Unsinn der Woche: Grüne “Medien” im Holy Sea

Es gibt gute Gründe dafür, dass sich politische Philosophen und weitgehend alle, die sich wissenschaftlich mit der Staatsmacht beschäftigen und vor allem damit, wie man sie in Schranken hält, mit Fragen der Kontrolle, der Gewaltenteilung und damit beschäftigt haben, wie man verhindert, dass Interessengruppen den Staat übernehmen und ihre Interessen anderen aufzwingen bzw. von diesen finanzieren lassen. Dass trotz aller Anstrengungen heute und in der Vergangenheit, der Staat zur Beute von Parteien, wie von Arnim das einst formuliert hat, und zum Vehikel zur “Volkserziehung” geworden ist, zeigt, dass etwas mit der politischen Verfasstheit moderner Staaten nicht stimmt. Dass etwas nicht stimmt, das zeigt sich auch an der Normalität, mit der Politiker aller Couleur den Staat als Vehikel benutzen, um nicht etwa den Nutzen des deutschen Volkes, sondern den eigenen Nutzen bzw. den Nutzen der eigenen Klientel zu mehren. Ein neues Beispiel dafür kommt aus der Partei “Die Grünen”.

Die Grünen sind vor Jahren als ökologische Partei angetreten, deren Ziel es war, die Umwelt zu schützen und den Bau von nahezu allem, was mit moderner Technik verbunden ist, zu unterbinden bzw. zu behindern. Sie sind nach kurzer Zeit bereits zu einer Partei geworden, deren Hauptaugenmerk auf der Vergeschlechtlichung der Gesellschaft lag, d.h. darauf, auch noch den letzten Bereich nach Geschlecht oder sexueller Orientierung zu differenzieren. Und, als wäre das nicht bereits Aufgabe genug, so gibt es nunmehr Grüne, die die “Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung” auf eine zumindest für die Grünen neue Weise bestimmen, nämlich als Variante der “Botschaft vom Reich Gottes”, das “heute schon sichtbar wird, aber nur durch ihn [Jesus Cristus] vollendet werden kann”. Diese Neuformulierung grüner Inhalte stammt von einer Gruppe von Grünen Bundestagsmitgliedern, Stadträten und Landesvorsitzenden, die unter der Überschrift “Der Geist Gottes wohnt in uns” eine Reihe von Vorschlägen gemacht haben, die sich mit dem Zustand der katholischen Kirche befassen, ihn ändern wollen.

Was also spricht der Geist Gottes, der z.B. in Gerhard Schick, Josef Winkler, in Raymond Fojkar oder Bettina Jarasch wohnt?

Zunächst einmal ist der Geist offensichtlich schlecht bei Kasse, denn die “Verheutigung der christlichen Botschaft”, die er uns durch die Genannten mitteilt, richtet sich in erster Linie darauf zu verhindern, dass Kirchenaustritte wegen der Kirchensteuer erfolgen. Und damit “Katholikinnen und Katholiken” nicht “mehr und mehr zu einer Minderheit” werden, will der Geist die Einführung einer Kultursteuer. Kultursteuer zahlen alle Deutschen (im steuer- und abgabenfähigen Alter vermutlich), und entsprechend hätte ein Kirchenaustritt keinen finanziellen Nutzen mehr. Das ist clever, denn wenn man aus der Katholischen Kirche austreten will, um das Geld für die Kirchensteuer zu sparen, dann bringt der Austritt nichts, wenn man statt der Kirchensteuer eine Kultursteuer zahlen muss. Aber ist es auch nächstenlieb? Immerhin ist es ein Eingriff in die persönliche Freiheit, wenn man dem Nächsten aufzwingt, dass er entweder seine Abgabe an die Katholische Kirche zahlt oder an eine andere “gemeinnützige Institution” seiner Wahl. Nun haben viele Katholiken, wie sie über Jahrtausende bewiesen haben, keine allzu großen Skrupel, wenn es darum geht, die Freiheit Andersgläubiger oder schlicht des Nächsten zu beschneiden. Aber: unser Geist hat aus den Jahrhunderten der verschiedensten Kreuzzüge gelernt. Abgaben werden um so williger erbracht, wenn der Abgebende denkt, er habe etwas davon. Und was hat er davon: “Richtig bleibt auch, dass die Kirchensteuer wie Spenden an gemeinnützige Organisationen steuermindern wirkt”. Das erinnert an die alte Geschichte vom guten Dieb, der vom schlechten Gewissen geplagt, an den Ort seines Einbruchs zurückkehrt, um das Taschenradio zurück zu bringen, damit das Haus nicht ganz so leer wirkt.

Aber, wie uns die Grünen Medien des Geistes Gottes mitteilen, plagt den Gott nicht nur die Zahl der Kirchenaustritte und damit einhergehend der Rückgang der Einnahmen aus der Kirchensteuer, er hat auch unter erheblichem Personalmangel zu leiden und ist der Ansicht, dass seine katholische Kirche von ein paar neuen “Glaubenserfahrungen” profitieren kann. Die Lösung für beide Probleme, die der Geist Gottes durch seine Grünen Medien mitteilt, entspricht dem, was man von Grünen erwartet hätte: Mehr Frauen in die Kirche (bislang will der Geist Gottes offensichtlich noch keine Priesterinnen und Päpstinnen-Quote) und: “Wir sollten die Glaubenserfahrung von Lesben, Schwulen und Transgendern als Bereicherung für die Gemeinden begreifen und zielgruppenspezifische pastorale Angebote machen”. In welcher Form man sich eine “Bereicherung” durch Lesben, Schwule und Transgender verspricht, dürfte angesichts der knappen Kassen, deutlich geworden sein. Interessant ist indes die Prämisse, nach der die sexuelle Orientierung sich auf die Glaubenserfahrung auswirkt. Da fragt man sich doch, was machen die Grünen Katholiken da eigentlich in ihren Kirchen bzw. wie erfahren sie ihren Glauben? Ich meine, können Sie sich eine Situation vorstellen, bei der die sexuelle Orientierung einen Einfluss auf die Glaubenserfahrung hat? Ich nicht! Aber ich lasse mich gerne belehren, wer also einen Vorschlag dazu hat, wie die sexuelle Orientierung auf die Glaubenserfahrung durchschlägt, die Kommentarfunktion steht bereit.

Bei all den Botschaften aus dem Reich Gottes, ist mir indes nicht entgangen, dass entweder mit der Übermittlung der Botschaft durch die Grünen Medien etwas nicht stimmen kann, oder der Geist sich einen kleinen Spaß erlaubt. Steht doch im letzten Teil der Verkündung das Folgende zu lesen: “Denn Eigentum verpflichtet – auch die Kirchen. [Man sehe dem Geist, der ja viele Sprachen spricht, den grammatikalisch schauderlichen Stümmelsatz nach.] Wir fordern deshalb von den kirchlichen Institutionen eine systematische Ausrichtung an ökologisch-sozialen und vor allem ethischen Kriterien bei der Geldanlage [meine Hervorhebung]. Man kann nicht glaubwürdig die Auswüchse eines zügellosen Kapitalismus kritisieren und sich selbst durch dubiose Bankgeschäfte bereichern”. Aber, so meinen der Geist oder seine Medien, man kann unbemerkt einen generellen Kirchensteuerzwang einführen, um mehr Kirchensteuer-Einnahmen zu erzielen und gleichzeitig kundtun, dass man genug Geld hat, um es anzulegen ohne befürchten zu müssen, man sei deshalb nicht glaubwürdig? Falsch! Geist, wir haben es gemerkt. Und deshalb fordern wir [also ich und mein Geist, der durch mich spricht] die Abschaffung der Kirchensteuer und deren Ersatz durch die Zinseinkünfte aus Liegenschaften und Geldanlagen, wie sie die Katholische Kirche in stattlicher Anzahl und unbilanziert nun einmal hat.

Bleibt abschließend noch  festzustellen, dass Worte, wie die von Gerhard Schick, Josef Winkler, Raymond Fojkar und Bettina Jarasch, die alle vom Geist Gottes bewohnt sind,  einmal mehr deutlich machen, wie wichtig es ist, Staaten und ihren Regierungen keine Möglichkeit zu geben, durch Umverteilungen einem Teil der Bevölkerung in die Tasche zu greifen, um einen anderen Bevölkerungsteil, die eigene Klientel, zu beschenken.

Epilog

Ganz so neu ist die Idee der “Kultursteuer” für alle, deren Ziel darin besteht, Kirchensteuer-Zahlungsunwillige in der Katholischen Kirche zu halten, nicht. Der Ablasshandel, der Martin Luther aufgeregt hat, hat hier wohl Pate gestanden. Besonders interessant im Hinblick auf die vom Geist Gottes durch seine Grünen Medien uns mitgeteilte Bedeutung der “Ethik” ist dabei, dass die Ethik wohl in Geld gemessen wird. Gut ist, wer Kirchensteuer bezahlt, wie er sich dabei verhält, ist nach Zahlung des Ablasses/der Kirchensteuer nicht relevant.

Bildnachweis:
Thüringer Blogzentrale
Kirchensteuerinfo

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2 Responses to Unsinn der Woche: Grüne “Medien” im Holy Sea

  1. Kultursteuer: Na toll! Diese Leute wollen nicht nur unseren Auspuff reinigen.Zu wenig für die Grüne: Sie wollen auch unsere Seele reinigen. Wenn schon, dann richtig und mit blinden Aktionismus und ohne Rücksicht auf Verluste! Aber das sind wir von den grünen Terroristen gewöhnt. Terror ist Terror: ob mit grünem oder braunem Kleber. Denken Sie an die Tatsache, dass: Kirchensteuer in DE unter Hitler eingeführt worden ist und Vatikan seine Berechtigung als Staat unter Mussolini erlangte!
    Fritz J. Raddatz sagte mal über Joschka Fischer: „Feist, aber Leer“. Vorausgegangen war die Aussage von Fischer: „Ich habe mit Kultur nichts am Hut. Ich war noch nie in der Oper. Ich gehe nicht ins Theater, nicht ins Konzert. Ich lese ein bisschen. Ich finde es ehrlich, das zuzugeben. Erst gestern habe ich mit einem der berühmtesten zeitgenössischen Maler gesprochen – ich habe seinen Namen vergessen…. warum sollte mich das genieren. Das ist mein Alltag“.“
    Mehr muss man nicht sagen über die Grüne und ihre Kultur, oder? Dani Brandt

  2. Zitat ohne Kommentar: Franz Alt, Journalist
    „Solardächer auf Kirchen sind die Landebahnen für den Heiligen Geist.“
    (2004).

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