Rollenmodell „Mann“ – Rent a Teacherman und anderer Unsinn

In Bremen gibt es seit fünf Jahren ein Projekt „Rent a Teacherman“, das der Erziehungswissenschaftler Christoph Fantini ins Leben gerufen hat: Männliche Lehramtsstudenten werden an männerlose Grundschulen vermietet. Denn: Bremer Grundschulen sind männerfreie Zonen. Das ist schlecht, fehlten den Jungen doch dadurch die männlichen Rollenmodelle.

Rollenmodell.
Rolle.
Soziale Rolle.
Kaum ein Begriff ist seit dem Aufkommen des Feminismus so derangiert und entkernt worden, wie der Begriff der sozialen Rolle. Wie so oft, wenn Begriffe „populär“ werden, wird nur der Begriff, aber nicht die Bedeutung populär. Und so kommt es, dass viele über etwas reden, aber nur wenige eine Idee davon haben, wovon sie eigentlich reden.

Sir Ralf Dahrendorf kommt das Verdienst zu, den Begriff der sozialen Rollen (das soziale, ohne das der Begriff „Rolle“ nur als solche rückwärts einen Sinn macht, wird in der Regel vergessen) in Deutschland gebrauchsfähig gemacht zu haben. Hier seine Bestimmung dessen, was „soziale Rolle“ beschreibt:

„Von den beiden Begriffen der Position und der Rolle ist der der Rolle bei weitem der wichtigere: die Unterscheidung beider ist dennoch nützlich. Während Positionen nur Orte in Bezugsfeldern bezeichnen, gibt die Rolle uns die Art der Beziehung zwischen den Trägern von Positionen und denen anderer Positionen desselben Feldes an. Soziale Rollen bezeichnen Ansprüche der Gesellschaft an die Träger von Positionen, die von zweierlei Art sein können: einmal Ansprüche an das Verhalten der Träger von Positionen (Rollenverhalten), zum anderen Ansprüche an sein Aussehen und seinen Charakter (Rollenattribute). […] Obwohl die soziale Rolle, die zu einer Position gehört, uns nicht verraten kann, wie ein Träger dieser Position sich tatsächlich verhält, wissen wir doch, wenn wir mit der Gesellschaft, die diese Rolle definiert, vertraut sind, was von ihrem Spieler erwartet wird. Soziale Rollen sind Bündel von Erwartungen, die sich in einer gegebenen Gesellschaft an das Verhalten der Träger von Positionen knüpfen.“

Grundschullehrer ist also eine Position.
Der individuelle Mensch, der die Position füllt, übernimmt die Rolle, die mit dieser Position verbunden ist.
Die Rolle wird von Erwartungen an sein Verhalten und seinen Charakter usw. bestimmt, ist also eine soziale Rolle.

Welche Erwartungen werden an einen Grundschullehrer gestellt?
Dass er Kindern Rechnen, Schreiben und Lesen beibringt.
Dass er in Rechnen, Schreiben und Lesen selbst kompetent ist.
Dass er sein Augenmerk auf den Erfolg aller seiner Schüler legt.

Irgendwie kommt Geschlecht nicht vor.
Geschlecht kommt nur dann vor, wenn man denkt, dass es für die Erwartungen an die Performanz einer Person in der Rolle eines Grundschullehrers einen Unterschied macht, ob diese Person weiblich oder männlich ist.

Das legt natürlich den Verdacht nahe, dass manche Zeitgenossen, die so fixiert auf Geschlecht sind, der Ansicht sind, dass es eine biologische Determinierung von Fähigkeiten gibt. Andere nennen das Sexismus.

Die Rettung vor dieser Art des Biologismus soll durch den Begriff „Rollenmodell“ erreicht werden.
Ein Grundschullehrer soll ein Rollenmodell für seine Schüler sein.

Von Albert Bandura stammt das Konzept des Modelllernens.

Kinder und Jugendliche lernen am Modell, imitieren, was ihnen Bezugspersonen vorleben.
Was kann man vom Rollenmodell „Grundschullehrer“ übernehmen?
Welches seiner Verhalten kann man übernehmen?
Offensichtlich kann man als Grundschüler von einer Person in ihrer Rolle als Grundschullehrer übernehmen, wie man die Position des Grundschullehrers ausfüllt. Sonst nichts.
Mit anderen Worten: Diejenigen, die von Grundschullehrern erwarten, ein Rollenmodell für ihre Schüler zu sein, sehen
Grundschullehrer nicht in der Position „Grundschullehrer“ und nicht in der sozialen Rolle „Grundschullehrer“, sondern als etwas anderes. Z.B. als Angehöriger eines Geschlechts.

Insofern behaupten sie, dass Grundschullehrer „Rollenmodell“ für ihre Grundschüler im Hinblick auf das Verhalten einer Person, der die soziale Rolle eines Mannes oder einer Frau zugewiesen wird, sind. Sie sind also der Ansicht, dass sich Schüler ausgerechnet Grundschullehrer aussuchen, um die Rollenerwartungen und die Erwartungen an Charakter und Eigenschaften dessen, der sich als Mann darstellt, zu erlernen.

Das, mit Verlaub, ist ziemlicher Unsinn. Jeder Winnetou-Film ist besser geeignet, die Rolle „Mann“ zu vermitteln als der männliche Pauker mit der hohen Stirn, der in der Grundschule gelandet ist, weil er es nicht zum Gymnasium geschafft hat. Tatsächlich ist die Erwartung, dass Lehrer für Schüler in der Regel Anti-Rollenbilder sind, die ihnen vermitteln, wie sie nicht sein wollen, begründeter als die Erwartung, Schüler würden ausgerechnet Grundschullehrer als Rollenmodell wählen.

Wie kommt es zu dieser Überschätzung von Rolle und Position?

Durch Inkompetenz, Unverständnis, Phantasie und Manie.
Dem Bericht des Spiegel, in dem es um „die Männer“ geht, die an Grundschulen „vermietet“ werden, nicht etwa um die Lehrer, haben wir die Aussagen, die direkt oder indirekt von Christoph Fantini stammen, dem Verleiher von „Männern“, entnommen und zusammengestellt:

„Viele Kinder würden in der Kita und der Grundschule nicht auf einen einzigen Mann treffen. ‚Dadurch entstehen sehr stereotype Bilder in ihren Köpfen: Männer sind stark und machen was mit Maschinen. Frauen sind schlau. Deshalb können sie studieren und Lehrerin werden“, sagt Fahini.

Zwei logische Schlüsse drängen sich auf: Fahini ist eine Frau, oder Fahini hat nicht studiert. Die Bewertung der Aussage von Fahini ist sehr einfach: Grober Unfug. Rollenbilder werden über Beobachtung, nicht über nicht Beobachtung gewonnen. Und wie Kinder aus der Abwesenheit von Männern in der Grundschule und der Kita schließen sollen, dass Männer etwas mit Maschinen machen und wie sie – wider ihre eigene Anschauung – aus der Beobachtung von weiblichen Grundschullehrern schließen sollen, dass „Frauen schlau“ sind, sind nur zwei Fragen, die man auf Basis einer derart unsinnigen Aussage, wie der von Fahini stellen muss. Tatsächlich sagt die Aussage viel über Fahinis Stereotype „richtige Männer machen etwas mit Maschinen“, „richtige Frauen haben keine Ahnung von Technik“, als dass sie etwas über Grundschüler aussagen würde. Sie belegt einfach nur die vollkommene Unkenntnis, mit der das Konzept der sozialen Rolle im Gehirn von Fahini behandelt wird.

Weil es noch nicht reicht, Faihin zum Zweiten:

„Auch deshalb sind männliche Lehrkräfte nach Ansicht von Fahini so wichtig. Sie sind nicht nur Rollenvorbilder für die Jungen, sondern auch Vertrauenspersonen – mit denen sie über Sexualität sprechen können oder durch die sie sich auf Klassenfahrten aufgehoben fühlen“.

Offensichtlich herrscht im Rollenbild von Fahini erhebliche Konfusion. Denn seine Erwartungen an die Position „Grundschullehrer“ umfasst nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch den Aufbau einer Vertrauensbeziehung zu allen Schülern desselben Geschlechts und Gespräche über Sexualität. Kann man Manie noch deutlicher zum Ausdruck bringen?

Männliche Grundschullehrer sind also deshalb notwendig, weil an deutschen Grundschulen eine Sexualisierung stattgefunden hat, als deren Ergebnis Geschlecht von Schüler und Lehrkraft relevant geworden ist. Nicht mehr das Vermitteln von Wissen ist Aufgabe von Grundschullehrern, sondern das mit Überlegungen im Hinblick auf Geschlecht und Sexualität konfundierte Vermitteln von was auch immer. Daraus muss man dann wohl den Schluss ziehen, dass die Variable Geschlecht in Grundschulen eine Prominenz erreicht hat, die man nur als ungesund bezeichnen kann. Nicht mehr die erfolgreiche Vermittlung von Lerninhalten durch Lehrer an Schüler steht im Zentrum, sondern, ja was eigentlich? Über Sexualität sprechen? Sich aufgehoben fühlen? Die Präsentation von Geschlecht als Variable, die im Leben von Relevanz ist, obwohl kaum etwas über weniger Relevanz im täglichen Leben verfügt als Geschlecht?

Zu welcher Antwort auch immer man kommen wird, normal ist es nicht, dass bereits in Grundschulen die Vermittlung von Inhalten an das Geschlecht von Lehrern und Schülern gekoppelt ist – es ist manisch. Man sieht, wohin Jahrzehnte des Feminismus geführt haben. Die Abnormalität beginnt bereits in Kindergärten und Grundschulen, in denen eine Vermittlung von Wissen ohne Konfundierung mit Lehrer- oder Schülergeschlecht nicht mehr möglich zu sein scheint.

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Neo-Orientalismus im Bundestag – Ressourcenverschwendung im Extrem

Vorrede: Ressourcen sind begrenzt. Die Ressourcen, die man für eine Sache einsetzt, stehen nicht mehr für eine andere Sache zur Verfügung. Wenn man also Ressourcen für eine unwichtige Sache verschwendet, dann fehlen die entsprechenden Ressourcen, um eine wichtige Sache anzugehen.

Erving Goffman hat wie kein Anderer das Soziale als Schauspiel beschrieben und durchschaut. Wir alle spielen Theater ist die deutsche Übersetzung seines Klassikers, der mit „The Presentation of Self in Everyday Life“ einen wesentlich besseren Titel trägt: Die Selbstdarstellung im täglichen Leben, wäre ein sinnvollerer Titel gewesen.

Das tägliche Leben, es besteht aus der täglichen Inszenierung von sozialen Rollen, aus der Errichtung einer Fassade vor oder hinter der die dramatische Gestaltung der Selbstinszenierung erfolgen kann, es besteht aus Ausdruckkontrolle und Idealisierung und vor allem aus dem Versuch, glaubwürdig zu erscheinen.

Gutmenschen, also Menschen, die als „gute Menschen“ erscheinen wollen, denen es wichtig ist, sich als das zu inszenieren, was sie für einen guten Menschen halten, sie haben es heute schwer. Gerade noch haben sie in einer modernen Variante des Orientalismus des 18. und 19. Jahrhunderts, die man als Neo-Orientalismus bezeichnen kann, Flüchtlinge als Form kleiner schwarzer Kinder, um die man sich kümmern muss, idealisiert, da haben sich die idealen Flüchtlinge, die zu Millionen nach Deutschland kommen, als gar nicht ideal, sondern als menschlich entpuppt. Sie haben andere Bedürfnisse als von den Gutmenschen für sie vorgesehen, sie bringen andere kulturelle Traditionen mit, sie haben andere Wertvorstellungen, in denen weder Homosexualität einen Platz hat noch eine öffentliche Exposition von Sexualität, sie sind zuweilen gar kriminell und mögen die deutsche Küche nicht. Wenn Gutmenschen auf die Realität treffen, dann passiert, was immer passiert: Ihre Idealisierung zerfällt zu Staub, ihre Inszenierung als Gutmensch ist entsprechend in Gefahr, ihre mühsam errichtete Fassade, sie bröckelt.

Da wiederum die Inszenierung als Gutmensch nicht um ihrer selbst willen, sondern deshalb erfolgt, weil die eigen Persönlichkeit davon abhängt, bringen die undankbaren Flüchtlinge, die sich als normale Menschen entpuppen, nicht nur die Fassade der Gutmenschen-Darstellung, sondern die ganze Persönlichkeit des Gutmenschen in Gefahr.

Folglich muss ein neues Feld her, auf dem sie sich als Gutmenschen dramatisieren können. Sie benötigen eine neue Gruppe, derer man sich bemächtigen kann, die man idealisieren kann, der man sich überlegen fühlen kann und auf deren Rücken man sich gut fühlen und als gut inszenieren kann. Die entsprechende Gruppe darf nicht zahlreich sein, sonst besteht zum einen die Gefahr, dass die Idealisierung durch Konfrontation mit dem real existierenden edlen Wilden in sich zusammenfällt, zum anderen lebt die ganze Dramaturgie, das ganze Signalisieren der eigenen Gutheit, das virtue signalling, und somit die Inszenierung der eigenen Persönlichkeit davon, dass das für die Gutheit ausgewählte Objekt, sich nicht als etwas anderes entpuppt als es zu sein hat.

Da Flüchtlinge, undankbare kleine Braune, die sie sind, sich als normale Menschen erwiesen haben, haben sich die Gutmenschen auf eine Gruppe zurückbesonnen, die ihnen schon einmal als Objekt gedient hat: Homosexuelle.

Homosexuelle sind optimal, wenn man sich als guter Mensch inszenieren will. Man erklärt, dass Homosexuelle nicht benachteiligt werden dürfen. Kämpft dafür, dass sie nicht diskriminiert werden. Macht sie zu einer idealen Lebensform, einer von der heterosexuellen Mehrheit unterdrückten Lebensform, in der sich nicht etwa Männer in Leder mit einem Hang zu Sado-Masochismus treffen oder Männer, die ihre finanzielle Position ausnutzen, um sich mit Crystal-Meth auszurüsten und Strichjungen zu kaufen, oder Frauen, die ihre Faszination und gleichzeitige Angst vor Männlichkeit hat eine Psychose entwickeln lassen, nein, Homosexuelle sind rein wie kleine Kinder. Sie haben kein erhöhtes Aids-Risiko, sind mindestens genau so gute Eltern wie heterosexuelle Eltern und in jeder Hinsicht die überlegene Lebensform, schon weil sie wie die Kindlein sind – jedenfalls in der Idealisierung derer, die sich auf dem Rücken von Homosexuellen ausleben.

[Ein Aspekt homosexueller Kultur:]

Homosexuelle sind auch deshalb optimal, weil es kaum welche von ihnen gibt, und die, die es gibt, die sich in der Öffentlichkeit als homosexuell inszenieren, sie werden als Ikonen eines Befreiungskampfes aufgebaut, der dieses Mal keine unterdrückten Minderheiten zum Gegenstand hat, die in stattlicher Anzahl vorhanden sind, wie z.B. die Palästinenser, die um staatliche Anerkennung kämpfen, sondern eine so kleine Minderheit, dass man sie einerseits mit der Lupe suchen muss, um sie zu finden, andererseits die Gefahr reduziert ist, dass sie sich als normale Menschen erweisen, die von der Idealisierung von Homosexualität, auf der die öffentliche Diskussion basiert, abweichen.

Um die Idealisierung auf die Spitze zu treiben, unterstellen die Kämpfer für die Gleichberechtigung von Homosexuellen Letzteren, dieselbe Spießigkeit, die sie selbst auszeichnet, eine Spießigkeit, die das eigene Leben in die Obhut des Staates und den rechtlichen Schutz seiner Gesetze legen will, eine Spießigkeit, für die Partnerschaft so gefährlich und bedrohlich ist, dass man sie nur eingeht, wenn klar ist, welche Rechte und Pflichten damit einhergehen. Selbstverständlich wollen Homosexuelle nichts lieber als heiraten, um zu zeigen, dass sie zwar anders, aber nicht zu anders sind.

So sehen es die Gutmenschen und so kommt es, dass der Bundestag über die Ehe für Alle abstimmen wird, dass er seine Ressourcen einsetzen wird, um ein Recht zu schaffen, von dem, wenn man annimmt, dass der Anteil der Homosexuellen, die heiraten werden, dem Anteil der Verheirateten in der Bevölkerung entspricht, gerade einmal 0,23% der Haushalte in Deutschland etwas haben werden.

Wie das Statistische Bundesamt heute mitgeteilt hat, gibt es rund 94.000 homosexuelle Partnerschaften. Gemessen an den 24.099.000 Haushalten, in denen zwei oder mehr Personen zusammenleben, macht dies einen Anteil von 0,4%. Rund 61% der Deutschen im Alter von 27 bis 59 Jahre sind verheiratet. Unterstellt man Homosexuellen dasselbe Heiratsverhalten, dann stimmt der Bundestag über Rechte ab, die von 0.23% der deutschen Haushalte wahrgenommen werden.

[Noch ein Aspekt homosexueller Kultur:]

Dieser Irrelevanz homosexueller Ehen im gesellschaftlichen Kontext steht die Nützlichkeit von Homosexualität für Virtue Signalling gegenüber. Kein anderes Thema hat es in den letzten Wochen und Monaten geschafft, die Phantasie derer, die in Medien und Politik sitzen, so zu beflügeln, wie Homosexualität, jene Verhaltensweise, von der die meisten nicht mehr wissen als sie in ihrer Phantasie sich auszumalen, im Stande sind. Wobei diese Phantasie in den meisten Fällen kein gutes Licht auf den Charakter der Phantasten werfen wird. Homosexualität, die Vorstellung vom edlen Schwulen, sie steht somit in einer direkten Reihe mit dem Orientalismus, jener Bewegung, die Deutschland schon einmal im Griff hatte, damals mit Blick auf die arabischen Staaten, die die Phantasie mancher Deutscher in einer Weise beflügelt haben, die umgekehrt reziprok zu den Kenntnissen besagter Deutscher von arabischen Ländern stand.

Aber, wie schon mit Blick auf die Flüchtlinge festgestellt, es geht nicht darum, die Realität zu beschreiben. Es geht darum, sich als Gutmensch zu inszenieren, eine dramatische Darstellung zu liefern, die zeigt, man ist der Samariter, auf den selbst die Bibel umsonst gewartet hat. Die Realität stört dabei nur. Sie stört den Neo-Orientalismus und die von ihm versprochene Möglichkeit, der eigenen Phantasie Flügel zu verleihen, die Grenzen überwindet, Grenzen der Moral, Grenzen des guten Geschmacks, des pfleglichen und verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen …

P.S.
Wenn Homosexuelle zusammenleben wollen und sich ihrer nicht sicher sind, so dass sie eine rechtliche Sicherheit benötigen, steht ihnen jederzeit die Möglichkeit zur Verfügung, einen privatrechtlichen Vertrag mit einander abzuschließen. Es gibt keinerlei Notwendigkeit, homosexuelle Partnerschaften per Zugang zur Ehe unter den Schutz des Grundgesetzes und nachfolgend in den Genuss der damit verbundenen steuerlichen Vorteile, staatlichen Subventionen und sonstigen finanziellen Zuwendungen kommen zu lassen. Wenn es um Gerechtigkeit geht, bestünde der sinnvollere Weg darin, die Privilegierung von Lebensentwürfen abzubauen, anstatt den privilegierten Lebensentwürfen neue hinzuzufügen, denn: auch finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Die Staatsknete kommt nicht aus der Steckdose, sie muss erwirtschaftet werden, von denen, die nach wie vor dumm genug sind, ein Erwerbs- und kein Transferleben zu leben.

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[Zugabe: Ein weiterer Aspekt homosexueller Kultur:]

“Role models” wofür? Sind weibliche Führungskräfte in erster Linie weiblich oder in erster Linie Führungskraft?

McDiversity

Durch Zufall bin ich im Blog von Wolfgang Goebel, dem Personalchef von McDonald’s Deutschland, auf einen Beitrag mit dem Titel “Wie ernst ist locker?” gestoßen. Was dem Titel nicht unmittelbar zu entnehmen ist, es geht um ein “Gender Meeting”, ein Treffen der “McDonald’s German Women’s Network Gruppe”, also eine Veranstaltung in Sachen politischer Korrektheit. Beim Lesen des Textes von Goebel ist mir vielmehr aufgefallen, wie unwohl sich Goebel in seiner “Rolle” als Personalchef in der “McDonald’s German Women’s Network Gruppe” gefühlt haben muss und wie durch den ideologischen Überbau des Genderismus aus einer einfachen sozialen Interaktion aus einer Begegnung, bei der Geschlecht eigentlich keine Rolle spielen sollte, eine Begegnung mit der dritten Art wurde, bei der außer Geschlecht nichts mehr eine Rolle spielt. Goebels Unwohlsein, so meine These, wird daraus gespeist, dass er nicht weiß,  welche sozialen Merkmale die soziale Interaktion in der “McDonald’s German Women’s Network Gruppe” bestimmen: Tritt er hier als Personalchef Angestellten von McDonald’s gegenüber, wie man das erwarten würde, oder hat er eine Interaktion mit Fremdgeschlechtlichen oder potentiellen Geschlechtspartnern vor sich? Mit anderen Worten, die sozialen Erwartungen, die sonst eine soziale Interaktion bestimmen, die Sicherheit, dass man beim Bäcker unabhängig davon bedient wird, ob man als männlicher Kunde einem weiblichen Angestellten gegenübersteht (oder umgekehrt), ist im Kontext des McDonald’s German Women’s Network Gruppentreffen, nicht vorhanden.

Diese Unsicherheit wird deutlich an Aussagen Goebels wie den folgenden, die mich an das sprichwörtliche Pfeiffen im Wald erinnern [meine Kommentare in eckigen Klammern]: “Ich denke, es spricht für unsere Unternehmenskultur, dass es für uns mittlerweile selbstverständlich ist, solch [spitze Finger] eine Veranstaltung durchzuführen [auch wenn ich mir nicht so ganz klar bin, wozu “solch eine Veranstaltung”  gut sein soll]. Ich selbst habe mich teilweise nicht so locker gefühlt [in der Mittelschicht fühlt man sich nicht unwohl, man fühlt sich nur locker oder weniger locker] wie ich es mir vorgestellt und vorgenommen hatte [Man muss sich vornehmen, dass man sich locker fühlt, wenn man mit fremdgeschlechtlichen Menschen, die Angestellte des eigenen Unternehmens sind, zusammentrifft – das Mitarbeitertreffen als inter-geschlechtliche Mutprobe!]. Ich habe einfach gemerkt, dass es Themen gibt, die wir noch nicht richtig adressiert haben und die, …, aber sehr deutlich von den Anwesenden fokusiert wurden” [Wie beseitigt man Verhaltensunsicherheit, wenn einem andersgeschlechtliche Menschen so fremd sind, fast so fremd wie wie Schwarze oder Araber, Homosexuelle oder Alien…]”.

Besser als Goebel kann man Unwohlsein kaum mehr artikulieren. Und woraus sich dieses Unwohlsein speist, wird deutlich, wenn man auf die zentralen Themen des Netzwerktreffens “fokusiert”. Eigentlich sind das keine Themen, es ist ein Thema, “das Thema”, dass es keine Frauen bei McDonald’s im Vorstand gibt. Dieses “Thema” gibt es im kurzen Beitrag von Goebel in Variationen, aber immer kreist es um den Begriff des “role model”, dem Goebel mindestens so unsicher gegenübersteht, wie den weiblichen Angestellten seines Unternehmens (d.h. eigentlich geht es um das fehlende “role model”, was abermals und einfach nur heißt, dass es keine weiblichen Vorständler bei McDonald’s gibt).

“Role model”, von Goebel wohlweislich unübersetzt gelassen, ist ein Begriff, den man aus dem Englischen nicht eins-zu-eins ins Deutsche übertragen kann, denn dem deutschen Begriff des “Vorbilds” fehlen alle Konnotationen, die den englischen Begriff “role model” auszeichnen. Besonders bedeutsam ist, dass im Begriff “role model” eine individuelle und eine positionale Komponente eine Verbindung eingehen, denn ein Indivuduum nimmt eine Position ein, die mit Rollenerwartungen verbunden ist, und füllt die Position in bestimmter Weise aus – spielt seine Rolle auf bestimmte Weise. Entsprechend ist es das Beste, für die deutsche Übersetzung von “role model” auf die Begriffe Rolle und Position zurückzugreifen, um zu zeigen, warum sich Wolfgang Goebel im Kreise seiner Mitarbeiterinnen als Vorgesetzter, der er nun einmal ist, so unwohl fühlt.

Ralf Dahrendorf hat bereits 1958 in seinem Homo Sociologicus die Begriffe der Position und der Rolle unterschieden: “Während Position nur Orte in Bezugsfeldern bezeichnet, gibt die Rolle uns die Art der Beziehung zwischen den Trägern von Positionen und denen anderer Positionen desselben Feldes an. Soziale Rollen bezeichnen Ansprüche der Gesellschaft an die Träger von Positionen, die von zweierlei Art sein können: einmal Ansprüche an das Verhalten der Träger von Positionen (Rollenverhalten), zum anderen Ansprüche an sein Aussehen und seinen ‘Charakter’ (Rollenattribute)” (Dahrendorf, 1977[1958], S.33). Vorstandsmitglied von z.B. McDonalds ist eine Position, eine Position, die von bestimmten Personen gefüllt wird, von denen wiederum erwartet wird, dass sie bestimmte Rollenattribute aufweisen und die entsprechende Position in einer bestimmten Weise ausfüllen, sich in einer bestimmten Weise verhalten. Und nach wie vor nur wenige denken bei Rollenattributen, die ein Vorstandsmitglied auszeichnen, an Geschlecht.

Vorstandsmitgliedern wird in der Regel eine ganze Reihe von Rollenattributen zugewiesen: Man erwartet von ihnen, dass sie (betriebs-)wirtschaftlichen Abläufen und Prozessen zumindest nicht ganz ahnungslos gegenüberstehen. Gemeinhin sollten sie zumindest auf einem Feld, z.B. dem Feld der Personalplanung und Personalbeschaffung oder, wie es heute heißt, des Human Resource Managements Experte sein und ihr entsprechendes Wissen in den Vorstand und die Leitung des Unternehmens einbringen. Aus diesen Rollenattributen wiederum ergeben sich Rollenerwartungen, Erwartungen an das Verhalten von Vorständen, also Vorgesetzten. So erwarten Untergebene regelmäßig ein überlegenes Verhalten, das mit der Fähigkeit einhergeht, Richtungsentscheidungen zu treffen und vielleicht sogar ein wenig von Charisma begleitet wird, so dass man als Untergebener der Ansicht sein könnte, der entsprechende Vorgesetzte wisse was er tue, sei entscheidungsfreudig und tatkräftig (Dass dem so ist, das belegt die Leadership-Forschung regelmäßig; z.B.: House (1992); Zhu et al. (2011)). Dies leitet über zu dem, was Erving Goffman (1983) über Rollen geschrieben hat bzw. über diejenigen, die Rollen einnehmen und entsprechend die Rollen spielen: Sie sind Darsteller im sozialen Spiel und sehen sich mit Erwartungen an die Position konfrontiert, die sie erfüllen müss(t)en und, je nach ihrer Darstellung mehr oder weniger gut erfüllen.

Nun sind Positionen in Unternehmen, anders als Positionen in Entbindungsstationen, nicht an das Geschlecht und entsprechende Erwartungen an Positionsinhaber auf einer Entbindungsstation gebunden.

Die an Positionen in Unternehmen gerichteten Erwartungen haben – wie gesagt – Attribute wie Kompetenz, Führungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Charisma, nicht jedoch Attribute wie männlich oder weiblich zum Gegenstand. Entsprechend ist die Forderung, Positionen in Unternehmen nach Geschlecht zu besetzen, ein Bruch mit dem bislang Gültigen, der zudem in eine Konfusion von Rolle und Position führt, denn plötzlich soll ein Merkmal, das in keiner Weise mit den Rollenattributen, die der Position “Vorstand” und seinem Inhaber zugewiesen werden, in Verbindung steht, die Besetzung der Position anleiten, wichtiger sein als die bislang soziale Erwartungen an das Rollenverhalten von Positionsinhabern gerichteten Attribute Kompetenz, Führungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen oder Charisma.

Der Positionsinhaber inszeniert sich entsprechend nicht als traditionelles Vorstandsmitglied und entlang der Rollenerwartungen an Fähigkeit, Kompetenz, Durchsetzungsvermögen oder Charisma, er inszeniert sich als Geschlechtsinhaber bzw. er wird an der entsprechenden Inszenierung gemessen – ob er das will oder nicht. Dies belegen eine Reihe sozialpsychologischer Untersuchungen, die gezeigt haben, dass die Bewertung derselben  Frauen in Führungspositionen sich mit der Wahrscheinlichkeit verschlechtert, dass die entsprechenden Führungspositions-Frauen Ergebnis von positiver Diskriminierung, also Protegés und Bevorteilte einer betriebs-politischen Entscheidung sind (Heilman, 1997). Diese Ergebnisse belegen zudem, dass man die Rollenattribute, mit denen Führungspositionen nun einmal versehen sind, nicht einfach vom Tisch wischen  und durch “Geschlecht” ersetzen kann – im Gegenteil.

Entsprechend kann eine deratig besetzte Position auch kein “role model” sein, denn wofür sollte sie ein “role model” sein?; dafür dass kompetente Frauen, wenn sie in Führungspositionen gehievt werden, an Ansehen verlieren und fortan als Quotengewinnler gelten?; dafür dass inkompetente Frauen als Geschlechtsteilinhaber Positionen erreichen können, die sie dann, wenn Leistung und Führungsfähigkeit wichtig gewesen wären, nie erreicht hätten? Die ganze unsägliche Diskussion um Frauen in Führungspositionen hat lediglich eines erreicht: Die Trennung zwischen Position und Rolle wurde für Frauen aufgehoben, so dass egal, ob sie Leistung bringen oder nicht, weibliche Positionsinhaber immer als Inhaber kraft Geschlecht und selten bis gar nicht als Inhaber kraft Leistung betrachtet werden (übrigens von Männern und Frauen in gleicher Weise), und sie hat dazu geführt, dass im sozialen Kontakt zwischen männlichen und weiblichen Mitgliedern eines Unternehmens ein Unwohlsein Einzug gehalten hat, das einen normalen Kontakt weitgehend unmöglich macht, weil man nicht mehr weiß, ob die sozialen Erwartungen, die die soziale Interaktion zwischen z.B. Personalchef und Mitarbeiterinnen strukturieren sollen und entlang der Rollenerwartungen an den Inhaber der Position “Personalchef” bzw. “Mitarbeiterin” verlaufen, nicht durch Erwartungen, die sich aus dem Geschlechtsteil des jeweiligen Interaktionspartners ableiten, ersetzt wurden. Dies führt, wie das Beispiel von Wolfgang Goebel sehr deutlich macht, zu erheblichem Unwohlsein (oder Verklemmtheit) zumindest auf Seiten des Personalchefs und hat vermutlich auch erhebliche Konsequenzen für die Effizienz und Effektivität betrieblicher Abläufe.

Literatur

Dahrendorf, Ralf (1977). Homo Sociologicus. Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Goffman, Erving (1983). Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München: Piper.

Heilman, Madeline E. (1997). Sex Discrimination and the Affirmative Action Remedy: The Role of Sex Stereotypes. Journal of Business Ethics 16: 877-889.

House, Robert J. (1992). Personality and Charismatic Leadership. The Leadership Quarterly 3(2): 81-108.

Zhu, Weichun, Avolio, Bruce J., Riggio, Ronald E. & Sosik, John J. (2011). The Effect of Authentic Transformational Leadership on Follower and Group Ethics. The Leadership Quarterly 22(5): 801-817.

Bildnachweis:
I don’t get it either

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