BMFSFJ entdeckt eine neue Spezies unter den Deutschen – oder doch nicht?

Wenn der große alte Mann des britischen Tierdokumentatarfilms, Sir David Attenborough, auf allen Vieren oder auf dem Bauch liegend, durch den Regenwald des Kongo-Deltas pirscht, um seinen Zuschauern das beste Bild vom letzten noch unentdeckten Bonobo zu bringen, dann wird seine Stimme gepresst, fast hektisch, sein Flüstern zum Stakkato (denn er will den Bonobo ja nicht aufschrecken) sein Atem wird stoßweise, die Spannung des Zuschauers kaum mehr zu ertragen und alles endet in dem Moment, in dem der Bonobo in die Kamera grinst und anfängt, sich mit Attenborough in gepflegtem Englisch zu unterhalten.

So, oder doch so ähnlich ist es mir ergangen, als ich eine Studie aus dem Zauberland des Nepotismus in die Hände bekommen habe. Die Studie wird als  “Diskussionspapier” bezeichnet, stammt aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, also aus der Kaderschmiede des DGB und, oh Wunder!, die Studie wurde vom Bundesministerium für alle außer Männern bezahlt (BMFSFJ). Wenn das BMFSFJ eine Studie der Gewerkschaftsstiftung bezahlt, so fragt man sich, was ist dann der Gegenstand? Nun, ich will meine Leser auf die Folter spannen und nicht gleich alles verraten. Nur soviel: Das WSI und das BMFSFJ haben eine neue Spezies entdeckt: Nicht im zentralafrikanischen Regenwald, auch nicht auf Sumatra oder Papua Neuguinea. Nein, hier, mitten unter uns, in Deutschland. Da schickt die NASA Roboter nach Roboter auf den Mars um dort Leben zu finden und in Deutschland gibt es Spezies, von denen nicht einmal die NASA etwas weiß – aber das WSI und das BMFSFJ.

Die neue Spezies, die bislang unerkannt unter uns weilte und einen Teil der deutschen Gesellschaft ausmachen soll, zeichnet sich durch die folgenden Merkmale aus:

  • Die Mitglieder der Spezies gehen arbeiten.
  • Die Mitglieder der Spezies leben zumeist mit Mitgliedern einer anderen Spezies zusammen.
  • Die Mitglieder der Spezies stehen in einem Austauschsverhältnis mit den Mitgliedern der anderen Spezies, das finanziell asymmetrisch ist.
  • Die Mitglieder der Spezies sind weiblich.

Birth of a new specimen

Die Forschenden aus dem WSI und die finanziellen Mentoren im BMFSFJ, die von der Existenz dieser neuen Spezies offensichtlich so überrascht wurden, dass sie eilends eine Pressekonferenz anberaumt haben, ob der Fremden in unserer Mitte, haben die neue Spezies die Spezies der “Familienernäherin” genannt. Darunter soll “eine Frau verstanden werden, die für sich und andere Familienmitglieder die finanzielle Lebensgrundlage überwiegend erwirbt. Die von ihrem Einkommen mitversorgten Personen können Partner und/oder Kinder sein” (8).

Zwei Begriffe in dieser Definition lassen den schlechtmeinenden Menschen aufhorchen und den Verdacht keimen, dass die neue Spezies ein Scherz, ein Schabernack, eine Fälschung ist, ebenso wie die Büste der Nofretete im Ägyptischen Museum in Berlin eine Fälschung darstellt (Ich verdanke diese Information einem neuen Hobby von Dr. habil. Heike Diefenbach, die sich als intimer Kenner der Geschichte der archäologischen Fälschungen und Betrügereien von Borchert bis Schliemann erweist..). Warum trägt eine Familienernährerin nur überwiegend und nicht vollumfänglich zum Familieneinkommen bei? Entsprechend der bisher gültigen Klassifikation ist ein Familienernährer ja auch alleine für das Familieneinkommen verantwortlich. Wird hier willkürlich eine neue Spezies geschaffen, um die einfach Welt der Erwerbstätigkeit zu verkomplizieren und zu suggerieren, die einfach Welt sei dabei, sich in eine komplexe zu wandeln?

Der Verdacht erfährt Bestätigung: “Als Familienernährerin werden in dieser Analyse Erwerbspersonen definiert, die mindestens 60% des persönlichen zurechenbaren Haushaltseinkommens erwerben” (20). Mit anderen Worten, die Spezies der Familienernährerin besteht aus relativen Familienernährerinnen, die gerade einmal mehr verdienen als die restlichen Erwerbs- und Nichterwerbstätigen im Haushalt – kaum eine Basis, um eine dauerhafte Klassifikation, wie sie eine Spezies nun einmal darstellt, darauf zu bauen. Und – wie bei archäologischen Fälschungen – sind erst einmal Zweifel geweckt, so hält auch die neue Spezies keiner tiefergehenden Untersuchung stand.

Das überwiegende Einkommen der Familienernährerin kennt u.a. die folgenden Quellen:

  • Witwenrente
  • Mutterschaftsgeld, Erziehungsgeld
  • Unterhaltsgeld vom Arbeitsamt
  • gesetzliche Unterhaltszahlungen ehemaliger Ehepartner.

Das Einkommen stammt somit in einer ganzen Reihe von Fällen nicht aus der Quelle, an die man bei den Begriffen “Einkommen” und “Familienernährerin” unmittelbar denkt: Erwerbsarbeit. Es umfasst auch “Einkommen” aus Fertilität, “Einkommen”, die aus staatlichen Umverteilungstöpfen, die vornehmlich von Familienernährern bestückt werden, stammen…. Und so entpuppt sich die neue Spezies als artifizielle Spezies, eine vom Staat geschaffene und finanzierte, alimentierte Spezies, die darüber hinaus von Familienernährern finanziert wird, die zwischenzeitlich die Familie gewechselt haben. Wahrlich, an dieser Stelle der “WSI-Forschung” ging es mir, wie dem Zuschauer, der dem grinsenden Bonobo gegenübersaß und dabei zusah, wie die sprechende Affen-Spezies sich langsam aber sicher seines Kostüms entledigte und zum Vorschein kam: Sir Richard Attenborough und alles war ein hoax (ein von mir erfundener übrigens).

Aber, weil immer alles noch schlimmer kommt, haben die Mannen (also die Männlein und Weiblein), die behaupten, eine neue Spezies entdeckt zu haben, gleich noch multivariate Berechnungen angestellt, was darauf zurückzuführen ist, dass ihr “hunting ground” für neue Spezies nicht der Dschungel ist, sondern das SOEP [Sozio-Ökonomisches Panel], ein Datensatz, der durch die Vielzahl seiner Nutzer nicht unbedingt besser wird. Ich war bei multivariaten Verfahren, und ich wage es kaum, das Verfahren zu benennen. Regelmäßige Leser dieses blogs wissen, was jetzt kommt: Ja, die unvermeidliche logistische Regression in vier Modellen. Vier Modelle aus dem Datendschungel des SOEP und doch ein Ergebnis, das man voraussehen könnte, wäre man in der normalen Welt unterwegs. Ich fasse die Ergebnisse. für die die Autoren “b-Koeffizienten” angeben (38), wie folgt zusammen: (Ich dachte immer, einer der wenigen Vorzüge einer logistischen Regression bestünde in der Ausgabe sogenannter Exp(B), erwarteter Beta-Koeffizienten, die einem das Ausmaß des Effekts einer unabhängigen Variablen auf die dichotome abhängige Variable zu schätzen erlauben, aber offensichtlich wird diese Ansicht nicht von jedem geteilt…).

Frauen tragen (mehr als) 60% zum Haushaltseinkommen bei (wobei das Einkommen von Frauen die oben benannten Geldquellen umfasst), wenn ihre Männer arbeitslos oder in Rente sind.

Wow! Dazu bedarf es einer großangelegten Studie des WSI finanziert vom BMFSFJ, um festzustellen, dass es vorkommen kann, dass Frauen mehr zum Haushaltseinkommen beitragen als Männer. Nun, wenn dieses Ergebnis derartiges Erstaunen auslösen kann, dann fragt man sich nach den Normalitätsvorstellungen der entsprechend Erstaunten. Ich meine, dass Ingrid Sehrbrock in ihrer ganz eigenen Welt lebt, das wissen die Leser dieses blogs bereits, aber wo bitte lebt der Staatssekretär im Bundesministerium für … (sie wissen schon), Josef Hecken? Welche Erfahrungswelt begründet seine Aussage, dass sich der “Blick auf die Erwerbstätigkeit von Frauen ändern muss”, weil sie schon lange “keine bloßen Zuverdienerinnen mehr sind”?

Nun, Herr Hecken, wüssten Sie etwas über Ihre Bevölkerung, wüssten Sie etwas darüber, wie das Haushaltseinkommen in z.B. der Arbeiterschicht zu Stande kommt, dann wäre Ihnen die Vorstellung, dass Frauen arbeiten und Männer zuweilen arbeitslos sind, nicht so fremd wie sie ihnen zu sein scheint. Ob die Fremdheit sich mehr auf die Tatsache, dass auch Frauen arbeiten oder darauf, dass Frauen arbeiten und Männer arbeitslos sind, bezieht, sei einmal dahingestellt. Wie auch immer, ich verrate Ihnen nun ein Geheimnis, im Laufe eines gemeinsamen Lebens kommt es schon vor, dass einmal der eine und einmal die andere Hauptverdiener ist. Das ist nicht ungewöhnlich, nichts, was man eigentlich einer Erwähung und noch weniger einer Beforschung für würdig befinden würde. Aber von derartiger Kooperationsfähigkeit und Kooperationswilligkeit von Lebenspartnern unterschiedlichen Geschlechts, weiß man im Genderismus offenbar nichts, und deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis aus dem Hause FSFJ eine Studie finanziert wird, die zu der erstaunlichen Erkenntnis kommt, dass Männer manchmal kleiner sind als Frauen, oder Frauen manchmal links im Bett liegen, oder war es rechts? Was auch immer es sein wird, die Mannen aus dem WSI werden daran verdienen und die aus dem BMFSFJ werden darüber staunen.

Post Scriptum

Der vorliegende Text begründet eine ungewollt eingerichtete Kategorie “grüner Beiträge”, also von “recycleten” Beiträgen, die sich – warum auch immer – wieder auf meinen Schreibtisch verirren, sich quasi in mein Bewusstsein drängen und von denen ich erst nach Beendigung feststelle, dass ich sie schon einmal bearbeitet habe. Das mag man auf Alter zurückführen oder darauf, dass der selbe Unsinn immer den selben Ärger nach sich zieht, man kann es, ich kann es, heißt das, als Maß für meine eigene Konsistenz ansehen und feststellen, dieselbe ist zufriedenstellend und, wer es immer noch nicht verstanden hat: Wem der Gegenstand des Textes, nicht der Text (!) bekannt vor kommt, das mag daran liegen, dass er hier schon einmal behandelt wurde.

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10 Responses to BMFSFJ entdeckt eine neue Spezies unter den Deutschen – oder doch nicht?

  1. Dr. habil. Heike Diefenbach says:

    Das ist wieder einmal so ein Papier, angesichts dessen man eigentlich sprachlos sein sollte – wäre man nicht allmählich gewöhnt, dass der Ideologietransport unter dem Deckmantel der Wissenschaft ein blühendes Geschäft ist.

    Die Aussage des Papiers soll anscheinend sein, Frauen wären von größerer Wirtschaftskraft als bisher angenommen oder in nennenswert vielen Fällen von größerer Wirtschaftskraft als ihre Lebenspartner oder Ehemänner – so genau wird das leider nicht deutlich aus dem Papier, was jetzt eigentlich die “frohe Botschaft” sein soll.

    Was das Papier tatsächlich zeigt (falls es aufgrund der erheblichen methodischen Mängel -dazu unten noch etwas – überhaupt etwas zeigt) ist, dass Frauen anscheinend nur dann von Wirtschaftskraft sind, wenn der Staat den arbeitenden und verdienenden Steuerzahlern in die Tasche greift und die so gesammelten Mittel als “Anrechte” derer, die weniger arbeiten oder verdienen, an dieselben transferiert. D.h. Frauen sind anscheinend die hauptsächlichen Nutznießer von Transferzahlungen (Kindergeld, Elterngeld etc.) bzw. sie sind es hauptsächlich, die am “Staatstropf” hängen, und dies setzt sie in den Stand, in bestimmten Konstellationen etwas mehr Einkommen zu haben (aber nicht unbedingt: zu verdienen), als ihre Ehemänner oder Lebenspartner, die ja ihrerseits arbeitslos sind oder Geringverdiener sind, aber nicht in derselben Weise wie ihre Frauen Transfergeld erhalten.

    Und das soll jetzt eine gute Nachricht für Frauen oder über Frauen oder beides sein?

    Ist das als Witz gemeint, oder ist das einfach zynisch?

    Die Idee des emanzipatorischen Feminismus war es eigentlich, Frauen dazu zu verhelfen, SELBSTÄNDIG zu sein und handeln zu können, nicht, die (vermutete oder tatsächliche) Abhängigkeit von ihren Männern in eine Abhängigkeit vom Staat bzw. von sehr vielen fremden Männern, die ja den größten Teil der Steuerabgaben erwirtschaften, aber auch von anderen Frauen, zu verwandeln. Man kann es nicht oft genug betonen: Der Feminismus war einmal eine emanzipatorische Bewegung, die (auch) das weibliche Individuum von Abhängigkeiten und Gängelung (so es das denn wollte) befreien wollte.

    Wenn eineinhalb Jahrhunderte nach den Versuchen, dies zu erreichen, lediglich festgestellt werden kann, dass das Unternehmen vollkommen gescheitert ist, weil Frauen ihr Leben nicht in Eigenverantwortung finanzieren wollen oder müssen, weil staatliche Transfers bereits genügen, um “Familienernäherin” zu sein, dann hinterlässt mich das schon sozusagen am Boden zerstört. Aber wenn das Ganze noch als etwas für Frauen Positives dargestellt werden soll, dann … ja, was dann – mir fehlen die Worte. Ich wage nicht, mir vorzustellen, was z.B. Mary Woolstonecraft, aber auch Shulamit Firestone dazu zu sagen hätten. Ich vermute, sie wären ebenfalls erst einmal sprachlos.

    Sprachlos macht einen auch die methodische Unkenntnis, die anscheinend kein Hindernis mehr ist, sich mit der “Weihe” der Ergebnisproduktion durch quanitative Verfahren der sozialwissenschaftlichen Forschung zu umgeben. Nur ein Beispiel zusätzlich zu dem, was Michael Klein in seinem Beitrag schon angemerkt hat:

    Eine grundlgende Erfordernis einer logistischen Regression ist, dass die Variablen, die als erklärende Variablen im Modell berücksichtigt werden sollen, nicht oder doch wenigstens kaum miteinander korrelieren. Wenn ich das richtig sehe, wird im Artikel nicht berichtet, wie stark diese Variablen miteinander zusammenhängen, und es wird nicht berichtet, wie mit diesem Problem umgegangen wurde. Ich vermute, es wurde überhaupt nicht damit umgegangen: Obwohl teilweise plausibel, teilweise längst belegt ist, dass die verwendeten Variablen miteinander korrelieren, sind sie gemeinsam im Modell verwendet worden. Das zeigt hinreichend, dass das Problem den Autoren anscheinend unbekannt ist, was sie methodisch disqualifiziert, oder dass sie es bewusst ignoriert haben, um ihre “Botschaft” in wissenschaftlicher (Ver-/)Kleidung publik machen zu können, was sie in jeder Hinicht disqualifiziert.

    • Liebe Heike,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Vor allem der letzte Absatz hat mich dazu veranlasst die methodischen Untiefen, die sich im Versuch aus dem WSI, Statistik zu betreiben, zeigen, noch etwas deutlicher zu machen. Am Ende ihres Werkes schreiben die Autoren, dass Familienernährerinnen dann wahrscheinlicher sind, wenn sich im Haushalt ein Kind unter drei Jahren befindet und dass das dafür spricht, dass sich eine “Enttraditionalisierung von Geschlechterverhältnissen” anbahnt (44). Diese Aussage bezieht sich auf ein b von 0,858 von “jünstes Kind im Haushalt unter drei Jahren” mit Familiennährerin ja/nein als dichotome abhängige Variable in der logistischen Regression.

      Dass dann, wenn ich den Geldwert, den Mama Staat an Kinderbesitzer überweist, in der abhängigen Variable dazu nutze, um “Familienernäherinnen” zu identifizieren, die Variable “Kinder unter drei Jahren”, die nur eine andere Ausprägung für diesen Geldtransfer darstellt, einen Effekt auf die abhängige Variable hat, ist eigentlich selbstverständlich und sollte jedem Studenten im Einführungskurs in SPSS bekannt sein. Wenn man etwas weitgehend mit sich selbst korreliert, dann sollte sich ein entsprechender Koeffizient einstellen….

  2. jck5000 says:

    Ich habe jetzt nur den Schluss der “Arbeit” gelesen, und der tat sehr weh. Eine solche Verdrehung der Realität – das haben Sie ja schon schön geschildert, Herr Klein, ist mir einfach unbegreiflich.

    Besonders furchtbar finde ich Sätze wie “Wie deutlich wurde, spricht einiges dafür, dass die Frauen als Familienernährerinnen (von Ausnahmen abgesehen) nicht einfach in die Männerrolle schlüpfen, sondern sich hier völlig neue Geschlechterarrangements, … entwickeln könnten”. Ich lese mal: Es gibt einen großen Unterschied zwischen Familienernährerinnen und Familienernährern, der hauptsächlich darin besteht, dass die männlichen F. dem Wortsinn gerecht werden, wohingegen weibliche F. eben nicht die Familie ernähren (können)?!

    Mehr kann ich dazu nicht beitragen, sonst fange ich an, meinen Kopf gegen eine Wand zu hauen.

    Eins noch zu Frau Diefenbach: Das Problem der heutigen Feministen ist meines Erachtens, dass sie geschichtsrevisionistisch denken und daher auf falschen Prämissen aufbauen. Sätze wie “Frauen wurden immer unterdrückt” mögen ja inhaltlich korrekt sein, aber fairerweise müsste man ja eigentlich zugeben, dass bis zur französischen Revolution und deren Internationalisierung so eher 99% der Bevölkerung – geschlechtsunabhängig – unterdrückt wurde. Und die Emanzipierungsbewegung der 19xx-er Jahre war bei weitem kein vergleichbares Verdienst – oder sehe ich das “falsch”?

  3. Michel Houellebecq says:

    Ganz speziell bemerkenswert finde ich immer wieder den Umstand, dass allein erziehende Frauen einfach in denselben Topf geworfen werde, wie jene, die in einem Paarhaushalt (Mehrpersonenhaushalt) leben: Dass Alleinerziehende auch alleine für das “Familien”einkommen aufkommen, ist ja logisch! Schliesslich kommt in einem Einpersonen-Haushalt jeweils auch die alleine lebende Person alleine für das Haushaltseinkommen auf! Hier beginnt die ideologische Komponente bereits stark durch zu schimmern: Erst wenn man Kraut und Rüben zusammen mischt, ergibt sich der ideale, bzw. der politisch erwünschte Mix, aus dem dann selbstverständlich auch die entsprechenden Erkenntnisse gezogen werden können. 

    Dass es Alleinernährerinnen noch nicht in den Fokus der GenderistInnen geschafft haben, ist wohl einzig der Tatsache geschuldet, dass es diese bislang auch noch nicht gibt. Ob sie politisch wünschenswert sind, darüber schweigt man sich natürlich wohlweislich aus: Schliesslich käme das einer Umkehrung der derzeitigen Verhältnisse gleich, womit die Gleichberechtigung der Geschlechter abgeschlossen wäre.

    Eine Frage noch zum Schluss:

    Das überwiegende Einkommen der Familienernährerin kennt u.a. die folgenden Quellen:

    Witwenrente
    Mutterschaftsgeld, Erziehungsgeld
    Unterhaltsgeld vom Arbeitsamt
    gesetzliche Unterhaltszahlungen ehemaliger Ehepartner.

    Diesen Abschnitt konnte ich nirgendwo entdecken, zumindest nicht so explizit zugespitzt. Auf welcher Seite finde ich diese Einkommensaufsplittung?

    [MK:] auf Seite 21!

    • Michel Houellebecq says:

      Gesehen, danke. Allerdings werden diese Haushaltseinkommensbestandteile nicht näher quantifiziert: Aus der Zusammenstellung auf Seite 21 geht nicht eindeutig hervor, in welchem Verhältnis die staatlichen Transferleistungen (und Unterhaltszahlungen notabene) zum Erwerbseinkommen stehen. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass sich das gemeinsam erwirtschaftete Haushaltseinkommen in Mehrpersonenhaushalten, bei denen der finanzielle Anteil der Frau über 60 Prozent ausmacht, u. a. auch aus den in ihrem Blogbeitrag erwähnten Bestandteilen zusammensetzt. Das ist objektiv betrachtet sogar richtig: Die Liste ist vollständig.

      Was von den GenderistInnen wenig bis überhaupt nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass ein Grossteil der Frauen mit der Familienernährerinnenrolle überhaupt nicht glücklich sind, ganz im Gegenteil:

      http://www.clack.ch/ressort/artikel/Leben/1427/wenn_die_frau_das_geld_nach_hause_bringt

      Bemerkenswerterweise existiert das im Artikel erw. Positionspapier der Böcklerstiftung mittlerweile nicht mehr… und ich habe es leider auch nicht abgespeichert, item: Selbst wenn es zu einer partiellen Rollenumkehr käme (wie gesagt: Familienernährerin, aber nicht Alleinernährerin), so geschieht das (bislang?) nicht aus politischen, sondern lediglich aus rein ökonomischen Gründen.

      Bis Frauen bei der Berufs- und Studienwahl bereit sind, auch eine Laufbahn als Haupt- oder Alleinernährerin mit in ihre Lebensplanung mit einzubeziehen, dürfte voraussichtlich noch viel Wasser den Rhein hinunter fliessen… Männer machen das bekanntermassen. Von allem Anfang an.

  4. Dummerjan says:

    Das Problem der Studie ist doch, daß deren Ziel nicht klar ist: Welche Hypothese soll denn nun eigentlich geprüft werden?
    Wir finden Folgendes:
    “In diesem Papier soll die Frage beantwortet werden, wie groß die Gruppe der Familienernährerinnen
    in Deutschland aktuell ist, wie sich die Gruppe zusammensetzt und unter welchen
    Bedingungen Frauen diesen Status innehaben.”
    Aber auch:
    “Die vorliegende Studie fragt nach der Verbreitung von Familienernährerinnen-Haushalten in
    Deutschland sowie nach den Ursachen und Faktoren des Auftretens entsprechender Konstellationen.”
    Wozu bracuht man da eine logistische Regression? Man zählt einfach durch und fertig ist die Laube.
    Aber ach:
    “Bezüglich der möglicherweise relevanten Einflussfaktoren fragen wir: Welche
    Bedeutung haben für die Familienernährerinnen-Konstellation erstens veränderte Familienund
    Lebensformen, zweitens zunehmende Erwerbsintegration von Frauen, teilweise auch in
    höheren beruflichen Positionen sowie drittens Umbrüche in der Erwerbssphäre, die zu einer
    neuen Unsicherheit der Arbeit (auch) für Männer führen? Die Untersuchung analysiert daher
    Erwerbskonstellationen und Einkommenserwirtschaftung auf der Haushaltsebene”

    Ziel:
    Die Bestimmungsgründe für die Ursachen udn Faktoren von Familienernährerinnen-Haushalten untersuchen und zwar vermutet man folgende Faktoren die dazu führen:
    a) bestimmte Familienkonstellatione und Lebensformen
    b) Erwerbsintegration der Frau algemein und deren höhere berufliche Position
    c) Erwerbssitution des Mannes .

    Ok.
    Schön wäre es kedoch wenn man die eingesetzten Mittel auch mathematisch handhaben udn interpretieren könnte. Kann man aber nicht:
    Bewis:
    S. 35 2. Absatz (bezüglich Modell 1)
    “Am stärksten
    erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau Familienernährerin ist, wenn der Mann
    arbeitslos oder nicht erwerbstätig ist.”
    Ok. Wir schauen mal nach:Modell 1, Koeffizient beim Mann 3,356. Tatsächlich, der >größte Koeffizient der Spalte.

    Zur erinnering: Logistische Regression bedeutet: Prob(Alleinernäherein Frau)=F(b1*x1+…bn*xn)
    wobei F eine Wahrscheinlichkeitsverteilung mit endlichen zweiten Momenten ist und xi die beobachteten Einflußgrößen und bi (i variiert jeweils von 1…n) die geschätzten Koeffizienten sind.

    Dann heißt daß aber, daß die Größe von bi*xi relevant ist. Nun ist ja xi 0-1 Kodiert also 1 oder 0 und alles ist ok. Falsch gedacht: Weil bi*xi Argument einer Verteilungsfunktion sidnhängt die Größe des Einflusses von der Verteilungsfunktion ab und davon, wie der Anstieg derselben im Punkt xi*bi ist. Das ist bei der logistischen Regression völlig anders als bei der linearen Regression! Man muß den sog. marginalen Effekt bestimmen um eine solche Aussage zu treffen. In der linearen Regression ist der Marginale Effekt tatsächlich identisch mit dem Koeffizienten, aber nicht in der logistischen Regression!

    Husch husch, ab zru Lektüre des SPSS-Handbuches. Dort steht das nämlich drin.

  5. Pingback: Komm’ lass uns eine Gender-”Fachtagung” abhalten – das muntere Verschwenden von Steuergeldern geht ungebremst weiter « Kritische Wissenschaft – critical science

  6. Pingback: Auftragsforschung: Bundesforum Männer zahlt für gewünschte Ergebnisse | Kritische Wissenschaft - critical science

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