“Warum ich kein Christ bin” – Bertrand Russell zum Wochenende

Nietzsche zum Wochenende hat sich als beliebte Lektüre vieler Leser von ScienceFiles erwiesen. Ehrlich gesagt, hat uns das zunächst gewundert. Philosophen, noch dazu Philosophen vom Schlage eines Friedrich Nietzsche schaffen es nur noch an wenigen Universitäten überhaupt in das Vorlesungsverzeichnis, so dass man denken könnte, die Nachfrage nach Nietzsche ist, da er zunehmend in Vergessenheit zu geraten scheint, nein besser: da zunehmend das, was er geschrieben hat, in Vergessenheit zu geraten scheint und nur noch ein Zerrbild des Philosophen übrig bleibt, eher gering.

So kann man sich täuschen. Möglicherweise ist es gerade umgekehrt: Dass wir in einer Zeit leben, in der öffentliche Diskurse sich vornehmlich durch dünngeistige Langeweile und Wiederkauen des ewig Selben auszeichnen, schafft gerade die Nachfrage nach neuen Ideen, nach witzigen Einfällen, klaren Gedankengängen, nach Abwechslung vom Mainstream-Allerlei, das selbst dem flegmatischsten Betrachter irgendwann auf die Nerven gehen muss.

Wir haben uns deshalb entschlossen, die Philosophen, deren Werke unsere Bibliothek bestücken, in unregelmäßigen Abständen zu Wort kommen zu lassen. Und nachdem Nietzsche den Anfang gemacht hat, wollen wir heute mit Bertrand Russell, von dem Popper einmal gesagt hat, er beneide ihn um die Leichtigkeit seiner Sprache (nicht um das Zwingende seiner Argumentation…) weitermachen. Bertrand Russell hat in seinem leben viele Kämpfe ausgefochten, und wer seine Bücher liest, der kann bis heute am eigenen Schmunzeln nachvollziehen, was Popper gemeint hat.

Die Passage aus dem Werkt von Russell, die wir ausgewählt haben, stammt aus dem Vortrag, “Warum ich kein Christ bin”, der 1957 erstmals erschienen ist. Wir geben hier Teile der letzten drei Abschnitte wieder. Sie enthalten ein flammendes Plädoyer für Emanzipation, Individualität, gegen Kollektivismus und gegen die Fesseln, die die Religion dem menschlichen Geist auferlegt.

Russell“Wenn man sich auf der Welt umsieht, so muss man feststellen, dass jedes bischen Fortschritt im humanen Empfinden, jede Verbesserung der Strafgesetze, jede Maßnahme zur Verminderung der Kriege, jeder Schritt zur besseren Behandlung der farbigen Rassen oder jede Milderung der Sklaverei und jeder moralische Fortschritt auf der Erde durchweg von den organisierten Kirchen der Welt bekämpft wurde. Ich sage mit vollster Überlgung, dass die in ihren Kirchen organisierte christliche Religion der Hauptfeind des moralischen Fortschritts in der Welt war und ist.

Wie die Kirchen den Fortschritt verzögert haben

Vielleicht sind Sie der Meinung, ich gehe zu weit, wenn ich behaupte, dass das noch immer so ist. Ich bin nicht dieser Ansicht. […] Es gibt viele Methoden, mit denen gegenwärtig die Kirche durch ihr Beharren auf ihrer sogenannten Sittenlehre allen möglichen Menschen unverdientes und unnötiges Leiden zufügt. Und natürlich ist sie, wie wir wissen, zum größten Teil immer noch ein Gegner des Fortschritts und aller Verbesserungen, die das Leiden in der Welt verringern könten, weil sie unter Moral eine Vielzahl von Verhaltensregeln versteht, die mit menschlichem Glück überhaupt nichts zu tun haben. Wenn man sagt, dies oder jenes müsse geschehen, da es zum menschlichen Glück beitragen würde, so findet die Kirche, das habe mit der Sache überhaupt nichts zu tun. ‘Was hat menschliches Glück mit der Sittenlehre zu tun? Es ist nicht das Ziel der Sittenlehre, die Menschen glücklich zu machen’.

Angst als Grundlage der Religion

Die Religion stützt sich vor allem und hauptsächlich auf die Angst. Teils ist es die Angst vor dem Unbekannten und teils, …, der Wunsch, zu fühlen, dass man eine Art großen Bruder hat, der einem in allen Schwierigkeiten und Kämpfen beisteht. Angst ist die Grundlage des Ganzen – Angst vor dem Geheimnisvollen, Angst vor Niederlagen, Angst vor dem Tod. Die Angst ist die Mutter der Grausamkeit, und es ist deshalb kein Wunder, dass Grausamkeit und Religion Hand in Hand gehen, weil beide aus der Angst entspringen. Wir beginnen nun langsam die Welt zu verstehen und sie zu meistern, mit Hilfe einer Wissenschaft, die sich gewaltsam Schritt für Schritt ihren Weg gegen die christliche Religion, gegen die Kirche und im Widerspruch zu den überlieferten Geboten erkämpft hat. Die Wissenschaft kann uns helfen, die feige Furcht zu überwinden, in der die Menschheit seit so vielen Generationen lebt. Die Wissenschaft, und ich glaube auch unser eigenes Herz, kann uns lehren, nicht mehr nach einer eingebildeten Hilfe zu suchen und Verbündete im Himmel zu ersinnen, sondern vielmehr hier unten unsere eigenen Anstrengungen darauf zu richten, die Welt zu einem Ort zu machen, der es wert ist, darin zu leben, und nicht zu dem, was die Kirchen in all den Jahrhunderten daraus gemacht haben.

Was wir tun müssen

Betrand RussellWir wollen auf unseren eigenen Beinen stehen und die Welt offen und ehrlich anblicken – ihre guten und schlechten Seiten, ihre Schönheit und ihre Hässlichkeit; wir wollen die Welt so sehen, wie sie ist, und uns nicht davor fürchten. Wir wollen die Welt mit unserer Intelligenz erobern und uns nicht nur sklavisch von dem Schrecken, der von ihr ausgeht, unterdrücken lassen. Die ganze Vorstellung von Gott stammt von den alten orientalischen Gewaltherrschaften. Es ist eine Vorstellung, die freier Menschen unwürdig ist. Wenn man hört, wie sich die Menschen in der Kirche erniedrigen und sich als elende Sünder usw. bezeichnen, so erscheint das verächtlich und eines Menschen mit Selbstachtung nicht würdig. Wir sollte uns erheben und der Welt frei ins Antlitz blicken. Wir sollten aus der Welt das Bestmögliche machen, und wenn sie nicht so gut ist, wie wir es wünschen, so wird sie schließlich immer noch besser sein als das, was die anderen in all den Zeitaltern aus ihr gemacht haben. Eine gute Welt braucht Wissen, Güte und Mut; sie braucht keine schmerzliche Sehnsucht nach der Vergangenheit, keine Fesselung der freien Intelligenz durch Worte, die vor langer Zeit von unwissenden Männern gesprochen wurden. Sie braucht einen furchtlosen Ausblick auf die Zukunft und eine freie Intelligenz. Sie braucht Zukunfthoffnung, kein ständiges Zurückblicken auf eine tote Vergangenheit, von der wir überzeugt sind, dass sie von der Zukunft, die unsere Intelligenz schaffen kann, bei weitem übertroffen wird”

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… concerned with and about science

16 Responses to “Warum ich kein Christ bin” – Bertrand Russell zum Wochenende

  1. Manchmal stellt man sich schon die Sinnfrage bezüglich des Engagements auf diesem blog:

    Da schreibt man Artikel über Fehlschlüsse und die Wichtigkeit rationaler Diskussion, und viele Leser scheinen das zu würdigen und gut zu finden, und kaum berichten wir über jemanden, der etwas gesagt hat, was dem ein oder anderen Leser inhaltlich nicht zusagen mag, und schon ist zumindest bei einigen dieser Leser alles vergessen, was wir über Fehlschlüsse geschrieben haben, und der Text wird per Bewertung anhand von Sternchen als schlecht bewertet, so als sei unser Text deshalb schlecht, weil in ihm jemand zitiert wird, den man nicht mag, den man also für “schlecht” befindet, auch, wenn man offensichtlich keine Argumente gegen dessen Position vorbringen kann.

    Ich finde das heute einfach frustrierend und beschließe, heute nicht mehr in den blog zu schauen und statt dessen Blumen für den Garten einkaufen…. Dann bin ich ab morgen wieder fit, trotz allen inhaltlichen Denkens erneut und unermüdlich eine Lanze für formales Denken zu brechen ….

    • a.behrens says:

      @All: Irgendwer hat hier “Daumen runter” gedrückt. Ich vermute das sich der Daumen-Runter-Mensch auf ‘Blumen kaufen’ bezieht und finde das unfair. IMO dürfen auch Wissenschaftler sich das Leben verschönern.

      @Frau Diefenbach: Im Ruhrgebiet gibt es eine kleine, mittelalterlich anmutende Stadt Hattingen. In dieser Stadt gibt es ein Haus (habe leider keinen Link zu einem Foto), bei dem die Latrinenöffnung direkt über der Eingangstür ist. Die Menschen in dieser Stadt haben damals schlicht auf die Straße gekackt (das Wort ist an dieser Stelle IMO angebracht). Zu jedem Haus gehörte auch noch ein Schweine- bzw. Kuhstall, üblicherweise das Erdgeschoss eines Hauses. Die Tiere haben sich ihrer Notdurft auf die gleiche Art wie ihre Besitzer entledigt.

      Damit die Stadt nicht im braunem Geruch erstickt, gab es schon damals Menschen, die die riechende Hinterlassenschaft mit Eimern und Wagen aus der Stadt herausgetragen haben. Diese Arbeit war ein endloser Prozess. Kam waren die Arbeiter fertig, kam jemand und hat vor seiner eigenen Haustür einen Haufen hinterlassen.

      Mit Sciencefiles haben Sie ein eine ähnliche Arbeit angetreten. Geistigen Müll aus der Stadt tragen und dafür zu sorgen, dass Mensch wieder atmen kann und zumindest kurzfristig ein anderer Wind (oder gar Blumenduft?) durch die Straßen weht.

      Die Leser Ihres Blogs wissen Ihre Arbeit zu schätzen!

      Zwei Gedanken noch:

      1. Sri Durgamayi Ma (*) hat als Grund für die menschliche Angewohnheit “vor die Haustür machen” ganz schlicht gesagt: Es riecht zwar streng, aber es fühlt sich für diese Menschen warm und weich an.

      2. In den alten Tagen des Usenets gab es die FAQs. Die regelmäßig wiederkehrenden Dummheiten bekamen darin einen eigenen Punkt und die Leser mussten nicht beständig die immer gleichen Sachen diskutieren, sondern konnten schlicht auf FAQ 08.15 verweisen. Eine solche FAQ hat IMO eine ähnliche Funktion wie eine Kanalisation.

      (*)http://ashram.de/sri-durgamayi-ma/

  2. heureka47 says:

    “Dass wir in einer Zeit leben, in der öffentliche Diskurse sich vornehmlich durch dünngeistige Langeweile und Wiederkauen des ewig Selben auszeichnen, schafft gerade die Nachfrage nach neuen Ideen, nach witzigen Einfällen, klaren Gedankengängen, …”:

    “Dünngeistigkeit” könnte man die exponentiell wachsende “Krankheit der Gesellschaft” / “Kollektive (Zivilisations-)Neurose” auch nennen, die die tiefere Ursache des Beklagten UND des Klagens (!) ist.

    Daß so viele Menschen beim Denken und Diskutieren sich im Kreise drehen, liegt an der Neurose, die das Berühren der Wahrheit oder gar das Eintauchen in sie vehement verhindert – durch die typisch neurotische Abwehr- / Vermeidungshaltung.

    Wahrhaft neue Ideen (neue ERKENNTNISSE) sind nur in der wahrhaft kreativen Bewußtseins-Ebene, im Bewußtsein der universellen (FEINstofflichen, nicht materie-gebundenen) Energie, des Unbegrenzten, möglich.
    Die andere Bewußtseins-Ebene, die typisch kindliche, das “Niedere Selbst” / “Ego” – mit der ihm typischen ANGST – , das Bewußtsein der materie-gebundenen Energie, erliegt der BEGRENZUNG auf die materielle Ebene des Seins, die Auswirkungs-Ebene, und kann die höhere Ebene, die URSACHEN-Ebene, nicht erkennen – und folglich auch nichts WIRKLICHES – Neues, Verbesserndes, Frieden und Gesundheit schaffendes / erhaltendes, wahres Glücklichsein schaffendes / erhaltendes, sondern nur auf der materiellen Ebene.

    *

    “Warum ich kein Christ bin”:

    Auch ich bin kein “Christ” im Sinne von Zugehörigkeit zu irgendeiner Kirche oder sonstigen Organisation. Ich bin seit 2 Jahren aktiv im blog “Christliches Forum” und mußte dort mit Schrecken feststellen, wie dramatisch fehlgeleitet das Denken ist, daß sich dort zeigt. Ich muß davon ausgehen, daß die URSPRÜNGLICHE christliche Lehre, die die höchste Wahrheit kennt und – symbolisch – auch vermitteln möchte, von den Römern schon verfälscht wurde und der Rest von der heutigen katholischen Kirche auch noch falsch verstanden – weil die Menschen die Symbol-Sprache der Bibelgeschichten weder erkennen noch richtig deuten können.

    *

    “Die Religion stützt sich vor allem und hauptsächlich auf die Angst.”:

    WELCHE “Religion” denn?
    Nach meinen Erkenntnissen gibt es nur EINE wahre Religion: Diejenige, die der Mensch DIREKT und persönlich mit seinem Gott gestaltet (hat).
    Bei DIESER Religion spielt keine Angst mit – denn wer sich dem wahren Gott annähert und mit ihm in Kontakt geht, hat zuvor schon seine Angst (vor dem “Unbekannten” /”Ungewissen” / “Fremden” usw.) – konstruktiv – überwunden. “Konstruktiv überwinden” heißt NICHT nur verdrängen, sondern sich stellen und mit Vertrauen / Liebe überwinden.

    *

    “Die Wissenschaft kann uns helfen, die feige Furcht zu überwinden, in der die Menschheit seit so vielen Generationen lebt.”:

    Die Menschheit lebt erst seit Ausbruch der “Kollektiven Neurose” (vor ca. 10.000 bis evtl. 60.000 Jahren) zunehmend unter (der) Angst. Zuvor war das konstruktive Überwinden der Angst im “Übergangsritual”, im Prozeß der Initiation / Ascension schon sehr lange evolutionär entwickelt. Erst die Neurose / Zivilisation hat einen zunehmenden Teil der Menschheit davon entfremdet. Diese Krankheit führt in den befallenen Populationen in Abständen von grob durchschnittlich 50 Jahren immer wieder zu “Kollektiven PSYCHOSEN” (Krieg, usw.) und hat bisher alle “Hochkulturen” der nachvollziehbaren Geschichte in den Untergang getrieben. Und DAS droht nun auch der globalen zivilisierten Gesellschaft. Schon die nächste, nach 1945 jetzt “fällige” Kollektive Psychose könnte die letzte sein. So oder so. Denn die Kollektive Neurose ist grundlegend HEILBAR. Und nur dadurch können Kollektive Psychosen und Untergang vermieden werden.

    Ich bin seit 1992 aktiv, über diese Dinge aufzuklären, aber der neurotische Abwehrmechanismus wirkt dagegen.
    :-((

    *

    “Was wir tun müssen”:

    Der Autor irrt!
    Um aus der “Falle” der Kollektiven Neurose, der Angst und Dysgnosie, der pathologischen Unreife und Dummheit, herauszukommen, müssen wir zunächst mal die wahren FAKTEN erkennen – und das heißt – auch und insbesondere im Falle der Kollektiven Neurose:
    JEDER muß sich selbst erkennen!

    Die vier bis fünf wesentlichen Schritte der grundlegenden Heilung stehen in “Wahre Heilung” auf meiner HP http://www.Seelen-Oeffner.de.

    Herzlichen Gruß!

  3. markus says:

    Naja, immerhin ist die (zumindest katholische) Kirche die einzige Institution, die noch nicht vor dieser Femihysterie und ihren Ablegern kapituliert hat, so schlimm kann es also wohl nicht sein mit ihr. Und die Schlimmsten Panik- und Angstmacher sind heute diE aufgeklaerten xy-ogen, denen Russell vermutlich eine Selbstverstaendlichkeit ausdrueckt !

    • Russell schreibt von Kirche als organisierter From von Religion. Würde Russell heute leben, ich bin mir sicher, er würde die neuen Glaubengemeinschaften z.B. des Feminismus oder die Glaubenskulte der Gutmenschen sofort mit in seine Kritik aufnehmen. Russells Kritik richtig sich nicht gegen den konkreten Inhalt von Religion, sondern gegen die damit einhergehende Wirkung von Religion in Entmündigung, Fortschrittshemmung und Ent-Individualisierung.

      • A. Behrens says:

        Zitat “er würde die neuen Glaubengemeinschaften z.B. des Feminismus oder die Glaubenskulte der Gutmenschen sofort mit in seine Kritik aufnehmen”

        Etwas ähnliches fiel mir beim lesen auch ein. Allerdings spricht Rüssel von angstbasierenden Religionen und Feminismus/Sozialismus sind IMO ein neidbasierende Religionen.

        Frauen ging es doch niemals schlecht, auch nicht in Zeiten vor dem Feminismus. Frauen hatten nie Grund Angst zu haben, weil für alles gefährliche waren und sind bis heute Männer zuständig.

  4. Joachim Winter says:

    Sehr schön, wenn wir erst einmal keine Glauben mehr haben und alle Hoffnung auf das Diesseits gründen, dann wird alles gut. Schon jetzt sehen wir, wie sich gerade die religionsbefreiten Verantwortlichen auf Ihre Intelligenz besinnen und die Dinge kühlen Kopfes so regeln, das alles gut wird. Dann kommt noch Herr Keynes dazu und fertige ist die Paradies-auf-Erden-Laube.
    Ein Scienceblog-Fan

    • Wie in meinem letzten Kommentar auch hier der Hinweis: Es geht nicht um “Glauben als solchen”, sondern um organisierten Glauben, Glaubensinstitutionen, die sich auf Religion berufen und Religion zum Anlass nehmen, um Angst zu schüren und Freiheit zu unterbinden. Russell ist Individualist und als solcher hätte er die Vorschläge von Herrn Keynes in seiner kollektivistischen “General Theory” in gleicher Weise verworfen, wie die Friedman und Hayek getan haben und als Mitautor der Principia Mathematica hätte Russell vermutlich noch ganz andere Dinge zum ehemaligen Verwaltungsbeamten Keynes zu sagen gehabt …

  5. Pingback: Was ist Religion? | Kritische Wissenschaft - critical science

  6. A. Behrens says:

    Das wichtigste beim Text von Russel ist IMO das er eine Aussage über zwei orientalische Religionen (Islam und Christentum) trifft.

    Zum Vergleich die Götterwelt Indiens: Keiner der Götter dort ist absolut gut oder absolut böse. Jeder der Götter hat positive und negative Seiten. Und vor allem: Alle Götter müssen sich inkarnieren, also einen menschlichen Körper annehmen. Während der christliche Gott allmächtig, allwissend und unsterblich ist, sind indische Götter wie normale Menschen mit etwas erweiterten Fähigkeiten. Wenn es die Götter dort zu toll treiben, werden sie umgebracht oder verjagt.

    Gleiches gilt auch für die griechischen Götter.

    Noch besser sind Gottheiten im Taoismus/Buddhismus: Die werden nicht mal angebetet, da jeder Mensch und jedes Ding als grundsätzlich göttlich angesehen wird und der einzige Unterschied zwischen Gott und Mensch ein gewisser zeitlicher Vorsprung ist. Und dabei keine Aussage darüber gemacht wird, wer denn den Vorsprung hat. Denn alles kommt von Gott und geht nach Vollendung des menschlichen Seins zurück zu Gott. Es kann also sein, dass die aktuell geltenden Götter (etwa Dalei Lama) ihr Unerleuchtetsein noch vor sich haben…

    Lustig sind auch die ganz alten Naturgötter, etwa die Götter der alten Ägypter: Die mussten sogar arbeiten (z.B. Sonne durch die Gegend schieben), mussten also Anerkennung ihrer Göttlichkeit ihre Nützlichkeit erweisen.

    In meinen Augen ist daher Feminismus/Sozialismus die Endphase der christlichen Religionen.

    • Markus says:

      @Behrens: Aber dieser vor-ontologische Gottesbegriff ist doch auch hoffnungslos naiv, oder ?!?
      Und der “blind”-ontologische Gottesbegriff der Buddhisten liegt ja als “Unerkennbarkeitsmaxime” sowieso der gesamten modernen Wissenschaft seit Hegels Logik (“Das Sein ist das Nichts”) zu Grunde, oder irre ich ?!

  7. Markus says:

    Ich finde ihre Fokussierung auf den Machtaspekt bei der Religion fraglich. Der moderne Sozialstaat hat zweifellos ungleich mehr Macht, als die Kirche sie je besessen hat. Auch ist es selbstverständlich, dass Menschen sich bei gleicher Ausrichtung organisieren und zusammenschliessen, das tun Femispinner*Innen) genauso wie sciencefiler, das ist an sich aber noch nicht religiös – es sei denn man versteht Re-ligion in seiner etymologischen Form als re-legere = wieder – lesen, vergewissern.

    Falsch ist jedenfalls die Aussage, es gäbe zumindest für Christen eine “absolute Wahrheit”, Gott ist im Gegenteil unerkennbar, es gibt nur (praktische und gedankliche) Annäherungen.

    Auch Empiristen, Rationalisten, Kritische, Konstruktivisten “glauben” ja an ihre Epistemologie und verteidigen sie gegenüber “Andersgläubigen”, ohne deshalb schon indolent zu sein, geschweige denn “religiös” ?!?

    • Der moderne Sozialstaat hat zweifellos ungleich mehr Macht, als die Kirche sie je besessen hat.

      Das ist eine Behauptung, die vermutlich schwer zu belegen ist, aber vielleicht haben Sie ja doch einen Beleg…

      Dass sich Personen mit gleichen Ansichten zusammenfinden, ist auch nicht das Problem. Erst wenn Sie beginnen, andere zu missionieren, z.B. mit Zwang oder Erkenntnis verunmöglichen, wird es zum Problem

      Dass Sie behaupten, Gott sei nicht erkennbar, ist also keine Behauptung mit Wahrheitsanspruch. Warum behaupten Sie es dann? Übrigens die billigste der Methoden zur Kritikimmunisierung und zugleich die blödsinnigste, denn wenn etwas Unerkennbar ist, wieso soll es dann möglich sein, irgend etwas über das Unerkennbare auszusagen? Wenn Gott unerkennbar ist, dann ist er mit gleicher Wahrscheinlichkeit ein Verrückter, der im Dunkeln nagt und ein Versicherungsvertreter bei Hamburg Mannheimer.

      Sie haben Recht, alle Philosophen haben einen kleinen Dogmatismus, wie dies Popper genannt hat, aber dennoch unterscheiden sie Welten von einer Religion, denn sie versuchen, ihren “Glauben” zu prüfen und darüber hinaus ist der kleine Dogmatismus ein formaler, der sich auf die Methode und die Erkenntnislehre bezieht und kein inhaltlicher wie bei Religionen, der eine Erkennbarkeit der Welt in Abrede stellt, z.B. weil er behauptet, Gott sein unerkennbar…

    • heureka47 says:

      “Falsch ist jedenfalls die Aussage, es gäbe zumindest für Christen eine “absolute Wahrheit”, Gott ist im Gegenteil unerkennbar, es gibt nur (praktische und gedankliche) Annäherungen”:

      Einspruch!
      Für JEDEN Menschen – auch Nicht-Christen – ist Gott erkennbar im göttlichen Bewußtsein des Menschen, dem “Höheren / wahren Selbst”, im “wahren Sein”, dem wahren Erwachsenen-Bewußtsein, auch das “erkennende Bewußtsein” genannt.

      Allerdings leben die allermeisten “Erwachsenen” der zivilisierten Gesellschaft nicht in dieser, der höheren, Bewußtseins-Ebene, und zwar aufgrund der “Entfremdung” bzw. “Kollektiven Neurose” und der entsprechenden “Abtrennung” von dieser Bewußtseins- / Seins-Ebene. Die Bibel / Kirche nennt die ABTRENNUNG “Sünde”. Es handelt sich dabei um die Störung / Krankheit, die schon bei Moses – im “Tanz um das Goldene Kalb” – beschrieben wird und über die Jesus am Kreuz sagt: “…denn sie wissen nicht was sie tun”. Zudem stehen im Johannes-Evangelium dazu die Worte: “…hat ihre Augen verblendet und ihre Herzen verstockt, auf daß sie nicht sehen und ich sie heile.”

      Überdies beschreibt die Bibel in etlichen ihrer Geschichten – angefangen bei Adam und Eva (auch schon bei Adam und Lilith), bei Kain und Abel und etlichen weiteren – die Entwicklung und Symptome dieser Störung der Bewußtseins-Entwicklung bzw. WEITER-Entwicklung im Individuum. Mir will fast scheinen, die Bibel war weniger als Buch zur Religionsvermittlung geplant / gedacht, als vielmehr zur Aufklärung über die Krankheit, die von der Soziologie (die) “Kollektive Neurose” genannt wird.

      Von dieser Neurose werden zunächst einmal ALLE Menschen der zivilisierten Gesellschaft befallen – und nur sehr sehr wenige finden zur – grundlegenden, wahren – Heilung. Deshalb gehe ich davon aus, daß auch die große Mehrheit der religiös orientierten Menschen, auch “Christen”, von der Kollektiven Neurose befallen und beeinträchtigt sind und NICHT im wahren Erwachsenen-Bewußtsein, NICHT im “erkennenden Bewußtsein”, leben und folglich den wahren Gott auch nicht erkennen (können).

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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