Aufstand der Realitätsverweigerer: Peter Tauber und der Minijob- Shitstorm

„Wenn Sie etwas [O]rdentliches gelernt haben, dann brauchen Sie kein drei Minijobs“.

Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, hat den Stein des Anstoßes gezwitschert und der Gutmenschen-Lynchmob er hat nicht lange auf sich warten lassen. Vor allem der Tagesschau ist der Shitstorm, den Tauber geerntet hat, einen Beitrag wert. Wen wundert’s.

“Nicht nur Minijobber fühlten sich dadurch angegriffen. Zahlreiche kritische Antworten folgten auf den Tweet. “Es gibt Leute, die ohne ‘Ausbildung’ gute Arbeit finden und behalten. Und was ‘Ordentliches’ schützt nicht vor Minijobs”, meinte ein Nutzer etwa. Auch die politische Konkurrenz griff das Thema rasch auf. “Da weiß man eben, was man kriegt, wenn man CDU wählt: Menschenverachtung und Abgehobenheit”, schrieb der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat auf Twitter. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann kommentierte knapp: “Und wer keinen Anstand gelernt hat, wird CDU-Generalsekretär.”

Nur: Peter Tauber hat Recht!

Der Zusammenhang zwischen einer höheren Bildung und einem höheren Einkommen ist stabil, wird von Sozialwissenschaftlern seit Jahrzehnten nachgewiesen, und zwar seit er 1961 von Theodore Schultz erstmals argumentiert und empirisch mit Daten belegt wurde. Sein Argument geht vom Konzept des Humankapitals aus: Wer mehr Humankapital hat, der ist im Hinblick auf das Einkommen, das er erwirtschaftet, erfolgreicher als derjenige, der vergleichsweise wenig davon hat. Humankapital wird heute von vielen auf den Erwerb eines Bildungstitel verkürzt. Meint aber weit mehr als ein Bildungszertifikat. Der Zusammenhang zwischen Humankapital und Höhe des Einkommens besteht auf der Ebene eines Aggregats von Personen.

Für alle Mitglieder dieses Aggregats, z.B. der deutschen Gesellschaft gilt, dass ihre Wahrscheinlichkeit, ein hohes Einkommen zu erzielen, mit dem Humankapital, das sie akkumuliert haben, wächst.

Aber: Alle bedeutet nicht jeder.

Trotz des Zusammenhangs auf der Aggregatebene, gibt es Leute, die mit Blick auf ihr Humankapital weniger Einkommen erwirtschaften als der generelle Zusammenhang erwarten ließe. Hier kommen dann individuelle Motive, Motivationen und Einstellungen ins Spiel und die berühmten singulären Es-gibt-Sätze: Es gibt Menschen, die beziehen lieber Hartz IV, als dass sie arbeiten. Es gibt Menschen, die machen Minijobs, weil sie lieber wenig als viel arbeiten. Es gibt Menschen, die machen Minijobs, weil sie nichts anderes bekommen oder sie beziehen Hartz-IV. Für diese zuletzt genannte Gruppe kann man wieder einen All-Satz formulieren, denn die Wahrscheinlichkeit, auf Minijobs reduziert zu sein oder keinen Fuß auf den Arbeitsmarkt zu bekommen, ist für diejenigen am höchsten, die über wenig Humankapital verfügen.

Das kann man jetzt bedauern.

Man kann es negativ bewerten.

Man kann rot anlaufen und mit den Füßen aufstampfen.

Aber das ändert nichts daran, dass ein Zusammenhang zwischen Minijobs, Hartz-IV auf der einen und einem geringen Humankapital auf der anderen Seite besteht.

Und weil alle nicht jeder ist, gibt es – um es noch einmal zu wiederholen – auch diejenigen, die obwohl sie mit ihrem Humankapital einen guten Job erhalten könnten, einen solchen nicht anstreben – aus welchen Gründen auch immer.

Die Welt, die Motive von Menschen, die Gründe, nicht am Arbeitsmarkt teilzunehmen, sie sind vielfältig. Dass ausgerechnet Linke das nicht verstehen, die sich doch so gerne zu Experten für Diversität aufblasen, ist erstaunlich.

Nun hat Peter Tauber in seinem Tweet ein Einfallstor für den Gutmenschen-Lynchmob geliefert. Er hat von „etwas Ordentlichem“, das man gelernt haben müsse, als Voraussetzung für das Vermeiden von drei Minijobs gesprochen.

Wie haben „ordentlich Gelerntes“ wissenschaftlich und somit deskriptiv operationalisiert, über Humankapital, also Bildungszertifikat plus Erfahrung plus Motivation plus Fähigkeiten usw.

Aber „odentlich“ hat auch eine normative Konnotation. Deshalb können Linke wie Niema Movassat und Thomas Oppermann sich an der Aussage von Tauber festbeißen. Sie haben zwar keinerlei Ahnung davon, was unter „ordentlich“ fällt, nutzen aber den normativen Gehalt für ihre Zwecke aus, jenen Gehalt, der ordentlich als menschliche Grundfähigkeit auszeichnet. Wie so oft, wenn Normen ins Spiel kommen, sind die Bewertungen darüber, was ordentlich im täglichen Leben ausmacht, unterschiedlich.

Für Thomas Oppermann, der in diesem Zusammenhang von Anstand schreibt, liegt „Ordentlichkeit“ offensichtlich dann vor, wenn man Fakten verschweigt. Dass es einen Zusammenhang zwischen Humankapital als Indikator für eine ordentliche Ausbildung (etwas Ordentliches gelernt haben) und Einkommen gibt, ist ein Faktum. Wenn Tauber dieses Faktum ausspricht und Oppermann dies als gegen den (sozialdemokratischen) Anstand verstoßend auffasst, dann muss man daraus schließen, dass (sozialdemokratischer) Anstand darin besteht, die Wahrheit zu verschweigen und vielleicht sogar Lügen zu erzählen. Letzteres müsste indes noch als Hypothese geprüft werden.

Für Niema Movassat, der im Zusammenhang mit dem Tweet von Tauber von Menschenverachtung und Abgehobenheit spricht, gilt tendenziell dasselbe, wobei Menschenverachtung nach unserer Ansicht eher dann gegeben wäre, wenn man Menschen, jungen Menschen erzählte, ob sie im späteren Leben erfolgreich sind und ein hohes Einkommen erzielen können, sei nicht von ihrer Ausbildung abhängig. Movassat scheint nahelegen zu wollen, dass dem so sei, was wohl seiner Abgehobenheit als Abgeordneter, der vom Studium direkt in die Politik gewechselt ist und entsprechend keinerlei Erfahrungen mit einer richtigen – oder “ordentlichen” Arbeit ins Feld führen kann, geschuldet ist.

Letztlich dreht sich der ganze Streit darum, was unter „etwas Ordentliches lernen“ zu verstehen ist. Wenn man wie wir, etwas Ordentliches lernen als etwas operationalisiert, das einen gesellschaftlichen Nutzen erbringt, einen Mehrwert produziert, dann kommt man z.B. zu der folgenden Liste von Berufen, die man als ordentliche Berufe, die nach aller Erfahrung kein Hartz-IV und keinen Minijob nach sich ziehen, bezeichnen kann:

Maurer, Klempner, Dachdecker, Chemie-Facharbeiter, Dreher, Software-Entwickler, IT-Spezialist, Ingenieur, Architekt, Fernfahrer, Zugführer, Arzt, usw.

Wir kommen zu einer zweiten Liste von Berufen, von denen man sagen muss, dass sie sich als ordentlich oder unordentlich qualifizieren können. Das liegt vor allem daran, dass in modernen Gesellschaften die Verwaltung in einer Weise aufgebläht wurde, die an die Endphase sozialistischer Plansysteme erinnert, als ein Sack Zement auf fünf Träger verteilt werden mußte. Und es gibt die Berufe, die systematisch durch das Senken von Ansprüche entwertet wurden, ein Phänomen, das unter dem Begriff der Gleichstellung gefasst wird.

Manager, Mitarbeiter der Verwaltung, Sozialarbeiter, Lehrer, Hochschuldozenten, Rechtsanwälte, Psychologen, Politiker, usw.

Schließlich gibt es die Liste derer, die nach aller Wahrscheinlichkeit auf Minijobs oder Hartz-IV verwiesen werden, weil sie auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht gebraucht werden (eine Aussage, die nach Ansicht von Oppermann und Movasaat, anstandslos, menschenverachtend und abgehoben ist. Beide machen Menschen lieber vor, dass sie auch ohne Ausbildung und Arbeit  zum Milliardär werden können. Abermals ist die letzte Aussage eine Zusammenhangsaussage. Sicher gibt es den einen Milliardär, der keine Ausbildung hat. Ihm stehen aber die Millionen gegenüber, die keine Ausbildung haben und kein Milliardär sind.) Die Liste kann über die folgenden Kriterien gefüllt werden:

Kein Schulabschluss, keine Ausbildung, keine abgeschlossene Lehre, Studium von Gender Studies oder sonstiger nutzloser Hochschulangebote, keine Motivation, zu arbeiten (früher. Faulenzer, soll es auch heute noch geben), politische Aktivisten der Antifa, die wochenlang Demonstrations-Urlaub z.B. in Hamburg und auf Kosten von Steuerzahlern machen können usw.

Letztlich wäre nach dieser deskriptiven Vorgehensweise die letzte Gruppe als das zu beschreiben, was Karl Marx in der ihm zeitweise eigenen Derbheit als Lumpenproletariat bezeichnet hat. Wenn man Peter Tauber und seinem Gezwitscher also etwas vorwerfen kann, dann dass er sich in einer ideologischen Nähe zu Karl Marx befindet, die einem Generalsekretär der CDU nicht ziemlich ist.

P.S.

Schade, dass Tauber nun zurückrudert und es bedauert, dass er manche verletzt haben könnte, weil er “so blöd formuliert” habe. Als Politiker kann man es nicht allen Recht machen. Man muss Rückgrat beweisen und zu dem stehen, was man für richtig hält. In Taubers Fall wäre das, wozu der Politiker Tauber steht, einmal etwas, was faktisch korrekt ist. Hier vor Netzwerk-Hysterikern zu kuschen, ist in jedem Fall unwürdig.

Anregungen? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Bildungspolitischer Sprengstoff aus dem IAB: Bachelorstudium lohnt sich nur für bestimmte Berufe

Die Bildungsrendite, die mit einem Studium verbunden ist, ist eine Frage, deren Antwort unter Wissenschaftlern umstritten ist und folglich unterschiedlich beantwortet wird. Immerhin bedeutet ein Studium einen verzögerten Berufseinstieg, auf einem Bildungsniveau, zu dessen Erreichung hohe gesellschaftliche Kosten entstanden sind (auch wenn Linke das gerne glauben wollen, man kann nicht umsonst studieren). Ob und wenn ja in welcher Höhe eine Rendite mit einer Ausbildung an einer Hochschule einhergeht, ist entsprechend eine Frage der Operationalisierung. Betrachtet man nur das individuelle Einkommen, dann führen höhere Investitionen in die eigene Ausbildung in der Regel zu einem höheren Einkommen, haben entsprechend eine positive Bildungsrendite zur Folge. Betrachtet man zusätzlich das Risiko, arbeitslos zu werden, die Kosten für Arbeitslosigkeit, die Kosten für die jeweiligen Ausbildungen und berechnet eine gesamtgesellschaftliche Bildungsrendite, dann sieht das Ergebnis oft anders aus, dann muss häufig festgestellt werden, dass der Aufwand und die Kosten für eine höhere Bildung nicht mit dem entsprechenden gesellschaftlichen und individuellen Nutzen verbunden sind.

Das IAB, d.h. Bernhard Christoph, Ute Leber und Heiko Stüber haben im aktuellen IAB-Kurzbericht die Ergebnisse einer Analyse veröffentlicht, die auf den Daten der Beschäftigtenhistorik (BeH) beruht. Die Beschäftigtenhistorik erfasst alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Analyse der drei Autoren aus dem IAB kommt somit einer Vollerhebung sehr nahe.

Im Ergebnis zeigt die Analyse nach Ansicht der drei Autoren, dass sich ein Bachelorstudium erst langfristig rechnet, denn das „Einstiegsgehalt von 25jährigen Bachelorabsolventen ist vergleichbar mit dem von gleichaltrigen Personen mit einem beruflichen Fortbildungsabschluss, etwa einem Meister oder Techniker, Master- bzw. Diplomabsolventen hingegen erzielen etwas höhere Einkommen“.

Das ist die wohlwollende Interpretation der Ergebnisse, schließlich ist die Einführung von Bachelorabschlüssen eine politische Entscheidung im Rahmen des Bologna-Prozesses gewesen, und der Dienstherr des IAB ist ein Minister in Bonn, den man besser nicht mit den Fakten direkt verärgert. Die Fakten finden sich entsprechend versteckt im hinteren Teil des Beitrags, weitgehend unkommentiert in Tabelle 2.

Wie die Tabelle sehr deutlich zeigt, lohnt sich ein Bachelorstudium für soziale, sozialwissenschaftliche oder kulturelle Dienstleistungsberufe überhaupt nicht, auch (betriebs)wirtschaftswissenschaftliche Ausbildungen lohnen sich weder kurz- noch langfristig, werfen also keinerlei positive Bildungsrendite ab, weder für die Studenten noch für die Gesellschaft. Das Gehalt ersterer entspricht dem oder bleibt hinter dem Gehalt eines Facharbeiters, Meister oder Angestellten ohne Studium mit vergleichbarem Arbeitsplatz, den gesellschaftlichen Kosten des Studiums dürfte kein entsprechender Nutzen gegenüberstehen.

Das ist, in einer Gesellschaft, in der ein Hochschulstudium ohnehin weitgehend zu einem symbolischen Wert, einem Statusobjekt geworden ist, bildungspolitischer Sprengstoff.

Anregungen? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Ungerechtigkeit in Deutschland – Der neue Klassenkampf

Gestern haben wir dargelegt, dass sich westliche Parteiensysteme derzeit wandeln. Es gibt eine neue Konfliktlinie, die zwischen denen verläuft, die Mehrwert produzieren und denen, die den produzierten Mehrwert verbrauchen. Um die Dimensionen dieser neuen Konfliktlinie, die man pointiert auch als neuen Klassenkampf zwischen Produktivkräften und der unproduktiven Mittelschicht bezeichnen könnte, deutlich zu machen, bringen wir in losen Abständen Beispiele für den neuen Gerechtigkeitskonflikt, der sich nicht nur in Deutschland findet.

Beginnen wir heute mit Andreas Büttner, einem Gas- und Wasserinstallateur in Berlin, dessen Namen wir erfunden haben. Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, sie dauert dreieinhalb Jahre. Die nachfolgende Tätigkeit ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, denn niemand will, dass ihm die neu installierte Heizungsanlage um die Ohren fliegt. Gleichzeitig ist der Nutzen der Ausbildung zum Anlagenmechaniker schnell zu sehen und zu spüren, vor allem im Winter.

Ein Gas- und Wasserinstallateur, der eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker hinter sich gebracht hat, verdient im Durchschnitt 2.480 Euro. Davon bleiben ihm nach Abzug von Steuern und Abgaben 1.641,45 Euro (Unser Anlagenmechaniker ist 31 Jahre alt und ledig). Rund 840 Euro werden Büttner abgezogen: 232 Euro Rentenversicherung, von denen er im Alter wenig haben wird (weil die Rentenversicherung eine negative Rendite für ihn erwirtschaftet), 209 Euro Krankenversicherung, mit denen er u.a. die Mitversicherung von Müttern und Kindern finanziert, und 308 Euro Lohnsteuer, die genutzt werden, um staatliche Bedienstete zu finanzieren.

Fritz Markus (fiktiver Name) ist ein solcher staatlicher Bediensteter. Er ist Hochschulabsolvent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Berliner Hochschule und verdient als lediger, 31-Jähriger rund 3.243,92 Euro brutto. Davon bleiben ihm nach Abzug der Steuern 1.971,79 Euro netto. Markus, der Hochschuldozent, verdient 331 Euro und somit 20% mehr als der Gas- und Wasserinstallateur Büttner, von dem wir bereits wissen, welcher Nutzen durch seine Tätigkeit entsteht.

Welcher Nutzen entsteht nun durch die Tätigkeit von Markus der an seiner Hochschule Seminare wie das folgende, bei dem es sich um ein Seminar handelt, das tatsächlich stattgefunden hat, hält?

weisse maenner“Die Geschichte der europäischen Ideen wurde von weißen Männern geschrieben. In ihr drückt sich nicht nur eine Abwertung und die Rechtfertigung der Unterdrückung von Frauen und Nichteuropäer*innen aus, sondern vor allem auch ein spezifisches Selbstbild, das untrennbar mit dem jeweiligen Begriff von Politik und Wissenschaft verbunden ist; der europäische Mann versteht sich als Einziger, der zu beidem wirklich fähig ist. So scheinen Politik und Wissenschaft wie für den europäischen Mann gemacht – und umgekehrt. Das Bild, das weiße Männer von sich selber gezeichnet haben, diente somit immer der Legitimation ihrer Herrschaft, von der Antike bis heute. Eine besondere Wendung erfuhr es während der Aufklärung: hier entwickelte sich die Vorstellung bürgerlicher autonomer Subjektivität, welche in ihrer Abstraktheit zunächst sowohl universell wie auch geschlechtslos erscheint. Die in der modernen Subjektvorstellung enthaltene männliche und weiße Norm bleibt durch diesen Schein verdeckt und unthematisiert – vielfach noch heute. Das Seminar will diese unsichtbare Norm europäischer Männlichkeit zum Thema machen. Dazu sollen ideengeschichtliche Texte von Platon bis Nietzsche auf die in ihnen enthaltenen Männlichkeits- und Europakonstruktionen hin gelesen und befragt werden, um die Wandlungen und Kontinuitäten dieser Selbstbilder herauszuarbeiten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Epoche der Aufklärung. Ebenso sollen auch postkoloniale und feministische Kritiken dieser Vorstellungen behandelt werden. Ein gleichzeitiger oder bereits abgeschlossener Besuch der Vorlesung ‚Politische Ideengeschichte’ wird für eine gewinnbringende Teilnahme am Seminar empfohlen.”

Nach der Diktion, die sich unter Ideologen an Hochschulen durchgesetzt hat, handelt es sich bei Gas- und Wasserinstallateur Büttner um einen Bildungsfernen, denn er hat lediglich den Abschluss einer Hauptschule vorzuweisen. Dagegen ist Markus ein Bildungsnaher, der von Hochschulen aus eine intellektuelle Überlegenheit gegenüber Bürgern wie Büttner, die, wenn sie aus deren Sicht falsch wählen von akademisierten Beleidigern, zu Wutbürgern oder bösartigen Kleinbürgern erklärt werden, empfindet.

Wer von beiden, Büttner oder Markus produziert einen größeren gesellschaftlichen Nutzen? Wer von beiden wäre verzichtbar? Wer von beiden hat eigentlich keinerlei Grund, auf den jeweils anderen herunterzuschauen? Und wer von beiden, lebt prekär? Das sind Fragen an unsere Leser und Fragen, die sich auf den Gerechtigkeitskonflikt, der die Basis des neuen Klassenkampfes ist, beziehen.

Der neue Klassenkampf, er kann am Beispiel von Büttner und Markus personifiziert werden, denn Ersterer verdient nicht nur weniger als Letzterer, er zahlt auch Steuern, die genutzt werden, um Letzteren zu finanzieren. Der Nutzen der geringer entgoltenen Tätigkeit von Büttner ist – gemessen an allen denkbaren Größen – größer als der Nutzen der Tätigkeit von Markus. Dennoch wird das höhere Gehalt von Letzterem über die Steuern von Ersterem finanziert. Ist das gerecht? Deshalb gibt es einen neuen Klassenkampf in Deutschland, der sich in den letzten Wahlergebnissen niedergeschlagen hat.

Die Einkommensdaten stammen von Lohnspiegel.de bzw. aus den Gehaltstabellen für den öffentlichen Dienst des Landes Berlin.


Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns

ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung
durch eine Spende (via Paypal) durch eine Spende (via Banküberweisung) als ScienceFiles-Clubmitglied
  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

Lebenslanges Lernen und lebenslange Steuern: Die Systematik hinter der sozialen Ungleichheit

Im Jahre 2000 hat die Europäische Union im Rahmen ihrer Lissabon-Strategie das “Lebenslange Lernen” als Möglichkeit entdeckt, um rund 7 Milliarden Euro über den Zeitraum von 2007 bis 2013 den Bereitstellern von Bildung aller Art zukommen zu lassen. Mittlerweile ist die Lissabon-Strategie von 2000 zur Strategie “Europa 2020” mutiert, einer Strategie für ein “intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum”. Hinter den wohlklingenden Worten, die Zustimmung erheischen sollen, verstecken sich z.B. beim “intelligenten Wachstum” so unglaublich innovative Ziele wie, die Verringerung der Schulabbrecherquote auf unter 10% und die Steigerung des Anteils der 30- bis 34-Jährigen mit Hochschulbildung (oder gleichwertige Bildung) auf mindestens 40%.

Sind die Ziel erst einmal definiert und finanzielle Mittel in großem Ausmaß bereitgestellt, dann läuft die Verwaltungsmaschinerie wie geschmiert. Auch die Bundsregierung will beim Lebenslangen Lernen nicht zuschauen und hat deshalb am 23. April 2008 beschlossen, wie das “Lernen im Lebenslauf”, wie es nun heißt, für andere auszusehen hat. Lernem im Lebenslauf hat “lebensbegleitendes Lernen” zu sein, damit die Ressource “Bildung” “stärker für wirtschaftliche Dynamik und [immerhin auch] persönliche Aufstiegschancen” erschlossen werden kann. Die vielen Worte, mit denen “Lernen im Lebenslauf” in offizieller Diktion beschrieben wird, laufen weitgehend auf die Ziele hinaus, die die EU vorgegeben hat, z.B. wenn verkündet wird, dass eine Erleichterung des Übergangs von der Schule in die Hochschule erfolgen soll und der Zugang zu Bildung generell erleichtert werden soll.

Und dann, ganz unvermittelt, so als hätte es jemand eingeschmuggelt, findet sich unter den Zielen der “Konzeption für das Lernen im Lebenslauf” das folgende: “die Motivation zur Bildungsaktivität stärken”. Nun, streifen wir doch ein wenig auf dem von der Bundesregierung betretenen Pfad der Motivation zur Bildung, und zwar zunächst mit dem, was in Deutschland von manchen als “Unwort des Jahres” beschrieben wurde: dem Humankapital. Der Begriff des Humankapitals bezeichnet nämlich genau das, was sich Bundesregierung und EU abmühen, neu zu erfinden: Die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Bildung, die sich ein Akteur im Laufe seines Lebens aneignet. Kurz: So neu, wie die EU und die Bundesregierung tun, ist das Lebenslange Lernen nicht; Ich wette, bereits die Neanderthaler waren in der Lage, selbst im fortgeschrittenen Alter von, sagen wir 36 (wahrscheinlich schon ein biblisches Alter für einen Neandertaler), zu lernen, dass die Beerenbüsche von Jahr zu Jahr weniger Beeren tragen und die Fische im Fluss nach Süden gewandert sind, und ich wette, sie haben sich den veränderten Lebensbedingungen angepasst, d.h. sie haben gelernt.

Aber gut, die von EU-Kommission und Bundesregierung favorisierten Inhalte des “Lebenslangen Lernens” betreffen natürlich keine Migrationsentscheidungen, wie im Beispiel der Neandertaler, die wie die Bremer Stadtmusikanten nach dem besseren Leben suchten, nein, das Lebenslange Lernen der EU-Kommission ist bekanntlich “intelligent” und das “Lernen im Lebenslauf” der Bundesregierung eine Ressource für wirtschaftiche Dynamik. In Kurz: Wer dies liest hat sich gefälligst um ein weiteres Bildungszertifikat zu bemühen: Realschulabschluss, Abitur, Studium, MA, BA, Dipl. anything will do, so lange es den Eindruck vermittelt, dass damit eine höhere Bildung einhergeht. Dass ein Bildungszertifikat nicht notwendiger Weise bedeutet, dass der Inhaber des Zertifikats auch die durchschnittliche Bildung hat, die man mit den entsprechenden Zertifikatsinhabern verbindet, scheint der EU-Kommission ebenso unvorstellbar zu sein wie der Bundesregierung, aber ich will das hier nicht weiter ausbreiten. Statt dessen will ich die Frage der Motivation betrachten, die ja – auf welch verschlungenen Pfaden auch immer – Eingang in das Konzept des “Lernens im Lebenslauf” der Bundesregierung gefunden hat.

Die Frage der Motivation, “warum soll ich mich als 33jähriger im Abendgymnasium nachqualifizieren?”, führt unweigerlich zum oben genannten Konzept des Humankapitals, wie es Ökonomen seit den 1960er Jahren (angefangen damit haben u.a. Theodore W. Schultz und Gary S. Becker) vertreten. Humankapital, definiert als Fähigkeiten und Fertigkeiten und auch als Besitz von Bildungszertifikaten (und hoffentlich Bildung) ist das Ergebnis von Bildungsinvestitionen. Dass man nicht einfach als Mathe-Crack geboren wird, weiss jeder und dass man sich die Fähigkeit, eine gute Idee nicht nur zu haben, sondern auch umzusetzen durch harte und jahrelange Arbeit erwerben muss (nicht einmal Bill Gates wurde von heute auf morgen Milliardär), scheint ebenso offensichtlich. Wenn Humankapital aber das Ergebnis von Investitionen ist, dann stellt sich die Frage, warum ein Akteur die entsprechenden Investitionen in seine Bildung vornehmen soll, warum er sich in die Schule schleppen soll, wo er doch im Kreise seiner Familie, wie ihn das Verfassungesgericht immer wieder als besonders heilig beschwört, ein viel gemütlicheres Dasein fristen könnte? Die Antwort: Weil es sich für ihn lohnt. Ein Mehr an Bildung hat ein Mehr an Einkommen zur Folge bzw. soll ein Mehr an Einkommen zum Ergebnis haben. Das dachten wir alle, als wir mit dem Studium begonnen haben. Nach dem Studium und als Akademiker verdient man mehr als als Facharbeiter bei der BASF (old dreams die hard!).

Wenn die Bundesregierung also für Motivation sorgen will, dafür, dass mehr Deutsche in Bildung investieren und sich in Abendschulen nachqualifizieren oder durch das Gender Studium an Universitäten quälen, dann muss sie Anreize bieten, d.h. eigentlich muss sie keine Anreize bieten, denn eigentlich sollte die Bundesregierung mit dem Arbeitsmarkt nicht viel zu tun haben. Dem ist aber nicht so, denn öffentliche Arbeitgeber beschäftigen mehr Deutsche als andere Arbeitgeber und die Steuerpolitik der Bundesregierung sorgt dafür, dass sich Bildung für Deutsche nicht lohnt. Dies zeigt eine Untersuchung von Mendolicchio und Rhein (2012).

In dieser Untersuchung wurden so genannte Mincer-Koeffizienten berechnet. Mincer-Koeffizienten setzen die Jahre, die Akteure in Bildungseinrichtungen verbracht haben und ihre Beschäftigungserfahrung  ins Verhältnis zum Lohn aus Erwerbsarbeit und geben somit an, um wie viel Prozent höher der Lohn durch ein zusätzliches in die Bildung investiertes Jahr ist. In Deutschland bringt ein zusätzliches Bildungsjahr Männern wie Frauen rund 5% mehr Einkommen.

Nun berücksichtigt der Mincer-Koeffizient nicht, wie hoch das Einkommen besteuert wird, d.h. wie deutlich Steuern den Bildungszugewinn, die Bildungsrendite wieder abschmelzen. Dies haben Mendolicchio und Rhein getan.

Dabei  zeigt sich, dass die Bildungsrendite, die für Männer und Frauen kaum Unterschiede aufweist und 5,32% bzw. 4,82% beträgt, durch die Steuerprogression mehr als komplett abgeschmolzen wird (Von der Bildungsrendite bleibt nach Steuer  für Männer noch -0.01% und für Frauen  -0.40% ). Anders formuliert: Die Steuerprogression in Deutschland schreckt vor dem Erwerb höherer Bildung ab, denn das Mehr an Einkommen, das höhere Bildung verspricht, wird vom Mehr an Steuer mehr als aufgefressen. Diese Wirkung der Besteuerung erklärt, warum die soziale Ungleichheit in Deutschland so stabil ist, wie sie ist: Zwar ist es Arbeiterkindern möglich, durch Bildung aufzusteigen und ein den Kindern aus der Mittelschicht vergleichbares Einkommen zu erzielen, doch wird diese Bildungsrendite komplett durch die Steuerprogression aufgezehrt. Dieser staatliche Entzug von Einkommen trifft Arbeiterkinder härter als Kinder aus der Mittelschicht bzw. Angehörige der Erbengeneration, die auf bereits vorhandenes Einkommen zurückgreifen und die (Zins-)Früchte daraus genießen können. Trotz sozialem Aufstieg der Arbeiterkinder über Bildung bleibt der Einkommensabstand zur Mittelschicht mindestens gewahrt. Abermals zeigt sich somit, wie hohl das politische Schwelgen in Begriffen wie “soziale Gerechtigkeit” doch ist.

Darüber hinaus produziert die Studie von Medolicchio und Rhein noch zwei bemerkenswerte Ergebnisse:

  • Obwohl Frauen in Deutschland deutlich weniger Arbeiten als Männer sind die Bildungsrenditen von Frauen und Männern kaum verschieden. Daraus kann man nur den Schluss ziehen, dass sich Teilzeit-Arbeit ergänzt durch staatliche Subventionen in gleichem Ausmaß  rentiert wie Vollzeitarbeit.
  • Die Höhe von Arbeitslosengeld und das Elterngelt wirken sich negativ auf die Bildungsrendite aus, d.h. mit beidem geht ein Anreiz einher, die Nicht-Arbeit der Arbeit vorzuziehen.

Angesichts der zusammengestellten Ergebnisse kann man nur schließen, dass das Auftauchen des Wortes “Motivation” im Konzept des “Lernens im Lebenslauf” der Bundesregierung ein Versehen war (oder das Wort hat einfach zu gut geklungen, als dass es verzichtbar gewesen wäre). Meinte die Bundesregierung es nämlich ernst, mit der Motivation, sie müsste die Subventionierung von Eltern ebenso beenden wie sie Erbschaft verbieten müsste.

Epilog
Die Ergebnisse und Zusammenhänge, die ich der Untersuchung von Mendolicchio und Rhein entnommen habe, werden in der Studie zwar ausgewiesen, aber nicht interpretiert. Sie bleiben schlicht unerwähnt. Dies mag damit zusammenhängen, dass die Autoren ihre Untersuchung unter die Überschrift “Wo sich Bildung für Frauen mehr lohnt als für Männer” gestellt haben, so dass die eigene Wahrnehmung, durch den genderistischen Frame wohl so starkt verzerrt wurde, dass viele interessante Ergebnisse ihrer Studie dem Langweiler “Geschlechtsunterschiede” weichen mussten.

Einen interessanten Beitrag, der am Beispiel deutlich macht, dass die Steuerprogression ein Studium unrentabel macht, habe ich hier gefunden.

Literatur:
Mendolicchio, Concetta & Rhein, Thomas (2012). Wo sich Bildung für Frauen mehr lohnt als für Männer.
Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB-Kurzbericht 5/2012.

Bildnachweis:
sceptical eye
Treesflowersbirds

Bildung lohnt sich – aber für Frauen mehr als für Männer

Die EU und die Bundesregierung agitieren heftig gegen ein vermeintliches Gender Pay Gap. Die GEW ist intensiv bemüht, die schulischen Nachteile von Jungen aus der Welt zu interpretieren und beharrt auf den Nachteilen, die Mädchen doch bestimmt immer noch (wenn auch nicht klar ist wo) haben. Schützenhilfe erhält die GEW dabei von einer Reihe willfähriger Nachwuchswissenschaftler. Das Bundesministerium für FSFJ und die von ihm finanzierten Satellitenorganisationen führen eine Kampagne für mehr Frauen in Aufsichtsräten und an der Spitze von Unternehmen – zunächst freiwillig, dann per Zwang soll der Geschlechterproporz in Unternehmen so wie es dem Ministerium genehm ist, hergestellt werden.

Während all diese ideologischen Schlachten geschlagen werden, führt die Wirklichkeit ein weitgehend ungestörtes Dasein und stellt sich ganz anders dar als die Ideologen behaupten: Mädchen machen häufiger ein Abitur als Jungen, Jungen bleiben bei Bildungsabschlüssen immer weiter hinter Mädchen zurück. An Universitäten sind Jungen längst in der Minderheit und, so belegt eine Studie von Andraes Ammermüller und Andrea Maria Weber (2005), in Bildung zu investieren, lohnt sich für Frauen mehr als für Männer (Dass sich Bildung lohnt, schlägt sich z.B. darin nieder, dass mit einem höheren Bildungsabschluss gewöhnlich ein höheres Gehalt einhergeht).

Um generelle Aussagen darüber machen zu können, welcher Mehrwert in Lohn durch Bildung erreicht werden kann, berechnen Bildungsökonomen die Bildungsrendite, d.h. den prozentualen Wert, um den sich der Lohn mit jedem zusätzlichen Jahr Bildung (ausgehend von einem Bildungssockel) erhöht. Eine entsprechende Berechnung haben Ammermüller und Weber durchgeführt und dabei festgestellt, dass sich Bildung für Frauen auf jeder Bildungsebene mehr lohnt als für Männer.  Für Frauen, die einen Haupt- oder Realschulabschluss erreicht haben, ergibt jedes zusätzliche Jahr an Berufsbildung einen Lohnanstieg von 7.06%, für Männer sind es 5.33%. Abiturientinnen erhalten pro zusätzlichem Jahr Berufsausbildung ein Lohnpremium von 10.08%, Abiturienten von 8.28%. Und ein akademischer Abschluss erhöht den Lohn im Vergleich zum Lohnniveau der Nichtakademiker für Frauen um 10.44% und für Männer um 9.67%.

Besonders interessant an der Untersuchung von Ammermüller und Weber ist, dass die Lohnzuwächse, die durch ein zusätzliches Jahr Bildung erreicht werden können, für Frauen und Männer in Berufssparten am höchsten sind, in denen sie in der Mehrzahl sind. Für Studenten bedeutet dies, dass männliche Studenten in den Fächern Jura, Ökonomie und Tiermedizin die höchsten Renditen auf ihre Bildung erreichen (um die 11-12%), während weibliche Studenten im Lehramt und in der Zahnmedizin (10-12%) die höchsten Bildungsrenditen erreichen: “The estimated returns to education by subject are coherent with the distribution of subjects of degrees because each gender reaches the highest returns in those fields where its share is relatively high” (Ammermüller & Weber, 2005, S.14).

Eine weitere Studie, die sich beim IAB findet (Mendolicchio & Rhein, 2011) und bei deren Lesen man den Eindruck hat, dass die Autoren ihre Ergebnisse zwar veröffentlichen, aber doch lieber nicht zu populär machen wollen, ergänzt eine Reihe von Variablen, die die Bildungsrendite reduzieren, d.h. Variablen die den positiven Effekt, den Bildung auf den Lohn hat, aufheben. An erster Stelle stehen hier das Arbeitslosengeld und eine progressive Besteuerung: Je höher das Arbeitslosengeld, desto weniger lohnen sich Investitionen in Bildung, je progressiver die Besteuerung, desto weniger lohnen sich Investitionen in Bildung. Aber diese beiden staatlichen Einflussnahmen auf die Bildungsrendite sind nicht die einzigen, die Mendolicchio und Rhein in ihrer Untersuchung finden, denn auch Kindergeld und Elterngeld wirken sich negativ auf die Bildungsrendite – in diesem Fall von Frauen aus. Das gibt der Diskussion um den vermeintlichen Gender Pay Gap eine gewisse Würze, denn diejenigen, z.B. im BMFSFJ, die am lautesten gegen den vermeintlich Gender Pay Gap anschreien, sind die ersten, die für Verluste bei der Bildungsrendite von Frauen verantwortlich sind, und zwar durch ihre Alimentierung der Produktion von Nachwuchs – ein perverser Effekt, der abermals zeigt, was Dietrich Dörner in seiner Logik des Misslingens (2003) bereits gezeigt hat: Nicht alles, was im Namen der eigenen und natürlich für gut gehaltenen Ideologie unternommen wird, hat auch das beabsichtigte Ergebnis.

Dieses Ergebnis erklärt vielleicht, warum die beiden Autoren der IAB-Studie ihre eigenen Ergebnisse unkommentiert in Tabellen stehen lassen oder bestenfalls verschämt berichten und die entsprechenden Ergebnisse in einem Wust von mathematischen Formeln und Berechnungsweisen verstecken.

Literatur:

Ammermüller, Andreas & Weber, Andrea Maria (2005). Educational Attainment and Returns to Education in Germany. An Analysis by Subject of Degree, Gender and Region. Mannheim: Centre for European Economic Research, Discussion Paper No. 05-17.

Dörner, Dietrich (2003). Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt.

Medolicchio, Concetta & Rhein, Thomas (2011). The Gender gap of Returns on Education Across West European Countries. Nürnberg: IAB-Discussion Paper 20/2011.

error: Content is protected !!
Profile photo of Michael Klein
Holler Box
Skip to toolbar