Kranke Flüchtlinge: Landesregierungen gefährden die Gesundheit ihrer Bevölkerung

Flüchtlinge sind „aufgrund der schwierigen Lebensbedingungen während der Flucht, eines möglicherweise unvollständigen Impfschutzes, der teils höheren Prävalenzen in den Herkunftsländern und infolge des räumlich beengten Aufenthalts in Massenunterkünften besonders vulnerabel für Infektionskrankheiten“. Das schreiben Frank und sieben Ko-Autoren in der neuesten Ausgabe des „Journal of Health Monitoring“.

feel sick emoticonAngesichts der erhöhten Anfälligkeit von Flüchtlingen für übertragbare Erkrankungen, angesichts also der gesundheitlichen Gefahr, die Flüchtlinge grundsätzlich für die autochthone Bevölkerung darstellen, würde man denken, dass die für die Gesundheitsvorsorge bei Flüchtlingen verantwortlichen Landesregierungen ein besonders penibles und genaues Gesundheitsscreening durchführen.

Das würde man denken.
Und man irrt.

Auf den zwei Seiten, die Frank et al. übertragbaren Krankheiten gewidmet haben, steht regelmäßig zu lesen, dass die Datenlage unzureichend ist. Es gibt keine umfassenden, keine vergleichbaren und keine genauen Zahlen darüber, wie viele der Flüchtlinge an übertragbaren Krankheiten erkrankt sind. Das Fehlen der entsprechenden Daten ist darauf zurückzuführen, dass die entsprechenden Untersuchungen im Ermessen der Länder sind.

Folglich berichten Wahedi, Nöst und Bozorgmehr in einem Beitrag für das Budnesgesundheitsblatt von Regelungen in Bundesländern, die „in mehreren Aspekten nicht den Anforderungen an ein wissenschaftlich fundiertes Screening“ entsprechen. Mit anderen Worten, in manchen Bundesländern gefährdet die Landesregierung ihre Bevölkerung vorsätzlich, einfach dadurch, dass notwendiges Screening von Flüchtlingen auf übertragbare Krankheiten unterbleibt.

Wahedi, Nöst und Bozorgmehr unterteilen die Bundesländer in drei Gruppen, (1) Bundesländer die nur ein Mindestmaß an Screening durchführen, namentlich Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, (2) Bundesländer die darüber hinaus bei Tuberkulose genauer hinsehen, namentlich Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Hessen und Schleswig-Holstein und (3) Bundesländer, die ein umfassendes Screening der Flüchtlinge ausführen, namentlich Rheinland-Pfalz, Hamburg, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen.

Aufmerksame Leser werden feststellen, dass Sachsen-Anhalt, Bremen und Berlin in der Aufstellung fehlen. Für die entsprechenden Bundesländer gibt es schlicht keine Daten. Sie müssen entsprechend als Hazardeure angesehen werden, die die Gesundheit ihrer Bevölkerung in besonderer Weise gefährden, noch mehr als dies die Länder tun, die in den Ländergruppen (1) und (2) vereint sind.

Dabei wäre ein Screening dringend notwendig. So wurden dem Robert-Koch-Institut von 2004 bis 2014 allein 119 Ausbrüche von Infektionskrankheiten in Asylbewerberheimen gemeldet, von denen 615 Asylbewerber betroffen waren. 29% der 615 Asylbewerber waren an Windpocken, 18% an Skabies (also Krätze), 12% an Masern und jeweils 8% an Tuberkulose und Rotavirus-Gastroenteritis, der hauptsächlich bei Kindern auftritt und eine Entzündung von Magen und Därmen zur Folge hat, erkrankt. Bei der Untersuchung von 102 unbegleiteten Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren in Bielefeld wurde festgestellt, dass 60 der Jugendlichen an einer Heliobacter pylori-Infektion erkrankt waren, also einer ansteckenden Form von Magenentzündung. Die wenigen Daten, die bislang vorhanden sind, weisen zudem daraufhin, dass Hepatitis B unter Flüchtlingen deutlich verbreiteter ist als unter der autochthonen Bevölkerung. Hepatitis B ist die übertragbare Variante der Leberentzündung.

Trotz all der Daten, die es notwendig erscheinen lassen, ein generelles und umfassendes Screening von Flüchtlingen durchzuführen, bleiben viele Bundesländer hinter dem notwendigen Ausmaß von Gesundheits-Screening zurück und gefährden damit ihre Bevölkerung, darunter die Bundesländer Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und das Saarland, in denen demnächst Wahlen stattfinden, so dass die Bevölkerung eine Gelegenheit hat, kund zu tun, was sie davon hält, Gesundheitsrisiken ausgesetzt zu werden, die vermeidbar wären.

Die folgende Tabelle aus dem Beitrag von Wahedi, Nöst und Bozorgmehr stellt detailliert dar, welchem Gesundheitsscreening Flüchtlinge in den einzelnen Bundesländern unterzogen werden. Berlin, Bremen und Sachsen-Anhalt fehlen in der Aufstellung. Die entsprechenden Landesregierungen sind offensichtlich der Ansicht, die Gesundheitsuntersuchung von Flüchtlingen sei nicht so wichtig, als dass man sie in allgemeinen Regelungen und Dokumenten für Gesundheitsämter erfassen müsse.

Wahedi_2017_Bundeslaender

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Literatur

Frank, Laura, Yesil-Jürgens, Rahsan, Razum, Oliver, Bozorgmehr, Kayvan, Schenk, Liane, Gilsdorf, Andreas, Rommel, Alexander & Lampert, Thomas (2017). Gesundheit und gesundheitliche Versorgung von Asylsuchenden und Flüchtlingen in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2(1); DOI: 10.17886/RKI-GBE-2017-005

Wahedi, Katharina, Nöst, Stefan & Bozorgmehr,  Kayvan (2017). Die Gesundheitsuntersuchung von Asylsuchenden: Eine bundesweite Analyse der Regelungen in Deutschland. § 62 Asylverfahrensgesetz. Bundesgesunheitsblatt 60(1): 108-117.


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Fünf Jahre wegen Joggen! Offizielle Erklärung für das „Gender Life-Expectancy Gap“

Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat man die Männer entdeckt. Und mit der Entdeckung der Männer ging eine weitere Entdeckung einher: Männer leben gut 5 Jahre kürzer als Frauen. Während ein heute geborener Junge eine Lebenserwartung von 77 Jahren hat, hat ein heute geborenes Mädchen eine Lebenserwartung von 82 Jahren. Nicht nur hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die unterschiedliche Lebenserwartung entdeckt, nein, die Bundeszentrale hat auch gleich einen Hauptgrund für das unterschiedlich lange Leben gefunden: Männer bewegen sich weniger als Frauen:

„Männer bewegen sich auch zu wenig. Laut einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts folgen nur knapp ein Viertel (23%) der Männer in Deutschland der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und sind fünfmal in der Woche 30 Minuten sportlich aktiv. Zur Förderung der Gesundheit bei Männern stellt das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Broschüre „Männer in Bewegung! Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf die psychische (!sic) Gesundheit bei Männern“ und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) das Informationsportal http://www.männergesundheitsportal.de vor.

Zu lernen gibt es bei dieser Vorstellung für Männer – wie man sieht – eine ganze Menge: Sie treiben nicht regelmäßig Sport, obwohl Sport und Bewegung, wie Thomas Ilka weiß, wichtige Bestandteile einer gesunden Lebensweise sind und zudem Spaß bringen und die Stimmung heben. Männer, so geht es weiter mit erhobenem Zeigefinger, trinken mehr Alkohol als Frauen, rauchen mehr als Frauen und ernähren sich auch ungesünder, das weiß Prof. Dr. Elisabeth Poth beizusteuern (ohne Beleg übrigens), und deshalb und in aller Kürze, sind sie selbst schuld an ihrer im Vergleich zu Frauen kürzeren Lebenserwartung. (Die Broschüre bezieht sich übrigens wirklich auf die „psychische Gesundheit“ von Männern und das scheint mir dann ein Indiz dafür zu sein, dass hier Zynismus oder Unsinn betrieben wird, denn ich glaube nicht, dass Tod unter die psychischen Erkrankungen fällt…)

Diese Rabulistik ist mir doch etwas zu krude, um die unterschiedliche Höhe der Lebenserwartung von Männern und Frauen zu erklären, zumal das hohe Lied des Kollektivismus immer dann in Misstönen endet, wenn man es konkret anwendet, z.B. auf Erwin Horstkemper, der sein Geld bei der Müllabfuhr verdient. Fast täglich und mindestens fünf Mal in der Woche läuft Erwin mehrere Kilometer von Tonne zu Tonne, stemmt mehrere Kilo und nun soll er, weil er sich zu wenig bewegt und vermutlich zuviel trinkt, abends noch 30 Minuten im „schicken Dress“ aufs Mountain bike steigen und sich mit seinen 45 Jahren aufführen wie ein Jugendlicher? Und das soll gesund sein, soll ihm Spaß und eine gehobene Stimmung bringen? Oder wie wäre es mit Karl Weber. Karl Weber arbeitet auf dem Bau und trägt täglich etliche Kilo Steine, die er der Einfachheit halber auch gleich einmauert. Auch für Karl wäre es demnach gesund, abends noch ein paar Runden um seine Stammkneipe zu rennen, am besten in kurzen Hosen, damit die Kollegen in der Kneipe beim Bier auch was zum Lästern haben.

Die Beispiele zeigen zum einen, wie hanebüchen die Idee ist, die fünf Jahre längere Lebenserwartung von Frauen im Vergleich zu Männern hätte auch nur entfernt etwas mit „Bewegung“ zu tun, sie zeigt den Unsinn von Versuchen, kollektive Allheilmittel auf Individuen zu übertragen, und sie macht den sozialen Hintergrund derjenigen deutlich, denen der besagte kollektive Unsinn einfällt. Nur so viel: Sie arbeiten weder auf dem Bau noch bei der Müllabfuhr.

Ich habe die Bewegungsinitiative der Bundeszentrale zum Anlaß genommen, um die Todesursachenstatistik (die sinnvoller Weise der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zugeordnet ist) ein wenig genauer anzusehen. Dabei bin ich auf das ein oder andere Indiz dafür gestoßen, dass die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern eher dadurch erklärt wird, dass mehr Männer öfter und mehr arbeiten als Frauen. Wenn man das Gender Life-Expectancy Gap schließen will, dann kann man dass entsprechend nur dadurch, dass man Männer weniger und andere Arbeit und mehr zu Hause bleiben verordnet.

Die erste Hypothese, um zu belegen, dass Männer durch mehr Arbeit mehr Gelegenheit haben, ihr Leben zu verkürzen, lautet: Mehr Tote Männer durch Arbeitsunfälle. Die zugehörige Hilfshypothese lautet: Wer weniger zu Hause sitzt, hat mehr Gelegenheit, einen Unfall zu erleiden: Mehr Tote Männer durch Unfälle. Die folgende Abbildung zeigt, dass beide Hypothesen zutreffen. Wie man sieht, sind rund 97% aller durch einen Arbeitsunfall Getöteten männlich. Auch unter den Unfalltoten sind mehr Männer als Frauen, das Verhältnis lautet hier 55:45. Der Vergleich der Jahre 1998 und 2010 zeigt zudem, dass sich anteilig nicht viel verändert hat. Wenig verändert hat sich auch die Anzahl der Unfallopfer: Fielen 1998 11849 Männer und 8184 Frauen einem Unfall zum Opfer, waren es 2010 10956 Männer und 9287 Frauen. Die Menge der Arbeitsunfälle hat sich dagegen deutlich reduziert, von 601 toten Männern (33 tote Frauen) im Jahre 1998 auf 379 tote Männer (15 tote Frauen) im Jahre 2010. Ob es den bei Unfällen welcher Art auch immer Getöteten geholfen hätte, wenn Sie sich häufiger bewegt hätten, weniger getrunken und geraucht hätten?

Die zweite Hypothese lautet: eine höhere Belastung im Arbeitsleben schlägt sich in einer höheren vorzeitigen Mortalität nieder, d.h. in einem größeren Anteil von Männern, die versterben, bevor sie das Rentenalter erreichen. Dieser Hypothese unterliegt die Annahme, dass das Arbeitsleben mit seinen Anforderungen sich stärker auf die Gesundheit auswirkt als 30 Minuten Sport fünfmal in der Woche. Die nächste Tabelle zeigt vor diesem Hintergrund die Anzahl der vorzeitig (bevor sie das Alter von 65. Jahren erreicht haben) Verstorbenen auf die häufigsten Todesursachen für beide Geschlechter.

alle männlich weiblich
Vorzeitig Gestorbene 137431 90078 47353
Krebs 52099 29284 22815
Kreislauferkrankung 28453 21106 7347
Verletzung, Vergiftung 14368 10910 3458
Erkrankung Verdauungssystems 10774 7453 3321

Wie die Tabelle zeigt, sterben deutlich mehr Männer vorzeitig als Frauen: 90078 Männern stehen 47353 Frauen gegenüber. Die häufigsten Ursachen, die einen vorzeitigen Tod befördern, sind bei beiden Geschlechtern dieselben: Krebs, Kreislauferkrankungen, Verletzungen, Vergiftungen und Erkrankungen des Verdauungssystems. Könnte man diese größere Zahl vorzeitig sich aus dem Diesseits verabscheidender Männer dadurch reduzieren, dass man Männern mehr Bewegung, weniger Alkohol und Tabak und gesündere Ernährung verordnet oder sind die Ergebnisse nicht doch eher Folge davon, dass das Leben von vielen Männer um berufliche Aktivitäten und die Alleinernährerrolle zirkelt, während das Leben vieler Frauen von Kindern und Haushalt aufgefüllt wird? Wäre Ersteres der Fall, das Muster der Ursachen eines vorzeitigen Todes von Männern und Frauen müsste sich unterscheiden, wäre Letzteres der Fall, das Muster dürfte sich nicht unterscheiden. Wie die Abbildung zeigt, unterscheidet sich das Muster der Ursachen vorzeitigen Ablebens nicht: Männer wie Frauen sterben am häufigsten an Krebserkrankungen, an zweiter Stelle stehen für beide Geschlechter Kreislauferkrankungen als Todesursache, gefolgt von Verletzungen und Vergiftungen sowie Erkrankungen des Verdauungstrakts. Die Bedeutung der genannten Todesursachen für das vorzeitige Ableben ist also zwischen den Geschlechtern nicht unterschiedlich, was unterschiedlich ist, ist die Prävalenz, die Häufigkeit der Todesursachen. Und wenn eine Verteilung zu erklären ist, die zwischen zwei Gruppen im Muster identisch ist, sich nur in der Ausprägung unterscheidet, dann gilt es nach einer Variablen zu suchen, die sich systematisch zwischen beiden Gruppen unterscheidet, aber sich in gleicher Weise auf das Muster der Todesursachen auswirkt. Mir fällt dazu die höhere Erwerbsbeteiligung und die Beschäftigung von Männern in gefährlichen und körperlich fordernden Berufen ein – und nichts anderes.

Partnerschaft macht dick

Während im Vereinigten Königreich noch über die Einführung einer „fat tax“ diskutiert wird, hat Thomas Klein, Professor für Soziologie an der Universität Heidelberg, in Deutschland die Erforschung der Ursachen von Übergewicht und Adipositas in eine neue Richtung gelenkt: Partnerschaft macht dick, so lautet ein Ergebnis seiner gerade veröffentlichten Forschung (Klein, 2011). Aber warum macht Partnerschaft dick?, so fragt Klein in seinem Artikel weiter und benennt zwei mögliche Wege, auf denen die Gewichtszunahme in und durch Partnerschaften erklärt werden kann:

  • Eine Partnerschaft, mit ihrem geregelten Leben, regelmäßiger Tagesablauf, regelmäßiges und gemeinsames Essen, gemeinsame Tätigkeiten, hat nicht nur eine erhöhte Kalorienaufnahme zur Folge, sondern auch eine Abnahme von sportlicher Betätigung. Beides macht dick. Partnerschaften hätten, so Klein, quasi einen „negativen Protektionseffekt“ (Klein, 2011, S.463).
  • Die Chancen, auf dem Partnermarkt einen Partner zu finden, sind für nicht-Übergewichtige oder nicht-Adipöse höher. Entsprechend versuchen Personen, die  auf Partnersuche sind, dem gesellschaftlichen Stereotyp des „optimalen Gewichts“ nahezukommen. Sobald sie einen Partner gefunden haben, stellen oder schränken sie die entsprechenden Bemühungen ein.

Welche der beiden Hypothesen ist richtig? Macht eine Partnerschaft dick, weil man quasi in einer protektiven Atmosphäre an gemeinsamer Gewichtszunahme arbeitet, oder macht eine Partnerschaft dick, weil man nach erfolgreicher Partnerwahl den Marktgesetzen quasi durch gemeinsame Partnerplanwirtschaft entgehen kann und sich nicht mehr in Form halten muss?

Klein prüft die beiden konkurrierenden Hypothesen mit den Daten des Partnermarktsurveys 2009, einer „für Deutschland repräsentativen Telefonbefragung mit 2002 Interviews“ (Klein, 2011, S.467) und kommt zu den folgenden Ergebnissen:

  • Partnerschaft ist eindeutig mit einer Gewichtszunahme verbunden;
  • Die Auswahl von Partnern erfolgt u.a. anhand von Gewicht: Nicht-Übergewichtige und nicht-Adipöse haben auf dem Partnermarkt eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit;
  • Die Gewichtsunterschiede zwischen Personen in Partnerschaft und solchen ohne Partner variieren mit der Konkurrenzsituation auf dem Partnermarkt: Je mehr Konkurrenz, desto größer ist der Gewichtsunterschied zwischen denen in einer Partnerschaft und denen, die sich auf dem Partnermarkt befinden;
  • Wer in einer Partnerschaft lebt, in der er sich nicht wohlfühlt, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, sein Gewicht zu reduzieren, um auf diese Weise seine Chancen auf dem Partnermarkt zu erhöhen: „Das geringere Gewicht in Problempartnerschaften ist … als Bemühen um körperliche Attraktivität in einer durch Probleme unsicher gewordenen Beziehung, d.h. als ‚Vorbereitung auf den Partnermarkt‘ … interpretierbar“ (Klein, 2011, S.474-475).

Damit kann man festhalten: Partnerschaft macht dick, Partnersuche intensiviert das eigene Streben nach körperlicher Attraktivität. Im Normalfall treffen sich also zwei Gleichgewichtige, um in einer Partnerschaft gemeinsam dick bzw. noch dicker zu werden. Trägt sich ein oder tragen sich beide Partner mit dem Gedanken, die Partnerschaft zu beenden, so ist eine Gewichtsabnahme die Folge.

Angesichts der gesetzlichen Verpflichtung der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) durch Gesundheitsprävention ihre Kosten zu reduzieren, ergeben sich aus der Forschung von Thomas Klein eine ganze Reihe heikler Fragen: Sollen GKV eine Trennungsprämie einführen und denen, die eine Partnerschaft beenden oder sich scheiden lassen, einen Teil des Beitrags ob der damit einhergehenden Gewichtsabnahme zurückerstatten? Sollen Standesämter und Kirchen, die zu großen Teilen an der Schaffung von Partnerschaften beteiligt sind, in die Produkthaftung genommen werden und in Zukunft einen Beitrag in den Gesundheitsfonds bezahlen, der in etwa die Kosten der Gesundheitsbehandlungen deckt, wie sie durch eine in der Partnerschaft erfolgt Gewichtszunahme verursacht werden? Oder soll die Zuzahlung zum Kassenbeitrag für Personen, die in einer Partnerschaft leben, einen Partnerschafts-und-gemeinsame-Gewichtszunahmenzuschlag enthalten? Dies sind nur einige der Fragen, die sich die Verantwortlichen der GKV und im Bundesgesundheitsministerium vielleicht stellen werden, wenn sie gezwungen sind, in den nächsten Jahren das nächste Loch in der Finanzierung der GKV zu stopfen.

Literatur:

Klein, Thomas (2011). ‚Durch Dick und Dünn.‘ Zum Einfluss von Partnerschaft und Partnermarkt auf das Körpergewicht. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 63(3): 459-479.