Denunziation ist Tagesschau wichtiger als das Leben ihrer Leser

Ein Asylbewerber, der nach Afghanistan abgeschoben wurde, nimmt sich das Leben.
All Gutmenschen-Hell Breaks loose:

Die Seele der Berufserregten kocht über, denn Sie wissen natürlich, dass sich der Afghane deshalb umgebracht hat, WEIL er abgeschoben wurde. Welchen sonstigen Grund kann ein Mensch haben, sich umzubringen?
Und weil dieses eine Menschenleben, auf das man gepfiffen hätte, wenn es ein deutscher Obdachloser in Chemnitz gewesen wäre, der Selbstmord begangen hat, so wie dies allein im Jahr 2015 7.397 Männer in Deutschland getan haben, sich politisch so perfekt ausschlachten lässt, deshalb kommen die Ratten aus ihren Löchern und machen Seehofer für den Selbstmord des Afghanen verantwortlich.
Widerlich ist noch das verträglichste Wort, das uns dazu einfällt.
Denn:

Niemand weiß, ob sich der Afghane nicht auch in Deutschland umgebracht hätte.

Niemand weiß, warum sich der Afghane umgebracht hat.

Ein Selbstmord ist eine Entscheidung, die ein Individuum trifft. Es übernimmt mit dieser Entscheidung die volle Verantwortung, für die damit verbundene Beendigung seines Lebens. Niemand zwingt es zum Selbstmord. Niemand führt seine Hand oder zieht am Seil oder was auch immer. Selbstmord ist der einzige Mord, bei dem man Fremdeinwirkung in jeder Weise per definitionem ausschließen kann.

Was die selbstgerechten Heuchler, die man nun allenthalben aufpoppen sieht, nicht daran hindert, genau das zu tun.

Am ekelhaftesten sind aber nicht diejenigen, denen Selbstmorde in Deutschland vollkommen egal sind, weil sie keinen politischen Nutzen bringen, und die einen Selbstmord nur dann zur Kenntnis nehmen, wenn er ihnen politisch in den Kram passt, wenn sie ihn ausweiden können, sondern diejenigen, die angeblich darüber berichten und dies in einer Weise tun, für die wir keine Worte haben.

So macht die Tagesschau extra eine Ausnahme aus dem Embargo, das sie sich im Hinblick auf die Berichterstattung über Selbstmorde auferlegt hat, wegen der aberwitzigen Vermutung, wenn die Tagesschau darüber berichtet, dass Werner X seinem Leben ein Ende gesetzt hat, könne es Nachahmer geben, eine Annahme, die so abwegig ist, dass wir kein Reaktionsmuster dafür haben. In einem Bericht, der offenkundig nur deshalb geschrieben wurde, um Horst Seehofer einmal mehr öffentlich zu demütigen, fehlt nicht nur jegliche journalistische Redlichkeit, die z.B. darin bestanden hätte, nicht nur zu prüfen, was man berichtet, sondern auch die GEGENSEITE ZU WORT KOMMEN ZU LASSEN:

Statt dessen gefällt sich die Tagesschau-Redaktion darin, SPD und Grüne zu hofieren und ihre Leser mit dem folgenden Hinweis zu verärgern:

Mit anderen Worten: Wir haben nicht über einen einzigen der 7.397 Selbstmorde von Männern im Jahr 2015 berichtet, weil es der Pressekodex gebietet und wir der irrsinnigen Ansicht sind, dass sich unsere Leser selbst umbringen, wenn wir über Selbstmord berichten. Dieses Mal machen wir aber eine Ausnahme, weil wir Horst Seehofer gerne in die Pfanne hauen wollen und es uns egal ist, ob Sie sich umbringen oder nicht. Die Denunziation von Seehofer ist uns wichtiger als Ihr Leben.

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Mehrheit ist überzeugt: Hitler hat keinen Selbstmord begangen

Wenn es das Ziel des Geschichtsunterrichts in Deutschland war, Schülern den Glauben an die Gewissheit zu vermitteln, dass Hitler den 2. Weltkrieg für sich durch einen Selbstmord beendet hat, dann hat dieser Geschichtsunterricht in weiten Teilen versagt.

Dies zeigt eine Befragung, die wir auf ScienceFiles durchgeführt haben.

Neue Dokumente, die von den Geheimdiensten der Alliierten nach und nach und zuweilen auch auf Wink mit dem „Freedom of Information Act“ freigegeben werden, zeigen, dass selbst die Alliierten und noch lange Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Zweifel an der offiziellen Selbstmord-Version hatten. Tatsächlich sind der britische und der US-amerikanische Geheimdienst noch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs jedem Hinweis darauf, dass Hitler gesehen worden sein soll bzw. dass ihm die Flucht nach Argentinien gelungen sein soll, mit viel Manpower nachgegangen. Das tut man nicht, wenn man weiß, dass die Nachforschungen sinnlos sind, weil der angeblich Gesehene seit dem 30. April 1945 nicht mehr am Leben ist.

Wie dem auch sei, die Mehrheit der 2080 ScienceFiles-Leser, die an unserer Befragung teilgenommen hat, ist nicht der Meinung, Hitler habe Selbstmord verübt. 54% (1.119 Leser) zweifeln an der offiziellen Version, die 21% (441 Leser) für richtig halten. Eine große Zahl von Lesern weiß schlicht nicht, wem sie folgen soll: der offiziellen Version oder den Zweifeln daran. 488 Leser (23%) geben an, dass sie nicht wissen, ob Hitler Selbstmord verübt hat, wie die offizielle Geschichtsschreibung behauptet, oder nicht. 32 Leser (2%) haben uns ihre eigenen, zum Teil elaborierten Gedanken darüber mitgeteilt, wie Hitler die Flucht – bei manchen bis in die Antarktis – gelungen ist.

SF Hitler Selbstmord

Hat Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg überlebt? Neue Zweifel an offizieller Geschichtsschreibung

Die offizielle Geschichtsschreibung liest sich in Deutschland wie folgt: Am 30. April hat sich Adolf Hitler in seinem Bunker unter der Reichskanzlei in Berlin erschossen. So steht es auch in der Wikipedia, und somit muss es stimmen.

Oder stimmt es nicht?

stars__stripes__hitler_dead-newsUm den Tod von Adolf Hitler ranken sich eine Vielzahl von Fragen und somit ist es kein Wunder, dass eine Vielzahl von Theorien verbreitet sind, deren Tenor darin besteht, dass Hitler seinen Tod nur vorgetäuscht hat.

Einige Ursachen dafür, dass Zweifel an der offiziellen Story vom Selbstmord von Adolf Hitler aufgekommen sind, sind die folgenden:

Ein Schädelfragment, das in russischen Archiven als Teil des Schädels von Adolf Hitler aufbewahrt wurde, hat sich als Fragment des Schädels einer Frau herausgestellt.

Nach offizieller Geschichte wurde Hitlers Körper im Hof der Reichskanzlei verbrannt. Der Beleg dafür, dass es tatsächlich Hitlers Körper war, der verbrannt wurde, basiert auf einer Zahnbrücke, die Fritz Echtmann, Assistent von Hugo Blaschke, dem Zahnarzt Hitlers als Zahnbrücke von Hitler identifiziert hat.

Auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945) hat Josef Stalin auf die Frage von Harry Truman, ob Hitler nun tot sei, mit „Nein“ geantwortet, obwohl die Reste von Hitler bereits am 2. Mai von sowjetischen Soldaten entdeckt worden sein sollen.

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Zweifel daran, dass Hitler tatsächlich am 30. April 1945 Selbstmord begangen hat, halten sich hartnäckig. Die Geschichte mit dem Hitler Doppelgänger, der an seiner Stelle umgebracht wurde (Hitler hatte tatsächlich einen Doppelgänger, der auch nachweislich eingesetzt wurde, sein Name: Gustav Weler), hat sich schon kurz nach dem 2. Weltkrieg verbreitet und ihren Niederschlag selbst in Büchern von Agatha Christie (Passenger from Frankfurt) gefunden. Neuerliche Nahrung erhalten die Gerüchte durch die De-Klassifizierung von Akten der britischen und US-amerikanischen Geheimdienste, aus denen hervorgeht, dass MI6, CIA und FBI noch im Jahre 1949 davon ausgegangen sind, dass Hitler sich nach Argentinien abgesetzt hat und in San Carlos de Bariloche einige Jahre gelebt hat, bevor der Sturz von Juan Peron (1955) seinen Umzug zur Folge hatte.

Gemeinsam mit dem Vatikan hat die Administration von Juan Peron über die so genannten rat lines geschätzte 6.000 ehemalige Nazis nach Argentinien geschleust, darunter Josef Mengele, Erich Priebke, Adolf Eichmann, Josef Schwammberger und Gerhard Bohne.

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Inalco-House, San Carlos de Bariloche

Ein Team, um den ehemaligen CIA-Mitarbeiter Bob Baer und John Cencich, der für die UN Material gegen Kriegsverbrecher gesammelt hat, behauptet auf Grundlage von rund 700 erst kürzlich de-klassifizierten Dokumenten, Belege dafür gefunden zu haben, dass Hitler über die kanarischen Inseln per U-Boot nach Argentinien geflohen ist und in Südamerika bis zu seinem natürlichen Tod in den 1960er Jahren gelebt hat. Zu den Belegen, die die Gruppe um Baer bislang zusammengetragen hat, gehören neben Dokumenten von CIA, FBI und MI6 auch Artefakte vor Ort wie z.B. eine kürzlich entdeckte Militäranlage mit Nazi-Emblemen in Misiones, Argentinien sowie Augenzeugen, die Hitler vor Ort gesehen haben wollen.

Natürlich erfüllt das, was wir gerade zusammengetragen haben, den Tatbestand einer Verschwörungstheorie, denn Theorien, die der offiziellen Lesart und der Vorgabe des Ganges der Geschichte widersprechen, werden generell als Verschwörungstheorien angesehen. Gegenstand von Wissenschaft und Forschung ist es jedoch, auch den Theorien nachzugehen und die Theorien zu prüfen, die den Theorien, die bislang als gültig angesehen werden, widersprechen, sofern es begründete Zweifel an der Richtigkeit der offiziellen Theorien gibt.

Deshalb fragen wir unsere Leser: Was glauben Sie, ist die offizielle Geschichtsschreibung, nach der Adolf Hitler Selbstmord begangen hat, richtig oder falsch?

Was glauben Sie?

Ende des Rentenbezugs: Immer mehr Alte nehmen sich das Leben

Eine gesellschaftliche Gruppe, die in Deutschland zur Randständigkeit verurteilt ist, sind die Alten. Alte kommen als Wohlfühlrentner auf Mallorca oder als Demenzproblem im Dreibettzimmer des Pflegeheims vor. Ansonsten erfahren sie keine besondere Aufmerksamkeit geschweige denn Wertschätzung.

Sie sind keine besonderen Toten unter denen, die bei einem Flugzeugabsturz umgekommen sind. Die besonderen Toten sind immer Kinder (z.B.: “darunter 10 Kinder). Alte kommen nicht als Klientel vor, deren eigenständiger Lebensabend durch besondere Angebote verbessert werden muss, z.B. durch Versorgungsangebote wie sie im Vereinigten Königreich Normalität sind, wo jeder große Supermarkt auch direkt nach Hause liefert.

Anwohner-protestieren-gegen-Demenz-WG-Weilheimer-Tagblatt-16.05.12Alte bleiben, so kann man kurz zusammenfassen, auf der Strecke, es sei denn, man kann sie instrumentalisieren und sich ihrer annehmen, sie zum Anlass nehmen, um eine Einnahmequelle zu erschließen. Dies dürfte der Grund dafür sein, warum fast hämisch über die Mallorca-Alten berichtet wird, während die Demenz-Alten zumindest noch als Einnahmequelle taugen.

Entsprechend ist es zunächst erfreulich, dass die Deutsche Stiftung Patientenschutz anlässlich des Weltsuizidtages (der war gestern) darauf hinweist, dass Alte unter denen, die sich das Leben nehmen, überrepräsentiert sind. Über 59jährige machen derzeit rund 27% der deutschen Bevölkerung aus, stellen aber 45% der Suizidopfer. Diese Daten hat Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz im Tagesspiegel zum besten gegeben.

Die Zahlen stimmen tatsächlich, wie eine Überprüfung durch ScienceFiles auf Basis der Todesursachenstatistik und der Todesursache “vorsätzliche Selbstbeschädigung”, wie Selbstmord heute heißt, ergeben hat (siehe die beiden Abbildungen): Während seit 2000 der Trend bei der Häufigkeit von Suiziden über alle Altergruppen berechnet, rückgängig ist (r2 = .537) ist die Anzahl der über 59jährigen, die sich das Leben nehmen, seit 2000 nahezu konstant geblieben (r2 = .078). Dies findet seinen Niederschlag im Anteil der über 59jährigen unter allen, die sich von 2000 bis 2013 das Leben genommen haben. Er ist von 39,2% auf 44,5% angestiegen.

Suizid Alte

Somit muss man an dieser Stelle feststellen, dass die Anzahl der Alten, die sich jährlich das Leben nehmen, realtiv zu allen, die sich das Leben nehmen, jährlich um drei Prozent steigt. Offensichtlich, so muss man schließen, hat diesen Alten die deutsche Gesellschaft nichts mehr zu bieten. Jedenfalls muss man zu dieser Hypothese kommen, wenn man der Ansicht ist, dass der Selbstmord eines Menschen das Ergebnis fehlender Perspektiven, persönlicher wie gesellschafticher Perspektiven, ist.

Eugen Brysch kommt auch zu diesem Schluss und versucht diesen Schluss dem Status der zu prüfenden Hypothese, den er bei uns hat, zu entheben und als Erklärung für die relativ häufigere Selbsttötung unter über 59jährigen zu etablieren: “Häufig leiden die Betroffenen Brysch zufolge an Depressionen, die oft nicht erkannt und somit nicht therapiert werden. In Pflegeheimen habe sogar die Hälfte der Bewohner depressive Symptome und jeder Fünfte leide unter schwerer Depression, sagte Brysch”.

Diese Informationen sollen in einem anderen Beitrag im Berliner Tagesspiegel enthalten sein, der entsprechend als Quelle angeführt wird, um die Behauptungen über die Ursache “Depression” für die Wirkung “Selbstmord” zu stützen. Indes, der verlinkte Beitrag enthält Aussagen von Eugen Brysch, aber keinerlei Informationen darüber, ob Alte depressiv sind, ob über 59jährige depressiver sind als unter 60jährige, ob Insassen von Pflegeheimen im Vergleich zur Restbevölkerung besonders depressiv sind usw. Es gibt schlicht keine Informationen dazu, was kein Wunder ist, denn Alte sind als Untersuchungsgegenstand in den meisten Sozialwissenschaften eher nicht vorhanden.

Durkheims SelbstmordWarum also behauptet Brysch, Alte wären besonders depressiv und deshalb häufiger Selbstmörder als jüngere, wenn er keinerlei Daten dazu hat? Nun, er fordert ein Aktionsprogramm Suizidprophylaxe 60plus”. Das Programm muss vom Bundesgesundheitsministerium eingerichtet und aus Steuergeldern finanziert werden und als ein solches Programm wird es das Auskommen einer Vielzahl der Psychologen sichern, die derzeit auf Halde ausgebildet werden.

Alte haben eben keinen Wert an sich, sondern nur, wenn man sie zum Gegenstand eines Programms machen und als Einkunftsquelle aufbauen kann. Dann werden selbst Alte interessant. Am Ende entdeckt noch einer, dass Männer unter den Selbstmördern überrepräsentiert sind und fordert ein “Aktionsprogramm Suizidprophylaxe Mann”. Noch eine Möglichkeit, Psychologen durchzufüttern.

Leider ändern entsprechende Programm nichts daran, dass die Ursachen dafür, warum sich Menschen über 59 Jahre relativ häufiger umbringen als Menschen unter 60 Jahren, unbekannt sind. Ebenso wie unbekannt ist, ob Depression dabei eine Rolle spielt oder nicht, ob es private Probleme oder gesellschaftliche Strukturen sind, die dazu beitragen, dass Alte ihr Leben vorzeitig beenden. Ob gesundheitliche Gründe eine Rolle spielen, ist ebenso unbekannt wie unbekannt ist, welche Rolle der eigenen Familie, die man vielleicht nicht mehr ertragen kann, zukommt.

Es gibt eben keinerlei Daten zu über 59jährigen Selbstmördern, die Auskunft auf diese Fragen geben würden, aber das macht nichts, denn es geht nicht darum, diesen Alten zu helfen, sondern darum, diese Alten zur Einkunftsquelle zu machen. Dazu braucht man kein Wissen über die Ursachen von Selbstmord.

Diskriminierung: Ursache von Suizid oder psychischer Erkrankung bei Homosexuellen?

Teil III:

Suizidrisiko, psychische Erkrankungen/Probleme bei Nicht-Heterosexuellen und die diesbezügliche Bedeutung von Stigmatisierung und Diskriminierung

(zu Teil II bzw. zu Teil I)

Wer sich einen Überblick über den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit oder Krankheit und sexueller Orientierung sowie die Rolle, die Vorurteile und Diskriminierung hierbei spielen oder spielen könnten, verschaffen möchte, dem sei die Lektüre von Herek und Garnets (2007) sowie Meyer (2003) empfohlen. Zusammenfassend halten Herek und Garnets fest:

“In summary, the available empirical data suggest that although most nonheterosexual men and women function well, this population may be at heightened risk for some forms of psychopathology, psychological distress, and problems with substance use. Because operational definitions of sexual orientation have differed across studies and most samples have included relatively small numbers of nonheterosexuals, however, these data do not offer many insights into the factors that distinguish the well-functioning majority of sexual minority individuals from those who are distressed” (Herek & Garnets 2007:359; Hervorhebung d.d.A.).

Wir sind also wieder mit einigen der inzwischen hinreichend besprochenen methodischen Mängeln konfrontiert, die es unmöglich machen, zum einen mit (relativer) Sicherheit zu sagen, dass Nicht-Heterosexuelle häufiger oder schwerwiegendere psychische Probleme haben als Heterosexuelle, und zum anderen ggf. Gründe hierfür zu identifizieren.

Die Meta-Studie von King et al. (2008) auf der Grundlage von 25 Studien, die bestimmte Einschlusskriterien erfüllten, hat das folgende Ergebnis erbracht:

„Meta-analyses revealed a twofold excess in suicide attempts in lesbian, gay and bisexual people [pooled risk ratio for lifetime risk 2.47 (CI 1.87, 3.28)]. The risk for depression and anxiety disorders (over a period of 12 months or a lifetime) on meta-analyses were at least 1.5 times higher in lesbian, gay and bisexual people (RR range 1.54–2.58) and alcohol and other substance dependence over 12 months was also 1.5 times higher (RR range 1.51–4.00). Results were similar in both sexes but meta analyses revealed that lesbian and bisexual women were particularly at risk of substance dependence (alcohol 12 months: RR 4.00, CI 2.85, 5.61; drug dependence: RR 3.50, CI 1.87, 6.53; any substance use disorder RR 3.42, CI 1.97–5.92), while lifetime prevalence of suicide attempt was especially high in gay and bisexual men (RR 4.28, CI 2.32, 7.88)” (King et al. 2008: 1 of 17).

Wie die Autoren berichten, hat aber nur eine einzige Studie alle der vier von den Autoren gewählten Qualitätskriterien erfüllt (King et al. 2008: 1 of 17), und weitere sieben haben drei der vier Qualitätskriterien erfüllt, was einmal mehr zeigt, dass der Forschungsstand auch in neuerer Zeit als höchst unbefriedigend bezeichnet werden muss, und außerdem bedeutet, dass man davon ausgehen muss, dass sich hier lediglich Tendenzen abzeichnen, derer Verallgemeinerbarkeit aber (zumindest derzeit noch) in Frage steht (mit Bezug auf Suizidrisiko vgl. Teil II).

HIVhomophobiaTheoretisch kann man vermuten, dass eine gesellschaftliche Stigmatisierung nicht-heterosexueller Orientierung ein chronischer Stressfaktor sein kann, der seinerseits zu psychischen Problemen oder gar Erkrankungen führen kann, die ihrerseits zu einem erhöhten Suizidrisiko führen können. Dass psychische Erkrankungen aber nicht als – auch nur einigermaßen – zuverlässiger Indikator für ein erhöhtes Suizidrisiko angesehen werden können, hat die bereits in Teil II vorgestellte Studie von de Graaf, Sandfort und ten Have (2006) gezeigt.

Würde man sich aber um den Zusammenhang zwischen psychischen Problemen und sexueller Orientierung um seiner selbst willen sorgen, und würde man weiterhin meinen, dass er durch gesellschaftliche Stigmatisierung nicht-heterosexueller Orientierungen vermittel sei, dann müsste man zuerst den Nachweis erbringen, dass nicht-heterosexuelle Orientierungen gesellschaftlich stigmatisiert sind, was bislang aber nicht erfolgt ist.

Betrachtet man die Entwicklung der die Nicht-Heterosexuelle betreffenden Rechtslage in den meisten westlichen Ländern während des vergangenen Jahrzehnts, so kann man eine kontinuierlich schrumpfende gesellschaftliche Stigmatisierung nicht-heterosexueller Orientierung bzw. Nicht-Heterosexueller beobachten (vgl. hierzu z.B. Johnson 2013 oder die Beiträge im von Boele-Woelki und Fuchs im Jahr 2003 herausgegebenen Sammelband).

Wilde Dorian Grey

Als Homophobie noch real war

Alternativ könnten homophobe Einstellungen in weiten Teilen der Bevölkerung einer Gesellschaft einen Stressfaktor für Nicht-Heterosexuelle darstellen, wenn sich diese Einstellungen in (negativen) Diskriminierungen niederschlagen würden. Aber auch dafür, dass homophobe Einstellungen in den westlichen Ländern weit verbreitet sind und sich in diskriminierenden Handlungen gegenüber Nicht-Heterosexuellen niederschlagen, gibt es keinen Beleg. Im Gegenteil: Einstellungsforschung auf der Basis europaweiter Daten zeigen, dass die Akzeptanz von Homosexualität in der europäischen Bevölkerung zwischen 1981 und 2008 kontinuierlich gestiegen ist (Takács & Szalma 2013: 14-17). Massenhafte Homophobie lässt sich derzeit also nur dadurch konstruieren, dass man alle möglichen als nicht politisch korrekt geltenden Äußerungen als Indikatoren für Homophobie auslegt, wie dies z.B. in der Gegenpetition zur Petition zum baden-württembergischen Bildungsplan 2015 zum Ausdruck kommt.

Belege gibt es lediglich dafür, dass Nicht-Heterosexuelle, wenn man sie danach fragt, von Diskriminierungsgefühlen oder -erfahrungen zu berichten wissen, wie dies z.B. in der Studie, die von  MANEO –  Das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin (MANEO 2007), zu beobachten ist oder in der Münchener „Regenbogen-Studie“ (Landeshauptstadt München 2004), wobei diese Studien keine heterosexuelle Vergleichsgruppen enthalten und außerdem auf den subjektiven Erfahrungsberichten (tatsächlich oder vermeintlich) erlebter oder (tatsächlich oder vermeintlich) beobachteter (negativer) Diskriminierung samt subjektiver Interpretationen dessen, was der Grund für die Diskriminierung gewesen sei, basieren, was sie mehr oder weniger nutzlos macht. So lautet z.B. ein Item, zu dem die Befragten in der Münchener Regenbogen-Studie Stellung nehmen sollten, „Ich habe erlebt, dass jemand aufgrund seiner/ihrer Homosexualität psychischem Druck ausgesetzt wurde (z.B. Einschüchterung, Psychoterror, Bedrohung usw.)“, und dieses Items beinhaltet so ziemlich alles, was in der empirischen Sozialforschung als auf jeden Fall zu vermeiden gilt, nämlich gleich eine ganze Reihe verschiedener Stimuli, ein sehr hoher Abstraktionsgrad der Stimuli (was z.B. ist „Psychoterror“ oder „psychischer Druck“?) und die Aufforderung, von Beobachtungen von Stimuli sehr hohen Abstraktionsgrades bei anderen ex post facto zu berichten.

homo-Quote1Was diese und ähnliche Studien zeigen, ist also ziemlich unklar, aber was sie nicht zeigen, lässt sich klar benennen: erstens, dass Nicht-Heterosexuelle tatsächlich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert würden, zweitens, dass sie häufiger diskriminiert würden, als Heterosexuelle, und drittens, dass ihre Diskriminierungserfahrungen bei ihnen zu psychischen Problemen geführt hätten oder führen würden.

Notwendig wäre vielmehr, im Anschluss an moderne Stressmodelle und –studien zu unterscheiden zwischen (a) objektiven oder externen, beobachtbaren Stressoren, (b) den Erwartungen und Interpretationen von Menschen mit Bezug auf Vorurteile und Diskriminierungen und c) der Internalisierung von (tatsächlichen oder vorgestellten) Vorurteilen (vgl. Herek & Garnets 2007: 360), die zu Problemen, sich selbst zu akzeptieren, oder zu Minderwertigkeitsgefühlen führen können.

Einige Studien, die sich mit der Frage nach den psychischen Problemen oder dem Suizidrisiko Homosexueller beschäftigen, tun dies (so oder in ähnlicher Weise). So hat die bereits erwähnte Studie von de Graaf, Sandfort und ten Have (2006) ergeben, dass wahrgenommene Diskriminierung in einem positiven Zusammenhang mit Todeswünschen, Selbstmordgedanken und Selbstverletzung stand, aber nur bei Männern.

Hill und Pettit (2012) versuchen in ihrer Studie, auf der Grundlage von Daten von 198 Studierenden die Frage zu beantworten: „Does Sexual Orientation Indirectly Effect Suicidal Ideation through Thwarted Belongingness and Perceived Burdensomeness?“ (Hill & Pettit 2012: 574), und sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Empfindung, anderen eine Last zu sein, einen Teil des Zusammenhangs zwischen sexueller Orientierung und Selbstmordgedanken vermittelt, aber keineswegs den gesamten Zusammenhang, und verhinderte Selbstakzeptanz oder ein eingeschränktes Zugehörigkeitsgefühl diesen Zusammenhang überhaupt nicht vermittelt (Hill & Pettit 2012: 575).

Als Homophobie noch real war

Als Homophobie noch real war

Eine Studie von Lewis et al. aus dem Jahr 2003, in deren Rahmen die Effekte verschiedener Größen auf depressive Symptome bei homosexuellen und bisexuellen Männern und Frauen untersucht wurden (also wieder einmal keine Vergleichsgruppe von Heterosexuellen enthalten ist), unterscheidet zwischen „gay-related stress“ und „life stress“. „Gay-related stress“ bezeichnet „stress [that] occurs when gay men and lesbians must deal with stressors that are unique to their sexual orientation“ (Lewis et al. 2003: 716) wie z.B. negative Reaktionen auf den Partner durch Eltern oder Freunde, Gewalt oder Belästigung durch andere oder Schwierigkeiten am Arbeitsplatz aufgrund der Homosexualität oder Ängste und Schwierigkeiten mit Bezug auf HIV/AIDS. „Life stress“ entsteht z.B. durch den Tod des Partners oder eine Trennung oder Scheidung. Daneben werden in der Studie „stigma consciousness“ (nach Pinel 1999), d.h. das Ausmaß, in dem Menschen, die einer sozialen Minderheit angehören, erwarten, von anderen stereotypisiert zu werden, und internalisierte Homophobie, d.h. das Ausmaß, in dem ein Homosexueller sich mit der eigenen sexuellen Orientierung  unwohl fühlt oder sie ablehnt (Lewis et al. 2003: 721), sowie verschiedene demographische Merkmale berücksichtigt, um die Effekte all dieser Größen auf das Ausmaß depressiver Symptome bei den Befragten festzustellen.

Die Studie ergibt – wenig überraschend –, dass „gay-related stress“ und „life stress“ beide unabhängig voneinander einen positiven Effekt auf depressive Symptome haben (Lewis et al. 2003: 723) – oder umgekehrt, denn was Ursache und was Wirkung ist, lässt sich für in Querschnittsstudien beobachtete Zusammenhänge grundsätzlich nicht  entscheiden, was die Autoren selbst bemerken:

„The cross-sectional nature of our research also limits the ability to draw conclusions about the direction of effects. While it seems intuitively appealing that life events and gay-related stress predict subsequent depressive symptoms, a prospective study is needed to examine this relationship empirically” (Lewis et al. 2003: 727).

Weiter zeigt die Studie, dass “gay-related stress” und “stigma consciousness” unabhängig voneinander mit depressiven Symptomen zusammenhängen, also nicht dasselbe abbilden, wie man vielleicht meinen könnte, wenn man bedenkt, dass z.B. der Bericht von Schwierigkeiten am Arbeitsplatz aufgrund der Homosexualität ein Ausdruck dafür sein könnte, dass jemand erwartet, (auch) am Arbeitsplatz stigmatisiert oder stereotypisiert zu werden. Man könnte also sagen, dass die Befragten die Erwartung, stigmatisiert oder stereotypisiert zu werden, von tatsächlich erfahrenen Schwierigkeiten aufgrund ihrer Homosexualität bewusst oder unbewusst durchaus unterscheiden (können), und vielleicht ist das so. In jedem Fall zeigt die Studie von Lewis et al. aber, dass beides von keiner großen Relevanz ist, denn diese beiden Größen erklären gemeinsam und außerdem gemeinsam mit “internalized homophobia” und einem Maß für Offenheit im Umgang mit der eigenen Homosexualität nur einen geringen Anteil der Varianz auf der Variable „depressive Symptome“, nämlich 14 Prozent, womit 86 Prozent der Varianz auf der Variable unerklärt bleiben. Oder anders gesagt: Das Ausmaß depressiver Symptome hängt (auch?) bei Homosexuellen weit überwiegend von anderen Dingen oder Umständen ab als von Stress, der aufgrund ihrer Homosexualität entsteht, von internalisierter Homophobie, von der Erwartung, von anderen stigmatisiert oder stereotypisiert zu werden, und sogar von anderen Dingen als Lebensstress, was die Frage aufwirft, wovon sonst? Diese Frage wurde von den Autoren aber trotz der schlechten Erklärungskraft ihres Modells (also der nur 14 Prozent erklärten Varianz) nicht gestellt, und dementsprechend haben sie auch nicht über mögliche Antworten auf diese Frage spekuliert.

Festgehalten werden kann aus der Zusammenschau der Forschungsliteratur  also, dass bislang kein klarer und einfacher Zusammenhang zwischen Suizidrisiko und psychischen Erkrankungen/Problemen bei Nicht-Heterosexuellen bzw. zwischen psychischen Erkrankungen/Problemen bei Nicht-Heterosexuellen und Stigmatisierung und Diskriminierung von Nicht-Heterosexuellen belegt ist.

Homo-Quote2Dementsprechend können sich Interventionspläne wie sie z.B. im baden-württembergischen Bildungsplan 2015 formuliert sind, aber bereits im Jahr 1989 von Gibson vorgeschlagen wurden, und wie sie seitdem immer wieder unkritisch übernommen und wiederholt werden, nicht auf irgendwelche Tatsachen berufen, sondern basieren auf Spekulationen über Sachverhalte und teilweise auf Behauptungen über Sachverhalte, die bereits widerlegt sind, oder schlicht auf ideologisch oder materialistisch motivierten Anliegen, für die empirisch belegbare Sachverhalte schlicht keine Rolle spielen.

Im demnächst hier nachzulesenden letzten Teil, Teil IV, der Reihe von Texten, die wir zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung, Suizid(risiko), psychischen Erkrankungen/ Problemen und Stigmatisierung und Diskriminierung verfasst und veröffentlicht haben, wollen wir diesem negativen Ergebnis unserer Bestandsaufnahme eine positive Note hinzufügen und uns auch, aber nicht nur, der Frage widmen, was aus dem Forschungsstand heraus nicht begründet werden kann, sondern auch der Frage, was auf seiner Grundlage begründet werden kann oder könnte.
©ScienceFiles, 2014

Literatur:

Boele-Woelki, Katharina & Fuchs, Angelika (eds.), 2003: Legal Recognition of Same-Sex Couples in Europe. Antwerp: Intersentia.

De Graaf, Ron, Sandfort, Theo G. M. & ten Have, Margreet, 2006: Suicidality and Sexual Orientation: Differences Between Men and Women in a General Population-Based Sample From The Netherlands. Archives of Sexual Behavior 35, 3: 253-262.

Herek, Gregory M. & Garnets, Linda D., 2007: Sexual Orientation and Mental Health. Annual Review of Clinical Psychology 2007, 3: 353-375.

Hill, Ryan M. & Pettit, Jeremy W., 2012: Suicidal Ideation and Sexual Orientation in College Students: The Roles of Perceived Burdensomeness, Thwarted Belongingness, and Perceived Rejection Due to Sexual Orientation. Suicide and Life-Threatening Behavior 42, 5: 567-579.

Johnson, Paul, 2013: Homosexuality and the European Court of Human Rights. Abingdon: Routledge.

King, Michael, Semlyen, Joanna, Tai, Sharon See, Killaspy, Helen, Osborn, David, Popelyuk, Dmitri & Nazareth,  Irwin, 2008: A Systematic Review  of Mental Disorder, Suicide, and Deliberate Self Harm in Lesbian, Gay and Bisexual People. BMC Psychiatry 2008. 8 (August), Article 70.

http://www.biomedcentral.com/content/pdf/1471-244X-8-70.pdf (abgerufen am 23.01.2014).

Lewis, Robin J., Derlega, Valerian J., Griffin, Jessica L. & Krowinski,  Alison C., 2003: Stressors For Gay Men and Lesbians: Life Stress, Gay-Related Stress, Stigma Consciousness, and Depressive Symptoms. Journal of Social and Clinical Psychology 22, 6: 716-729.

Meyer, Ilan H., 2003: Prejudice, Social  Stress, and Mental Health in Lesbian, Gay, and Bisexual Populations: Conceptual Issues and Research Evidence. Psychological Bulletin 129, 5: 674-697.

Takács, Judit & Szalma, Ivett, 2013: How to Measure Homophobia in an International Comparison? Družboslovne razprave, XXIX (2013), 73: 11–42.

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