Gender Pay Crap: Können Lügen zur Wahrheit mutieren?

believe the lieWissen Sie eigentlich, dass heute Weltfrauentag ist? Nein, nun, das macht nichts. Der Weltfrauentag hat zwischenzeitlich den Status des Geburtstages von Adolf Hitler. Nur noch eine kleine Minderheit, bestehend aus all denen, die sich von der Tatsache, dass sie weiblich sind oder der Behauptung, dass Frauen benachteiligt sind, einen Vorteil versprechen oder die mit ihrem weiblich Sein oder der Behauptung der Benachteiligung von Frauen ihren Unterhalt bestreiten, begehen diesen Gedenktag an eine Inszenierung, die dazu gedacht war, Equity-Prinzipien und Leistung auszuhöhlen.

Vor allem öffentliche Verwaltungen fühlen sich nach wie vor genötigt, dem alten Fetisch zu huldigen, und so hat sich auch die Europäische Kommission wieder dazu verpflichtet gefühlt, die alte Lüge vom Gender Pay Gap zu wiederholen, ganz so, als könnte man eine Lüge durch ständiges Wiederholen zu einer Wahrheit umformen.

truthDie letzte Wiederholung der EU-Kommissions hat Ratschläge zum Gegenstand, die die Mitgliedsstaaten nutzen sollen, um das nicht existente Gender Pay Gap zu beseitigen. Jetzt, wo man das so liest, zeigt sich noch ein weiterer Nutzen, den Behauptungen wie die eines Gender Pay Gaps haben. Einerseits kann man diese Behauptung im Kontext der Frauenförderung einsetzen, um Programme für Gender Pay Gap Berater, Frauenförderer und sonstige unnötige Beschäftigungen aus dem Boden zu stampfen und zu finanzieren, andererseits kann man dadurch, dass man etwas behauptet, das es nachweislich nicht gibt, ungefährdet den eigenen Aktionismus feiern. Und wenn es gelingt, den eigenen Aktionismus unter dem Rubrum von “gut” zu feiern, dann um so besser.

Interessant an diesem letzten Versuch der EU-Kommission ist, dass kaum mehr Anstrengungen unternommen werden, den Gender Pay Gap so zu verpacken, dass er nicht unmittelbar als Lüge erkennbar ist. So heißt es bereits im ersten Satz der Empfehlungen:

“The gender pay gap is shown as a percentage of men’s earnings and represents the difference between the average gross hourly earnings of male and female employees across the EU economy.”

Das macht deutlich, dass das angebliche Gender Pay Gap nichts mit der Realität, aber viel mit Ideologie zu tun hat. Wie macht es das deutlich? Nun, wenn man das durchschnittliche Monatsgehalt der EU-Parlamentarier von rund 8.000 Euro ohne die üblichen Zuschläge von nochmals in der Regel rund 6.000 Euro berücksichtigt, dann ensteht ein erhebliches EU Pay Gap zwischen Parlamentarieren und Bürgern, z.B. in Deutschland, die sich mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltseinkommen von  rund 3.900 Euro begnügen müssen.

Vermutlich werden EU-Parlamentarier argumentieren, dass sie auch mehr leisten als der durchschnittliche Deutsche und versuchen, das EU-Pay Gap damit zu rechtfertigen. Mit anderen Worten: Sie werden ein Equitätsargument für sich ins Feld führen, ein Argument, das ihnen bislang, wenn es um das angebliche Gender Pay Gap ging, nie eingefallen ist. Geht es um das Gender Pay Gap, dann ist keine Annahme primitiv genug, und dann nimmt man auch einmal an, dass sich Männer und Frauen in den Berufen, die sie ausüben, der Ausbildung, die sie erwerben, der Motivation, die sie mitbringen und allen sonstigen für das Entgelt relevanten Variablen nicht unterscheiden. Dann besteht die Bevölkerung plötzlich aus Klonen, die alle dieselben Fähigkeiten, Fertigkeiten, Motivationen usw. haben, ein Volk der Hans und Helga Musterdeutschen.

Campbell MythWir sagen, bislang war Politikern und Administratoren keine Annahme primitiv genug, um das herbei phantasierte Gender Pay Gap als Realität verkaufen zu können. In den Empfehlungen der EU-Kommission ist das nun anders. Hier werden plötzlich Ursachen für das Gender Pay Gap angeführt, also Gründe, warum das Gap nicht das normativ verwerfliche Gap ist, das man gerne daraus machen will, sondern dafür, dass Gehaltsunterschiede auf Unterschiede in einer Vielzahl von Variablen und nicht zuletzt auf Unterschiede im Wert der geleisteten Arbeit zurückzuführen sind.

So meint die EU-Kommission:

  • die Tatsache, dass Frauen vor allem in Berufen tätig sind, die schlechter bezahlt werden als die Berufe, in denen Männer tätig sind, sei für das Gender Pay Gap verantwortlich und nennt die sozialen Berufe als Beispiel.

Ja, so ist das in einer Marktwirtschaft: Bezahlung erfolgt nach Leistung und nach Wert der Leistung und wenn einer Leistung kein sonderlich hoher Wert beigemessen wird, wie dies z.B. durch Krankenkassen erfolgt, die Pflegesätze und damit die Einkommen von Pflegern oder Pflegediensten gering halten, dann sind die entsprechenden Verdienstmöglichkeiten gering, ganz so, wie sie auch für Hilfsarbeiter oder Reinigungskräfte gering sind. Das weiß man, und deshalb kann, wer gerne mehr verdienen will, jederzeit Astrophysik studieren und bei NASA zu Spitzenlöhnen einsteigen.

Der nächste Grund, den die EU-Kommission angibt, offenbart das Unternehmen Gender Pay Gap dann vollständig als Farce, die erdacht wurde, um Mittelschichtsfrauen eine Gelegenheit zum Nutznießen zu verschaffen, lautet er doch:

  • die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen;

Wie viele Führungspositionen gibt es eigentlich in Europa? Und welchen Effekt haben die Führungspositionen auf die Einkommensverteilung? Wer hat mehr Einfluss auf den mittleren Stundenlohn, der der Berechnung des Gender Pay Gap zu Grunde gelegt wird, 1000 Pfleger oder eine Managerin bei Mercedes?

Schließlich fallen den Verantwortlichen bei der EU Kommission noch die üblichen vielleicht-Ursachen ein: Die Tatsache, dass mehrheitlich Frauen Kinder erziehen und dass angeblich an Arbeitsplätzen nach Geschlecht diskriminiert wird.

free will2Und deshalb wiederholen wir einmal mehr und monoton: Niemand zwingt Frauen, Kinder in die Welt zu setzen. Niemand zwingt sie, Kinder zu erziehen. Auch Frauen haben einen freien Willen, und wenn sie diesen Willen einsetzen, um Kinder zu bekommen, dann muss man annehmen, dass sie bereit sind, die Folgen, die damit einhergehen, zu tragen. Also wieder nichts mit dem bösen Gender Pay Gap. There is no free lunch, wie Milton Friedman einmal gesagt hat.

Und die alte Litanei, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Gehalt bekommen als Männer, so oft sie auch angestimmt wurde, hat immer noch keinen einzigen Beleg erbracht, keine einzige Frau, die dieselbe Arbeit macht, wie ein Mann und dafür schlechter bezahlt wird, konnte bislang präsentiert werden.

Die schlappen Versuche der EU-Kommission ihre Gender Pay Gap Lüge zu verbreiten, machen deutlich, dass die Gender Pay Gap Nutznießer Bewegung an Fahrt verloren hat. Die EU-Kommission sieht in der Bewegung nurmehr eine Möglichkeit, die eigene Sphäre des Einflusses zu erweitern. Die eigentlichen Nutznießer treffen immer häufiger auf die Frage nach den Belegen für das angebliche Gender Pay Gap. Zeit, den ganzen Unfug zu begraben und ein neues Pay Gap zu öffnen! Wie wäre es damit: Homosexuelle werden für gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Heterosexuelle?

Wer sich mit allen Argumenten gegen das Gender Pay Gap ausrüsten will, dem seien die Beiträge empfohlen, die dazu bereits auf ScienceFiles erschienen sind.

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25 Responses to Gender Pay Crap: Können Lügen zur Wahrheit mutieren?

  1. wollepelz says:

    Hat dies auf p e l z blog rebloggt und kommentierte:
    Gender Pay Crap… …sehr schön.

  2. … die Tatsache, dass Frauen vor allem in Berufen tätig sind, die schlechter bezahlt werden als die Berufe, in denen Männer tätig sind, sei für das Gender Pay Gap verantwortlich und nennt die sozialen Berufe als Beispiel.
    Nun ist dies allerdings nicht der Umstand, der als Gender Pay Gap gilt. Vielmehr bezeichnet Gender Pay Gap die Behauptung, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Lohn als Männer erhalten. Die EU-Kommission biegt sich den Begriff ersichtlich nach Belieben zurecht.

    Dass Berufe in denen überwiegend Frauen tätig sind, schlechter bezahlt werden, liegt m.E. daran, dass Frauen weniger solidarisch sind als Männer und deswegen gemeinsame Forderungen nicht gleichermaßen unterstützen. Das wiederum mag auch daran liegen, dass viele Frauen ihre Erwerbsarbeit nicht als Beitrag zum Familieneinkommen betrachten und deswegen Lohnforderungen eher scheuen.

    Beispielhaft ist die Lohnstagnation und der Lohnregress bei Journalisten. Ähnliches geschieht derzeit bei den Psychologen. Was die Pflegeberufe angeht, so gab es dort nur eine spezielle Verhandlungsrunde der damaligen ÖTV, als sich vorübergehend eine eigenständige Pflegegewerkschaft (übrigens unter männlichem Vorsitz) gebildet hatte. Seitdem die Pflegegewerkschaft liquidiert wurde, sieht ver.di auch keine Notwendigkeit für das Pflegepersonal eigenständige Tarifrunden zu eröffnen.

    • Frauenhaus - Von Frauen. Für Frauen. says:

      @Mathias Mala (((“Die EU-Kommission biegt sich den Begriff ersichtlich nach Belieben zurecht.”)))

      Das ist nicht korrekt. Die Kommission biegt sich nichts zurecht. Es _gibt_ den Gender Pay Gap und die Kommission will ihn bekämpfen und das ist ein völlig legitimes Ziel auf dem Weg zum Marxismus:

      http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/4104/was-heisst-gender-pay-gap-bekaempfen/

      • Wie im Text schon festgestellt, wollen sich die Tatsachen einfach nicht der Ideologie beugen, und die Wiederholung der ewig selben falschen Behauptungen wird die Tatsachen auch weiterhin unbeeinflusst lassen, auch dann, wenn Sie die falschen Behauptungen hier (und wer weiß, wo sonst noch) wiederholen. Ihre starke Behauptung mag stark daherkommen, ist aber einfach lächerlich, wie sowohl die Alltagserfahrung als auch die entsprechenden wissenschaftlichen Studien zeigen.

        Ich denke, dass es vielen Leuten so geht wie Ihnen: Wir wurden ja alle seit nunmehr fast zwei Dekaden so sehr mit dem Mantra “Frauen sind überall benachteiligt” oder – wahlweise – “Frauen sind so dumm und hilflos, dass sie sich alles mögliche gefallen lassen und der Staat daherkommen und es für sie richten muss” regelrecht bombadiert, dass es manchen so vorkommen mag, als würde die Welt unter ihren Füßen weggezogen, wenn an die Tatsachen erinnert wird, aber das ist deren psychologisches Problem. Wir können da nicht helfen.

        Gerade für Frauen, so denke ich, wäre es wirklich überaus befreiend, diese sie beleidigenden und ihren Hilflosigkeit suggerienden Falschbehauptungen als eben das zu erkennen. Also, versuchen Sie einfach einmal, sich emotional von der Propaganda zu lösen und einfach die Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, wie sie z.B. auf diesem blog zum angeblichen gender pay gap berichtet werden. Und dann sehen Sie, dass Sie etwas geglaubt haben, was ein paar Leuten dazu gedient hat, sich Pöstchen und den Anschein des “Guten” zu besorgen, und dann ärgern Sie sich über Ihre eigene Leichtgläubigkeit, oder vielleicht sehen Sie auch, das Sie selbst Nutznießer/in der Propaganda sind (das ist ja durchaus nichts ungewöhnliches). In jedem Fall wird das befreiend und emanzipatorisch wirken, denn dann weiß man zumindest, was man tut, und ist nicht mehr so anfällig für den nächsten gutmenschlichen Polit-Spruch.

        • A. Behrens says:

          Sehr geehrte Frau Diefenbach,

          Ich bin nicht das Frauenhaus, schwinge mich aber trotzdem mal zu einem Verteidiger auf: Beim Post des OP handelt es sich um Sarkasmus. Fahrlässigerweise allerdings nicht als solches gekennzeichnet 😉

          Der Text im Link kommt letztlich zu genau dem gleichem Ergebnis wie Sie. Frauenquoten sind ein politisches Mittel um Bürgerrechte zu zerstören, Frauen (und auch Männer) zu entmündigen, die freie Wirtschaft unter Staatskontrolle zu bringen und somit letztlich die “Diktatur des Proletariats” zu errichten.

          • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

            Ja, ich hatte ehrlich gesagt auch Vermutung, dass der Kommentar nicht so ganz ernst gemeint was, weil von besagtem Kommentatoren ja ansonsten recht vernünftige Dinge kommen, aber Sarkasmus ist eine Strategie, und ich benutze auch gerne Strategien, um meine Anliegen an den Leser zu bringen 🙂 Deshalb war es mir gerade völlig egal, wie der Kommentar gemeint war – er gab mir Gelegenheit, mich entsprechend zu äußern. Der Punkt, dass Frauenemanzipation bedeutet, SOWOHL von Männern ALS AUCH vom Staat oder sonst wem oder was unabhängig zu sein, ist mir einfach zu wichtig als dass ich die Gelegenheit, ihn zu formulieren, auslasssen würde.

            Ich hoffe und vermute, dass “Frauenhaus” mir verzeiht, denn wenn wir beide Recht haben, dann ist mein Kommentar ja auch im Sinn von “Frauenhaus”. Also – nichts für Ungut, “Frauenhaus”!

  3. PP says:

    Vorhin war ich zu Besuch in der Düsseldorfer Altstadt. Dort gab es eine feministische Kundgebung mit viel Trara, vermutlich zum Weltfrauentag. Im Vorbeigehen lauschte ich und konnte Folgendes mitbekommen:

    Mit den Worten “Auch Frauen können es zu etwas bringen” wurde eine Gewerkschaftsfunktionärin vorgestellt, die “viele bedeutsame Posten” innehat und die dann über das Wort “Macht” im Zusammenhang mit Frauen sinnierte.
    Sie begann mit den Worten, dass “eine Machtergreifung völlig legitim” sei, und, nach kurzer Denkpause der Zusatz, “wenn sie demokratischen Grundprinzipien” folge.
    Das Wort “Machtergreifung” ging ihr ohne jedes hörbare Zögern über die Lippen.

    Wie blöd kann man eigentlich sein, ausgerechnet diesen Begriff zu benutzen? Davon abgesehen kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in den Medien daran Anstoß nehmen wird, denn schließlich geht es ja um eine gerechte Sache. Oder etwa nicht??

    • A. Behrens says:

      Wo ist das Problem mit dem Wort? Machtergreifung bedeutet die Abschaffung von Bürgerrechten (also den Schutzrechten die der Bürger vor dem Staat geniesst) und die Errichtung einer Diktatur der Guten. Damals halt der guten Nazis und heute halt der guten Genderisten.

      Die Wortwahl ist völlig korrekt. Das Problem, der Sand in den Augen, sind die demokratischen Grundprinzipien. Allerdings wurde auch Hitler demokratisch gewählt.

  4. Pingback: Der Weltfrauentag – eine kleine Übersicht | maskulinistblog

  5. PP says:

    Ergänzung: Es war natürlich nicht die Altstadt, sondern der Schadowplatz in der Innenstadt. Ich habe mal im Internet gesucht, es handelte sich um eine Veranstaltung von ver.di.

    Ich verlinke deren Seite mal, dort gibt es auch einen Flyer, mit dem Motto: “Von der Teilhabe bis zur Macht: Wir wollen alles!”

    http://duesseldorf.verdi.de/

  6. oda2015 says:

    Stimmt, die (nicht nur weiblichen) Einkommen im sozialen Bereich werden gering gehalten, das ist gesellschaftlicher Wille, wird gesagt. Selber schuld. Von freiem Markt kann keine Rede sein – freie Marktwirtschaft ist ja auch nur so eine Idee. Wegen dieser Ihrer Meinung (“Ja, so ist das in einer Marktwirtschaft: Bezahlung erfolgt nach Leistung und nach Wert der Leistung und wenn einer Leistung kein sonderlich hoher Wert beigemessen wird, wie dies z.B. durch Krankenkassen erfolgt, die Pflegesätze und damit die Einkommen von Pflegern oder Pflegediensten gering halten, dann sind die entsprechenden Verdienstmöglichkeiten gering, ganz so, wie sie auch für Hilfsarbeiter oder Reinigungskräfte gering sind. Das weiß man, und deshalb kann, wer gerne mehr verdienen will, jederzeit Astrophysik studieren und bei NASA zu Spitzenlöhnen einsteigen.”) bin ich für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (über das passende Modell müßte per Volksabstimmung abgestimmt werden). Welchen gesellschaftlichen Leistungen welcher Wert zugemessen werden könnte, würden Sie dann selbst feststellen – nämlich wenn Sie selbst in den Genuß kämen, Sozialleistungen zu benötigen und “billig” bezahlen zu müssen. Aber Sie sind wahrscheinlich nicht auf die gesetzliche Sozialversicherung in D-Land angewiesen und können sich privat besseres leisten… schöne Grüße nach England !

    • Was ist das nur für ein Leben, dass lediglich innerhalb der Grenzen stattfinden kann, die staatlich gezogen sind und das über keinerlei eigenen Antrieb mehr verfügt, um diese Grenzen zu überwinden? Was für ein unglaublich ergeiziges Ziel, als Sozialhilfeempfänger und einer, dem Grundeinkommens gewährt wird, leben zu wollen. Das macht mich wirklich fassungs- und sprachlos. Ich gehöre zu denjenigen, die an die resourcefulness von Menschen, ihren Wissensdrang und ihre Neugier glauben, die denken, Menschen sind auf dieser Erde, um ihr Leben selbst zu gestalten. Zu sehen, dass jemand sein komplettes Heil Dritten, in diesem Fall seinem Staat überantwortet, von dem er Sozialhilfe oder -versicherung erwartet und ein Grundeinkommen, um die eigene Trägheit ausleben zu können, ist wirklich nicht schön. Der entsprechende Blick macht auf mich den Eindruck, den “>HG Wells in seiner Time Machine seinen Helden beschreiben lässt, der den Eloy begegnet ist…

      • oda2015 says:

        Nein, es würde nicht gewährt sondern wäre ein Grundrecht, der Bürger eben kein Bittsteller. Ich glaube auch an die Kräfte im Einzelnen sein Leben selbstbestimmt zu gestalten zu können – gerade das wäre besser möglich, wenn grundsätzliche Lebensnotwendigkeiten gesichert wären. So wie bei den Elois und Morlocks, einer Gesellschaft bestehendend aus verdoddelten Konsumenten und Produzenten, die sich diese halten, ist es wohl nicht;-)

        • Aha, ein Grundrecht, eines, das sich von selbst aus dem Off und allen zur gleichen Zeit mitteil? Ich fürchte, da es Rechte nicht als solche gibt, sondern nur als Konventionen zwischen Menschen, kommen Sie nicht um das Problem herum, dass man darüber abstimmen müsste, ob man Rechte, wie das auf ein Grundeinkommen, gewähren will oder nicht. Und der Firlefanz mit dem Bittsteller, nun, wie nennen Sie jemanden, der sich bei einer öffentlichen Stelle registrieren muss, um seine “Rechte” zu erhalten?

        • Marcel Elsener says:

          Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) wäre selbstverständlich eine Gunst, die die Machthaber im Staat ihren Untertanen gewähren. Die Schergen dieser Machthaber müssen den Wertschöpfenden Wertmittel wegnehmen (=rauben), um den Anspruchsberechtigten die Auszahlung des BGE zu garantieren. Alle BGE-Günstlinge sind vom Machtapparat des Staates, der die Umverteilung erzwingt, abhängig. Das Geschwafel von einem ominösen ‘Grundrecht’ dient lediglich der rhetorischen Legitimierung dieses grandiosen Raubzugs auf Kosten der Wertschöpfenden. Sie haben sich soeben erfolgreich selbst belogen, oda2015.

          Ein Grundrecht im liberalen Sinne dient immer und ausschliesslich dazu, die Macht der Machthaber einzuschränken. Das BGE würde jedoch genau das Gegenteil bewirken, indem es die Machtkompetenzen (insbesondere die Umverteilungsmacht) der Machthaber erweitert.

          So gesehen kann das BGE kein Grundrecht im liberalen Sinne sein. Es ist vielmehr die Invertierung eines liberalen Grundrechts, was aber von den Gegnern der Freiheit schlauerweise ebenfalls als ‘Grundrecht’ etikettiert wird. Orwellscher Neusprech vom feinsten, den leider allzuviele verinnerlichen.

          Durch das Regime des BGE können die Machthaber mit Hilfe ihres Gewaltapparates jeden Untertanen bis auf das Niveau des BGE hinunter enteignen – die Machthaber selbst sind davon natürlich ausgeschlossen, wenn sie das so beschliessen. Alle Tiere sind gleich, aber die Schweine sind bekanntlich gleicher.

          Damit ist auch klar, was die Machthaber bezwecken: die Ausweitung ihrer eigenen Macht und der Raub von materiellen Werten, die sie selbst nicht geschaffen haben. Kurzum: die Erlangung von grosser Macht und Geld auf Kosten anderer. Die Lebenselixiere aller Machtpolitiker.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      Ihr Gedankengut identifiziert Sie unweifelhaft als Sozialist und Totalitarist, und das wird nicht nur an dem Inhalt, den Sie vertreten, also einem Mana-Grundeinkommen, das den “Gerechten” von den Göttern vom Himmel geregnet wird, ohne sich mit der Frage zu belasten, wer das “Mana” produziert, sondern auch darin, dass Sie meinen, dass “über das passende Modell” in einer Volksabstimmung abgestimmt werden müsse, Sie aber nicht auf die Idee kommen, eine Volksabstimmung darüber für notwendig zu halten, ob die Bürger Deutschlands überhaupt ein Grundeinkommen für alle, unabhängig von der Leistung, die jemand erbringt, wollen. Immerhin gibt es bislang anscheinend keine Mehrheit in Deutschland, die hierfür ist; jedenfalls haben die Leute nicht entsprechend gewählt bei der letzten Wahl.

      Wenn überhaupt, wäre es dann nicht vielmehr angezeigt, in Deutschland eine Volksabstimmung darüber durchzuführen, ob die Gesellschaft nach dem Leistungsprinzip und Chancengleichheit oder nach dem Prinzip der Ergebnisgleichheit verfasst sein soll? Ich fände das sehr gut, damit einmal ganz deutlich würde, dass die Mehrheit der Bevölkerung Letzteres ablehnt und Ideologien und Politiken, die auf Ergebnisgleichheit abzielen, keine Legitimität durch die Bürger haben – auch in Deutschland nicht! … Schöne Grüße aus England!

      • oda2015 says:

        Ich bezeichne mich nicht als Sozialist und Totalitarist, auch wenn das in Ihre unzweifelhaften wissenschaftlichen Kategorien passen mag.
        Vielleicht könnte vorab eine Volksabstimmung, ob Volksabstimmungen durchgeführt werden können, abgefragt werden – wer weiß?
        Ergebnisgleichheit: Welches Ergebnis wollen Sie denn, woran angepaßt und wer darf “mitlaufen”? Wer bestimmt Ziele und Teilnehmer?

        • Das nun wiederum ist aus der untersten Kiste der billigen Rhetorik, aber gut:

          Wie Sie sich “bezeichnen” interessiert schlicht nicht, die Kategorien Sozialist/Totalitarist sind über Kriterien definiert und wenn Sie diese Kriterien erfüllen, dann passen Sie in die Kategorien, egal, ob Sie sich als Grumpf oder nicht-Grumpf bezeichnen.

          Ja, und vielleicht könnten wir eine Volksabstimmung über die Abstimmung über eine Volksabstimmung abhalten. Auf das Vorhandensein infiniter Regresse sind schon andere vor Ihnen gekommen und im Gegensatz zu Ihnen, haben die sich gefragt, wie man die entsprechenden Schleifen vermeidet. Letztlich kommt man wieder bei Kriterien an und ich fürchte wieder nicht beim Geschmack, wie Sie das wohl gerne hätten, Ihrem natürlich.

          Scheinbar ist heute Nachhilfetag: Ergebnisgleichheit will bei ScienceFiles niemand, es sei denn, Ergebnisgleichheit stellt sich darüber ein, dass identische Anstrengungen zum selben Ergebnis führen. Wir argumentieren für Chancengleichheit und haben das immer getan, und zwar um Equität herzustellen und damit letztlich Ergebnisungleichheit, aufgrund differenzieller Anstrengungen. Und wer bestimmte die Ziele und Teilnehmer? Niemand, aber die Frage spricht eigentlich Bände, denn ihnen ist offensichtlich nur vorstellbar, dass selbsternannte Hohepriester vorgeben, wer was wann darf, am besten noch den Wortlaut der Volksabstimmung? Das genau sind die Kriterien, die Sie zum Totalitaristen machen.

        • Richtig, ICH habe Sie so bezeichnet, und zwei der Gründe hierfür, habe ich in meinem Kommentar mitgeteilt.

          Was Sie mit der Idee aussagen wollen, man könne eine Volksabstimmung darüber durchführen, ob man eine Volksabstimmung durchführen möchte, verstehe ich nicht. Ich sehe jedenfalls keinen inhaltlichen Zusammenhang zu Ihrem Vorschlag, eine Volksabstimmung über “das passende Modell” (wem soll das denn eigentlich “passen”?) oder meinem Vorschlag über eine grundsätzliche Entscheidung, ob die Gesellschaft nach Gerechtigkeitsprinzipien oder nach dem Prinzip der Ergebnisgleichheit verfasst sein soll. Mir scheint, dass dieser Teil Ihres Kommentars einfach Unsinn ist.

          Überhaupt habe ich das Gefühl, dass Sie die Konzepte hinter dem, was Sie eigentlich mitdiskutieren möchten, nicht so richtig kennen. Sie hätten sonst bemerkt, dass SIE es sind, der/die mit dem Vorschlag eines Grundeinkommens Ergebnisgleichheit vertritt, eben weil es Leute IM ERGEBNIS gleichstellen will unabhängig davon, was Sie als Leistung oder Investition aufzuweisen haben. (Genauso funktionieren sozialistische Staaten – offiziell jedenfalls, selbstverständlich stellen sich Funktionäre und Politkommittees um einiges besser in der “gleichen” Bevölkerung – , und deshalb habe ich Sie als Sozialisten bezeichnet.)

          Ich dagegen halte es aufgrund der conditio humana und der Knappheiten auf diesem Planeten (und übrigens auch anderen Planeten) für fatal, Ergebnisgleichheit herbeiführen zu wollen und votiere daher ganz klar für die Verfassung einer Gesellschaft nach dem Leistungsprinzip und CHANCENgleichheit (im Gegensatz zu Ergebnisgleichheit). Und das schließt ein Grundeinkommen für alle unabhängig von ihrer Leistung natürlich aus.

          Mich brauchen Sie also nicht zu fragen, welches Ergebnis ich will – es ist klar, dass das Ergebnis des Gerechtigkeitsprinzips eine Ungleichheit zwischen Personen hinsichtlich dessen, was Sie als output für ihren Input erhalten, ist. (Das ist die Proportionalitätsregel, wie George C. Homans formuliert hat; das nur für den Fall, dass Sie sich bei Gelegenheit einmal über diese Themen kundig machen möchten).

          Ihre Fragen “Wer bestimmt Ziele und Teilnehmer?” verstehe ich wieder einfach nicht.

          Was die Frage betrifft, was als wie große Leistung gelten soll/muss/kann, so kann man hierüber natürlich trefflich diskutieren, und in einer Zivilgesellschaft tun die Bürger das ja auch, aber es ist sicherlich schon einmal ein guter Ausgangspunkt Leistung daran zu bemessen, was der Beitrag einer Person zum Bruttosozialprodukt einer Gesellschaft ist (abzüglich der Kosten, die sie mit ihrem Lebensstil verursacht). In jedem Fall bedeutet die Schwierigkeit, dass wir nicht alle derselben Meinung darüber sind, was eine wie große Leistung darstellt, sicherlich nicht, dass man die Flinte gleich ins Korn wirft und für Ergebnisgleichheit votiert, was in jedem Fall der Anfang vom Ende einer Gesellschaft ist, und zwar aus logischen Gründen, aber auch aufgrund der historischen Erfahrungen mit Gesellschaften die Ergebnisgleichheit herbeiführen wollten (z.B. das kommunistische China, die sozialistische DDR etc.)

    • A. Behrens says:

      Ich bin als liberaler Mensch ebenfalls für ein Bürgergeld. Allerdings aus völliger anderer Motivation.

      Ein Bürgergeld gäbe jedem Menschen eine kleine, aber für ein einfaches Leben ausreichende, garantierte Existenzgrundlage.

      Mit einem Bürgergeld würde großräumig der sozialen Scharotzerindustrie (Gewerkschaften, Linken Parteien) die Existenzgrundlage entzogen. Durch ein Bürgergeld würde die größte Hürde für ein Selbständigkeit beseitigt. Und die größte Hürde für eine Selbständigkeit ist eben nicht das Kapital, sondern die elementare Versorgung der Familie oder des eigenes Körpers. Durch ein Bürgergeld könnte der Kapitalismus zu seinen Wurzeln zurückkehren. Wild, ungezügelt und kreativ.

      Aus diesem Grund sind auch linke Parteien und Gewerkschaften die traditionell größten Gegner des Bürgergeldes. Wäre ja auch noch schöner, wenn in großem Stil Menschen anfangen für sich selbst zu entscheiden… Ja, in den letzten Jahren haben auch Linke das Bürgergeld entdeckt. Allerdings in typisch linker Tradition: Mensch soll weiterhin als Bittsteller zum Staat…

      Bezüglich Einkommen im sozialem Bereich: Die werden nicht niedrig gehalten, sondern sind so niedrig weil es offensichtlich genügend Leute gibt die dort arbeiten wollen, obwohl die Einkommen so niedrig sind. Etwa meine Tochter. Sie wusste um die Tatsache, dass mit ihren gewünschten Jobs nicht selbstbestimmt leben kann. Trotzdem hatte sie sich effektiv nur für zwei Berufsmöglichkeiten interessiert: “Was mit Menschen” und “Friseur”.

      • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

        Ob Sie Recht haben oder nicht mit Ihrer Erwartung, dass Leute bei Bezug von Bürgergeld häufiger selbständig werden, ist eine empirische Frage, aber ich für meinen Teil muss leider sagen, dass ich diesbezüglich sehr pessimistisch bin. Denken Sie nur an die ehemalige DDR: Wo war dort das massenhafte Engagement von Leuten, die für ihren Lohn oft nichts anderes zu tun brauchten als die “Arbeits”stunden abzusitzen? Und diejenigen, die tatsächlich arbeiten mussten für Ihren Lohn: was haben die wohl von den vorher Genannten gedacht?

        Sie könnten jetzt einwenden, dass es in der DDR ja auch nichts zu tun – und zu konsumieren – gab, aber das genau ist kein Zufall: marktwirtschaftliche Systeme sind mit dem Prinzip von Ergebnisgleichheit prinzipiell unvereinbar.

        Das Geld, das als Bürgergeld umverteilt werden soll, muss ja erst einmal von jemandem erwirtschaftet werden, und seltsamerweise hört man davon, wie das funktionieren soll, von Leuten, die diese Idee (gleich in welcher Form) vertreten, nie irgend etwas.

        Warum sollte jemand die Leistungsbereitschaft zeigen, einen surplus zu erwirtschaften, nur, um anderen zu ermöglichen, aktiv zu werden oder gar selbständig, falls Sie das wollen oder überhaupt in Erwägung ziehen? Möglicherweise, also falls Sie mit Ihrem sehr positiven Menschenbild Recht haben, hätte unser Surplus-Erwirtschafter etwas von seiner Investition in sagen wir: 50 bis 60 Jahren, aber bis dahin lebt er mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr. Also hat er niemals etwas davon, und die allerwenigsten Menschen sind bereit, über längere Zeit Leistung zu zeigen und Investitionen zu bringen, wenn Sie keine Form irgendeiner besonderen Auszahlung an sich selbst erleben, und sei es nur gesellschaftliche Wertschätzung. Wie Sie einem obenstehenden Kommentar entnehmen können, gibt es aber Leute, die meinen, ein Bürgergeld/Grundeinkommen sei ein “Grundrecht”, und wenn sie das so sehen, warum sollten sie dann denen, die überdurchschnittlich leisten, damit das Bürgergeld aufgebracht werden kann, dankbar sein/besondere Wertschätzung entgegenbringen? Also ist es nichts mit der Wertschätzung. Bleiben noch materielle Anerkennungen, aber die kosten etwas (im materiellen Sinn) und belasten daher das Budget, das für die Bürgerrente doch gerade erst auszubringen ist. Ergo: Das funktioniert so nicht.

        Wie wäre es mit dem Gegenvorschlag, die Gesellschaft so zu organsieren, dass Transferzahlungen weitgehend gestrichen werden (abgesehen vielleicht von Zuwendungen an arme Renter und Kranke, die wirklich einfach nicht arbeiten können, und vielleicht sonstige, im Einzelnen zu prüfende Härtefälle, denn es geht ja keinesfalls darum, irgendjemandem “im Regen stehen” zu lassen, und abgesehen vielleicht von stark zeitbefristeten Zuwendungen für Arbeitssuchende, das könnte man ja im Einzelnen diskutieren, nur sehr restriktiv müsste das Ganze gehandhabt werden, so ähnlich wie hier auf der Insel der Glückseligen), eine Spendenkultur, wo überhaupt noch vorhanden, gepflegt und steuerlich gefördert wird, die Steuersätze abgesenkt werden, so dass jeder nach Kräften für sein Alter vorsorgen kann, und die Kapitalmärlte entregelt werden, so dass eine Organisation unabhängig von staatlichen Vorgaben Risiken eingehen kann und z.B. als Darlehensgeber für Leute, die ein Haus verkaufen möchten, aber es eben nicht auf Anhieb finanzieren können und auch keinen Kredit über die ganze erforderliche Summe erhalten, auftreten kann, und Leuten, die ihre Alterversorgung finanzieren möchten, ihr Haus sozusagen über einen Verlauf von 10 bis 20 Jahren in Raten (plus Zinsen) wieder abkaufen können (in der 1. Welt bezeichnet man das als “Re-mortgaging”; Sie wissen das vermutlich sowieso). Da lässt sich eine Menge denken, was teilweise ja auch schon ausprobiert und sich durchaus bewährt hat.

        Man müsste nur darüber nachdenken wollen, statt den vermeintlich einfachsten Weg zu wählen, der direkt in den Sozialismus und Totalitarismus führen wird (und sei es nur aufgrund von Isomorphie-Entwicklungen). Leider haben die meisten Menschen in Deutschland derzeit anscheinend keine Freude daran, offen und kreativ an die Gesundung ihrer Gesellschaft heranzugehen. Ihr Gedanke mag hier eine Ausnahme darstellen, aber ich denke wie gesagt nicht, dass das woanders hinführen könnte als in Sozialismus und Totalitarismus, und genau in diese Richtung geht’s ja ohnhin schon – im Stechschritt, wie man so schön sagt. Insofern ist es vielleicht wirklich egal, ob in Deutschland Bürgergeld/Grundeinkommen eingeführt wird oder nicht….

        • a.behrens says:

          Hallo,

          ob ich pro oder kontra Bürgergeld bin, kann ich für mich eigentlich gar nicht richtig sagen. Im Zweifel würde ich mitgehen. Sehr hilfreich war für mich dieser Vortrag von Götz Werner (1)

          Er hat ironisch unterschieden zwischen die materiellen Bild von Menschen (die anderen Menschen verhalten sich “so” und sind alle faul und gehen nicht mehr arbeiten) und dem spirituellem Bild von Menschen (aber _ich_ bin natürlich ganz anders und würde trotzdem weiterhin arbeiten, möglicherweise aber in einem anderem Bereich).

          Generell ist für mich wahr, dass in Deutschland in der Summe aller Leistungen (Kranktagegeld, Lohnfortzahlung, Arbeitslosengeld, H4, Sozialhilfe, Rente, …) ohnehin schon ein Bürgergeld bezahlt wird. Der Unterschied zu heute wäre nicht BGE ja oder nein, sondern die Höhe des BGE und der Zahlungsanspruch. Und natürlich der Punkt das hundertausende von Beamten und Politiker ihrer aufopferungsvollen Tätigkeit “Privilegien verteilen” nicht mehr nachgehen bräuchten.

          (1) http://www.amazon.de/Das-bedingungslose-Grundeinkommen-Ein-Vortrag/dp/3899642384/ref=la_B001JOUKHO_1_5?s=books&ie=UTF8&qid=1394468454&sr=1-5

        • a.behrens says:

          Ergänzung: Mein wichtigster Punkt Pro-BGE ist mir gerade wieder eingefallen: Müssen wir überhaupt arbeiten gehen? Nach Götz Werner besteht das letztliche Ziel des kapitalistischen Optimierungsprozesses bzw. unternehmerischen Handels darin, Arbeit als solches überflüssig zu machen.

          Angenommen wir hätten eine Welt in der gesamte Produktion vollautomatisch ablaufen würde. Vom “Rohstoff aus der Erde graben” bis “Produkte in den Kühlschrank stellen”. Wie würden Menschen dann leben, was würden sie mit ihrer Zeit machen. Meine Antwort für mich:

          1. Zuerst einen langen Urlaub. Hatte ich noch nie in meinem Leben.
          2. Studieren. Irgendwas witziges, was Spaß macht. Zum Beispiel Kunst oder Germanistik.
          3. Irgendwo arbeiten, wo ich gleichzeitig künstlerisch und mathematisch/technik unterwegs sein kann. Und ja, natürlich für Geld. Einen dicken Computer und ein noch dickeres Auto will ich schon noch haben…

          In meinem persönlichen Umfeld (vorwiegend Informatiker) würden alle das gleiche wie jetzt auch machen, aber irgendwie anders.

          Für mich ist BGE Chancengleichheit. Jeder hat die gleiche Menge an monatlicher Kohle. Genug für eine kleine Wohnung irgendwo auf dem Land und genug um was zu essen zu kaufen. Für alles was darüber hinaus geht (großer Fernseher, Urlaub auf Malle) muss man arbeiten.

          Die Kritikpunkte sehe ich natürlich auch: Was, wenn sich die Deutschen wirklich geschlossen vor den Fernseher setzen? Und natürlich: Was mit den Leuten denen 800,- EUR nicht reichen. Etwa chronisch Kranke. Und was ist mit den Leuten die hohe Schulden haben und aufgrund BGE keinen Zwang mehr sehen ihre Schulden abzuarbeiten…

          Aber all das sind für mich Sachen die man besprechen kann.

  7. Michel Houellebecq says:

    Kurz zusammen gefasst: Der Gender Pay Crap (sehr schön umformuliert) ist ein statistisches Artefakt. Interessanterweise gehen die Vertreter der Crap-Theorie davon aus, dass es nur zwischen Männern und Frauen, nicht aber innerhalb desselben Geschlechts, also unter Frauen, bzw. Männern, Lohnunterschiede gibt. Dabei ist genau das sehr häufig der Fall: Ich zum Beispiel habe jahrelang gut 10 Prozent mehr als meine absolut kongruenten Arbeitskollegen (das ist der einzig passende Begriff, der mir in diesem Zusammenhang einfallen will). Der Grund dafür ist einfach: Ich habe mich sehr gut auf das Vorstellungsgepsräch vorbereitet und meinen Lohn auch entsprechend hart ausgehandelt.

    Warum bislang niemand im gesamten, deutschen Sprachraum die Gehälter von Frauen und Männern untersucht hat- also die Differenzen, die es innerhalb derselben Geschlechtsgruppe gibt- liegt auf der Hand: Weil der ganz Crap dann sang- und klanglos verschwinden würde, wie ein böser, politischer Geist. Zudem: 8 Prozent sind es heute, vor Jahren waren es aber noch unbestritten und unbereinigt >22 Prozent. Wenn wir jetzt noch ein paar Jahre warten, verschwinden die “bereinigten” 8 Prozent vielleicht auch noch..! Die Ökonometrie macht schliesslich auch Fortschritte, wie wir an diesem Beispiel sehen! Ach ja, wenn wir schon von den rein gewaschenen 8 Prozent sprechen: Wie hoch ist eigentlich die statistische Streuung (White Noise)?

    • kaivonderkueste says:

      Dass es auch innerhalb der Geschlechtergruppen Einkommensunterschiede gibt, dürfte unseren Statistikern schon klar sein (die Daten müssen getrennt erhoben und dann ein Durchschnitt ermittelt worden sein). Nur taugt die Ermittlung des durchschnittlichen Einkommens (oder der Einkommensspreizung) innerhalb der Gruppe der Männer oder Frauen nicht dazu, in Propaganda zu machen. Die Gruppen müssten doch irgendwie aufgeteilt werden, um Benachteiligungen aufzuzeigen. Nach Alter, nach Körpergröße oder Gewicht, nach Haarfarbe oder Familenstand oder nach irgendeinem anderen möglichst unabhängig von der Arbeit oder Leistung bestehendem Kriterium.
      Es gibt die Unterteilung innerhalb der Gruppe der Frauen in mit Kindern und ohne Kinder (war schon hier bei sciencefiles, der Einkommensunterschied ist sogar größer als 22%/8%/2%). Ebenso einen Vergleich zwischen Männern und Frauen in Alterskohorten. Bei letzterem stellt sich heraus, dass bei der jüngsten Kohorte kaum noch ein Unterschied besteht.
      kaivonderkueste

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