Medienpropaganda und die Pervertierung von Wissenschaft (nicht nur durch Journalisten):

Ein Beispiel mit Bezug auf den Zusammenhang zwischen Homosexualität und Selbstmordgefährdung

Wir alle glauben es zu wissen: Die Medien, besonders die so genannten Alten Medien, erfüllen schon lange nicht mehr die Funktion, Menschen möglichst korrekt zu informieren, sondern stehen im Dienst der Manipulation oder gar der systematischen Propaganda für die (Um-/)Erziehung, die diejenigen, die derzeit politische Ämter besetzen, ihren Bürgern gerne angedeihen lassen würden, um die gesellschaftliche Utopie zu erreichen, die ihnen vorschwebt. Wenn diese Vermutung mehr sein soll als eine Verschwörungstheorie, die der psychologischen Hygiene dient insofern als man alles Missliebige, was man in den Medien zu hören oder zu lesen bekommt, als Manipulationsversuch oder schlichte Lüge abtun kann, dann kommt man nicht umhin, empirische Belege für die Existenz solcher Manipulationsversuche in den Medien  zu bringen.

ManipulationstechnikenIrrtümliche Berichterstattung oder die Verbreitung falscher Informationen aufgrund schlechter Recherche hat es wohl immer gegeben. Wenn man sich in den Medien aber auf wissenschaftliche Studien beruft, die man nicht eingesehen oder nicht verstanden hat, und behauptet, diese Studien hätten just gezeigt, was zu bestimmten Partei- oder Regierungsideologien bzw. –politiken passt, dann darf man wohl davon ausgehen, dass es sich hier um echte Täuschungsversuche handelt, die eigentlich den Tatbestand des Betrugs erfüllen.

Ein Beispiel hierfür ist der Missbrauch einer wissenschaftlichen Studie über den Zusammenhang von Homosexualität und Suizidgefährung, die im Februar 2013 in den deutschsprachigen Printmedien die Runde gemacht hat und vielleicht (und u.a.) dafür verantwortlich ist, dass es eine Menge Leute gibt, die meinen, sie seien über diesen Zusammenhang unterrichtet und könnten sich deshalb über ihn äußern – wie dies gerade in der Petitionenschlacht im Zusammenhang mit dem Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg der Fall ist.

Unser Beispiel-Text stammt aus dem schweizerischen Tagesanzeiger vom 22.02.2013, dessen Wortlaut wir hier wiedergeben:

„Junge Schwule sind häufiger suizidgefährdet

Gemäss einer neuen Studie hat jeder fünfte Homosexuelle einen Suizidversuch hinter sich. Besonders gefährdet sind junge Homosexuelle zum Zeitpunkt des Coming Out.“

“Junge Homosexuelle sind eine Risikogruppe für Suizid: Jeder Fünfte hat bereits einmal versucht, sich das Leben zu nehmen, zeigt eine Analyse der Universität Zürich und der Vereinigung Dialogai. Letztere fordert mehr Aufklärung zur sexuellen Orientierung in den Schulen.

Die Analyse untersuchte Daten von drei Studien aus dem Jahr 2002 zur Gesundheit von Jugendlichen allgemein, Rekruten und Homosexuellen. Sie zeigt, dass die Hälfte der Suizidversuche noch vor dem zwanzigsten Lebensjahr verübt werden. Sie geschähen häufig zum Zeitpunkt des Coming Out, wenn die sexuelle Orientierung publik gemacht werde, sagte Mitautor Jen Wang von der Universität Zürich vor der Presse.

Sexuelle Orientierung nicht systematisch erhoben

Einer von drei jungen Schwulen mit Suizidgedanken versucht demnach, sich das Leben zu nehmen. Bei den Heterosexuellen sei es nur einer von 34, fügt Wang hinzu. Der Wissenschaftler bemängelt, dass in Studien zur öffentlichen Gesundheit in der Schweiz nicht systematisch nach der sexuellen Orientierung gefragt werde, wie dies in den USA und Grossbritannien der Fall sei.

«Sich selbst als Homosexuellen zu akzeptieren, erzeugt eine enorme Spannung, die im Moment des «Coming Out» verstärkt wird: Die Angst, zu missfallen und von seinen Nächsten abgelehnt zu werden, können jemanden zum Suizid verleiten», erklärte Michael Häusermann von Dialogai.

Risiko bleibt auch später

Das erhöhte Suizid-Risiko verschwindet nicht mit der Zeit. Gemäss der Studie bleibt es bei Homosexuellen oder Bisexuellen höheren Alters genauso hoch.

Die Vereinigung hält es für unerlässlich, die sexuelle Vielfalt bereits in den Schulen zu thematisieren. Homo- und bisexuelle Beziehungen seien dabei als gleichwertige Lebensformen darzustellen wie heterosexuelle. Pilotprojekte in den Kantonen Genf und Waadt in diese Richtung seien ermutigend. Sie müssten in der ganzen Schweiz gefördert und ausgebaut werden, sagte Häusermann.

Die drei analysierten Studien sind die Smash-Studie zur Gesundheit von Jugendlichen in der Schweiz, CH-X, eine eidgenössische Befragung von Rekruten zu Gesundheitsfragen, und die Gesundheitbefragung schwuler Männer in Genf. Gemäss Wang ist die Schweiz Pionierin in Europa, indem sie sich bereits Anfang der Nullerjahre mit diesen Fragen beschäftigt hat.

Die Studie ist im Fachblatt «Journal of Psychiatric Research» erschienen.(mw/sda)

JPsyResWir haben uns auf die Suche nach der „Analyse der Universität Zürich und der Vereinigung Dialogai“ gemacht, die „im Fachblatt «Journal of Psychiatric Research» erschienen“ ist, und mit Erleichterung haben wir festgestellt dass es sie tatsächlich gibt: Es handelt sich um eine Studie von Jen Wang, Michael Häusermann, Hans Wydler, Meichun Mohler-Kuo und  Mitchell G. Weiss aus dem Jahr 2012 mit dem Titel „Suicidality and Sexual Orientation Among Men in Switzerland: Findings from 3 Probability Surveys“, und erschienen ist die Studie in Band 46, Heft 8 des Journal of Psychiatric Research.

Vergleicht man die Darstellung im Tagesanzeiger mit dem Inhalt der Studie, dann stellt man allerhand Fragwürdigkeiten und Falschheiten in der Darstellung im Tagesanzeiger fest.

Sie beginnen bereits mit der Überschrift: „Junge Schwule sind häufiger suizidgefährdet“ wirft die Frage auf: häufiger als wer?, denn „häufiger“ ist ein zweistelliger Funktor, der als solcher ohne Aussage ist, wenn nicht angegeben wird, wer mit wem verglichen wird. Der Folgetext im Tagesanzeiger bringt hier keine Klärung. Man kann plausiblerweise vermuten, dass es hier um den Vergleich junger Schwuler mit jungen Nicht-Schwulen geht, aber geschrieben wird das im Tagesanzeiger nirgendwo. Ließe sich das an den Daten in der Studie ablesen?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man wissen, dass in der Studie insgesamt drei verschiedene Stichproben berücksichtigt und ausgewertet wurden, nämlich Daten des ersten Geneva Gay Men’s Health Survey (GGMHS) aus dem Jahr 2002, des Swiss Multicenter Adolescent Survey on Helath (SMASH) aus demselben Jahr und des zweiten Schweizerischen Rekruten-Survey (Swiss Recruit Survey; ch-x) aus 2002/2003 (Wang et al 2012: 981/982). Im ersten Geneva Gay Men’s Health Survey (GGMHS) sind überhaupt keine heterosexuellen Männer vertreten, weshalb sich ein Vergleich der Suizidgefährdung von Homo- und Heterosexuellen logischerweise nicht auf die Daten aus dem GGMHS beziehen kann.

Bleiben noch die beiden anderen Stichproben. Und wenn man sie betrachtet, kann man tatsächlich in der Studie die Ergebnisse finden, die mit der Aussage in Einklang stehen, sie aber in der Allgemeinheit  („Junge Schwule …“) nicht rechtfertigen, denn in diesen beiden Stichproben haben sich nur jeweils relativ wenige Befragte als Nicht-Heterosexuelle identifiziert, nämlich jeweils 1,6 Prozent der Befragten (Wang et al. 2012: 982), und wenn man unter diesen Befragten diejenigen betrachtet, die von Selbstmordgedanken, -plänen oder –versuchen berichten, dann ist deren Zahl noch kleiner. Wie viele genau das sind, ist der Studie nicht direkt zu entnehmen, die durchgängig mit der Angabe prozentualer Anteile arbeitet.

Voodoo ScienceWarum sie das tut, wird verständlich, wenn man die absoluten Anzahlen auf der Basis der von den Autoren mitgeteilten prozentualen Anteile errechnet: Dann zeigt sich, dass neun von 64 der homo- oder bisexuellen Männer im Alter von 16 bis 20 Jahren im SMASH irgendwann in ihrem noch kurzen Leben nach eigener Angabe einen Selbstmordversuch gemacht haben, und 15 der 296 homo- oder bisexuellen Männer im Alter von 16 bis 20 Jahren im ch-x. Diese wenigen Befragten werden jeweils mit denjenigen Befragten verglichen, die in derselben Altersklasse, aber heterosexuell sind, und heraus kommt tatsächlich, dass heterosexuelle junge Männer im Alter von 16 bis 20 Jahren zu geringeren prozentualen Anteilen irgendwann in ihrem Leben einen Selbstmordversuch gemacht haben. (Mit Bezug auf Selbstmordversuche in den vergangenen 12 Monaten verringern sich diese Fallzahlen noch mehr; so haben nur zwei der Homo-/Bisexuellen im SMASH angegeben, sie hätten in den vergangenen 12 Monaten einen Selbstmordversuch gemacht, im ch-x trifft dies wohl auf keinen der Homo-/Bisexuellen zu, was die Autoren in der Studie unter dem „NA“ für „not available“ versteckt haben, was wiederum normalerweise für fehlende Daten steht, aber nicht für die Tatsache, dass kein Befragte/r in die entsprechende Kategorie fällt.

Nun kann man sagen, dass Selbstmordversuche die harte Form der Suizidgefährdung darstellen. Für die Frage nach Suizidplänen sieht das Bild aber noch düsterer aus: Hier sind fast nur „NA“s angegeben, und selbst bei Suizidgedanken als weichem Indikator für Suizidgefährdung sind die Fallzahlen dort, wo kein „NA“ steht, sehr gering: So stehen hinter den 29,2 Prozent homo-/bisexueller junger Männer aus dem SMASH, die in den vergangenen 12 Monaten Suizidgedanken hatten, 19 Befragte.

Wenn der Tagesanzeiger also titelt „Junge Schwule sind häufiger suizidgefährdet“ (als junge Heterosexuelle), dann kann man das aufgrund der Studienergebnisse mit viel gutem Willen zwar nachvollziehen, d.h. es ist nicht direkt falsch, aber völlig irreführend, wenn man sich vergegenwärtigt, wie gering die Fallzahlen sind, auf denen der Vergleich in der Studie basiert.

Die Aussage, nach der „[j]eder fünfte Homosexuelle einen Suizidversuch hinter sich“ hat, ist ebenfalls nachvollziehbar, aber so nicht zutreffend: Erstens handelt es sich um Homosexuelle in einem bestimmten Datensatz, nämlich dem GGMHS, zweitens würde „jeder fünfte“ 20 Prozent entsprechen, aber die entsprechende Angabe in der Studie lautet 18,6 Prozent, und drittens müsste es korrekt heißen: 18,6 Prozent der im Rahmen des GGMHS befragten homosexuellen Männer haben angegeben, irgendwann in ihrem Leben einmal einen Selbstmordversuch gemacht zu haben; die entsprechenden Selbstmordversuche sind nicht auf irgendeine Weise zu objektivieren versucht worden.

Wenn der Text fortfährt: „Junge Homosexuelle sind eine Risikogruppe für Suizid: Jeder Fünfte hat bereits einmal versucht, sich das Leben zu nehmen“, dann werden die beiden oben berichteten Befunde unzulässig kombiniert, so dass die Aussage einfach falsch ist. Nirgendwo wird für „junge Homosexuelle“, also gemäß der Logik der Studie für Homosexuelle von 16 bis 20 Jahren, ein Prozentsatz von 20 Prozent (oder etwas weniger) ausgewiesen, die im Verlauf ihres Lebens einen Selbstmordversuch gemacht hätten (und selbst wenn das so wäre, wäre das Ergebnis aufgrund der niedrigen Fallzahlen von Homosexuellen mit  Selbstmordversuchen nicht aussagekräftig).

Wenn im Bericht des Tagesanzeigers suggeriert werden soll, dass diese Daten die Grundlage dafür sein könnten, dass die Vereinigung Dialogai „mehr Aufklärung zur sexuellen Orientierung in den Schulen“ fordere, dann grenzt dies an das Lächerliche oder ist tatsächlich böse Täuschungsabsicht (was einem das Lachen im Hals stecken bleiben ließe).

Die Aussage, dass die Suizidversuche vor dem 20. Lebensjahr „häufig zum Zeitpunkt des Coming Out [geschähen], wenn die sexuelle Orientierung publik gemacht werde“, mag einer der Autoren der Studie, Jen Wang, zwar „vor der Presse“ tatsächlich geäußert haben. Dann stellt sich aber die Frage, wie sich diese Äußerung zu dem verhält, was in der Studie steht, nämlich: „Given the stigmatization of homosexuality, men do not always report homosexual attraction or activity until they have largely completed the process of coming to terms with a stigmatized identity. The median age for initial disclosure of homosexual orientation in GGMHS is 21 years which means that less than half of the men in the 16-20 year age group have reached that point” (Wang et al 2012: 984).

median_mean_modeGemäß des GGMHS liegt der  Median des Coming outs bei 21 Jahren, also nicht vor dem 20. Lebensjahr, und deshalb können Suizidversuche, -pläne oder –gedanken, wenn sie so häufig vor dem 20. Lebensjahr zu beobachten sind, auch nicht auf das Coming Out zurückgeführt werden, ganz davon abgesehen, dass auch dann, wenn die Zahlenwerte andere wären, dennoch nur eine Korrelation und keine Kausalität auf der Grundlage der Daten behauptet werden könnte. (Allerdings wundert man sich einigermaßen darüber, dass die Autoren hier den Median als Lagemaß angegeben haben; der Median gibt an, bei welchem Wert die beobachtete Verteilung in zwei gleich große Hälften geteilt wird, hier: bei 21 Jahren, und es bleibt unklar, warum nicht der Modus als der Wert, der in einer Verteilung der häufigste ist, oder der Mittelwert, also der Durchschnittswert des Alters des Coming Out angegeben sind.)

Weil außerdem sowohl die Erhebung von Homosexualität und Bisexualität als auch die Messung der Suizidgefährdung in den drei verschiedenen Datensätzen, die von den Autoren benutzt werden, unterschiedlich ist, und weil jede der drei Stichproben eine spezifisch selegierte Stichprobe ist, lassen sich die Stichproben kaum aufeinander beziehen, so dass wir uns hier im wundersamen Reich der Kaffeesatz-Leserei befinden.

Jedenfalls kann die Behauptung, dass Suizidversuche vor dem 20. Lebensjahr „häufig zum Zeitpunkt des Coming Out [geschähen], wenn die sexuelle Orientierung publik gemacht werde“, nicht (auch nur einigermaßen) zuverlässig durch die Daten gestützt werden.

Ebenso verhält es sich mit den vom Tagesanzeiger zitierten Bemerkungen eines anderen Mitautoren, Michael Häusermann von der Vereinigung Dialogai: Seine Spekulationen über die „enorme Spannung, die im Moment des ‚Coming Out‘ verstärkt“ werde, und die ebenso wie „[d]ie Angst, zu missfallen und von seinen Nächsten abgelehnt zu werden“ „jemanden zum Suizid verleiten können“, mögen einem plausibel erscheinen oder auch nicht, jedenfalls sind sie durch die Studie in keiner Weise gestützt, weil in den für die Studie verfübaren Daten keine Ängste, missfallen oder abgelehnt zu werden, fügbar sind (oder berücksichtigt worden sind).

Der Text von Wang et al. enthält lediglich eine Passage, in der die Autoren Ergebnisse einer anderen Studie von Wang und Häusermann sowie einem anderen Kollegen nennen und diese Ergebnisse in einen Zusammenhang bringen mit den Werten (Mediane), die sie in ihrer aktuellen Studie für den ersten Selbstmordversuch und für das Coming Out – wohl gemerkt: alle aus unterschiedlichen Stichproben – ermittelt haben. Sie konstruieren aus diesen aus völlig unterschiedlichen Stichproben stammenden Lagemaßen einen “life-course approach“ (Wang et a. 2012: 984), also eine Sequenz im Lebensverlauf, zu der sie schreiben: „This sequence appears [!] to suggest [!] that the circumstances and stress encountered at each milestone may trigger depression and/or suicidality among some [!] gay men“ (Wang et al 2012: 985).

Dem kann man zustimmen: Ja, es scheint, dass es bei einigen so sein kann, womit die Aussage nahzu ohne jeden Inhalt ist. Es sei angefügt, dass nirgendwo im Text, nicht in diesem Abschnitt, nirgendwo vorher und auch nicht in den Schlussfolgerungen, die Worte „Diskriminierung“, „Vorurteile“, „Benachteiligung“  „Stigma“ o.ä. vorkommen. Und die Autoren erklären selbst auf S. 984:„Addressing the multiple risk factors for increased suicidality among gay men lies beyond the scope of the current paper“ (Wang et al. 2012: 984). Als Leser wünscht man sich, sie hätten die Konsequenz hieraus gezogen und nicht versucht, auf methodologisch völlig inakzeptable Weise und indirekt einen Zusammenhang zu konstruieren, der es irgendwie erlauben könnte, Rückschlüsse auf einen der „multiple risk factors“, die im übrigen von den Autoren nicht einmal benannt und durch Literaturhinweise angezeigt werden, zu ziehen.

 Und vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass zwar nirgendwo in der Studie davon die Rede ist, dass „die sexuelle Vielfalt bereits in den Schulen zu thematisieren“ wäre – warum auch? auf die Daten lässt sich eine solche Forderung nun wirklich und beim besten Willen nicht gründen. Aber just dies wird von der Vereinigung Dialogai „für unerlässlich“ gehalten, wie der Tagesanzeiger berichtet. Immerhin gehört einer der Autoren der Studie der Vereinigung an!

TagesanzeigerMan muss davon ausgehen, dass der Tagesanzeiger, wenn nicht seine Leser bewusst  täuschen wollte, so sich doch bereitwillig vor den Karren der Vereinigung Dialogai und der Anliegen der anderen Autoren der Studie hat spannen lassen, die sie selbst am Ende ihres Textes wie folgt beschreiben: „Additional European research and monitoring on this issue would be particularly welcome, given possible regional differences and the modest evidence base to date. More urgently, we hope such findings will motivate key stakeholders to support measures addressing suicidality among sexual minorities. Gay organizations need to continue their efforts in raising awareness about this issue both inside the gay community as well as among policy and professional stake-holders. Suicide prevention and mental health programs need to address the relevance of sexual orientation in their work”.

Park Junk ScienceDass die Studie selbst all dies in keiner Weise zeigt oder unterstützt, sollte inzwischen klar geworden sein. Dass die Autoren der Studie dies großzügig übersehen und damit ihren eigenen Daten Gewalt antun, kann nicht dem Tagesanzeiger angelastet werden. Verantwortlich ist der Journalist/sind die Journalisten beim Tagesanzeiger aber zumindest dafür, dies alles für bare Münze genommen zu haben, obwohl ihm/ihnen mehr oder weniger klar gewesen sein muss, dass hier eine wissenschaftliche Studie dazu missbraucht werden soll, Lobby-Arbeit zu betreiben, so dass eine besonders kritische Prüfung des Inhaltes der Studie angezeigt gewesen wäre. Diese Prüfung ist aber nicht erfolgt oder lag außerhalb der Kompetenzen des/der Journalisten, der/die es problemlos in Kauf genommen hat/haben, die Leser des Tagesanzeigers in die Irre zu führen.

Es scheint, dass sowohl auf die Autoren dieser Studie (und viele andere Autoren vieler anderer Studien) als auch auf den/die Journalisten, der/die den Artikel im Tagesanzeiger (und viele andere Journalisten in vielen anderen Medien) zutrifft, was Schnurr und Steinacker über Soziale Arbeit bzw. Pädagogik im Dritten Reich geschrieben haben:

Erziehungsverhaeltnisse NS„Gefragt waren vor allem solche (sozial-) pädagogischen Arrangements, in denen Erkenntnis wenig, Erlebnis und Bekenntnis aber alles waren. Zur Realisierung der weitreichenden utopischen Phantasien einer ‚Vergesellschaftung‘ durch Erziehung wurden Erziehungsansprüche und Erziehungsversuche in die Alltagssphären des volksgemeinschaftlichen Lebens ausgedehnt“ (Schnurr & Steinacker 2011: 259; Hervorhebung im Original).

Auch den Autoren der Studie und dem/den Journalisten des Tagesanzeigers ging es offensichtlich eher um Bekenntnis als Erkenntnis, und wer ein „guter“ Medienrezipient ist, der fragt nicht lange und akzeptiert, was er aufgetischt bekommt, denn einem „guten“ Medienrezipienten geht es ebenfalls eher um ein Bekenntnis als um Erkenntnis. Und es ist insofern erfreulich, dass immer weniger Menschen konsumieren wollen, was ihnen in den Alten Medien aufgetischt wird.

Von ihnen werden sich viele fragen: Aber wie verhält es sich denn nun tatsächlich mit dem Zusammenhang zwischen Homosexualität und mentaler Gesundheit bzw. Krankheit und Suizidgefährdung? Diese Frage wird – aus gegebenem Anlass – Gegenstand eines der nächsten Beiträge auf ScienceFiles sein.

Literatur:

Schnurr, Stefan & Steinacker, Sven, 2011: Soziale Arbeit im Nationalsozialismus – Auslese und Ausmerze im Dienste der Volkspflege. S. 253- 274 in: Horn, Klaus-Peter & Link, Jörg-W. (Hrsg.): Erziehungsverhältnisse im Nationalsozialismus. Totaler Anspruch und Erziehungswirklichkeit. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Wang, Jen, Häusermann, Michael, Wydler, Hans, Mohler-Kuo, Meichun & Weiss, Mitchell, G., 2012: Suicidality and Sexual Orientation Among Men in Switzerland: Findings from 3 Probabilty Surveys. Journal of Psychiatric Research 46,8: 980-986.

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15 Responses to Medienpropaganda und die Pervertierung von Wissenschaft (nicht nur durch Journalisten):

  1. qed says:

    Um das Ausmaß an bösartiger Verblödung wirklich zu erfassen, empfehle ich dem geneigten Leser dieses Pamphlet:
    http://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/article/149/folgenschwer.html

    Dabei handelt es sich um eine kriminelle Vereinigung, deren wohl einziger Daseinszweck das Abgreifen von Steuergeldern ist.
    Ich habe mir erlaubt, eine Anfrage an diese Banditen zu richten:

    “Sehr geehrter Herr Beutler,

    als langjährig in die Beurteilung psych. Erkrankungen Involvierter wende ich mich mit einigen Fragen an Sie als hervorgehobenen Ansprechpartner, da ich den Aussagen auf der Seite
    http://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/article/149/folgenschwer.html
    nicht zu folgen vermag.
    Es wird die Behauptung aufgestellt, die höhere Inzidenz psychischer Erkrankungen bei Homosexuellen sei Folge der erlittenen ‘Stigmatisierung’.
    Welche empirisch belegten, nach ernstzunehmenden wissenschaftlichen Kriterien gesicherten Beweise gibt es für diese Behauptung?
    Welche Kriterien gelten für Sie, in diesem Falle eine Korrelation einer Kausalität gleichzusetzen?

    Nach den geradezu begeisterten Verlautbarungen in den Mainstream- Medien über das Outing irgend eines Kickers derzeit, das diverser und ansonsten unfähiger Politos Jahre zuvor und der Tatsache, daß Homosexualität im künstlerischen Bereich seit Jahrzehnten eher der Normalfall ist, es Christopher- Street- Day- Spektakel überall ewig gibt ohne Anfeindungen, habe ich den Eindruck, Homosexualität ist politisch geradezu promotet und keinesfalls stigmatisiert. Solche wie ich, denen schwule sexuelle Orientierung schlicht wurscht ist, fühlen sich dadurch eher scheel angesehen und mit dem Stigma des Verdachtes belegt.
    Auch findet sich im juristischen Schrifttum der deutschsprachigen Länder seit Jahrzehnten kein Hinweis auf gehäuft auftretende Straftaten gegen Menschen abweichender sexueller Orientierung mit Ausnahme des männlichen und weiblichen Homosexuellenmillieus, in dem es überdurchschnittlich oft zu partnerschaftlichen Gewalttätigkeiten kommt. Die einschlägigen Untersuchungen sind Ihnen sicher bekannt. http://www.csulb.edu/~mfiebert/ hilft.
    Bitte machen Sie die Behauptung plausibel.

    Eine Ausnahme bildet lediglich die Gruppe der katholischen Priester, denen eine homosexuelle Orientierung als Grund für Übergriffe auf Knaben- ohne jegliche Empathie übrigens- unterstellt wird und es ist eine unzweifelhafte Tatsache, daß Homosexualität in der kath. Kirche streng stigmatisiert ist. Da es sich um eine recht große Gruppe handelt, müßte eine erhöhte Inzidenz von psych. Erkrankungen
    gemäß der eingangs aufgestellten Behauptung ins Auge springen. Bitte nennen Sie mir aussagekräftige, seriöse Untersuchungen, die das bestätigen. Mir selbst ist das Gegenteil aufgefallen.

    Als seit etlichen Jahren psychiatrisch involviertem Arzt ist mir der zahlenmäßig sehr hohe Anteil weiblicher Patienten dort bekannt. Gemäß der These der DGPPN einer folgenschweren Stigmatisierung mit daraus folgender erhöhter psychischer Morbidität drängt sich die Frage auf, ob weibliche Homosexualität denn strenger mit schwerwiegenden Folgen assoziiert ist als männliche. Dies Annahme ist jedoch schon von der Anschauung her unsinnig, weder wurden Lesben im Nationalsozialismus verfolgt noch wurde je eine Frau nach dem alten § 175 verurteilt, noch dies negativ thematisiert seit Jahrhunderten. Bemerkenswerterweise wird aber Lesben im Gedenkmal zu Berlin erheblicher Raum als Opfer zugestanden. Wieso eigentlich?

    Bei endogenen Psychotikern und Schwachsinnigen findet sich meiner Beobachtung nach ebenfalls eine deutlich erhöhte Zahl sexueller Deviationen. Nun für eine Psychose oder Debilität eine gesellschaftliche Stigmatisierung wegen Homosexualität verantwortlich zu machen, erscheint mir ziemlich verrückt und widerspricht allem, was über die Genese dieser Erkrankungen bekannt ist. Wie verträgt sich dies mit der Eingangsthese der DGPPN?

    Wie verhält es sich mit der Inzidenz psychischer Erkrankungen bei Pädophilen, deren Orientierung nach allgemeinem gesellschaftlichen Konsens stark stigmatisiert ist, auch wenn größere Mitgliederzahlen der grünen Partei diesem Spektrum zuzuordnen waren.
    Können Sie bei Mitgliedern dieser Partei gehäuft gravierende psych. Störungen erkennen?

    Es ist nicht bekannt, daß Sodomisten und Inzestuöse als sexuell ‘anders Orientierte’ sich großen gesellschaftlichen Zuspruchs erfreuen. Würden sie in dieser Passion einen Krankheitswert erkennen? Bei Nekro- und Koprophilen?
    Welche Auswirkung hat die zweifelsohne bestehende Stigmatisierung einer derartigen Passion auf deren seelische Gesundheit? Würden Sie den Begriff ‘pervers’ zulassen?
    Wie man aus den Mainstreampostillen hört, ist der ‘Kannibale von Rotenburg’ mittlerweile begeisterter Anhänger der grünen Partei und seine erschütternde Verteidigungsrede zu lesen, sei der GDPPN empfohlen.

    Wie Sie erkennen, zeugen meine Fragen von einem überaus kritischen Standpunkt.
    Wenn Sie der Meinung sind, psychischer Gesundheit ist mit Wissenschaftlichkeit und daraus unmittelbar folgenden Behandlungsmethoden mehr gedient als mit devotem Wiederkäuen politisch korrekter Phrasen und Scharlatanesken, von denen das Pamphlet nur so wimmelt, werden Sie nach eingehender Reflexion auf Ihre Reputation versuchen, mir erschöpfend zu antworten.

    MfG”

    Es sah sich bis jetzt keiner der “Akademiker” auf dieser Seite in der Lage zu einer Antwort.
    Honni soit qui mal y pense.

    • karstenmende says:

      Eine Frage an den Profi: Wie steht es mit meiner Vermutung, dass gleichgeschlechtliche Neigungen, sowie Pädophilie oder Sodomie die Symptome von diversen psychischen Störungen sein können? Ich meine, dass derartigen Verhaltensmustern ja trotzdem Ursachen zu Grunde liegen müssen, die letztlich in diesen Erscheinungen resultieren. Politisch versucht man diese Orientierungen fein säuberlich von einander zu trennen, und dieser Umstand allein verleitet mich dazu, in der Ursächlichkeit einen gemeinsamen Nenner vermuten zu dürfen. Ich denke nicht, dass es hierfür lediglich eine Ursache gibt, mit der sich alles erklären lässt. Haben aber nicht alle diese “sexuellen” Ausprägungen eine vermehrungsfeindliche Tendenz?

      • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

        @karstenmende

        Ihre Frage

        “Wie steht es mit meiner Vermutung, dass gleichgeschlechtliche Neigungen, sowie Pädophilie oder Sodomie die Symptome von diversen psychischen Störungen sein können?”

        trifft einen ganz wunden Punkt. Wie in meinem Kommentar an qed schon berichtet, bereite ich gerade einen Text darüber vor, was denn nun wirklich einigermaßen zuverlässig über den Zusammenhang zwischen Homoexualität und Suizidgefährdung auf der Grundlage von empirischer Forschung gesagt werden kann. Und das ist sehr, sehr wenig. Aber man würde plausiblerweise erwarten, dass (bes.) Depressionen als vermittelnde Größe eine große Rolle spielen. Und in der Forschung zeichnet sich inzwischen (kumulativ betrachtet) ab, dass Depressionen unter Homosexuellen tatsächlich häufiger zu sein scheinen als unter Heterosexuellen. Nur: Niemand weiß, ob, ggf. wie häufig und auf welche Weise Depressionen bei Homo- oder bei Heterosexuellen zu Selbstmord führen (und nicht nur z.B. zu Selbstmordphantasien, wenn überhaupt). Und: Niemand weiß, ob nicht grundlegendere psychische Erkrankungen oder Anomalien oder gar biologisch-genetische Größen gleichermaßen hinter Depressionen und Homosexualität liegen.

        Letzere Möglichkeit ist natürlich ABSOLUT nicht PC, und sie wird – soweit ich aufgrund meiner Recherchen gesehen habe – nur in der medizinischen Literatur angesprochen, und auch dort sehr, wie soll ich sagen, technisch. Niemand will Opfer eines Lynchmobs werden, weil er diese Möglichkeit erwägt oder gar testet. Aber natürlich besteht sie, und auch dann, wenn man sich persönlich wünschen würde, dass sie aussgeschlossen werden könnte, muss man sie testen. Da hilft alles nichts. Aber mit jedem Test ist natürlich die Gefahr verbunden, dass er nicht ergibt, was man sich wünschen würde. Und fairerweise muss man zugestehen, dass es ganz und gar nicht einfach ist, Tests für Zusammenhänge zwischen Homo- oder Heterosexualität, psychischer Gesundheit oder Krankheit und Suizidgefährdung durchzuführen – ja, sich überhaupt erst zu überlegen, wie so ein Test aussehen könnte; siehe mein Kommentar auf qed. Bei einer Frage, die in einem bestimmten gesellschaftlichen Klima brisant ist, müsste man besondere Sorgfalt walten lassen, bei der Untersuchung von Korrelationen als Kausalitäten bzw. ihrer Interpretation als Kausalitäten.

        Es ist deshalb grober Unfug und fahrlässig, wenn so getan wird, als wäre es ja “klar”, wie die Dinge zusammenhängen.

        • karstenmende says:

          Das heißt im Klartext, jenseits der politischen Behauptungen, für die es keine Belege gibt, beginnt man die zaghafte Thematisierung der Zusammenhänge von Homosexualität und psychischen Störungen mit einem Räuspern, um anschließend ausweichend und relativierend auf den so genannten Konsens hin zu interpretieren. Ich habe schon befürchtet, dass es sich so, und nicht anders, verhält. Allerdings kann dieses Verhalten auch als verschämtes Eingeständnis gewertet werden. Zumindest dafür, dass es durchaus einen Forschungsgegenstand gibt. Wie das mit “heißen Eisen” eben so ist…

          • @karstenmende

            ich fürchte, so ungefähr kann man das auf den Punkt bringen, wenn man will…. Allerdings ist es tatsächlich nicht so, dass erst jetzt eine zaghafte Thematisierung der Zusammenhänge beginnen würde. Schon mindestens seit den 1990ern wird der Zusammenhang thematisiert, aber verstärkt seit den 2000ern und nach wie vor in mehr oder weniger methodisch angreifbarer Weise (selegierte Stichproben etc.) untersucht. Der Forschungsbestand hat immerhin für eine Bestandsaufnahme ausgereicht, die Peter Muehrer im Jahr 2010 gemacht hat und unter dem Titel “Suicide and Sexual Orientation: A Critical Summary of Recent Research and Directions for Future Research” in der Zeitschrift “Suicide and Life-Threatening Behavior, Volume 25, Issue Supplement s1, pp. 72-81, veröffentlicht hat.

            Damit Sie sich einen Eindruck machen können, was die von der Studienanalage her gute, aber eben mit sehr niedrigen Fallzahlen zu kämpfende, neuere Forschung so macht und erbringt:

            Schaffer et al. haben 2010 das Folgende getan und herausgefunden:
            ” An opportunity to examine the relationship [zwischen sexueller Orientierung und Selbstmord] in an unselected sample [da denkt man erst einmal: prima, das ist ein Fortschritt!] arose in a case control, psychological autopsy study of 120 of 170 consecutive suicides under age 20 and 147 community age, sex, and ethnic matched controls living in the Greater New York City area. Homosexuality was defined as having had homosexual experiences or having declared a homosexual orientation. Three [!] teenagers and no controls met these criteria. The difference was not significant. … In no instance did suicide directly follow an episode of stigmatization. All three suicides had evidence of significant psychiatric disorder before death. In spite of opportunities for biased reporting, it is concluded that this study finds no evidence that suicide is a common characteristic of gay youth, or that when suicide does occur among gay teenagers, that it is a direct consequence of stigmatization or lack of support” (Schaffer et al: 2010: 64).

            Und das ist wie gesagt von der Studienanlage her m.W. das beste, was derzeit verfügbar ist. Die schlichte Tatsache, dass die Studien allesamt, die Unsinns-Studien wie die ernstzunehmenden, mit so niedrigen Fallzahlen zu kämpfen haben, sollte einen doch eigentlich erfreuen: von einer Selbstmordschwemme kann weder unter heterosexuellen noch unter homosexuellen Jugendlichen, die in vielen Studien als besonders gefährdert (im Vergleich zu Erwachsenen) dargestellt werden, eben keine Rede sein; man muss sie mit der Lupe suchen.

            Bei Interesse: die bibliographischen Informationen zu dieser Studie lauten:

            Shaffer, David, Fisher, Prudence, Hicks, R. H., Parides, Michael, Gould, Madelyn, 2010: Sexual Orientation in Adolescents Who Commit Suicide. Suicide and Life-Threatening Behavior 25, s1: 64-71.

            Also, was wird passieren? Demnächst wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass man das mit dem Selbstmord nicht länger behaupten kann, wenn man nicht als völlig unernsthaft dastehen will. Und dann wird man eine Stufe zurückschrauben und sagen; ja, aber auch, wenn sich die Homosexuellen nicht umbringen, dann haben Sie doch homosexuellen-spezfische Belastungen (das wird schon vorbereitet; s. Lewis et al. 2003: Stressors for Gay Men and Lesbians: Life Stress, Gay-Related Stres, Stigma Consciousness [! also nicht: stigma, sondern nur das diesbezügliche consciousness], and Depressive Symptoms. Journal of Social and Clinical Psychology 22, 6: die Seiten habe ich jetzt leider gerade nicht im Kopf) und größere psychische Probleme (als Heterosexuelle), und das ist bestimmt wegen der Stigmatisierung so. Und wenn sich auch das als unhaltbar erweist, dann wird sicherlich behauptet, dass sie dann eben nicht gesellschaftlich stigmatisiert seien, aber doch trotzdem psychologische Unterstützung bräuchten, weswegen sie besonders gefördert werden müssten, und dazu müsste dann bestimmt die Offenheit aller Schüler an deutschen Schulen für die psychischen Probleme Homosexueller gefördert werden, weswegen man das Thema unbedingt im Unterricht verankern müsste.

            Gegen Ideologen ist kein Kraut gewachsen, besonders, wenn Mengen von ihnen und vor allem von von ihnen abhängigen Nutznießern der Ideologie, sich aus ihren ideologischen Behauptungen ein Auskommen fristen, aber zumindest kann man ihnen bestimmte (Pseudo-)Argumente nehmen und ihnen damit die Argumentationsbasis verknappen, bis sie mit ihrer Position für eine Mehrheit von Menschen erkennbar lächerlich dastehen.

            • karstenmende says:

              Ich habe mir schon gedacht, dass dieser Gegenstand nicht erst seit kurzer Zeit behandelt wird. Das “beginnt” bezog sich auf “mit einem Räuspern” und nicht auf “die zaghafte Thematisierung” 😉 . Allein der derzeitige Zeitgeist würde eine Eröffnung irgendeiner Forschung nicht mehr ermöglichen und es ist davon auszugehen, dass jegliche genaueren Untersuchungen zu dem gestellten Sachverhalt, wenn sie denn unternommen werden, unter Verschluss bleiben oder auf die von Ihnen geschilderte Weise in Umlauf gebracht werden. Ich bin nicht der Meinung, dass im umgangssprachlichen Bereich verankerte Schimpfworte ausreichen, um von Stigmatisierung zu sprechen. Sicherlich werden solche primitiven Ausdrücke nicht zu einem Suizid oder auch nur Gedanken daran führen. Allerdings ist es eine nicht zu unterschätzende Gefahr, schon auf grund von völlig zusammenhangslosen Gesten oder Reaktionen als “homophob” diffamiert zu werden. Nehmen wir an ein bekennender Homosexueller schießt einen Bock auf seiner Arbeitsstelle und bekommt eine Rüge vom Chef, kann der Chef nicht sicher sein, nicht wegen angeblicher Homophobie belangt zu werden. Es herrscht Rechtsunsicherheit auf diesem Gebiet. Alles, was unter “Anti-Diskriminierung” gefasst wird, wurde mit der Umkehr der Beweislast bedacht. Ob bei einem ideologisch ausgerichteten Verfahren auf eine gute (rationale) Argumentationsbasis Rücksicht genommen wird ist mehr als fraglich. Der Schaden der allein durch die Diffamierung entsteht, kann auch ohne eine Verurteilung enorm sein. Wenn das Thema schon unter früheren rechtlichen Bedingungen nur mit “spitzen Fingern” angefasst wurde, so ist es heute um so schwieriger und gefährlicher. Es lohnt sich trotzdem diesen Gegenstand weiter im Auge zu behalten, denn sollte es Zusammenhänge zwischen Homosexualität und psychischen Störungen geben, wäre es geradezu die Pflicht der Wissenschaft Hilfe anzubieten und nicht aus politischen Gründen zu behaupten, es gäbe kein Problem.

              P.S. Vielen Dank für die Anlagen. Ich bin zwar kein ausgewiesener Wissenschaftler, aber ich bleibe am Ball.

    • @qed

      Ich wünschte, es gäbe viel mehr Leute wie Sie, die Ihren Bürgerstatus (und sich selbst) ernstnehmen und Engagement zeigen, statt sich den “Obrigkeiten”, die man ja angeblich doch nicht beeinflussen kann, mit gesenktem Kopf sozusagen hinzugeben!

      Und obwohl Sie das wahrscheinlich selbst wissen und die Frage rhetorisch gestellt haben, will ich Sie für den geneigten Leser der Kommentare zu diesem Text nach bestem Wissen und Gewissen beantworten, weil ich ohnehin gerade einen neuen Text speziell zu der Frage, die Sie gestellt haben, vorbereite:

      Sie schreiben:

      “Es wird die Behauptung aufgestellt, die höhere Inzidenz psychischer Erkrankungen bei Homosexuellen sei Folge der erlittenen ‘Stigmatisierung’.
      Welche empirisch belegten, nach ernstzunehmenden wissenschaftlichen Kriterien gesicherten Beweise gibt es für diese Behauptung?”

      Antwort: Keine – auch wenn wir in den Sozialwissenschaften ohnehin nicht von Beweisen sprechen können, sondern lediglich von Belegen; es gibt derzeit auch keine Belege für diese These. Und deshalb kann sich auch niemand auf einen solchen Zusammenhang stützen, gleichgültig, welche Dinge man gerne aus dem Zusammenhang ableiten würde, wenn es ihn denn gäbe.

      “Welche Kriterien gelten für Sie, in diesem Falle eine Korrelation einer Kausalität gleichzusetzen?”

      Tja, also, “Kriterien” könnten hier der gusto sein, die Ideologie, Ahnungslosigkeit mit Bezug darauf, dass es überhaupt einen Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität gibt, allgemeine geistige Verwirrung, Demenz …..

      Es gibt schlicht keine Methode, anhand derer Korrelationen als Kausalitäten ausgewiesen werden könnten.

      Die beste Annäherung hieran ist bekanntermaßen das Experiment, aber ich vermute, dass ziemlich viele Leute Schwierigkeiten damit hätten, eine Gruppe Homosexueller mit gleichen sozio-demographischen Merkmalen in zwei Untergruppen zu teilen, die einen kräftiger Stigmatisierung auszusetzen und die anderen nicht, und in regelmäßigen Abständen zu prüfen, wie viele Personen aus beiden Gruppen sich inzwischen umgebracht haben.

      Bleibt noch die nächstbeste Annäherung, die schon nicht mehr so gut ist, nämlich die Langzeitstudie, bei der man Leute über einen langen Zeitraum hinweg beobachtet und in diesem Zeitraum in regelmäßigen Abständen die Variablen erhebt, von denen man denkt, dass sie relevant sind. Dummerweise ist der einzig tatsächlich zuverlässige Indikator dafür, dass eine Suizidgefährdung vorlag, der Selbstmord, und der kommt so selten vor, und wenn man ihn dann noch in einer vergleichsweise seltenen Population wie z.B. Homosexuellen beobachten will, dann wird’s wirklich schwierig mit der Langzeitstudie. Man könnte natürlich eine Vollerhebung bei allen in einem bestimmten Jahr Geborenen machen, also sie von Geburt an im Rahmen einer Langzeitstudie begleiten (und nicht zu sagen: verfolgen), ihre sexuelle Entwicklung und Aktivität beobachten (besser als erfragen, wird aber wahrscheinlich auf Ablehnung von den Zu-Beobachteten stossen,), alle möglichen Lebensumstände erfassen und abwarten, wer sich wann umbringt, und dann unter Kontrolle aller sonstigen Lebensumstände eine statistische Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Selbstmord mit dem, was man sexueller Orientierung nennt, oder schlicht mit sexueller Aktivität zu tun hat.

      DAS könnte man dann – angesichts des für die Forschung Möglichen und ethisch Vertretbaren – als einen Beleg oder eine Falsifikation der These (je nachdem, was sich statistisch ergibt) akzeptieren. Aber so ein Datensatz existiert m.W. nirgendwo auf der Welt, jedenfalls nicht im deutschsprachigen Raum.

      • qed says:

        Sie sind mir natürlich auf die Schliche gekommen, Frau Diefenbach.

        Womit diese Bande hausieren geht, ist die bekanntermaßen hohe Zahl suizidaler junger Männer, die geschickt ‘verspiralt’ wird mit Homosexualität. Es gibt nämlich keine handfesten Untersuchungen, womit das Hauptproblem offensichtlich wird: Die Fallzahlen sind verschwindend gering, so wie die der Trans-oben-unten-von hinten-revers oder sonstwie Verspiralten, deren halluziniertes schlimmes Schicksal nun große Querschnittsaufgabe in der Schule werden soll.
        Allein der Sprachgebrauch ist schon verräterisch: ‘Stigmatisierung’ wird mit Bedacht gewählt, denn dies sagt eigentlich nichts aus: Das können auch Dicke, Kleine, Hasenschartige und ‘Rechte’ sein und die Perversen, die ich absichtsvoll hinzugefügt habe, entsprechen voll und ganz den so bunt schillernden, sexuell ‘Vielfältigen’.
        Mit Absicht wird auch der sonst so inflatorisch verwendete Begriff der ‘Diskriminierung’ vermieden, denn eine solche fände Niederschlag in der Jurisprudenz, wie es bei männlichen Homosexuellen in der Zeit der nationalen Sozialisten der Fall war.
        Und der Fall des Kickers, der jetzt am Ende seiner Karriere sich mit einem geschickt plazierten Outing noch als Experte für Trans- Queer- und sonstige Belange im Sport ins Gespräch bringt, ist eher ein Beispiel geschickten Marketings mit einer Eigenschaft, die politisch erwünscht, aber nicht Mainstream ist, also das glatte Gegenteil einer Stigmatisierung!

        Fest steht nur, daß Depressionen kausal mit Suiziden zusammenhängen und dabei vor allem jene, die man als ‘endogen’ bezeichnet und dem Formenkreis der Psychosen zuzuordnen sind. Und damit ist die Pseudoargumentation ad absurdum geführt: Psychosen werden nun mal nicht durch ‘Stigmatisierung’ sexuell abweichenden Verhaltens verursacht, das ist grotesk und wird in der seriösen Literatur von niemanden behauptet.
        Hingegen spielen Persönlichkeitsstörungen und Neurosen in der Genese der sog. neurotischen Depressionen die Hauptrolle, die auch in Suiziden enden können. Womit unsere Streiter für eine gerechtere schwule Welt implizieren, daß Schwule “neba dr Kapp send”, wie man in der Gegend, in der ich mich gerade aufhalte, so sagt…:-) Bei suizidalen männlichen Jugendlichen hat man mit derlei “Erklärungen” jedenfalls kein Problem.

        PS: Dem Lic. Beutler hat es immer noch die Sprache verschlagen.

        • @qed

          “neba dr Kapp” kommt mir sehr bekannt vor – nicht aufgrund persönlicher Betroffenheit (jedenfalls nicht heute :-)), sondern weil es dort, wo ich geboren und aufgewachsen bin, ganz ähnlich heißt: näwer de Kapp.

          Aber noch etwas Ernsthaftes (ich bin fast versucht, das Folgende uff Pälzisch zu schreiwe):
          Sie schreiben: “Fest steht nur, daß Depressionen kausal mit Suiziden zusammenhängen …”, und in diesem Zusammenhang wollte ich nur noch einmal darauf hinweisen, dass kausale Zusammenhänge schwerlich als feststehend auszuweisen sind, eben weil man Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge bestenfallls durch Experimente nachweisen kann. Ich kenne aber kein Experiment, in dem man ansonsten in allen möglichen Merkmalen übereinstimmenden Menschen in zwei Gruppen unterteilt hätte und der einen Gruppe auf irgendeine Weise Depressionen verschafft hätte und der anderen nicht, um nach ein paar Jahren zu schauen, in welcher Gruppe sich mehr Leute umgebracht haben. Also strenggenommen kann man nicht sagen, dass der Zusammenhang feststeht.

          Was man aber sagen kann, ist, dass Depressionen mit hoher Wahrscheinlichkeit Suiziden vorausgehen, wobei das “Vorausgehen” kausal interpretiert werden kann, aber eben nicht muss.(Mal ehrlich: eigentlich kennt jeder irgend jemanden, bei dem man den Eindruck hat, seine Depression sei geradezu das, was ihn am Leben hält….)

          Es ist also keineswegs unvernünftig, wenn man postuliert, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Depressionen und Suiziden gibt, aber man kann dennoch nicht sagen, dass ein kausaler Zusammenhang zwsichen beiden feststeht. Das mag kleinlich klingen, aber für die Praxis ist das sehr wichtig, wie z.B. daran deutlich wird, dass Leute bestimmte Maßnahmen fordern, weil sie eben mal umstandslos aus Zusammenhängen oder schlimmer: vermeintlichen Zusammenhängen, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge machen.Deswegen ist es wichtig, dass man, was die genaue Bedeutung von “Zusammenhang” ist, kleinlich bleibt.

  2. terminatus30 says:

    Ich verweise gerne wiederum, wenn ich darf, auf frauengewalt.wordpress.com

  3. terminatus30 says:

    Ich möchte euch im Anschluss einige Studien ans Herz legen. Vorab ein Verweis auf “The Partner Abuse State of Knowledge Project” initiiert von John Hamel. Das ist meines Wissens The State of the Art. Table 5: Intimate partner abuse in LGBT Populations von # 6: Partner Abuse in Ethnic Minority and Gay, Lesbian, Bisexual and Transgender Population, von Dr. Carolyn West (S.u.) beinhaltet zahlreiche Studien. In den Findings at a Glance schreibt Hamel zusammenfassend bez. Partner Abuse in Other Populations:

    * LBGT populations: Higher overall rates compared to heterosexual populations.

    Zudem:
    – Renzetti, Claire: Violence in Lesbian Relationships. Journal of Interpersonal Violence, 3 (4) 1988, 381-399.
    – Lie, Gwat-Yong et al.: Lesbians in currently aggressive relationships: how frequently do they report aggressive past relationships? Violence and Victims, 6 (2) 1991, 121-135.
    – Lie, Gwat-Yong and Gentlewarrier, Sabrina: Intimate Violence in Lesbian Relationships. Journal of Social Service Research, 15 (1-2) 1991, 41-59.
    – Renzetti, Claire: Violent betrayal: Partner abuse in lesbian relationships. Thousand Oaks, CA, US: Sage Publications, Inc. (1992), 202 pp.
    – Lockhart, Lettie et al.: Letting out the Secret: Violence in Lesbian Relationships. Journal of Interpersonal Violence, 9 (4) 1994, 469-492.
    – Coleman, Vallerie: Lesbian Battering: The Relationship Between Personality and the Perpetration of Violence. Violence and Victims, 9 (2) 1994, 139-152.
    – Waldner-Haugrud, L.K. and Gratch, L.V.: Sexual coercion in gay/lesbian relationships: descriptives and gender differences. Violence and Victims, 12 (1) 1997, 87-98.
    – West, Carolyn: Leaving a second closet: Outing partner violence in same-sex couples. Jasinski, Jane L. and Williams, Linda Meyer (Ed): Partner violence: A comprehensive review of 20 years of research.163-183.
    – Scherzer, Teresa: Domestic Violence in Lesbian Relationships. Journal of Lesbian Studies, 2 (1) 1998, 29-47.
    – Burke, L. K. and Follingstad, D. R.: Violence in lesbian and gay relationships: theory, prevalence, and correlational factors. Clin. Psychol. Rev., 19 (5) 1999, 487-512.
    – Turrell, Susan: A Descriptive Analysis of Same-SEx Relationship Violence for a Diverse Sample. Journal of Family Violence, 15 (3) 2000, 281-293.
    – McLoughlin, Erin and Rozee, Patricia: Knowledge About Heterosexual versus Lesbian Battering Among Lesbians. Women & Therapy, 23 (3) 2001, 39-58.
    – Miller, Diane et al.: Domestic Violence in Lesbian Relationships. Women & Therapy, 23 (3) 2001, 107-127.
    – Ristock, Janice: No More Secrets: Violence in Lesbian Relationships. London: Routledge 2002.
    – Robinson, Amorie: There’s a Stranger in This House. African American Lesbians and Domestic Violence. Women & Therapy, 25 (3-4) 2002, 125-132.
    – Peterman, Linda and Dixon, Charlotte: Domestic Violence Between Same-Sex Partners: Implications for Counseling. Journal of Counseling and Development, 82 2003, 40-47.
    – Balsam, Kimberly et al.: Victimization Over the Life Span: A Comparison of Lesbian, Gay, Bisexual, and Heterosexual Siblings. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 73 (3) 2005, 477-487.
    – Rohrbaugh, Joanna: Domestic Violence in Same-Gender Relationships. Family Court Review, 44 (2) 2006, 287-299.
    – Hughes Tonda et al.: Victimization and substance use disorders in a national sample of heterosexual and sexual minority women and men. Addiction. 105 (12) 2010. doi:10.1111/j.1360-0443.2010.03088.x.
    – Messinger, Adam: Invisible Victims: Same-Sex IPV in the National Violence Against Women Survey. Journal of Interpersonal Violence, 26 (11) 2011, 2228-2243.
    – West, Carolyn: Partner Abuse in Ethnic Minority and Gay, Lesbian, Bisexual, and Transgender Populations. Partner Abuse, 3 (3) 2012, 336-357.

  4. terminatus30 says:

    Nachtrag:
    – de Graaf, R., Sandfort, T. G., & Ten Have, M. (2006). Suicidality and sexual orientation: Differences between men and women in a general population-based sample from the Netherlands. Archives of Sexual Behavior, 35, 253–262.

    Aus dem Abstract:
    Homosexuality has been shown to be associated with suicidality and mental disorders. It is unclear whether homosexuality is related to suicidality, independently of mental disorders. This study assessed differences in lifetime symptoms of suicidality (death ideation, death wishes, suicide contemplation, and deliberate self-harm) between homosexual and heterosexual men and women, controlling for lifetime psychiatric morbidity. Interaction effects of age and the role of perceived discrimination were also examined. Data were collected on a representative sample of the Dutch population aged 18-64 years. Classification as heterosexual or homosexual was based upon reported sexual behavior in the preceding year. Of those sexually active, 2.8% of 2,878 men and 1.4% of 3,120 women had had same-sex partners. Homosexual men differed from their heterosexual counterparts on all four suicide symptoms (OR ranging from 2.58 to 10.23, with higher ORs for more severe symptoms), and on the sum total of the four symptoms; homosexual women only differed from heterosexual women on suicide contemplation (OR=2.12). Controlling for psychiatric morbidity decreased the ORs, but among men all associations were still significant; the significance for suicide contemplation among women disappeared. Younger homosexuals were not at lower risk for suicidality than older homosexuals in comparison with their heterosexual counterparts. Among homosexual men, perceived discrimination was associated with suicidality. This study suggests that even in a country with a comparatively tolerant climate regarding homosexuality, homosexual men were at much higher risk for suicidality than heterosexual men. This relationship could not only be attributed to their higher psychiatric morbidity. In women, there was no such clear relationship.

    Meine Frage dazu, obwohl “perceived discrimination was associated with suicidality”, wie kann es dann sein, dass selbst in diesem sog. liberalen Land, “homosexual men were at much higher risk for suicidality than heterosexual men”? Müssten sich da die Vergleichswerte nicht eher annähern, im Vergleich zu anderen Ländern? Vorausgesetzt, dass Diskriminierung in diesem globel betrachteten Kontext wirklich eine so große Rolle spielt, wobei ich nicht behaupte, dass sie keine Rolle spielt.

    Soll heißen: Diskriminierung kann auch in liberaleren Ländern bezüglich der höheren Vergleichswerte eine Rolle spielen, in Summe müssten sich die Vergleichswerte aber in liberaleren Ländern eher annähern und dürften nicht bei einem “much higher risk for suicidality” für homosexuelle Männer verweilen.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @terminatus30

      Vielen Dank für die vielen Hinweise auf Studien! Sie treffen unser etwas eingeschränkteres Thema teilweise nicht ganz (violence in gay relationships und so), aber natürlich stehen sie im Zusammenhang damit.

      Wir kennen nur einen Teil dieser Studien und können deshalb nicht kompetent Stellung dazu nehmen, aber schon beim Überfliegen ist mir aufgefallen, dass einige Behauptungen zumindest in der konkreten Formulierung nicht stimmen oder irreführend sind. Aber darauf kann und will ich jetzt nicht näher eingehen.

      Immerhin kann ich auf Ihre letzten Frage wie folgt antworten: In der Logik der Forscher sollte das tatsächlich nicht der Fall sein in liberalen Ländern; das widerspricht ihren Annahmen/Erwartungen und kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass “perceived discrimination” eben keine Diskriminierung misst, sondern nur DiskriminierungsGEFÜHLE oder Interpretationen von als unangenehm erfahrenden Dingen als Diskriminierung. Und wenn jemand eine solche Attribuierungs- oder Interpretationsgewohnheit hat (also: alles, was ich mir gegenüber nicht nett finde, machen die anderen nur, weil ich XXXX [Beliebiges einsetzen] bin/habe), dann hat er dies eben ganz unabhängig von seiner Umgebung und deren realem Verhalten, und wenn das so ist, dann ist auch nicht zu erwarten, dass das Diskriminierungsgefühl mit dem Kontext variiert (oder nennenswert stark variiert).

      Das ist ja gerade der Punkt: wenn man Leuten, egal, ob sie homosexuell oder sonst etwas sind, eintrichtert, sie wären Opfer realer feindlicher Haltungen oder Handlungen, dann sensibilisiert man sie für Dinge, gegen die sie vorher resistent waren, oder man bringt sie dazu, schlichtweg zu phantasieren. Aber das hilft ihnen überhaupt nicht – im Gegenteil; sie leiden subjektiv ja mehr als ohne diese Sensibilisierung/Phantasien. Und da liegt für mich das Perverse an so genannten Aufklärungs- und Förderungsinitiativen; sie fördern das psychische Leiden, die Opferhaltung und die erlernte Hilflosigkeit bei denen, die als Klientel ausgesucht worden sind. Und das alles nur, damit ein paar Mittelschichtler einen white-collar-Job vorweisen können und sich einbilden können, sie täten etwas ganz furchtbar “Gutes”.

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