“Officials make work for each other.” So beginnt ein Essay, der am 19. November 1955 in “The Economist” erschienen ist. Geschrieben hat ihn C Northcote Parkinson. Der Essays ging als “Parkinson’s Law” in die Geschichte ein, die sein Gesetz seither in stetig wachsendem Ausmaß bestätigt sieht.
Eines der Extrembeispiele für den Verwaltungs-Moloch, den Max Weber so gefürchtet hat, ist die Europäische Kommission. Die dort Einsitzenden würzen den kontinuierlichen Aufbau von Regulationen, Direktiven und Vorschriften mit der Überzeugung, sie seien dazu berufen, nicht nur ihresgleichen zu multiplizieren, sondern jeden Bereich des europäischen Lebens mit ihren Regulierungen zu einem Korsett zu entwickeln, in das EU-Bürger gesperrt und in dem sie hervorragend kontrolliert werden können.
Allein 2025 hat die EU 2.317 Gesetze (Regulationen, Direktiven usw.) erlassen / verabschiedet. Im Jahr zuvor waren es 2.270 Gesetze und gemessen an der heißen Phase, als der EU-Moloch große Teile nationaler Gesetzgebung an sich gezogen hat, sind die 2.317 Gesetze fast schon Pipifax.
Die EU ist längst eine Inkarnation der Verwaltungs-Hydra geworden, die von all denjenigen gefürchtet wurde, die Bürokratie nicht als die Segnung angesehen haben, als die sie interessierte Kreise gerne darstellen.
Bürokratien / Verwaltungen, egal wo sie sich einfinden, haben alle eines gemeinsam: Sie wachsen stetig, dehnen ihren “Einflussbereich” und ihre “personelle Ausstattung” stetig aus, und obschon mehr Personal nicht bedeutet, dass damit auch mehr Leistung erbracht wird, gerade bei Verwaltungen nicht, geht bei Bürokratien von Nationalstaaten und Supra-Nationalen-Organisationen wie der EU eine Ausweitung der Eingriffe in das Leben der Bürger mit dem Extrem-Wachstum einher.
Besonders EU-Bürokraten sind ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Bürger in der EU zu regulieren, sie zu gängeln, um auf diese Weise, die eigene Existenz zu legitimieren.
Die neueste Marotte, die der Bürokraten-Moloch in Brüssel ausleben will, hat Ihr Trinkwasser zum Gegenstand. Im Rahmen der State of the Union Rede hat die EU-Mumie, die nicht abtreten will, U. von der Leyen, unter anderem eine “European Water Initiative” angekündigt. Eine neue Verwaltungsschicht auf Basis von bereits vorhandenen, die einmal als Europäische Wasserresilienz-Strategie vertrieben wird, einmal als Europäische Trinkwasser Verordnung längst vorhanden ist.
Wassernutzung in der EU nach Effizienz kartiert (Best Practices finden);
eine Bestandsaufnahme des Stands der Planungen im Hinblick auf “Wasserknappheit” in den Mitgliedsstaaten durchgeführt;
Investitionsbedarf ermittelt;
Finanzbedarf geschätzt;
und der Zugang von Landwirten zu Wasser geprüft werden;
EU-Kommissar Jessika Roswall zuständig für diese “Initiative” hat die Ziele als “ambitioniert beschrieben”, ambitioniert, ines der Worte, die mir die Nackenhaare stellen, und betont, die Strategie solle Wasser als Frage der europäischen Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit behandeln und insbesondere Effizienz/Wiederverwendung, Dürremanagement und grenzüberschreitende Zusammenarbeit voranbringen.
Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit, sind nicht unbedingt die ersten Dinge, die mir einfallen, wenn ich an “Wasser” denke, aber geschenkt. Die neue Initiative setzt auf der bereits vorhandenen alten Initiative auf, so dass man sich fragt, warum es sie überhaupt, die neue Initiative geben muss. Ein Blick auf die “COMMISSION RECOMMENDATION on guiding principles of water efficiency first” C(2025)3580 hilft hier weiter. Darin finden sich die folgenden Ziele:
Mitgliedstaaten sollen transparente, sichere, faire und vorhersehbare Mechanismen für die Wasserallokation schaffen.
Dabei soll Klarheit über Allokationsprioritäten zwischen Nutzungskategorien (also Sektoren) bei Knappheit bestehen.
Gleichzeitig soll der Zugang vulnerabler und marginalisierter Gruppen zu bezahlbarem Trinkwasser und Sanitärversorgung geschützt werden.
Wie man es von der EU-Kommission gewohnt ist, kommt zunächst der Honig: “sichere Trinkwasserversorgung für alle”, wobei man sich schon an dieser Stelle fragt, was es mit einer “fairen” Wasserallokation, also einem fairen Zugang zu Wasser / Trinkwasser auf sich haben kann? In der EU-Kommission geistert übrigens der Begriff “Zugangsgerechtigkeit” durch die Hallen.
Nun wird auch der Zugang zum Wasserhahn oder zur Wasserflasche im Supermarkt unter der unpassenden Kategorie “Zugangsgerechtigkeit” ideologisiert und absehbar zerstört.
Zur Erinnerung: Gerechtigkeit bezieht sich auf eine dem Input entsprechende Auszahlung (im interpersonalen Vergleich): Wer mehr leistet, muss auch mehr haben. Zugangsgerechtigkeit im Zusammenhang mit Trinkwasser kann somit nur bedeuten, dass der Weg zum Wasserhahn für die Inhaber bestimmter, von der EU vergebener Attribute (die natürlich nichts mit Leistung zu tun haben), freigeräumt werden soll.
Und vermutlich ahnen Sie schon, wem Sie in Zukunft besonders dann, wenn es mit dem Wasser knapp wird, den Vortritt lassen müssen:
In der “Commission Recommendation on Water Efficiency First” vom 4. Juni 2025, steht unter unter „Governance” der folgende Punkt 7:
„It is recommended that Member States ensure appropriate governance for water management by ensuring in particular transparent, secure, inclusive, fair and predictable mechanisms for water allocation, providing certainty on allocation priorities between categories of uses in case of scarcity, while safeguarding vulnerable and marginalised groups’ access to affordable drinking water and water for sanitation.“
“Vulnerable (empfindliche / verletztliche) und marginalisierte Gruppen sollen also besonders berücksichtigt werden. Da wir uns in einer Welt der Knappheiten bewegen, Dürre meint Wassermangel, muss eine Allokation von Ressourcen / Wasser, die bestimmte Gruppe besonders behandelt, auf Kosten von anderen Gruppen gehen.
Bevorzugt werden, wenn es um Trinkwasser geht, sollen nach Ansicht der EU-Kommission “Flüchtlinge und Personen mit einem nomadisierenden Lebensstil, vor allem Sinti und Roma” wobei die Frage, wer als “vulnerabel und Minderheit” gilt, wenn es um die Wasserzuweisung geht, damit nicht abschließend beantwortet ist. Nationale Regierungen können nach Gusto Gruppen, die sie bevorzugen wollen, ergänzen. Wer als Trans gerade hyperventiliert hat, ob der fehlenden Sonderbehandlung für die eigene Gruppe, kann sich also abregen. Seiner Bevorzugung steht nichts im Weg,.
„Without prejudice to the right of the Member States to define those groups, it would be important that such groups include refugees, nomadic communities, homeless people and minority cultures such as Roma and Travellers, whether sedentary or not.“
„… providing certainty on allocation priorities between categories of uses in case of scarcity, while safeguarding vulnerable and marginalised groups’ access to affordable drinking water and water for sanitation.“
Quelle: EU-Commission, COM(2025)3580, Punkt 7 (via Politico)
Wenn Sie sich dann, wenn die Trinkwasserversorgung gerade nicht funktioniert, anstellen, um ein paar Wasserflaschen zu bekommen, dann wissen Sie nun, hinter wem Sie sich anstellen müssen.
Die Hierarchie auf individueller Ebene ordnet sich in die bereits vorhandene Hierachie der Wasserzuteilung, die wie folgt aussieht, ein:
Max Weber hat seine Befürchtungen, die mit einer Bürokratisierung einhergehen, auf einer Tagung des Vereins für Sozialpolitik und im Jahr 1909 sehr deutlich zum Ausdruck gebracht:
„Diese Leidenschaft für die Bureaukratisierung […] ist zum Verzweifeln.
Es ist, als wenn in der Politik der Scheuerteufel […] ganz allein das Ruder führen dürfte, als ob wir mit Wissen und Willen Menschen werden sollten, die ‚Ordnung‘ brauchen und nichts als Ordnung, die nervös und feige werden, wenn diese Ordnung einen Augenblick wankt […].
Daß die Welt nichts weiter als solche Ordnungsmenschen kennt – in dieser Entwicklung sind wir ohnedies begriffen, und die zentrale Frage ist also nicht, wie wir das noch weiter fördern und beschleunigen, sondern was wir dieser Maschinerie entgegenzusetzen haben, um einen Rest des Menschentums freizuhalten von dieser Parzellierung der Seele, von dieser Alleinherrschaft bureaukratischer Lebensideale.“
Das war lange bevor in Brüssel ein Verwaltungsmoloch geschaffen wurde, dessen Ziel darin besteht, eine “Alleinherrschaft bureaukratischer Lebensideale” durchzusetzen, Menschen zu Verwaltungsobjekten zu degradieren, deren Leben durch bureaukratische Ordnung parzelliert und zerstört wird.
Es ist, um Max Weber zu zitieren, zum Verzweifeln.
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