Wissenschaftlicher Unsinn gefährdet Ihre Gesundheit

Grundsätzlich ist es das Ziel von wissenschaftlicher Forschung, allgemeine Zusammenhänge, verallgemeinerbare Aussagen, Theorien aufzustellen, die es erlauben, auf Basis einiger Kriterien Aussagen über die Zukunft, also Prognosen aufzustellen.

Tatsächlich verkommt wissenschaftliche Forschung immer mehr zu ideologischem Geschwätz oder sie wird dazu genutzt, die letzten Trivialitäten zu verkünden oder dazu, den allgemeinen Wald vor lauter speziellen Bäumen nicht mehr zu sehen. Häufig sind angebliche Wissenschaftler nur noch damit beschäftigt, ihren geistigen Tellerrand abzulaufen und kommen nicht einmal auf die Idee, es könnte eine Erkenntnis jenseits der eigenen Engstirnigkeit geben.

Opp MethodologieDie „Bonner Ökonomen Armin Falk und Fabian Kosse“ gehören zu Letzteren. Sie produzieren Ergebnisse, die (1) trivial, (2) engstirnig und (3) idiosynkratisch sind, und zwar unter der Überschrift: „Unfaire Löhne gefährden die Gesundheit“.

Falk und Kosse haben 80 Studenten in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe enthielt Chefs, eine Arbeiter. Die Arbeiter mussten 25 Minuten lang langweilige Rechenaufgaben lösen, während die Chefs entspannten. Für jede gelöste Rechenaufgabe gab es Geld. Je mehr Rechenaufgaben gelöst wurden, desto höher das gemeinsame Verdienst, das am Ende der 25 Minuten von den 25 Chefs mit den 25 Arbeitern geteilt wurden. Dabei haben sich die Chefs regelmäßig mehr Geld zugewiesen als sie ihren Arbeitern zugebilligt haben, was bei den Arbeitern dazu geführt hat, dass sich die Herzfrequenzvariabilität abgesenkt hat.

Sie waren gestresst, wie Falk und Kosse meinen, verärgert wäre das Wort, das wir gewählt hätten. Nun bringt eine niedrigere Herzfrequenzvariabilität, wie Falk und Kosse meinen, das erhöhte Risiko einer Herzerkrankungen mit sich. Entsprechend folgern sie, dass die unfaire Teilung des von den Arbeitern erwirtschafteten Gelds durch die Chefs letztlich die Arbeiter krank machen kann.

Von hieraus machen Falk und Kosse einen Sprung zu Ergebnissen, die auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels erzielt wurden. Demnach haben Befragte, die ihren Lohn als unfair empfunden haben, auch ihren Gesundheitszustand schlechter eingeschätzt als Befragte, die ihren Lohn als fair empfanden. Der Sprung soll die eigenen, mageren Ergebnisse, die auf dem Rücken von 80 studentischen Opfern gewonnen wurden, aufpeppen und allgemein machen. Tut er aber nicht. Vielmehr vergleichen Falk und Kosse Äpfel mit Birnen.

Im SOEP wurde real erhaltener Lohn und subjektive Einschätzung von Gesundheit untersucht, während Falk und Kosse erspielten Gewinn, willkürliche Entscheidung und gemessene Herzfrequenzvariabilität in Zusammenhang gebracht haben. Sie behaupten also einen Syllogismus ohne Mittelglied, und so lange sie nicht belegt haben, dass unfairer Lohn mit erspieltem Gewinn und mit Herzfrequenzvariabilität und subjektiv schlecht eingeschätzter Gesundheit zusammenhängt, ist ihre wilde Assoziation eben das: eine wilde Assoziation.

Wenn der Schluss, den Falk und Kosse gerne im Hinblick auf Lohngerechtigkeit ziehen würden, wohl weil Lohngerechtigkeit derzeit ein trendy Thema ist, mit dem man viel Browniepoints verdienen kann, nicht gezogen werden kann, was bleibt dann von ihrer Forschung?

Trivialitäten.
Diese zum Beispiel: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der menschliche Körper auf soziale und kontextbezogene Informationen reagiert und sie systematisch verarbeitet“.

Unglaublich. Menschen sind Teil einer Umwelt und reagieren auf diese Umwelt. Es soll Menschen geben, die bei Hitze schwitzen, andere sollen bei Kälte frieren und wieder andere sollen mit Ärger reagieren, wenn sie öffentlich-rechtliche Sender anschalten, Behördenbriefe erhalten oder derart dünngeistigen Unsinn zugemutet bekommen, wie ihn Fabian Kosse hier formuliert hat.

Nicht genug mit Trivialitäten, Engstirnigkeit kommt noch hinzu.

Völlig fixiert auf ihr Ansinnen, auf dem Trittbrett der Lohngerechtigkeit mitzufahren (um vielleicht vom BMFSFJ gefördert zu werden), sehen sie den Wald vor lauter Bäumen nicht, obwohl Gerechtigkeit eine Universalie ist, die den Schluss nahelegt, dass eine Verletzung des Gerechtigkeitsempfinden im generellen und nicht nur im Speziellen für die niedrigere Herzfrequenzvariabilität verantwortlich ist. Der Spiellohn bei Falk und Kosse wäre somit ein Anwendungsfall eines größeren Themas, eines Themas, das eigentlich in der Wissenschaft bearbeitet wird, nur nicht von Falk und Kosse.

Vielleicht scheuen Sie davor zurück, weil der Schluss, dass eine niedrige Herzfrequenzvariabilität ein Maß für ein erhöhtes Risiko einer Herzerkrankung ist, vor allem dann, wenn es um gesunde und junge Menschen geht, unter Ärzten umstritten ist bzw. nicht gezogen wird. Ärzte begnügen sich damit festzustellen, dass die Herzfrequenzvariabilität bei Patienten, die bereits unter einer Erkrankung des Herzens leiden, ein hilfreicher Indikator sein kann und dass es wohl einen, bislang ungeklärten Zusammenhang zwischen Herzfrequenzvariabilität und Alter gibt:

“ Die Mechanismen der altersassoziierten HRVAbnahme sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Sicher spielen bei einem Teil der Menschen gerade auch mit zunehmendem Alter Lifestyle – Faktoren, vor allem die Abnahme der körperlichen Aktivität und daraus resultierend der körperlichen Fitness eine Rolle. Darüber hinaus scheint jedoch auch der Alterungsprozess per se zu einer Beeinträchtigung der autonomen Funktion zu führen, wobei nach derzeitiger Datenlage vor allem vagusvermittelte Prozesse und Regelkreise betroffen sind.“

Vom Forschungsergebnis, das Falk und Kosse mit umfangreichen und weitreichenden Behauptungen vertreiben, bleibt nichts übrig, so dass man wohl feststellen muss: handwerklich schlecht, theoretisch unfundiert, assoziativ und falsch. Forschung 2017.

Linkspopulismus: Linke fordert gleichgroße Weihnachtspakete für alle

Immer wenn man denkt, man hätte bereits den Tiefpunkt der intellektuellen Abwärtsspirale in der deutschen Politik erreicht, kommt etwas, das zeigt, dass es immer noch tiefer geht.

Linke sind bekanntlich Materialisten, die nur in Geld und Kapital und Vermögen und „hawwe wolle“, wie man in der Pfalz sagt, denken können. Entsprechend sind für sie große Weihnachtsgeschenke natürlich teure Weihnachtsgeschenke. Der Wert von Weihnachtsgeschenken bemisst sich für Linke ausschließlich in monetären Größen. Arme Schlucker!

Die Linke fordert, dass die Größe der Weihnachtsgeschenke unabhängig vom Einkommen sein soll, also dass man unabhängig vom Einkommen gleichgroße Weihnachtsgeschenke erhalten kann. Dieser Unsinn ist offensichtlich die Neid-populistische Fortsetzung des „Reichtum für alle“-Unsinns, mit dem die Linkspopulisten versuchen, besonders naive, junge oder dumme Wähler auf ihre Seite zu ziehen und für ihre Ideale der Weihnachtsgerechtigkeit zu begeistern.

Nur hat die linke Weihnachtsgerechtigkeit gar nichts mit Gerechtigkeit zu tun, dafür aber viel mit staatlicher Planwirtschaft, die die Größe der Weihnachtsgeschenke regulieren will, also mit Ergebnisgleichheit.

Zur Erinnerung:

Gerechtigkeit ist ein relationales Konzept.

equityGerechtigkeit liegt vor, wenn das Ergebnis einer Handlung (die Auszahlung) der Leistung entspricht, die notwendig war, um die entsprechende Handlung auszuführen. Zudem muss die Relation von Leistung und Auszahlung einem Vergleich standhalten: Wenn A mehr leistet als B, dann muss A auch eine höhere Auszahlung erhalten als B. Um im Beispiel der Linken zu bleiben: Die Größe der Weihnachtsgeschenke muss eine Funktion der vorausgehenden Leistung sein, also wer mehr leistet und entsprechend mehr Geld hat, kann sich auch größere Weihnachtsgeschenke leisten als der, der weniger oder gar nichts leistet.

Was die LINKE hier fordert, ist nicht Gerechtigkeit, sondern Ergebnisgleichheit und somit das Gegenteil von Gerechtigkeit, da die Auszahlung gerade nicht von der Leistung abhängig sein soll, sondern unabhängig davon, was jemand geleistet hat, die selbe Größe von Weihnachtsgeschenken von der Linken zugewiesen werden soll.

Es ist unter Linken beliebt, die Konzepte der Gerechtigkeit und der Chancengleichheit mit dem Konzept der Ergebnisgleichheit zu vermengen (der gesamte Genderismus basiert auf diesem Manipulationsversuch).

Die beiden erstgenannten haben jedoch mit Ergebnisgleichheit nichs zu tun, wie wir am Beispiel der Weihnachtsgeschenke nun deutlich machen werden:

Geschenk-Gerechtigkeit:
Die Größe der Weihnachtsgeschenke orientiert sich an der Leistung des Schenkenden oder dem, was ihnen die Beschenkten bedeuten.

Geschenk-Chancengleichheit:
Jeder hat die gleiche Möglichkeit, sich mit Arbeit die Mittel zu verschaffen, die notwendig sind, um große Weihnachtsgeschenke zu machen.

Geschenkt-Ergebnisgleichheit:
Die Größe der Weihnachtsgeschenke ist unabhängig von der Leistung oder der Bedeutung des Beschenkten

Der Sozialismus, mit der ihm inhärenten Leistungsfeindlichkeit, er hat viele Gesichter. Und die Diktatur der Sozialisten, sie macht nicht einmal vor der Größe von Weihnachtsgeschenken halt.

Wollt Ihr den totalen Staat?

Wie leicht gehen Sie dem Linkspopulismus auf den Leim?  Testen Sie Ihr Wissen zu Verteilungsfragen mit unserem Test.

Wir sind nicht gleichwertig: Wir sind mehrwertig!

Eigentlich sollte dies der erste Post in der Reihe über das Programm zur Verschwendung von Steuergeldern und Netzwerk-Finanzierung „Demokratie leben!“ werden. Wurde er aber nicht, denn wir sind nur soweit gekommen:

“Angriffe auf Demokratie, Freiheit und Rechtstaatlichkeit sowie Ideologien der Ungleichwertigkeit sind dauerhafte Herausforderungen für die gesamte Gesellschaft.“

Und jetzt reicht es. Wir können diesen Ungleichwertigkeits- bzw. Gleichwertigkeitsunsinn einfach nicht mehr hören.

Schon 1965 hat J. Stacy Adams seine Equity-Theorie veröffentlicht, die letztlich inhaltlich nicht viel gebracht hat, was nicht bereits bei Homans stand, aber in jedem Fall eine Strukturierung und Systematisierung der bei Homans verstreuten Ideen geleistet hat.

Equity, ist für Adams das Ergebnis eines Vergleichsprozesses: Wenn ich mich mit einem vergleiche, der genau dieselben Kompetenzen hat, genau dieselben Leistungen erbringen soll und auch erbringt, wie ich und der für die entsprechende Leistung auch genau denselben Output, sagen wir in Form von Lohn erhält, dann sind wir beide im Hinblick auf die Leistung und das Leistungsergebnis gleichwertig. In keinem anderen Fall.

Verkürzt man das Gesagte auf Einsatz (Input) und Ergebnis des Einsatzes (Output), dann kann man die Bedingung für Gleichwertigkeit und daraus resultiert, das Empfinden von Gerechtigkeit und das Vorliegen von Gerechtigkeit, auf Basis der normalmenschlichen Maßstäbe in eine Gleichung packen, die den eigenen Input ins Verhältnis zum eigenen Output setzt und mit dem entsprechenden Verhältnis eines Partners (z.B. eines Arbeitskollegen) vergleicht:

Input (A) / Output (A) = Input (B) / Output (B)

In allen Fällen, in denen der Vergleich Unterschiede im Input oder im Output zum Ergebnis hat, liegt keine Gleichwertigkeit vor und entsprechend wird eine Gleichbehandlung dahingehend, dass ungleichwertige Leistungen gleich behandelt werden, als Ungerechtigkeit bezeichnet:

“ The magnitude of the inequity experienced will be a monotonically increasing of the size of the discrepancy between the ratios of outcomes to inputs. The discrepancy will be zero, and equity will exist, under two circumstances: first, when Person’s and Other’s outcomes are equal and their inputs are equal. …” (Adams 1965: 281-282)

Und weil dem so ist, muss nun einmal und ein für alle Mal gesagt werden:
Wir sind nicht gleichwertig!

Wir sind mehrwertig im Vergleich zu denen, die ihre Qualifikationen fälschen oder bei anderen abgekupfert haben. Wir haben unsere Qualifikationen durch Arbeit und nicht durch Betrug erworben.

Philosophie for dummiesWir sind mehrwertig im Vergleich zu all denen, die es nötig haben, andere mit persönlichen Angriffen und unter Zuhilfenahme entsprechend konnotierter Begriffe abzuwerten, weil sie keine Argumente haben. Wir haben dann, wenn wir uns zu Themen äußern, Argumente und sind deshalb nicht gleichwertig, sondern mehrwertig.

Wir haben alles, was wir besitzen, erarbeitet. Keines der Mitglieder der ScienceFiles-Redaktion hat jemals staatliche Transferleistungen bezogen. Im Vergleich zu allen, die sich von ihrem Staat haben kaufen lassen, sind wir mehrwertig.

Wir leben davon, wissenschaftliche Leistungen zu verkaufen, die nachgefragt werden. Unsere Kunden kommen zu uns. Wir haben es nicht nötig, von staatlichen Programmen zu leben und uns als Lobbyisten zu verdingen, um unsere Finger an Steuermittel zu bekommen. Wir sind im Vergleich zu all denen, die sich als pseudo-wissenschaftliche Kostgänger an den Staat verkaufen, mehrwertig.

Wir stehen zu Prinzipien und biegen sie nicht in einer Weise, die, wäre Scham vorhanden, Schamesröte entstehen lassen würde, wie dies z.B. bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes der Fall ist, wo die offene Diskriminierung von Männern befördert wird, während gleichzeitig behauptet wird, man sei gegen Diskriminierung.

Das soll genügen, um den Kern von Ungleichwertigkeit herauszuarbeiten: Leistung. Wer mehr leistet als andere, ist mit diesen nicht gleichwertig, sondern er ist mehr wert. Wie kognitiv geringwertig muss ein Gehirn sein, wenn der Inhaber tatsächlich denkt, Albert Einstein sei gleichwertig mit ihm, er sei für die Menschheit gleichviel wert wie Albert Einstein? Wie ideologisch verblendet muss man sein, wenn man denkt, ein Arbeitgeber, der einen Mitarbeiter, der mehr Erfahrung, bessere Referenzen und mehr Motivation hat, besser bezahlt als einen, der weniger Erfahrung, schlechtere Referenzen und weniger Motivation hat, würde Letzteren nicht gleichwertig behandelt, sondern diskriminieren?

Man muss in einem solchen Fall ein sozialistisch durchsetzes Gehirn haben, eines, das man als Indikator für die Stalinfeld-Josef-Krankheit ansehen muss, ein Gehirn, in dem Leistung nichts zählt, sondern bestenfalls das ist, was andere, an deren Leistung man sich gütlich tut, im Sozialismus bereitstellen, damit man selbst, der in seiner Leistung ungleichwertig ist, gleichwertig erscheinen kann ohne es weiterhin zu sein.

Wir sehen derzeit einen unglaublichen Anschlag auf soziale Vergleiche, dessen Ziel darin besteht, jede Form des Vergleichs zwischen Menschen als neoliberalistischen Anschlag auf die heile Kinderwelt des Sozialismus zu ächten und zu verunmöglichen. Lassen wir es nicht so weit kommen, damit wir auch morgen noch sagen können, ein Gerd Binnig ist mehr wert als ein Heiko Maas und eine Marie Curie mehr als eine Anetta Kahane.

Das Schöne an dieser Konzeption von (In)Equity: Sie ist empirisch. Gleichwertigkeit wird in der Empirie als Verhältnis der Relationen von Input und Output gemessen. Gleichwertigkeit ist somit bestimmbar, messbar, und wahrscheinlich ist es das, was diejenigen, die in ihrer transzendenten Vorstellungswelt der Gleichwertigkeit schwelgen, in der eine fixe Idee Gutheitsstatus besitzt, so fürchten, die Vorstellung, jemand könnte die in den Legionen von Projekten Beschäftigten, deren Haupttätigkeit darin besteht, sich auf Netzwerktreffen den Hintern plattsitzen, fragen, was das höhere Gehalt, das sie im Vergleich zur Putzfrau beziehen, deren Wirken man eindeutig anhand von Kriterien wie Sauberkeit und entsprechendem Geruch nachvollziehen kann, rechtfertigt. In einer empirischen Welt der Gleichwertigkeit ist das höhere Gehalt nur durch den im Vergleich zur Putzfrau höheren Input zu rechtfertigen. Und was ziehen die meisten Deutschen wohl vor, ein sauberes Gebäude oder eine mit 170.000 Euro vom Steuergeldverschwender Nr. 1, dem BMFSFJ, ausgehaltene Internetseite, die gegen Hatespeech agitiert, und zwar mit Hatespeech?

Unsere Gleichwertigkeit ist demnach eine empirische, keine essentielle Qualität, wie sie die Apostel der Gleichwertigkeit predigen, wenn sie tief im Innern noch des letzten Versagers den Kern der Gleichwertigkeit ausgraben wollen. Es mag sein, dass alle Menschen gleich geboren sind, was sie dann aus ihrem Leben machen, ist jedoch eine empirische, keine transzendente Frage.


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Ungerechtigkeit in Deutschland – Der neue Klassenkampf

Gestern haben wir dargelegt, dass sich westliche Parteiensysteme derzeit wandeln. Es gibt eine neue Konfliktlinie, die zwischen denen verläuft, die Mehrwert produzieren und denen, die den produzierten Mehrwert verbrauchen. Um die Dimensionen dieser neuen Konfliktlinie, die man pointiert auch als neuen Klassenkampf zwischen Produktivkräften und der unproduktiven Mittelschicht bezeichnen könnte, deutlich zu machen, bringen wir in losen Abständen Beispiele für den neuen Gerechtigkeitskonflikt, der sich nicht nur in Deutschland findet.

Beginnen wir heute mit Andreas Büttner, einem Gas- und Wasserinstallateur in Berlin, dessen Namen wir erfunden haben. Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, sie dauert dreieinhalb Jahre. Die nachfolgende Tätigkeit ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, denn niemand will, dass ihm die neu installierte Heizungsanlage um die Ohren fliegt. Gleichzeitig ist der Nutzen der Ausbildung zum Anlagenmechaniker schnell zu sehen und zu spüren, vor allem im Winter.

Ein Gas- und Wasserinstallateur, der eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker hinter sich gebracht hat, verdient im Durchschnitt 2.480 Euro. Davon bleiben ihm nach Abzug von Steuern und Abgaben 1.641,45 Euro (Unser Anlagenmechaniker ist 31 Jahre alt und ledig). Rund 840 Euro werden Büttner abgezogen: 232 Euro Rentenversicherung, von denen er im Alter wenig haben wird (weil die Rentenversicherung eine negative Rendite für ihn erwirtschaftet), 209 Euro Krankenversicherung, mit denen er u.a. die Mitversicherung von Müttern und Kindern finanziert, und 308 Euro Lohnsteuer, die genutzt werden, um staatliche Bedienstete zu finanzieren.

Fritz Markus (fiktiver Name) ist ein solcher staatlicher Bediensteter. Er ist Hochschulabsolvent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Berliner Hochschule und verdient als lediger, 31-Jähriger rund 3.243,92 Euro brutto. Davon bleiben ihm nach Abzug der Steuern 1.971,79 Euro netto. Markus, der Hochschuldozent, verdient 331 Euro und somit 20% mehr als der Gas- und Wasserinstallateur Büttner, von dem wir bereits wissen, welcher Nutzen durch seine Tätigkeit entsteht.

Welcher Nutzen entsteht nun durch die Tätigkeit von Markus der an seiner Hochschule Seminare wie das folgende, bei dem es sich um ein Seminar handelt, das tatsächlich stattgefunden hat, hält?

weisse maenner„Die Geschichte der europäischen Ideen wurde von weißen Männern geschrieben. In ihr drückt sich nicht nur eine Abwertung und die Rechtfertigung der Unterdrückung von Frauen und Nichteuropäer*innen aus, sondern vor allem auch ein spezifisches Selbstbild, das untrennbar mit dem jeweiligen Begriff von Politik und Wissenschaft verbunden ist; der europäische Mann versteht sich als Einziger, der zu beidem wirklich fähig ist. So scheinen Politik und Wissenschaft wie für den europäischen Mann gemacht – und umgekehrt. Das Bild, das weiße Männer von sich selber gezeichnet haben, diente somit immer der Legitimation ihrer Herrschaft, von der Antike bis heute. Eine besondere Wendung erfuhr es während der Aufklärung: hier entwickelte sich die Vorstellung bürgerlicher autonomer Subjektivität, welche in ihrer Abstraktheit zunächst sowohl universell wie auch geschlechtslos erscheint. Die in der modernen Subjektvorstellung enthaltene männliche und weiße Norm bleibt durch diesen Schein verdeckt und unthematisiert – vielfach noch heute. Das Seminar will diese unsichtbare Norm europäischer Männlichkeit zum Thema machen. Dazu sollen ideengeschichtliche Texte von Platon bis Nietzsche auf die in ihnen enthaltenen Männlichkeits- und Europakonstruktionen hin gelesen und befragt werden, um die Wandlungen und Kontinuitäten dieser Selbstbilder herauszuarbeiten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Epoche der Aufklärung. Ebenso sollen auch postkoloniale und feministische Kritiken dieser Vorstellungen behandelt werden. Ein gleichzeitiger oder bereits abgeschlossener Besuch der Vorlesung ‚Politische Ideengeschichte‘ wird für eine gewinnbringende Teilnahme am Seminar empfohlen.“

Nach der Diktion, die sich unter Ideologen an Hochschulen durchgesetzt hat, handelt es sich bei Gas- und Wasserinstallateur Büttner um einen Bildungsfernen, denn er hat lediglich den Abschluss einer Hauptschule vorzuweisen. Dagegen ist Markus ein Bildungsnaher, der von Hochschulen aus eine intellektuelle Überlegenheit gegenüber Bürgern wie Büttner, die, wenn sie aus deren Sicht falsch wählen von akademisierten Beleidigern, zu Wutbürgern oder bösartigen Kleinbürgern erklärt werden, empfindet.

Wer von beiden, Büttner oder Markus produziert einen größeren gesellschaftlichen Nutzen? Wer von beiden wäre verzichtbar? Wer von beiden hat eigentlich keinerlei Grund, auf den jeweils anderen herunterzuschauen? Und wer von beiden, lebt prekär? Das sind Fragen an unsere Leser und Fragen, die sich auf den Gerechtigkeitskonflikt, der die Basis des neuen Klassenkampfes ist, beziehen.

Der neue Klassenkampf, er kann am Beispiel von Büttner und Markus personifiziert werden, denn Ersterer verdient nicht nur weniger als Letzterer, er zahlt auch Steuern, die genutzt werden, um Letzteren zu finanzieren. Der Nutzen der geringer entgoltenen Tätigkeit von Büttner ist – gemessen an allen denkbaren Größen – größer als der Nutzen der Tätigkeit von Markus. Dennoch wird das höhere Gehalt von Letzterem über die Steuern von Ersterem finanziert. Ist das gerecht? Deshalb gibt es einen neuen Klassenkampf in Deutschland, der sich in den letzten Wahlergebnissen niedergeschlagen hat.

Die Einkommensdaten stammen von Lohnspiegel.de bzw. aus den Gehaltstabellen für den öffentlichen Dienst des Landes Berlin.


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(Fach)Hochschulreife: weiblich und wertlos

Beim Statistischen Bundesamt wird darüber gejubelt, dass mehr als jeder dritte Schüler 2013 die Schule mit dem Abitur beendet hat.

Ist das wirklich ein Grund zur Freude?

Als Theodore Schulz im Jahre 1961 seinen Artikel „Investment in Human Capital“ veröffentlicht hat, in dem er im Ländervergleich zeigt, dass mit der Anzahl der formal höher Gebildeten in einem Land das Bruttosozialprodukt steigt, da konnte er nicht wissen, dass es 50 Jahre später u.a. bei der OECD Spezialisten geben würde, die tatsächlich denken, man könne das Bruttosozialprodukt nahezu endlos steigern, wenn man den Anteil der formal höher Gebildeten in einem Land von 20% Abiturienten auf 40% oder gar 60% steigern würde.

Dass man etwas derartiges denken könnte, war Schultz, der noch eine Ausbildung in Ökonometrie und Statistik hinter sich gebracht hat, wohl schlicht nicht vorstellbar.

So kann man sich irren.

Heute ist es unter Politikern chick, für andere das Bildungsniveau zu fordern, das man selbst nicht erreicht hat: 40% mit Hochschulreife sollen es sein: Je mehr desto besser, so tönt es.

Und das Resultat dieser Bildungs-Hysterie kann man an den Daten des Statistischen Bundesamts ablesen.

Nachteile Jungen II

Die Abbildung zeigt ein Bildungssystem mit zwei Klassen: Bis einschließlich Rheinland-Pfalz finden sich Länder, denen man zumindest ansatzweise attestieren kann, dass die Bildungshysterie bei ihnen nicht sonderlich ausgeprägt ist, dass die Idee, nach der bestimmte formale Abschlüsse nicht für jeden erreichbar sind und sein können, noch vorhanden ist.

Nicht so in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen, Bremen und Brandenburg. Hier werden formale Bildungsabschlüsse offensichtlich verschenkt. 62,2% der weiblichen Abgänger verlassen in Hamburg die Schule mit einem Abitur, 50,5% sind es in Nordrhein-Westfalen, 43,6% in Berlin, 42,9% in Hessen, 41,8% in Bremen und 41,2% in Brandenburg. Eine wahre Abitur-Epidemie, die interessanter Weise damit einhergeht, dass die Hochschulreife deutlich häufiger weiblichen als männlichen Absolventen attestiert wird. Da sich trotz aller politischen Unterschiede zwischen den Ländern die Vorteile von Mädchen bei der Hochschulreife durch alle Länder ziehen, kann man die entsprechenden Vorteile nur institutionell erklären, als Ergebnis einer entsprechenden Politik.

Als Ergebnis einer Politik, die Schulabschlüsse zu entwerten sucht, denn anders kann man die Tatsache, dass in Hamburg nahezu zwei Drittel der weiblichen Absolventen eine Hochschulreife erreichen, nicht mehr bezeichnen.

Warum wird mit dieser Politik die Hochschulreife entwertet?

Weil individuelle Eigenschaften, die z.B. für schulische Leistung relevant sind, also z.B. Intelligenz, Motivation, Leistungsbereitschaft normalverteilt sind.

Wir haben das in der folgenden Abbildung einmal für Intelligenz dargestellt:

Normalverteilung AbiturVon links nach rechts steigt die Intelligenz an. Der blaue Bereich unter der Kurve gibt den Anteil der Bevölkerung auf dem jeweiligen Niveau an. Der Mittelpunkt (Z-Score von 0) teilt entsprechend die Normalverteilung in zwei gleichgroße Hälften, die linke Hälfte umfasst diejenigen, die unter dem Median der Intelligenz liegen (der bei 50% liegt), die rechte Hälfte umfasst diejenigen, die über dem Median der Intelligenz liegen.

Die Idee höherer formaler Bildung zielt darauf, höhere formale Bildungstitel mit z.B. höherer Intelligenz in Einklang zu bringen. Gehen wir einmal davon aus, dass ein Bildungssystem nicht sozial siebt, wie das deutsche Bildungssystem, das den meisten Kindern aus der Arbeiterschicht den Zugang zu höherer Bildung verwehrt, dann sollte eine Hochschulreife an die sagen wir 30% vergeben werden, die sich auf der mit „Cumulative Percent“ bezeichneten Linie ab 70 nach rechts befinden.

Wie man sieht, gibt es Indizien, dass dies in Bayern der Fall ist. Wie man auch sieht, ist es in Hamburg und Nordrhein-Westfalen nicht der Fall. In Hamburg erreichen 62% der weiblichen Absolventen und 54% der männlichen Absolventen eine Hochschulreife, was nur dadurch erreicht werden kann, dass auch Schüler, die links des Median der Intelligenzverteilung zu finden sind, die also nicht zu den 50% der Intelligentesten einer Gesellschaft gehören, mit einer Hochschulreife ausgestattet werden.

Mit anderen Worten, in jedem Fall in Hamburg und in Nordrhein-Westfalen und mit ziemlicher Sicherheit in Berlin, Hessen, Bremen und Brandenburg wird eine Hochschulreife an weibliche Absolventen (und in deutlich geringerem Ausmaß an männliche Absolventen) verschenkt, denen man aufgrund ihrer kognitiven Fähigkeiten keine Hochschulreife attestiert kann.

Stellt man nun noch die soziale Selektion innerhalb des Bildungssystems in Rechnung, die dafür sorgt, dass Kinder aus der Mittelschicht, die die kognitiven Fähigkeiten zur Hochschulreife nicht haben, auf Gymnasien mit derselbe ausgestattet werden, während Kinder aus der Arbeiterschicht, die die entsprechenden kognitiven Fähigkeiten, die entsprechende Intelligenz mitbringen, es nicht auf Gymnasien schaffen, dann kann man sich ungefähr vorstellen, warum Hochschullehrer in den letzten Jahren beständig beklagen, dass das Niveau der Studenten immer weiter absinkt.

Zudem zeigt die oberste der beiden Abbildungen ein Zwei-Klassen-Bildungssystem, das nicht mit dem Glaubensbekenntnis der Kultusminister vereinbar ist, nachdem gleiche Bildungschancen in den Ländern vorhandens ein sollen. Dieses Glaubensbekenntnis wird schon durch die soziale Selektion im Bildungssystem zum Spott von Ignoranten oder Zynikern, es kommt durch die in der oberen Abbildung dargestellten Verhältnisse einer bildungspolitischen Bankrotterklärung gleich, denn während in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin, Unmengen von Schülern mit einer Studienberechtigung ausgestattet werden, wird in Sachsen-Anhalt, Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg die entsprechende Studierfähigkeit im Vergleich zu Hamburg nur einem Bruchteil der Absolventen attestiert.

Da in Deutschland wie in kaum einem anderen Land der formale Bildungsabschluss über die Lebenschancen entscheidet, kann man sich ungefähr vorstellen, welche Folgen diese Zwei-Klassen-Bildung hat, bei der Abiturienten aus Hamburg, die kognitiv manchen Real- oder Hauptschülern in Bayern oder Baden-Württemberg nicht das Wasser reichen können, kraft ihrer höheren formalen Bildung Zugang zu anderen gesellschaftlichen Positionen haben als die Real- oder Hauptschüler aus Bayern bzw. Baden-Württemberg.

Man kann sich das Ergebnis dieser Vielfalt kognitiver Fähigkeiten unter dem Dach derselben formalen Bildung ungefähr vorstellen, wenn man Politiker betrachtet.

Schultz, Theodore, W. (1961). Investment in Human Capital. The American Economic Review LI (1): 1-17.

Gerechtigkeit? Gleichheit? Gleichstellung? Idiotentest für Verteilungsfragen

Der Pro Quote Regie Unsinn hat uns den Rest gegeben.

Wir haben nun wirklich genug von all den Aktivisten, die mit Begriffen um sich werfen, deren Gehalt und Sinn sich ihnen nicht einmal entfernt erschließt.

idiotentestDeshalb haben wir uns entschlossen, sozusagen einen Idiotentest für alle diejenigen, die sich in der Öffentlichkeit zu Fragen der Gerechtigkeit oder Gleichheit von Verteilungen äußern wollen, zu konzipieren.

Wir schlagen den entsprechenden Personen den entsprechenden Idiotentest für Verteilungsfragen zum Selbsttest vor, um zu testen, wo sie intellektuell stehen, bevor sie den Mund zum Thema aufmachen.

Idiotentest für Verteilungsfragen

A. Was ist Gerechtigkeit?

  1. Gerechtigkeit ist, wenn ich bekomme, wonach ich ein starkes Bedürfnis habe.
  2. Gerechtigkeit ist, wenn ich das bekomme, was meiner Leistung entspricht.
  3. Gerechtigkeit ist, wenn ich das bekomme, was andere schon haben oder bekommen.

B. Was ist Ergebnisgleichheit?

  1. Ergebnisgleichheit ist, wenn alle dasselbe bekommen, egal, was sie dafür getan haben.
  2. Ergebnisgleichheit ist, wenn alle das bekommen, was sie sehr gerne hätten.
  3. Ergebnisgleichheit ist, wenn so verteilt wird, dass alle am Ende dasselbe haben, egal, was sie dafür getan haben.

C. Was ist Chancengleichheit?

  1. Chancengleichheit ist, wenn jeder denselben Zugang zu Positionen hat.
  2. Chancengleichheit ist, wenn alle gesellschaftlichen Gruppen denselben Zugang zu Positionen haben.
  3. Chancengleichheit ist, wenn benachteiligte Gruppen bevorteilt werden.

D. Verteilungsaufgabe I

  • In Deutschland sind rund 15% der Beschäftigten im Baugewerbe weiblich. Kann man daraus schließen, dass Frauen im Baugewerbe benachteiligt sind?
    1. Ja
    2. Nein

E. Verteilungsaufgabe II

  • In Deutschland sind 69% der Beschäftigten im Bereich von Erziehung und Unterricht weiblich. Kann man daraus schließen, dass Männer im Bereich Erziehung und Unterricht benachteiligt sind?
    1. Ja
    2. Nein

F. Verteilungsaufgabe III

  • In Deutschland sind rund 12% der Regisseure, die für die Filme öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten Verantwortung tragen, weiblich. Kann man daraus schließen, dass weibliche Regisseure benachteiligt sind?
    1. Ja
    2. Nein

G. Verteilungsaufgabe IV

  • In Deutschland sind 30% derjenigen in Führungspositionen von Unternehmen und staatlichen Institutionen weiblich. Kann man daraus schließen, dass Frauen benachteiligt sind?
    1. Ja
    2. Nein

H. Was ist Gender-Gerechtigkeit?

  1. Der Versuch, Ergebnisgleichheit zwischen Männern und Frauen herbeizuführen.
  2. Ein inhaltsleerer Kampfbegriff
  3. Ein Synonym für Gleichstellung

I. Was ist Gleichstellung?

  • Der Versuch von Frauen, sich einen Vorteil auf Kosten von Männern zu verschaffen.
  • Der Versuch, Ergebnisgleichheit für Personen oder Gruppen herzustellen, die keine Rücksicht auf Leistung nimmt.
  • Ein Synonym für Gender-Gerechtigkeit.

J. In welchem der drei folgenden Fälle liegt Diskriminierung vor?

  • Diskriminierung liegt vor, wenn ich nicht das habe, was andere schon haben.
  • Diskriminierung liegt vor, wenn ich vom Zugang zu Ressourcen ausgeschlossen werde, nur, weil ich ein Mann bin.
  • Diskriminerung liegt vor, wenn ich nicht dasselbe bekomme, was andere bekommen.

Pro richtiger Antwort gibt es einen Punkt.

Wer 10 Punkte hat, darf in der Öffentlichkeit den Mund aufmachen.

Wer 9 Punkte hat, sollte prüfen, ob er nicht aus Versehen bei einer Frage die falsche Antwort angekreuzt hat.

Wer 8 Punkte und weniger hat, der sollte sich zu Fragen von Gerechtigkeit oder Gleichheit der Verteilung von Ressourcen an Personen oder Gruppen bis auf weiteres nicht (mehr) öffentlich äußern, sondern versuchen, die jeweiligen Ideen und Konzepte zu begreifen.

Und hier die Auflösung der Aufgaben

A. Gerechtigkeit

  • Gerechtigkeit ist ein Prinzip, das eine der Leistung entsprechende Auszahlung garantiert. D.h. wer mehr leistet, erhält auch eine höhere Auszahlung. Daher ist das Gerechtigkeitsprinzip eng mit dem Leistungsprinzip verbunden.
  • Alternative 2 ist die richtige Antwort.

B. Ergebnisgleichheit

  • Die Schaffung von Ergebnisgleichheit ist das Gegenteil einer gerechten Verteilung weil Erstere die Verteilung von Ressourcen unabhängig von Leistung vornimmt. Im Gegensatz zu Gerechtigkeit wird Ergebnisgleichheit in der Regel auf Gruppen und nicht auf Individuen angewendet.
  • Alternative 3 ist die richtige Antwort.

C. Chancengleichheit

  • Chancengleichheit liegt vor, wenn keinem Individuum oder keiner gesellschaftlichen Gruppe durch Privilegien der Zugang zu Positionen im Vergleich zu anderen Individuen oder gesellschaftlichen Gruppen erleichtert wird (oder durch negative Sanktionen erschwert wird). Chancengleichheit ist das Gegenteil von „affirmative action“, also von Maßnahmen der positiven Diskriminierung.
  • Alternative 1 ist die richtige Antwort.

D. Verteilungsaufgabe I

  • Nein.
  • Aus einer Verteilung kann nicht auf die Ursache der Verteilung geschlossen werden.

E. Verteilungsaufgabe II

  • Nein.
  • Aus einer Verteilung kann nicht auf die Ursache der Verteilung geschlossen werden.

F. Verteilungsaufgabe III

  • Nein.
  • Aus einer Verteilung kann nicht auf die Ursache der Verteilung geschlossen werden. Wer es dennoch tut, will sich entweder persönlich bereichern, oder er ist dumm.

G. Verteilungsaufgabe IV

  • Nein.
  • Aus einer Verteilung kann nicht auf die Ursache der Verteilung geschlossen werden. Wer es dennoch tut, will sich entweder persönlich bereichern, oder er ist dumm.

H. Gender-Gerechtigkeit

  • Gender-Gerechtigkeit ist ein inhaltsleerer Kampfbegriff. Gerechtigkeit als Verteilungsprinzip besagt, dass jeder unabhängig von sonstigen Merkmalen und somit auch unabhängig von seinem Geschlecht die Auszahlung erhält, die seiner Leistung entspricht.
  • Wenn Gender-Gerechtigkeit dann vorläge, wenn Männer und Frauen eine Auszahlung entsprechend ihrer Leistung erzielen, sie also ihrer Leistung entsprechend behandelt werden, dann wird nach dem Gerechtigkeitsprinzip verteilt, für das „Gender“ völlig irrelevant ist. Deshalb ist der Begriff „Gender-Gerechtigkeit“ unsinnig.
  • Alternative 2 ist die richtige Antwort.

I. Gleichstellung

  • Gleichstellung ist, wenn so verteilt wird, dass am Ende eine Ergebnisgleichheit herrscht. Dementsprechend handelt es sich um eine Verteilung, die unabhängig von Leistung vorgenommen wird. Gleichstellung ist somit das Gegenteil von Gerechtigkeit.
  • Alternative 2 ist die richtige Antwort.

J. Diskriminierung

  • Diskriminierung liegt vor, wenn willkürliche Merkmale einer Person genutzt werden, um die entsprechende Person vom Zugang zu Ressourcen auszuschließen, z.B. Männer von bestimmten Professuren, wie dies im Professorinnenprogramm der Fall ist.
  • Alternative 2 ist die richtige Antwort.

Der Idiotentest für Verteilungsfragen steht hier als PDF bereit, um heruntergeladen, ausgedruckt und verteilt zu werden. Wir geben die Hoffnung eben nicht auf, dass sich die Vernunft durchsetzt!

Die neue Brüderlichkeit: Volle Rente bei halber Arbeit – halbe Rente bei voller Arbeit

Wir haben in der Vergangenheit schon darüber berichtet, wie die von Steuerzahlern finanzierten politischen Vereine der Parteien, die sich ganz unverfroren Stiftung nennen, das Geld der Steuerzahler, das ihnen ihre Lobbyisten im Bundestag zuschanzen, missbrauchen, um politische Agitation zu betreiben. Zuweilen wird diese politische Agitation als wissenschaftliche Arbeit ausgegeben und in einer weiteren Form des Etikettenschwindels als Expertise bezeichnet, ein Begriff, der genutzt wird, um vorzuspiegeln, dass das, was man gerade veröffentlicht, wissenschaftlich fundiert sei, auf einer entsprechenden Expertise basiert.

Eine angebliche Expertise im Autfrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, die den Titel trägt: „Soziale Sicherung unter dem Brennglas: Altersarmut und Alterssicherung bei Beschäftigten im deutschen Sozialsektor„, ist es dann auch, die unsere Aufmerksamkeit erregt hat. Die vermeintliche Expertise wurde von Florian Blank und Susanne Eva Schultz erstellt, die wiederum bei der Hans-Böckler-Stiftung am dortigen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut angestellt sind, also beim Deutschen Gewerkschaftsbund.

SED logoDie eine-Hand-wäscht-die-andere-Konstellation gestaltet sich also wie folgt: Der Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung nimmt Geld, das ihm aus Mittel der Steuerzahler von seinen politischen Lobbyisten im Bundestag zugeschanzt wurde, um die befreundete Stiftung, die unter dem Namen von Hans-Böckler Steuergelder verbraucht und das dortige Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut damit zu beauftragen, eine später als Expertise zu verkaufende Legitimationsarbeit zu verfassen, die sich einsetzen lässt, um politisches Kapital sowohl für die Gewerkschaft als auch für die SPD daraus zu schlagen.

Und wir werfen der EU-Kommission vor, dass sie aus Steuermitteln ihre eigenen Claqueure finanziert. Offensichtlich ist das Indoktrinations-Modell der EU-Kommission, mit dem versucht wird, über vermeintliche wissenschaftliche Expertisen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung zu nehmen, eine Kopie eines bewährten Korruptionsprogramms deutscher politischer Vereine.

Was kommt wohl dabei heraus, wenn der SPD-Verein den DGB-Verein damit beauftragt, etwas zu Altersarmut zu schreiben?

Fangen wir einmal vorne in der Kurzfassung an:

junk_science„Zentrales Ergebnis ist, dass für Beschäftigte im Sozialsektor der Aufbau einer eigenständigen Alterssicherung zwar grundsätzlich möglich ist (bei erheblichen Differenzen zwischen den hier betrachteten Berufsgruppen). Voraussetzungen dafür sind aber eine Bezahlung nach Tarif, dass es sich um Vollzeitbeschäftigung handelt und ein langer Verbleib im Beruf gelingt. Alle drei Aspekte sind aber problematisch angesichts einer abnehmenden Tarifbindung im Sozialsektor und eines Bedeutungsverlusts der „Leitwährung“ TVöD, einem hohen – teils zunehmenden – Anteil an Teilzeitbeschäftigung und belastenden Arbeitsbedingungen. Zusammengenommen zeigt sich, dass für viele Beschäftigte dieser Sektor mit Blick auf die Alterssicherung keine guten Aussichten bietet. Von dieser Situation sind vor allem Frauen betroffen, die im Sozialsektor die Mehrheit der Beschäftigten stellen (5).

Wer hätte es nicht vorher gewusst, dass die vermeintliche Expertise, die zum Zeitpunkt einer Regierungsbeteiligung der SPD vom SPD-Verein beim DGB-Verein in Auftrag gegeben wird, zu dem Ergebnis kommt, dass die Gesetzliche Rentenversicherung es grundsätzlich erlaubt, eine Rente anzusparen, aber nur, wenn etwas getan wird, um den Gewerkschaften mehr Einfluss auf Tarifabschlüsse und Lohnfestsetzungen in nicht trafigebundenen Betrieben zu geben?

Wer hätte es nicht vorher gewusst, dass mit der Weitergabe von Steuergeldern durch den SPD-Verein an den DGB-Verein ein Lamento finanziert wird, das die Interessen von Frauen verfolgt?

Und wer würde daran zweifeln, dass die als Expertise bezeichnete Junk Science mit weitreichenden Forderungen nach sozialer Gleichheit und nach Beseitigung einer leistungsabhängigen Rentenzahlung schließt?

„Rentenpolitische Maßnahmen, die getroffen werden sollen, sind u.a.: „Die Stärkung von Elementen des sozialen Ausgleichs in der Rentenversicherung, angefangen bei einer höheren rentenrechtlichen Bewertung von Zeiten ohne Erwerbseinkommen bis hin zu einer Aufwertung von Zeiten mit niedrigen Einkommen (39).“

Warum auch nicht? Warum soll jemand, der 15 Stunden oder 20 Stunden arbeitet und entsprechend weniger Rentenansprüche anspart als jemand der für denselben Studenlohn 37,5 oder 40 Stunden arbeitet, nicht die gleiche Rente erhalten? Stellt es nicht eine eindeutige Benachteiligung von Teilzeitarbeitenden dar, dass sie weniger verdienen als Vollzeitarbeitende und entsprechend weniger Rentenansprüche erwerben können? Und da die meisten Teilzeitarbeitenden weiblich sind, ist das geringere Entgelt für geringere Arbeit eine Benachteiligung!

Eigentlich müsste man schon an dieser Stelle die Legitimationsforschung, die uns abermals, händeringend nach einer Steigerung von Junk Science suchen lässt, in den Mülleimer werfen. Aber, immerhin wurden für diesen Junk Steuergelder verprasst, was uns die Pflicht auferlegt, die knapp 40 Seiten dieser angeblichen Expertisen noch etwas genauer anzuschauen.

Was machen Blank und Schulz da eigentlich?

Zunächst suchen Sie verzweifelt nach einer Möglichkeit, Altersarmut zu finden und scheitern, denn auch die Autoren, die schon vollmundig den Begriff der Altersarmut im Mund führen, wissen derzeit nur von einem Risiko zu schreiben oder eine entsprechende Gefahr zu beschwören. Weder das Risiko noch die Gefahr haben sich bislang materialisiert. Das bedeutet, man muss Altersarmut als Puppe in die ideologische Geisterbahn stellen und hoffen, dass man einige biedere Gemüter damit erschrecken kann.

FES_WISO_Soziale SicherungGinge es den Autoren im Übrigen tatsächlich darum, die Frage zu untersuchen, wie jemand auf Basis seines Entgelts und seiner Rentenbeiträge, die ihm einbehalten werden, im Alter gestellt ist, sie hätten die miserable Rentabilität der gesetzlichen Rentenversicherung thematisiert und sich gefragt, ob man nicht besser fahren würde, wenn man die Rentenversicherungsbeiträge in das Kopfkissen stopfen würde anstatt sie dem Staat anzuvertrauen, wohlwissend, dass aus der Rentenkasse jede nur erdenkliche Form des Wahlgeschenks finanziert wird.

Aber darum geht es den Autoren nicht.

Blank und Schulz wollen, vermutlich ihrem Auftrag entsprechend, vielmehr für ihre Klientel ein Wahlgeschenk aus der Rentenkasse anregen und legitimieren.

Aus dem Kapitel über die Gesetzliche Rentenversicherung ist genau ein Punkt relevant, der sich auf die Berechnung der Rentenhöhe bezieht, genauer, auf die Bestimmung von Entgeltpunkten: Zum 1. Juli 2014 erhält einen Entgeltpunkt, wer ein Jahresentgelt von 34.999 Euro brutto, also 2.916,58 Euro brutto monatlich verdient hat. Ein Entgeltpunkt entspricht wiederum 28,61 Euro. Wer demnach 2.916,58 Euro pro Monat verdient hat und davon 545,40 Euro monatlich in die gesetzliche Rentenversicherung bezahlt hat, kann, wenn er 45 Jahre berufstätig war, damit rechnen, eine monatliche Rente von 1.287,45 Euro ohne Berücksichtigung von Inflation und Gehaltssteigerungen zu erhalten. Zum Vergleich: würde derselbe Beitragszahler 545 Euro auf 45 Jahre zu einem Zinssatz von 2% anlegen, er hätte am Ende 1.328,63 Euro.

Die Tatsache, dass ein Entgeltpunkt ein monatliches Gehalt von 2.915,58 Euro notwendig macht, wird von Blank und Schulz in einer Art wildem ideologischen Rundumschlags zur Armutsgrenze oder, wie sie es nennen, zur Grenze benannt, bei deren Unterschreitung eine „eigenständige Alterssicherung grundsätzlich“ nicht mehr möglich ist.

Im nächsten Schritt untersuchen Blank und Schulz Berufe des Sozialwesens, solche, die sie für den Kern des deutschen Sozialwesens halten und denen sie eine „hohe gesellschaftliche Bedeutung“, auf Grundlage welcher Kriterien auch immer, zuschreiben. Dabei handelt es sich um „Erzieher_innen …, Altenpfleger_innen …, Krankenpfleger_innen …“ und „Ärzt_innen“. Warum Lehrer, Kindergärtner, medizinisch-technische Assistenten, Sanitäter, Physiotherapeuten und all die anderen Berufe des Sozialwesens, die sich u.a. in der Liste der anerkannten Ausbildungsberufe beim BIBB finden, nicht berücksichtigt wurden, nur die Autoren wissen die Antwort, d.h. nur sie können sagen, warum es sich bei Sanitätern und medizinisch-technischen Assistenten nach ihrer Meinung um randständige Berufe und nicht wie sie sagen, um Kernberufe des Sozialwesens handelt.

EntgeltpunkteDie Analyse des Verdienst von Erziehern, Altenpflegern, Krankenpflegern und Ärzten durch die Autoren zeigt, dass die ersten beiden Gruppen Gefahr laufen, unter dem Jahresverdienst zu bleiben, das für einen Entgeltpunkt notwendig ist, während Ärzte und Kankenpfleger darüber liegen. Eine Situation, die sich für Teilzeitkräfte noch verschärft, die – weil sie nur Teilzeit arbeiten, auch kein volles Monatsgehalt verdienen.

Damit ist der Boden bereitet für die Forderungen, die oben zitiert wurden und die darauf hinauslaufen, Personen in weiblich dominierten Pflegeberufen die halbtags oder noch weniger arbeiten, einen Ausgleich auf ihre Rentenansprüche zu geben, sagen wir generell für weibliche Erzieher und unabhängig vom Einkommen einen Entgeltpunkt.

Um diese Forderung richtig würdigen zu können, muss man noch einmal die Problemskizze Revue passieren lassen, die Blank und Schulz in ihrem Beitrag zur Junk Science vornehmen:

Demnach liegt das Problem darin, dass die Rentenbezüge anhand des Idealmodells einer dauerhaften Vollzeittätigkeit berechnet werden, d.h. dass im Rentengesetz gesetzt wird, dass wer länger und mehr arbeitet auch mehr Rente erhält als derjenige, der weniger und kürzer arbeitet. Um diese Ungerechtigkeit, die vor allem Frauen trifft, wie die Autoren nicht müde werden, zu betonen, zu beheben, soll nun denen, die im Vergleich zu den länger und dauerhaft Arbeitenden als benachteiligt konstruiert werden, weil sie weniger und kürzer arbeiten, ein Rentenausgleich gewährt werden.

Dass es sich dabei um Personen handelt, die in der Mehrzahl durch die Anrechnung von Erziehungszeiten sowieso schon anderen vorgezogen werden und von Arbeitnehmern alimentiert werden, deren Jahresentgelt deutlich unter dem Jahresdurchschnittsentgelt, das einem Entgeltpunkt entspricht, liegt, das scheint Blank und Schulz entweder nicht bewusst oder vollkommen egal zu sein.

Überhaupt ist es erstaunlich, welcher moralische Niedergang in den Teilen der politischen Linken zu finden ist, die sich auf das Erbe der Arbeiterbewegung beruft. Man kann nicht anders als Forschung, die betrieben wird, um Halbtagskräften einen Rentenvorteil auf Kosten anderer Beitragszahler zu verschaffen, als moralisch verkommen zu bezeichnen. Dass SPD-Vereine sie finanzieren und Gerwerkschafts-Vereine sie ausführen, ist nur noch das, was man im Englischen als icing on the cake bezeichnet.

Zum Vergleich ein paar Daten von der gewerkschaftseigenen Seite Lohnspiegel.de:

„Das Bruttomonatseinkommen von Berufskraftfahrer[…]n beträgt ohne Sonderzahlungen auf Basis einer 40-Stunden-Woche durchschnittlich rund 2.100 Euro. Die Hälfte der Berufskraftfahrer[…]n verdient weniger als 2.030 Euro.“

Ein Berufskraftfahrer, der 40 Stunden arbeitet, zahlt 392,70 Euro Rentenbeitrag monatlich und erwirbt jährilch knapp 0,75 Entgeltpunkte, weniger als die Vollzeithausfrau, die sich auf die Betreuung der eigenen Kinder spezialisiert hat und dafür mit einem Entgeltpunkt belohnt wird. Aber: Nicht dem Fernfahrer soll ein Ausgleich in seiner Rente geschaffen werden, damit er vor Altersarmut sicher ist, nein, der Halbtagserzieherin, die „nur“ 1.780 Euro brutto verdient, für 20 Stunden Arbeit pro Monat.

Oder wie ist es mit dem Gebäudereiniger, der eine Berufserfahrung von 10 Jahren mitbringt, 40 Wochenstunden arbeitet und nach Angaben des gewerkschaftseigenen Lohnspiegel.de 21.852 Euro brutto im Jahr verdient, ein Verdienst, das ihm 0,62 Entgeltpunkte einbringt?

Nein, auch dem Gebäudereiniger muss nicht geholfen werden, damit er von Altersarmut verschont bleibt, schon weil er mit einer 40-Stunden-Woche gut 492 Euro mehr im Jahr verdient als die Erzieherin mit der 20-Stunden-Woche. Deshalb muss für die Erzieherin die Anerkennung der 20 Stunden, die sie monatlich nicht arbeitet, bei der Rentenberechnung gefordert werden, denn sie ist gegenüber dem Fernfahrer und dem Gebäudereiniger, die monatlich 40 Stunden arbeiten klar im Nachteil – oder?

Wer derzeit noch Gewerkschafts- oder Parteimitglied der SPD ist, der kann dies nur sein, weil er entweder keine Ahnung hat, wen er damit unterstützt oder deshalb, weil er einen finanziellen Vorteil von seiner Mitgliedschaft hat.

Man kann angesichts von Junk Forschung wie derjenigen von Blank und Schulz, deren Ergebnisse sich SPD- wie DGB-Verein zu eigen gemacht haben, mit Fug und Recht feststellen, dass Arbeiter und abhängig Beschäftigte, die in einem Beruf tätig sind, in dem man sich noch die Hände schmutzig machen kann, mit Sicherheit nicht von Gewerkschaften oder Sozialdemokraten vertreten werden.

Die sind nämlich damit beschäftigt, teilzeitbeschäftigten Frauen die Beiträge zuzuteilen, die vollzeitbeschäftigte Fernfahrer und Gebäudereiniger in die Rentenkasse einzahlen.

John Stuart Mill: Nur wer etwas beitragen kann, kann Rechte beanspruchen

Die Philosophie zum Wochenende kommt dieses Mal von John Stuart Mill. In dem Auszug, den wir wiedergeben, beschäftigt sich John Stuart Mill mit Gerechtigkeit und Recht. Besonders interessant ist hier die Antwort von Mill darauf, wer ein Recht gegenüber der Gesellschaft geltend machen kann: „Ein Recht zu haben“, so schreibt er, „bedeutet demnach, etwas zu haben, das mir die Gesellschaft schützen sollte, während ich es besitze. Wenn nun jemand fragt, warum sie das tun sollte, kann ich keinen anderen Grund nennen als die allgemeine Nützlichkeit.“

Rechte können also nur als Gegenleistung für (1) gesellschaftliche Nützlichkeit verteilt werden und 2) können Sie nur unter der Bedingung vergeben werden, dass der Rechtenehmer etwas besitzt, was für die Gesellschaft nützlich ist. Das klassische Beispiel für ein entsprechendes Recht, ist das Recht auf Eigentum. Ein klassisches Beispiel für ein Recht, das die Gesellschaft nicht verteilen kann, wären das Recht auf Bildung oder das Recht auf Arbeit. Für Mill obliegt es der Eigenverantwortung der Individuen, sich zu bilden oder sich um Arbeit zu kümmern. Selbst wenn ein Recht auf Arbeit dafür sorgen würde, dass Kriminalität sinkt (was es nachweislich nicht tut), wäre es für Mill kein Recht, das die Gesellschaft verleiht, denn der Anspruch auf ein Recht, setzt eine wie auch immer geartete Vorleistung auf Seiten der Individuen voraus.

John Stuart Mill„Der Begriff der Gerechtigkeit setzt zweierlei voraus: eine Verhaltensregel und ein Gefühl als Sanktion der Regel. Das eine, eine Regel, muss der ganzen Menschheit gemeinsam sein und ihrem Wohl dienen. Das andere, das Gefühl, ist der Wunsch, dass die, die gegen die Regel verstoßen, bestraft werden. Hinzu kommt, die Vorstellung einer bestimmten Person, die unter dem Verstoß leidet oder (um hier den passenden Ausdruck zu verwenden) deren Rechte durch den Verstoß verletzt werden. Und das Gerechtigkeitsgefühl scheint mir dasselbe zu sein wie das Bedürfnis der Tiere, eine Verletzung oder Schädigung, die sie selbst oder die ihnen Nahestehenden erlitten haben, zu vergelten, ausgedehnt – kraft der menschlichen Fähigkeit zu erweiterter Sympathie und des menschlichen Begriffes eines wohlverstandenen Eigeninteresses – auf die Gesamtheit aller Menschen. Aus diesen letzteren Komponenten bezieht das Gerechtigkeitsgefühl seinen moralischen Gehalt, aus der ersteren seine eigentümlich eindrucksvolle Selbstbehauptungskraft.

Ich habe den Gedanken eines Rechts, das einer Person zukommt und durch das Unrecht verletzt wird, durchweg nicht als eine besondere Komponente der Gerechtigkeitsvorstellung behandelt, sondern als eine der Formen, in denen die beiden anderen Komponenten erscheinen: die Schädigung einer oder mehrerer Personen und das Verlangen, den Urheber des Schadens bestraft zu sehen. Es lässt sich, wie ich meine, bereits analytisch zeigen, was für die Verletzung eines Rechts wesentlich ist. Wenn wir von dem Recht einer Person sprechen, meinen wir damit, dass die Person von der Gesellschaft verlangen darf, im Besitz des Rechts durch gestzliche Gewalt bzw. durch den Einfluss der Erziehung und der öffentlichen Meinung geschützt zu werden. Hat jemand (aus welchen Gründen auch immer) einen unserer Ansicht nach begründeten Anspruch darauf, dass ihm die Gesellschaft ein bestimmtes Gut verbürgt, dann sagen wir, dass er ein Recht darauf hat. Wollten wir nachweisen, dass jemand keinen Rechtsanspruch auf eine Sache hat, dann dadurch, dass wir zeigen, dass die Gesellschaft nicht verpflichtet ist, ihm die Sache sicherzustellen, sondern diese dem Zufall oder seinen eigenen Bemühungen überlassen sollte. So sagt man etwa, dass jemand ein Recht darauf hat, das Einkommen zu beziehen, das er in einem fairen Wettbewerb erzielen kann; denn die Gesellschaft sollte es nicht zulassen, dass ihn ein anderer daran hindert, so viel zu verdienen, wie er verdienen kann. Aber das heißt nicht, dass er einen Rechtsanspruch darauf hat, dreihundert Pfund im Jahr zu verdienen, auch wenn er sie tatsächlich verdienen mag. Denn es ist nicht Sache der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass er diese Summe verdient. Wenn er andererseits jedoch zehntausend Pfund in dreiprozentigen Anleihen besitzt, hat er einen Rechtsanspruch auf die dreihundert Prund im Jahr, da die Gesellschaft die Verpflichtung übernommen hat, ihm ein Einkommen in dieser Höhe zu gewähren [gemeint ist das, was man heute Staatsanleihen oder Staatsobligationen nennt].

Ein Recht zu haben bedeutet demnach, etwas zu haben, das mir die Gesellschaft schützen sollte, während ich es besitze. Wenn nun jemand fragt, warum sie dies tun sollte, kann ich ihm keinen anderen Grund nennen als die allgemeine Nützlichkeit. Wenn dieser Ausdruck aber weder der Stärke der Verpflichtung noch der eigentümlichen Intensität des ihr entsprechenden Gefühls gerecht zu werden scheint, dann deshalb, weil in die Zusammensetzung des Gerechtigkeitsgefühls nicht nur ein vernünftiges, sondern auch ein triebhaftes Element eingeht, der Vergeltungstrieb (thirst for retaliation).

Mill_UtilitarismusDieser Trieb erhält seine Intensität – wie auch sein moralisches Recht – aus der außerordentlich bedeutsamen und eindrucksvollen Art von Nützlichkeit, die auf dem Spiel steht. Das Interesse, um das es geht, ist das Interesse an Sicherheit, in jedermanns Augen das wesentlichste unter allen Interessen. Von nahezu allen anderen irdischen Gütern lässt sich sagen, dass der eine sie braucht, der andere nicht. Viele von ihnen kann man, wenn nötig, ohne weiteres entbehren oder durch irgend etwas anderes ersetzen. Aber auf Sicherheit kann ein Mensch unmöglich verzichten. Von ihr hängt es ab, ob wir vor Unglück bewahrt bleiben und ob wir den Wert eines Guts über den flüchtigen Augenblick hinaus zu retten vermögen; denn wenn wir jedem hilflos ausgeliefert wären, der auch nur einen Moment lang stärker ist als wir, könnte allein die augenblickliche Befriedigung einen Wert für uns haben. Dieses nach dem Nahrungsbedürfnis unerlässlichste aller Grundbedürfnisse kann aber nur dann befriedigt werden, wenn der Mechanismus, durch den Sicherheit gewährt wird, ohne Unterbrechung in Funktion bleibt. Der Anspruch an unsere Mitmenschen, an der Sicherung dieser absoluten Grundlage unserer Existenz mitzuwirken, spricht Gefühle an, die soviel stärker sind als die, die sich an die gewöhnlichen Fälle von Nützlichkeit heften, dass der Unterschied des Grades (wie so oft in der Psychologie) zu einem Unterschied der Art wird. Der Anspruch nimmt jene Unbedingtheit, jene scheinbare Unendlichkeit und Unvergleichbarkeit mit allen anderen Erwägungen an, auf der der Unterschied zwischen dem Gefühl von Recht und Unrecht und dem Gefühl bloßer Zuträglichkeit und Unzuträglichkeit beruht. Jenes Gefühl ist so mächtig, und wir rechnen so fest damit, dasselbe Gefühl bei anderen (die ja dasselbe Interesse haben) wiederzufinden, dass sollte zu muss und die erkannte Unentbehrlichkeit zu einer moralischen Notwendigkeit wird, die einer physikalischen Notwendigkeit vergleichbar ist und ihr an Unbedingtheit oft nicht nachsteht.“

Mill knüpft also nicht nur Rechtsansprüche gegenüber der Gesellschaft an Leistungen, die diesen Ansprüchen vorausgehen, er sieht den Sinn von Rechten auch ausschließlich darin, Sicherheit herzustellen, die die eigene Existenz berechenbar und gestaltbar macht, von Willkür freihält. Die eigene Existenz verfolgt nach Mill das Ziel, Nützlichkeit für sich herzustellen, und zwar soviel davon, wie möglich, wobei Verdienst für ihn ein Maß der Nützlichkeit ist. Das gesamte Gebäude aus Recht, Gerechtigkeit und Nützlichkeit fusst auf dem Gerechtigkeitsempfinden (im Text ist von Gefühlen die Rede, die Übersetzung ist nicht besonders sorgfältig) und dem, was Mill „Vergeltungstrieb“ nennt. Ersteres bezieht sich auf eine faire Behandlung, letzteres darauf, Regelverletzer bestraft zu sehen.

Es ist von daher sicher kein Zufall, dass Mill von der Gesellschaft als der Entität spricht, die Rechte zuteilt und Sicherheit gewährt und nicht vom Staat. Ein Staat, der als Akteur Individuen nicht nur ihr Recht, so viel Eigentum wie möglich anzuhäufen, streitig macht, sondern darüber hinaus al gusto Rechte zuteilt, die auf keinerlei für die Gesellschaft erkennbarem Nutzen aufbauen, dürfte Mill nicht einmal in seinen schlechtesten Momenten in den Sinn gekommen sein, denn die Existenz dieses Staates wäre nicht nur ein Travestie auf freie Bürger, sie stünde auch über kurz oder lang im Widerspruch zum Vergeltungstrieb, den Mill als Teil der conditio humana ansieht. Als Konsequenz ergibt sich die Kurzlebigkeit staatlicher Versuche, Ungerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Ob man Mill in diesem Punkt zustimmt, ist somit eine Frage der Definition, der Definition von „Kurzlebigkeit“.

 

Gerechtigkeit ist…

Es kommt selten etwas Besseres nach, so eines dieser ewigen Pfälzer Sprichworte, die einem immer dann einfallen, wenn man damit konfrontiert ist, dass, na was: selten etwas Besseres nachkommt. Nachgekommen ist mit der neuen Regierung eine neue Ministerin für Familie und all die anderen (minus Männer) und wer über die Pressemitteilungen liest, der hat nicht den Eindruck, es habe sich etwas zum Besseren verändert – in Gegenteil.

Aber, und damit sind wir bei einer anderen Pfälzer Weisheit, die ein leider zwischenzeitlich verstorbener und heftig vermisster Pfälzer gerne geäußert hat: Es ist nichts so schlecht, als dass es nicht für ebbes gut ist! (digital remastered high-germanized version)

So auch die Pressemeldung unter dem Titel: „Förderung für ungewollt kinderlose Paare wird aufgestockt“. Gerade diese Pressemeldung eignet sich hervorragend, um ein paar (sozio-)logische Erkenntnisse zu verbreiten.

Beginnen wir mit dem Textteil des Bundes:

succesful cloning„Kinderwünsche dürfen keine Kostenfrage sein“, sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. „Gerade für Paare mit kleinen und mittleren Einkommen stellen die hohen Behandlungskosten von mehreren Tausend Euro oft ein großes Problem dar. Familienpolitik beginnt bereits vor der Geburt eines Kindes.“

Soziologie umfasst einen Bereich, der gemeinhin als Sozialstrukturanalyse beschrieben wird. Die Sozialstrukturanalyse hat z.B. die folgenden Ergebnisse erbracht: Familien, die sich Kinder eigentlich nicht leisten können, für die Kinder entsprechend eine Kostenfrage sind, produzieren mehr Kinder für die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, und dies vor allem deshalb, weil sie durchschnittlich später eingeschult werden, weil sie häufiger sitzen bleiben oder auf Sonderschulen landen, weil sie häufiger eine Hauptschulabschluss, wenn überhaupt einen Abschluss erreichen, kurz: Die Paare, die sich einen Kinderwunsch aus Kostengründen nicht erfüllen können, sind auch die Paare, deren Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Kinder anderer Paare, eine Karriere auf Transferzahlungen zu starten.

Geissler SozialstrukturWarum das so ist, ist eine andere Frage, deren Antwort man als Konflikttheoretiker damit geben könnte, dass die Mittelschicht ständig neues Fleisch in der Unterschicht braucht, auf das sie heruntersehen kann, um sich ihre eigene Überlegenheit zu bestätigen. Entsprechend wäre die Finanzierung, die den Paaren angedeihen gelassen wird, die sich wegen zu geringer Einkommen, ihren „Kinderwunsch“ nicht erfüllen können, Geld, das zur Psycho-Hygiene der Mittelschicht eingesetzt wird. Und damit es auch klappt, sorgen Mittelschichtsinstitutionen wie sie die Schulen oder das BMFSFJ darstellen dafür, dass Kinder aus der Unterschicht auch nicht in die Weidegründe der Mittelschicht vordringen.

Weiter geht es im Text, und da die Förderung ungewollt kinderloser Paare in Sachsen-Anhalt stattfindet, kommt auch ein Vertreter der dortigen politischen Kaste zu Wort, ein Norbert Bischoff. Er hat auch besonderes Wissen, das er an den Leser bringen will:

„Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, ungewollt kinderlose Paare nicht über Gebühr mit der Finanzierung für notwendige Behandlungen allein zu lassen. Über die Kosten darf keine Sozialauswahl erfolgen.“

Norbert Bischoff

Norbert Bischoff: Schaffer der Bischoff-Gerechtigkeit

Wir sehen: nicht nur die Bundesministerin ist uninformiert über einfache gesellschaftliche Zusammenhänge, auch der Landesminister. Zwei, die sich gesucht und gefunden haben, ein nettes Paar, so zu sagen. Gerechtigkeit ist also, wenn ein Wunsch, der mangels finanzieller Ressourcen nicht erfüllt werden kann, durch die Allgemeinheit erfüllt wird. Ist das so? Nun, dann hätten wir gerne einen Dienst-Ferrari. Oder gilt das Wunschkonzert nur für „notwendige Behandlungen“, wie der Minister einschränkt?

Nun, falls dem so ist, trifft eine logische Keule, denn die Behandlungen sind gar nicht notwendig: Es gibt kein Naturgesetz, das die künstliche Befruchtung zur lebenserhaltenden Maßnhme werden lässt. Das würde sich auch mit dem vermeintlichen Kinderwunsch ins Gehege kommen, denn wäre die Behandlung notwendig, der Kinderwunsch wäre ein Kinderzwang. Der Herr Minister hat offensichtlich keine Ahnung, wovon er spricht, auch nicht davon, was Gerechtigkeit ist.

Gerechtigkeit ist nämlich nicht, wenn andere für meine Wünsche zahlen. Das mag Politikern aufgrund ihrer hohen Gehälter, die viele trotz intellektueller Mittelmäßigkeit (im besten Fall) beziehen, so vorkommen, aber es ist nicht so. Gerechtigkeit ist, wenn man für eine Anstrengung und im Vergleich zur Anstrengung eines anderen, eine der Anstrengung und ebenfalls im Vergleich zum anderen entsprechende Auszahlung erhält. Wenn zwei Arbeiter die gleiche Arbeit in gleicher Intensität verrichten und der eine 5 Stunden, der andere aber 7 Stunden arbeitet, dann ist es gerecht, dass derjenige, der länger gearbeitet hat, auch mehr Lohn erhält.

(Wir wollten eigentlich ein Beispiel mit Politikern machen, aber hier versagt die Equität, denn Politiker werden ja für ihre Existenz und nicht für ihre Leistung bezahlt. Wen wundert es da noch, dass sie keinerlei Ahnung davon haben, was als Gerechtigkeit anzusehen ist.).

red ferrariAber für Herrn Bischoff ist Gerechtigkeit, wenn ein Wunsch erfüllt wird, der mit so hohen Kosten verbunden ist, dass ihn sich der Wünschende nicht selbst erfüllen kann. Diese, nennen wir sie Bischoff-Gerechtigkeit, wollen wir zum Anlass nehmen, um ein kleines Wunschkonzert zu starten. Also, Liebe Leser von ScienceFiles, wünschen Sie sich etwas aus dem breiten Angebot der Bischoff-Gerechtigkeit.

Gibt es etwas, das sie gerne hätten, das Sie sich aber nicht leisten können und für das Sie der Meinung sind, dass es keine Sozialauswahl geben darf? Dann teilen Sie es uns und dem Herr Bischoff mit. Nutzen Sie dazu sein eigens eingerichtetes Kontaktformular und ergänzen Sie das Stichwort: Bischoff-Gerechtigkeit.

Wir haben uns von Herrn Bischoff eine einsame Insel gewünscht, auf der man keine Nachrichten aus Deutschland empfangen kann.

island in the sun
Und Sie?

Nachtrag

Ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem der Ausstieg aus der furchtbaren Kerntechnik beschlossen ist, in einem Land, in dem die Gentechnologie mit mystischen Kräften, die allesamt Schreckliches hervorbringen, verbunden und entsprechend abgelehnt wird, dennoch und über Steuergelder finanziert an Erbgut herumexperimentiert werden darf. Und ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem das so genannte ungeborene Leben (ein netter Widerspruch) von so vielen Beschützern verteidigt wird, befruchtetes Erb-Material dem Absterben preisgegeben oder auf Eis gelegt wird? Und ist es nicht erstaunlich, mit welcher Vasallentreue sich die heftigen Kinderwünscher Dritten anvertrauen, sich unter deren Obhut begeben und keine Sekunde daran zweifeln, dass das, was da in ihnen heranwächst auch wirklich ihres ist?

Makro-Gerechtigkeit = Aggregierter Minderwertigkeitskomplex?

Wissen Sie, was Makro-Gerechtigkeit ist? Nein, das ist nicht fair (mikro-fair, wenn Sie so wollen), dass ich Sie gleich mit einer solchen Fragen überfalle. Zumal ich auch nicht so richtig weiß, was Makro-Gerechtigkeit sein soll. Es scheint etwas zu sein, bei dem Individuen auf etwas anderes vertröstet werden. So wie man die Individuen, die im Leben leiden, auf das Jenseits oder die klassenlose Gesellschaft vertröstet (je nach Ideologie), so scheint auch Makro-Gerechtigkeit vielleicht über sich, mit Sicherheit aber über Individuen hinauszuweisen.

Entsprechend definieren Brickman et al (1981, S.173) Makro-Gerechtigkeit als:

„the aggregate fairness of reward in a society“. [die aggregierte Verteilungsgerechtigkeit in einer Gesellschaft]

Na das kommt einem dann doch schon vertrauter vor. Makro-Gerechtigkeit ist etwas für Kollektivisten, solche, die kein Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit haben und sich lieber in Aggregaten verstecken, Kollektiven eben.

town

„Look out your window, Agent Mulder. You see the lights? Imagine if one of them flickered off. You’d hardly notice, would you?“)

Im Verlauf der Geschichte hat sich eine ganze Reihe von Kollektiven gefunden, die für Makro-Gerechtigkeit eingetreten sind: Die katholische Kirche hat die Makro-Gerechtigkeit aller Katholiken verteidigt, wahlweise gegen Ketzer in den eigenen Reihen und solche von außerhalb der eigenen Reihen. Die französischen Revolutionäre haben sich gegen den Absolutismus gewendet, um Makro-Gerechtigkeit für den „citoyen“ herzustellen, eine Form der Makro-Gerechtigkeit, dem zuerst die „Reichen“ und dann die „citoyen“ zum Opfer gefallen sind, die der Herstellung von Makro-Gerechtigkeit im Weg standen. Und so geht es weiter durch die Geschichte, Sozialisten und Kommunisten haben Makro-Gerechtigkeit durch Internierung der Gegner der Sowjets und ihrer Genossen in Gulags hergestellt, Nationalsozialisten haben Konzentrationslager und Unterwerfung mit kriegerischen Mitteln zur Herstellung von Makro-Gerechtigkeit für das Volk der Deutschen ohne Raum vorgezogen.

Und heute, in unserer aufgeklärten Zeit, dient Makro-Gerechtigkeit wiederum einem anderen Zweck. Makro-Gerechtigkeit ist der Gott, den alle anbeten, die ein Problem mit ihrer eigenen Person zu haben scheinen, ist das Ziel von Instrumenten zur Durchsetzung von Makro-Gerechtigkeit doch:

„[to] discourage considerations of individual attributes. Rather macrojustice is concerned with the fairness of the aggregate distribution of resources in society, such as guaranteed minimum outcome, or equality for all.“ (Zdaniuk & Bobocel, 2011, S.344)

Ja. Makro-Gerechtigkeit, also die Herstellung einer „Gleichheit für alle“ (klingt wie: Reichtum für alle), findet z.B. statt, wenn der Führer des Volkes ohne Raum zum kriegerischen Erwerb von Ostgebieten aufruft, um die Fairness der Landverteilung auf Aggregatebene herzustellen. An diesem Beispiel lässt sich bereits das Problem benennen, das sich mit Makro-Gerechtigkeit verbindet: Der Kampf des Volkes ohne Raum, ist bei seinen Nachbarn nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen. Um genau zu sein, die Nachbarn haben sich gewehrt und das Volk ohne Raum im Ende auf noch weniger Raum begrenzt als vor dem Versuch, Makro-Gerechtigkeit durch den Erwerb von Ostgebieten herzustellen, vorhanden war.

Die Probleme, die sich mit Makro-Gerechtigkeit verbinden sind entsprechend leicht benannt:

  • reichtum fuer alleEs gibt keine Makro-Gerechtigkeit, sondern nur willkürliche Verteilungen auf Aggregatebene, z.B. von Land oder von Aufsichtsratsposten;
  • Diese willkürlichen Verteilungen auf Aggregatebene bieten sich zur willkürlichen Benutzung an, wenn man z.B. Verteilungen auf bestimmte soziale Merkmale herunterbricht, dabei Verteilungsungleichheit feststellt und dies zum Anlass nimmt, um die betroffenen Gruppen durch die Herstellung von Verteilungsgleichheit gleichzustellen, z.B. Frauen in Aufsichtsräten oder Arbeiter in Aufsichtsräten (nein, natürlich will niemand Arbeiter gleichstellen…, das war mein willkürliches Beispiel).
  • Die Herstellung von Verteilungsgleichheit (= Makro-Gerechtigkeit) ist immer auf Kollektive und nie auf Individuen bezogen. Gleichgestellt im Hinblick auf Verteilung werden z.B: Frauen, nie Isolde M. Tatsächlich kann es sein, dass Isolde M., obwohl sie kraft Geschlecht zur Gruppe derer gehört, die in Aufsichtsräte berufen werden sollen, nie in einen Aufsichtsrat gelangt, weil sie kein Gewerkschaftsfunktonär, sondern Mitglied einer Putzkolonne ist.
  • Makro-Gerechtigkeit hat darüber hinaus das Manko, dass die Herstellung von „Verteilungsgleichheit“ nicht anders zu machen ist als durch Diskriminierung der Gruppe, für die auf der Makroebene ein Verteilungsvorteil ausgemacht wurde: also z.B. Männer, wenn die Gruppe der Frauen bevorzugt werden soll oder Mittelschichtsangehörige, wenn die Gruppe der Arbeiter bevorzugt werden soll (Letzteres ist wieder mein Beispiel, das abermals unrealistisch ist, denn wenn es an die eigene Haut geht, hört bei Mittelschichts-Funktionären alles Gerede von Makro-Gerechtigkeit schnell auf).
  • Makro-Gerechtigkeit ist keine Form von Gerechtigkeit, sondern Legitimation, um mit den Prinzipien von Fairness zu brechen und offen Angehörige bestimmter Gruppen zu diskriminieren. Offene Diskriminierung klingt nicht gut, deshalb reden die entsprechenden Aktivisten lieber von Makro-Gerechtigkeit.

Kurz: Makro-Gerechtigkeit wird immer da ins Feld geführt, wo es darum geht, einen gesellschaftlichen Fetisch zu schaffen, mit dessen Hilfe Individuen benachteiligt werden können. Quoten für Frauen sind ein solcher Fetisch, bei dem individuelle Fertigkeiten und Fähigkeiten keine Rolle spielen und die Diskriminierung von Frauen mit Fertigkeiten und Fähigkeiten und von Männern explizites Ziel der Herstellung von Makro-Gerechtigkeit ist.

MacroJusticeIch bin mir nicht sicher, ob die Jünger der „Makro-Gerechtigkeit“ verstehen, dass man einen Verteilungszustand auf Makroebene nur dann durch Sozialtechnologie ändern kann, wenn man bereit ist, Gerechtigkeit und Fairness zu opfern (beides gibt es nur für Individuen und deshalb nicht als Makro-Gerechtigkeit) und Bevorzugung aufgrund von Gruppenzugehörigkeit ebenso wie Diskriminierung aufgrund von Gruppenzugehörigkeit explizit in Kauf zu nehmen, aber ich tendiere dazu, zu denken, dass die meisten Makro-Gerechtigkeits-Apostel genau wissen, was sie tun. Ich tendiere umso mehr dazu, seit ich eine Untersuchung kenne, die Agnes Zdaniuk und D. Ramona Bobocel (2011) zu verantworten haben.

Der Zeitschriftenbeitrag, auf den mich Dr. habil. Heike Diefenbach aufmerksam gemacht hat, in dem die beiden Autoren von ihrer Untersuchung berichten, ist einer der Beiträge, bei denen man bereits nach der ersten Zeile ärgerlich ist: „Women and visible minorities have long suffered injustice due to discrimination“ (2011, S.341). Eigentlich reicht so ein Satz, denn Wissenschaftler, die homogene Gruppen annehmen, diese homogenen Gruppen auch noch über Jahrhunderte hinweg als homogene Gruppen annehmen und zudem noch andeuten, dass diese homogenen Gruppen von einer anderen homogenen Gruppe benachteiligt worden sei, denn wie sonst sollte eine homogene Gruppe diskriminiert werden als durch eine andere homogene Gruppe, haben sich bereits mit wenigen Worten als, wie man in England sagt, nutty, nicht ganz dicht, in sinngemäßer Übersetzung bloßgestellt.

Aber, wer seine Leser so schnell auf seine eigene Unzulänglichkeit stößt, der weiß vielleicht auch ansonsten nicht, was er tut und produziert mit seinen Forschungen unbeabsichtigte Ergebnisse, die wiederum einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden können. So auch im vorliegenden Fall, denn die Autoren kommen in einer Reihe von Experimenten, deren Ziel darin besteht, die Hindernisse für die Durchsetzung von affirmative action zu bestimmen bzw. die beste Möglichkeit zur Durchsetzung zu finden, zu dem folgenden Ergebnis:

„Together, our findings suggest that when a policy violates microjustice to ensure macrojustice, individuals with a strong independent self-construal are more opposed than individuals with a weak self-construal“. (358).

Self-construal ist ein sozialpsychologisches Konzept, mit dem Unabhängkeit (oder Abhängigkeit) von sozialen Gruppen und Vorgaben und letztlich Autonomie gemessen werden soll. Eine unabhängige Selbst-Wahrnehmung steht in engem Zusammenhang mit kognitiver Leistungskraft und einem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass Personen, die sich selbst als leistungsfähig und damit wettbewerbsfähig sehen und die darüber hinaus Vertrauen in ihre Leistungskraft haben, sich massiv gegen das Aushölen von Fairness zur Wehr setzen. Im Umkehrschluss kann man daraus schließen, dass die Anhänger von Konzepten wie „Makro-Gerechtigkeit“, deren Ziel darin besteht, individuelle Leistungsunterschiede zu ignorieren und Verteilungsgleichheit aufgrund willkürlich zugewiesener Merkmale wie Geschlecht herzustellen, sich als nicht sonderlich leistungsfähig, in keinem Fall wettbewerbsfähig sehen und vor allem wenig Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit haben. Man könnte sagen, sie haben einen Minderwertigkeitskomplex, ob berechtigterweise oder nicht, kann hier offen gelassen werden, und diesen Minderwertigkeitskomplex versuchen sie zu bearbeiten, in dem sie sich mit Makro-Gerechtigkeit ein Konzept zimmern, das es erlaubt, andere, leistungsfähigere zu diskriminieren und den eigenen Minderwertigkeitskomplex im Schutz der Gruppeneigenschaft zu überwinden.

Brickman, Philip, Folger, Robert, Goode, Erica & Schul, Yaakov (1981). Microjustice and Macrojustice. In: Lerner, Melvin J. & Lerner, Sally C. (eds.). The Justice Motive in Social Behavior. New York: Plenum, pp.173-202.

Zdaniuk, Agnes & Bobocel, D. Ramona (2011). Independent Self-Construal and Opposition to Affirmative Action: The Role of Microjustice and Macrojustice Preferences. Social Justice Research 24: 241-364.