Wie politische Narrative geschaffen und legitimiert werden
Rektalforschung entwickelt sich zu einem erheblichen Problem für “die Wissenschaft”. Unter Rektalforschung verstehe ich Forschung, die “im Auftrag” betrieben wird. Nicht, weil es grundsätzlich problematisch wäre, wenn eine Forschung “im Auftrag” betrieben wird, obschon ein Wissenschaftler natürlich niemanden benötigt, der ihm vorgibt, worüber er forschen soll. Sondern, weil “im Auftrag” vor allem dann, wenn “im Auftrag” einer Institution, eines Ministeriums oder der EU geforscht werden soll, mit einer Vorgabe des Forschungsgegenstands und des damit verbundenen Ergebnisraums einhergeht.
Das behaupte ich nicht ins Blaue, sondern aus Erfahrung.
Wann immer sich Ministerien an Dr. habil. Heike Diefenbach gewendet haben, sie möge doch an einem “Projekt” arbeiten, sich für ein Projekt bereitstellen, ging mit dieser Bitte eine ganz konkrete Bestimmung und Vorgabe dessen, was geforscht werden soll und wie es geforscht werden soll und somit, was am Ende herauskommen soll, einher. Es versteht sich von selbst, dass keine dieser Anfragen bei Dr. Diefenbach auf ein positives Echo getroffen sind.
Wenn die Europäische Kommission also Forschung im Rahmen von Horizon ausschreibt, etwa 3.000.246 Euro für ein Projekt mit dem “fancy” Namen “TaCT-FoRSED” bereitstellt, ein Angebot an all diejenigen, die sich als SWAT-Team der EU-Kommission mit z.B. dem Kampf gegen das, was der EU-Kommission nicht passt, verdingen, besser vielleicht: prostituieren wollen, dann ist klar, dass die Ergebnisse eines solchen Projekts mit Sicherheit die geltenden Narrative NICHT in Frage stellen werden und somit im Hinblick auf wissenschaftliche Erkenntnis nutzlos sind. Es handelt sich dabei auch nicht um Wissenschaft, sondern um Legitimationsarbeit, die von Personen geleistet wird, die sich an Hochschulen durchschlagen, was heutzutage mit einem erheblichen Mangel an Phantasie und der Bereitschaft einhergeht, sich an öffentliche Institutionen zu verkaufen, um Drittmittelförderung vorweisen und den eigenen Marktwert über Brownie-Points steigern zu können. Dass dabei Selbstwert und Selbstachtung auf der Strecke bleiben, ist für diese Leute offenkundig kein Problem.
Dieser Post handelt von Rektalforschung, die mit rund einer Million Euro von der EU-Kommission, im Rahmen von TaCT-FoRSED gekauft wurde, deren Gegenstand “Verschwörungserzählungen” sind und deren Ziel darin besteht, Material bereitzustellen, das gegen den politischen Gegner, also gegen alle, denen die EUdSSRisierung einer einst freiheitlichen Idee nicht gefällt und natürlich die AfD verwendbar ist. Das ist das einzige Ziel, das Rektalforschung in der Regel hat: Material und Legitimation beschaffen, um den politischen Gegner zu bekämpfen.
Falls es Sie interessiert: TaCT-FoRSED steht für Tackling Conspiracy Theories by Fostering Resilience and Political Self-Efficacy in Democracies (also in etwa: „Verschwörungstheorien durch die Förderung von Resilienz und politischer Selbstwirksamkeit in Demokratien bekämpfen“). Eine dieser schwammigen Umschreibungen für einen institutionalisierten Kampf gegen Meinungsfreiheit unter dem Deckmantel einer Verteidigung von “Unserer Demokratie”, die längst zu einem autokratischen Monstrum geworden ist (warum sonst müsste man sich über “Verschwärungstheorien” ereifern?).
Aufmerksam auf dieses “Projekt” bin ich auf Grundlage einer Pressemeldung geworden, die bei idw-online veröffentlicht wurde und bereits im ersten Abschnitt deutlich macht, dass der Junk, über den berichtet wird, zwar von einer Hochschule kommt, nämlich der Universität Passau, aber mit Wissenschaft nichts zu tun hat.
Die Pressemeldung beginnt mit den Worten:
„Während der Corona-Pandemie verglichen Demonstrierende das Infektionsschutzgesetz mit dem „Ermächtigungsgesetz“ von 1933, Reichsbürger bestreiten bis heute die Existenz der Bundesrepublik, und die AfD ist seit 2025 zweitstärkste Kraft im Bundestag. Verschwörungserzählungen sind damit längst kein Randphänomen mehr. Sie untergraben das Vertrauen in Wahlen, Wissenschaft und Medien – also in genau jene Einrichtungen, auf die eine Demokratie angewiesen ist.“
Jeder Satz ein Fehler:
- Eine Analogie hat nichts mit Verschwörungs“erzählungen“ zu tun, vor allem dann nicht, wenn sie, wie der Vergleich mit dem „Ermächtigungsgesetz“ aufnachvollziehbaren Kriterien basiert.
- Reichsbürger bestreiten nicht die Existenz der Bundesrepublik, sondern deren Legitimität.
- Dass die AfD zweitstärkste Partei im Bundestag ist, ist keine Verschwörungserzählung und hat auch nichts damit zu tun.
Damit sind wir schon bei dem, was als ein Ergebnis von der Universität Passau an die Europäische Kommission und als Gegenwert für die Million Euro, mit der diese “Forschung” gekauft wurde, geliefert worden ist:
Der (von der EU bestellte) Beitrag, der unter diesem Titel veröffentlicht wurde, ist eine Sammlung der Ergebnisse, die andere produziert haben, quasi ein Who is Who der Junk Science, wie sie sich in Mitte-Studie, Krempel, den die Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlicht und bei all denen, die “etwas mit Verschwörung” machen, zusammenfinden lässt. Christoph und die anderen haben zusammengesammelt, was es auf dem Feld der Verschwörungserzählungs-Erzählung gibt und dabei sichergestellt, dass nichts aufgenommen wird, das mit dem gesamten Feld kritisch umgeht, keine Forschung, die grundsätzliche Fragen zur Verschwörungserzählung-Erzählung aufwirft, die Christoph und Kumpane verbreiten wollen, weil sie dafür bezahlt werden, sie zu verbreiten.
Die Auswahl dessen, was Eingang in die “Sekundäranalyse” gefunden hat, die Auswahl der “Primärforschung” wird nach einem Prinzip angeleitet, das Jürgen Heinz Peter Hoffmeyer-Zlotnik einst begründet hat: “Die Frage misst zwar nichts, aber wir fragen das seit vielen Jahren”. Die Sekundäranalyse von Christoph et al. folgt demselben Prinzip: Aufgenommen wird, was wiederholt behauptet wurde, was von denen, die das Feld unter sich aufgeteilt haben, als richtig bewertet wird (bewertet ist hier das entscheidende Wort) und was man generell unter die Dichtomie, der tolle Staat und seine bösen Kritiker bringen kann.
Es finden sich angebliche Verschwörungserzählungen zu COVID-19, z.B. die Meinung, SARS-Cov-2 sei aus einem Labor entsprungen oder die Ansicht, COVID-19 Impfstoffe seien dazu da, Krankheit zu verbreiten oder der Hinweis, dass Staaten seltsamerweise im autoritären Gleichschritt marschieren und mit geradezu eklatant undemokratischen Mitteln jede Kritik an ihrem COVID-19 Management unter Springerstiefeln zertreten. Für Leute, die weniger Wert auf Prüfung von Aussagen und weniger Wert auf Meinungsfreiheit legen, als es dem demokratischen Usus entspricht, sind das Verschwörungserzählungen, Dinge, Meinungen, Überzeugungen, die ihnen nicht passen und die sie deshalb verteufeln.
In die Riege der “Verschwörungserzählungen”, die Christoph und die seinen zusammentragen, gehört die Überzeugung, die manche haben, dass eine kleine Gruppe von Leuten für das, was weltweit geschieht, verantwortlich sei, eine kleine Gruppe von Leuten, die im Dunkeln nagen. Natürlich darf Kritik am Genderismus, dem Bevorzugungsprogramm für Mittelschichtsfrauen ohne Arbeitserfahrung und -motivation nicht als “Verschwörung” fehlen, die Idee, Migration diene dem Bevölkerungsaustausch, eine Idee, die so abstrus ist, dass sie sich in Tower Hamlet, einem Staatteil von London mittlerweile darin niederschlägt, dass ein Council / Stadtteilrat, dessen Mitglieder im Gruppenphoto eher den Eindruck einer Parteiversammlung der Pakistan Muslim League als den von Stadtverordneten in London machen, das Tragen von Poppies, das sind stilisierte Kornblumen, die im November als Andenken an die vielen Opfer, die die beiden Weltkriege unter Briten gefordert haben, getragen werden, verboten hat. Hat mit Austausch nichts zu tun, denn Austausch ist Verschwörungserzählung.
Weiter bei Christoph et al.
Für sie gelten alle Hinweise darauf, dass 2014 ein vom Westen initiertes Komplott (darüber muss man glaube ich nicht einmal mit Nuland streiten) eine demokratisch gewählte Regierung in der Ukraine beseitigt hat, als Verschwörungserzählung, Ideen, dass es einen “Deep State” gibt, Kritik an der Erzählung, Menschen machten Klimawandel und vieles mehr, was nicht in ein borniert linkes Weltbild passt, das alles sind Verschwörungserzählungen, die Christoph et al. zusammentragen, um eine eigenen Verschwörungsgeschichte über die Erzählungen, die sie als Verschwörung ansehen, zu verbreiten.
Und damit das ganze nach Wissenschaft aussieht, haben sie sich als Eigenleistung die Analyse der Wechselbeziehung zwischen dem Glauben an eine “Verschwörungserzählung” und “demokratischer Identität”, “demokratischer Resilience” und “demokratischer Effizienz/Leistung [efficacy]” vorgenommen.
Drei Begriffe, die man als geronnene Realsatire ansehen kann.
Als demokratische Identität gilt den Autoren eine positive Identifikation mit pluralistischen Werten und die Akzeptanz der Ambiguität, Komplexität und Entscheidungsfriktion, die demokratischer Regierung inhärent sei.
Das schreiben dieselben Autoren, die nicht damit leben können, dass es Meinungen gibt, die auf komplexe Verflechtungen zwischen Akteuren hinweisen, die so plural in ihren Werten sind, dass es die Christoph et al’s kaum ertragen können und so voller Ambiguität, dass sie mit den Vorgaben aus Brüssel nicht vereint werden können. Auf Basis ihrer eigenen Kriterien qualifizieren sich Christoph et al. als Verschwörungserzähler …
Realsatire pur.
Aber steigerbar.
Demokratische Resilienz bezieht sich auf all diejenigen, die offenkundig kein Problem mit dem derzeitigen politischen System haben, die sich in Parteien und wo auch immer engagieren und die “demokratischen Prinzipien”, die die Autoren in den Institutionen des Staates und seinen Auswürfen am Werk sehen, kritiklos akzeptieren.
Dass Leute, die deshalb, weil sie offizielle Narrative ablehnen, Kritik an staatlichen Institutionen und denen, die sie sich zueigen gemacht haben, äußern nicht mit den gerade beschriebenen System-Sykophanten kompatibel sind, ist offenkundig und gewollt, kann man sie doch nun abwerten, zur “Gefahr für “unsere Demokratie” stilisieren und als Verschwörungserzähler abkanzeln. Was Christoph et al. hier tun, ist als “System-Justification” in der Sozialpsychologie bekannt, als Bemühen bezahlter Aktivisten, den Staat, das Regime, das System zu purifizieren und als leuchtendes Exemplar von “Unserer Demokratie” zu inszenieren, um sich selbst besser zu fühlen.
Ich spare mir die umfassende Darstellung von “demokratischer Effizienz”, belassen wir es dabei, dass die Autoren “Vertrauen” als zentrale Variablen der Effizienz eines demokratischen Systems ansehen und deshalb Friktionen befürchten, weil die Verschwörungserzähler kein Vertrauen in den Staat, seine Institutionen und die Polit-Gestalten, die sich seine Positionen angeeignet haben, haben.
Tautologie über 40 Seiten gestreckt, von Leuten, deren wissenschaftliche Pedigree nicht unbedingt zu dem gehört, was man bemerkenswert nennen würde:
Genau mein Argument: Öffentliche Förderung stellt eine Art intellektuelle Mangelverwaltung für viele an Hochschulen Eingesperrte dar.
Um unseren Lesern einen kleinen Eindruck von dem zu vermitteln, was den Autoren als Verschwörungs-verdächtig gilt:
Während der COVID-19 P[l]andemie hätte es Verschwörungserzählungen gegeben, die SARS-CoV-2 als “Biowaffe” angesehen hätten. Die Querdenker, das sei eine Ansammlung an Esoterikern, Anti-Impf-Aktivisten und Rechtsextremisten gewesen. Sie hätten QAnon in den deutschen Kontext gebracht und seien deshalb vom Verfassungsschutz überwacht worden. In ihrem Echozimmern hätten sich die Querdenker gegenseitig davon überzeugt, dass die Pandemie geplant worden sei und viele hätten kein Vertrauen in die Schulmedizin. Schlimmer noch: Manche hätten in dem Versuch, Bürger gegen ihren Willen an die COVID-Nadel zu bringen einen Beleg für die Existenz eines “Deep Staat” angesehen.
Die Welt, in der Christoph und die seinen existieren, ist an Borniertheit, Stereotypie und Phantasielosigkeit nicht zu überbieten. Sie muss so eng sein, dass man durch das falsche Setzen eines Kommas bereits an die Grenzen des Tolerierten stößt…
Ich habe oben darauf hingewiesen, dass solcher Junk erstellt wird, um Material zur Bekämpfung politischer Gegner zu liefern. Und in der Tat:
“AfD programmes incorporate conspiracy narratives about climate change as deliberate de-industrialisation, migration as great replacement, and gender equality as elite-driven gender ideology (Christoph, 2023), and these positions influence agenda-setting and parliamentary debate over all as well as internal discussion in other parties.
Die AfD trägt die Verschwörung ins Parlament. Ganz im Gegensatz zu all den Spinnern, die behaupten, es gäbe Männer, die als Frauen geboren wurden und Frauen seinen generell benachteiligt, gegenüber Männern, vor allem in Vorständen und bei hohen Gehältern, weniger beim Leeren von Müllbehältern und anderen Jobs, deren Gefährlichkeit und Ekelgrad sie für die um Gleichberechtigung kämpfenden Frauen aus der Mittelschicht so wenig attraktiv macht.
Alles legitime Meinung, ganz im Gegensatz zur Ansicht, dass diejenigen, die den Staat zur Beute haben, im Rahmen der Plandemie mindestens drei autoritäre Schritte zu weit gegangen sind… Das ist zwar Realität, aber dennoch Verschwörung und damit AfD.
Ich habe wirklich Schwierigkeiten, meine Verachtung für derart systemdienliche “Forscher” in Worte zu packen.
Beenden wir diesen Text daher mit den Empfehlungen, die die Autoren geben, Empfehlungen gegen “Verschwörung” und gegen “die AfD”, bezahlt von der EU-Kommission, erstellt als Rektalforschung mit dem Ziel, Maßnahmen gegen politische Gegner zu legitimieren und die große Zahl der Systemsykophanten, die davon leben, Steuerzahlern auf der Tasche zu liegen und als Gegenleistung nutzloses Geschwätz zu produzieren, weiter durchzufüttern.
Zwei der Empfehlungen von Christoph et al.:
- Ausbau und Absicherung der politischen Bildung (z. B. Demokratie leben! mit geplanten ca. 200 Mio. € für 2026) und Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Also: Mehr Geld für die Legion der Systemsykophanten.
- Nutzung der wehrhaften Demokratie und des historischen Gedächtnisses als Ressourcen; vergleichende Analyse mit den anderen TaCT-FoRSED-Ländern. Also: Mehr Geld für sich selbst.
Wissenschafts-Travestie aus Passau.
Als alter Mann darf ich reminiszieren: Einst gab es Politikwissenschaftler und Soziologen, die dem Herrschaftssystem kritisch gegenüber standen, die nicht freiwillig in den Allerwertesten von Systemlingen geschlüpft sind, um ihre traurige Existenz an Hochschulen mit einer Verlängerung des elenden Daseins zu krönen…
Dann haben korrupte Akteure Hochschulen als Legitimationsbeschaffer für die eigenen Schweinereien entdeckt.
Seither fördern EU und nationale Regierungen das, was sie als “Wissenschaft” ausgeben wollen.

