man kann tatsächlich einen kleinen Unterschied zeigen, der es indes nicht erlaubt, wie die Autoren selbst zugestehen, letztlich Aussagen darüber zu machen, ob Unzufriedenheit [mit persönlich-finanziellen Verhältnissen in Zukunft und Vergangenheit] zur Wahl der AfD führen oder AfD-Wahl unzufrieden macht:

„The biggest caveat when interpreting our results is that we cannot exclude a causal link from discontent to AfD support. As the literature has shown discontent with the political system is an important driver of support for right-wing populist movements, in Germany and elsewhere. So, voters who experience discontent may select themselves into the group of AfD supporters. But that does not improve their well-being. In contrast, personal discontent increases through selection into the exposure to a rhetoric of negativity (or into a minority). This subtlety should be kept in mind in discussions of the relationship between well-being and AfD support.“

Was uns angeht:
Wir wundern uns nicht darüber, dass man aus Bullshit keine aussagekräftigen Ergebnisse machen kann. Wir leiden vielmehr unter solchem Blödsinn, vor allem leiden wir, wenn wir auf die angeblichen Ergebnisse schauen:

Was man hier sieht, ist nicht nur, dass die Autoren nicht davor zurückschrecken, Modelle, die 6% bzw. 9% der Varianz erklären, und damit eben 94% bzw. 91% der Varianz nicht erklären, zu interpretieren (Spalte 2 und 3), sie präsentieren selbst Ergebnisse, die dann, wenn man die nicht-erklärten Variablen als fixen Effekt in die Gleichung einbaut, zeigen, dass man nun mehr, aber auch nur 75% der Varianz erklären kann, was letztlich darauf zurückzuführen ist, dass nicht nur AfD-Wähler auf der Manschvariable zur Einschätzung der aktuell-vergangenen-persönlich-finanziellen Situation schlecht abschneiden, sondern auch die Wähler anderer Parteien, dokumentiert im Wert der Konstante  (constant), der in Modell 1 und 3 signifikant ist.

Dass alle auf der Manschvariable laden bzw. schlecht abschneiden, mag daran liegen, dass die Befragung während der COVID-Inszenierung, die außer den Polit-Clowns, die sich dabei selbst befriedigt haben, kaum jemandem, der noch ganz bei Trost ist, gefallen hat, liegen mag. Aber das wäre, den Kontext der Befragung in Rechnung stellen, und das würde die Verwertbarkeit der Ergebnisse als Rektalforschung in Frage stellen.

Übrigens findet sich in den Ergebnissen der Autoren ein Beleg dafür, dass Unzufriedenheit Auslöser dafür ist, die AfD zu wählen und nicht etwa die Wahl der AfD zu „Unzufriedenheit“ führt (und warum sollte es). Wie gewöhnlich sind diese Ergebnisse in den „Supplementary Materials“ versteckt.

Wie man sieht, werden die Werte für die Einschätzung der persönlichen / finanziellen Verhältnisse in Vergangenheit und Zukunft von Welle zu Welle und damit im Zeitverlauf im Wesentlichen schlechter. Dieses Ergebnis gilt für ALLE Befragten. Sollte es also zutreffen, dass die Wahl der AfD „missmutig“ macht, wie der Spiegel in so großer Einfalt titelt, dann träfe dieses Ergebnis auch auf die Wähler der anderen Parteien zu, was letztlich zu der Aussage führen muss, dass Wahlverhalten an sich missmutig macht. Und obschon die Ergebnisse von Adena und Huck das nicht einmal entfernt hergeben, kann man, wenn man das politische Personal, das heute zur Wahl steht, betrachtet, durchaus missmutig werden und alle Hoffnung auf die Zukunft verlieren.

Aber das steht auf einem anderen Blatt.
Sicher ist indes, dass uns das Lesen dieser Junk Studie missmutig gemacht hat.


 

 

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3Comments

Add yours
  1. 1
    ERINNERUNG

    Where your focus goes, your energy flows !
    The Seekers: „Isa Lei“ – Viele aufmunternde Grüße von einem AfD-Wähler !

  2. 2
    Ronny

    Ich habe über diese Junk-Studie bei t-online gelesen. Ich denke, hier werden Ursache und Wirkung vertauscht. Aber sicherlich sehr gut bezahlt.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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