Um es gleich vorwegzuschicken: Der Präsident Irlands, der Uachtarán na hÉireann, hat keine Befugnisse. Er kann, pro forma Gesetze prüfen und ist ansonsten auf die repräsentative Funktion beschränkt, wobei ein Präsident natürlich über das, was er von sich gibt, Diskurse beeinflussen kann, wie das Michael D. Higgins, getan hat. Higgins, bekannt für seine „moral-suasion“, seine „presidency of ideas“ hat erheblichen Einfluss über seine öffentlichen Auftritte auf die irischen Regierungen ausgeübt, mehr als eine Regierung durch seine sozialistisch angehauchte Agenda und seine Kritik an zu „neoliberaler Politik“ in Probleme gebracht. Abgesehen davon hat er die Soft Power Irischer Präsidenten, die sie mit der Möglichkeit, Gesetze zur Prüfung an den Supreme Court zu überweisen, haben, sehr effizient in den 14 Jahren seiner Präsidentschaft von 2011 bis 2025 eingesetzt.
Aber man muss das entsprechende Rüstzeug und Charisma mitbringen, um die entsprechenden Hebel, die das Präsidentenamt in Irland mit sich bringt, auch einsetzen zu können. Ob Catherine Connolly, 68 Jahre alter Anwalt, bis zu ihrer Wahl Abgeordneter für Galway im Irischen Parlament beides in das Amt des Präsidenten mitbringt, ist nach dem langweiligen und von vielen Iren als intellektuelle Minderleistung aufgefassten „Wahlkampf“, der mehr einer Soap Opera geglichen hat, als einer Präsidentschaftswahl fraglich.
Connolly ist nicht linksgerichtet, sie ist links. Zwar gilt sie als unabhängiger Kandidat, wurde aber von Social Democrats, People before Profit und last but not least: SINN FEIN unterstützt. Nach Linksaußen ist kein Platz mehr!
Connolly hat die Wahl, am 24. Oktober wurde gewählt, seit gestern ist das Ergebnis zumindest im Groben (die Iren haben ein etwas seltsames Wahlrecht) veröffentlicht, mit weitem Abstand gewonnen. Letztlich 63,4% der Iren, die wählen gegangen und eine gültige Stimme abgegeben haben, rund 950.000 von 3,6 Millionen Wahlberechtigten, votierten für Connolly. Der lahme Kandidat von Fine Gael, Heather Humphreys, kam mit rund 440.000 Stimmen (29,5%) der Stimmen ins Ziel, knapp vor der Fraktion derjenigen, die ihren Stimmzettel mit einem X oder regierungskritischen Statements ungültig gemacht haben. 213.738 Iren, rund 13%, haben einen ungültigen Stimmzettel abgegeben, so viel, wie noch zu keiner Wahl in Irland, und auf diese Weise dokumentiert, dass sie bei der Wahl, an der ohnehin nur 46% der Stimmberechtigten teilgenommen haben, keine wirkliche Wahl erkannt haben.
Und dass sie keine hatten, war Ergebnis einer Soap Opera, die es in der Form wohl nur in Irland geben kann.
Ursprünglich waren sieben Wettbewerber um das Amt des Präsidenten an den Start gegangen. Bereits im September 2025 hat Michael Flatley, der manchen, mir nicht, von Riverdance [was auch immer das ist] bekannt sein könnte, die Segel gestrichen. Es sei nicht die Zeit für eine Kandidatur hat er kurz nachdem er kandidiert hat, erkannt.
Ebenfalls Anfang September 2025 und am selben Tag haben Bertie Ahern und Joanna Donnelly ihre Kandidatur aufgegeben. Ahern, Irischer Prime Minister von 1997 bis 2008, bekannt durch sein Mishandling der Finanzkrise, weil er „jüngeren“ den Weg frei machen wollte, er zählt immerhin 74 Lenze, Joanna Donnelly, weil die Unterstützung wohl sehr zu wünschen übrig gelassen hat.
Ebenfalls Anfang September hat Mairead McGuinness, bis dahin der Kandidat von Fine Gael, aus gesundheitlichen Gründen seine Kandidatur zurückgezogen. Das hat den Weg für Langeweile und die vollkommen farblose Kandidatin Heather Humphreys frei gemacht, die wohl selbst zu keinem Zeitpunkt geglaubt hat, sie hätte eine Chance.
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Indes, die größte Irische Partei, die mit Fine Gael derzeit die Regierung stellt, die Fianna Fáil ist der eigentliche Verlierer dieser Wahl, denn die Partei hatte, wenige Tage vor der Wahl, mit Jim Gavin einen Kandidaten im Rennen, der in Umfragen immerhin 5% der Stimmen erreicht hat, eine eher katastrophale Leistung für den Vertreter der Regierungspartei, die sich über einen dieser Skandale erklärt, die zu Polit-Darstellern gehören, wie die Quallen zum Meer. Bei Gavin sind es ein paar Tausend Euro, die er als Vermieter eingesackt hat, obschon er sie hätte an seinen Mieter auszahlen müssen. Gavin ging, zog seine Kandidatur zurück, sein Name blieb indes auf dem Stimmzettel. 103.567 Iren wählten den Kandidaten, der nicht mehr kandidierte. Stimme aus der Tiefe der Redaktion: Schon aus diesem Grund ist die Wahl eigentlich ungültig.
Und am Ende ist Connolly übrig geblieben. Als Sieger einer Wahl ohne Wahlalternative, einer Wahl zwischen Langeweile und Boredom, bei der letztlich junge Wähler den Ausschlag gegeben haben, denn Connolly hat mit der Housing Crisis, in Irland gibt es zu viele Zuwanderer und zuwenige Häuser/Wohnungen, aber natürlich macht Connolly den „Neoliberalismus“ für die Krise verantwortlich, mit Palästina, was liegt näher im Irischen Wahlkampf und mit „sozialer Gerechtigkeit“ ihr Ticket ins Áras an Uachtaráin, ihren Dienstsitz gelöst und von dortaus wird sie nun versuchen, was Michael D. Higgins so virtuos beherrscht hat.
Mit welchem Erfolg, das muss man abwarten.
Indes eines ist sicher, mit Connolly zieht kein Freund der EU in den Amtssitz des Präsidenten ein. Connolly hat bei allen Abstimmungen zu EU-Verträgen, sei es der Vertrag von Nizza oder der Vertrag von Lissabon, GEGEN die darin festgeschriebene Erweiterung der EU gestimmt. Sie ist ein erklärter Gegner der Militarisierung der EU und der umfangreichen Ukraine-Hilfen, hat die Brexit-Kampagne des Nachbarn im Norden unterstützt und ist ansonsten der Ansicht, die EU habe ihren moralischen Kompass verloren:
„We have to allow questions to be put and debated. The EU has lost it’s moral compass and is becoming increasingly militarized.“
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