Closed Minds: Der Juso-Bundesvorsitzende und sein gestörtes Verhältnis zur Realität

SPD hinschmeissenGestern hat eine Pressemeldung der SPD meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, zunächst wegen dem schrecklichen Deutsch [Manche bevorzugen hier den Genitiv, also: wegen des schrecklichen Deutsch], das bereits in der Überschrift zu finden ist: “Jeder Vierte schmeißt hin!”, heißt es da – nicht gerade das, was man gepflegtes Deutsch nennt. Das ist insofern überraschend als die für Überschriften wie diese Verantwortlichen in der Regel Gymnasium und Universität oder Fachhochschule hinter sich gebracht haben und wie wir aus der Bildungsforschung wissen, sind es ja die Kinder mit Migrationshintergrund auf Sonder- und Hauptschulen, denen unterstellt wird, sie könnten kein Deutsch und nicht die Absolventen von Universitäten. Aber sei’s drum, ich will nicht päpstlicher sein als der Papst und deshalb: jeder Vierte schmeißt hin! Ja. Aber was schmeißen sie hin, die Vietern, Achten und Zwölften? Das Handtuch, den Fehdehandschuh, den Wutzettel?

Bei der Beantwortung dieser Frage hilft uns Sascha Vogt weiter. Sascha Vogt gilt trotz der 26 Jahre, die er nun schon alt ist, immer noch als Juso, ist gar deren Bundesvorsitzender und hat nach dem Abitur ein Magisterstudium der Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Angewandten Kulturwissenschaft (ich wusste gar nicht, dass man Kulturwissenschaft anwenden kann; man lernt nie aus) absolviert. Seit 2010 ist er jetzt Juso-Bundesvorsitzender. Weitere Stationen seines Werdegangs waren Zivildienst und ein Posten als Referatsleiter bei der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung – Netzwerkbildung zum erlernen sozialdemokratischer Kompetenz, wie man sagen könnte.

Nun, Sascha Vogt, dessen Lebenslauf ihn als Experte für alle Fragen der beruflichen Bildung ausweist, hat uns in der besagten Pressmeldung, die meine Aufmerksamkeit erweckt hat, mit der folgenden Weisheit beglückt:

“‘Viele Azubis sind einem enormen Druck ausgesetzt. Müssen Überstunden ohne Ausgleich ableisten oder ausbildungsferne Tätigkeiten verrichten’, so Vogt. Oft würden sie einfach nur als billige Arbeitskräfte benutzt, denen kein Ansprechpartner zur Verfügung stünde. ‘Deshalb brechen viele ihre Lehre ab’, erlkärt der Juso-Vorsitzende. Die Jusos fordern deshalb sowohl die Industrie- und Handelskammern, als auch die Handwerkskammern auf, die Ausbildungsstandards der jeweiligen Unternehmen stärker zu kontrollieren, damit eine gute Ausbildung gewährleistet ist. ‘Dann werden auch mehr Lehrlinge ihre Ausbildung abschließen’, sagte Vogt.

RokeachDie Leser werden es erschlossen haben, Sascha Vogt reagiert mit seinem umfangreichen Wissen auf eine “Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB)”, aus der u.a. “hervorgeht”, dass im Jahre 2011 “rund 150.000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst” wurden, was zu einer “Abbrecherquote” von 24,4% führt. Und Schuld daran, diese Erkenntnis verdanken wir Sascha Vogt, sind die ausbildenden Unternehmen, jene neokapitalistischen Monster, deren einziges Ziel darin besteht, arme kleine Auszubildende auszunutzen. Der von mir sehr geschätzte Milton Rokeach hätte seine Freude an dieser Aussage und würde vermutlich daraus schließen, dass das “closing of the mind” ein Prozess ist, der bereits früh einsetzt und bei Parteisoldaten stärker ausgeprägt ist als bei normalen Menschen (Man könnte hier auch mit Tversky und Kahneman argumentieren und Vogt als Beleg dafür ansehen, dass manche Menschen das zu sehen im Stande sind, was sie sich einbilden zu sehen).

Doch zurück zur Erkenntnis von Sascha Vogt. Seine Erregung über die Quote der aufgelösten Ausbildungsverträge ist vor dem Hintergrund seiner nicht vorhandenen Kenntnis darüber, dass die entsprechende Quote mit ihren 24,4% im Jahre 2011 zwar eine Steigerung zum Vorjahr darstellt, aber mitnichten außergewöhnlich ist, etwas deplaziert. Zurückgehend bis zum Jahr 1993 stellt das BiBB die so genannte Vetragslösungsquote bereit, und die seit 1993 vergangenen 19 Jahre sehen Quoten, die immer zwischen 20% und 24% variieren. Und im Gegensatz zu Herrn Vogt, kennen die Forscher im BiBB die Ursachen für die variierende Höhe der aufgelösten Ausbildungsverträge nicht: “Was die Ursachen hierfür sind, kann allein auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik nicht beurteilt werden” (Uhly, 2012, S.167).

Das wiederum ist nachvollziehbar, denn die Daten zu Ausbildunsverträgen wie sie jährlich vom BiBB gesammelt werden und z.B. in der Fachserie 11 Reihe 3 “Bildung und Kultur: Berufliche Bildung” des Statistischen Bundesamts veröffentlicht werden, sind deskriptive Aggregatdaten: Angaben für alle in einem Jahr geschlossenen oder aufgelösten Ausbildungsverträge, die nach bestimmten Merkmalen differenziert werden können. Diese Differenzierung erlaubt es den Forschern z.B. die folgenden Aussagen zu treffen:

  • Die höchsten Anteile für vorzeitig aufgelöste Ausbildungsverträge finden sich in Mecklenburg-Vorpommern (33,9%), Berlin (33,6%), Sachsen-Anhalt (31,0%) und in Brandenburg (29,9%). Die Bundesländer rangieren damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 24,4%. Wie man sieht, ist die Mehrzahl der Länder, in denen bis zu einem Drittel der Ausbildungsverträge nur von kurzer Dauer sind, SPD-mit-regiert, so dass man, könnte man nicht zwischen Kausalität und Korrleation unterscheiden, der SPD zumindest eine Mit-Verantwortung an der Häufigkeit aufgelöster Ausbildungsverträge zu billigen könnte.
  • laurel-music-box-46Ausbildungsverträge werden am häufigsten in körperlich oder zeitlich anspruchsvollen Berufen, z.B. Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice, Fachkraft für Systemgastronomie oder Restaurantfachkraft aufgelöst. Mit anderen Worten: Konfrontiert mit der Realität schwerer Umzugskartons, dem alltägliche Burger- und Frittengestank bei McDonalds oder dem Arbeitsbeginn um 5 Uhr morgens im Frühstücksservice des Hotels, überlegt es sich der eine oder andere der Auszubildenden wohl doch anders. Das wäre meine Erklärung, zu der ich später noch zurück komme, bis dahin gilt, was uns Herr Vogt gelehrt hat: Die Unternehmen sind schuld – McDonalds vor allem!
  • Am häufigsten werden Ausbildungsverträge in kleinen und ganz kleinen Unternehmen gelöst. Man kann vermuten, dass, da es in kleinen Unternehmen mehr als in großen Unternehmen auf die “Chemie” ankommt,  Konflikte zwischen Ausbilder und Auszubildendem eine Rolle spielen. Auch dazu komme ich unten zurück. Bis dahin gilt, was Herr Vogt weiss: die kleinen und die ganz kleinen Unternehmen sind alle schuld und deshalb gibt es nur eines: kontrollieren, kontrollieren und noch einmal: kontrollieren!
  • Beitrag für den Berufsbildungsbericht 2012 berichtet Alexandra Uhly von ersten Versuchen, die vorzeitige Auflösung von Ausbildungsverträgen mit multivariaten Verfahren zu erklären. Dabei habe sich gezeigt, dass Ausbildungsverträge eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, aufgelöst zu werden, wenn die Auszubildenen keinen Schulabschluss oder nur einen Hauptschulabschluss haben, wenn die
    Auszubildenden weiblich sind und wenn die Ausbildungsverträge überwiegend öffentlich finanziert sind, wenn es sich also um überbetriebliche Ausbildungen handelt, die ja Gewerkschaften und auch die SPD als Wunderwaffe gegen die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen ansehen.(Uhly, 2012, S.174).
  • BiBB Verbleib nach Avertrag LoesungIn ihrem Schließlich gibt es noch ein Ergebnis zu berichten, das sich in einem zwei Seiten Text findet, der eigentlich für Presse und Politiker bestimmt ist. Darin heißt es: “Eine Vertragsauflösung stellt jedoch für einen großen Teil der Auszubildenden keinen Ausbildungsabbruch dar! Eine BiBB-Studie zu Vertragslösungen und Vertragsabbrüchen aus dem Jahr 2002 ergab, dass ca. die Hälfte der Auszubildenden mit gelöstem Ausbildungsvertrag erneut einen Ausbildungsvertrag im dualen System abschließt” (Uhly, 2012a, S.4). Vielleicht sollte man daran denken, nicht die Ausbildungsbetriebe, sondern diejenigen zu kontrollieren, die ihre Unkenntnis in die Öffentlichkeit posaunen.

Wie sich zeigt, bleibt von den Behauptungen des Juso-Bundesvorsitzenden bei näherer Betrachtung nicht viel übrig. Und zum Abschluss stellt sich die Frage, wo er seine Erkenntnisse über die Ausbeutung der Auszubildenden durch die nicht kontrollierten Unternehmen her hat. Wo auch immer er sie her hat, sie sind falsch. In der oben angesprochenen BiBB-Untersuchung aus dem Jahre 2002 (Schöngen, 2002) wurden Jugendliche, die ihren Ausbildungsvertrag gelöst hatten, nämlich nach den Gründen für die Vertragslösung gefragt. Hier kommt, was dabei herauskam:

  • Die meisten nannten betriebliche Gründe für die Vertragslösung (70%), darunter: Konflikte mit Ausbildern und Inhabern (43%), ungünstige Arbeitszeiten (31%) und ausbildungsfremde Tätigkeiten (26%). Alle die genannten Gründe waren vor allem in Kleinbetrieben mit weniger als 9 Beschäftigen zu finden.
  • Rund ein Drittel aller Befragten (31%) nannten (zusätzlich) berufsbezogene Gründe, worunter die Aussagen, der Beruf sei nicht der Wunschberuf gewesen (48%) und man habe sich den Beruf anders vorgestellt (42%), die am häufigsten genannten Gründe waren.
  • Gut die Hälfte der Befragten (46%) nannten (zusätzlich) persönliche Gründe wie Gesundheit oder familiäre Veränderungen, wenn sie nach den Ursachen für die Auflösung des Ausbildungsvertrags gefragt wurden.
  • In der Regel nannten die Befragten eine Kombination von Gründen.

Die Welt ist, wie sich zeigt, deutlich komplexer als der Juso-Bundesvorsitzende denkt. Dies mag daran liegen, dass er über keinerlei eigener Erfahrung mit den meisten Ausbildungsberufen verfügt, da er immer im Schutzraum nicht-körperlicher Arbeit verblieben ist. Es mag auch an einem Mangel an Vorstellungskraft liegen, Marcuseeinem Mangel an Empathie, der ihn daran hindert, sich vorzustellen, dass ein Jugendlicher, der mit 16 Jahren eine Ausbildung als “Fachkraft für Umzüge” beginnt, darin noch nicht die Verwirklichung seines Lebenstraums sieht. Es mag, und das ist der Punkt, der mich am meisten ärgert, daran liegen, dass der Juso-Bundesvorsitzende nur in kollektiven Schablonen denken kann und sich offensichtlich nicht vorstellen kann, dass Menschen Entscheidungen für ihr eigenes Leben treffen. Seine Welt besteht aus einem System und funktionalen Einheiten, die der Kontrolle durch das System mehr oder weniger stark unterworfen sind. Einheiten wie Unternehmen und freier Wille funktionaler Menscheneinheiten, die für körperliche Tätigkeiten vorgesehen sind, sind für ihn unerträglich. Die Vorstellung, dass ein Maurerlehrling angesichts des täglichen Kalksandsteins beschließt, doch noch einmal die Schulbank zu drücken, um das Abitur nachzumachen und als Juso-Bundesvorsitzender zu kandidieren, damit ein Ende mit der paternalistischen Art ist, in der Juso-Bundesvorsitzende sich zu Rettern von Lehrlingen machen und dabei diese Lehrlinge zu tumben Toren erklären, die nicht in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen.

Aus der Episode kann man nun mehrere Schlüsse ziehen. Man kann daraus schließen, dass im Leben eines politische Aktivisten schon frühzeitig der Versuch, die Welt in ihren komplexen Bezügen wahrzunehmen dem Verlangen, alles in ideologischer Eintracht zu sehen, geopfert wird. Man kann daraus schließen, dass politische Aktivisten im Bemühen, die Welt nach ihren Vorstellungen zu formen, einen erheblichen Realitätsverlust zeigen, der über kurz oder lang neurologisch relevant werden wird. Man kann daraus schließen, dass der Versuch, die Öffentlichkeit zu manipulieren, letztlich mit dem Opfer eigener geistiger Klarheit verbunden ist und man kann daraus schließen, dass Beiträge politischer Aktivisten zum öffentlichen Diskurs bevor sie veröffentlicht werden auf Übereinstimmung mit der Realität geprüft werden sollten, das würde zumindest dazu führen, dass nicht jeder denkt, er könne zu allem etwas sagen.

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4 Responses to Closed Minds: Der Juso-Bundesvorsitzende und sein gestörtes Verhältnis zur Realität

  1. Jens Kleinikauf says:

    Realität?
    Sagte nicht schon Pippi Langstrumf (Astrid Lindgren): ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!
    Und da kommen Sie mit der Realität.
    Was Pippi kann, kann ein Juso-Bundesvorsitzender schon lange!!!!!!!!!!!

  2. Pingback: “Jeder vierte Lehrling schmeißt hin” | Basedow1764's Weblog

  3. opethbass87 says:

    Danke für den Artikel, so differenziert bekommt das selbst der Spiegel schon lange nicht mehr hin! Überhaupt: Quellenangaben in der Presse? – weit gefehlt!

    Mich errinnern die Gründe die Meldung über Nachwuchsmangen bei Berufskraftfahrern: Vor einigen Wochen klagten die Speditionen, dass ihnen der Nachwuchs fehle. Laß man weiter, so waren hier die Gründe: miserable Bezahlung; hohe Ausbildungskosten von bis zu 20.000€ für den Führerschein (so viel kostet ein Studium an der Privatuni!!!), schlechte Arbeitszeiten, hoher Druck, prekäre Arbeitsverhältnisse als Freelancer.

    Primär ist es also die insgesamt geringe Attraktivität eines Berufs, die zu überdurchschnittlich häufigen Ausbildungsabbrüchen führt. Nun gut, Möbel sind nun mal schwer und im Hotel geht es eben um 5 Uhr los. Allein durch ein höheres Gehalt und strenge Richtlinien seitens der Verbände ließe sich das aber sehr leicht kompensieren.
    Ich habe dazu jetzt leider keine Studie zur Hnad :-(. Aber ein Beispiel: Hochqualifizierte Industriemechaniker montieren unter anderem Windräder auf See. Das ist gefährlich, körperlich extremst anstrengend und immer weit von Zuhause entfernt. Sie handeln dafür ein sehr gutes Gehalt aus und haben etwas mehr Urlaub. Klappt dort doch auch!

  4. jck5000 says:

    Ist da nicht auch ein Effizienzdenken dahinter? Frei nach dem Motto “was man anfängt, bringt man auch zu Ende”? Schließlich ist es ja ein gesamtgesellschaftlicher Verlust, wenn ein junger Mensch mit Ausbildung A Zeit verschwendet hat, um dann Ausbildung B zu machen.

    Solches Denken aber, denke ich, ist Menschen wie Herrn Vogt völlig fremd. Sonst hätte man sich bestimmte “Ausbildungen” wie die erwähnte “Fachkraft für Umzüge” gleich sparen können. Was muss man denn da können? Nun, aus meiner eigenen Erfahrung (nein, ich habe das nie gemacht, aber ich bin schonmal umgezogen):

    1. Um 7 Uhr morgens ohne zu schlimmen Kater beim Kunden erscheinen.
    2. Einer (der Chef?) muss nüchtern bleiben, um LKW zu fahren.
    3. Einer (der Chef?) muss wissen, wie man einen LKW belädt.
    4. Alle anderen müssen schwere Sachen tragen. Viele.
    5. Zum Mittagessen nur drei Bier, damit man nicht torkelt und Sachen fallen lässt.
    6. Möglichst nichts kaputtmachen.
    7. (optional): Rudimentäre Sprach- und Lesekenntnisse schaden nicht (Beispiel meines letzten Umzugs: “Hier steht B-A-D drauf. Wo muss denn das hin?” – “Hä? Ins Bad?!” – “Ah, danke.”).

    Ich bin nicht sicher, aber eigentlich sollte man das doch in unter drei Jahren lernen können. Aber, so belehrt uns das Arbeitsamt (http://bit.ly/mytBPV), ich irre mich da natürlich. Der Beruf heißt eigentlich “Fachkraft – Möbel-, Küchen- und Umzugsservice”, und damit wird es anspruchsvoller. Man lernt zusätzlich:

    “wie man Möbel- und Küchenteile ausrichtet, zusammenbaut und anpasst”

    … und da hört es bei mir schon wieder auf. IKEA findet, das kann wirklich jeder. Ich finde das auch, und IKEA verkauft statistisch mehr als jedem Menschen in diesem Land jedes Jahr etwas. Wohlgemerkt, nicht nur in diesem Land, sondern in fast allen Ländern mit genug Kaufkraft. Das kann doch nicht ernsthaft drei Jahre dauern, sowas zu lernen.

    Ich sehe das ja wirklich bei vielen Berufen ein mit der Ausbildung, ich könnte z.B. keinen Tisch schreinern (also zumindest keinen geraden/hübschen), kann weder einem Menschen noch einem Hund einen Zugang legen oder eine Heizungsanlage einbauen oder reparieren. Ich kann auch keine Uhr zusammensetzen, mein Sakko nicht ändern und mein Auto reparieren; mein Versuch, einen Sauerteig anzusetzen scheiterte kläglich und der Übergang vom weißen zum roten Teil meiner Wohnzimmerwand war unsauber – die ersten Male jedenfalls. Nach dem dritten Versuch wurde es schön. Übungssache. Aber es ist doch keine Übungssache, Umzugskartons von A nach B zu tragen – den meisten Menschen gelingt das beim ersten Versuch. Es ist nur anstrengend.

    Aber es ist ja so, dass es ein “Bildungserfolg” und überhaupt großartig ist, zunehmend weniger Menschen in “unqualifizierten” Jobs zu haben, und deswegen macht man eben Ausbildungen für alles. Und ist doch viel besser, wenn der Müll nicht mehr vom Müllmann geholt wird, sondern von einer spezialisierten “Fachkraft – Kreislauf- und Abfallwirtschaft”.

    Oder?

    Und um zum Thema zurückzukommen: Wenn ich mich nun in der Ausbildung zum Müllmann oder Möbelpacker befinde und dann feststelle, dass ich das auch ohne Ausbildung kann, dafür aber mehr verdienen würde (Ausbildungslöhne sind ja recht niedrig), liegt es dann nicht nahe, hinzuschmeißen? Sind das vielleicht die 11% in “nicht genannter Beschäftigung”, die 9% als “Arbeiter/Angestellter”, oder gar große Teile beider Gruppen?

    Unabhängig davon verbleiben nur 17% Arbeitslose unter den 24,4% “Abbrechern”. Das sind von der Gesamtheit 4,15% und damit weit unter der Arbeitslosenquote. Wo ist hier nochmal das Problem?

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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