Bildung lohnt sich – aber für Frauen mehr als für Männer

Die EU und die Bundesregierung agitieren heftig gegen ein vermeintliches Gender Pay Gap. Die GEW ist intensiv bemüht, die schulischen Nachteile von Jungen aus der Welt zu interpretieren und beharrt auf den Nachteilen, die Mädchen doch bestimmt immer noch (wenn auch nicht klar ist wo) haben. Schützenhilfe erhält die GEW dabei von einer Reihe willfähriger Nachwuchswissenschaftler. Das Bundesministerium für FSFJ und die von ihm finanzierten Satellitenorganisationen führen eine Kampagne für mehr Frauen in Aufsichtsräten und an der Spitze von Unternehmen – zunächst freiwillig, dann per Zwang soll der Geschlechterproporz in Unternehmen so wie es dem Ministerium genehm ist, hergestellt werden.

Während all diese ideologischen Schlachten geschlagen werden, führt die Wirklichkeit ein weitgehend ungestörtes Dasein und stellt sich ganz anders dar als die Ideologen behaupten: Mädchen machen häufiger ein Abitur als Jungen, Jungen bleiben bei Bildungsabschlüssen immer weiter hinter Mädchen zurück. An Universitäten sind Jungen längst in der Minderheit und, so belegt eine Studie von Andraes Ammermüller und Andrea Maria Weber (2005), in Bildung zu investieren, lohnt sich für Frauen mehr als für Männer (Dass sich Bildung lohnt, schlägt sich z.B. darin nieder, dass mit einem höheren Bildungsabschluss gewöhnlich ein höheres Gehalt einhergeht).

Um generelle Aussagen darüber machen zu können, welcher Mehrwert in Lohn durch Bildung erreicht werden kann, berechnen Bildungsökonomen die Bildungsrendite, d.h. den prozentualen Wert, um den sich der Lohn mit jedem zusätzlichen Jahr Bildung (ausgehend von einem Bildungssockel) erhöht. Eine entsprechende Berechnung haben Ammermüller und Weber durchgeführt und dabei festgestellt, dass sich Bildung für Frauen auf jeder Bildungsebene mehr lohnt als für Männer.  Für Frauen, die einen Haupt- oder Realschulabschluss erreicht haben, ergibt jedes zusätzliche Jahr an Berufsbildung einen Lohnanstieg von 7.06%, für Männer sind es 5.33%. Abiturientinnen erhalten pro zusätzlichem Jahr Berufsausbildung ein Lohnpremium von 10.08%, Abiturienten von 8.28%. Und ein akademischer Abschluss erhöht den Lohn im Vergleich zum Lohnniveau der Nichtakademiker für Frauen um 10.44% und für Männer um 9.67%.

Besonders interessant an der Untersuchung von Ammermüller und Weber ist, dass die Lohnzuwächse, die durch ein zusätzliches Jahr Bildung erreicht werden können, für Frauen und Männer in Berufssparten am höchsten sind, in denen sie in der Mehrzahl sind. Für Studenten bedeutet dies, dass männliche Studenten in den Fächern Jura, Ökonomie und Tiermedizin die höchsten Renditen auf ihre Bildung erreichen (um die 11-12%), während weibliche Studenten im Lehramt und in der Zahnmedizin (10-12%) die höchsten Bildungsrenditen erreichen: “The estimated returns to education by subject are coherent with the distribution of subjects of degrees because each gender reaches the highest returns in those fields where its share is relatively high” (Ammermüller & Weber, 2005, S.14).

Eine weitere Studie, die sich beim IAB findet (Mendolicchio & Rhein, 2011) und bei deren Lesen man den Eindruck hat, dass die Autoren ihre Ergebnisse zwar veröffentlichen, aber doch lieber nicht zu populär machen wollen, ergänzt eine Reihe von Variablen, die die Bildungsrendite reduzieren, d.h. Variablen die den positiven Effekt, den Bildung auf den Lohn hat, aufheben. An erster Stelle stehen hier das Arbeitslosengeld und eine progressive Besteuerung: Je höher das Arbeitslosengeld, desto weniger lohnen sich Investitionen in Bildung, je progressiver die Besteuerung, desto weniger lohnen sich Investitionen in Bildung. Aber diese beiden staatlichen Einflussnahmen auf die Bildungsrendite sind nicht die einzigen, die Mendolicchio und Rhein in ihrer Untersuchung finden, denn auch Kindergeld und Elterngeld wirken sich negativ auf die Bildungsrendite – in diesem Fall von Frauen aus. Das gibt der Diskussion um den vermeintlichen Gender Pay Gap eine gewisse Würze, denn diejenigen, z.B. im BMFSFJ, die am lautesten gegen den vermeintlich Gender Pay Gap anschreien, sind die ersten, die für Verluste bei der Bildungsrendite von Frauen verantwortlich sind, und zwar durch ihre Alimentierung der Produktion von Nachwuchs – ein perverser Effekt, der abermals zeigt, was Dietrich Dörner in seiner Logik des Misslingens (2003) bereits gezeigt hat: Nicht alles, was im Namen der eigenen und natürlich für gut gehaltenen Ideologie unternommen wird, hat auch das beabsichtigte Ergebnis.

Dieses Ergebnis erklärt vielleicht, warum die beiden Autoren der IAB-Studie ihre eigenen Ergebnisse unkommentiert in Tabellen stehen lassen oder bestenfalls verschämt berichten und die entsprechenden Ergebnisse in einem Wust von mathematischen Formeln und Berechnungsweisen verstecken.

Literatur:

Ammermüller, Andreas & Weber, Andrea Maria (2005). Educational Attainment and Returns to Education in Germany. An Analysis by Subject of Degree, Gender and Region. Mannheim: Centre for European Economic Research, Discussion Paper No. 05-17.

Dörner, Dietrich (2003). Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt.

Medolicchio, Concetta & Rhein, Thomas (2011). The Gender gap of Returns on Education Across West European Countries. Nürnberg: IAB-Discussion Paper 20/2011.

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3 Responses to Bildung lohnt sich – aber für Frauen mehr als für Männer

  1. M. says:

    Interessante Sache. Ich frag mich da nur: Ist das gut? Ist das schlecht? Warum ist das so? Ist das in absoluten Zahlen auch so? Evtl. ist der Anstieg bei Männern relativ gesehen kleiner, aber in absoluten Zahlen höher, da sie in der Regel in besser bezahlten Branchen / Stellen / Bereichen arbeiten als Frauen.

  2. Andreas Rheinhardt says:

    An dieser Stelle möchte ich auf eine interessante Umfrage aufmerksam machen, nämlich http://www.eurodoc.net/index.php?s=file_download&id=122. Laut dieser Umfrage fühlen sich in allen untersuchten europäischen Ländern Männern aufgrund ihres Geschlechts mehr benachteiligt als Frauen (siehe S. 64). Zwar fühlen sich auch viele Frauen benachteiligt, aber selbst in dem Land, in dem sich die meisten Frauen benachteiligt fühlen (Portugal mit 61,2%), ist es weniger als das Benachteiligungsgefühl der Männer in dem Land, in dem sie sich am wenigsten benachteiligt fühlen (Österreich mit 76,6%).
    Merke: Wenn man nur Frauen danach fragt, ob sie sich benachteiligt fühlen und dann aus hohen Zahlen Forderungen herleitet, so hat das Weglassen der Befragung der Männer Methode.

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