Rollenmodell „Mann“ – Rent a Teacherman und anderer Unsinn

In Bremen gibt es seit fünf Jahren ein Projekt „Rent a Teacherman“, das der Erziehungswissenschaftler Christoph Fantini ins Leben gerufen hat: Männliche Lehramtsstudenten werden an männerlose Grundschulen vermietet. Denn: Bremer Grundschulen sind männerfreie Zonen. Das ist schlecht, fehlten den Jungen doch dadurch die männlichen Rollenmodelle.

Rollenmodell.
Rolle.
Soziale Rolle.
Kaum ein Begriff ist seit dem Aufkommen des Feminismus so derangiert und entkernt worden, wie der Begriff der sozialen Rolle. Wie so oft, wenn Begriffe „populär“ werden, wird nur der Begriff, aber nicht die Bedeutung populär. Und so kommt es, dass viele über etwas reden, aber nur wenige eine Idee davon haben, wovon sie eigentlich reden.

Sir Ralf Dahrendorf kommt das Verdienst zu, den Begriff der sozialen Rollen (das soziale, ohne das der Begriff „Rolle“ nur als solche rückwärts einen Sinn macht, wird in der Regel vergessen) in Deutschland gebrauchsfähig gemacht zu haben. Hier seine Bestimmung dessen, was „soziale Rolle“ beschreibt:

„Von den beiden Begriffen der Position und der Rolle ist der der Rolle bei weitem der wichtigere: die Unterscheidung beider ist dennoch nützlich. Während Positionen nur Orte in Bezugsfeldern bezeichnen, gibt die Rolle uns die Art der Beziehung zwischen den Trägern von Positionen und denen anderer Positionen desselben Feldes an. Soziale Rollen bezeichnen Ansprüche der Gesellschaft an die Träger von Positionen, die von zweierlei Art sein können: einmal Ansprüche an das Verhalten der Träger von Positionen (Rollenverhalten), zum anderen Ansprüche an sein Aussehen und seinen Charakter (Rollenattribute). […] Obwohl die soziale Rolle, die zu einer Position gehört, uns nicht verraten kann, wie ein Träger dieser Position sich tatsächlich verhält, wissen wir doch, wenn wir mit der Gesellschaft, die diese Rolle definiert, vertraut sind, was von ihrem Spieler erwartet wird. Soziale Rollen sind Bündel von Erwartungen, die sich in einer gegebenen Gesellschaft an das Verhalten der Träger von Positionen knüpfen.“

Grundschullehrer ist also eine Position.
Der individuelle Mensch, der die Position füllt, übernimmt die Rolle, die mit dieser Position verbunden ist.
Die Rolle wird von Erwartungen an sein Verhalten und seinen Charakter usw. bestimmt, ist also eine soziale Rolle.

Welche Erwartungen werden an einen Grundschullehrer gestellt?
Dass er Kindern Rechnen, Schreiben und Lesen beibringt.
Dass er in Rechnen, Schreiben und Lesen selbst kompetent ist.
Dass er sein Augenmerk auf den Erfolg aller seiner Schüler legt.

Irgendwie kommt Geschlecht nicht vor.
Geschlecht kommt nur dann vor, wenn man denkt, dass es für die Erwartungen an die Performanz einer Person in der Rolle eines Grundschullehrers einen Unterschied macht, ob diese Person weiblich oder männlich ist.

Das legt natürlich den Verdacht nahe, dass manche Zeitgenossen, die so fixiert auf Geschlecht sind, der Ansicht sind, dass es eine biologische Determinierung von Fähigkeiten gibt. Andere nennen das Sexismus.

Die Rettung vor dieser Art des Biologismus soll durch den Begriff „Rollenmodell“ erreicht werden.
Ein Grundschullehrer soll ein Rollenmodell für seine Schüler sein.

Von Albert Bandura stammt das Konzept des Modelllernens.

Kinder und Jugendliche lernen am Modell, imitieren, was ihnen Bezugspersonen vorleben.
Was kann man vom Rollenmodell „Grundschullehrer“ übernehmen?
Welches seiner Verhalten kann man übernehmen?
Offensichtlich kann man als Grundschüler von einer Person in ihrer Rolle als Grundschullehrer übernehmen, wie man die Position des Grundschullehrers ausfüllt. Sonst nichts.
Mit anderen Worten: Diejenigen, die von Grundschullehrern erwarten, ein Rollenmodell für ihre Schüler zu sein, sehen
Grundschullehrer nicht in der Position „Grundschullehrer“ und nicht in der sozialen Rolle „Grundschullehrer“, sondern als etwas anderes. Z.B. als Angehöriger eines Geschlechts.

Insofern behaupten sie, dass Grundschullehrer „Rollenmodell“ für ihre Grundschüler im Hinblick auf das Verhalten einer Person, der die soziale Rolle eines Mannes oder einer Frau zugewiesen wird, sind. Sie sind also der Ansicht, dass sich Schüler ausgerechnet Grundschullehrer aussuchen, um die Rollenerwartungen und die Erwartungen an Charakter und Eigenschaften dessen, der sich als Mann darstellt, zu erlernen.

Das, mit Verlaub, ist ziemlicher Unsinn. Jeder Winnetou-Film ist besser geeignet, die Rolle „Mann“ zu vermitteln als der männliche Pauker mit der hohen Stirn, der in der Grundschule gelandet ist, weil er es nicht zum Gymnasium geschafft hat. Tatsächlich ist die Erwartung, dass Lehrer für Schüler in der Regel Anti-Rollenbilder sind, die ihnen vermitteln, wie sie nicht sein wollen, begründeter als die Erwartung, Schüler würden ausgerechnet Grundschullehrer als Rollenmodell wählen.

Wie kommt es zu dieser Überschätzung von Rolle und Position?

Durch Inkompetenz, Unverständnis, Phantasie und Manie.
Dem Bericht des Spiegel, in dem es um „die Männer“ geht, die an Grundschulen „vermietet“ werden, nicht etwa um die Lehrer, haben wir die Aussagen, die direkt oder indirekt von Christoph Fantini stammen, dem Verleiher von „Männern“, entnommen und zusammengestellt:

„Viele Kinder würden in der Kita und der Grundschule nicht auf einen einzigen Mann treffen. ‚Dadurch entstehen sehr stereotype Bilder in ihren Köpfen: Männer sind stark und machen was mit Maschinen. Frauen sind schlau. Deshalb können sie studieren und Lehrerin werden“, sagt Fahini.

Zwei logische Schlüsse drängen sich auf: Fahini ist eine Frau, oder Fahini hat nicht studiert. Die Bewertung der Aussage von Fahini ist sehr einfach: Grober Unfug. Rollenbilder werden über Beobachtung, nicht über nicht Beobachtung gewonnen. Und wie Kinder aus der Abwesenheit von Männern in der Grundschule und der Kita schließen sollen, dass Männer etwas mit Maschinen machen und wie sie – wider ihre eigene Anschauung – aus der Beobachtung von weiblichen Grundschullehrern schließen sollen, dass „Frauen schlau“ sind, sind nur zwei Fragen, die man auf Basis einer derart unsinnigen Aussage, wie der von Fahini stellen muss. Tatsächlich sagt die Aussage viel über Fahinis Stereotype „richtige Männer machen etwas mit Maschinen“, „richtige Frauen haben keine Ahnung von Technik“, als dass sie etwas über Grundschüler aussagen würde. Sie belegt einfach nur die vollkommene Unkenntnis, mit der das Konzept der sozialen Rolle im Gehirn von Fahini behandelt wird.

Weil es noch nicht reicht, Faihin zum Zweiten:

„Auch deshalb sind männliche Lehrkräfte nach Ansicht von Fahini so wichtig. Sie sind nicht nur Rollenvorbilder für die Jungen, sondern auch Vertrauenspersonen – mit denen sie über Sexualität sprechen können oder durch die sie sich auf Klassenfahrten aufgehoben fühlen“.

Offensichtlich herrscht im Rollenbild von Fahini erhebliche Konfusion. Denn seine Erwartungen an die Position „Grundschullehrer“ umfasst nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch den Aufbau einer Vertrauensbeziehung zu allen Schülern desselben Geschlechts und Gespräche über Sexualität. Kann man Manie noch deutlicher zum Ausdruck bringen?

Männliche Grundschullehrer sind also deshalb notwendig, weil an deutschen Grundschulen eine Sexualisierung stattgefunden hat, als deren Ergebnis Geschlecht von Schüler und Lehrkraft relevant geworden ist. Nicht mehr das Vermitteln von Wissen ist Aufgabe von Grundschullehrern, sondern das mit Überlegungen im Hinblick auf Geschlecht und Sexualität konfundierte Vermitteln von was auch immer. Daraus muss man dann wohl den Schluss ziehen, dass die Variable Geschlecht in Grundschulen eine Prominenz erreicht hat, die man nur als ungesund bezeichnen kann. Nicht mehr die erfolgreiche Vermittlung von Lerninhalten durch Lehrer an Schüler steht im Zentrum, sondern, ja was eigentlich? Über Sexualität sprechen? Sich aufgehoben fühlen? Die Präsentation von Geschlecht als Variable, die im Leben von Relevanz ist, obwohl kaum etwas über weniger Relevanz im täglichen Leben verfügt als Geschlecht?

Zu welcher Antwort auch immer man kommen wird, normal ist es nicht, dass bereits in Grundschulen die Vermittlung von Inhalten an das Geschlecht von Lehrern und Schülern gekoppelt ist – es ist manisch. Man sieht, wohin Jahrzehnte des Feminismus geführt haben. Die Abnormalität beginnt bereits in Kindergärten und Grundschulen, in denen eine Vermittlung von Wissen ohne Konfundierung mit Lehrer- oder Schülergeschlecht nicht mehr möglich zu sein scheint.

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3 Responses to Rollenmodell „Mann“ – Rent a Teacherman und anderer Unsinn

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Rollenmodell „Mann“ – Rent a Teacherman und anderer Unsinn

  2. Gereon says:

    Verplante Planwirtschaft.

    Es gibt da einen sehr weisen und lustigen Film, den ein paar verplante mit viel LSD geschaffen haben. Yellow Submarine ( genau der mit den Beatles)

    Ich empfehle Fahini die Passage im ‘Meer der Löcher’ zur Bewusstseinserweiterung.

    Das einzige, was größer wird, wenn man etwas wegnimmt, ist ein Loch.
    Genauso funktoiniert Planwirtschaft.

    Auch die geplante Entfern8ung von Männern und deren verplante Anmietung zu Repräsentationszwecken.

  3. Da schon sehr viele Kinder bei einer alleinerziehenden Mutter aufwachsen, wäre es vonnöten, so schnell wie möglich dafür zu sorgen, dass die Kinder einen Gegenpol haben.

    Meinen Sohn ist mit einem Fussball zur Welt gekommen.

    Mit 5 Jahren habe ich ihm seinen Wunsch erfüllen können. Er kam in einen Fussballverein.
    Er war der Jüngste und der Kleinste (inzwischen 190 m groß) und hatte von da ab viele Familien mit Vätern und Müttern und Brüdern und Schwestern, die ihn in ihre Gemeinschaft aufgenommen haben. Er war ein glückliches Kind.

    Und ich hatte mehr Freizeit.

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