Grüne Hetze?

Es gibt eine neue Konfliktlinie in Deutschland. Sie verläuft zwischen denen, die Mehrwert schaffen, und denen, die von diesem Mehrwert leben. Gleichzeitig gibt es Versuche, die deutsche Gesellschaft in zwei ungleichwertige Gruppen zu teilen, eine Gruppe, die mit negativen Attributen belegt wird, steuerflüchtig, egoistisch, männlich, reich, privat, eine Gruppe, die mit positiven Attributen belegt wird, sozial, caring, altruistisch, weiblich, nicht reich. Um beide Gruppen voneinander zu trennen und die Differenzierung zwischen beiden deutlich zu machen, wird mit Neid gearbeitet, so dass die erste Gruppe zur Gruppe der Beneideten wird und die zweite Gruppe zur Gruppe der Neider. Um den Neid nicht als miesen und kleinbürgerlichen Neid erscheinen zu lassen, wird er mit Gleichheitsfloskeln überlagert, die den Neidern suggerieren sollen, sie seien keine Neider, hätten vielmehr ein Anrecht auf das, was andere erwirtschaften, denn die sozialen Unterschiede, die Grundlage des Neids sind, sie seien ungerecht und nicht mit lauteren Mitteln zu Stande gekommen.

Den Mechanismus, den wir eben beschrieben haben, kann man mit einem derzeitigen Modewort als Hetze beschreiben, denn Hetze meint eigentlich Aufhetzen, also z.B. eine gesellschaftliche Gruppe gegen eine andere gesellschaftliche Gruppe aufbringen, wobei normalerweise mitschwingt, dass die Hetze grundlos und auf Basis von keinerlei Kriterien erfolgt. Entsprechend muss man Behauptungen, die geeignet sind, Menschen gegeneinander aufzubringen und die erfunden oder erlogen sind oder eine wissentlich falsche Darstellung oder wissentlich unvollständige Darstellung der Wirklichkeit darstellen, als Hetze bezeichnen. Dieses Verständnis liegt auch dem Paragraphen 130 StGB (Volksverhetzung) zu Grunde.

Gruene HetzeDie neuen Servicestellen der Krankenkassen sollten die Wartezeiten für Kassenpatienten auf einen Arzttermin verkürzen. Doch offenbar hat sich die Situation keineswegs verbessert. Ein Test der Bundesabgeordneten der Grünen Kordula Schulz-Asche ergab: Im Schnitt mussten gesetzliche Versicherte zum Beispiel in Hessen 38 Tage auf einen Arzttermin warten. Privatpatienten erhielten ihn bereits nach neun Tagen.”

Dieser Text findet sich im Fokus, er findet sich in der FAZ, der Frankfurter Rundschau usw. Die Meldung soll die Privatpatienten, also diejenigen, die von geneigter Seite mit den Attributen reich, privat, egoistisch, vermutlich mehrheitlich männlich und steuerflüchtig in Verbindung gebracht werden, gegen die sozialen, solidarischen in gesetzliche Krankenversicherungen gezwungene, vermutlich weibliche Nicht-Reichen in Stellung bringen. Erstere werden als Profiteure gesellschaftlicher Ungerechtigkeit, die von Ärzten bevorzugt werden, (die man ebenfalls der ersten Gruppe von Reichen, Privaten, Egoistischen und vermutlich Steuerflüchtigen zuordnen kann) dargestellt, Letztere werden als Opfer, Ausgebeutete, Arme stilisiert, als diejenigen, die man bei den Grünen gerne gegen die erste Gruppe aufbringen würde, was wiederum einen Leser von ScienceFiles so aufgebracht hat, dass er einen Beitrag geschrieben hat, in dem er die Informationen präsentiert, die die Grünen verschweigen oder nicht kennen, Informationen, die u.a. erklären, warum gesetzlich Versicherte auf einen Behandlungstermin warten müssen, während Privatpatienten das nicht (so lange) müssen. Die Ursache findet sich nicht in den Gründen, die die Grünen suggerieren wollen, sondern in dem Regelungssystem, das deutsche Regierungen unter Beteiligung nicht zuletzt der Grünen, Ärzten aufgezwungen haben. Insofern erlaubt es die folgende Darstellung von Hans Peter Hammer jedem ScienceFiles-Leser sich anhand der oben genannten Kriterien ein eigenes Urteil darüber zu bilden, ob wir es bei den Berichten in Focus, FAZ, Frankfurter Rundschau und anderen Zeitungen mit einer Verbreitung von grüner Hetze zu tun haben oder nicht.

Die Grünen haben eine „Erhebung“ gemacht und dabei herausgefunden, dass Kassenpatienten im Schnitt 27 Tage länger auf einen Termin warten müssen als Privatpatienten. Und natürlich schieben sie das auf eine 2-Klassenmedizin und die Medien (z.B. Welt, RP, Focus, etc.) tröten ins gleiche Horn!
Die Ärzte sind ja so böse!
Traurig daran ist, dass die Grünen eigentlich die gesetzlichen Grundlagen der GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) kennen müssten! Wenn nicht, ist das tatsächlich nicht nur traurig, sondern schon bedenklich für eine im Bundestag – nicht erst seit gestern – vertretene Partei.

Ebensolches gilt für die Medien. Auch die sollten entweder die gesetzlichen Hintergründe kennen, oder wenigstens etwas recherchieren, bevor sie ungeprüft dummes Zeug weiterverbreiten. So ist das tatsächlich ein Beleg für manipulative Berichterstattung (oder Faulheit!?), um nicht zu sagen: „Lügenpresse“

Was die Grünen, bzw. die Presse nämlich (wohlweislich) nicht erwähnen, ist ein wesentlicher Unterschied zwischen gesetzlichen und Privatpatienten für die Praxen: Für gesetzlich Versicherte gibt es für jede Praxis (Ausnahme Zahnärzte, bei denen wird das Gleiche über z.B. den „Honorarverteilungsmaßstab“ geregelt) ein sogenanntes RLV (Regelleistungsvolumen). Das RLV legt – unter Zuhilfenahme vorheriger Abrechnungszahlen, den Abrechnungszahlen der umliegenden Kollegen gleicher Fachrichtung, den Fallpauschalen und dem zur Verfügung stehenden Gesamtbudget der Kassen – fest wie viel ein Arzt im Quartal abrechnen darf. Es ist, salopp gesagt, ein Praxisbudget. Aus dem RLV ergibt sich somit auch wie viele GKV-Patienten ein Arzt im Quartal behandeln darf, ohne dass ihm sein Honorar gekürzt wird!

Ein Beispiel zum Verständnis: Ergibt sich aus dem RLV, dass die Praxis im Quartal 1500 GKV-Patienten behandeln darf, bekommt der Arzt für diese 1500 Patienten das volle Honorar. (Zumindest ist das so gedacht, ob es so eintrifft ist eine ganz andere, und zu häufig durchaus offene, und manchmal erst nach mehreren Jahren endgültig geklärte Frage.) Für die Patienten 1501 – 1700 erhält der Arzt dann nur noch 80%, für die Patienten 1701- 1800: 70%, für die Patienten 1801-1900: 60%, für die Patienten 1901-2000 noch 50% der Behandlungskosten erstatten., bis er am Ende Nichts mehr bekommt, das heißt umsonst arbeitet!

Bis zu dem Punkt an dem die Honorierung nicht mal mehr die Praxiskosten deckt, kann der Arzt das Spiel eventuell mitmachen, aber spätestens ab diesem Zeitpunkt ist Schluss mit lustig, ab da müsste er nämlich die Behandlung seiner Patienten aus eigener Tasche bezahlen. Daraus ergibt sich, dass es für begrenzte Bezahlung auch nur begrenzte Patientenversorgung und damit auch nur eine begrenzte Zahl an Terminen gibt.

Ergo: RLV heißt begrenzte Zahl von Terminen, heißt Wartezeiten!

Und hier liegt die Ursache des Problems, nicht bei einer angeblichen Bevorzugung von Privatpatienten. Das ist völliger Quatsch!

Über 90% der Patienten sind gesetzlich versichert und nur für die gilt das RLV! Nur rund 10% der Patienten sind Privatversicherte, die a) erwiesenermaßen seltener zum Arzt gehen als gesetzlich Versicherte, und b) zum Teil nur Privatärzte aufsuchen, also gar nicht von Vertragsärzten behandelt werden und entsprechend auch gar keine Termine bei Vertragsärzten in Anspruch nehmen.

Selbst wenn alle Privatversicherten genauso häufig zum Arzt gingen wie die gesetzlich Versicherten, würde das für die Wartezeiten Letzterer höchstens Minuten bedeuten. Ein Arzt wird die Termine die sich aus seinem RLV ergeben möglichst gleichmäßig auf das gesamte Quartal (außer er macht Urlaub) verteilen, allein schon, um eine gleichmäßige Auslastung zu haben und nicht im letzten Monat des Quartals seine Mitarbeiter herumsitzen zu haben, oder in „RLV-ausgereizt-Urlaub“ schicken zu müssen, das kostet nämlich sein Geld. (Das hatten wir schon mal und hieß da „Budgetferien“ und löste einen ungeheuren Shitstorm aus, was schon damals die Falschen traf, statt der Verantwortlichen in Politik und Kassen!)

Folglich gibt es zwischen den „RLV-Terminen“ durchaus die Gelegenheit Privatversicherte „dazwischen zu schieben“, oder halt auch mal außerhalb der regulären Behandlungszeiten zu behandeln, da diese sein RLV nicht belasten. Der Irrtum besteht darin zu glauben diese Termine stünden ansonsten den gesetzlich Versicherten zur Verfügung, die Privatversicherten würden vorgezogen und nähmen den GKV-Patienten die Termine weg.

Das ist falsch!

Gäbe es keine Privatversicherten, nicht ein einziger gesetzlich Versicherter käme früher zum Zug. Aber genau das wollen uns Grüne und Medien glauben machen.

Und ich bin mir sicher, sie wissen, dass das eine Lüge ist!

Dazu muss man wissen, dass nach deutschem Kassenrecht nur Vertragsärzte (früher: Kassenärzte, also Ärzte mit Kassenzulassung) die Behandlung gesetzlich Versicherter über die Kassenärztlichen/Kassenzahnärztlichen Vereinigungen mit den Krankenkassen abrechnen dürfen und die Krankenkassen auch nur an Vertragsärzte zahlen dürfen (Ausnahme. Notfall!). Der Vertragsarzt muss sich an die Richtlinien und Vorgaben der Krankenkassen welche Behandlung wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig ist, halten.

Das war früher durchaus interessant, da es einen sicheren monatlichen Zahlungseingang bedeutete. Heute, nachdem Honorare vielfach gekürzt wurden, die Bürokratie überhand nimmt, Politik und Medien fortwährend auf die Ärzte einschlagen, nicht mehr der Patient und seine Krankheit, sondern die Frage wie viel das die Kassen kostet und ob man sich als Arzt die Behandlung noch leisten kann, im Mittelpunkt steht, spielt so mancher Arzt jedoch mit dem Gedanken die Kassenzulassung zurückgeben. (Was auch nicht so einfach ist, denn es gibt da den Paragraphen 95b im Sozialgesetzbuch V, genannt „Seehofers Rache“! Ein Vertragsarzt der seine Zulassung „… in einem mit anderen Ärzten aufeinander abgestimmten Verfahren oder Verhalten ..“ und sei es auch nur angenommen, zurückgibt, wird mit verschiedenen Maßnahmen bestraft. Es lohnt sich den Paragraphen 95b des Fünften Sozialgesetzbuches zu lesen und zu überlegen, ob er mit dem Grundgesetz vereinbar ist?)

Lässt sich ein gesetzlich Versicherter (was er natürlich darf) von einem Privatarzt behandeln muss er die Kosten selbst tragen und bekommt im Regelfall von den Kassen keinen Cent!

Nun könnte man auf die Idee kommen das Problem durch mehr Ärzte zu lösen, was funktionieren könnte, gäbe es da nicht die Zulassungsbeschränkungen!

Nach KV/KZV [Kassenärztliche/Kassenzahnärztliche Vereinigung] verschieden – und auch innerhalb der KV Gebiete noch unterschiedlich – gibt es Kennzahlen wie viele (Vertrags-)Ärzte welcher Fachrichtungen tätig sein dürfen. Wird die Kennzahl um eine bestimmte Höhe überschritten wird der Bereich „zulassungsgesperrt“, das heißt es darf sich kein weiterer (Vertrags-)Arzt der Fachrichtung für die die Sperre gilt, in dem Gebiet- für das die Sperre gilt, niederlassen!

Das war früher auch im Interesse der Ärzteschaft um ruinösen Wettbewerb zu verhindern. Inzwischen ist es aber ein Mittel der Politik und Kassen um die Gesundheitsausgaben zu begrenzen, das die Terminproblematik verschärft.

Wie man deutlich sieht, wird mal wieder auf die Falschen eingeschlagen.

Es sind NICHT die Ärzte die das Problem verursacht haben, es ist die Politik – und ihres Zeichen eine bestimmte ehemalige Bundesgesundheitsministerin, Ulla „Das-steht-mir-doch-zu“ Schmidt, die dafür verantwortlich zeichnet.

Die Ärzte halten sich lediglich an das was ihnen Politik und Kassen vorschreiben.

Aber seit Ehrenberg ist es immer dasselbe: Die Politik entdeckt etwas was sie meint regeln zu müssen, hört NIE auf die warnenden Stimmen (besonders der Ärzte, die jedes Mal das Scheitern begründet vorhersagten) und wenn es dann mal wieder in die Hose geht, sind die Ärzte schuld. Was dann wiederum zum Anlass genommen wird, um die nächste Sau durchs Dorf zu treiben und den Ärzten die Daumenschrauben anzuziehen.

Wie sagte Prof. Schnauz es in der „Feuerzangenbowle“ so treffend: „Bäh! Wat habt ihr für ‘ne fiese Charakter!“

Nun noch einmal die Frage: Betreiben die Grünen mit Unterstützung der so genannten Qualitätsmedien gerade Hetze gegen Ärzte und Privatpatienten?


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13 Responses to Grüne Hetze?

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Grüne Hetze?

  2. Seit der Österreichwahl bin ich der Überzeugung, die wahre Konfliktlinie liegt nicht zwischen Steuerzahlern und – empfängern, sondern vielmehr zwischen (vor allem in Krisensituationen) eher emotional Entscheidenden (Frauen) und eher rationalen Entscheidern (Männern). Der Graben zwischen Männern und Frauen war nämlich tiefer als der zwischen Arbeitern und Nichtarbeitern (darunter genügend Akademiker). Der linksgrünen Propaganda ist das mE völlig bewusst und zielt daher eher ab auf die Emotionalisierung (Wut, Hass) als auf das rationale Wohlstandsgefälle (Neid, Missgunst) zwischen privat und öffentlich organisierten Versicherten hinzuweisen.

    Ein Mittel dagegen gibt es für eher rational orientierte Menschen nicht, es sei denn sie schlucken den Klos runter, begeben sich auf die emotionale Ebene und manipulieren fröhlich mit, um die Frauen egal bei welchem Thema in ihrer Grundemotion von fröhlich auf skeptisch umzubiegen. Ich bin mir sicher, damit (reisserischer Populismus) würde man – momentan jedenfalls – alle Wahlen gewinnen. Denn die Männer kann man, vor allem in einer kriselnden Situation, die jeder zu bemerken beginnt, mit guten Ordnungspolitik- und Geldbeutelargumenten ohnehin gewinnen. Wer dann noch die extra Portion Gefühl mit reinlegt, der kann vom Gewinnen nicht mehr abgehalten werden.

    Darin liegt vermutlich die eigentliche Angst v.a. der Sozen (aber mittlerweile auch allgemein der Elite), die emotional so sehr in der Defensive sind, dass sie nur noch mit extremen Emotionalisierungen die Gemüter auf ihrer Seite halten können. Vor ein paar Tagen wurde ja auch ein würdiger Nachfolger von Aylan Kurdi aus dem Meer gezogen.

    Was mir persönlich Angst macht bei der Aussicht mit Emotionalisierung zu gewinnen ist, dass auch Männer nicht immun sind gegenüber Bildern wie dem eben genannten. Auch ich musste kurz schlucken als ich das Bild das erste Mal sah und so geht es vielen. Ich frage mich, was passieren würde, wenn nicht mehr nur Linke und Grüne effektvoll Emotionen steuern, sondern das auch von rechter Seite kommt (oder gar mal liberaler..)?

    Ich fürchte, es würde dann selbst im eher trägen Deutschland recht schnell zu einem Überkochen in der Gesellschaft kommen: Frauen, die ihre Grundstimmung ändern plus Männer, die rational bereits auf der Protestseite stehen, dann aber noch zusätzlich in ihrer Haltung emotional aufgeladen werden. Das sind die Zutaten für eine Katastrophe (oder um Jakob, den Dümmeren zu zitieren, es gäbe einen “Riss in der Firnis der Zivilisation”). Dass wir das können haben wir ja schonmal bewiesen.

    In den kommenden Monaten wird es sehr schwer werden für die systemkritische Seite einerseits die emotionale Seite anzusprechen, was sie müssen, um im Geschäft dagegenhalten zu können, ohne andererseits die Lunte vollends zum brennen zu bringen, die ja bereits lodert und damit womöglich eine nicht mehr kontrollierbare Dynamik zu schaffen.

    Was die Situation im Gesundheitsbereich betrifft, so würde ich folgendes empfehlen: Natürlich geht es privatversicherten Menschen besser, aber ist es nicht schrecklich, dass viele in der gesetzlichen Versicherung bleiben müssen während andere die bessere private Versicherung geniessen dürfen? Es ist nicht fair, dass sie leiden müssen, weil es gesetzlich so vorgeschrieben ist! Die Zweiklassenmedizin muss beendet werden! Daher fordern wir, alle Versicherten sollten endlich in die erste Klasse gelassen werden und sich privat versichern dürfen! Für mehr Gesundheitsgerechtigkeit! Vinceremus! (oder so)

    Ich wette, das würde funktionieren. Details und Wahrheit haben noch nie wirklich gestört beim Herstellen eines einfachen, emotional positiv besetzten Narrativs.

  3. vogelflug says:

    Interessanter Artikel!
    Das wusste ich auch alles nicht so genau; wieder was gelernt!

    Danke!

  4. alacran says:

    Sehr ausführlich und richtig dargestellt! Das wäre eigentlich die Aufgabe kritischer und ehrlicher Journalisten! Stattdessen wird im Mainstream weggelassen, verdreht und manipuliert, und dann räsoniert man über pauschale Verunglimpfung der Medien durch das Publikum!

  5. Bei diesem Thema möchte ich nochmal an:
    http://thumulla.com/home/der_dritte_weg_ein_solidarpakt.html
    http://thumulla.com/sozialpakt/Sozialpakt.html
    http://thumulla.com/sozialpakt/Sozialpaktindex.html
    erinnern.
    Es ist für diejenigen, die sich mal grundlegende Gedanken zu dem Problem machen möchten.
    eMail dazu ist willkommen; Carsten@Thumulla.com

    Carsten

    “Die Soziologie ist zu einem Misthaufen geworden, in dem jegliche Qualitätsanforderungen weggefallen sind, die völlige Politisierung als normal angesehen, wissenschaftliche Grundregeln über Bord geworfen und beliebiges Geschwätz zum Standard gemacht wurden. Wenn Feminismus der Schimmelpilz ist, dann ist die Soziologie der Nährboden dafür.”
    Hadmut Danisch

  6. Jürg Rückert says:

    Ein befreundeter Arzt sagte mir, er habe sich das neue Sonographiegerät, das allen Patienten zugute kommt, nur leisten können aufgrund der höheren Honorare seiner Privatpatienten!
    Das Sprichwort „haltet den Dieb“ müsste noch öfters zitiert werden als das Märchen von des Kaisers neuen Kleider: Jene, die am häufigsten vor einer Spaltung der Gesellschaft warnen, sind die schlimmsten Spalter.

  7. Heiner says:

    Zu den neu geschaffenen “Terminservicestellen” hat sich kürzlich die KV Berlin wie folgt geäußert:

    https://www.kvberlin.de/40presse/10pressemitteilung/pe160504.html

    Seit Schaffung dieser bürokratisch gewollten Stellen wurde noch kein Termin bei mir über diese Stelle vergeben.

    Die im Beitrag genannte Abstaffelung bei der Berechnung des RLV wurde durch das Gesundheitsministerium vorgegeben.

    Ausflug in die Geschichte: Die KV gibt es seit Ende der 20er Jahre. Damals “schnappten” sich die Ärzte gegenseitig die Patienten auf der Schwelle weg. Die Patienten bekamen damals eine Rechnung und gingen zur Kasse, die diese dann auszahlte.

    Um die Versorgung sicher zustellen, wurden die KVen geschaffen.

    Nach dem Krieg hatten dann die Kven die Aufgabe, mit den Kassen über die Honorare zu verhandeln und die Gelder halbwegs gerecht auf die einzelnen Ärzte zu verteilen.

    Man könnte so eine KV also etwa mit einer Gewerkschaft vergleichen, die mit der Firma über die Löhne verhandelt. Im Gegensatz zur Gewerkschaft ist eine KV aber dem jeweiligen Gesundheitsministerium weisungsgebunden unterstellt. Da möchte ich mal die IG Metall sehen, wenn denen der Siggi-Pop in die Tarifverhandlungen reinmurkst.

    Ich vergleiche die Abstaffelungen immer mit den Autofirmen: Mercedes bringt ein Auto raus. Das kostet 50.000 Euro, davon darf Mercedes nach Wirtschaftsministerweisung nur 10.000 für diesen Preis verkaufen, dann müssen sie die billiger abgeben. Der Wirtschaftsminister wäre innert Sekunden nicht mehr Minister. Beim Gesundheitswesen geht das.

    Neueste Aktion: Die Privatleistungen sollen neu berechnet werden (GOÄ – Gebührenordnung für Ärzte). Allen voran verhandelt der SPD Mann Montgomery, als Präsident der Bundesärztekammer. Er kommt vom Marburger Bund, der vorwiegend die angestellten Ärzte vertritt. Die halten auch die Mehrheit beim Ärztetag. Womit ihnen so ziemlich egal ist, was da an GOÄ verhandelt wird und sie alles durchwinken, was Montgomery so einbringt, als Angestellter bekomme ich ja Festgehalt und stelle keine Privatrechnung.
    Komischerweise sitzen dann noch neben den Vertretern der Privatkassen noch Gesundheitsministeriale am Tisch, weil die Beihilfe für Beamte ja nach der GOÄ bezahlt wird.

    Die Gebührenordnungen für Rechtsanwälte wurden von Anwälten beschlossen und damit hatte es sich. Soweit mir bekannt sprach da kein Vertreter einer Rechtsschutzversicherung rein.

    Mittlerweile will Montgomery da noch eine neue Dauerkommission durchdrücken mit Regierungsvertretern und Leuten der Bundesärztekammer. Damit will man dann klammheimlich die GOÄ für Privatpatienten dem EBM für Kassenpatienten angleichen und so die Bürgerversicherung durchwinken.

  8. Dirk says:

    Ich verstehe den Text zwar (ich bin selbst in eine GKV beschäftigt) aber er hat m. E. mit dem geschilderten Problem nichts zu tun. Sich um die kürzeren Facharzttermine zu kümmern ist per Gesetz Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen. Und wenn sich nach Einführung der entsprechenden Paragraphen ins SGB (übrigens von der GroKo) nach Erkenntnis der Grünen nichts getan hat, dann sind ausnahmsweise mal nicht die Grünen Schuld, sondern die gesetzlichen Krankenkassen und deren zuständige Aufsichtsbehörden, weil sie offensichtlich nicht gewillt und/oder in der Lage sind Gesetze einzuhalten bzw. umzusetzen. Was ich allerdings in diesem Fall auch wieder verstehen kann, denn mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds hat’s ja für neue – insbesondere verwaltungsintensive – Aufgaben noch nie gegeben.

  9. Spröde Kost für Nicht-Durchblicker – aber wichtig und richtig, Sachzwänge und ihre Auswirkungen besser zu verstehen…Viell. öffnet das dem einen oder anderen die Augen über die Perfidie dieses System, unter dem die 120.000 Kassenarzt-Knechte in D leiden – und mit ihnen zwangsläufig ihre Patienten…
    Ich, wir haben Ihren Artikel gerne in unserer öff. Facebook-Gruppe #fjm_berufspolitik verlinkt und werden ihn weiter verbreiten. Erste pos. Resonanzen von Kollegen zu Ihrer Sachkenntnis. Merci!
    Ich werde Ihre weiteren Veröffentlichungen interessiert im Auge behalten.
    Aufgefallen war mir Ihr Blog schon durch mehrfache Links in der #simplynews – Gruppe des Journalisten B. Guzek. MfG, CH

  10. Pingback: Meldungen vom 5. Juni 2016 - Opposition 24

  11. isd says:

    Genau beobachtet – klasse. genauso sieht es doch aus – ABSCHREIBEN nicht Reflektieren und bloss nicht kritisch hinterfragen, da sonst der Werbepartner abspringen könnte, was konträr zum privaten Eigner des Verlages,wäre… und Poltik hängt auch mit ihrer Pöstchensicherung Altdgedienter mit drinnen.

  12. Gibuld says:

    Habe mit den Grünen nun wirklich nichts am Hut, aber wie sich hier die Privatversicherten mal wieder die Welt schönreden wollen geht mir auf den Senkel.
    Es wird im Beitrag so getan, als ergäbe sich durch die RLV eine feste Größe von 1500 Patienten pro Quartal und danach ginge es eben für alle Praxen ans Eingemachte und die Wartezeiten für GKV sind eben nur ein Selbstschutz der Ärzte und unvermeidlich.

    1. Bemessen sich die RLV-Werte einer Praxis an den Fallzahlen des Quartals im Vorjahr.
    Wenn es also nicht zu einem plötzlichen starken Anstieg von Patienten kommt, braucht kein Arzt seine GKV-Patienten auf die lange Bank zu schieben.

    2. Die verbreitete 4-wöchige Wartezeit fü GKV beim Facharzt hat System und soll nur GKV-Patienten fernhalten. Wenn nicht das beabsichtigt wäre, würden sich die Wartezeiten flexibel, je nach Auftragslage gestalten und wären nicht so eisern auf 4 Wochen fixiert.

    3. Woher kommen denn überhaupt die ganzen Einschränkungen für die GKV-Versicherten ?
    Weil sich in der GKV das ganze geringverdienende und kinderreiche Prekariat versammelt, das sich die PKVen erfolgreich vom Leibe halten.
    Was sich sonst noch an Sauereien zu Lasten der GKV so alles abspielt:
    – Arbeitslose PKV-Mitglieder fallen zurück in die Solidargemeinschaft der GKV.
    Ich kenne selbst Fälle, wo man sich je nach Arbeitssituation mal billig in der PKV versichert oder der GKV zur Last fällt und mehrmals hin-und herwechselt.

    – Die ganzen Betrügereien von PKV-Mitgliedern mit GKV-Karten anderer, nur um seinen Bonus zu behalten.

    – Der öffentlich finanzierte Angehörigen-Zuschuss von Beamten-Angehörigen, wodurch deren PKV ziemlich preiswert wird selbst wenn man Bestverdiener ist.

    • Es wird im Beitrag so getan, als ergäbe sich durch die RLV eine feste Größe von 1500 Patienten pro Quartal und danach ginge es eben für alle Praxen ans Eingemachte und die Wartezeiten für GKV sind eben nur ein Selbstschutz der Ärzte und unvermeidlich.

      Wenn Sie das so verstanden haben, dann fürchte ich, müssen Sie den Beitrag noch einmal lesen, um ihn richtig zu verstehen. Ich kenne Fälle von GKV-Versicherten, die grundlos in Wartezimmern herumsitzen und die Wartezeit für andere, aufgrund ihrer Einbildung verlängern. Und nun? Welche Bekannten sind nun aussagekräftiger? Ihre oder meine?

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