Gesinnungsterror an der Humboldt-Universität

HU-BerlinDie Humboldt-Universität, Vorreiter darin, Staatsfeminismus an Universitäten zu etablieren, wird die Geister, die sie gerufen hat, nicht mehr los. Wie es scheint, herrscht an der Humboldt-Universität der Gesinnungsmob, der vor lauter vermeintlich kritischem Hinterfragen von Texten anderer vergisst, dass die Kritik nicht bei Texten anderer, sondern beim eigenen Denken anfangen muss (was ein mittelmäßig gebildeter Student eigentlich wissen sollte, z.B. im Hinblick auf den Dauerbrenner der Philosphie: René Descartes).

Fefe hat in seinem Blog auf die neuesten Vorgänge an der HU-Berlin hingewiesen, Arne Hoffmann hat die Vorgänge dokumentiert, wir wollen sie zum Anlaß nehmen, um ein philosophisches Problem anzusprechen, das regelmäßig entsteht, wenn Faschisten antreten, um die Welt zu verbessern.

Beginnen wir mit einer Unterscheidung zwischen Geist und empirischer Welt, Erstere die Welt der Vorstellungen, Letztere die Welt der physischen Dinge. Seit es Philosophie gibt, haben sich Philosophen die Frage gestellt, wie man ausgehend vom eigenen Denken eine Verbindung mit der physischen Welt herstellt, und wie man sicherstellt, dass die Dinge, die man über die physische Welt aussagt, auch richtig sind (oder wahr). Von Anfang an gab es dabei zwei gegensätzliche Strömungen, eine Strömung, die das Primat des Geistes verkündet hat und die Wahrheit ihrer Aussagen über die Welt aus Schriften abgeleitet hat, bekanntestes Beispiel: die katholische Kirche. Die andere Strömung begann als Empirismus und hat sich heute zum kritischen Rationalismus weiterentwickelt. Sie geht davon aus, dass Aussagen über die Welt, die Prüfung an derselben überstehen müssen, um als richtig akzeptiert zu werden.

Popper_Leib Seele ProblemMit diesen beiden Strömungen gehen bestimmt logische Konsequenzen einher, von denen wir eine herausgreifen wollen: Menschen, die den Geist als primär ansehen und sich entsprechend auf bestimmte Wahrheiten berufen, haben die Diskussion durch eine unglückliche Verquickung ihrer Religion mit Wissenschaft erschwert, geht doch mit dieser Strömung die Überzeugung einher, dass die Intention, in der etwas geschrieben sei, wichtig sei, um die Richtigkeit dessen, was geschrieben wurde, zu bestimmen. Dies ist nicht nur ein eklatanter Irrtum, denn die Wahrheit der Behauptung, “Studentenvertreter an der HU-Berlin stehen hinter stalinistischen Kadern in keiner Weise zurück”, ist keine Aussage, deren Wahrheitsgehalt von der Intention oder gar Gesinnung dessen abhängt, der sie macht. Es ist eine Aussage, deren Wahrheitsgehalt an der Welt, an der Realität in einem Vergleich stalinistischer mit HU-Kadern überprüft werden muss.

Nun zum neuerlichen Gesinnungsterror, der an der HU-Berlin ausgeübt wird. Die üblichen Verdächtigen haben sich zusammengefunden, um Wissenschaft zu verunmöglichen, nämlich das Referat für Antirassismus, das Referat für Hochschulpolitik, das Referat für Queerfeminismus, das Referat für Lehre und Studium (Schau an, das gibt es auch noch), das Referat für Soziales, das Referat für Ökologie und Umweltschutz, das Referat für Studierende mit Kind(ern) und der Referentenrat, der eigentlich AStA heißt, der HU-Berlin.

AstA_HuSie alle monieren nicht nur, dass ein Tumult während einer Vorlesung von der Polizei aufgelöst wurde, sondern sie monieren vor allem, dass in der besagten Vorlesung rassistische Texte von z.B. “Hegel, Rousseau oder Kant” verbreitet werden. Darüber, was in der Vorlesung tatsächlich geschehen ist, gibt der Student und Augenzeuge, Constantin Weber anschauliche Auskunft. Wer die Art und Weise, in der Studenten, die als erwachsen gelten wollen, eine Vorlesung durch Schreien, Johlen und Klatschen verunmöglicht haben, genau nachlesen will, der sei auf den entsprechenden Text verwiesen.

Wir wollen uns auf die Begründung des AStA, der sich selbst Referentenrat nennt, und dessen Hompage einen roten Stern als Favicon hat, beschränken. Warum also denken Studenten, sie könnten in Vorlesungen auftauchen und Johlen und Schreien, wenn etwas besprochen wird, das Sie nicht mögen?

Das erste, was uns irritiert hat, war, dass sich die Johler selbst als “kritische Studenten” bezeichnen, die ersten kritischen Studenten, deren Kritik aus gutturalen Lauten besteht, so zu sagen. Diese selbsternannten kritischen Studenten monieren in einer Presseerklärung, dass “in der Vorlesung rassistische und anderweitig diskriminierende Teile unkritisch gelehrt und sogar verteidigt wurden. Kolonialrassistische Begriffe aus Texten wurden wiederholt und dabei zwar als abwertend gekennzeichnet, aber nicht als rassistisch kontextualisiert. Das gleiche galt für sexistische Inhalte der Vorlesung, wie uns mitgeteilt wurde.”

Wir sehen, der Lynchmob der sich selbst Referentenrat nennt, wird durch Denunziation (wie uns mitgeteilt wurde) aktiviert, scheint also nur darauf zu warten, gegen Rassismus, Sexismus, Kolonialismus und was auch immer zu Felde ziehen zu können. Und wie die kleine Passage lehrt, liegt der Kolonialismus, der Rassismus und der Sexismus in der Begriffsverwendung, wobei ein Begriff Wirkung einer als kausal gesetzten Intention sein soll. Wenn ich also sage: Neger!, dann bin ich ein Rassist. Die Benutzung eines Begriffes löst bei den entsprechenden HU-Kadern ganze Begriffswelten aus, die allesamt eine affektive Bindung zueinander aufweisen.

Erschreckend an den möchtegern kritischen Studenten sind dabei vier Dinge: (1) sie sind so kritisch, dass sie alles hinterfragen wollen, nur sich selbst nicht, (2) sie leiten aus der moralischen Überlegenheit, die sie sich selbst zuweisen, das Recht ab, andere mundtot zu machen, (3) sie sind bei aller angeblichen Kritikfähigkeit nicht in der Lage auch nur ein Argument anzugeben, warum Kant, Rousseau oder Hegel an Universitäten als Rassisten oder Sexisten der was auch immer, nicht gelehrt werden dürfen, außer dass es ihnen darum geht, “Re_produktion zu verhindern”, und (4) sie sehen sich nicht in der Lage, eine argumentative Auseinandersetzung zu bestehen, weil sie offensichtlich über keinerlei rationale Basis für ihre eigene Position verfügen und dies offensichtlich wissen.

Und da sind sie wieder, die Insignien der Faschisten. Fangen mit Punkt 3 an: Man muss andere Studenten, die aus Sicht der oben genannten “Referate” offensichtlich dumm sind, vor bösen Begriffen und Männern, wie Rousseau, die angeblich “in erster Linie männliche Individuen der Gesellschaft als Adressaten von Erziehung im Blick hatten“, schützen, ihnen den Kontakt am besten verunmöglichen und wenn dies nicht möglich ist, muss man die entsprechenden Autoren als Rassisten, Sexisten oder was auch immer darstellen, die “in ihren historischen und teilweise problematischen Kontext eingebettet sind“.

InquisitionWie gut, dass die Studenten, die denken, sie seien so kritisch, dass sie das Wahre und Richtige erkennen können und andere, dümmere und unkritischere Studenten vor dem Falschen und Unwahren bewahren können, in keinen historischen und teilweise problematischen Kontext eingebettet sind. Wie gut, dass sie so weiterentwickelt sind, dass sie Kant oder Rousseau nicht nur moralisch, sondern auch intellektuell und vor allem gefühlt überlegen sind. Wie gut, dass diese kritischen Studenten so selbstsicher darüber sind, dass sie im Besitz der richtigen und universal gültigen Wahrheit sind. Bestimmt ist ihnen dafür auch der freie Eintritt in den Himmel der Faschisten gewiss.

Die HU-Berlin hat sich ganz offensichtlich zum Hotspot der Wahrheits-Kader entwickelt. Wahrheits-Kader, die derzeit nur Andersgläubige niederschreien. Wahrheits-Kader, die ihre Überlegenheit, ihre höhere Einsicht derzeit nur dazu nutzen, um Druck auf Andere auszuüben und dumme Studenten vor falschen Lehren zu bewahren. Nach aller Evolution faschistischer Organisationen ist dies jedoch nur eine Übergangsphase ehe Gewalt und Einschüchterung zu den Mitteln der Wahl wird, denn wenn vermeintlich kritische Studenten, die im Vollbesitz der Wahrheit sind, Dritte vor etwas schützen wollen, dann ist ihnen jedes Mittel recht und wer weiß, vielleicht steht in ihrer heiligen Schrift ja etwas von der Erlösung der vom Bösen Verführten dadurch, dass man sie umbringt und ihre arme Seele befereit?

Die HU-Berlin ist nicht nur zum Hotspot verkommen, an dem sich faschistische Kader treffen, sie ist als Ort, an dem man Wissen als Student nachfragt, langsam aber sicher diskreditiert. Insofern ist es erstaunlich, dass sich die Universitätsverwaltung nicht eindeutig hinter ihre Dozenten stellt, dass sie dem Treiben vermeintlicher Studentenvertreter tatenlos zusieht. Aber vielleicht ist das Ganze ja gewollt, um einen Mechanismus der Selbstselektion anzukurbeln, der die Dozenten und Studenten, die lehren und lernen wollen, von der HU-Berlin entfernt bzw. fernhält und einen kontinuierlichen Zustrom derjenigen auslöst, die alles, nur nicht lernen und lehren wollen, da sie schon im Vollbesitz der Wahrheit sind und nur noch nach Gelegenheiten suchen, andere mit ihrer Wahrheit zu verfolgen.

Bei alldem stellt sich vor allem die Frage, ob diesen vermeintlichen Studenten nicht das BAFöG gestrichen werden muss. Es ist nicht einzusehen, warum Steuerzahler Faschisten unterhalten sollen. Wir sind sicher, die HU-Kader werden unabhängige Mäzene finden, denn die Nachfrage nach Faschisten ist derzeit wieder sehr groß.

P.S.

Immerhin gibt es derzeit noch mindestens zwei Studenten, die an der HU-Berlin etwas lernen wollen, oben bereits genannten Constantin Weber, der sich an den AStA der HU-Berlin gewendet hat und ein ungenannter Student, der die Polizei gerufen hat, um die Johler aus dem Vorlesungssaal entfernen zu lassen.

 

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