Offene Gesellschaft: Nicht Mekka der Politisch Korrekten, sondern der Wettstreitort der Individuen

Sie halten sich für intelligent, politisch-korrekt, weichen nicht von Vorgaben ab und wollen anderen signalisieren, dass sie unter den guten einer der besten Menschen sind? Dann sind sie sicher auch ein Befürworter der offenen Gesellschaft. Tatsächlich sind die Verteidiger der Diversität, die Kämpfer gegen Ergebnis-Ungleichheit gegen Leistung und für die Gleichwertigkeit aller Menschen alle selbsterklärte Anhänger der offenen Gesellschaft.

Eine ganze Webpage wird von angeblichen Anhängern der „offenen Gesellschaft“ betrieben. Dort stellen sie z.B. Fragen zu „Queer Feminismus“ und „Critical Whiteness“. Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist ein vehementer Verteidiger der „offenen Gesellschaft“ und zeichnet sich durch einen großzügigen Gebrauch des Begriffs aus. Wobei kein Zweifel gelassen wird, dass mit „offene Gesellschaft… eine (im Sinne von Karl Popper) offene Gesellschaft“ gemeint ist.

Die offene Gesellschaft, sie ist zu einem Begriff geworden, mit dem man sich gerne schmückt. Politiker aller Provenienz stehen den Kämpfern für das, was sie für eine gute Welt ansehen, in nichts nach und die Zeitungen in Deutschland sind voll der offenen Gesellschaft.

Der Begriff der „offenen Gesellschaft“ wird nicht nur von der Amadeu-Antonio-Stiftung Karl Raimund Popper zugeschrieben. Popper hat den Begriff, das Konzept der offenen Gesellschaft, wie man besser sagen sollte, im berühmten 10. Kapitel seiner Monographie „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ bestimmt. Von dort hat der Begriff als sprachlich manifestierter Liberalismus seinen Siegeszug angetreten.

Wie alle Begriffe, die populär werden, so ist auch der „Offenen Gesellschaft“ nicht erspart geblieben, was den meisten Begriffen widerfährt: Sie werden benutzt, weil die Benutzer sich im Ruhm des Begriffsschöpfers sonnen wollen, ohne dass sie eine Idee davon hätten, was mit der offenen Gesellschaft eigentlich gemeint ist. Und so kommt es, dass linke Fundamentalisten den Wettbewerb befürworten und Kämpfer gegen die Meinungsfreiheit, letztere zum unabdingbaren Inhalt erklären, einfach, weil sie den Begriff der offenen Gesellschaft benutzen ohne seine Bedeutung zu kennen.

Eine offene Gesellschaft ist für Popper zunächst eine durchlässige Gesellschaft, in der Individuen eigenverantwortlich um gesellschaftliche Positionen konkurrieren und keiner ein Privileg oder ein Recht auf eine Position hat.

„Im folgenden“, so schreibt Popper in der offenen Gesellschaft, „wird die magische, stammesgebundene oder kollektivistische Gesellschaft auch die geschlossene Gesellschaft genannt werden; die Gesellschaftsordnung aber, in der sich die Individuen persönlichen Entscheidungen gegenübersehen, nennen wir die offene Gesellschaft.

Eine geschlossene Gesellschaft in ihrer besten Form kann ganz gut mit einem Organismus verglichen werden. Die sogenannte biologische oder Organismus-Theorie, die den Staat als Lebewesen betrachtet, ist auf sie weitgehend anwendbar.

[…]

Daher fehlen gerade jene Züge, die, wie wir sehen werden, eine erfolgreiche Anwendung der Organismus-Theorie auf die offene Gesellschaft vereiteln.

Die Züge, an die ich denke, sind mit der Tatsache verbunden, dass viele Mitglieder einer offenen Gesellschaft sozial emporzukommen versuchen, dass sie versuchen, die Stellen anderer Mitglieder einzunehmen. Dies kann zum Beispiel zu einem so wichtigen sozialen Phänomen wie dem Klassenkampf führen. In einem Organismus finden wir nichts, das einem Klassenkampf auch nur irgendwie ähnlich wäre;

[…]

Nichts im Organismus entspricht einem der wichtigsten Kennzeichen der offenen Gesellschaft, dem Wettstreit ihrer Mitglieder um die Stellung, die sie in ihr einnehmen sollen; damit ist aber gezeigt, dass die sogenannte Organismus-Theorie des Staates auf einer falschen Analogie beruht. In der geschlossenen Gesellschaft jedoch gib t es kaum solche Bestrebungen. Ihre Institutionen, …, sind sakrosankt – tabu.“ (Popper, 1992: 207-208).

Sodann ist eine offene Gesellschaft eine Gesellschaft des rationalen Diskurses, des Arguments und der Kritik, wie Popper an anderer Stelle schreibt:

„Was ich meine, wenn ich von der Vernunft spreche oder vom Rationalismus, ist weiter nichts als die Überzeugung, dass wir durch Kritik lernen können – durch kritische Diskussion mit anderen und durch Selbstkritik.

[…]

Der Nachdruck liegt hier auf den Worten ‚kritische Diskussion‘. Der rechte Rationalist glaubt nicht, dass er selbst oder sonst jemand die Weisheit mit Löffeln gegessen hat. Er weiß, dass wir immer wieder neue Ideen brauchen und dass uns die Kritik nicht zu neuen Ideen verhilft. Aber sie kann uns dazu verhelfen, den Hafer von der Spreu zu sondern. […] nur die kritische Diskussion kann uns helfen, eine Idee von mehr und mehr Seiten zu sehen und sie gerecht zu beurteilen.

[…]

Denn ein Rationalist wird sich leicht darüber klar, dass er seine Vernunft anderen Menschen verdankt. Er wird leicht einsehen, dass die kritische Einstellung nur das Ergebnis der Kritik anderer sein kann und dass man nur durch die Kritik anderer selbstkritisch sein kann.

[…]

Wir können beide voneinander lernen, solange wir nicht vergessen, dass es nicht so sehr darauf ankommt, wer recht behält, als vielmehr darauf, der objektiven Wahrheit näher zu kommen.

[…]

Warum liegt uns Aufklärern so viel an der Einfachheit der Sprache? Weil der rechte Aufklärer, der rechte Rationalist, niemals überreden will. Ja, er will eigentlich nicht einmal überzeugen: Er bleibt sich stets dessen bewusst, dass er sich ja irren kann. Vor allem aber achtet er die Selbständigkeit, die geistige Unabhängigkeit des anderen zu hoch, als dass er ihn in wichtigen Dingen überzeugen wollte; viel eher will er seinen Widerspruch herausfordern, seine Kritik. Nicht überzeugen will er, sondern aufrütteln, zur freien Meinungsbildung herausfordern. Die freie Meinungsbildung ist ihm wertvoll. Sie ist ihm nicht nur wertvoll, weil wir mit der freien Meinungsbildung der Wahrheit näher kommen können, sondern auch darum, weil er die freie Meinungsbildung als solche respektiert. Er respektiert sie auch dann, wenn er eine Meinung für grundfalsch hält“ (Popper 1990: 232-234).

Wenn Sie also das nächste Mal jemanden von der offenen Gesellschaft reden hören, dann nehmen Sie ihn beim Wort. Fragen Sie ihn, wie er zum Wettbewerb von Gesellschaftsmitgliedern um Positionen steht? Testen Sie seine Haltung zu Kritik, in dem sie ihn heftig kritisieren. Fragen Sie ihn, ob er die Meinung anderer respektiert oder denkt, man müsse andere von seiner Meinung überzeugen. Machen Sie ihn eventuell haftbar für die warm-glow Benutzung von Konzepten, die er nicht kennt.

Popper, Karl Raimund (1992). Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Band I: Der Zauber Platons. Tübingen: Mohr Siebeck.
Popper, Karl Raimund (1990). Woran glaubt der Westen? In: Ders.: Auf der Suche nach einer besseren Welt. München: Piper, S.231-254.

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Ambushologie: Verbaler Hinterhalt als pseudo-wissenschaftliche Disziplin

In letzter Zeit lesen wir immer wieder von der offenen Gesellschaft. Von der offenen Gesellschaft kann man eigentlich nicht reden, ohne Karl Raimund Popper mitzudenken. Insofern ist es mehr als ironisch, wenn ausgerechnet Linke von der offenen Gesellschaft sprechen zu können meinen.

Aber dazu kommen wir in einem anderen Post.

Wissenschaft ist eigentlich ein Modell der offenen Gesellschaft. Nun ja, Wissenschaft soll ein Modell für eine offene Gesellschaft sein. Die offene Gesellschaft ist die Norm, die Idealvorstellung, von der man aber dennoch annehmen muss, dass ihr die Wissenschaft am nächsten kommt.

Offene GesellschaftOffene Gesellschaft meint nämlich: Freien Wettbewerb von Ideen und Meinungen. Keine Idee, keine Meinung wird ausgeschlossen, keine Idee, keine Meinung wird privilegiert. Es herrscht Meinungsgleichheit.

Allerdings ist nicht alles Meinung, was als Meinung daherkommt.

Behauptungen, die unbelegt bleiben, sind keine Meinung.

Aussagen, die über das emotionale Befinden des Aussagenden Auskunft geben, sind keine Meinung.

Eine Meinung ist eine Aussage zu einem konkreten Gegenstand, in der etwas empirisch Prüfbares ausgesagt wird.

Wir sind zum Beispiel der Meinung, dass die inflationäre Verwendung des Begriffs „Diskriminierung“ ein Indiz dafür ist, dass viele den Begriff verwenden, aber nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet. An die Stelle der Bedeutung tritt bei Ihnen die Bewertung. Bezichtigen sie andere der Diskriminierung, dann sagen sie damit eigentlich: Diese anderen sind böse. Und zu etwas anderem als dieser Verwendung sind die meisten nicht in der Lage. Schon gar nicht sind sie dazu in der Lage, Diskriminierung in positive und negative Diskriminierung zu unterteilen. Diskriminierung ist nämlich auch positiv, dann nämlich, wenn Straftäter von der nicht-delinquenten Bevölkerung diskriminiert werden, indem man sie in ein Gefängnis steckt. Diskriminierung ist also ein Begriff, der immer vor einer normativen Basis benutzt werden muss, und diese normative Basis ist je nach Zeit und je nach Kontext verschieden. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer Diskriminierung nur als negativ ansehen kann, der kann den Begriff nicht verwenden.

Das war eine lange, aber notwendige Ausführung, um deutlich zu machen, dass Meinung nicht das ist, was einem in den Kopf kommt, sondern das, was man begründen und argumentieren kann. Denn Sprache wurde im Wesentlichen dazu ersonnen, Information auszutauschen – eine Funktion, die heute allzu oft in Vergessenheit gerät.

Wissenschaftliche Sprache geht im Vergleich zur Alltagssprache noch einen Schritt weiter: Sprache wird formalisiert, wird mit Spezialbegriffen zur Bezeichnung bestimmter Sachverhalten angefüllt, um die Verständigung, die Diskussion, den wissenschaftlichen Austausch und vor allem den Erkenntnisprozess voranzutreiben. Entsprechend sollte man denken, dass Wissenschaftler oder solche, die sich dafür halten, darauf wertlegen, die Gründe ihrer Meinung darzulegen.

Deshalb kann man ein KO-Kriterium formulieren und feststellen, dass Personen, die Aussagen dennoch treffen, obwohl sie sie nicht begründen können, Personen, die Aussagen treffen, um Dritte zu diffamieren, herabzuwürdigen oder in sonst einer Weise negativ zu diskriminieren, also Personen, mit denen ihren Emotionen durchgehen und entsprechend der Verstand auf der Strecke bleibt, dass diese Personen keine Wissenschaftler sind.

Es dürfte wohl Konsens geben, dass Aussagen wie:

“„Das ist die Sprache eines ethnozentrisch verrohten demagogischen Gemüts. Er denunziert Geflüchtete und die zu Hunderttausenden gegenwärtig Helfenden …“.

Oder:

eine Feststellung dahingehend, “dass der „vergleichende Politikwissenschaftler“ um „schiefe Vergleiche nicht verlegen zu sein scheint“, die um eine „polemische Verzerrungsabsicht“ ergänzt wird“

nur dann als Meinung gelten können, wenn sie begründet werden und nur dann als Teil eines wissenschaftlichen Austausches und als Äußerung eines Wissenschaftlers angesehen werden können, wenn die Begründung empirisch prüfbar ist.

Werner patzeltDie beiden Aussagen stammen von Hajo Funke, emeritierter Professor der Politikwissenschaft und Karl-Siegbert Rehberg, (hoffentlich) bald emeritierter Professor der Soziologie. Beide haben die entsprechenden Aussagen einfach so und ohne Begründung, quasi als Dogma verkündet, wie Gott seine 10 Gebote, und zwar über Werner Patzelt, denn Patzelt ist der Gegenstand beider Aussagen.

Und dieser Werner Patzelt hat sich nun bemüht, die Begründung beider Aussagen von Funke und Rehberg zu erfahren, eine unglaubliche Geste, die man nur bewundern kann (Wir sind mehr Vertreter altestamentarischer Verhaltensweisen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und hätten wohl entsprechend gehandelt). Patzelt hat also seine beiden „Kollegen“, wie er sagt, angeschrieben und um eine Begründung für beider Aussagen gebeten.

„Kollege“ Rehberg hat die Lieferung einer Begründung aufgrund seiner Arbeitsbelastung derzeit ausgeschlossen, was nur den Schluss zulässt, dass Arbeitsbelastung konstruktiven, überlegten und begründeten Aussagen im Weg steht, nicht jedoch emotionalen und in niederer Absicht gemachten Aussagen, denn um solche muss es sich bei Rehberg handeln, denn sonst hätte er seine Begründung natürlich parat. “Kollege” Funke ist vollkommen untergetaucht und hat keinerlei Lebenszeichen von sich gegeben, jedenfalls gegenüber Werner Patzelt. Beide “Kollegen” bevorzugen offensichtlich eher eine Form der Ambushologie, deren Vorgehensweise man in drei Schritte unterteilen kann:

1. Eine große Klappe riskieren und verbal um sich schlagen.
2. Wegrennen und verstecken.
3. Bei Entdeckung: Keine große Klappe mehr riskieren und versuchen, sich zu wegzudrücken.

Personen wie Funke und Rehberg haben anscheinend die Agenda, die offene Gesellschaft der Wissenschaft in einen Partisanenkrieg zu verwickeln, in dem sie Wissenschaftler, deren begründete Meinung sie nicht mögen, diskreditieren und jede Begründung ihrer Behauptungen verweigern, in der Hoffnung, dass die Diskreditierung länger in Erinnerung bleibt als die eigene Feigheit und Unfähigkeit der Begründung.

Nicht nur Werner Pazelt ist zum Opfer von Ambushologen geworden. Andere haben ähnliche Probleme, das zum Trost:

Collegial Advice: Burn Up Like a Fire.


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Szenen eines Lebens: Die Luise hinter der Pusch

Eine historische Erklärung, so hat es Carl Hempel formuliert, muss bei Gesetzen beginnen, bei allgemeinen Handlungsgesetzen und die Situation, in der gehandelt wird, in Rechnung stellen. In ähnlicher Weise hat es Karl-Raimund Popper im 10. Kapitel der Offenen Gesellschaft am Beispiel seiner Analyse von Platon durchexerziert: Die Analysen der vorausgehenden neun Kapitel lassen für Popper nur den Schluss zu, dass Platon “ein totalitärer Parteipolitiker war, dem bei seinen unmittelbaren praktischen Unternehmungen der Erfolg versagt blieb …” (Popper, 1992: 203).

Offene GesellschaftMit anderen Worten: Platon ist für Popper eine gescheiterte Existenz. Platons einziges Bestreben geht entsprechend dahin, “die ihm verhaßte Zivilisation zum Stillstand zu bringen, ja sogar zu vernichten” (Popper, 1992: 203). Damit verweist Popper auf eine psychologische Erklärung, die Platon letztlich als psych-pathologische Persönlichkeit modelliert.

Da Platon nicht mehr lebt, kann sein psychischer Zustand natürlich nicht untersucht werden. Und das war auch in der ersten Hältfe des 20. Jahrhunders nicht mehr möglich, in der Popper seine Offene Gesellschaft geschrieben hat.

Was tun?

Das, was man über Palton weiß, das, was er geschrieben hat, das was andere über ihn gesagt haben, sammeln, den historischen Kontext rekonstruieren und, jetzt kommt die spezifische Wendung, die Popper der Wissenschaft gegeben hat: Versuchen, die Annahme, Platon sei ein Psychopath, der die Zivilisation vernichten will, zu widerlegen.

Erst wenn es nicht gelingt, die Annahme zu widerlegen, kann man davon ausgehen, dass Platon ein Psychopath war.

Manche Vorschläge, die heutzutage vorgebracht werden, führen bei uns zu der Überzeugung, dass derjenige, der sie vorbringt, entweder (1) nicht weiß, wovon er redet oder (2) nicht alle Tassen im Schrank hat oder (3) sich nicht überlegt hat, was er da sagt oder (4) eine neurotische oder auch psychopatische Persönlichkeit ist, die auf Basis des Scheiterns der eigenen Existenz, der eigenen Hoffnungen und Wünsche und Ziele, wild um sich schlägt und versucht zu verhindern, dass es anderen besser geht.

Nehmen wir z.B. Luise Pusch und ihren Vorschlag, in Cockpits eine Frauenquote durchzusetzen, ein Vorschlag, zu dem wir alles geschrieben haben, was es dazu für uns zu sagen gibt. Bleibt die wissenschaftlich interessante Frage zu klären: Wer ist der Mensch hinter der Forderung, die Luise hinter dem Pusch? Welche Motivation treibt Luise Pusch, welche der vier Annahmen über entsprechende Motivationen, die wir im vorherigen Absatz zusammengestellt haben, trifft auf sie zu? Trifft überhaupt eine zu?

PhysikerEin Bekannter, der in Heidelberg Pädagogik lehrt, hat uns auf ein Interview mit Luise Pusch aufmerksam gemacht und dieses Interview bereits mit seiner Bewertung an uns geschickt, eine Bewertung, die wir hier nicht weitergeben, um unsere Leser nicht bereits auf eine bestimmte Interpretation der Fakten zu stoßen.

Nein, wir wollen von unseren Lesern, dass sie die folgenden O-Töne von Luise Pusch lesen, werten und sich dann fragen, welche der vier Annahmen oben dadurch falsifiziert sind (Die Kommentarfunktion ist für die Antworten offen). Alle Zitate stammen aus einem Interview, das Luise Pusch der Taz gegeben hat.

“Ich war ja in meinem Fach immer sehr angesehen, habe alle Preise abgeräumt … und war eben die eine, die nicht berufen wurde. … Es hat sich zum Guten entwickelt. Aber akademischen Auswuchs ausbilden konnte ich nie … Unsere Studentinnen waren verwiesen an die antifeministischen Linguisten, die uns rausgeschmissen hatten. … Die Reaktion der Uni hat mich aufgeweckt und radikalisiert. Ich bin friedfertig. Aber es gibt Ungerechtigkeiten, die mich wütend machen, schon als Kind: Einmal habe ich gesehen, wie ein dicker Junge ein kleines Mädchen in die Pfütze gestoßen hat. Da habe ich mich auf ihn gestürtzt und ihm zwei Zähne ausgeschlagen. … Also habe ich geantwortet, um den Eindruck zu erwecken: Da ist nicht nur eine einzelne Verrückte, da muss ein Nest sein. … Nein, Märtyertum liegt mir nicht. … Außerdem hatte ich eine schwere Angstneurose. Ich ging täglich eine Stunde zur Psychoanalyse. Zum großen Teil war das bedingt durch die Angststrukturen der Männer-Uni. Die waren für eine ängstliche Frau, Neurotikerin und Lesbe in der damaligen Zeit geradezu tödlich. … Aber ich wurde immer mürber unter dem Druck der Gesellschaft. Wahrscheinlich war das mein erster Radikalisierungsschritt – der Selbstmord meiner Partnerin. … Erst einmal muss der politische Wille da sein, die Sprache als krank und reparaturbedürftig anzuerkennen. Wenn wir im Parlament 52% Frauen hätten, wie in der Bevölkerung, könnte ich mir vorstellen, dass diese Lösung durchgesetzt würde. …”

Anmerkungen:

Bei den antifeministischen Linguisten, die Luise Pusch “rausgeschmissen haben” handelt es sich u.a. um Rolf Krumsiek.

Die Lösung, die durchgesetzt werden soll (letzter Abschnitt) ist die freie Wahl von Artikeln, ob man der Depp, die Depp oder das Depp sagt, ist entsprechend dem Depp egal.

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