Rollenmodell „Mann“ – Rent a Teacherman und anderer Unsinn

In Bremen gibt es seit fünf Jahren ein Projekt „Rent a Teacherman“, das der Erziehungswissenschaftler Christoph Fantini ins Leben gerufen hat: Männliche Lehramtsstudenten werden an männerlose Grundschulen vermietet. Denn: Bremer Grundschulen sind männerfreie Zonen. Das ist schlecht, fehlten den Jungen doch dadurch die männlichen Rollenmodelle.

Rollenmodell.
Rolle.
Soziale Rolle.
Kaum ein Begriff ist seit dem Aufkommen des Feminismus so derangiert und entkernt worden, wie der Begriff der sozialen Rolle. Wie so oft, wenn Begriffe „populär“ werden, wird nur der Begriff, aber nicht die Bedeutung populär. Und so kommt es, dass viele über etwas reden, aber nur wenige eine Idee davon haben, wovon sie eigentlich reden.

Sir Ralf Dahrendorf kommt das Verdienst zu, den Begriff der sozialen Rollen (das soziale, ohne das der Begriff „Rolle“ nur als solche rückwärts einen Sinn macht, wird in der Regel vergessen) in Deutschland gebrauchsfähig gemacht zu haben. Hier seine Bestimmung dessen, was „soziale Rolle“ beschreibt:

„Von den beiden Begriffen der Position und der Rolle ist der der Rolle bei weitem der wichtigere: die Unterscheidung beider ist dennoch nützlich. Während Positionen nur Orte in Bezugsfeldern bezeichnen, gibt die Rolle uns die Art der Beziehung zwischen den Trägern von Positionen und denen anderer Positionen desselben Feldes an. Soziale Rollen bezeichnen Ansprüche der Gesellschaft an die Träger von Positionen, die von zweierlei Art sein können: einmal Ansprüche an das Verhalten der Träger von Positionen (Rollenverhalten), zum anderen Ansprüche an sein Aussehen und seinen Charakter (Rollenattribute). […] Obwohl die soziale Rolle, die zu einer Position gehört, uns nicht verraten kann, wie ein Träger dieser Position sich tatsächlich verhält, wissen wir doch, wenn wir mit der Gesellschaft, die diese Rolle definiert, vertraut sind, was von ihrem Spieler erwartet wird. Soziale Rollen sind Bündel von Erwartungen, die sich in einer gegebenen Gesellschaft an das Verhalten der Träger von Positionen knüpfen.“

Grundschullehrer ist also eine Position.
Der individuelle Mensch, der die Position füllt, übernimmt die Rolle, die mit dieser Position verbunden ist.
Die Rolle wird von Erwartungen an sein Verhalten und seinen Charakter usw. bestimmt, ist also eine soziale Rolle.

Welche Erwartungen werden an einen Grundschullehrer gestellt?
Dass er Kindern Rechnen, Schreiben und Lesen beibringt.
Dass er in Rechnen, Schreiben und Lesen selbst kompetent ist.
Dass er sein Augenmerk auf den Erfolg aller seiner Schüler legt.

Irgendwie kommt Geschlecht nicht vor.
Geschlecht kommt nur dann vor, wenn man denkt, dass es für die Erwartungen an die Performanz einer Person in der Rolle eines Grundschullehrers einen Unterschied macht, ob diese Person weiblich oder männlich ist.

Das legt natürlich den Verdacht nahe, dass manche Zeitgenossen, die so fixiert auf Geschlecht sind, der Ansicht sind, dass es eine biologische Determinierung von Fähigkeiten gibt. Andere nennen das Sexismus.

Die Rettung vor dieser Art des Biologismus soll durch den Begriff „Rollenmodell“ erreicht werden.
Ein Grundschullehrer soll ein Rollenmodell für seine Schüler sein.

Von Albert Bandura stammt das Konzept des Modelllernens.

Kinder und Jugendliche lernen am Modell, imitieren, was ihnen Bezugspersonen vorleben.
Was kann man vom Rollenmodell „Grundschullehrer“ übernehmen?
Welches seiner Verhalten kann man übernehmen?
Offensichtlich kann man als Grundschüler von einer Person in ihrer Rolle als Grundschullehrer übernehmen, wie man die Position des Grundschullehrers ausfüllt. Sonst nichts.
Mit anderen Worten: Diejenigen, die von Grundschullehrern erwarten, ein Rollenmodell für ihre Schüler zu sein, sehen
Grundschullehrer nicht in der Position „Grundschullehrer“ und nicht in der sozialen Rolle „Grundschullehrer“, sondern als etwas anderes. Z.B. als Angehöriger eines Geschlechts.

Insofern behaupten sie, dass Grundschullehrer „Rollenmodell“ für ihre Grundschüler im Hinblick auf das Verhalten einer Person, der die soziale Rolle eines Mannes oder einer Frau zugewiesen wird, sind. Sie sind also der Ansicht, dass sich Schüler ausgerechnet Grundschullehrer aussuchen, um die Rollenerwartungen und die Erwartungen an Charakter und Eigenschaften dessen, der sich als Mann darstellt, zu erlernen.

Das, mit Verlaub, ist ziemlicher Unsinn. Jeder Winnetou-Film ist besser geeignet, die Rolle „Mann“ zu vermitteln als der männliche Pauker mit der hohen Stirn, der in der Grundschule gelandet ist, weil er es nicht zum Gymnasium geschafft hat. Tatsächlich ist die Erwartung, dass Lehrer für Schüler in der Regel Anti-Rollenbilder sind, die ihnen vermitteln, wie sie nicht sein wollen, begründeter als die Erwartung, Schüler würden ausgerechnet Grundschullehrer als Rollenmodell wählen.

Wie kommt es zu dieser Überschätzung von Rolle und Position?

Durch Inkompetenz, Unverständnis, Phantasie und Manie.
Dem Bericht des Spiegel, in dem es um „die Männer“ geht, die an Grundschulen „vermietet“ werden, nicht etwa um die Lehrer, haben wir die Aussagen, die direkt oder indirekt von Christoph Fantini stammen, dem Verleiher von „Männern“, entnommen und zusammengestellt:

„Viele Kinder würden in der Kita und der Grundschule nicht auf einen einzigen Mann treffen. ‚Dadurch entstehen sehr stereotype Bilder in ihren Köpfen: Männer sind stark und machen was mit Maschinen. Frauen sind schlau. Deshalb können sie studieren und Lehrerin werden“, sagt Fahini.

Zwei logische Schlüsse drängen sich auf: Fahini ist eine Frau, oder Fahini hat nicht studiert. Die Bewertung der Aussage von Fahini ist sehr einfach: Grober Unfug. Rollenbilder werden über Beobachtung, nicht über nicht Beobachtung gewonnen. Und wie Kinder aus der Abwesenheit von Männern in der Grundschule und der Kita schließen sollen, dass Männer etwas mit Maschinen machen und wie sie – wider ihre eigene Anschauung – aus der Beobachtung von weiblichen Grundschullehrern schließen sollen, dass „Frauen schlau“ sind, sind nur zwei Fragen, die man auf Basis einer derart unsinnigen Aussage, wie der von Fahini stellen muss. Tatsächlich sagt die Aussage viel über Fahinis Stereotype „richtige Männer machen etwas mit Maschinen“, „richtige Frauen haben keine Ahnung von Technik“, als dass sie etwas über Grundschüler aussagen würde. Sie belegt einfach nur die vollkommene Unkenntnis, mit der das Konzept der sozialen Rolle im Gehirn von Fahini behandelt wird.

Weil es noch nicht reicht, Faihin zum Zweiten:

„Auch deshalb sind männliche Lehrkräfte nach Ansicht von Fahini so wichtig. Sie sind nicht nur Rollenvorbilder für die Jungen, sondern auch Vertrauenspersonen – mit denen sie über Sexualität sprechen können oder durch die sie sich auf Klassenfahrten aufgehoben fühlen“.

Offensichtlich herrscht im Rollenbild von Fahini erhebliche Konfusion. Denn seine Erwartungen an die Position „Grundschullehrer“ umfasst nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch den Aufbau einer Vertrauensbeziehung zu allen Schülern desselben Geschlechts und Gespräche über Sexualität. Kann man Manie noch deutlicher zum Ausdruck bringen?

Männliche Grundschullehrer sind also deshalb notwendig, weil an deutschen Grundschulen eine Sexualisierung stattgefunden hat, als deren Ergebnis Geschlecht von Schüler und Lehrkraft relevant geworden ist. Nicht mehr das Vermitteln von Wissen ist Aufgabe von Grundschullehrern, sondern das mit Überlegungen im Hinblick auf Geschlecht und Sexualität konfundierte Vermitteln von was auch immer. Daraus muss man dann wohl den Schluss ziehen, dass die Variable Geschlecht in Grundschulen eine Prominenz erreicht hat, die man nur als ungesund bezeichnen kann. Nicht mehr die erfolgreiche Vermittlung von Lerninhalten durch Lehrer an Schüler steht im Zentrum, sondern, ja was eigentlich? Über Sexualität sprechen? Sich aufgehoben fühlen? Die Präsentation von Geschlecht als Variable, die im Leben von Relevanz ist, obwohl kaum etwas über weniger Relevanz im täglichen Leben verfügt als Geschlecht?

Zu welcher Antwort auch immer man kommen wird, normal ist es nicht, dass bereits in Grundschulen die Vermittlung von Inhalten an das Geschlecht von Lehrern und Schülern gekoppelt ist – es ist manisch. Man sieht, wohin Jahrzehnte des Feminismus geführt haben. Die Abnormalität beginnt bereits in Kindergärten und Grundschulen, in denen eine Vermittlung von Wissen ohne Konfundierung mit Lehrer- oder Schülergeschlecht nicht mehr möglich zu sein scheint.

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Neo-Orientalismus im Bundestag – Ressourcenverschwendung im Extrem

Vorrede: Ressourcen sind begrenzt. Die Ressourcen, die man für eine Sache einsetzt, stehen nicht mehr für eine andere Sache zur Verfügung. Wenn man also Ressourcen für eine unwichtige Sache verschwendet, dann fehlen die entsprechenden Ressourcen, um eine wichtige Sache anzugehen.

Erving Goffman hat wie kein Anderer das Soziale als Schauspiel beschrieben und durchschaut. Wir alle spielen Theater ist die deutsche Übersetzung seines Klassikers, der mit „The Presentation of Self in Everyday Life“ einen wesentlich besseren Titel trägt: Die Selbstdarstellung im täglichen Leben, wäre ein sinnvollerer Titel gewesen.

Das tägliche Leben, es besteht aus der täglichen Inszenierung von sozialen Rollen, aus der Errichtung einer Fassade vor oder hinter der die dramatische Gestaltung der Selbstinszenierung erfolgen kann, es besteht aus Ausdruckkontrolle und Idealisierung und vor allem aus dem Versuch, glaubwürdig zu erscheinen.

Gutmenschen, also Menschen, die als „gute Menschen“ erscheinen wollen, denen es wichtig ist, sich als das zu inszenieren, was sie für einen guten Menschen halten, sie haben es heute schwer. Gerade noch haben sie in einer modernen Variante des Orientalismus des 18. und 19. Jahrhunderts, die man als Neo-Orientalismus bezeichnen kann, Flüchtlinge als Form kleiner schwarzer Kinder, um die man sich kümmern muss, idealisiert, da haben sich die idealen Flüchtlinge, die zu Millionen nach Deutschland kommen, als gar nicht ideal, sondern als menschlich entpuppt. Sie haben andere Bedürfnisse als von den Gutmenschen für sie vorgesehen, sie bringen andere kulturelle Traditionen mit, sie haben andere Wertvorstellungen, in denen weder Homosexualität einen Platz hat noch eine öffentliche Exposition von Sexualität, sie sind zuweilen gar kriminell und mögen die deutsche Küche nicht. Wenn Gutmenschen auf die Realität treffen, dann passiert, was immer passiert: Ihre Idealisierung zerfällt zu Staub, ihre Inszenierung als Gutmensch ist entsprechend in Gefahr, ihre mühsam errichtete Fassade, sie bröckelt.

Da wiederum die Inszenierung als Gutmensch nicht um ihrer selbst willen, sondern deshalb erfolgt, weil die eigen Persönlichkeit davon abhängt, bringen die undankbaren Flüchtlinge, die sich als normale Menschen entpuppen, nicht nur die Fassade der Gutmenschen-Darstellung, sondern die ganze Persönlichkeit des Gutmenschen in Gefahr.

Folglich muss ein neues Feld her, auf dem sie sich als Gutmenschen dramatisieren können. Sie benötigen eine neue Gruppe, derer man sich bemächtigen kann, die man idealisieren kann, der man sich überlegen fühlen kann und auf deren Rücken man sich gut fühlen und als gut inszenieren kann. Die entsprechende Gruppe darf nicht zahlreich sein, sonst besteht zum einen die Gefahr, dass die Idealisierung durch Konfrontation mit dem real existierenden edlen Wilden in sich zusammenfällt, zum anderen lebt die ganze Dramaturgie, das ganze Signalisieren der eigenen Gutheit, das virtue signalling, und somit die Inszenierung der eigenen Persönlichkeit davon, dass das für die Gutheit ausgewählte Objekt, sich nicht als etwas anderes entpuppt als es zu sein hat.

Da Flüchtlinge, undankbare kleine Braune, die sie sind, sich als normale Menschen erwiesen haben, haben sich die Gutmenschen auf eine Gruppe zurückbesonnen, die ihnen schon einmal als Objekt gedient hat: Homosexuelle.

Homosexuelle sind optimal, wenn man sich als guter Mensch inszenieren will. Man erklärt, dass Homosexuelle nicht benachteiligt werden dürfen. Kämpft dafür, dass sie nicht diskriminiert werden. Macht sie zu einer idealen Lebensform, einer von der heterosexuellen Mehrheit unterdrückten Lebensform, in der sich nicht etwa Männer in Leder mit einem Hang zu Sado-Masochismus treffen oder Männer, die ihre finanzielle Position ausnutzen, um sich mit Crystal-Meth auszurüsten und Strichjungen zu kaufen, oder Frauen, die ihre Faszination und gleichzeitige Angst vor Männlichkeit hat eine Psychose entwickeln lassen, nein, Homosexuelle sind rein wie kleine Kinder. Sie haben kein erhöhtes Aids-Risiko, sind mindestens genau so gute Eltern wie heterosexuelle Eltern und in jeder Hinsicht die überlegene Lebensform, schon weil sie wie die Kindlein sind – jedenfalls in der Idealisierung derer, die sich auf dem Rücken von Homosexuellen ausleben.

[Ein Aspekt homosexueller Kultur:]

Homosexuelle sind auch deshalb optimal, weil es kaum welche von ihnen gibt, und die, die es gibt, die sich in der Öffentlichkeit als homosexuell inszenieren, sie werden als Ikonen eines Befreiungskampfes aufgebaut, der dieses Mal keine unterdrückten Minderheiten zum Gegenstand hat, die in stattlicher Anzahl vorhanden sind, wie z.B. die Palästinenser, die um staatliche Anerkennung kämpfen, sondern eine so kleine Minderheit, dass man sie einerseits mit der Lupe suchen muss, um sie zu finden, andererseits die Gefahr reduziert ist, dass sie sich als normale Menschen erweisen, die von der Idealisierung von Homosexualität, auf der die öffentliche Diskussion basiert, abweichen.

Um die Idealisierung auf die Spitze zu treiben, unterstellen die Kämpfer für die Gleichberechtigung von Homosexuellen Letzteren, dieselbe Spießigkeit, die sie selbst auszeichnet, eine Spießigkeit, die das eigene Leben in die Obhut des Staates und den rechtlichen Schutz seiner Gesetze legen will, eine Spießigkeit, für die Partnerschaft so gefährlich und bedrohlich ist, dass man sie nur eingeht, wenn klar ist, welche Rechte und Pflichten damit einhergehen. Selbstverständlich wollen Homosexuelle nichts lieber als heiraten, um zu zeigen, dass sie zwar anders, aber nicht zu anders sind.

So sehen es die Gutmenschen und so kommt es, dass der Bundestag über die Ehe für Alle abstimmen wird, dass er seine Ressourcen einsetzen wird, um ein Recht zu schaffen, von dem, wenn man annimmt, dass der Anteil der Homosexuellen, die heiraten werden, dem Anteil der Verheirateten in der Bevölkerung entspricht, gerade einmal 0,23% der Haushalte in Deutschland etwas haben werden.

Wie das Statistische Bundesamt heute mitgeteilt hat, gibt es rund 94.000 homosexuelle Partnerschaften. Gemessen an den 24.099.000 Haushalten, in denen zwei oder mehr Personen zusammenleben, macht dies einen Anteil von 0,4%. Rund 61% der Deutschen im Alter von 27 bis 59 Jahre sind verheiratet. Unterstellt man Homosexuellen dasselbe Heiratsverhalten, dann stimmt der Bundestag über Rechte ab, die von 0.23% der deutschen Haushalte wahrgenommen werden.

[Noch ein Aspekt homosexueller Kultur:]

Dieser Irrelevanz homosexueller Ehen im gesellschaftlichen Kontext steht die Nützlichkeit von Homosexualität für Virtue Signalling gegenüber. Kein anderes Thema hat es in den letzten Wochen und Monaten geschafft, die Phantasie derer, die in Medien und Politik sitzen, so zu beflügeln, wie Homosexualität, jene Verhaltensweise, von der die meisten nicht mehr wissen als sie in ihrer Phantasie sich auszumalen, im Stande sind. Wobei diese Phantasie in den meisten Fällen kein gutes Licht auf den Charakter der Phantasten werfen wird. Homosexualität, die Vorstellung vom edlen Schwulen, sie steht somit in einer direkten Reihe mit dem Orientalismus, jener Bewegung, die Deutschland schon einmal im Griff hatte, damals mit Blick auf die arabischen Staaten, die die Phantasie mancher Deutscher in einer Weise beflügelt haben, die umgekehrt reziprok zu den Kenntnissen besagter Deutscher von arabischen Ländern stand.

Aber, wie schon mit Blick auf die Flüchtlinge festgestellt, es geht nicht darum, die Realität zu beschreiben. Es geht darum, sich als Gutmensch zu inszenieren, eine dramatische Darstellung zu liefern, die zeigt, man ist der Samariter, auf den selbst die Bibel umsonst gewartet hat. Die Realität stört dabei nur. Sie stört den Neo-Orientalismus und die von ihm versprochene Möglichkeit, der eigenen Phantasie Flügel zu verleihen, die Grenzen überwindet, Grenzen der Moral, Grenzen des guten Geschmacks, des pfleglichen und verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen …

P.S.
Wenn Homosexuelle zusammenleben wollen und sich ihrer nicht sicher sind, so dass sie eine rechtliche Sicherheit benötigen, steht ihnen jederzeit die Möglichkeit zur Verfügung, einen privatrechtlichen Vertrag mit einander abzuschließen. Es gibt keinerlei Notwendigkeit, homosexuelle Partnerschaften per Zugang zur Ehe unter den Schutz des Grundgesetzes und nachfolgend in den Genuss der damit verbundenen steuerlichen Vorteile, staatlichen Subventionen und sonstigen finanziellen Zuwendungen kommen zu lassen. Wenn es um Gerechtigkeit geht, bestünde der sinnvollere Weg darin, die Privilegierung von Lebensentwürfen abzubauen, anstatt den privilegierten Lebensentwürfen neue hinzuzufügen, denn: auch finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Die Staatsknete kommt nicht aus der Steckdose, sie muss erwirtschaftet werden, von denen, die nach wie vor dumm genug sind, ein Erwerbs- und kein Transferleben zu leben.

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[Zugabe: Ein weiterer Aspekt homosexueller Kultur:]

Der neue Antifeminismus – Ilse Lenz nimmt Bestand auf

Durch Zufall ist mir die Bearbeitung des Kachelmann-Falles durch Ilse Lenz, Besetzerin des Lehrstuhls für Soziologie, Soziale Ungleichheit und Geschlecht an der Ruhr-Universität Bochum in die Hände gefallen. Das “Werk” veröffentlicht in den Blättern für deutsche und internationale Politik, also in einer Zeitschrift, die man getrost als ideologisch links der Mitte aufgestellt, einordnen kann, ist ein seltsames “Werk”. Auf der einen Seite ist es im Impetus dessen geschrieben, der die Dinge jetzt einmal richtig darstellt. Auf der anderen Seite ist es keine wissenschaftliche Arbeit, sondern im weiten Teilen eine Auseinandersetzung mit Arne Hoffmann, scheinbar der Lieblingsfeind von Frau Lenz (Vielleicht erklärt dies, warum der Adept von Frau Lenz, Hinrich Rosenbrock, in seiner Magisterarbeit, die ganz im Geiste von Frau Lenz geschrieben ist und entsprechend auch gut bewertet wurde, aus Arne Hoffmann eben einmal einen Rechtspopulisten macht.).

So richtig habe ich nicht verstanden, worum es Frau Lenz in ihrem 9seitigen Beitrag nun wirklich geht, denn dem Beitrag fehlt der rote Faden, das, was den Leser bei Stange hält und ihm sagt, warum der Beitrag nun geschrieben wurde. Aber, das Fehlen von wissenschaftlichen Standards hat mich bekanntlich noch nie vom Lesen vermeintlich wissenschaftlicher Ergüsse abgehalten, und was für Hinrich Rosenbrock recht war, muss daher für Ilse Lenz  nur billig sein. Dem fehlenden roten Faden geschuldet, gehe ich schrittweise vor.

  • Die erste Artikel-Phase besteht aus der Selbstfindung von Ilse Lenz. Hier geht es scheinbar darum, den Feind aufzubauen. Der Feind besteht in einem “Antifeminismus”, der in der Folge des Kachelmann-Urteils aufgekommen sein solle und dessen Ziel darin bestehe, Frauen ihre Opferrolle in Vergewaltigungsprozessen streitig zu machen und sie nunmehr Männern, die haltlosen Beschuldigungen von vermeintlich Vergewaltigten schutzlos ausgesetzt sind, zuzuschreiben.
  • Die zweite Phase sieht Ilse Lenz immer noch mit der Opferfrage beschäftigt, dieses Mal vor dem Hintergrund ihrer Behauptung, dass versucht werde eine Justiz zu schaffen, die wieder wie früher “auf Seiten der Männer stehe” und das Bild der “potentiell mächtigen Lügnerin”, das sie selbstverständlich als frauenfeindlich bewertet, zu verbreiten.
  • Phase 3 ist weiterhin der Opferfrage gewidmet und hier insbesondere der Auseinandersetzung mit Arne Hoffmann, der wie Ilse Lenz meint, entweder keine Lesekompetenz habe oder absichtlich Falsches behaupte (55). Streitpunkt ist die Interpretation einer Studie, die von Erich Elsner und Wiebke Steffen im Jahre 2005 veröffentlicht wurde und das Ausmaß von Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen wie es sich in der Polizeilichen Kriminalstatistik Bayerns niederschlägt, zum Gegenstand hat. Im Streit darum, wer nun Opfer ist, Frauen oder Männer, den Lenz virtuell mit Arne Hoffmann führt, geht es ihr vor allem darum, die Anzahl der durch Frauen gemachten falschen Vergewaltigungsbeschuldigungen zu relativieren. So schreibt sie, nicht ohne sich darüber zu mokieren, dass sie nunmehr Ergebnisse einer qualitativen Aktenstudie sowie qualitativer Interviews berichtet, die mit 77 Ermittlern geführt wurden, natürlich zu wenige, nach dem Geschmack von Frau Lenz, dass diese Sachbearbeiter schätzen, dass etwa ein Drittel aller durch die Staatsanwaltschaft eingestellten Ermittlungsverfahren auf Vortäuschung oder falsche Verdächtigung zurückgehen (56). Ein Blick in den strittigen Bericht zeigt, dass diese Behauptung schlicht und ergreifend falsch ist, und – um Frau Lenz zu zitieren: “man fragt sich schon, ob das Problem nur bei der Lesekompetenz liegt” (55). Im strittigen Bericht von Elsner und Steffen steht: “Nach Bewertung der polizeilichen Sachbearbeiter sind fast zwei Drittel (64%) der von ihnen selbst bearbeiteten und von der Staatsanwaltschaft nach §170 StPO eingestellten Verfahren ‘eher’ oder ‘mit hoher Wahrscheinlichkeit’ Vortäuschungen oder falsche Verdächtigungen. Rechnet man näherungsweise auf den Gesamtbestand aller Vorgänge hoch, die sich der Polizei im Jahr 2000 zunächst als Vergewaltigungen oder sexuelle Nötigungen dargestellt haben, dann wird etwa ein Drittel aller Fälle entweder ohnehin als Vortäuschung oder falsche Verdächtigung angezeigt oder die Ermittler halten sie zumindest ‘eher’ für eine solche” (282, Hervorhebung von mir). Was Frau Lenz entweder aufgrund eigener Leseinkompetenz nicht versteht oder ihren Lesern bewusst unterschlagen will, ist das mehrstufige Vorgehen von Elsner und Steffen. Zuerst ermitteln die Autoren die Anzahl der Ermittlungs-Verfahren wegen Falschbeschuldigung und kommen auf dabei 7,5% der wegen Vergewaltigung oder sexueller Nötigung eingeleiteten Ermittlungsverfahren. Die Anzeigen wegen Falschbeschuldigung sind – wie die Autoren schreiben – relativ selten und kommen nur dann zu Stande, wenn der Falschbeschuldiger seine falsche Beschuldigung auch gesteht. Darüber hinaus gibt es jedoch noch Ermittlungsverfahren, die von der Staatsanwaltschaft nach Abgabe durch die Polizei eingestellt werden, z.B. weil die Beweislage keine Anklage erlaubt. Von diesen Verfahren, die durch die Staatsanwaltschaft eingestellt werden, schätzen die Sachbearbeiter der Polizei, sind knapp zwei Drittel das Ergebnis einer Falschbeschuldigung. Diese zwei Drittel bei den eingestellten Verfahren verrechnen nunmehr die Autoren Elsner und Steffen mit den 7,5% Ermittlungsverfahren wegen Falschbeschuldigung und kommen auf dieser Grundlage zu der Schätzung, dass rund ein Drittel aller Ermittlungsverfahren, die im Jahr 2000 bzw. 2003 wegen Vergewaltigung oder sexueller Nötigung bei der Bayerischen Polizei anlagen, auf eine Falschbeschuldigung zurückgehen.
  • Phase 4 ist dem Lavieren um den heißen Brei gewidmet, denn was Ilse Lenz wirklich Kopfzerbrechen bereitet, ist die vor deutschen Gerichten geltende Unschuldsvermutung. Das ganze Problem beginnt nämlich für Lenz damit, dass Angeklagte solange als unschuldig gelten wie sie nicht verurteilt sind. Diesen Grundsatz des “in dubio pro reo” hat Ilse Lenz bereits zu Beginn ihres Beitrags angestrengt, um den Freispruch von Jörg Kachelmann zu relativieren, so als wäre es kein richtiger Freispruch, so als wäre Kachelmann doch schuldig, die Schuld aber nicht beweisbar. Dass Lenz nur zu gerne bereit wäre, die Unschuldsvermutung zu kippen, stellt sie auf den Seiten 58 bis 59 klar, wenn Sie schreibt: “Also darf die notwendige Unschuldsvermutung gegenüber dem Angeklagten nicht bedeuten, dass dem Opfer am Ende die Glaubwürdigkeitsvermutung entzogen wird”. In Deutsch: Wenn Aussage gegen Aussage steht, dann muss dem vermeintlichen Opfer, nicht dem Angeklagten geglaubt werden. Dies ist die Lenzsche Form der “geschlechtergerechten Verfahren”, die in der vorgeschlagenen Weise kaum mit den Grundlagen des deutschen Rechtssystems vereinbar sein wird.
  • Phase 5 und damit der Abschluss des Beitrags ist der Festschreibung von Frauen als Opfern gewidmet, wie z.B. daran deutlich wird, dass Lenz Videovernehmungen vermeintlicher Opfer befürwortet, die man nicht bräuchte, wäre nicht von vorneherein klar, wer Opfer und wer Täter ist. Und es wird daran deutlich, dass Lenz eine Form von Zensur für u.a. Online-Foren fordert, in denen sich Kommentare finden, die das weibliche Monopol auf den Opferstatus in Frage stellen.

Das also meine Zusammenfassung des “Beitrags” von Ilse Lenz. Was ist davon zu halten?

Frau Lenz besetzt einen Lehrstuhl für u.a. Soziologie und soziale Ungleichheit. Die Soziologie kennt soziologische Grundbegriffe. Einer davon ist die soziale Rolle. Die soziale Rolle, die Frau Lenz vermutlich nur als traditionelles oder nicht-traditionelles Frauen-/Männerbilder kennt, bestimmt nicht nur das Anzeigeverhalten, sondern auch die Wahrnehmung von vermeintlichen Straftaten. Während ein Mann bereits dann eine sexuelle Nötigung begehen kann, wenn er sich deutlich über seine Absichten gegenüber einer Frau äußert, sind anzügliche Gesten von Frauen gegenüber Männern weitgehend durch den kulturellen Code gedeckt und kaum ein Mann wird deshalb eine Anzeige wegen sexueller Nötigung erstatten (Dies sollte insbesondere einem Soziologen bekannt sein, der sich vorgeblich mit “sozialer Ungleichheit” beschäftigt.). Das gesellschaftliche Klima in Deutschland und die Opferrolle von Frauen, für die Ilse Lenz so leidenschaftlich kämpft, führt dazu, dass Anschuldigungen, die Frauen gegen Männer erheben, in den meisten Fällen direkt in ein Ermittlungsverfahren münden, während Männer aufgrund desselben Klimas Probleme haben, mit ihrem Anliegen überhaupt gehört zu werden (sofern sie sich überhaupt durchringen, ihr Anliegen vorzutragen). Dies führt zu einer weiteren erstaunlichen Tatsache, die Frau Lenz vermutlich noch nie gehört hat: Es gibt männliche Täter und männliche Opfer, und es gibt weibliche Täter und weibliche Opfer. Die Welt, von Genderisten so häufig als “komplex” bezeichnet, kennt in der Tat mehr als weibliche Opfer und männliche Täter. Die Kriminologie kennt zudem ein Hell- und ein Dunkelfeld. Ersteres beschreibt die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten, Letzteres beschreibt die nicht bekannt gewordenen Straftaten. Erstere kennt man, Letztere muss man schätzen. Ilse Lenz schätzt eben einmal, dass auf eine Anzeige wegen “Vortäuschen oder falscher Verdächtigung etwa 38 bis 125 tatsächlich vorgefallene Vergewaltigungen oder sexuelle Nötigungen” (55) kommen. Wie man leicht erkennen kann, wenn man das Zitat im Zusammenhang liest, geht Frau Lenz davon aus, dass es sich bei den Opfern dieser nicht bekannten, weil im Dunkelfeld erfolgten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen ausschließlich um Frauen handelt. Ein weiterer Beleg der Engstirnigkeit von Frau Lenz, die weder in Rechnung zu stellen vermag, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung zur Anzeige zu bringen zwischen den Geschlechtern und aufgrund des oben beschriebenen kulturellen Klimas unterschiedlich verteilt ist (Männer weniger, Frauen mehr), noch zu der Einsicht fähig ist, dass ein Dunkelfeld vornehmlich dadurch beschrieben ist, dass es ein Dunkelfeld ist. Entsprechend sinnlos sind Schätzungen, die von 38 bis 125 reichen.

Ein Soziologe, der sich mit dem Anzeigeverhalten von Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen beschäftigt, sollte sich, als Soziologe, eigentlich die Frage stellen, was mit einer Gesellschaft los ist, in der das Strafrecht dazu genutzt werden kann, Beziehungsprobleme auszuleben und in der eine Fixierung auf Sexualität intime zwischenmenschliche Kontakte zur Waffe in einer Auseinandersetzung macht. Ein solcher Soziologe sollte zudem bei dem Problem asymmetrischer Informationen ankommen, das darin besteht, dass in der Mehrzahl der Fälle von angezeigter Vergewaltigung oder sexueller Nötigung zumeist eine etwas und einer das Gegenteil behauptet. Vielleicht kann dieser Soziologe dann eine Verbindung zum gesellschaftlichen Klima herstellen und sich fragen, welches Geschlecht durch das vorhandene Klima zu opportunistischem Verhalten angereizt wird und dann die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, Landrichter würden ihre Nasen aus Beziehungsproblemen heraushalten, dann würde das Bild von Frauen als reinen Opfern auch schnell verschwinden, denn Frauen wie Männer haben die Fähigkeit sich zu wehren und Frauen wie Männer sind Täter und Opfer. Leider ist Frau Lenz kein Soziologe und mutmaßlich das Ergebnis der “Frauenförderung” an Universitäten.

Lenz, Ilse (2011). Der neue Antifeminismus. Der Fall Kachelmann und das Bild vom männlichen Opfer. Blätter für deutsche und internationale Politik 7: 51-59.

“Role models” wofür? Sind weibliche Führungskräfte in erster Linie weiblich oder in erster Linie Führungskraft?

McDiversity

Durch Zufall bin ich im Blog von Wolfgang Goebel, dem Personalchef von McDonald’s Deutschland, auf einen Beitrag mit dem Titel “Wie ernst ist locker?” gestoßen. Was dem Titel nicht unmittelbar zu entnehmen ist, es geht um ein “Gender Meeting”, ein Treffen der “McDonald’s German Women’s Network Gruppe”, also eine Veranstaltung in Sachen politischer Korrektheit. Beim Lesen des Textes von Goebel ist mir vielmehr aufgefallen, wie unwohl sich Goebel in seiner “Rolle” als Personalchef in der “McDonald’s German Women’s Network Gruppe” gefühlt haben muss und wie durch den ideologischen Überbau des Genderismus aus einer einfachen sozialen Interaktion aus einer Begegnung, bei der Geschlecht eigentlich keine Rolle spielen sollte, eine Begegnung mit der dritten Art wurde, bei der außer Geschlecht nichts mehr eine Rolle spielt. Goebels Unwohlsein, so meine These, wird daraus gespeist, dass er nicht weiß,  welche sozialen Merkmale die soziale Interaktion in der “McDonald’s German Women’s Network Gruppe” bestimmen: Tritt er hier als Personalchef Angestellten von McDonald’s gegenüber, wie man das erwarten würde, oder hat er eine Interaktion mit Fremdgeschlechtlichen oder potentiellen Geschlechtspartnern vor sich? Mit anderen Worten, die sozialen Erwartungen, die sonst eine soziale Interaktion bestimmen, die Sicherheit, dass man beim Bäcker unabhängig davon bedient wird, ob man als männlicher Kunde einem weiblichen Angestellten gegenübersteht (oder umgekehrt), ist im Kontext des McDonald’s German Women’s Network Gruppentreffen, nicht vorhanden.

Diese Unsicherheit wird deutlich an Aussagen Goebels wie den folgenden, die mich an das sprichwörtliche Pfeiffen im Wald erinnern [meine Kommentare in eckigen Klammern]: “Ich denke, es spricht für unsere Unternehmenskultur, dass es für uns mittlerweile selbstverständlich ist, solch [spitze Finger] eine Veranstaltung durchzuführen [auch wenn ich mir nicht so ganz klar bin, wozu “solch eine Veranstaltung”  gut sein soll]. Ich selbst habe mich teilweise nicht so locker gefühlt [in der Mittelschicht fühlt man sich nicht unwohl, man fühlt sich nur locker oder weniger locker] wie ich es mir vorgestellt und vorgenommen hatte [Man muss sich vornehmen, dass man sich locker fühlt, wenn man mit fremdgeschlechtlichen Menschen, die Angestellte des eigenen Unternehmens sind, zusammentrifft – das Mitarbeitertreffen als inter-geschlechtliche Mutprobe!]. Ich habe einfach gemerkt, dass es Themen gibt, die wir noch nicht richtig adressiert haben und die, …, aber sehr deutlich von den Anwesenden fokusiert wurden” [Wie beseitigt man Verhaltensunsicherheit, wenn einem andersgeschlechtliche Menschen so fremd sind, fast so fremd wie wie Schwarze oder Araber, Homosexuelle oder Alien…]”.

Besser als Goebel kann man Unwohlsein kaum mehr artikulieren. Und woraus sich dieses Unwohlsein speist, wird deutlich, wenn man auf die zentralen Themen des Netzwerktreffens “fokusiert”. Eigentlich sind das keine Themen, es ist ein Thema, “das Thema”, dass es keine Frauen bei McDonald’s im Vorstand gibt. Dieses “Thema” gibt es im kurzen Beitrag von Goebel in Variationen, aber immer kreist es um den Begriff des “role model”, dem Goebel mindestens so unsicher gegenübersteht, wie den weiblichen Angestellten seines Unternehmens (d.h. eigentlich geht es um das fehlende “role model”, was abermals und einfach nur heißt, dass es keine weiblichen Vorständler bei McDonald’s gibt).

“Role model”, von Goebel wohlweislich unübersetzt gelassen, ist ein Begriff, den man aus dem Englischen nicht eins-zu-eins ins Deutsche übertragen kann, denn dem deutschen Begriff des “Vorbilds” fehlen alle Konnotationen, die den englischen Begriff “role model” auszeichnen. Besonders bedeutsam ist, dass im Begriff “role model” eine individuelle und eine positionale Komponente eine Verbindung eingehen, denn ein Indivuduum nimmt eine Position ein, die mit Rollenerwartungen verbunden ist, und füllt die Position in bestimmter Weise aus – spielt seine Rolle auf bestimmte Weise. Entsprechend ist es das Beste, für die deutsche Übersetzung von “role model” auf die Begriffe Rolle und Position zurückzugreifen, um zu zeigen, warum sich Wolfgang Goebel im Kreise seiner Mitarbeiterinnen als Vorgesetzter, der er nun einmal ist, so unwohl fühlt.

Ralf Dahrendorf hat bereits 1958 in seinem Homo Sociologicus die Begriffe der Position und der Rolle unterschieden: “Während Position nur Orte in Bezugsfeldern bezeichnet, gibt die Rolle uns die Art der Beziehung zwischen den Trägern von Positionen und denen anderer Positionen desselben Feldes an. Soziale Rollen bezeichnen Ansprüche der Gesellschaft an die Träger von Positionen, die von zweierlei Art sein können: einmal Ansprüche an das Verhalten der Träger von Positionen (Rollenverhalten), zum anderen Ansprüche an sein Aussehen und seinen ‘Charakter’ (Rollenattribute)” (Dahrendorf, 1977[1958], S.33). Vorstandsmitglied von z.B. McDonalds ist eine Position, eine Position, die von bestimmten Personen gefüllt wird, von denen wiederum erwartet wird, dass sie bestimmte Rollenattribute aufweisen und die entsprechende Position in einer bestimmten Weise ausfüllen, sich in einer bestimmten Weise verhalten. Und nach wie vor nur wenige denken bei Rollenattributen, die ein Vorstandsmitglied auszeichnen, an Geschlecht.

Vorstandsmitgliedern wird in der Regel eine ganze Reihe von Rollenattributen zugewiesen: Man erwartet von ihnen, dass sie (betriebs-)wirtschaftlichen Abläufen und Prozessen zumindest nicht ganz ahnungslos gegenüberstehen. Gemeinhin sollten sie zumindest auf einem Feld, z.B. dem Feld der Personalplanung und Personalbeschaffung oder, wie es heute heißt, des Human Resource Managements Experte sein und ihr entsprechendes Wissen in den Vorstand und die Leitung des Unternehmens einbringen. Aus diesen Rollenattributen wiederum ergeben sich Rollenerwartungen, Erwartungen an das Verhalten von Vorständen, also Vorgesetzten. So erwarten Untergebene regelmäßig ein überlegenes Verhalten, das mit der Fähigkeit einhergeht, Richtungsentscheidungen zu treffen und vielleicht sogar ein wenig von Charisma begleitet wird, so dass man als Untergebener der Ansicht sein könnte, der entsprechende Vorgesetzte wisse was er tue, sei entscheidungsfreudig und tatkräftig (Dass dem so ist, das belegt die Leadership-Forschung regelmäßig; z.B.: House (1992); Zhu et al. (2011)). Dies leitet über zu dem, was Erving Goffman (1983) über Rollen geschrieben hat bzw. über diejenigen, die Rollen einnehmen und entsprechend die Rollen spielen: Sie sind Darsteller im sozialen Spiel und sehen sich mit Erwartungen an die Position konfrontiert, die sie erfüllen müss(t)en und, je nach ihrer Darstellung mehr oder weniger gut erfüllen.

Nun sind Positionen in Unternehmen, anders als Positionen in Entbindungsstationen, nicht an das Geschlecht und entsprechende Erwartungen an Positionsinhaber auf einer Entbindungsstation gebunden.

Die an Positionen in Unternehmen gerichteten Erwartungen haben – wie gesagt – Attribute wie Kompetenz, Führungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Charisma, nicht jedoch Attribute wie männlich oder weiblich zum Gegenstand. Entsprechend ist die Forderung, Positionen in Unternehmen nach Geschlecht zu besetzen, ein Bruch mit dem bislang Gültigen, der zudem in eine Konfusion von Rolle und Position führt, denn plötzlich soll ein Merkmal, das in keiner Weise mit den Rollenattributen, die der Position “Vorstand” und seinem Inhaber zugewiesen werden, in Verbindung steht, die Besetzung der Position anleiten, wichtiger sein als die bislang soziale Erwartungen an das Rollenverhalten von Positionsinhabern gerichteten Attribute Kompetenz, Führungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen oder Charisma.

Der Positionsinhaber inszeniert sich entsprechend nicht als traditionelles Vorstandsmitglied und entlang der Rollenerwartungen an Fähigkeit, Kompetenz, Durchsetzungsvermögen oder Charisma, er inszeniert sich als Geschlechtsinhaber bzw. er wird an der entsprechenden Inszenierung gemessen – ob er das will oder nicht. Dies belegen eine Reihe sozialpsychologischer Untersuchungen, die gezeigt haben, dass die Bewertung derselben  Frauen in Führungspositionen sich mit der Wahrscheinlichkeit verschlechtert, dass die entsprechenden Führungspositions-Frauen Ergebnis von positiver Diskriminierung, also Protegés und Bevorteilte einer betriebs-politischen Entscheidung sind (Heilman, 1997). Diese Ergebnisse belegen zudem, dass man die Rollenattribute, mit denen Führungspositionen nun einmal versehen sind, nicht einfach vom Tisch wischen  und durch “Geschlecht” ersetzen kann – im Gegenteil.

Entsprechend kann eine deratig besetzte Position auch kein “role model” sein, denn wofür sollte sie ein “role model” sein?; dafür dass kompetente Frauen, wenn sie in Führungspositionen gehievt werden, an Ansehen verlieren und fortan als Quotengewinnler gelten?; dafür dass inkompetente Frauen als Geschlechtsteilinhaber Positionen erreichen können, die sie dann, wenn Leistung und Führungsfähigkeit wichtig gewesen wären, nie erreicht hätten? Die ganze unsägliche Diskussion um Frauen in Führungspositionen hat lediglich eines erreicht: Die Trennung zwischen Position und Rolle wurde für Frauen aufgehoben, so dass egal, ob sie Leistung bringen oder nicht, weibliche Positionsinhaber immer als Inhaber kraft Geschlecht und selten bis gar nicht als Inhaber kraft Leistung betrachtet werden (übrigens von Männern und Frauen in gleicher Weise), und sie hat dazu geführt, dass im sozialen Kontakt zwischen männlichen und weiblichen Mitgliedern eines Unternehmens ein Unwohlsein Einzug gehalten hat, das einen normalen Kontakt weitgehend unmöglich macht, weil man nicht mehr weiß, ob die sozialen Erwartungen, die die soziale Interaktion zwischen z.B. Personalchef und Mitarbeiterinnen strukturieren sollen und entlang der Rollenerwartungen an den Inhaber der Position “Personalchef” bzw. “Mitarbeiterin” verlaufen, nicht durch Erwartungen, die sich aus dem Geschlechtsteil des jeweiligen Interaktionspartners ableiten, ersetzt wurden. Dies führt, wie das Beispiel von Wolfgang Goebel sehr deutlich macht, zu erheblichem Unwohlsein (oder Verklemmtheit) zumindest auf Seiten des Personalchefs und hat vermutlich auch erhebliche Konsequenzen für die Effizienz und Effektivität betrieblicher Abläufe.

Literatur

Dahrendorf, Ralf (1977). Homo Sociologicus. Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Goffman, Erving (1983). Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München: Piper.

Heilman, Madeline E. (1997). Sex Discrimination and the Affirmative Action Remedy: The Role of Sex Stereotypes. Journal of Business Ethics 16: 877-889.

House, Robert J. (1992). Personality and Charismatic Leadership. The Leadership Quarterly 3(2): 81-108.

Zhu, Weichun, Avolio, Bruce J., Riggio, Ronald E. & Sosik, John J. (2011). The Effect of Authentic Transformational Leadership on Follower and Group Ethics. The Leadership Quarterly 22(5): 801-817.

Bildnachweis:
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