Deutsche verlassen das sinkende Schiff

Der neue Migrationsbericht ist veröffentlicht. Interessanter Weise gibt es eine neue Kategorie: Abwanderung von Deutschen aus Deutschland. Wer liest, was sich unter 3.2 “Abwanderung von Deutschen” so alles findet, der wird den Gedanken nicht los, dass er hier jemandem beim Pfeiffen im Wald zusieht, denn: Die Anzahl derer, die aus Deutschland auswandern ist zwar seit Jahren am Steigen, und diejenigen, die wegziehen sind mehrheitlich jung und hochgebildet, aber das macht nichts, denn die Rückkehrabsicht ist hoch.

Wahre Meisterwerke argumentativer Verrenkungskunst sind zu bewundern, um diese Meldung in die Köpfe der Leser zu hämmern, z.B. wird eine Studie der Prognos AG zitiert, in der der Schreiber des Migrationsberichts Folgendes gelesen haben will: “Sie [die Studie der Prognos AG] zeigt, dass die Rückkehrbereitschaft der deutschen Fach- und Führungskräfte hoch ist. So gaben 7% der Befragten an, dass für sie die Rückkehr bereits feststeht, weitere 46% können sich eine Rückkehr in absehbarer Zeit vorstellen” (Bundesministerium des Innern, 2011, S.159). Das ist eine gewagte Interpretation, denn die Rückkehrbereitschaft besteht offensichtlich bei 7%. Dass dann, wenn man etwas in Erwägung zieht, dies nicht bedeutet, dass man es auch tut, sollte selbst beim Bundesministerium des Innern bekannt sein, so dass es eigentlich eine Unverschämtheit ist, jemandem, der sich vorstellen kann, nach Deutschland zurückzukehren, eine hohe Rückkehrbereitschaft zu unterstellen. Wenn man das könnte, müsste man gleich 75% der deutschen Erwerbstätigen festnehmen, denn jeder von ihnen hat schon einmal die Idee gehabt, sich also vorstellen können, Steuern zu hinterziehen. Was noch viel interessanter ist an der Aussage im Migrationsbericht ist die Unterlassung, denn 47% der von Prognis Befragten können sich offensichtlich nicht vorstellen, nach Deutschland zurückzukehren.

Ein besondere Leistung verqueren Denkens oder des Denkens in Schablonen, findet sich etwas weiter im Bericht: “Dabei ist die Rückkehrbereitschaft von Personen mit einem Hochschulabschluss oder einem akademischen Grad überdurchschnittlich ausgeprägt. Dagegen zogen zwei Drittel der Selbständigen eine Rückkehr nach Deutschland nicht in Betracht” (Bundesministerium des Innern, 2011, S.159). Merke: Selbständige haben weder einen Hochschulabschluss noch einen akademischen Grad. Wer auch immer für die zitierten Sätze verantwortlich ist, sollte noch einmal mit sich beraten, ob er wirklich meint, was er geschrieben hat (by the way, ich bin ausgewandert, selbständig, habe keine Rückkehrbereitschaft, aber einen Hochschulabschluss, und jetzt?).

Insgesamt ist der Bericht wirklich lehrreich, so eine Art “Wortmagie”, wenn man die vermeintlich vorhandene Rückkehrbereitschaft angesichts der nicht zu leugnenden Tatsache, dass immer mehr Deutsche auswandern (siehe Abbildung) nur lange genug beschwört, dann kommt sie vielleicht, die Rückkehrbereitschaft … Amen!

Abbildung: Fortzüge von Deutschen

Quelle:
Bundesministerium des Innern (2011). Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung. Migrationsbericht 2009. Berlin: BMI, S.151.

Print Friendly

Profile photo of Michael KleinAbout Michael Klein
... concerned with and about science

One Response to Deutsche verlassen das sinkende Schiff

  1. Wolfgang Bartels says:

    Komisch
    Ich habe Hochschulabschluss und bin Selbständig.
    Bin 1999 ausgewandert und würde Deutschland in der heutigen Form nicht einmal mehr besuchen. Genau so wenig wie Afghanistan, Syrien, Lybien oder ein anderes radikal islamisches Land. Die Voraussetzungen für ein friedvolles Leben in Wohlstand ist in Merkel Dunkeldeutschland der Grün-Roten Einheitsparteienregierung nicht mehr möglich. Weiterhin war die Auswanderung der beste Schritt in meinem Leben. Ich lebte 9 Jahre in islamischen Ländern und war selbst Moslem. Ergo weiss ich wovon ich rede.

error: Content is protected !!
Profile photo of Michael Klein
Holler Box
Skip to toolbar