In Frankreich wird wieder demonstriert.
Wenn in Frankreich demonstriert wird, dann heißt das gemeinhin, viele Verletzte, hoher Sachschaden, viele Verhaftete und viel böses Blut.
Dieses Mal sind es Schüler und Studenten, die “demonstrieren” und die Gelegenheit zum Plündern nutzen:
Bilder und Videos von Zerstörung, Gewalt, von Lehrern, die von ihren Schülern verprügelt werden, sind derzeit in sozialen Medien an allen Ecken und Enden zu finden, beherrschen die Diskussion und lenken von einer Katastrophe in Wartestellung ab, die spätestens am 23. Oktober 2026 die Eurozone ereilen und ins Trudeln bringen wird.
Am 23. Oktober 2026 wird die Rating Agentur Moody’s ihr Votum über die französischen Staatsfinanzen und das Vertrauen, das man in französische Anleihen haben kann, sprechen. Es wird ein negatives Votum sein, das ist vorhersehbar, eine Abstufung von Aa3 nach A1. Das ist kein Junk-Status, aber es ist jenseits der Schwelle von “Investment Grade”, die für die Europäische Zentralbank so wichtig ist.
Die explosive Situation, die derzeit an den Finanzmärkten herrscht, kann man in einer Abbildung zum Ausdruck bringen:
Zu sehen ist das Rating von Moody’s in der x-Achse und die Zinsen, die die verzeichneten Länder für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren derzeit zahlen müssen. Die Zinsen, die das Vereinigte Königreich und Frankreich zahlen müssen, liegen über den Zinsen, die Italien oder Griechenland entrichten müssen. Dessen ungeachtet sind Frankreich und das Vereinigte Königreich bei Moody’s (noch) besser gerated/eingestuft als Italien oder Griechenland.
Die Finanzmärkte haben das Vertrauen in beide Länder verloren. Die Rating-Agenturen (nicht nur Moody’s eine Abbildung mit der Einstufung von Fitch als Rating-Agentur in der x-Achse sieht genauso aus) hinken hinterher, werden aber vorhersehbar nachziehen müssen und damit auslösen, was in der Ökonomie als “Doom-Loop” beschrieben wird.
Brunnermeier, Markus K., Luis Garicano, Philip R. Lane, Marco Pagano, Ricardo Reis, Tano Santos, David Thesmar, Stijn Van Nieuwerburgh, and Dimitri Vayanos (2016). The sovereign-bank diabolic loop and ESBies.American Economic Review 106(5): 508-512.
Sie alle beschreiben in ihren Arbeiten einen Teufelskreis, der sich aus der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Staaten und Banken ergibt, denn Letztere kaufen Staatsanleihen von Ersteren und knüpfen damit ihr Wohl und Wehe an die finanziellen Fähigkeiten von Finanzministern, eine Art russisches Roulette seit enigen Jahren:
Banken halten große Bestände heimischer Staatsanleihen, aus Gründen der Bequemlichkeit und weil Staatsanleihen noch bis vor kurzem als hochliquide Aktiva galten, die man als Kollateral hinterlegen kann, um sich z.B. bei der EZB Geld zu besorgen. Das Russische Roulette mit Staatsanleihen beginnt da, wo die Finanzen des Staates von linker Politik zerstört werden. Wo Schulden angehäuft werden, 119% des BIP in Frankreich mit der Aussicht zu 122% (2027) zu werden, steigende Schulden mit schwachem bis sinkendem Wachstum einhergehen, Steuereinnahmen geringer werden und Staatsdefizite weiter wachsen, mit ihnen das Staatsrisiko zunimmt und die Neubewertung des Risikos, das mit dem Kauf von staatlichen Schuldverschreibungen verbunden ist, in einer Abwertung der staatlichen Bonität wie oben beschrieben resultiert.
Und damit beginn die Teufelsspirale erst.
Die meisten französischen Banken werden bereits unterhalb der Bonität des französischen Staates gerated/eingestuft. Wird Frankreich abgewertet, gehen sie zwangsläufig mit in den Keller und sinken damit unter eine Schwelle, die als “Investment Grade” bezeichnet wird. Der Investment Grade ist die Grenze, die “solide Finanzen” von Junk unterscheidet und mit dieser Unterscheidung die Möglichkeiten beschreibt, über die EZB liquide Mittel zu beschaffen.
Das führt zurück zur einleitend gemachten Feststellung, dass Banken die Refinanzierung der Kredite, die sie ausgeben, ihre Liquidität über die EZB sicherstellen. Dort leihen sie sich Geld. Dort hinterlegen sie Staatsobligationen als Sicherheit. Dort erhalten Sie Geld.
Dieser Finanzierungskreis wird unterbrochen, wenn Frankreich abgewertet wird. Dann ist die Refinanzierung für Banken gestört, es wird für französische Banken schwieriger, Geld über die EZB zu beschaffen und nicht nur die Beschaffung von Geld über die EZB wird schwieriger, sie wird generell schwieriger. Als Ergebnis werden französische Banken weniger Kredite bewilligen, Investitionen werden weniger, Wachstum wird sinken, das Staatsdefizit zwangsläufig, weil Wachstum und somit Steuern ausbleiben, wachsen, Rating Agenturen die Finanzen des Landes schlechter bewerten und die Spirale in eine neue Umdrehung schicken, Ende absehbar.
Verstärkt wird diese Abwärtsspirale dadurch, dass Frankreich nicht als “Lender of Last Resort” auftreten kann, – weil Frankreich als Teil der Eurozone seine Souveränität “Geld zu drucken” aufgegeben hat. Nur die EZB kann als Lender of Last Resort auftreten und der EZB sind enge Grenzen eben durch die oben benannte Grenze, die mit “Investment Grade” beschrieben ist, gesetzt, deren Unterschreiten (per Abstufung durch Moody’s) es der EZB unmöglich macht, die Wirtschaft eines Landes und damit letztlich das Rating des entsprechenden Landes durch unbegrenzten Aufkauf der ins Trudeln geratenen Staatsanleihen des Landes zu stabilisieren.
Nicht, dass es nicht möglich wäre, eine Ausnahme zu beschließen, wie dies im Fall von Griechenland, dessen Staatsobligationen Junk Status haben, der Fall war. Indes: Frankreich ist die zweitgrößte Ökonomie der Eurozone, ein Schwer-, kein Leichtgewicht wie Griechenland, über das die großen Eurozonen-Ländern hinwegbügeln konnten wie über ein Entwicklungsland. Das “Hinwegbügeln” bezieht sich auf die Auflagen, die Voraussetzung dafür sind, dass die EZB eine Sonderregelung beschließen kann, die den Aufkauf von Staatsanleihen unter “Investment Grade” ermöglicht.
Im Falle von Griechenland war es kein Problem, den Griechen Bedingungen zu diktieren. Bei Frankreich liegen die Dinge anders. Frankreich sitzt mit am Tisch des Gremiums, das die Bedingungen formuliert, unter denen eine Sonderregelung beschlossen wird. Dass es zu einem einvernehmlichen Beschluss dieser Bedingungen kommen wird, ist somit ausgeschlossen. Das Problem “Frankreich”, das Ende Oktober mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem EZB-Hochhaus in Frankfurt stehen wird, ist von erheblicher Tragweite und bringt alle Zutaten mit, um die Eurozone platzen zu lassen.
Was das UK betrifft. Seit Labour wurschtelt, steigen die Zinskosten britischer Staatsanleihen kontinuierlich an: Die Frage, die wir diskutieren ist nicht, ob die Labours den Gang zum IMF gehen müssen, um dort Geld für einen Bailout zu erbetteln, die Frage ist wann. Die Wetten stehen auf Mai 2027. Damit läge der britische Staatsbankrott noch hinter dem französischen …
Die Zeichen stehen auf Sturm.
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