Junk Studie fabriziert “zunehmende Aggressivität im Internet” [Aus der Reihe: Polit-Prostitution]

Wir könnten die Beiträge, die wir bereits zum Thema, sich als Steigbügelhalter von Ministerien verdingen, geschrieben haben, zwar noch zählen. Aber angesichts der schieren Menge dieser Beiträge unter den mehr als 5000 Beiträgen, die auf ScienceFiles bislang erschienen sind, wäre das eine ziemlich aufwändige Tätigkeit.

Ergo begnügen wir uns damit, einmal mehr einen Beitrag darüber zu schreiben, wie man eine Junk-Umfrage durchführt, die jedem, der auch nur rudimentäre Kenntnisse von Sozialforschung hat, die Haare nicht zu Berge, sondern ausfallen lässt, vielleicht reißt er sie sich auch aus Kram aus. Die Studie hat uns einer unserer Stammleser zugeschickt. Besten Dank dafür …:)

Der Tatsache, dass diese Umfrage das, was wir bislang an Junk-Studien präsentiert haben, noch unterbietet, quasi den untersten Junk vom Junk darstellt, geschuldet, wollen wir das Machwerk zunächst in den Worten der Verbrecher, also derjenigen, die den Junk verbrochen haben, in den Rahmen stellen, in den er gehört.

“In welchem Ausmaß nehmen die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Hassreden oder „Hate Speech“ in Kommentaren im Internet wahr? Sollten Beleidigungen im Netz ihrer Meinung nach ähnlich oder anders bestraft werden als persönliche Beleidigungen? Zu diesen Themen führte die Forschungsgruppe g/d/p im Auftrag von Frau Professorin Hoven (Universität Leipzig) eine repräsentative Befragung durch.



Frau Professorin Hoven leitet das durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz geförderte, auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt „Der strafrechtliche Umgang mit Hate Speech im Internet“. Darin soll das Phänomen Hate Speech aus kriminologischer, strafrechtlicher und strafprozessualer Perspektive beleuchtet werden. Im Rahmen des ersten Projektteils widmet sie sich zurzeit dem besseren Verständnis von Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen von Hate Speech im Internet.”

Im vorausgehenden ersten Absatz, den wir nicht zitiert haben, wird auf die Verschärfung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes hingewiesen, mit dem die derzeitige Fehlbesetzung im Amt des Bundesjustizministers (man sehnt sich fast nach Maas zurück), Christine Lambrecht, den Rest Meinungsfreiheit beseitigen will, der Heiko Maas entgangen ist. Bekanntlich wurde die Gesetzesverschärfung unter Ausnutzung der Coronakrise durchgewunken, und ist nun in Kraft. Was die Forschergruppe g/d/p, deren Pressemeldung wir den Sermon oben entnommen haben, also tun soll, ist Legitimation für die Gesetzesverschärfung beschaffen und den Boden für ein “Zweites Strafrecht” bereiten, das für Beleidigungen im Internet stärkere Strafen vorsieht als das vorhandene Strafrecht.

Die Forschergruppe hat 1069 Personen zusammengetrieben, wie wer befragt wurde, darüber macht die Forschergruppe keine Angaben. Da derartige Angaben ein wissenschaftlicher Usus sind und selbst von Meinungsforschungsinstituten als Standard eingehalten werden, kann man schon an dieser Stelle feststellen, dass die Forschungsgruppe g/d/p nichts mit Wissenschaft am Hut hat und sub-Standards im Hinblick auf die Transparenz von Umfragen setzt. Wohl genau das, was gewünscht ist.

Die Forschungsgruppe g/d/p beschreibt sich übrigens wie folgt:

“Die Forschungsgruppe g/d/p gehört zu den Top Marktforschungs- und Beratungsunternehmen in Deutschland. Wir arbeiten mit qualitativen und quantitativen Methoden und bieten umfassende und punktgenaue Analysen sowie Insight basierte Beratung. Seit mehr als 40 Jahren arbeiten wir für international führende Unternehmen aus allen Branchen sowie öffentliche Institutionen.”

Wir haben Tränen gelacht.
Die Forschungsgruppe g/d/p mach auf den ersten Blick eher den Eindruck eines Fingerfarbenvereins, bei dem Infantile mit Daten spielen. Beispiel gewünscht? Die Selbstdarstellung des Unternehmens unter “das sind wir“:

Unter Kindergartenkindern löst eine solche Selbstdarstellung vermutlich viel Bewunderung aus. Uns hat sie befremdet und erklärt, warum das, was angeblich eine “punktgenaue Analyse” sein soll, die von einem “Top Marktforschungs- und Beratungsunternehmen in Deutschland” erstellt worden sein soll, so unterirdisch schlecht, ein so absurder Junk ist, dass uns heute einmal die Superlative ausgehen.

Die Pressemeldung umfasst drei Frage und drei Ergebnisse, keine der Fragen und keines der Ergebnisse ist auch nur in der Nähe von irgend einem Standard der empirischen Sozialforschung.

Ergebnis 1:

Quelle

Das Top-Markforschungsunternehmen ist der deutschen Sprache nicht mächtig, wir sagen nur: “weniger aggressiver”. Macht uns die Tatsache, dass jeder Hanswurst heute meint, er könne empirische Sozialforschung betreiben, weniger ärgerlicher oder mehr ärgerlicher – mal darüber nachdenken.

Die Frageformulierung ist eine so offenkundige Manipulation, dass man sich nicht über das Ergebnis wundert, sondern darüber, dass die Top-Marktforscher aus Leipzig es veröffentlichen. Wenn man in der Überschrift den Stimulus “aggressiVER” und zwei von fünf Antwortvorgaben so formuliert, dass sie im Gegensatz zu den verbleibenden drei Vorgaben diesen Stimulus wieder aufnehmen “heute deutlich aggressiVER”, “heute etwas aggressiVER”, dann muss man sich nicht wundern, wenn 79% eine der beiden Kategorien wählen, die den Stimulus wieder aufgenommen hat. Gemessen hat man damit, dass die Befragten eine Art Fragememorie spielen können. Wenn man nach aggressiVER fragt, dann wählen die Befragten einen Antwortkatgeorie, die “aggressiVER” enthält.



Und selbst wenn man davon ausgehen muss, dass der Auftrag an g/d/p, Sie wissen schon, dass Top-Marktforschungsunternehmen aus Leipzig, gelautet hat, so viel wie nur möglich Verschlechterung und Hassrede und Hetze zu finden, ist diese Art der Brachialmanipulation doch bemerkenswert. Normalerweise wird subtil, (weniger unsubtiler für die Top-Leipziger), manipuliert, so, dass die Manipulation nicht sofort zu sehen ist. Nicht so beim Top-Marktforschungsunternehmen aus Leipzig. Hier werden selbst unter Nutzung sprachlicher Fehler die Weichen eindeutig auf “viel aggressiVER” gestellt.

Das Ergebnis ist folglich Junk. Es wird nur von Ahnungslosen verwendet oder von Manipulateuren oder von denen, die klare Instruktionen für Drittmittelprojekt-Ergebnisse erhalten haben, wie dies bei deutschen Ministerien ja zuweilen der Fall sein soll.

Dass sie Junk produziert haben, hindert die Top-Marktforscher aus Leipzig nicht daran, zu behauptet, dass die Ergebnisse “eindrucksvoll [zeigen], dass im Verlauf der letzten fünf Jahre Kommentare im Internet als aggressiver wahrgenommen werden.” Kein Befragter hat diese geantwortet. 49% der Befragten sagen “heute deutlich aggressiver”. Als wann? Die Frage fragt danach, ob Kommentare “in den letzten 5 Jahren” als aggressiver wahrgenommen werden. Und die Antwortvorgabe ist zwar als zweistelliger Funktor formuliert, aber das “als” fehlt, “heute deutlich aggressiver ALS”, als wann? Vor fünf Jahren, vor vier Jahren drei Monaten, sechs Tagen, sieben Stunden und 20 Minuten? Zwischen Top und Flop stehen eben nur zwei Buchstaben.

Ergebnis 2:

Quelle

Die Forschergruppe vom Leipziger Top-Marktforschungsunternehmen hat sich offenkundig vorgenommen, jeden Fehler, den schon Kurt Holm in den Giftschrank der Manipulation im Rahmen von Befragungen weggesperrt hat, wieder heraus zu kramen.

Eine Frage, in der zwei Stimuli enthalten sind, ist wertlos. Wer sie dennoch fragt, will manipulieren. Die Top-Marktforscher legen ihren Befragten die folgende Aussage vor: “Ich habe aus Sorge vor Hassreden schon einmal darauf verzichtet, einen Beitrag zu posten oder Beiträge bewusst vorsichtiger formuliert”.

Wir fragen jetzt gar nicht, was “bewusst vorsichtiger” misst, es reicht der Verweis darauf, dass der Verzicht auf Arschloch und dessen Ersatz mit “kognitiv beeinträchtigt” eine bewusst vorsichtigere Formulierung darstellt. Und das haben die Top-Leipziger natürlich nicht auf der Rechnung. Sie denken, ihre Frage misst die armen Seelen, die, ja was eigentlich auf Beiträge verzichtet haben oder bewusst, einen Beitrag vorsichtiger formuliert haben, also Opfer. Dass auch Täter bewusst anders formulieren, kommt den Top-Markforschern gar nicht in den Sinn. Muss es auch nicht. Es wäre wertlos, denn die Aussage enthält zwei Stimuli und man weiß folglich nicht, worauf ein Befragter antwortet. Hat er nun verzichtet oder umformuliert? Wieder macht diese Konfusion nur demjenigen nichts aus, der manipulieren will. Alle anderen lassen die Hände von einem solchen Frage-Junk.



Aber im Giftschrank der sittlichen Vergehen gegen den Ethos der empirischen Sozialforschung gibt es noch weitere, z.B. die asymmetrische Vorgabe von Antworten, also z.B. “stimme deutlich zu”, “stimme etwas zu” “keine Zustimmung”. Eine Sozialforschung, die integer ist, hat auf beiden Seiten dieselbe Anzahl von Antwortvorgaben, was natürlich angesichts der idiotischen Formulierung von “stimme etwas zu” nicht möglich ist. Offenkundig ist bei den Top-Forschern aus Leipzig der jahrzehntealte Brauch, Likert-Skalen in vier oder fünf Ausprägungen symmetrisch zu formulieren, nicht angekommen, also so: stimme voll und ganz zu, stimme eher zu, stimme weder zu noch nicht zu, stimme eher nicht zu, stimme überhaupt nicht zu. Weil dieser Brauch, den man als den ehernen Standard der Sozialforschung bezeichnen kann, bei den Top-Markforschern in Leipzig unbekannt ist oder sie ihn aus Manipulationszwecken nicht kennen wollen, enden sie mit einer asymmetrischen Vorgabe von Antwortkategorien, die die Zustimmung befördert und somit vollkommen wertlos ist. Null. Nichtig. Junk eben.

Man muss sich vor Augen führen, dass sich niemand, der diesen Ergebnis-Junk von den Leipziger Top-Flop-Markforschern präsentiert bekommt, fragen wird, wie dieser Ergebnis-Junk zustande gekommen ist. Alle werden sich auf die Ergebnisse stürzen, um mit diesen Ergebnissen die Ideologie durchzusetzen, die Bewertungen vorzunehmen, die Ratschläge zu geben, die sie sowieso geben wollten. Insofern ist der Trash, der hier geliefert wird, ärgerlich, aber nicht so ärgerlich wie die Tatsache, dass sich Top-Flop-Markforscher zu ideologischen Vasallen einer orwellesken Absicht machen, deren Ziel eindeutig darin besteht, von der Ausübung von Meinungsfreiheit im Internet abzuschrecken. 

Wer hier anfügt, dass derjenige, der nicht beleidigt, auch keine Angst vor Konsequenzen haben muss, möge sich die allgemeine Unsicherheit vor Augen führen, die schon, und zwar in voller Absicht, die Frage umrankt, was bitteschön als Hate Speech anzusehen ist. Die Unsicherheit darüber, ob sich die Schneeflocke gegenüber durch diese Bezeichnung beleidigt fühlt, und damit bestätigt, dass sie eine Schneeflocke ist und – in der Verlängerung darüber, ob es in Deutschland einen Richter gibt, der flockig genug ist, darin eine Beleidigung zu erkennen, reicht schon aus, um Meinungsäußerung im Internet vollständig zu zerstören. Und das ist wohl die Absicht, die mit solchen Ergebnissen legitimiert werden soll – Ergebnis 3:

Quelle

Man beachte, dass die Flopforscher aus Leipzig urplötzlich in der Lage sind, eine korrekte Likert-Skala zu bauen, man beachte zudem, was sie aus dem Ergebnis machen: 

“Eine weitere Folge ist, dass 43% der Bürgerinnen und Bürger härtere Strafen für Beleidigungen im Internet (im Vergleich zu persönlichen Beleidigungen) richtig finden.”

Das Zitat ist das einzige Ergebnis, das den Flop-Forschern aus Leipzig erwähnenswert erscheint. Dass 54%, also die Mehrheit, KEINE unterschiedliche Bestrafung für Beleidigung in Internet und in Persona wollen, wird nicht einmal der Vollständigkeit halber angefügt. Man muss wirklich nicht lange überlegen, welchen Auftrag die gdp-Top-Marktforscher aus Leipzig wohl zu erfüllen hatten.

Und wenn man dahingehend tatsächlich noch Zweifel haben sollte, dann reicht es, deren Fazit zu lesen.

Wir kommentieren in eckigen Klammern:

“Hate Speech im Netz ist als Thema sehr präsent in großen Teilen der Bevölkerung.” [Das ist eine reine Spekulation. Es wurde nicht gemessen.]

“Die zunehmende Aggressivität im Internet schafft ein Klima der Verunsicherung und Angst bei Bürgerinnen und
Bürgern und führt zu Einschränkungen von Meinungsäußerungen.” [Weder haben die Flop-Leipziger eine zunehmende Aggressivität gemessen noch ein “Klima der Verunsicherung” erforscht. Ob Bürger sich in Meinungsäußerungen einschränken, können die Flopper auch nicht sagen, denn ihre Frage hat zwei Stimuli und ist daher unbrauchbar.] 

[…]

“Das Gesetzespaket von Justizministerin Christine Lambrecht trifft mit seiner Zielsetzung den richtigen Nerv in der Bevölkerung und packt damit ein dringendes Problem an.” [Hatten Sie wirklich Zweifel daran, dass sich die Top-Marktforscher aus Leipzig rektal anbiedern werden? Wenn schon Prostitution dann richtig – oder?]

Dieser Junk hat uns dazu veranlasst, die Kategorie der “Junk-Studie” in Rektalforschung zu differenzieren – Top-Rektalforschung versteht sich.



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