Raucher-Kriminelle: Rauchen als abweichendes Verhalten

Umfasst die Freiheit von Menschen auch die Freiheit, sich mit einem bestimmten Verhalten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, selbst zu schädigen?

Die Antwort auf diese interessante Frage, fällt je nach Gegenstand unterschiedlich aus. Die vielen Gutmenschen, die sich so rührend und so mittelmäßig bezahlt um ihre Mitmenschen kümmern, ihnen das Trinken und das Rauchen madig und dass Essen von Chips vergällen wollen, sie bejahen die Intervention in Anderer Freiheit, wenn es um das für diese Menschen vermeintlich Beste geht. Dieselben Gutmenschen haben Probleme mit Quoten an Hochschulen für Kinder aus Arbeitnehmerhaushalten, um die soziale Schieflage, die vornehmlich Beamtenkinder und Kinder aus der prekären Mittelschicht studieren sieht, zu beseitigen. Und natürlich wird sich auch kein Gutmensch je die Freiheit nehmen, um eklatante Ungerechtigkeiten wie sie z.B. durch die öffentliche Finanzierung von Studienplätzen dann entstehen, wenn die armen Menschen aus der Unterschicht auch noch steuerlich gemolken werden, um die Studienplätze für die Kinder aus der Mittelschicht zu finanzieren, zu beseitigen.

Die Antwort auf die oben gestellte Frage, sie ist eine, die davon abhängt, welche Vorteile sich die Antwortgebenden selbst versprechen. Die Eingriffe in die Freiheit anderer sind deshalb immer da am heftigsten, wo man sich in Eintracht mit anderen gutmeinenden Egoisten befindet, die den Schutz Dritter vor deren Verhalten zu ihrem Verdienst- oder Unternehmensmodell gemacht haben.

Das ist so beim Trinken.
Das ist so wenn nicht gesittet im Restaurant, sondern mit Fingern bei McDonalds gegessen wird.
Das ist so, wenn zu viel vom Falschen, also Korn statt Prosecco getrunken wird.
Das ist so, wenn Menschen, die man zur Bewegung angehalten hat, sich falsch bewegen, also nunmehr in die Kneipe laufen, anstatt zu fahren oder im Wald zu rennen.
Das ist so, wenn geraucht wird.

Rauchen ist zum abweichenden Verhalten geworden.

Wer Filme aus den 1940er oder 1950er Jahren ansieht, dem muss die Normalität auffallen, mit der zur Zigarette gegriffen wird. Menschen in dieser Zeit waren frei, zu rauchen wie ein Schlot, die nächste mit der letzten Zigarette anzuzünden, im Auto, auf der Straße, in der Kneipe, in ihrer Wohnung, im Kino, im Theater, im Flugzeug zu rauchen. Rauchen war ein Ausdruck von Freiheit, eine Funktion, die es heute bestenfalls noch für Jugendliche erfüllt.

Heute ist Rauchen ein abweichendes Verhalten. Als abweichendes Verhalten ist eine Handlungsweise definiert, die vom normativen Konsens einer Gesellschaft abweicht. Früher war Homosexualität als deviant, als abweichendes Verhalten definiert. Darüber war sich die Mehrheit der Gesellschaft einig. Deviant war es, von anderen zu schmarotzen, Drogen zu nehmen, zu lügen und zu betrügen. Das verweist darauf, dass deviantes Verhalten eine Schnittstelle mit delinquentem Verhalten aufweist. Homosexualität war oftmals beides, deviant und delinquent.

Die Antwort auf die Frage, wo die Grenze zwischen deviantem Verhalten und delinquentem Verhalten verläuft, ist normalerweise das Ergebnis von Verhandlungen und Diskussionen innerhalb einer Gesellschaft. Normalerweise. Seit es Gutmenschen und u.a. ihre WeltGutmenschenOrganisation WHO gibt, ist dies jedoch anders. Seither werden Normen einfach gesetzt.

Organspende wird von Gutmenschen als wünschenswert angesehen, obwohl es eine seltsame Form des Recyclings ist und eigentlich ein Indikator für einen Markt der Ausbeutung, wenn Güter, die für Dritte einen Wert darstellen, an denen sie verdienen oder aus denen sie einen Vorteil beziehen, von denen, die sie bereitstellen, umsonst abgegeben werden müssen. Aber Gutmenschen-Organisationen versuchen dennoch, die Organspende zur Norm zu machen und nicht-Spender als deviant zu stigmatisieren.

Die Beispiele für die Versuche, bestimmte Verhaltensweisen zur Norm zu erklären und diejenigen, die sich anders verhalten, als deviant zu stigmatisieren, sie sind zahlreich. Sie ranken sich in der Regel um die Begriffe „sozial“, „gerecht“ und „gleich“. Sieht man sich als Empfänger, an den diese Begriffe gerichtet werden, dann ist immer Vorsicht geboten.

Und natürlich ist die Stigmatisierung eines Verhaltens als deviant die Vorstufe zur Kriminalisierung des entsprechenden Verhaltens. Diesen Prozess der Kriminalisierung kann man derzeit im Hinblick auf das Rauchen beobachten. Die Freiheit von einst ist zum fast schon delinquenten Verhalten geworden, die Grenze zur Kriminalität überschreitet der bereits, der in einer nicht zum Rauchen freigegebenen Zone oder in einem Ministerium zum Glimmstängel greift.

Leider müssen wir einmal mehr feststellen, dass diejenigen, die sich mit Methoden des Freiheitsentzugs für Dritte beschäftigen, in der institutionalisierten Wissenschaft zu finden sind. An der Vorderfront wenn es darum geht, freie Menschen zu bevormunden und ihr Verhalten zu stigmatisieren, finden sich regelmäßig Ärzte, denen es offensichtlich nicht genug ist, zu heilen. Sie wollen auch missionieren. Vielleicht wollen sie auch missionieren, weil das Heilen nur selten gelingt …

Wie dem auch sei. Die medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf vertreten durch Daniel Kotz, Melanie Böckmann und Sabrina Kastaun tut sich im Ärzteblatt vom 5. April 2018 mit einem Artikel hervor, der mit „Nutzung von Tabak und E-Zigaretten sowie Methoden zur Tabakentwöhnung in Deutschland“ überschrieben ist. Der Artikel ist das, was man früher als deskriptiven Beitrag bezeichnet hätte, der aber in seiner aktuellen Variante nicht ohne Wertung und nicht ohne Kniefall vor der Obrigkeit auskommt (soviel zur Unabhängigkeit der Wissenschaft).

Wir berichten mit Zwischenüberschriften (von uns):

Deviantes Verhalten:

„Immer noch greifen 25% der Bevölkerung über 15 Jahre zur Zigarette oder zu anderen Tabakprodukten“, so entrüsten sich die Autoren.

Gutmenschen-Allüren:

Vor allem „sozial schwächere Bevölkerungsgruppen“ rauchen häufiger und sind „weniger erfolgreich“ mit dem Versuch, sich das Rauchen abzugewöhnen. Die CareArbeit, sie macht erst richtig Spaß, wenn man sich nicht nur bevormundend, stigmatisierend und mit ausreichend Entrüstungspotential über das Verhalten Anderer echauffieren kann, sondern wenn diese Anderen einer sozialen Klasse zugeordnet werden können, die man unter sich wähnt. Da kommt Freude auf.

Kontrollfreude im O-Ton:

„Die WHO empfiehlt, das Rauchverhalten in der Bevölkerung zu überwachen“ (235). Und natürlich machen sich Kotz, Böckmann und Kastaun gerne zu Blockwarts, die das Überwachungsbedürfnis der WHO in die Tat umsetzen. Nicht nur, sind sie Gutmenschen, die sich über das Verhalten Dritter (das sie überhaupt nichts angeht) echauffieren, nicht nur laben sie sich an der Tatsache, dass sie diese devianten Anderen in einer sozialen Klasse unter der ihren verorten, nein, sie sind auch auf der Seite ihrer Obrigkeit.

Andienen bei der Obrigkeit:

Das wahre Gutmenschentum zeigt sich nicht nur darin, Andere zu stigmatisieren und denen, die man für die Obrigkeit hält, in den Allerwertesten zu kriechen, es zeigt sich auch darin, Gesetzesverschärfungen, Verbote zu fordern, Kriminalisierung durchzusetzen. So:

„Der Tabakkonsum resultiert unter anderem vermutlich aus einer unzureichenden Umsetzung von Tabakkontrollmaßnahmen in Deutschland. Deutschland ist beispielsweise das einzige EU-Land, in dem Außenwerbung für Tabakprodukte noch erlaubt ist. … Der Nichtraucherschutz in Deutschland ist noch vergleichsweise schlecht umgesetzt: So wurden etwa in Italien, Irland oder Finnland bereits Rauchverbote in Autos eingeführt, wenn Kinder mitfahren“ (239).

In Kurz: Wir wissen nichts Genaues, aber wir wollen verbieten. Man muss Gutmenschen langsam Einhalt gebieten, bevor sie die Welt in ein Gefängnis verwandelt haben.

Der Andien-Beitrag, den wir unter Legitimationsforschung ablegen, er wird seinen Niederschlag in den Medien der prekären Mittelschicht finden, denn dort sind diejenigen beschäftigt, die sich ihr karges Salär dadurch gutschreiben müssen, dass sie sich als den „sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen“ überlegen und normenkonform darstellen. Denn die WHO hat gesagt: Du sollst nicht rauchen. Also rauchen sie nicht.

Geschrieben wurde dieser Beitrag übrigens von einem Nichtraucher, der sich mit dem Gedanken trägt, aus Renitenz mit dem Rauchen zu beginnen, er ist alt genug, um mit den Folgen noch lange genug leben zu können.

Kotz, Danile, Böckmann, Melanie & Kastaun, Sabrina (2018). Nutzung von Tabak und E-Zigaretten sowie Methoden zur Tabakentwöhnung in Deutschland. Deutsches Ärzteblatt 115(14): 235-242.


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(Keine) Heimat: Die Sprachpolizei ist wieder aktiv

Fast hätten wir Anatol Stefanowitsch, den Professor für die “Struktur des heutigen Englisch” an der FU Berlin, der vornehmlich zu Fragen der „Struktur des heutigen Deutsch“ seinen Senf gibt, vergessen. Doch nun hat sich Stefonwitsch, bereits ein Vorkämpfer geschlechtergerechter deutscher Sprache, wieder in Erinnerung gebracht.

Der Begriff der Heimat, er passt ihm nicht.

Und weil ihm der Begriff nicht passt, weil er eine persönliche Abneigung gegen den Begriff hat, deshalb will er seine Benutzung im Politischen verbieten oder verhindern. Die Begründung dafür, warum er seine persönliche Vorliebe zur Pflicht für andere erklären will, kann man auf vier Sätze reduzieren.

  • Heimat sei ein Ort, mit dem sich positive affektive Konnotationen verbinden.
  • Heimat sei immer derselbe Ort.
  • Wer deshalb von einem Ort zum anderen wandere, sei nur Zuhause, aber nicht daheim.
  • Weil er nicht daheim sei, im Zuhause, deshalb sei er ausgeschlossen, diskriminiert, werde er zum Fremden und deshalb habe „Heimat in der Politik nichts zu suchen“, geht es doch, wie man folgern muss, für Stefanowitsch in der Politik darum, andere nicht zu Fremden zu machen, sie nicht auszuschließen.

Der alltägliche Totalitarismus, er hat Stefanowitsch in Beschlag genommen und davongetragen.

Um dies zu zeigen, muss man gar nicht darauf verweisen, dass manche Menschen ihre Heimat von Ort A nach Ort B verlagern, wir zum Beispiel, problemlos und falsifizierend für den Essentialismus, den Stefanowitsch mit dem Begriff verbindet. Es reicht, die unausgesprochenen Prämissen von Stefanowitsch ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Der Begriff „Heimat“, so lässt sich, was Stefanowitsch schreibt, verallgemeinern, beschreibt eine affektive Bindung an einen Ort.
Affektive Bindungen an z.B. die Heimat haben die Konsequenz, dass sie Dritte ausschließen, Dritte, die die affektive Bindung an, sagen wir: die Südpfalz, nicht teilen.
Sie, so folgert Stefanowitsch, werden ausgeschlossen, sie werden zu Fremden.
Die Politik müsse aber integrierend wirken und dürfe niemanden ausschließen (außer den AfD-Wählern und den AfD-Mitgliedern und den AfD-Sympathisanten und den AfD-Toleranten und den Rechten usw.), für den Stefanowitsch beschlossen hat, dass man ihn nicht ausschließen darf.

Ich Anatol, Professor und Gott …

Nähme man ernst, was Stefanowitsch allen Ernstes in die Tageszeitung geschrieben hat, dann wären die Folgen für die Politik unübersehbar.
Denn es ist nicht einzusehen, dass nur ein Stefanowitsch das Recht haben soll, seine persönlichen Vorlieben für andere zur Verbindlichkeit zu erklären.
Affektive Bindungen, die per definitionem diskriminierend sind, gibt es nicht nur mit Bezug auf Heimat. Es gibt sie in so vielen Formen, dass für die Politik kein Gegenstand mehr übrig bleibt.

Eine Beziehung ist eine affektive Bindung, die alle-1 ausschließt. Eine schlimmere Form der Diskriminierung und der Schaffung von Fremden kann man sich kaum vorstellen. Entsprechend hätte alles, was mit Beziehung und Familie zu tun hat, aus der Politik zu verschwinden, ginge es nach Stefanowitsch.

Affektive Bindungen kann man nicht nur zu Orten oder anderen Menschen aufbauen, man kann sie auch mit Bezug auf Ideen, Einstellungen, Überzeugungen etablieren. Manche sind z.B. in affektiver Bindung mit ihrer sexuellen Orientierung, sehen ihre LSBTusw. als Definiendum des eigenen Seins. Damit schließen sie alle Heterosexuellen aus, machen sie zu Fremden, spalten die Gesellschaft. Auch LSBTusw. haben, nähme man Stefanowitsch ernst, in der Politik nichts zu suchen.

Dasselbe gilt für Gender Mainstreaming, das für viele Feministen zum affektiven Lebensinhalt geworden ist. Es schließt Männer aus und hat nach Stefanowitsch in der Politik nichts zu suchen.

Die Liste der Gegenstände affektiver Bindung, die nach Stefanowitsch nichts in der Politik zu suchen haben, sie ist unüberschaubar:

  • Umwelt-/Klimaschutz;
  • Windräder und andere unzuverlässige Energieformen;
  • Kampf gegen Rechtsextremismus;
  • Anti-Kapitalismus;
  • Die Düngemittelverordnung;
  • Arbeitslosengeld;
  • Hilfe für Flüchtlinge;
  • Anti-Rassismus;
  • Frauenquote;
  • Soziale Dienste;
  • Caritas;
  • Das Jugendamt;
  • Geschlechtergerechte Toiletten;
  • Kindergeld;
  • Bundeswehr;
  • Demokratieerziehung;
  • Parteienfinanzierung;
  • Strafgesetze;

Es gibt kaum einen Gegenstand des Politischen, an dem keine affektiven Bindungen beteiligt sind und der nicht diskriminierend wirkt, der nicht die Gesellschaft in Befürworter und Gegner, in Begünstigte und Nettozahler usw. unterteilt. Das genau ist nämlich der Gegenstand des Politischen, Dinge, die diskriminieren auf dem freien Markt der Ideen und ohne totalitäre Eingriffe zu diskutieren und zu Entscheidungen darüber zu kommen, wer durch Entscheidungen besser, wer schlechter gestellt werden soll.

Das nennt man auch Demokratie. Zur Erinnerung: Eine Demokratie lebt davon, dass ein Wettbewerb zwischen Ideen stattfindet, ein Wettbewerb, der es den Marktteilnehmern ermöglich, sich für eine Idee zu entscheiden. Welche Idee letztlich das Rennen macht, ist eine Entscheidung der Mehrheit und eine Frage der Fähigkeit von Ideen, sich an die Bedingungen der Zeit anzupassen. Um einen Wettbewerb der Ideen gewährleisten zu können, muss der Zugang zum Markt der Demokratie unbeschränkt sein und jedem, sei seine Idee auch noch so schräg, offen stehen. Weil dem so ist, muss man Leute wie Stefanowitsch, den den Zugang zum Markt der Demokratie nach ihren eigenen Vorlieben gestalten und mit Schranken und Privilegien versehen wollen, als Feinde der Demokratie ansehen, die ihre totalitären Phantasien auszuleben versuchen.

Deshalb wäre es in einer demokratischen Gesellschaft so, dass es Anbieter im Markt des Politischen gibt, die mit Begriffen wie “Heimat” werben und den entsprechenden Nachfragern eine – wenn man so will: politische Heimat bieten. Andere, die mit Heimat eher nichts anfangen können, könnten ihre politische Heimat bei anderen politischen Anbietern suchen. And never the twain shall meet. Leute wie Stefanowitsch, die in einem Schwung Angebot und Nachfrage verbieten wollen, sind somit keine Demokraten. Sie sind totalitär, auf Kontrolle des Marktes und auf die Bevormundung derer ausgerichtet, die sie für Fremde halten, die ihnen Angst machen, die ihnen zeigen, dass es Gruppen gibt, zu denen sie nicht gehören. Und genau das, nicht dazu zu gehören, dass können die Stefanowitschs dieser Welt nicht aushalten. Deshalb wollen sie verbieten, was sie ausschließt und zeigen damit aller Welt, wie schwach, wie ängstlich sie sind oder, je nach Gewichtung, wie viele Sprünge sie in der Schüssel haben, wenn sie bereits mit Begriffen ins Bockshorn zu jagen sind. Sie sind offensichtlich nicht geeignet, um in einer Freien Gesellschaft, in einer Gesellschaft offener politischer Märkte zu leben. Nach dem Ende der Sowjetunion, dem Ruin des Arbeiter- und Bauernstaates bleiben fast nur Nordkorea und Venezuela als Zuflucht für diejenigen, die keine Freiheit, vor allem dann, wenn andere sie nutzen, ertragen können.

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Feminisierung der Politik: Aufschwung für Paternalismus – Abschwung für Freiheit

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Politiker nach dem 2. Weltkrieg entdeckt haben, dass Bürger prinzipiell Unfähige sind, denen Politiker das richtige Leben beibringen müssen?

lebensrisikoMan muss sie bereits im Kindergarten vom Rechtsextremismus entwöhnen, in der Schule an die Homosexualität gewöhnen, ihnen den richtigen Beruf suchen, sie nach Geschlecht und sexueller Orientierung steuern, damit sie nicht aus Versehen die falsche Toilette aufsuchen. Sie brauchen Unterstützung in Arbeitslosigkeit, man muss ihnen beibringen, was sie essen und trinken und was sie nicht essen und trinken sollen. Rauchen muss man ihnen abgewöhnen, Zucker vorenthalten, die Fetten zum Dauerlauf abordnen und die Schlanken zur stetigen Fitness ermahnen. Zur Investition in staatliche Kassen muss man sie verpflichten, nur um ihretwillen versteht sich, die zusätzliche Alterssicherung ihnen förmlich aufzwingen, sie von der Wiege bis zur Bahre begleiten, damit sie nicht aus dem vorgesehenen Mainstream herausfallen.

Nun, wir haben uns diese Lust an der Bevormundung, am Paternalismus und der Übernahme von Verantwortung für Hinz und Kunz zu erklären versucht. Z.B. damit, haben wir sie zu erklären versucht, dass Politikern kaum etwas an Möglichkeit bleibt, sich zu profilieren. Von Wirtschaft verstehen sie nichts. Politik macht das Bundesverfassungsgericht. Krieg und Verteidigung sind schlecht angesehen und Umweltschutz hat sich verbraucht, es sei denn, man kann Packungsgrößen verordnen und Bürgern den richtigen Umgang mit Müll beibringen. Alle Wege der Selbstwirksamkeit von Politikern scheinen auf die Bevormundung ihrer Bürger hinauszulaufen. Ist die Bevormundung, der Paternalismus somit der Kern aller Politik?`

Offensichtlich nicht. Früher gab es andere politische Inhalte, Gestaltungsspielräume, Visionen, selbst umgesetzte Visionen wie die von Wilhelm Marx, der dachte, man könne Deutschland, die Weimarer Republik, wie man damals gesagt hat, zu einem prosperierenden und friedlichen Land machen: Vom 30. November 1923 bis zum 29. Juni 1928, mit einer kurzen Unterbrechung, hielt die Vision.

Wenn es also früher Politiker gab, die gestaltet haben, Politiker, die Entscheidungen getroffen hatten, die nicht die Menge von Softdrinks, die ein Bürger ungestraft zu sich nehmen darf, zum Gegenstand hatten, dann stellt sich die Frage, wo dieser politische Hang zum Bevormunden, zu Paternalisierung, zum Bemuttern heute herkommt.

Bemuttern, das ist es, das ist der Durchbruch!

Mit der Zunahme des Bemutterns, geht eine Zunahme der weiblichen Politiker, eine Feminisierung der Politik einher. Wie ein Virus greift das Bemuttern um sich, erfasst selbst biologisch der männlichen Seite der Geschlechtsverteilung Zuzuordnende und feiert täglich neue Feste in Abstrusität.

Die Hypothese, dass die Zunahme an Bevormundung und Paternalismus tatsächlich eine Zunahme von Bemutterung ist, die durch den weiblichen Zulauf in die Reihen der Politiker ausgelöst wurde (und durch die Tatsache, dass Politiker kein Ausbildungsberuf ist, sondern allen und somit auch im wirklichen Leben gescheiterten Existenzen offensteht, befördert wird), wir stellen sie hiermit in den Raum und unterfüttern sie damit, dass die Verbindung zwischen weiblichem Busybody und Bemutterung bzw. Bevormundung der Umgebung ein Phänomen ist, das sich in der Weltliteratur regelmäßig und wiederkehrend findet, z.B. in Gestalt von Mrs. Jellyby, einem “telescopic philanthropist” aus Charles Dickens’ Bleak House.

Der weibliche Busybody, der Bevormunder und Paternalist, dessen Lebenszweck darin besteht, andere zu bemuttern, ob sie es nun wollen oder nicht, er findet sich auch bei Agatha Christie und hier in Reinkultur:

Halloween Party“All these things – women’s institutes and teas and various societies and all the rest of it. Runs a lot of things, she does. Runs a bit too many for some people. Bossy, you know. Bossy and interfering, some people say. But the vicar relies on her. She starts things. Women’s activities and all the rest of it. Gets up tours and outings. Ah yes. Often thought myself, though I wouldn’t like to say it to my wife, that all these good works that ladies does, doesn’t make you any fonder of the ladies themselves. Always know best, they do. Always telling you what you should do and what you shouldn’t do. No freedom. Not much freedom anywhere nowadays. (Agatha Christie, 2001, Hallowe’en Party, S.210).

Die Hypothese, sie steht zur Prüfung bereit:

Der Rückgang der Freiheit, die Zunahme des Paternalismus, die Bevormundung der Bürger durch Politiker, sie ist eine Folge der Feminisierung der Politik, der steigenden Anzahl weiblicher Politiker.

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